Kategorie-Archiv: Unsere Erde – unsere Welt

Schutz und Verschmutzung unserer Umwelt

G20 – der Kampf für eine gerechtere Welt geht weiter!

Eine meiner Arbeitskolleginnen wohnt in Hamburg-Altona und konnte die drei Nächte bis zum Sonntag nicht richtig schlafen. Es waren nicht nur die Krawalle, es waren die über Hamburg kreisenden Hubschrauber und vieles mehr, was ihr bis zum frühen Morgen den Schlaf raubte.

Eine andere Arbeitskollegin machte am Donnerstag, dem Anreisetag der Gipfelteilnehmer, um 13 Uhr Feierabend, war dann erst um 19 Uhr zu Hause. Ihr Auto stellte sie unterwegs ab, um überhaupt nach Hause zu kommen, und musste dann noch eine Stunde zu Fuß gehen. Viele Straßen waren nicht nur vorübergehend, sondern durchgehend bis in den Abend gesperrt.

Olaf Scholz, Hamburgs Erster Bürgermeister, wird den Tag verdammen, an dem er der Kanzlerin Merkel die Zusage machte, Hamburg als Austragungsort des G20-Gipfels zuzulassen. Vielen, besonders Sicherheitsexperten, galt allein die Nähe der Messehallen als Ort des Gipfels zum Schanzenviertel als äußerst problematisch. Dass sich genau in diesem Viertel Krawalle ereigneten, die bürgerkriegsähnlich zu nennen sind, hätte eigentlich keinen verwundern dürfen. Wenn sich nun neben Scholz auch der Innensenator und der Polizeichef verwundert über das Ausmaß der Ausschreitungen zeigen, zeigt das nur, dass im Wesentlichen nur der eine Teil geplant wurde, die Infrastruktur des Gipfels, nicht aber die Gegenbewegung. Dem letzten sollte das Verhängen eines Versammlungsverbotes über 38 Quadratkilometer der Stadt durch die Polizei Genüge tun.


G20 – Wieder Ausschreitungen auf St. Pauli und in der Schanze

Für die Polizeistrategie war Hartmut Dudde zuständig. Innerhalb der Polizei ist er beliebt, ihm werden Führungskraft und Organisationstalent nachgesagt. Seine Personalie ist aber vor allem ein Zeichen dafür, wie die Polizei an die Proteste herangeht. Auf einer Pressekonferenz stellte er unlängst klar, dass er gewillt ist, alles einzusetzen, was an technischem Equipment zur Verfügung steht. Keine Worte der Deeskalation. Vielen Dank, Herr Dudde!

Gegen den G20-Gipfel formierten sich viele Proteste, die im Wesentlichen friedlich verliefen. Ziel war es, den Gipfel auch zum Symbol des Widerstands werden zu lassen. Zwar zweifelte niemand daran, dass die Staats- und Regierungschefs am Ende in Hamburg ihr Programm durchziehen werden. Aber sie sollten es eben nicht ungestört tun.

Die Proteste – und damit auch die Krawalle durch die linksautonome Szene – richteten sich z.B. gegen die Auswüchse des global ausgerichteten Wirtschaftssystems, gegen Ausbeutung der Menschen in den Ländern der 3. Welt und die Bodenschätze dort. Die Regierungen der Industrieländer als jeweilige Staatsmacht gelten dabei als Bewahrer dieses Systems. Und die Polizei ist die Vertretung dieser Staatsmacht nach außen. Indem sich die linksautonome Szene besonders gegen die Polizei ausrichtet, kämpfen sie gegen die Staatsmacht und damit gegen die herrschenden Strukturen in Politik und Wirtschaft: die Polizei als Feindbild, die notfalls mit Gewalt zu bekämpfen ist.

So wurde der G20-Gipfel auch zu einer Plattform für diese linksextreme Szene. Je lauter die Krawalle, umso mehr Aufmerksamkeit wurde dieser Szene zuteil. Dass am Ende, auch dank des sehr mageren Ergebnisses der eigentlichen G20-Veranstaltung, Bilder von brennenden Barrikaden, geplünderten Läden und vermummten Gestalten bleiben, wird die Randalierer freuen. Damit haben sie ihr Ziel erreicht. Froh sein darf man darüber, dass es trotz der großen Sach- und der vielen Personenschäden, zu keinem Todesfall gekommen ist.

