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Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

Urlaub auf der Hallig Hooge (4): Willi im windigen Gewühl

Jede schöne Zeit hat irgendwann einmal ein Ende. Und schon versinkt der Mensch wieder in der grauen Suppe des elenden Alltags, konkret gesprochen: Ich hatte Urlaub und muss wieder zur Arbeit, um den schnöden Mammon für die Brötchen zu verdienen, die ich mit meinen Lieben zum Leben brauche. Oh, Elend! Und dem Klagen kein Ende!

Willi rollt

Okay, ganz so schlimm ist es nicht, auch wenn gleich am ersten Arbeitstag das während meines Urlaubs Liegengebliebene der Erledigung heischte. Immerhin verdeutlicht es mir, dass meine Kollegen auf meine Hilfe angewiesen sind. Bestimmte Sachen gehen nicht ohne mich, ha!

Willi wässert

Erst kürzlich gestand mir ein Bekannter, der seit geraumer Zeit in Rente ist, dass er massive Probleme hatte, sich dem Rentnerdasein zu stellen. Da kann ich eigentlich nur lachen. Für mich war und ist der Broterwerb notwendiges Übel, auf das ich zugunsten anderer Beschäftigungen gern verzichten kann. Es gibt anderes und besseres als die tägliche Tretmühle. Selbstbestimmt wünsche ich mir das Leben. Was nicht ist, soll bald werden.

Willi im Wind

Willi vom Winde zerzaust

Ach, was lamentiere ich hier. Ich sprach eingangs vom Urlaub. Und einen Teil davon machte ich mit meiner Frau – wie schon bekannt sein dürfte – auf einer Hallig. Halligen, Inseln, Nordsee! Wer denkt da nicht an Wellen, Strände und Sturmgebraus! So mancher Windzug zerzauste mir das schütterwerdende Haar, bis es mir zu Berge stand. Im Sturm klebte mir die Jacke förmlich am Körper. Und das Donnern der aufgewühlten Wellen erhöhte deutlich den Harndrang. Da musste Willi für kleine Antons.

Willi muss mal für kleine Antons

Oh, Alltag, Du hast mich nun wieder.

Aber in wenigen Stunden beginnt wieder das Wochenende. Da werde ich froh sein, die erste Woche Arbeit hinter mich gebracht zu haben. Zu Hause liegt ein Maßband. Es misst Inches, also in Zoll. Und es war einmal 100 Daumenbreit lang. Inzwischen ist es auf 90 Zoll geschrumpft. Jeder Zoll eine Arbeitswoche. Und zu Hause kommt die Schere, schnipp-di-schnapp, und schon ist das Maßband wieder ein Stück kürzer.

Urlaub auf der Hallig Hooge (3): Fundstücke (2)

Neben den Fundstücken der übelsten Art (Schuhe, Plastikmüll usw.), die der Mensch in den Meeren unseres Planeten (warum eigentlich: unseres Planeten? Wir benehmen uns wir die Eigentümer, sind es aber nicht) hinterlässt, gibt es natürlich (sic!) auch Fundstücke, die wir als Urlauber auf der Hallig Hooge nicht nur gesammelt, sondern zu Dekorationszwecken auch gern mit nach Hause genommen haben. Es sind Fundstücke, die die Natur hinterlassen hat.

Hallig Hooge 2017: Strandgut der natürlichen Art (1)

Besonders stolz bin ich auf den Fund zweier Holzstücke, die im Salzwasser sehr porös geworden sind und auf dem einen sich Seepocken niedergelassen haben, die in der Zeit abgestorben sind. Interessant ist auch der weiße Stein, einer weichen Variante des Kalksteins, nämlich Kreide. Im Wasser ist dieser rund geschliffen worden, kann aber weiterhin als Schreibkreide genutzt werden. Woher dieser wohl stammen mag? Die weißen Stöckchen sind wohl im Laufe der Zeit ausgeblichen, das besonders dünne ist dabei ungewöhnlich biegsam und scheint nicht zu brechen zu sein.

Hallig Hooge 2017: Strandgut der natürlichen Art (2)

Der Strand von Hooge besteht statt aus Sand aus den Sedimenten von Muscheln. Unzählige Muscheln werden laufend angespült und zerfallen zu Muschelkalk. So lassen sich hier die Schalen der unterschiedlichsten Muscheln finden. Dabei ist sicherlich mit am interessantesten die eingeschleppte Art der pazifischen Auster, dessen Schale die ungewöhnlichsten Formen bildet. Sehenswert sind auch die Schulpen, eine Art Rückenknochen der zu den Sepien gehörenden Tintenfische.

