Kategorie-Archiv: Reisen

AlbinZ Urlaubsreisen

Urlaub auf der Hallig Hooge (6): Dit un dat

Wer eine Reise tut, der kann etwas erleben. Wer die Hallig Hooge besucht, findet Ruhe. So und so kann der Reisende etwas erzählen. Von Hooge sind es die kleinen, vielleicht etwas kuriosen Dinge, die meine Frau und mich während unseres Urlaubs im August zum Schmunzeln gebracht haben und von daher erzählenswert sind.

Zunächst ist da natürlich die Möwe, die auf einem Holzpfahl am Fährhafen sitzt. Ein beliebtes Motiv der Nordseereisenden, dem auch wir uns nicht zu entziehen wagten. Statt der allzeit beliebten Katzenfotos hier also ein Möwenfoto:

Hallig Hooge 2017: Möwe auf Holzpfahl

Auf den Warften ist es verboten, mit dem Fahrrad zu fahren. Das gilt natürlich auch für alle anderen, insbesondere motorisierten Fahrzeuge. Dort gibt es nämlich nur schmale, kurze Wege, die gerade für Fußgänger genügen. Außerhalb der Warften sind auf Hooge (wie z.B. auch auf Langeneß) Fahrzeuge so ziemlich aller Art durchaus erlaubt. Damit die Radler ihre Räder abstellen können, gibt es ‚Parkplätze‘ für Fahrräder mit dem dezenten Hinweis: ‚Fahrrad hier abstellen‘. Ohne Ausrufungszeichen! Das soll aber heißen, das Fahrrad auf der Warft nicht zu benutzen. So kommen die Hooger auch ohne Verbotsschilder aus.

Hallig Hooge 2017: Fahrradparkplatz

Auf Hooge gibt es auch einen Postboten. Zu seinen Aufgaben gehört es natürlich auch, all die Briefkästen zu entleeren, die es auf der Hallig gibt. Jede Warft hat seinen eigenen Briekasten. Und davon gibt es zehn (zehn bewohnte Warften = zehn Briefkästen). Wie wir schon auf anderen Inseln und Halligen gesehen haben (z.B. auf Neuwerk 2009) sind die Leerungszeiten „gezeitenabhängig“. So auch hier. Auf der Ockelützwarft, auf der sich auch die Schule befindet, ist der Briefkasten weithin sichtbar aufgestellt. Diese Warft ist ziemlich mittig auf der Hallig und der Standort des Briefkastens beantwortet manchem Gast die Frage, wo denn der nächste Briefkasten ist, um die Postkarten an die Lieben daheim loszuwerden (Postkarten und Briefmarken gibt es u.a. beim Halligkaufmann auf der Hanswarft).

Hallig Hooge 2017: Briefkasten auf der Ockelützwarft

Da wir speziell bei den Warften sind. Eine Besonderheit besteht darin, dass der Halligboden kein Süßwasser speichert, sodass es auf den Halligen außer Regenwasser kein natürliches Süßwasser gibt. Früher wurde deswegen das Regenwasser in den Fethingen gesammelt, die in der Regel als Viehtränke dienten und den Eindruck eines normalen Teichs erwecken. Meist wurden sie an der höchsten Stelle angelegt, also etwa in der Mitte der Warft. Solche Fethingen gibt es natürlich auch heute noch. Sie haben mehr dekorativen Charakter. Hier ein solcher Fething von der Hanswarft.

Hallig Hooge 2017: Fething auf der Hanswarft

Unsere kleine Kuriositätensammlung geht weiter: Meine Frau und ich haben viele Schafe und Rinder gesehen, die sich ihr Fell an Zäunen kratzten. Wen’s juckt, der kratze sich! Neben der Westerwarft fanden wir dann einen ganz speziellen Kratzbaum für Rinder. Da hätte selbst ich mich kratzen mögen, wenn’s Fell gejuckt hätte.

Hallig Hooge 2017: Kratzbaum für Rinder

Tief buddeln ist wohl auf einer Hallig nicht möglich. So liegen z.B. die benötigten Kabel für die Stromversorgung nicht allzu tief in der Erde. Da kann es dann schon sein, dass ein Kabel einen Graben (eigentlich Priel) kreuzt. Klingt nach Alliteration. Von daher schon erwähnenswert.

