Kategorie-Archiv: Fuffzig und …

Willkommen im Club der ‚echten‘ Fuffziger

Honig im Kopf (2014)

Honig im Kopf ist eine deutsche Tragikomödie von Til Schweiger aus dem Jahr 2014. Schweiger spielte eine der Hauptrollen, führte Regie und schrieb zusammen mit Hilly Martinek das Drehbuch. Die weiteren Hauptrollen sind mit Emma Schweiger und Dieter Hallervorden besetzt; in Nebenrollen sind unter anderem Jan Josef Liefers, Fahri Yardım und Tilo Prückner zu sehen.

    Honig im Kopf (2014)

Nachdem seine geliebte Frau gestorben ist, wird der ehemalige Tierarzt Amandus (Dieter Hallervorden) zunehmend vergesslich. Bald ist er mit den Alltagsaufgaben seines neuen Singlelebens überfordert, deshalb nimmt sein Sohn Niko (Til Schweiger) den 70-Jährigen bei sich auf. Während Enkelin Tilda (Emma Schweiger) begeistert ist, den Opa im Haus zu haben, ist Schwiegertochter Sarah (Jeanette Hain) skeptisch. Sie sieht die Gedächtnislücken des alten Herrn und seine Weigerung, einen Arzt aufzusuchen, mit großer Sorge. Ihre kritische Haltung sorgt für weitere Spannungen in der durch diverse Seitensprünge ohnehin schon belasteten Ehe mit Niko. Als Amandus bei dem fehlgeschlagenen Versuch, einen Kuchen zu backen, fast das ganze Haus abfackelt, wird dann doch der Entschluss gefasst, für den Alzheimer-Kranken einen Platz in einem Pflegeheim zu suchen. Das wiederum kann Tilda überhaupt nicht verstehen. Das Mädchen hat eigene Ideen, wie es seinem Opa am besten helfen kann und macht sich mit ihm heimlich auf den Weg nach Venedig, wo Amandus einst seine Flitterwochen verbrachte. Eine turbulente Reise beginnt…

aus: filmstarts.de

So langsam komme ich mit meiner Frau in die Jahre. Die ersten Wehwehchen haben wir längst hinter uns gebracht. Und auch mit der Vergesslichkeit ist das so eine Sache. Okay, ich weigere mich schon längere Zeit, mir allen Käse zu merken. Aber nach und nach spielt der Gehirnkasten doch schon kleine Streiche. Da interessiert man sich auch plötzlich für einen Film, wie den von Til Schweiger: Honig im Kopf.


Honig im Kopf (Trailer)

Wo Til Schweiger drauf steht, ist meist auch nur Til Schweiger drin. Und so liefert er schöne Bilder, gefühlvolle Musik, Humor (allerdings oft mit dem Hammer verabreicht) und viel Emotionalität. Leider vertragen sich solch hemmungslos eingeflößte Dosen Schweiger‘sche Familienkomödie nicht sonderlich gut mit einem ambitionierten Film über Alzheimer, denn darum geht es letztendlich im Film.

Wäre da nicht Dieter Hallervorden, der nach seiner mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichneten Darbietung in „Sein letztes Rennen“ wiederum eine weitere bemerkenswerte Leistung abliefert, dann wäre der Film nur eine seichte Komödie. Hallervorden macht aus Amandus einen willensstarken und eigensinnigen Mann, der mit Humor und Charakter gegen das Vergessen kämpft, ohne die Momente von Resignation und Verlorenheit zu beschönigen. Sicherlich ist auch die Leistung von Emma Schweiger erwähnenswert. Trotz des engagierten Protagonisten-Duos und einzelner starker Momente ist der überlange Film ein Fehlschlag. Til Schweiger findet nie die richtige Balance zwischen Krankheitsdrama und Komödie. Vielleicht hätte Schweiger zumindest dem ersten Teil seines Films auch den Untertitel Opa allein zu Haus geben sollen.

Und geradezu ätzend finde ich die Hauruck-Regie von Schweiger. Man schaue nur den Trailer an: Die kürzer als sekundenlangen Schnitte (im Film sind solche Sequenzen noch um einiges länger) verursachen Augenkrebs und fördern vielleicht auch noch die Alzheimer-Krankheit.

Mich verwundert es übrigens nicht, dass im Zusammenhang mit diesem Film von Manipulation in Hinsicht auf die Bewertungen durch Zuschauer die Sprache war: So sind wohl zahlreiche merkwürdige Bewertungen auf Film-Community-Portalen aufgetaucht, die den Verdacht nahelegen, dass es sich um Fake-Bewertungen handelt.