Hooge liegt im Wattenmeer und steht unter dem starken Einfluss der Gezeiten. Es ist Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen, die sich hier angesiedelt und den dort herrschenden Bedingungen angepasst haben. Zudem ist ein Wattenmeer oft ein wichtiges Rastgebiet für Zugvögel. An der Randzone zwischen Land und Meer sind zudem Salzwiesen entstanden, die einer Vielzahl an salzresistenten Pflanzen Lebensraum bieten.

Eine Reise zu einer Hallig wie Hooge ist eine Reise in die Natur. Meine Frau und ich haben den Aufenthalt auf Hooge sehr genossen.

Urlaub auf der Hallig Hooge (2): Fundstücke (1)

Nach Langeneß zu Weihnachten 2016 war für meine Frau und mich jetzt die nächste Hallig, nämlich Hooge, Ziel einer Reise. Hooge unterscheidet sich gegenüber anderen Halligen (z.B. Langeneß) durch einen rund 1,20 Meter hohen Steindeich, so dass sie vor Überflutung durch leichtere Sturmfluten geschützt ist. Dennoch wird die Hallig durchschnittlich zwei- bis fünfmal jährlich von Landunter betroffen. Die Bewohner der Hallig siedeln auf zehn Warften. Eine elfte Warft ist unbewohnt. Auf diesem so genannten rund 11 km langen Sommerdeich kann man die Hallig sehr gut umrunden. Oft befinden sich auch Trampelpfade auf den Wiesen gleich neben dem Deich, die zum Barfußlaufen geradezu einladen. Seit meiner Kindheit bin ich wohl nicht mehr so viel barfuß durch die Gegend gewandert wie hier. So nebenbei kommen dann auch Kindheitserinnerungen ins Gedächtnis.

Es muss wohl nicht ausdrücklich betont werden, dass unsere Meere zu Müllhalden verkommen. Am Strand von Hooge liegen beispielsweise Säcke aus, in denen der Plastikmüll, der aus dem Meer angeschwemmt wurde, gesammelt wird. Sammeln darf jeder, der will. Ist klar. Mit meiner Frau habe so auch ich mich eigentlich nur spaßeshalber daran gemacht, Plastikmüll aus dem Meer einzusammeln. Die Ausbeute von einem etwa 500 Meter langen Teilstück des südlichen Strandes war erschreckend – wie das Bild unten zeigt. Dabei soll es in letzter Zeit mit dem Müll lt. Auskunft eines Mitarbeiters des Gemeindehauses deutlich besser gestellt sein.

Hallig Hooge 2017: Plastikmüll vom Strand

Neben Plastikflaschen, einer Zahnbürste, einem Behälter aus Plastik (in dem wir dann weiteren Müll sammeln konnten) und Tetrapacks fanden wir Styroporteile, Bänder mit Luftballonresten (von welcher Feier auch immer), Teil eines Babyschnullers, viele kleine Teile von Plastikfolie – und ein Holztäfelchen (Drifter), das die Universität Oldenburg ausgeworfen hatte, um in dem Projekt „Macroplastics“ zu erkunden, wie sich Plastikmüll in der Nordsee verteilt. Unser Drifter wurde am 04.07.2017 in Schillig an der äußersten Nordost-Spitze der Ostfriesischen Halbinsel ins Meer geworfen und ist so in rund sechs Wochen in nord-östliche Richtung bis Hooge ‚gedriftet‘. So nebenbei dienten wir also selbst im Urlaub der Wissenschaft.

Aber es ist natürlich nicht nur Plastikmüll, der an den Strand von Hooge angeschwemmt wird. Auf der Hanswarft werden seit 1991 alle angespülten Schuhe gesammelt. Das Ganze ergibt ein Kunstwerk der bizarren Art.

Hallig Hooge 2017: Strandgutschuhe ab 1991

Aber es gibt auch Fundstücke, die die Natur hinterlässt. Dazu im nächsten Beitrag mehr.