Straßenschlacht zwischen Autonomen und der Polizei – Schulterblatt/Schanzenviertel in Hamburg 07./08.07.2017

Nebenbei bemerkt: Angeblich sollen sich auch rechtsextreme Gruppen an den Krawallen beteiligt haben. Diese sind von den schwarz vermummten Autonomen kaum zu unterscheiden. Und: Während der Krawalle wurden Internet und Mobilfunk gestört, um die Kommunikation zwischen den Randalierern zu unterbinden. Es gab noch einige andere Meldungen im Netz, auch von der Polizei, die sich dann als falsch herausstellen.

Ich bin eben durchs Schanzenviertel gegangen und musste feststellen, dass die gestrige Aktion Hamburg räumt auf ganze Arbeit geleistet hat: Die Spuren der Verwüstung besonders im Schulterblatt sind beseitigt; trotz Regen sitzen die Menschen wieder in den Cafes. Leider haben mein Käsehändler und auch der kleine Teeladen gelitten. Fensterscheiben wurden eingeworfen und sind notdürftig repariert. Das Leben geht weiter, auch wenn es immer noch leicht nach verbranntem Asphalt stinkt.

Hamburg räumt auf – Schulterblatt/Schanzenviertel in Hamburg am 09.07.2017

Fazit: Olaf Scholz, der Bürgermeister, hat sich von der Bundeskanzlerin eine Veranstaltung aufschwatzen lassen, die in einer Stadt wie Hamburg fehl am Platze ist. Hinzu kommt seine geradezu tragisch zu nennende Fehleinschätzung:

Auch hätte sich Scholz, statt im Partnerprogramm Mrs. Trump und Co. das Rathaus zu zeigen, schon etwas früher im Schanzenviertel zeigen sollen. Er trägt die politische Verantwortung Natürlich fordert die Opposition, die CDU und die FDP allen voran, seinen Rücktritt. Was diese hätten besser machen können, sagen sie nicht. Natürlich sind es jetzt die Law-and-Order-Politiker, die besonders laut nach Konsequenzen rufen. Dabei darf eines nicht vergessen werden: Der Einsatz für Frieden, für gerechtere Verteilung der Ressourcen geht weiter. Leider lenken solche Gewaltexzesse, wie jetzt im Hamburg geschehen, von den eigentlichen Problemen ab und spielen den Globalplayern in die Hände.

Nachtrag: Nach dem G20-Gipfel fordert der Einzelhandel in Hamburg einen Ausgleich für die Umsatzeinbußen der Händler in der Innenstadt von angeblich 18 Millionen Euro. Dafür, so in einem offenen Brief an Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), fordert der Einzelhandel zwei zusätzliche verkaufsoffene Sonntage im Dezember, also an zwei Adventssonntagen, als Ausgleich. Ohne Zweifel haben die Händler große Einbußen erlitten, die aber sicherlich zu einem Teil in dieser Woche wieder ausgeglichen werden (nicht nur durch Schaulustige!). Dass die Vorweihnachtszeit mehr und mehr dem Kommerz dient, ist nichts Neues. Aber zwei Adventssonntage zusätzlich einzufordern, ist unverschämt. Mir tun da die Verkäuferinnen und Verkäufer Leid. Zeigt sich hier wieder einmal die „widerliche Fresse des ungezügelten Kapitalismus“?

Der Wahnsinn von Hamburg: G20-Gipfel 2017

Der G20-Gipfel in Hamburg 2017 ist das zwölfte Gipfeltreffen der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Er wird am 7. und 8. Juli 2017 in Hamburg im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft stattfinden. Neben den Staats- und Regierungschefs der G20-Länder sind auch andere Länder und mehrere internationale Organisationen als Gäste eingeladen. Zahlreiche Organisationen haben Proteste angekündigt, bei denen mit mehreren zehntausend Teilnehmern gerechnet wird.