Hallig Hooge 2017: Kabel kreuzt Graben

Eigentlich sollten die Hooger friesisch, genauer nordfriesisch sprechen. Aber das Plattdeutsche hat auch hier weitestgehend die eigentliche Mundart abgelöst. Und natürlich Hochdeutsch. Ich komme darauf, weil ich hier auf einen plattdeutschen Begriff zurückkommen möchte. An der Nordsee im Friesischen hat man eine Vorliebe für Alkoholisches mit Eiern: Eiergrog bzw. Eierpunsch oder Eierlikör. Nun bezeichnet man umgangssprachlich die männlichen Hoden auch gern als Eier. Auf Plattdeutsch heißen sie Klöten, denn Ei und Eier bleiben Ei und Eier. Nun, der Begriff, auf den ich hier zu sprechen komme, heißt Klötenköm. Wobei Köm ein Schnaps ist (Aquavit oder ein Kornbrand).

Zurück zu den Klöten. Kein Neid, meine Herren! Und meine Damen, verkneifen Sie sich Ihr spöttisches Lächeln! Meine Frau kam nicht umhin, das stierische Gehänge fototechnisch festzuhalten:

Hallig Hooge 2017: Des Stieres Geklötere

Auf der Hinfahrt nach Hooge kreuzten wir einem Krabbenkutter. Mich wunderte eigentlich nur, dass überhaupt Krabben den Weg an Bord des Schiffes fanden – bei der Fülle an Möwen, die sich auf den Fang stürzten. Dabei formierten sich die Möwen zu einem ‚Rad‘: Hinter dem Kutter ließen sich Möwen auf die Beute in die Fluten fallen, um nach wenigen Metern wieder aufzufliegen und sich den bereits aufgeflogenen Möwen anzuschließen, die sich wieder dem Kutter näherten. Ein sonderbares Schauspiel.

Hallig Hooge 2017: Krabbenkutter

siehe auch alle anderen Beiträge:
Urlaub auf der Hallig Hooge (1): Schleusenfest 2017
Urlaub auf der Hallig Hooge (2): Fundstücke (1)
Urlaub auf der Hallig Hooge (3): Fundstücke (2)
Urlaub auf der Hallig Hooge (4): Willi im windigen Gewühl
Urlaub auf der Hallig Hooge (5): Von Warften, Ebbe und Flut (in Videos)

Urlaub auf der Hallig Hooge (5): Von Warften, Ebbe und Flut (in Videos)

Vom 7. bis 14. August 2017 weilte ich mit meiner Frau auf der Hallig Hooge im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Die Halligen sind kleine, nicht oder nur wenig geschützte Marschinseln vor den Küsten, die bei Sturmfluten überschwemmt werden können. Die Halligen erheben sich nur wenige Meter über dem Meeresspiegel, weshalb sie während einer starken Flut mit Ausnahme der Warften, künstlich aufgeschütteten Hügeln, auf denen die Häuser stehen, überspült werden („Landunter“).

Hallig Hooge 2017: Gang zur nächsten Warft

Hier einige filmische Impressionen von unserem Urlaub.

Nun zu einer Hallig wie Hooge kommt man vom Festland aus mit der Fähre. Wir sind von Schlüttsiel mit einer Fähre der Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR), der „Hilligenlei“, gefahren und nach gut einer Stunde angekommen.


Hallig Hooge 2017 (1): Fährbetrieb

Das Wattenmeer ist geprägt von den Gezeiten, der Tide, also von Ebbe (Niedrigwasser) und Flut (Hochwasser). Bei Ebbe kann man weit ins Watt, dem freiliegenden Grund der Nordsee, hinausgehen. Das Watt wird zweimal am Tag während des Hochwassers überflutet und fällt bei Niedrigwasser wieder trocken, wobei das Wasser oft durch tiefe Ströme (Priele) abfließt. Der zeitliche Abstand zwischen einem Hochwasser und einem Niedrigwasser beträgt durchschnittlich sechs Stunden und zwölf Minuten.


Hallig Hooge 2017 (2): Ebbe und Flut

Eine Warft ist ein aus Erde aufgeschütteter Siedlungshügel, der dem Schutz von Menschen und Tieren bei Sturmfluten dient. Auf einer Warft können sich je nach Ausmaß Einzelgehöfte oder auch Dorfsiedlungen (Warfen- oder Wurtendörfer) befinden. Die Form der Warften ist meist rund. Die Kirche von Hooge samt Wohnstatt des Pastors ist auf einer eigenen Warft zu finden.


Hallig Hooge 2017 (3): Kirchwarft

Und noch mehr Warften …


Hallig Hooge 2017 (4): Warften

Für den Erlebnishungrigen ist eine Hallig sicherlich nicht der richtige Ort. Hier herrscht vor allem Ruhe. Entspannende Ruhe bei Natur pur. Schnell sind alle Wege und damit alle Warften abgeklappert, aber es gibt immer wieder etwas Neues zu erkunden, sei es im Watt oder am Strand. Schnell ist man bekannt, grüßt mit einem ‚Moin‘ und kommt ins Gespräch. Eine Hallig ist eine kleine Welt.