Urlaub auf der Hallig Hooge (1): Schleusenfest 2017

Nun ist er also schon wieder vorbei, unser Urlaub und damit auch unser achttägige Aufenthalt auf der Hallig Hooge. Nach unserem Aufenthalt zu Weihnachten 2016 auf Langeneß war es unser zweiter Hallig-Urlaub. Auf Hooge waren es acht wirklich erholsame Tage. Auch das Wetter spielte meistens mit, was in diesem Jahr leider nicht so oft vorkommt. Lediglich am Samstag, den 12. August, regnete es dann ganzen Vormittag bis gegen 14 Uhr. Und genau zum Beginn des Schleusenfestes schloss Petrus die Regenschleuse, auch wenn es windig und frisch blieb.

Nun viel passiert nicht gerade auf einer Hallig. Da ist so ein Schleusenfest schon eine Attraktion. Zunächst saßen die Hooger und auch viele Urlaubsgäste bei Kaffee und Kuchen beisammen. Einige gönnten sich auch schon ein Bier. Dann fand in einem Priel unweit der Schleuse (daher der Name Schleusenfest) ein Seglerwettkampf in der Bootsklasse Optimist statt. Es war gewissermaßen die Hooger Meisterschaft. Dazu waren aber auch Segler von Sylt und Husum angereist.


Hallig Hooge – Schleusenfest 2017 (Teil 1): Opti-Segler

Inzwischen wurden die Grills angeworfen. Und u.a. mit Bratwurst vom Galloway-Rind und Lammfrikadellen, also von Tieren, die auf der Hallig gezüchtet werden, konnten sich die Besucher stärken. Als weiteren sportlichen Höhepunkt gab es dann das Tautrekken, also Tauziehen, das vor allem auch zur allgemeinen Belustigung diente. Auch eine Mannschaft der ‚Hooge-Touris‘ nahm daran teil und schlug sich gar nicht mal schlecht. Mannschaftsnamen wie ‚Vikings‘ und ‚Wacken-Spacken‘ sind mir noch in Erinnerung.


Hallig Hooge – Schleusenfest 2017 (Teil 2): Tautrekken

Meiner Frau und mir wurde es dann doch etwas zu frisch. So zogen wir gegen 21 Uhr los zurück in unsere Ferienwohnung. Das Schleusenfest soll aber noch bis tief in die Nacht gedauert haben (bis nach 2 Uhr morgens). Dabei dürften noch etliche Liter Bier verkosten worden und Hooger wie Urlaubsgäste sich ein wenig näher gekommen sein.

Schleusenfest auf der Hallig Hooge 2017: Tautrekken

Wir fanden das Fest auf jeden Fall ganz witzig. Ansonsten genossen wir auf Hooge die Ruhe in der Natur. Davon in den nächsten Tagen etwas mehr. Soviel kann ich aber schon sagen: Seit meiner Kindheit bin ich nicht mehr so viel barfuß durch die Gegend gezogen wie auf Hooge. Besonders die Trampelpfade am so genannten Sommerdeich laden dazu ein.

Hopfen und Hörnchen

Es ist schon erstaunlich, was in einem Garten so alles gedeiht. Mag es sich aus übriggebliebenem Vogelfutter entwickelt oder durch den Wind herbeigeweht haben. Am Schuppen für unsere Fahrräder und viel Kinderspielgerät wächst der Hopfen. An seinem Laub, das Ahornblättern ähnelt, laben sich kleine Raupen. Und die locker hängenden Blütenrispen erinnern mich an den verzweigten Blütenstand der Weinrebe, wenn sie auch viel kleiner sind.

Hopfen in AlbinZ Garten

Und neben Pflanzen, die sich ohne unseren Willen im Garten aussähen, gibt es manchen Zaungast, der immer wieder vorbeischaut. Wir haben eine Überwachungskamera im Garten installiert. Eigentlich, um zu sehen, welche ungebetenen Eindringlinge sich zeigen. Aber die Kamera hält natürlich auch die Gäste fest, die gern gesehen sind – wie Vögel aller Art, den Igel, der fast täglich im Dunkeln bei uns vorbeischaut, oder Eichhörnchen, die in einem kleinen Futterhaus so manche Wal- oder Erdnuss finden. Ich hatte schon als Kind eine gewisse Zuneigung zu diesen possierlichen Tierchen und erinnere mich an die Zeit in Bremen, als ich mit meinen Eltern durch den Bürgerpark spazierte, in dem sich Eichhörnchen ohne Scheu den Menschen näherten.