Hamburg ist nach Presseberichten von Kanzlerin Merkel in Abstimmung mit Bürgermeister Scholz als Veranstaltungsort gewählt worden, um an die Rolle der Stadt als „Tor zur Welt“ zu erinnern. Weiter ehre man so den verstorbenen Sohn der Stadt Helmut Schmidt, der diese Treffen 1975 als Bundeskanzler mit ins Leben gerufen hatte. Der G20-Gipfel soll in den Räumen der Hamburg Messe im Stadtteil St. Pauli stattfinden. Ein Teil der Veranstaltung findet darüber hinaus in der Elbphilharmonie im Stadtteil HafenCity statt.

Angeblich gab es zwischen Merkel und Scholz einen Deal: Wenn Scholz Hamburg als Veranstaltungsort akzeptiere, dann würde Merkel und die Bundesregierung Hamburgs Bewerbung für Olympia 2024 unterstützen. Was mit der Olympiabewerbung geworden ist, wissen wir: Bei einem Referendum entschied sich eine Mehrheit der Bürger gegen Olympia. Jetzt hat Scholz das G20-Treffen an der Backe, ohne irgendeine Gegenleistung, außer dem feuchten Händedruck der Kanzlerin. Statt Hamburg, so empfiehlt ein Anwohner des Schanzenviertels, hätten Merkel und Co. die Queen Mary 2 für ihre Plauschrunden nehmen sollen. Und Videokonferenzen wären sicherlich zeitgemäßer.

Man braucht es eigentlich nicht ausdrücklich betonen: Es gibt wohl kaum einen Ort, der so schlecht geeignet ist für den G20-Gipfel wie Hamburg. Und das mitten in der Stadt. Allein nur durch den Gipfel wird es erhebliche Beeinträchtigung im Straßen-, Schienen- und sicherlich auch im Luftverkehr geben. Viele Firmen machen an den beiden Tagen zu.

Anwohner, besonders die Läden, z.B. im Schanzenviertel (siehe hierzu: NDR – die nordstory: Die Schanze), fürchten zudem die Krawalle durch autonome Gruppierungen.


ARD – G20-Lied – Hier fliegen gleich …

Rund 20.000 Polizisten sollen zum Einsatz kommen. Viele sind jetzt schon auf dem Messegelände und rundum im Einsatz. Hubschrauber kreisen über der Stadt. NATO-Draht (S-Draht) ‚ziert‘ die Bahnstrecke zwischen Hauptbahnhof und Altona. Der ganze Irrsinn kostet dem Steuerzahler mindestens 130 Millionen Euro.

Hamburg – S-Bahn-Station Sternschanze: Polizei jagt Autonome

Nun ich arbeite vielleicht 100 m Luftlinie von dem Schanzenviertel entfernt. Die S-Bahn-Station Sternschanze ist die Haltestelle, an der ich morgens aussteige und von wo ich abends wieder losfahre. Am Freitag, den 7. Juli (und am Samstag, den 8. Juli sowieso) ist meine Firma geschlossen. Am Donnerstag zuvor werde ich wohl schon zur Mittagszeit Feierabend machen, da von der autonomen Szene für diesen Vorabend des Gipfels eine Demonstration („G 20 – Welcome to Hell“) vorgesehen ist, die genau in meinem ‚Einzugsgebiet‘ stattfinden wird. Sollte die S-Bahn-Station Sternschanze blockiert sein, so hoffe ich, über die U-Bahn-Station Schlump zum Hauptbahnhof und von dort möglichst zeitnah nach Hause zu kommen.

Worte zum Wochenende (34. KW 2016): Erdbeben in Italien

Der August verabschiedet sich mit hochsommerlichen Temperaturen. Gestern erreichten die Quecksilbersäulen bei uns knapp 34 ° C. Und heute soll es vielleicht noch einen Tick wärmer werden. Da ist das nächste Gewitter nicht fern. Unterdessen bebt in Mittelitalien die Erde. Die italienische Halbinsel, wenn man das so sagen darf, liegt auf einer tektonischen Bruchstelle. Dort stoßen Afrikanische und Eurasische Platte aufeinander. An der Afrikanischen Platte hängt ein Fortsatz, Adriatischer oder auch Apulischer Sporn genannt, der sich in die eurasische Platte schiebt. Die westliche Grenzfläche zwischen Sporn und eurasischer Platte liegt genau unter Italien.