Okay, trotz der Überlänge (über 130 Minuten) und Til Schweiger (besonders als Regisseur) hat mich das Spiel von Dieter Hallervorden dazu verleitet, den Film zu Ende zu sehen. Ich kenne Hallervorden natürlich schon länger, auch seine Arbeit mit den Wühlmäusen. Die tollpatschige, vom ihm dargestellte Figur Didi in diversen Kinofilmen hat mir aber nie so ganz zugesagt. Mit seinem Alterswerk (Hallervorden wurde kürzlich 80 Jahre alt) überzeugt er dann aber auch mich.

Ach ja, noch eins: Immerhin hat sich Schweiger bemüht, nicht zu sehr zu nuscheln.


Honig im Kopf: Was passiert mit jemandem, der an Alzheimer erkrankt? – Im Film „Honig im Kopf“ liebt die junge Tilda (Emma Schweiger) ihren Großvater (Dieter Hallervorden) über alles. Im Filmausschnitt seht ihr eine passende Erklärung für das, was im Kopf des Opas gerade geschieht.

Querbeet (6): Morbus Alzheimer

Die Woche ist noch nicht herum. Aber es zeichnet sich ab, dass ich mir meine ‚Ungeduld’ hätte schenken können. Der angekündigte Hammer (Überprüfung der Arbeitsplatzbeschreibungen durch den BRH) hat sich zumindest für mich als harmlos erwiesen (die angekündigten Interviews fanden nicht statt). So kann ich wieder aufatmen …

Nun ich habe Euch nicht vergessen, auch wenn ich manchmal glaube, so langsam, aber sicher vergesslich zu werden. Aber wer kennt das eigentlich nicht: Man geht in die Küche oder in den Keller, wollte dort etwas holen oder erledigen …, steht plötzlich da und weiß nicht mehr, was man wollte. Zwar soll es helfen, wenn man zum Ausgangspunkt (dorthin, wo man den ‚Entschluss’ gefasst hatte, etwas in Küche oder Keller zu ‚tun’) zurückkehrt. Aber auch das hilft nicht immer.

Ja, die Vergesslichkeit. Mit zunehmendem Alter ist zu befürchten, dass die kleinen grauen Zellen im Gehirnskasten nach und nach verkalken. Meine Eltern haben viele Jahre lang Knoblauchpillen zu sich genommen. Aber am Ende hat das gegen Alzheimer und Demenz auch nur wenig geholfen. Meine Frau betreibt immer wieder Gedächtnistraining in der Gruppe beim Ortsverein des DRK. Aber ob das wirklich hilft, wird sich zeigen müssen.

    Morbus Alzheimer

Als ich in jungen Jahren in beruflicher Ausbildung war, da habe ich eines ziemlich schnell gelernt: Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo man etwas möglichst schnell (in Nachschlagewerken, Gesetzestexten usw.) findet. Natürlich muss man dann noch das Gefundene richtig interpretieren und anwenden. Heute hilft uns da besonders das Internet. Wenn ich auf der Arbeit (aber natürlich auch zu Hause) ein Problem habe, dann gucke ich im Internet nach – und finde dort auch in der Regel eine Lösung. Nichts gegen ‚schlaue’ Bücher, aber bis man dort das Notwendige findet, dauert es meist etwas lang (oder findet es nicht). Immer wieder muss ich meine Kollegen, die mich mit Fragen löchern, darauf hinweisen, dass sich ihre Fragen vielleicht durch eine Suche im Internet klären lassen.

Apropos Internet … und Vergesslichkeit. Ich habe zu dem Thema (klar, im Internet) recherchiert und bin dabei auf folgenden Text (Quelle: sackstark.info) gestoßen, der mir durchaus plausibel erscheint und uns nachdenklich machen sollte:

Wächst im digitalen Zeitalter die Vergesslichkeit?
Korea ist ein Land, das ganz auf digitale Technik setzt. Dort hat man angeblich an jüngeren Menschen zwischen 20 und 30 Jahren beobachtet, daß sie zunehmend an Vergeßlichkeit wegen der Informationsflut leiden, mit der sie am Arbeitsplatz und in der Freizeit konfrontiert sind. Um die Flut zu bewältigen, tritt das Erinnern zurück; das Gedächtnis wird an die Geräte delegiert, von denen man schließlich immer abhängiger werde: Man muß sich nicht mehr erinnern, wenn man nur noch suchen muß. Angeblich würden bereits manche Südkoreaner ärztliche Behandlung suchen, wenn die Symptome der Vergeßlichkeit stärker werden, die Mediziner die «digitale Alzheimer-Krankheit» oder «digitale Demenz» nennen.