Eichhörnchen als Zaungast in AlbinZ Garten

Unserem Nachbarn mag unser Garten eher ein Dorn im Auge sein, wächst dort u.a. auch Brennnessel und Giersch, was als Wildgemüse Eingang in unsere Küche findet. Die jungen, grünen Blätter des Giersch enthalten Vitamin C, Carotin, Calcium, Magnesium, Eisen und Kupfer, sind also gesund. Und das weiß natürlich auch die Fauna zu schätzen. Und so schließt sich in gewisser Hinsicht der kleine natürliche Kreislauf unseres Gartens.

Christas Bärchen 22: Me and My Family … Stiefel von Dogo

Eigentlich hat meine Frau das Bärchensammeln eingestellt. Nach 1.111 Bärchen reicht es. Da sind Bärchen als Teddybären aus den unterschiedlichsten Materialien wie Texilfasern aus Mohair oder Alpaca, aber auch Bären aus Metall oder Holz. Die Größe variiert von wenigen Millimetern bis hin zu weit über einen Meter. Einige habe ich ja in diesem Blog bereits vorgestellt. Dann gibt es auch Bären für den Hausgebrauch wie Kaffeekannen, Teebecher und auf Textilien wie Sweatshirts. Was irgendwie noch fehlte, waren Bärchen, die auf Schuhwerk abgebildet sind. Und es kam so, wie es kommen musste: Bei einem Bummel durchs Hamburger Schanzenviertel letzten Samstag entdeckte meine Frau Boots, auf denen gleich eine ganze Bärenfamilie abgebildet ist. Und so war der Vorsatz, keine weiteren Bärchen zu sammeln, schnell gebrochen. Wenigstens für dieses eine Mal.

Christas Bärchen 22: Me and My Family … Stiefel von dogo

Okay, witzig sehen diese Boots schon aus. Cool – wie unser jüngste Sohn meinte. Zudem sind sie vegan, d.h. nicht aus Leder, sondern aus einem hochwertigen Lederimitat, welches auch bei der Decksohle zum Einsatz kommt. Im Innenteil wurde Alcantara verarbeitet. Kein Tier musste für diese Boots sein Leben lassen. Und bequem sind sie außerdem. Vielleicht muss man etwas ‚verrückt‘ sein, um solche Boots zu tragen. Aber irgendwelche Macken hat ja jeder.

Querbeet (10): Sommerzeit? Irgendwie schon …

In der Mittagspause nutze ich die Zeit, um im Schanzenviertel einzukaufen. Da gibt es ‚den Türken‘, bei dem ich hauptsächlich Gemüse, frische Kräuter, Fladen- und Kräuterbrot, die unterschiedlichsten Cremes aus Frischkäse u.v.m. kaufe; zu finden ist der in der Susannenstraße/Ecke Bartelsstraße.

Helal Pazar - der Türke meines Vertrauens

Heute war ich in ‚Bruno’s Käseladen‘ und habe uns für eine Woche mit leckerem Käse eingedeckt. Käse ist nicht gerade billig. Da sollte es schon etwas Gutes sein. Gleich gegenüber im Schulterblatt befindet sich das Café Stenzel, das natürlich auch Brot verkauft. Erst am Wochenende war ich mit meiner Frau dort und wir haben uns exquisite Obsttorte gegönnt.

Ja, auch das ist das Schanzenviertel.

.... querbett

Angesichts der Tatsache, dass ich bald Urlaub haben werde, sollte ich froh und glücklich sein. Wäre da nicht dieses unerträgliche Wetter. Seit gestern gegen 17 Uhr regnet es in einer Tour, mal etwas weniger, meistens aber mehr, als es für einen Sommer auskömmlich ist. Und die Aussichten sind auch nicht gerade verheißungsvoll. Natürlich muss man nehmen, was kommt, zumindest was das Wetter betrifft. In sonnigere Gefilde wird es uns auch dieses Jahr nicht verschlagen, bekanntlich liegt das Gute oft sehr nah. Und gerade in Norddeutschland gibt es noch reichlich Ecken, in die wir, meine Frau und ich, noch nicht geblickt haben. So lasst uns blicken …