Worte zum Wochenende (34. KW 2016 – WilliZBlog)

Der Mensch ist kein Tier, er ist eine Bestie. Während Retter unermüdlich versuchen, in den Trümmern noch Überlebende zu finden, versuchen einige zu plündern. In Amatrice wurde ein Mann festgenommen, der in ein Haus eindringen wollte.


Amatrice (Corso Umberto I) vor dem Beben

29. Februar 2016

Dieses Jahr ist ein arbeitgeberfreundliches Jahr. Auch dank des Schalttags heute (29. Februar). Dadurch verschieben sich alle festen Feiertage, die dem heutigen Tag folgen, um zwei statt um einen Tag gegenüber dem Vorjahr. Gut der 1. Mai fiele auf einen Samstag und ist jetzt auf einem Sonntag – und der 3. Oktober fällt auf einen Montag (ohne Schalttag fiele er auf einem Sonntag). Aber Weihnachten (24. – 26. Dezember) fällt auf Samstag bis Montag. Lediglich ein freier Tag bleibt. Und der Jahreswechsel (Silvester 2016 und Neujahr 2017) wird auf einem Wochenende sein. Hier im hohen Norden verbleiben so gerade einmal sieben zusätzlich freie Tage neben den Wochenenden und dem Urlaub (letztes Jahr hatten wir immerhin neun und die zwei Jahre davor sogar 11 Feiertage, die auf Werktage fielen).

2016 ist also ein Schaltjahr und hat mit dem 29. Februar einen zusätzlichen Tag, um das Gemeinjahr dem die Jahreszeiten bestimmenden Sonnenjahr (Tropisches Jahr) angeglichen. Im römischen Kalender war der Februarius ursprünglich der letzte Monat und deshalb derjenige, dem die Schalttage hinzugefügt wurden.

    29. Februar 2016 – ein Schalttag

Schaltjahre gibt es alle vier Jahre und in den Jahren, die ganzzahlig durch 4 teilbar sind, mit Ausnahme der Jahrhunderte, die nicht durch 400 teilbar sind, also 1700, 1800, 1900. Dagegen sind 1600 und 2000 Schaltjahre. Analog werden 2100, 2200, 2300 und 2500 keine, 2400 jedoch sehr wohl ein Schaltjahr sein. Ob ich das noch erleben werde? 😉

Übrigens wurde Gioachino Rossini, ein bekannter italienischer Opernkomponist, 1792 an einem 29. Februar geboren. Von diesem stammt das Zitat: „Ich gebe zu, dreimal in meinem Leben geweint zu haben: als meine erste Oper durchfiel, als ich Paganini die Violine spielen hörte und als bei einem Bootspicknick ein getrüffelter Truthahn über Bord fiel.“

Beim letzten Anlass hätte ich wahrscheinlich auch geweint.

siehe auch 29. Februar – Schalttag (2008)

Peter Høeg: Fräulein Smillas Gespür für Schnee (1992)

„Im Kopenhagener Hafenviertel stürzt ein Junge vom Dach eines Lagerhauses. Todesursache laut Polizeibericht: ein Unfall. Smilla Jaspersen, die im selben Haus wohnt wie der Junge, sieht das anders und stellt ihre eigenen Nachforschungen an.

Der internationale Erfolg dieses literarischen Thrillers hat neben der faszinierenden Geschichte vor allem mit seiner Heldin zu tun: der wunderbar ruppigen, unangepaßten und zugleich zarten und verletzlichen Smilla.“
(aus dem Umschlagtext)

    Peter Høeg: Fräulein Smillas Gespür für Schnee

„Es friert, außerordentliche 18 Grad Celsius, und es schneit. In der Sprache, die nicht mehr meine ist, heißt der Schnee qanik, er schichtet sich zu Stapeln, fällt in großen, fast schwerelosen Kristallen und bedeckt die Erde mit einer Schicht aus pulverisiertem, weißem Frost.