Hallig Hooge 2017 (5): Seglerhafen und mehr

Bäume finden sich auf einer Hallig nur auf den Warften. Selbst Büsche findet man sonst nirgends. So ist der Blick frei auf Land und Meer. Das ist es wohl, was am Ende am meisten auffällt. Kaum an Land, ist alles ‚zugestellt‘ durch Häuser. Diese freie Sicht lässt auch den Geist und die Seele frei werden.

Höllentalangerhütte 2002 und 2017

Neben den Satiresendungen extra 3 und Heute-Show schaue ich in großer Regelmäßigkeit auch die Sendung Quer vom Bayerischen Rundfunk. Wie Christoph Süß diese Sendung moderiert, ist einfach köstlich. In der Sendung vom 7. September 2017 ging es u.a. um die Frage: Wie viel Komfort verträgt der Berg? Dreh- und Angelpunkt war dabei die Höllentalangerhütte, unterhalb vom Waxenstein und der Zugspitze gelegen. Für mich (und meine Familie) hat diese Almhütte eine besondere Bedeutung.

2002 war ich nämlich mit meiner Familie in Grainau an der Zugspitze in Urlaub. So besuchten wir dort auch die Höllentalklamm und die dahinter liegende Höllentalangerhütte. Die Hütte liegt in 1387 m Höhe und ist über Hammersbach, einen Ortsteil von Grainau, und der Höllentalklamm zu erreichen. Der Weg dorthin ist auch für Familien (wie die meine) gut zu begehen. Landschaftlich einfach wunderschön, ja geradezu atemberaubend.

Höllental(anger)hütte 2002

Damals vor nun 15 Jahren stand da noch die 1893 erbaute Hütte, ein durchweg uriger Holzbau, sicherlich sehr spartanisch eingerichtet mit einer sehr übersichtlichen Speisekarte. Meine damals elf- bzw. achtjährigen Söhne aßen z.B. Spaghetti mit Tomatensoße – wie das Foto zeigt.

Höllental(anger)hütte 2002 von Innen

Die Höllentalangerhütte ist für erfahrene Bergsteiger der ideale Ausgangspunkt, um die Zugspitze von ihrer anspruchsvollen Seite über die berühmte Höllentalroute zu besteigen. Aber auch für bergbegeisterte Familien – wie gesagt – ist sie ein außergewöhnliches Ziel für Tagestouren oder ein Wanderstützpunkt.

Die ursprüngliche Höllentalangerhütte musste 2013 abgerissen werden, da sie nicht mehr den heutigen Anforderungen an Brandschutz, den Arbeitsstättenrichtlinien oder den hygienischen Anforderungen aus dem Lebensmittelrecht entsprach. An ihrer Stelle wurde 2014–15 die neue Höllentalangerhütte gebaut. Im Rahmen des vollständigen Abrisses 2013 wurde das Blockhaus, die „Urzelle“ der Hütte, zunächst eingelagert, im Außengelände des Alpinen Museums München wieder aufgebaut und im März 2017 mitsamt historischer Einrichtung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Immerhin das!

Höllentalangerhütte Neubau Juni 2017

Die Meinungen gehen natürlich sehr weit auseinander, was die Notwendigkeit eines Neubaus betrifft. Ich selbst bin traurig, da die alte Hütte gerade einen ihrer Einfachheit halber besonderen Charme hatte. Sie zu besuchen entsprach einer Reise in die Zeit vor über 100 Jahren. Muss es wirklich sein, dass selbst in die Wildnis der Alpen so viel Komfort getragen werden muss? Was meint Ihr?

Hier der Beitrag des BR aus der Sendung Quer vom 07.09.2017 – einschl. einiger Fotos und Videosequenzen von unserem Aufenthalt dort im Jahr 2002.


Höllentalangerhütte 2002 und 2017: Almhütten im Wandel

Wen es interessiert: Der Bayerische Rundfunk (BR) brachte eine ausführliche Sendung zum Neubau der Höllentalangerhütte – wie folgt zu sehen ist:


Die Höllentalangerhütte – Der Neubau – BR Fernsehen

Die Berge um Garmisch-Partenkirchen und Grainau bieten immer mehr Attraktionen wie z.B. die Aussichtsplattform AlpspiX zwischen Himmel und Höllental. Und zum 21. Dezember soll dann auch die neue, nur noch mit einer Stahlstütze getragene Eibsee-Seilbahn eröffnet werden. Mit 127 Metern wird diese Stütze die europaweit höchste sein.