Digitale Demenz durch digitale Helferlein
Die Telefonnummer der Freunde sind im Handy gespeichert. Den Weg zum Urlaubsziel zeigt das Navigationssystem. Der Termin für den Kinobesuch ist im persönlichen digitalen Assistenten eingetragen. Nachdenken und Gedächtnisarbeit nehmen viele kleine digitale Helferlein ab – und sorgen damit für ein Problem: Wir werden vergeßlich.

.... querbett

Also schon in jungen Jahren beginnen wir, an Vergesslichkeit zu leiden. Morbus Alzheimer und Demenz in ihrer digitalen Ausprägung als Folge nachlassender Gedächtnisleistung. Und immer mehr werden wir mit Informationen zugeschüttet, die uns eigentlich nicht interessieren. So abgelenkt durch Datenmüll vergessen wir schnell die wesentlichen Dinge.

Wie auch immer: Ich interpretiere mein Gehirn als eine Art Speicher wie beim Rechner der Festplatten- und Arbeitsspeicher. Die Kapazität ist beschränkt. Und mit dem Alter – Alzheimer her, Demenz hin – versagen vielleicht auch noch kleinere Speichereinheiten. Auf jeden Fall kann ich mir nicht alles merken. Und so muss ich eindeutig Prioritäten setzen, was die Belegung dieses ‚Speichers’ betrifft. Das gilt besonders für die Informationsflut, die tagtäglich über uns hineinstürzt. So interessiere ich mich möglichst nur für die Dinge, die mich ‚interessieren’, und nicht für die, die ich für interessant halten soll.

Und gegen Vergesslichkeit hilft dann vielleicht auch noch die eine oder andere verspeiste Knoblauchzehe – und hin und wieder Gedächtnistraining.

60 Jahre Willi – 9 Jahre Willizblog

Ich bin sprachlos, wenn auch nicht ohne Sprache. Nur verschlagen hat sie es mir. Seit neun Jahren (in Ziffern, wenn auch nur der einen: 9) hudele und sudele ich hier blogmäßig herum. Und neben mein Geblogge und Murmeltiertagen gibt’s auch noch mindestens einen weiteren Gedenktag HEUTE zu feiern. Jawohl: 5 Dutzend nennt man als Zählmaß auch Schock (so heißt es heute für mich: Oh, Schock, ein Schock …?!). Genau das … Und noch genauer: James Joyce wäre heute 132 Jahre alt geworden (Ablenkungsmanöver!).

    Willi in WilliZ Welt - schottlandmäßig

Apropos James Joyce: Neben dem Ulysses liegt bei mir zu Hause bisher nur angelesen (nicht angefressen) Finnegans Wake (Original mit deutscher Übersetzung von Dieter H. Stündel: Finnegans Wehg. Kainnäh ÜbelSätzZung des Wehrkess fun Schämes Scheuss – u.a. bei Zweitausendeins, Frankfurt a.M. 1993). Zu Finnegan und sein Erwachen fällt mir im Augenblick nur folgendes ein [man sollte allen Eventualitäten gegenüber gewappnet sein – auch ich kreuche und fleuche dem zu, von dem die Wurst bekanntlich zwei hat, dem Ende (aller Tage)]: Wenn’s denn soweit sein wird, wünsche ich mir ähnliches wie dem guten Tim Finnegan, dem aus dem irischen Trinklied: Tim Finnegan ist ein Maurer, der von der Leiter fällt und stirbt. Seine Freunde legen ihn in einen Sarg und halten Totenwache, die in ein wildes Trinkgelage ausartet. Als der Whiskey schließlich sogar über die Leiche fließt, erweckt dies Tim Finnegan wieder zum Leben. Das wär’ ’was!

Soweit ist es natürlich noch nicht (noch lange nicht, hoffe ich). Noch kann ich mir meine Ration Whisky (den ohne e, schottischen nämlich) selbst zu Gemüte führen, auch wenn die Hände vom Alter gezeichnet schon leicht tremolieren. Selbstredend in Maßen (Trinken WIE Zittern!)! Ihr müsst Euch vorerst schon selbst versorgen mit dem ‚Lebenswasser’. Zum Anstoßen bin ich aber gern bereit … Dann kann ich nur wie der Schotte oder Ire sagen: Sláinte! Gesundheit!

An dieser Stelle natürlich all den Lesern meines Blogs vielen Dank fürs Vorbeischauen! Ich hoffe, wir ‚begegnen’ uns auch zukünftig weiterhin hier. Ansonsten wünsche ich einen schönen Sonntag!