Das Dezemberdunkel kommt aus dem Grab, das grenzenlos wirkt wie der Himmel über uns. In dieser Dunkelheit sind unsere Gesichter nur noch blaß leuchtende Scheiben, aber trotzdem spüre ich die Mißbilligung des Pastors und des Kirchendiensers, die sich gegen meine schwarzen Netzstrümpfe richtet und gegen Julianes Jammern, das noch dadurch verschlimmert wird, daß sie heute morgen ein paar Antabus genommen hat und der Trauer jetzt fast nüchtern begegnet. Sie denken, sie und ich hätten weder das Wetter noch die tragischen Umstände respektiert. Dabei sind die Strümpfe und die Tabletten auf ihre Weise ganz einfach eine Huldigung an die Kälte und an Jesaja.“

Hiermit beginnt der Roman Fräulein Smillas Gespür für Schnee des Dänen Peter Høeg, den ich als Taschenbuch vorliegen habe (Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg – 13599 – 931. – 970. Tausend Oktober 1997, Copyright 1994 Carl Hanser Verlag, München Wien – Originalausgabe ‚Frøken Smillas fornemmelse for sne’, 1992 – aus dem Dänischen von Monika Wesemann) und Ende des letzten Jahres (‚zwischen den Jahren’) erneut gelesen habe. Bereits vor über neun Jahren hatte ich mich hier mit Fräulein Smillas Gespür für Schnee beschäftigt (dabei besonders für die Wörter für Schnee in der Sprache der Inuit, dem Inuktitut). – Die von der Ich-Erzählerin (Smilla Jaspersen) erwähnte Juliane ist die Mutter von Jesaja, dem Inuk-Jungen, der hier nach seinem tödlichen Sturz vom Dach des Lagerhauses zu Grabe getragen wird.

Mit dieser Smilla Jaspersen hat Peter Høeg eine ungewöhnliche Frauengestalt geschaffen – die Mutter (wie der getötete Jesaja) Inuk und Robbenfängerin, der Vater ein dänischer Arzt -, die ihre grönländische Herkunft nicht vergessen kann, die gleichzeitig aber mit der westlichen Zivilisation nicht zurecht kommt und so zwischen den Welten lebt. „Die Welt kann mich holen, wenn sie mich braucht.“ (S. 297) denkt sie sich in der Mitte des Buchs, ansonsten geht sie ihren eigenen Weg. Und wenn sie sich in eine ebenso unangepasste Person wie den Mechaniker zu verlieben scheint, so rationalisiert sie dies mit Worten wie: „Die Liebe kommt aus dem Überfluß, sie verschwindet, wenn man sich dem Instinktiven nähert, dem Hunger, dem Schlaf, dem Bedürfnis nach Sicherheit.“ (S. 462) – Nur zwei Beispiele fürs Denken und Verhalten dieser Smilla.

Ohne Zweifel ist diese Smilla eine bemerkenswerte Frau. Eine solch starke weibliche Persönlichkeit findet man nur selten in der Literatur, ebenso selten in der Wirklichkeit. Und das trotz ihrer Selbstzweifel und ihrem scheinbaren Scheitern in der Gesellschaft (ohne Abschluss eines Studiums, arbeitslos, kinderlos, ohne Beziehung und Freunde). Smillas Biografie ist geprägt vom Wechsel von der präindustriellen grönländischen Jägerkultur hin zur postindustriellen Gesellschaft Dänemarks. Und obwohl sie verletzlich im Inneren ist, so gibt sie sich unnachgiebig und hart nach außen. Der Roman ist aus der Sicht dieser Frau geschrieben und eröffnet so einen Blick in das Denken und die Gefühle von Smilla Jaspersen (siehe hierzu auch die Magisterarbeit von Michael Auth: Lauter lose Enden? Die Erzählstruktur in Peter Høegs Erzählung – als PDF-Datei).