Wigald Boning: Im Zelt – Von einem, der auszog, um draußen zu schlafen

Zelten – da denkt man an Sommerurlaub, romantische Abende am See, an Lagerfeuer, Luftmatratzen und Grillwürstchen. Vielleicht noch an Mücken. Was aber, wenn das Zelt zum Schlafplatz im Alltag wird? Und zwar über Herbst und Winter hinweg, bei Wind und Wetter, über 200 Nächte am Stück? Wigald Boning probiert es aus. Er sagt Matratze und Federbett ade und schläft draußen: auf Campingplätzen und in Flussbetten, auf Häuserdächern und Balkonen, am Strand und auf Parkbänken. Was er dabei erlebt und welcher Traum dabei in Erfüllung geht, erzählt er in diesem Buch.

Wigald Boning schläft draußen: Über ein halbes Jahr, von August bis März, im Zelt. Auf Campingplätzen, in Gärten und Parks, auf Dächern und Balkonen und ja, auch in Flussbetten. Dabei muss er feststellen, dass ein rotes Zelt beim Wildcampen eher ungeeignet ist, eine Woche Dauerregen die Moral erheblich sinken lässt und man in einer Sturmnacht niemals unter einem Baum zelten sollte. Aber er wäre nicht Wigald Boning, wenn er nicht all diesen Widrigkeiten trotzen würde – wozu auch das Kopfschütteln sämtlicher Freunde und Bekannten gehört.
(Kladdentext)

Wigald Boning zeltet im Bremer Weserstadion – SV Werder Bremen

Während ich das Buch Im Zelt: Von einem, der auszog, um draußen zu schlafen las, überlegte ich, wo ich in meinem bisherigen Leben in einem Zelt übernachtet habe. Ein großer Camper bin ich eigentlich nicht. Daher wunderte ich mich, dass ein Zelt doch schon häufig das Dach über meinem Kopf bildete. Meine Schwester hatte mit ihrem Mann in meiner Jugendzeit einen Stellplatz auf einem Campingplatz am Otterstedter See gleich hinter Bremen. Dort war ich natürlich öfter am Wochenende und schlief meist in einem Zelt. Dann war das Zelt öfter Begleiter auf Fahrradtouren durch Norddeutschland. Ich denke da eine Tour durch Ostfriesland, die mich und meinem Kumpel u.a. auch auf die ostfriesische Insel Norderney brachte. Bei einer Jugendherberge konnten wir unser Zelt aufschlagen. Überhaupt zeltete ich öfter auf Inseln, so 1990 u.a. am Mývatn auf Island und fünf Jahre zuvor schon auf der Isle of Skye in Schottland. Fehmarn (Anfang der 1980er Jahre) nicht vergessen (sicherlich später etwas mehr dazu).

Wigard Boning kennen sicherlich viele aus dem Fernsehen. Er hat sich durch manch kuriose Idee hervorgetan. Und so darf man sich nicht wundern, wenn er auf den Einfall kam, während seiner Touren für längere Zeit die Annehmlichkeiten von Hotelzimmern mit dem Zelt im Freien zu tauschen. Dass das auch Stoff für ein Buch sein könnte, war ihm dann wohl schon früh klar. Im Übrigen sammelt Wigard Boning Einkaufszettel und Nasenhaarschneider und ist als Botschafter für eine Initiative von Werder Bremen unterwegs. So nächtigte er auch eine Nacht im Bremer Weserstadion. Zuletzt war Boning mit seinem Roller dabei, die Alpen zu überqueren (dürfte wieder ein Buch dabei herausspringen).

Es ist ein durchaus amüsantes Buch und macht irgendwie Appetit, selbst einmal wieder ein Zelt in der freien Natur aufzuschlagen (es müssen dann ja nicht 200 Tage am Stück werden). Gerade jetzt in der sommerlichen Urlaubszeit ist es sicherlich ein Buch, das noch im Koffer (oder Rucksack) Platz finden dürfte.

Mönche der knotigen Braunwurz

Unser Garten ähnelt einem Urwald. Da kommt es vor, dass sich auch Pflanzen von selbst aussäen. So wächst dort eine Pflanze, von der wir lange nicht wussten, um was es sich dabei handelt. Bis sich eines Tages Raupen auf ihr niederließen. Dank eines Bestimmungsbuches für Schmetterlinge war uns dann klar, dass es sich bei der Pflanze um die knotige Braunwurz handelt. Denn die Raupen waren die des Braunwurz-Mönches, eines Nachtfalters.