Schietwetter

Natürlich können wir froh sein, in diesen Tagen nicht in Houston/Texas, wo der Hurrikan „Harvey“ wütete und Unmengen an Regen brachte, zu leben oder in Südasien, wo in der jetzigen Monsunzeit viele Opfer zu beklagen sind. Aber einen Klimawandel gibt es ja nicht, zumindest nach Ansicht von Herrn Trump.

Aber auch bei uns kommt Freude bei diesem Wetter nicht gerade auf. Schietwetter! Wenn ich zz. aus dem Fenster schaue, da ist es dunkel ‚wie im Bärenarsch‘, wie ein ehemaliger Kollege von mir zu sagen pflegte. Ich weiß zwar nicht, wie es dort drinnen aussieht, aber es könnte stimmen.

Ja, das Wetter – immer wieder und immer noch ein beliebtes Thema. Dabei bin ich gar nicht erpicht darauf, vom Wetter zu schreiben. Schön soll es sein, sonnig, angenehm warm und nicht so drückend wie jetzt, nur mit wenigen Wölkchen am Himmel – wie vor etwa drei Wochen auf der Hallig Hooge auf dem Weg an der Ipkenswarft entlang.

... auf der Hallig Hooge an der Ipkenswarft entlang

Zum Wochenende soll es wieder freundlicher werden. Da werde auch ich wieder freundlicher sein.

Urlaub auf der Hallig Hooge (4): Willi im windigen Gewühl

Jede schöne Zeit hat irgendwann einmal ein Ende. Und schon versinkt der Mensch wieder in der grauen Suppe des elenden Alltags, konkret gesprochen: Ich hatte Urlaub und muss wieder zur Arbeit, um den schnöden Mammon für die Brötchen zu verdienen, die ich mit meinen Lieben zum Leben brauche. Oh, Elend! Und dem Klagen kein Ende!

Willi rollt

Okay, ganz so schlimm ist es nicht, auch wenn gleich am ersten Arbeitstag das während meines Urlaubs Liegengebliebene der Erledigung heischte. Immerhin verdeutlicht es mir, dass meine Kollegen auf meine Hilfe angewiesen sind. Bestimmte Sachen gehen nicht ohne mich, ha!

Willi wässert

Erst kürzlich gestand mir ein Bekannter, der seit geraumer Zeit in Rente ist, dass er massive Probleme hatte, sich dem Rentnerdasein zu stellen. Da kann ich eigentlich nur lachen. Für mich war und ist der Broterwerb notwendiges Übel, auf das ich zugunsten anderer Beschäftigungen gern verzichten kann. Es gibt anderes und besseres als die tägliche Tretmühle. Selbstbestimmt wünsche ich mir das Leben. Was nicht ist, soll bald werden.

Willi im Wind

Willi vom Winde zerzaust

Ach, was lamentiere ich hier. Ich sprach eingangs vom Urlaub. Und einen Teil davon machte ich mit meiner Frau – wie schon bekannt sein dürfte – auf einer Hallig. Halligen, Inseln, Nordsee! Wer denkt da nicht an Wellen, Strände und Sturmgebraus! So mancher Windzug zerzauste mir das schütterwerdende Haar, bis es mir zu Berge stand. Im Sturm klebte mir die Jacke förmlich am Körper. Und das Donnern der aufgewühlten Wellen erhöhte deutlich den Harndrang. Da musste Willi für kleine Antons.

Willi muss mal für kleine Antons

Oh, Alltag, Du hast mich nun wieder.

Aber in wenigen Stunden beginnt wieder das Wochenende. Da werde ich froh sein, die erste Woche Arbeit hinter mich gebracht zu haben. Zu Hause liegt ein Maßband. Es misst Inches, also in Zoll. Und es war einmal 100 Daumenbreit lang. Inzwischen ist es auf 90 Zoll geschrumpft. Jeder Zoll eine Arbeitswoche. Und zu Hause kommt die Schere, schnipp-di-schnapp, und schon ist das Maßband wieder ein Stück kürzer.

Urlaub auf der Hallig Hooge (3): Fundstücke (2)

Neben den Fundstücken der übelsten Art (Schuhe, Plastikmüll usw.), die der Mensch in den Meeren unseres Planeten (warum eigentlich: unseres Planeten? Wir benehmen uns wir die Eigentümer, sind es aber nicht) hinterlässt, gibt es natürlich (sic!) auch Fundstücke, die wir als Urlauber auf der Hallig Hooge nicht nur gesammelt, sondern zu Dekorationszwecken auch gern mit nach Hause genommen haben. Es sind Fundstücke, die die Natur hinterlassen hat.