Erstaunlich (oder vielleicht auch wieder nicht), dass ein Mann dieser Frau die Sprache gegeben hat: Der Autor „Peter Høeg, geboren am 7. Mai 1957 in Kopenhagen, studierte Literaturwissenschaft und trat als Tänzer und Schauspieler an dänischen und schwedischen Bühnen auf. Er schrieb Theaterstücke, einen Band Erzählungen und u.a. die Romane ‚Vorstellung vom zwanzigsten Jahrhundert’ und ‚Der Plan von der Abschaffung des Dunkels’. ‚Fräulein Smillas Gespür für Schnee’ wird [wurde 1997] von Bille August verfilmt, mit Julia Osmond in der Hauptrolle. […]“
(aus dem Kladdentext)

Hier eine ausführlichere Inhaltsangabe:

Kopenhagen, Anfang der 90er Jahre, kurz vor Weihnachten: Der kleine Jesaja fällt vom Dach des Hauses, in dem er mit seiner Mutter lebt. Für Passanten und Polizei war es ein tragischer Unfall. Doch Smilla Jasperson, ebenfalls Bewohnerin des Hauses, glaubt an Mord. Sie war mit dem kleinen Jesaja befreundet, der wie ihre Mutter und sie selbst, aus Grönland stammte. Sie hatte schon immer ein besonderes Gespür für Schnee, deshalb lassen sie die Fußspuren im frischen Schnee auf dem Dach des Hauses misstrauisch werden. Überdies weiß sie, dass Jesaja unter Höhenangst litt und deshalb niemals freiwillig auf das Dach gestiegen wäre. Weil sie die einzige Freundin war, die der kleine Jesaja in seinem Leben hatte, setzt sie alles daran, ihren Verdacht zu beweisen.

Sie beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln. Ihre Aktivitäten stoßen allerdings sowohl bei Jesajas Mutter als auch bei den Behörden auf wenig Gegenliebe, und sie geben ihr zu verstehen, dass sie sich lieber aus der Angelegenheit heraushalten soll. Der einzige, der auch der Überzeugung ist, dass Jesaja Opfer eines Verbrechens wurde, ist ihr Nachbar, der Mechaniker. Dieser hilft Smilla und beschützt sie.

Es stellt sich heraus, dass Smilla einer weltweiten ökopolitischen Intrige auf die Spur gekommen ist. Sie entdeckt, dass Jesajas Vater 1966 bei einem mysteriösen Unfall auf dem Gletscher „Gela Alta“ ums Leben kam und seine Witwe seitdem eine Pension von einer undurchschaubaren Organisation erhält. Durch einen Arzt, der den kleinen Jungen zuerst obduzierte, bevor er an weiteren Untersuchungen gehindert wurde, erhält Smilla die Bestätigung, dass Jesaja ermordet wurde. Sie kann nicht mehr zurück und wird in die Intrige verwickelt, welche sie in die Verlassenheit der grönländischen Eiswüste führt und selbst in Lebensgefahr bringt.

Wer den Roman Fräulein Smillas Gespür für Schnee gern lesen und sich die Spannung erhalten möchte, der sollte die nächsten fünf Absätze ‚überspringen’.

Prof. Licht, der ihr beim Abhören eines Tonbandes, dass Smilla von Jesajas Mutter bekommen hat und auf dem die Stimme von Jesajas Vater ist, helfen soll, wird kurz nachdem sie ihn verlassen hat, getötet, wobei seine Mörder auch Smillas Leben beenden wollen. Smilla gelingt es allerdings, vom brennenden Hausboot, in dem der Professor seine Nachforschungen anstellte, zu entkommen.

Smilla erhält, nachdem sie mit der ehemaligen Buchhalterin der „Greenland Minings“ gesprochen hatte, den Schlüssel zum Archiv der Firma, in dem alle Aufzeichnung über die „Gela Alta“-Expeditionen aufliegen. Dort findet sie auch einen Hinweis darauf, was das Ziel der Expeditionen nach „Gela Alta“ ist und dass eine weitere geplant ist.

Nachdem sie mit dem Mechaniker dessen Freund Lander aufsucht, bekommt sie die Möglichkeit, auf dem Expeditionsschiff der „Greenland Minings“ zu arbeiten. Die Expedition führt nach Grönland zum Gletscher „Gela Alta“, wo schon zwei Expeditionen durchgeführt wurden und bei denen jeweils mehrere Expeditionsteilnehmer ums Leben kamen.

Smilla erfährt, dass Dr. Loyen und Dr. Tørk, die Organisatoren der Expedition, auf der Suche nach einem energieerzeugenden Meteoriten sind, der in einem Gletscher versteckt ist. In dessen Schmelzwasser lebt allerdings ein mesozoischer Parasit, der prähistorische Polarwurm, der sich in den menschlichen Körper frisst und dort seine Eier ablegt. Durch die ausschlüpfenden Larven wird der Körper aufgefressen und getötet. Dr. Tørk ignoriert diese Gefahr jedoch und schicken immer wieder Taucher in das Schmelzwasser, um den Meteoriten zu bergen und damit Geld zu verdienen.