Raupen des Braunwurz-Mönches auf der knotigen Braunwurz

Die Raupen sitzen allgemein tagsüber frei an der Pflanze. Offensichtlich wirkt ihre Farbe abschreckend auf Fressfeinde. Sie ernähren sich von Knospen, Blüten und bevorzugt Früchten der Wirtspflanze. Die Verpuppung erfolgt im Herbst im Boden in einem sehr festen Kokon, wobei die Puppen häufig ein bis zwei Jahre überliegen.

Es dauerte nicht lange, bis die Raupen ‚verschwanden‘. Erst dachten wir, sie wären von Vögeln gefressen worden. Jetzt gehen wir davon aus, dass sie sich, nachdem sie sich vollgefressen hatten, auf den Boden haben fallen lassen, um sich dort im Laufe der nächsten Tage oder Wochen zu verpuppen.

Siehe auch:
Raupen von Schmetterlingen (Diestelfalter)
Schmetterlinge
Fauna im Garten
Schmetterlinge in AlbinZ Garten
Gespenstiges Gespinst

G20 – der Kampf für eine gerechtere Welt geht weiter!

Eine meiner Arbeitskolleginnen wohnt in Hamburg-Altona und konnte die drei Nächte bis zum Sonntag nicht richtig schlafen. Es waren nicht nur die Krawalle, es waren die über Hamburg kreisenden Hubschrauber und vieles mehr, was ihr bis zum frühen Morgen den Schlaf raubte.

Eine andere Arbeitskollegin machte am Donnerstag, dem Anreisetag der Gipfelteilnehmer, um 13 Uhr Feierabend, war dann erst um 19 Uhr zu Hause. Ihr Auto stellte sie unterwegs ab, um überhaupt nach Hause zu kommen, und musste dann noch eine Stunde zu Fuß gehen. Viele Straßen waren nicht nur vorübergehend, sondern durchgehend bis in den Abend gesperrt.

Olaf Scholz, Hamburgs Erster Bürgermeister, wird den Tag verdammen, an dem er der Kanzlerin Merkel die Zusage machte, Hamburg als Austragungsort des G20-Gipfels zuzulassen. Vielen, besonders Sicherheitsexperten, galt allein die Nähe der Messehallen als Ort des Gipfels zum Schanzenviertel als äußerst problematisch. Dass sich genau in diesem Viertel Krawalle ereigneten, die bürgerkriegsähnlich zu nennen sind, hätte eigentlich keinen verwundern dürfen. Wenn sich nun neben Scholz auch der Innensenator und der Polizeichef verwundert über das Ausmaß der Ausschreitungen zeigen, zeigt das nur, dass im Wesentlichen nur der eine Teil geplant wurde, die Infrastruktur des Gipfels, nicht aber die Gegenbewegung. Dem letzten sollte das Verhängen eines Versammlungsverbotes über 38 Quadratkilometer der Stadt durch die Polizei Genüge tun.


G20 – Wieder Ausschreitungen auf St. Pauli und in der Schanze

Für die Polizeistrategie war Hartmut Dudde zuständig. Innerhalb der Polizei ist er beliebt, ihm werden Führungskraft und Organisationstalent nachgesagt. Seine Personalie ist aber vor allem ein Zeichen dafür, wie die Polizei an die Proteste herangeht. Auf einer Pressekonferenz stellte er unlängst klar, dass er gewillt ist, alles einzusetzen, was an technischem Equipment zur Verfügung steht. Keine Worte der Deeskalation. Vielen Dank, Herr Dudde!

Gegen den G20-Gipfel formierten sich viele Proteste, die im Wesentlichen friedlich verliefen. Ziel war es, den Gipfel auch zum Symbol des Widerstands werden zu lassen. Zwar zweifelte niemand daran, dass die Staats- und Regierungschefs am Ende in Hamburg ihr Programm durchziehen werden. Aber sie sollten es eben nicht ungestört tun.