Hallig Hooge 2017: Strandgut der natürlichen Art (1)

Besonders stolz bin ich auf den Fund zweier Holzstücke, die im Salzwasser sehr porös geworden sind und auf dem einen sich Seepocken niedergelassen haben, die in der Zeit abgestorben sind. Interessant ist auch der weiße Stein, einer weichen Variante des Kalksteins, nämlich Kreide. Im Wasser ist dieser rund geschliffen worden, kann aber weiterhin als Schreibkreide genutzt werden. Woher dieser wohl stammen mag? Die weißen Stöckchen sind wohl im Laufe der Zeit ausgeblichen, das besonders dünne ist dabei ungewöhnlich biegsam und scheint nicht zu brechen zu sein.

Hallig Hooge 2017: Strandgut der natürlichen Art (2)

Der Strand von Hooge besteht statt aus Sand aus den Sedimenten von Muscheln. Unzählige Muscheln werden laufend angespült und zerfallen zu Muschelkalk. So lassen sich hier die Schalen der unterschiedlichsten Muscheln finden. Dabei ist sicherlich mit am interessantesten die eingeschleppte Art der pazifischen Auster, dessen Schale die ungewöhnlichsten Formen bildet. Sehenswert sind auch die Schulpen, eine Art Rückenknochen der zu den Sepien gehörenden Tintenfische.

Hooge liegt im Wattenmeer und steht unter dem starken Einfluss der Gezeiten. Es ist Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen, die sich hier angesiedelt und den dort herrschenden Bedingungen angepasst haben. Zudem ist ein Wattenmeer oft ein wichtiges Rastgebiet für Zugvögel. An der Randzone zwischen Land und Meer sind zudem Salzwiesen entstanden, die einer Vielzahl an salzresistenten Pflanzen Lebensraum bieten.

Eine Reise zu einer Hallig wie Hooge ist eine Reise in die Natur. Meine Frau und ich haben den Aufenthalt auf Hooge sehr genossen.

Urlaub auf der Hallig Hooge (2): Fundstücke (1)

Nach Langeneß zu Weihnachten 2016 war für meine Frau und mich jetzt die nächste Hallig, nämlich Hooge, Ziel einer Reise. Hooge unterscheidet sich gegenüber anderen Halligen (z.B. Langeneß) durch einen rund 1,20 Meter hohen Steindeich, so dass sie vor Überflutung durch leichtere Sturmfluten geschützt ist. Dennoch wird die Hallig durchschnittlich zwei- bis fünfmal jährlich von Landunter betroffen. Die Bewohner der Hallig siedeln auf zehn Warften. Eine elfte Warft ist unbewohnt. Auf diesem so genannten rund 11 km langen Sommerdeich kann man die Hallig sehr gut umrunden. Oft befinden sich auch Trampelpfade auf den Wiesen gleich neben dem Deich, die zum Barfußlaufen geradezu einladen. Seit meiner Kindheit bin ich wohl nicht mehr so viel barfuß durch die Gegend gewandert wie hier. So nebenbei kommen dann auch Kindheitserinnerungen ins Gedächtnis.

Es muss wohl nicht ausdrücklich betont werden, dass unsere Meere zu Müllhalden verkommen. Am Strand von Hooge liegen beispielsweise Säcke aus, in denen der Plastikmüll, der aus dem Meer angeschwemmt wurde, gesammelt wird. Sammeln darf jeder, der will. Ist klar. Mit meiner Frau habe so auch ich mich eigentlich nur spaßeshalber daran gemacht, Plastikmüll aus dem Meer einzusammeln. Die Ausbeute von einem etwa 500 Meter langen Teilstück des südlichen Strandes war erschreckend – wie das Bild unten zeigt. Dabei soll es in letzter Zeit mit dem Müll lt. Auskunft eines Mitarbeiters des Gemeindehauses deutlich besser gestellt sein.

Hallig Hooge 2017: Plastikmüll vom Strand

Neben Plastikflaschen, einer Zahnbürste, einem Behälter aus Plastik (in dem wir dann weiteren Müll sammeln konnten) und Tetrapacks fanden wir Styroporteile, Bänder mit Luftballonresten (von welcher Feier auch immer), Teil eines Babyschnullers, viele kleine Teile von Plastikfolie – und ein Holztäfelchen (Drifter), das die Universität Oldenburg ausgeworfen hatte, um in dem Projekt „Macroplastics“ zu erkunden, wie sich Plastikmüll in der Nordsee verteilt. Unser Drifter wurde am 04.07.2017 in Schillig an der äußersten Nordost-Spitze der Ostfriesischen Halbinsel ins Meer geworfen und ist so in rund sechs Wochen in nord-östliche Richtung bis Hooge ‚gedriftet‘. So nebenbei dienten wir also selbst im Urlaub der Wissenschaft.

Aber es ist natürlich nicht nur Plastikmüll, der an den Strand von Hooge angeschwemmt wird. Auf der Hanswarft werden seit 1991 alle angespülten Schuhe gesammelt. Das Ganze ergibt ein Kunstwerk der bizarren Art.