– zum 50. siehe meinen Beitrag: Willkommen im Club der ‚echten‘ Fuffziger
– siehe auch: Fünf Jahre WilliZ Blog

Willkommen im Club der alten Schachteln

Astrid, die Freundin meiner Frau, feiert heute ihren 50. Geburtstag (gestern vollendete sie ihr 50. Lebensjahr). Da sie diesen u.a. mit uns „in einer besonderen Andacht begehen“ möchte und uns zu ihrer „Gedenkfeier“ eingeladen hat, haben ihr meine Frau und einige anderen Damen einen kleinen Geburtstagskranz geflochten – ganz dem Anlass gemäß! Dazu können wir alle nur sagen:

Liebe Astrid: Willkommen im Club der alten Schachteln!

    Geburtstagskranz zum 50. Geburtstag von Astrid

(Ja, man wird eben nicht jünger, nur reifer … wie herbstliches Obst 😉 )

Steppenwolf

    Das Gedicht vom Steppenwolf
    Ich Steppenwolf trabe und trabe,
    Die Welt liegt voll Schnee,
    Vom Birkenbaum flügelt der Rabe,
    Aber nirgends ein Hase, nirgends ein Reh!
    In die Rehe bin ich so verliebt,
    Wenn ich doch eins fände!
    Ich nähm’s in die Zähne, in die Hände,
    Das ist das Schönste, was es gibt.
    Ich wäre der Holden so von Herzen gut,
    Fräße mich tief in ihre zärtlichen Keulen,
    Tränke mich satt an ihrem hellroten Blut,
    Um nachher die ganze Nacht einsam zu heulen.
    Sogar mit einem Hasen wäre ich zufrieden,
    Süß schmeckt sein warmes Fleisch in der Nacht –
    Ach, ist denn alles von mir geschieden,
    Was das Leben ein bißchen fröhlicher macht?
    An meinem Schwanz ist das Haar schon grau,
    Auch kann ich nicht mehr ganz deutlich sehen,
    Schon vor Jahren starb meine liebe Frau.
    Und nun trab ich und träume von Rehen,
    Trabe und träume von Hasen,
    Höre den Wind in der Winternacht blasen,
    Tränke mit Schnee meine brennende Kehle,
    Trage dem Teufel zu meine arme Seele.

Dieses Gedicht steht in Hesses Roman „Der Steppenwolf”. Wie Harry Haller, der Steppenwolf, so bin auch ich in die Jahre gekommen („An meinem Schwanz ist das Haar schon grau, auch kann ich nicht mehr ganz deutlich sehen …“). Inzwischen habe ich das, was man die Krise der Lebensmitte zu nennen pflegt, sachte überwunden und freue mich auf einen geruhsamen Lebensabend. Oder nicht? Manchmal möchte ich doch noch einmal ‚traben’ und mich ‚in die Rehe verlieben’ …

Ich habe nie so ganz verstanden, warum „Der Steppenwolf“ gerade soviel Anklang bei jungen Menschen findet. Der Roman war in der 60-er Jahren gewissermaßen das Manifest der Hippie-Bewegung. Denn eigentlich ist es nichts anderes als der Bericht über einen schöpferischen Menschen in der Lebensmitte, den Zweifel an seiner Existenz, an Leben und Tun überkommen – den oberflächlich betrachtet die Midlife Crisis plagt. Harry Haller, der Steppenwolf des Romans, steht vor einem Scherbenhaufen. Sein Leben ist zerrissen, ohne Sinn. Sein Ziel, die Selbstverwirklichung, hat er nicht erreicht. So sieht er nur noch die Selbstauflösung. Aber gerade, weil es die Möglichkeit gibt, sich selbst zu töten, erwächst aus dieser Möglichkeit so etwas wie Lebensstütze („‚… daß die Zeit und die Welt, das Geld und die Macht den Kleinen und Flachen gehört, und den andern, den eigentlichen Menschen, gehört nichts. Nichts als der Tod.’ ‚Sonst gar nichts?’ ‚Doch, die Ewigkeit.’“ S. 167). Und ist die Krise erst einmal überwunden, so kann das Bürgerliche durchaus als „Streben nach einer ausgeglichenen Mitte zwischen den Extremen menschlichen Verhaltens“ werden (Material zum Traktat).