Die Proteste – und damit auch die Krawalle durch die linksautonome Szene – richteten sich z.B. gegen die Auswüchse des global ausgerichteten Wirtschaftssystems, gegen Ausbeutung der Menschen in den Ländern der 3. Welt und die Bodenschätze dort. Die Regierungen der Industrieländer als jeweilige Staatsmacht gelten dabei als Bewahrer dieses Systems. Und die Polizei ist die Vertretung dieser Staatsmacht nach außen. Indem sich die linksautonome Szene besonders gegen die Polizei ausrichtet, kämpfen sie gegen die Staatsmacht und damit gegen die herrschenden Strukturen in Politik und Wirtschaft: die Polizei als Feindbild, die notfalls mit Gewalt zu bekämpfen ist.

So wurde der G20-Gipfel auch zu einer Plattform für diese linksextreme Szene. Je lauter die Krawalle, umso mehr Aufmerksamkeit wurde dieser Szene zuteil. Dass am Ende, auch dank des sehr mageren Ergebnisses der eigentlichen G20-Veranstaltung, Bilder von brennenden Barrikaden, geplünderten Läden und vermummten Gestalten bleiben, wird die Randalierer freuen. Damit haben sie ihr Ziel erreicht. Froh sein darf man darüber, dass es trotz der großen Sach- und der vielen Personenschäden, zu keinem Todesfall gekommen ist.

Straßenschlacht zwischen Autonomen und der Polizei – Schulterblatt/Schanzenviertel in Hamburg 07./08.07.2017

Nebenbei bemerkt: Angeblich sollen sich auch rechtsextreme Gruppen an den Krawallen beteiligt haben. Diese sind von den schwarz vermummten Autonomen kaum zu unterscheiden. Und: Während der Krawalle wurden Internet und Mobilfunk gestört, um die Kommunikation zwischen den Randalierern zu unterbinden. Es gab noch einige andere Meldungen im Netz, auch von der Polizei, die sich dann als falsch herausstellen.

Ich bin eben durchs Schanzenviertel gegangen und musste feststellen, dass die gestrige Aktion Hamburg räumt auf ganze Arbeit geleistet hat: Die Spuren der Verwüstung besonders im Schulterblatt sind beseitigt; trotz Regen sitzen die Menschen wieder in den Cafes. Leider haben mein Käsehändler und auch der kleine Teeladen gelitten. Fensterscheiben wurden eingeworfen und sind notdürftig repariert. Das Leben geht weiter, auch wenn es immer noch leicht nach verbranntem Asphalt stinkt.

Hamburg räumt auf – Schulterblatt/Schanzenviertel in Hamburg am 09.07.2017

Fazit: Olaf Scholz, der Bürgermeister, hat sich von der Bundeskanzlerin eine Veranstaltung aufschwatzen lassen, die in einer Stadt wie Hamburg fehl am Platze ist. Hinzu kommt seine geradezu tragisch zu nennende Fehleinschätzung:

Auch hätte sich Scholz, statt im Partnerprogramm Mrs. Trump und Co. das Rathaus zu zeigen, schon etwas früher im Schanzenviertel zeigen sollen. Er trägt die politische Verantwortung Natürlich fordert die Opposition, die CDU und die FDP allen voran, seinen Rücktritt. Was diese hätten besser machen können, sagen sie nicht. Natürlich sind es jetzt die Law-and-Order-Politiker, die besonders laut nach Konsequenzen rufen. Dabei darf eines nicht vergessen werden: Der Einsatz für Frieden, für gerechtere Verteilung der Ressourcen geht weiter. Leider lenken solche Gewaltexzesse, wie jetzt im Hamburg geschehen, von den eigentlichen Problemen ab und spielen den Globalplayern in die Hände.

Nachtrag: Nach dem G20-Gipfel fordert der Einzelhandel in Hamburg einen Ausgleich für die Umsatzeinbußen der Händler in der Innenstadt von angeblich 18 Millionen Euro. Dafür, so in einem offenen Brief an Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), fordert der Einzelhandel zwei zusätzliche verkaufsoffene Sonntage im Dezember, also an zwei Adventssonntagen, als Ausgleich. Ohne Zweifel haben die Händler große Einbußen erlitten, die aber sicherlich zu einem Teil in dieser Woche wieder ausgeglichen werden (nicht nur durch Schaulustige!). Dass die Vorweihnachtszeit mehr und mehr dem Kommerz dient, ist nichts Neues. Aber zwei Adventssonntage zusätzlich einzufordern, ist unverschämt. Mir tun da die Verkäuferinnen und Verkäufer Leid. Zeigt sich hier wieder einmal die „widerliche Fresse des ungezügelten Kapitalismus“?