Hallig Hooge 2017: Strandgutschuhe ab 1991

Aber es gibt auch Fundstücke, die die Natur hinterlässt. Dazu im nächsten Beitrag mehr.

Urlaub auf der Hallig Hooge (1): Schleusenfest 2017

Nun ist er also schon wieder vorbei, unser Urlaub und damit auch unser achttägige Aufenthalt auf der Hallig Hooge. Nach unserem Aufenthalt zu Weihnachten 2016 auf Langeneß war es unser zweiter Hallig-Urlaub. Auf Hooge waren es acht wirklich erholsame Tage. Auch das Wetter spielte meistens mit, was in diesem Jahr leider nicht so oft vorkommt. Lediglich am Samstag, den 12. August, regnete es dann ganzen Vormittag bis gegen 14 Uhr. Und genau zum Beginn des Schleusenfestes schloss Petrus die Regenschleuse, auch wenn es windig und frisch blieb.

Nun viel passiert nicht gerade auf einer Hallig. Da ist so ein Schleusenfest schon eine Attraktion. Zunächst saßen die Hooger und auch viele Urlaubsgäste bei Kaffee und Kuchen beisammen. Einige gönnten sich auch schon ein Bier. Dann fand in einem Priel unweit der Schleuse (daher der Name Schleusenfest) ein Seglerwettkampf in der Bootsklasse Optimist statt. Es war gewissermaßen die Hooger Meisterschaft. Dazu waren aber auch Segler von Sylt und Husum angereist.


Hallig Hooge – Schleusenfest 2017 (Teil 1): Opti-Segler

Inzwischen wurden die Grills angeworfen. Und u.a. mit Bratwurst vom Galloway-Rind und Lammfrikadellen, also von Tieren, die auf der Hallig gezüchtet werden, konnten sich die Besucher stärken. Als weiteren sportlichen Höhepunkt gab es dann das Tautrekken, also Tauziehen, das vor allem auch zur allgemeinen Belustigung diente. Auch eine Mannschaft der ‚Hooge-Touris‘ nahm daran teil und schlug sich gar nicht mal schlecht. Mannschaftsnamen wie ‚Vikings‘ und ‚Wacken-Spacken‘ sind mir noch in Erinnerung.


Hallig Hooge – Schleusenfest 2017 (Teil 2): Tautrekken

Meiner Frau und mir wurde es dann doch etwas zu frisch. So zogen wir gegen 21 Uhr los zurück in unsere Ferienwohnung. Das Schleusenfest soll aber noch bis tief in die Nacht gedauert haben (bis nach 2 Uhr morgens). Dabei dürften noch etliche Liter Bier verkosten worden und Hooger wie Urlaubsgäste sich ein wenig näher gekommen sein.

Schleusenfest auf der Hallig Hooge 2017: Tautrekken

Wir fanden das Fest auf jeden Fall ganz witzig. Ansonsten genossen wir auf Hooge die Ruhe in der Natur. Davon in den nächsten Tagen etwas mehr. Soviel kann ich aber schon sagen: Seit meiner Kindheit bin ich nicht mehr so viel barfuß durch die Gegend gezogen wie auf Hooge. Besonders die Trampelpfade am so genannten Sommerdeich laden dazu ein.

Wigald Boning: Im Zelt – Von einem, der auszog, um draußen zu schlafen

Zelten – da denkt man an Sommerurlaub, romantische Abende am See, an Lagerfeuer, Luftmatratzen und Grillwürstchen. Vielleicht noch an Mücken. Was aber, wenn das Zelt zum Schlafplatz im Alltag wird? Und zwar über Herbst und Winter hinweg, bei Wind und Wetter, über 200 Nächte am Stück? Wigald Boning probiert es aus. Er sagt Matratze und Federbett ade und schläft draußen: auf Campingplätzen und in Flussbetten, auf Häuserdächern und Balkonen, am Strand und auf Parkbänken. Was er dabei erlebt und welcher Traum dabei in Erfüllung geht, erzählt er in diesem Buch.