Traktat vom Steppenwolf

Und es ist der Humor, das Lachen, was hilft, die Krise zu überwinden: „…dies Lachen, […] es war das, was übrigbleibt …“ (S. 169). – „… Schule des Humors, Sie sollen lachen lernen. Nun, aller höhere Humor fängt damit an, daß man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt.“ (S. 193) – „Lernen Sie ernst nehmen, was des Ernstnehmens wert ist, und lachen über das andere!“ (S. 232)

Neben dem Lied Die Unsterblichen, einem weiteren Gedicht aus dem Roman, habe ich vor über 30 Jahren ein weiteres Lied, ausgehend von dem Steppenwolf-Gedicht, verfasst.

Steppenwolf

Der Steppenwolf, der zieht durch das Land
Sucht sich ein Reh, fängt es mit bloßer Hand
Süß schmeckt das Fleisch
In dunkler Nacht.

Auch mit Hasenblut er sehr zufrieden wär
Noch frisch und warm, das ist sein Begehr
Tränkt Blut ihn satt
Sein Herz ihm lacht.

So der Steppenwolf trabt mit dunkler Macht
Hört den Wind blasen in der Winternacht

Die Welt liegt voll von Schnee und ist bitterkalt
Der Steppenwolf, er heult, an Jahren ist er schon alt
Tränkt mit Schnee seine brennende Kehle
Trägt dem Teufel zu seine arme Seele

Oh, Steppenwolf
– Seelentier.

An seinem Schwanz ist das Haar schon grau
Schon vor Jahren starb seine liebe Frau
So ganz allein er
die Nacht durchwacht.

In die Rehe ist er dafür heut‘ verliebt
Das das Schönste ist, was es für ihn gibt
Zu ihrem Fleisch
Gier ist entfacht.

Der Steppenwolf, der einsam durchs Land trabt
Sich am Fleische und hellrotem Blute labt
Altgeworden
Trockene Kehle.

In der langen Zeit in Scherben zerbrochen
Zählt man schon des Steppenwolfs letzte Wochen
Trägt dem Teufel zu
seine Seele.


Willi singt: Steppenwolf

Musik, Text (nach dem Gedicht von Hermann Hesse), Gesang, Gitarre & Bass: Wilfried Albin – aufgenommen am 10.02.1979 bzw. 13.08.1980 in Bremen

Herunterschalten

Ich bin in einem Alter, in dem ich mich nicht mehr beweisen muss. Ich habe in meinem durchaus bürgerlichen Leben das erreicht, was ich erreichen konnte. Daher sind weitere berufliche Erfolge für mich nicht mehr relevant. Und Status und Ansehen sind für mich Äußerlichkeiten, die für mich immer schon eine untergeordnete Bedeutung hatten.

Slow down - Downshifting

Eigentlich mag ich solche Anglizismen nicht, Downshifting nennt man es eher hochtrabend, was berufliches Herunterschalten sein soll. Nicht Erfolg macht glücklich, sondern ein selbstbestimmtes Leben. Wenn heute die Grenzen zwischen Beruf und der eigenen Freizeit verwischen, dann ist das etwas, was ich nicht akzeptieren kann. Auch mich wollte man mit einen Handy oder Smartphone und mehr beglücken, damit ich in meiner Freizeit verfügbar bleibe. Da eine dienstliche Notwendigkeit nicht nachgewiesen werden konnte, so blockte ich dieses Ansinnen meines Arbeitgebers erfolgreich.

Vielleicht bin ich trotz meines bürgerlichen Lebens im Inneren ein Rebell. Und dank einer gewissen Narrenfreiheit kann ich oft genug das tun, was ich möchte. Was ich mir erlauben kann, können sich andere nicht. Und so geraten diese schnell unter Druck, können nicht mehr abschalten – und, wen wundert’s, ein Burnout stellt sich ein.

Ehrgeiz mag einen vorantreiben. Aber Ehrgeiz kann einen auch zerfressen. Nicht, dass ich keinen Ehrgeiz mehr hätte, im Gegenteil. Aber mein Ehrgeiz ist auf andere Ziele gerichtet, losgelöst von Statusdenken, Ansehen und dem Streben nach Geld. Es muss nicht gleich ein „einfaches Leben“ sein, ein freiwillig gewählter Karriererückschritt ist manchmal der richtige Schritt zur Gesundung. Aber wer wag solches schon tun. Ich hatte vor Jahren die Möglichkeit, für einige Euro mehr in der Tasche, eine höhere Position einnehmen zu können. Da das Mehr an Geld das Mehr an Verantwortung, vor allem aber an Nervenbelastung nicht aufwog, sagte ich ab. Heute bin ich froh um meine Entscheidung.