Wigald Boning schläft draußen: Über ein halbes Jahr, von August bis März, im Zelt. Auf Campingplätzen, in Gärten und Parks, auf Dächern und Balkonen und ja, auch in Flussbetten. Dabei muss er feststellen, dass ein rotes Zelt beim Wildcampen eher ungeeignet ist, eine Woche Dauerregen die Moral erheblich sinken lässt und man in einer Sturmnacht niemals unter einem Baum zelten sollte. Aber er wäre nicht Wigald Boning, wenn er nicht all diesen Widrigkeiten trotzen würde – wozu auch das Kopfschütteln sämtlicher Freunde und Bekannten gehört.
(Kladdentext)

Wigald Boning zeltet im Bremer Weserstadion – SV Werder Bremen

Während ich das Buch Im Zelt: Von einem, der auszog, um draußen zu schlafen las, überlegte ich, wo ich in meinem bisherigen Leben in einem Zelt übernachtet habe. Ein großer Camper bin ich eigentlich nicht. Daher wunderte ich mich, dass ein Zelt doch schon häufig das Dach über meinem Kopf bildete. Meine Schwester hatte mit ihrem Mann in meiner Jugendzeit einen Stellplatz auf einem Campingplatz am Otterstedter See gleich hinter Bremen. Dort war ich natürlich öfter am Wochenende und schlief meist in einem Zelt. Dann war das Zelt öfter Begleiter auf Fahrradtouren durch Norddeutschland. Ich denke da eine Tour durch Ostfriesland, die mich und meinem Kumpel u.a. auch auf die ostfriesische Insel Norderney brachte. Bei einer Jugendherberge konnten wir unser Zelt aufschlagen. Überhaupt zeltete ich öfter auf Inseln, so 1990 u.a. am Mývatn auf Island und fünf Jahre zuvor schon auf der Isle of Skye in Schottland. Fehmarn (Anfang der 1980er Jahre) nicht vergessen (sicherlich später etwas mehr dazu).

Wigard Boning kennen sicherlich viele aus dem Fernsehen. Er hat sich durch manch kuriose Idee hervorgetan. Und so darf man sich nicht wundern, wenn er auf den Einfall kam, während seiner Touren für längere Zeit die Annehmlichkeiten von Hotelzimmern mit dem Zelt im Freien zu tauschen. Dass das auch Stoff für ein Buch sein könnte, war ihm dann wohl schon früh klar. Im Übrigen sammelt Wigard Boning Einkaufszettel und Nasenhaarschneider und ist als Botschafter für eine Initiative von Werder Bremen unterwegs. So nächtigte er auch eine Nacht im Bremer Weserstadion. Zuletzt war Boning mit seinem Roller dabei, die Alpen zu überqueren (dürfte wieder ein Buch dabei herausspringen).

Es ist ein durchaus amüsantes Buch und macht irgendwie Appetit, selbst einmal wieder ein Zelt in der freien Natur aufzuschlagen (es müssen dann ja nicht 200 Tage am Stück werden). Gerade jetzt in der sommerlichen Urlaubszeit ist es sicherlich ein Buch, das noch im Koffer (oder Rucksack) Platz finden dürfte.

Worte zum Wochenende (18. KW 2017): ein Filmnachmittag

Was für ein scheußliches Wetter sucht uns in diesen Tage heim. Aber ab morgen soll es wieder besser werden: wärmer, sonniger und auch trocken. Für morgen haben wir Bekannte eingeladen, die sich für unsere Fotos und Videos von unserem Urlaub auf der Hallig Langeneß interessieren. So gibt es bei Kaffee und Kuchen einen Filmnachmittag, allerdings nicht mit „Land unter“.


„Land unter“ auf der Hallig Langeneß (27.12.2016)

Übrigens: In diesem Jahr Sommer werden wir nochmals die Halligen besuchen: Diesmal ist die Hallig Hooge dran. Meine Frau und ich freuen uns schon darauf.

Worte zum Wochenende (18. KW 2017 – WilliZBlog)

25 Jahre Werders Europapokalsieg

Heute Abend spielt in der Fußball-Bundesliga der SV Werder Bremen in Köln und will natürlich die Serie von elf Spielen ohne Niederlage fortsetzen. Europa winkt. Ich habe auf ein Unentschieden getippt, habe aber nichts dagegen, wenn Werder auch dieses Spiel gewinnt.

Apropos Europa: Morgen ist es 25 Jahre her, dass der SV Werder seinen bisher größten fußballerischen Erfolg feierte: Im Endspiel des Europapokals der Pokalsieger gewannen die Bremer am 06.05.1992 im Estádio da Luz von Lissabon gegen die favourisierte Mannschaft des AS Monaco mit 2:0. Wenn ich auf die Mannschaftsaufstellung von damals schaue, so erkenne ich viele Namen, die mir auch heute noch viel sagen: die Torschützen Klaus Allofs (genau der, der viele Jahre später Manager in Bremen wurde) und Wynton ‚Kiwi‘ Rufer, der heute noch als Scout in Asien und Ozeanien für Werder unterwegs ist. Dann als Einwechselspieler Thomas Schaaf, der lange erfolgreich der Trainer der Bremer war. Dieter Eilts, der Ostfriese, der vier Jahre später eine so grandiose Europameisterschaft spielte, Rune Bratseth, als Libero der norwegische Beckenbauer, Mirko Votava, der Mannschaftskapitän, Frank Neubarth, Ullrich Borowka und natürlich Marco Bode, als Nachfolger von Willi Lemke seit dem 25. Oktober 2014 Vorsitzender des Aufsichtsrats beim SV Werder. Okay, auch die restlichen Namen sollen nicht vergessen sein: Jürgen Rollmann (im Tor), Thomas Wolter, Manfred Bockenfeld und Stefan Kohn (als Einwechselspieler). Trainer war damals kein Geringerer als Otto Rehhagel.

Europapokal der Pokalsieger – Finale 1992 Startelf des SV Werder Bremen
Europapokal der Pokalsieger – Finale 1992 Startelf des SV Werder Bremen

Längst gibt es diesen Pokal nicht mehr (zuletzt 1999 ausgespielt), der dann durch den UEFA-Pokal abgelöst wurde und ab der Saison 2009/2010 Europa League heißt.


Europapokal der Pokalsieger – Finale 1992 AS Monaco – SV Werder Bremen 0:2

200 Jahre Fahrrad

Zu Ostern weilte ich in Mannheim und besuchte mit Frau und jüngerem Sohn meinen älteren Sohn, der dort studiert. Wie schon vor einem Jahr (500 Jahre deutsches Reinheitsgebot für Bier) so gab es auch diesmal ein Jubiläum zu feiern: 200 Jahre Fahrrad. Und diesmal hatte das auch wirklich etwas mit Mannheim zu tun.

Mannheim Ostern 2017 – Augustaanlage – 200 Jahre Fahrrad

Am 12. Juni 1817 fuhr nämlich Karl Drais erstmals auf einer Laufmaschine (Draisine) durch Mannheim. Die Laufmaschine gilt als die Urform des Fahrrads. Heute – nach fast 200 Jahren – ist das Fahrrad weltweit das am meisten genutzte Transportmittel und ein zentrales Element für die Entwicklung einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Mobilität.

    200 Jahre Fahrrad 2017
    200 Jahre Fahrrad 2017

Nun anders als vor knapp 10 Jahren geschrieben (Tanz ums goldene Kalb), verfüge ich mit Familie inzwischen auch über vierrädriges Gefährt, das aber überwiegend mein Jüngster für Fahrten zur Arbeit benutzt. Ansonsten haben wir der ‚Stall‘ voll mit Fahrrädern. Ich weiß nicht, wie hoch der Anteil an Fahrrädern pro Bewohner in Deutschland ist, aber bei uns dürfte er bei über 1,5 Fahrrad/Person liegen, die Kinderräder u.ä., die meine Frau für ihre Tageskinder bereithält, nicht mitgezählt.

Heute ist das Fahrrad zu einem Hightech-Artikel geworden mit Navigationssystem und Fahrrad-Computer. Längst verfügen Räder heute über hydraulische Scheibenbremsen, vorne wie hinten, und natürlich Kettenschaltung mit x-vielen Gängen. Seitenläuferdynamos fürs Licht, die früher das Fahren bei Dunkelheit erheblich erschwerten, sind längst durch Nabendynamos ersetzt. Fahrradrahmen, Sattel und Lenker – alles nur vom Feinsten. Und nicht nur mehr bei Rentnern up to date sind E-Bikes. Die bieten nicht nur eine Anfahrhilfe, sondern unterstützen den Biker bei widrigem Gelände oder garstigen Wettersituationen.

Ich weiß nicht, wie viele Kilometer ich in meinem Leben auf dem Fahrrad zurückgelegt habe. Die letzte größere Radtour ist allerdings auch schon wieder fast elf Jahre her (Fehmarn 2006). Sonst bin ich meist mit meiner Frau rund um Tostedt unterwegs. In frühen Jahren allerdings war ich in den Ferien oft mit Freunden auf dem Rad unterwegs und habe so ziemlich viel in Norddeutschland (speziell Niedersachsen) abgegrast. Da lassen sich einige Anekdoten erzählen vom (erlaubten) Zelten in Vorgärten, kostenfreien Bewirtungen und überhaupt gastfreundlichen Menschen aller Orts. Und nicht umsonst bin ich seit rund 50 Jahren (mit kurzen Unterbrechungen) Mitglied des Jugendherbergswerk DJH.

Also auf, ihr müden Krieger! Gerade zu diesem Wochenende soll’s draußen sonnig und endlich wieder wärmer werden. Man muss ja nicht gleich für die Tour de France trainieren. Mit gepacktem Picknickkorb findet jeder einen Weg ins Grüne. Fröhliches Radeln wünsche ich! 😉