Vielleicht bin ich auch einer, der es versteht, seine Freizeit sinnvoll zu nutzen. Wer sich selbst nicht kennt, vergräbt sich und sein ICH gern in Beruf und Arbeit, selbst wenn er erkennt, dass er dort seinen Lebenssinn nicht findet. Aber das ist ja schon wieder ein anderes Thema, oder nicht?!

Siehe hierzu zdf.de: Downshiften – Lieber glücklich als erfolgreich

Veränderte Prioritäten

Denken Männer wirklich nur an das Eine? Oder doch an das Andere? Und was ist mit Frauen? Angeblich fassen sich – statistisch belegt – Männer bis zu zwanzig Mal am Tag ‚in ihren Schritt’. Vielleicht prüfen sie so, ob noch ‚alles’ an Ort und Stelle ist. Es könnte ja etwas abgefallen sein. Mein Schamgefühl verbietet mir solches Prüfen. Ich kompensiere das wohl damit, indem ich mir an die Nase fasse, und begründe das mit dem Grübeln über das eine oder andere Problem.

Ob man nun an das Eine oder Andere (oder gar Weitere) denkt, so will es uns das folgende Bildchen suggerieren, ist altersabhängig. Sicherlich verschieben sich im Alter die Prioritäten.

Sex Money Toilet

Karikaturisten neigen zu Übertreibungen. Wie sollte sonst auch so etwas wie Humor entstehen (in diesem Zusammenhang). Sicherlich ist es richtig, das besonders junge Menschen (ich möchte Frauen nicht ausschließen) an das Eine denken, so unbeschwert und frei von Karrierestreben sie noch sind. Und steht man erst einmal im Beruf, dann verändern sich auch die Gedanken und das Verlangen. Mann und Frau denken natürlich erstrangig an Haus, Heim und Familie, wenn sie an der Andere denken. Es sind doch hier keine Egoisten unter uns, oder? Und mit dem Alter, wenn die Blase schwächer wird und der Darm …

Ähem, was ich noch sagen wollte: Ausnahmen bestätigen oft die Regel. Und so überspringt der oder die eine oder andere das Eine, lässt es links liegen, um sich gleich dem Anderen zu widmen. Oder, frei nach dem Motto: Je oller, je doller – treibt es manche(r) noch im Alter ohne Unterlass, während die Altersgenossen und –genossinen Schlange stehen, um endlich aufs Töpfchen zu kommen.

Eine Hochzeit und zwei Todesfälle

Frei nach der britischen Filmkomödie aus dem Jahr 1993, die u.a. den internationalen Durchbruch für den Schauspieler Hugh Grant bedeutete, gab es bei uns leider nur eine Hochzeit, dafür aber zwei Todesfälle. Nein, in der Familie ist niemand gestorben.

Die Hochzeit fand am Freitag statt. Mein Schwager hat es nach 50 Lebensjahr geschafft, in den ‚Hafen der Ehre’ zu schippern. So lernte ich auch einmal das Standesamt von Tostedt von innen kennen. Auch wenn die Fotokollage es nicht so sehr hergibt, aber aus mancher Augen Sicht war das äußerst multikulturell und für den einen oder anderen mit einem kleinen Kulturschock verbunden. Norddeutsche Mentalität und englische ‚Noblesse’ traf auf slawische Lebensanschauung (weißrussisch und serbisch) – aber am Ende (auch ohne allzu viel Wodka) waren wir alle eine Familie.

Manfred & Marina

Und die Todesfälle? Nun nebenan in der Gastronomie ergab sich neben unserer Hochzeitsfeier ein Leichenschmaus. Und erst gestern waren meine Frau und ich zu einer Trauerfeier geladen. Beide Verstorbenen waren gestandene Männer Anfang, Ende Fünfzig, die den Kampf gegen den Krebs verloren hatten.

Übers Altern

1982 schrieb Max Frisch im Alter von 71 Jahren in seinen Aufzeichnungen, die vor einem Jahr als Entwürfe zu einem dritten Tagebuch erschienen sind:

„Ich werde ein Greis.

Man wird ein Greis, wenn man sich zu nichts mehr verpflichtet fühlt, wenn man nicht meint, irgendjemand in der Welt irgend etwas zu schulden, und dazu braucht einer noch nicht am Stock zu gehe oder im Rollstuhl zu sitzen; es gibt auch wanderfähige Greise. Vorderhand erschreckt mich noch meine zunehmende Nachlässigkeit gegenüber Freunden, meine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber öffentlichen Ereignissen, meine zunehmende Freiheit …“
(Entwürfe … – Herausgegeben und mit einem Nachwort von Peter von Matt – S. 85 – 3. Auflage 2010, Suhrkamp Verlag Berlin)

Mit dem Altern hatte sich Max Frisch bereits in seiner 1979 erschienenen Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän eingehend beschäftigt. Es ist nun nicht so, dass ich mich als Greis fühle. Sicherlich habe ich meine Jährchen auf dem Buckel (so langsam gehe ich auf die sechzig zu), denke auch schon über meinen Renteneintritt nach, aber noch bin ich gut auf den Beinen und – ich hoffe – auch gut im Kopf.

Wie Herr Geiser, dem Protagonisten aus der Holozän-Erzählung, so litt Max Frisch unter einer zunehmenden Merkschwäche, dem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses. Ich selbst prüfe mich nun nicht ständig auf Symptome für einsetzende Senilität. Wenn ich vieles vergesse, dann schon fast aus Absicht, weil ich mich nicht immer mit unnötigem Wissensballast belasten will. Vielleicht ist das schon die von Frisch oben beschriebene ‚Nachlässigkeit’ und ‚Gleichgültigkeit’, obwohl mich ‚öffentliche Ereignisse’ durchaus noch interessieren. Aber hier siebe ich bereits, muss nicht alles wissen. Die Ereignisse müssen mich schon interessieren, also in Bezug zu mir oder meiner Familie stehen.

Es ist sicherlich nicht Senilität, eher so etwas wie Altersweisheit, wenn ich mehr und mehr beginne, mich nicht mehr zu allem ‚verpflichtet zu fühlen’. Auf der Arbeit lasse ich so gern Jüngere ’ran (ich habe überlegt, ob ich mich auf dem Weg befinde, eine ‚innere Kündigung’ auszusprechen, was meinen Arbeitsplatz betrifft – so ganz ist das nicht von der Hand zu weisen). Sie können es schon besser als ich und haben noch Ambitionen. Also?! Lasse ich noch einmal Max Frisch sprechen:

„Wonach drängt es mich?
Ich bin schon noch tätig –
Wäre ich ein Bauer, würde man mir kaum noch die Sense in die Hand geben, die Sichel vielleicht; es würde kaum erwartet, dass ich auf die Leiter steige, um Äpfel zu pflücken; ob man mich auf den Traktor lassen würde, frage ich mich; man fände es richtig, dass ich die Hühner füttere, die Enten usw.
Was erwartet man von einem Schriftsteller?
Dass er Interviews gibt.“

(S. 27)

Das Leben ist zu lang

Das Leben ist zu lang ist ein deutscher Film des Schweizer Regisseurs Dani Levy aus dem Jahr 2010.

„Alfi Seliger (Markus Hering) versucht seit Jahren vergebens an den Erfolg früherer Jahre anzuknüpfen. In der Filmindustrie ist der Glanz seines Erfolgsfilms „Mein blaues Wunder“ längst verblasst und so bemüht sich der liebenswerte Loser zunehmend verzweifelt sein neuestes Drehbuch an den Mann zu bringen. Privat ergeht es dem sich selbst als Nebbich bezeichnenden Alfi auch nicht viel besser. Die beiden Kinder empfinden ihn als peinlich und seine Pornos synchronisierende Frau (Meret Becker) würde ihren jüdischen Hypochondergatten liebend gern für ihren Boss verlassen. Auch von der Mutter (Elke Sommer) bekommt Alfi Druck, der Hausarzt (Heino Ferch) konfrontiert ihn allzu gern mit möglichen Krankheiten und sein Psychiater-Guru Tabatabai (Udo Kier) rät ihm auch schon mal zum Selbstmord. Auf einem Empfang trifft der Unglückliche dann auf die durchtriebene Natasha (Veronica Ferres), die ein Auge auf ihn und zugleich auf eine Rolle in seinem Skript wirft. Sie nötigt ihren einige Jahre älteren Produzenten-Ehemann dazu, dass Projekt umzusetzen. Doch der Deal birgt einige Tücken und das Leben hat noch einige weitere Gemeinheiten für Alfi parat…“

aus: filmstarts.de


Das Leben ist zu lang [Trailer]

Ich halte immer einmal Ausschau nach einem guten Film aus deutschen Landen. Deutsche Filme gibt es jede Menge, meist sind das Komödien – leider sehr unterschiedlichster Qualität. So kam ich zu diesem Film, der natürlich auf DVD Das Leben ist zu lang erhältlich ist, und kann mich irgendwie nicht entscheiden, ob ich ihn nun empfehlen soll oder nicht.

Zunächst ist der Film ein Porträt der Filmindustrie und eine Erzählung von der Gier nach Ruhm und Geld. Und es ist ein Film über einen nicht mehr taufrischen jüdischen Regisseur, dessen Erfolge schon etwas länger her sind. Dieser erinnert mit seiner Hornbrille allein vom Aussehen her (aber eben nicht nur) Woody Allen und der Figur des Alvy Singer aus Allens „Stadtneurotiker“. Der Vergleich mit Allens Film drängt sich also auf und soll es wohl auch: Allen ist einer der großen Vorbilder von Regisseur Dani Levy. Und hier setzt die Kritik dann auch an: Levy ist „unerreichbar weit weg von seinem großen New Yorker Vorbild.“ Der Anspruch Levys, eine Art deutschsprachiger Woody Allen sein zu wollen, wächst ihm über den Kopf und erfüllt sich nicht, wenigstens nicht ganz.

„Alfi Seliger ist ein Filmemacher, dessen große Zeit vorbei ist. Man erinnert sich noch an eine ziemlich gute Komödie von ihm, aber eigentlich ist er aus dem Geschäft. Seit Jahren arbeitet er an einem Drehbuch über die Mohammed-Karikaturen. Denn Humor, sagt er, sei die letzte Form der Freiheit. Ein alter Filmproduzent nimmt das Projekt tatsächlich an. In Wirklichkeit hat er aber kein Geld mehr und würde viel lieber eine TV-Serie daraus machen, selbstverständlich ohne muslimisches Ärgerpotenzial. Alfis Bank geht pleite, seine Frau langweilt sich in der Ehe und bändelt mit einem anderen an. Seine Kinder hassen ihn, seine Mamme nervt. Er hat Krebs. Sein Psychiater sagt: Wer nicht mehr kann, der will einfach nicht. Das ist genug für einen 50-Jährigen, und so schluckt Alfi einen Cocktail aus Schlafmitteln, Schnaps und Allzweckreiniger.

Und dann ist er trotzdem nicht tot. Er wacht wieder auf und merkt, dass er buchstäblich im falschen Film ist, will sagen, er rebelliert gegen diese ganze klischeehafte Verstrickung, die sein altes Leben gewesen war. Er spürt diesen „Levy“ auf, der ihn an den Regie-Fäden hält, und bleibt doch der Schwächere in dieser filmischen Lebensfiktion, der er nicht entkommt. Das Leben des anderen bleibt immer das eigene.“ (Quelle: zeit.de)

Ich denke, das Problem des Films ist folgendes: Er handelt von einem 50-jährigen Nebbich, einem neurotischen Versagertypen, von „einen, dem sich das Leben unter den Händen auflöst, bloß noch krasser hier, jüdisch überzeichnet, also verzweifelt“. Und wer interessiert sich schon wirklich für einen solchen Menschen. Denkt man sich das große Vorbild Woody Allen einmal weg, dann ist das ein ganz passabler Film. Irgendwie erinnerte mich der Film gleich zu Anfang an die Film- und TV-Produktionen von Helmut Dietl (u.a. Rossini und Kir Royal), denen man einen gewissen Unterhaltswert nicht absprechen konnte. Vielleicht liegt es bei mir auch daran, dass ich in die Altersklasse des Protagonisten des Films bestens hineinpasse. Oder ist es dieser jüdische Flair, der dem Film zweifellos Charme verleiht?

Hallo Manni, willkommen im Club …!

Der Club wird größer. Nachdem bereits Deine Geschwister (Bruder Horst & Schwester Christa) und meine Wenigkeit Einlass in dem edlen Club der Funfzig-plus errangen, ist heute Dein Tag gekommen:

Willkommen im Klub, verehrter Neu-Fünfziger!

Da Sie sich vor 15 Jahren weigerten, an den Aktionen “Wer jung stirbt, der wird nicht alt!” bzw. “Stirb jung, stirb mit 35!” teilzunehmen, und sich in diesen Tagen Ihr Geburtstag zum 50. Male jährt … [weiter siehe: Willkommen in Club der ‘echten’ Fuffziger]

Manni in seinem Element

Manni in seinem Element

Manni in seinem Element

Manni wird 50

Ja, lieber Manni, Du mürrisches Mammut, lieber Manfred oder lieber Kossi, wie man Dich nennt und Dich kennt, nun aber im Ernst:

Zu Deinem heutigen Ehrentag, an dem Du um nichts weniger als 50 Jahre alt wirst, wünsche ich Dir auch von dieser Stelle aus alles Gute zum runden Geburtstag:

Die Getränke und das Essen sind bestellt und sicherlich schon geliefert. Da gebraucht es nur noch uns, die Vertilger, die mit Dir zünftig feiern werden …

Willi und seine Lieben