Smilla entkommt allen Anschlägen auf ihr Leben und schafft es, in die Höhle mit dem Meteoriten vorzudringen. Dort tötet sie Dr. Loyen und verletzt Dr. Tørk, den Chef von „Greenland Minings“. Dieser kann zwar flüchten, wird aber von Smilla verfolgt, die ihn aufs Packeis treibt, wo er schließlich stirbt. Der Mechaniker, der ebenfalls auf dem Schiff war, zündete in der Höhle eine Bombe, um weitere Forschungen am Meteoriten zu verhindern und die Gefahr durch den gefährlichen Polarwurm zu unterbinden.

Quelle: fundus.org

Der Roman spielt in den 90-er Jahren. An einer Stelle ist vom Dezember 1993 die Rede, obwohl Peter Høeg den Roman bereits 1992 veröffentlichte. Neben Kopenhagen (u.a. wird die Strandgade -> Christianshavn und der Strandvej erwähnt, ebenso Brønshøj in der Nähe von Kopenhagen mit der Kabbelejevej am Rande von Utterslev Mose – auch kommt das Hotel d’Angelterre vor, das in dem Film Der zerrissene Vorhang (1966) von Hitchcock zusehen ist) so ist die hohe See Schauplatz des Geschehens wie zum Schluss Grönland selbst (Smilla kommt aus Qaanaaq, das wir auch als Thule kennen).

Personen des Romans:

Smilla (eigentlich: Smillaaraq) Qaavigaaq Jaspersen (zum Namen s. S. 332 – Bio s. S. 112 ff.)
Ane Qaavigaaq, Mutter und Robbenfängerin
Jørgen Moritz Jaspersen, Vater und Arzt
Benja, Moritz’ Lebensgefährtin

Peter Føjl, Mechaniker und ‚Gehilfe’ (Taucher)
Jesaja Christiansen, Inuk-Junge
Juliane Christiansen, seine Mutter

Elsa Lübing, ehemalige Buchhalterin/Archivarin der Kryolithgesellschaft
Benedicte Clahn, dänische Mitarbeitern der R.A.F. 1946 in Deutschland

Ravn, Staatsanwalt
Nathalie Ravn, seine Tochter – Konsulatssekretärin (Tod durch Sprung vom Dach – S. 277)

Dr. Lagermann, Arzt
Frau Lagermann

Birgo Lander, Geschäftsmann und Freund des Mechanikers

Prof. Johannes Loyen, früherer Expeditionsleiter, Direktor des Instituts für arktische Medizin
Telling
Prof. Andreas Fine Licht, Leiter des “Arctic Museum“ (blind)

Schiffsbesatzung des Expeditionsschiff der „Greenland Minings“:
Kapitän Sigmund Lukas
(Nils) Bernard Jakkelsen, sein jüngerer Bruder
Urs, der Koch
Verlaine, Bootsmann
Hansen
Maurice
Sonne, Steuermann
Maria und Fernanda, Schiffsgehilfinnen
Kützow, Maschinenmeister

Dr. Andreas Tørk, Arzt und Expeditionsleiter 1994
Katja Claussen
Seidenfaden

Am Ende kommt bei diesem Roman eine Art Öko-Krimi heraus. Vielleicht etwas konstruiert, aber das sind ja fast alle Kriminalromane. Im Mittelpunkt steht Smilla Jaspersen. Allein wegen ihr macht das Lesen Spaß. Zudem ist das Buch Belletristik vom Feinsten – mit dieser Meinung stehe ich nicht allein da:

“Episch wie großes Kino.” (Frankfurter Rundschau)

„Irgendwann will man nur noch Smillas Stimme hören, so könnte sprechen, wovon sie wollte.“ (Stern)

„Mit dem Dänen Peter Høeg hat Europa einen neuen, bedeutenden Schriftsteller.“ (FAZ)

„Ein Buch, dessen Heldin unvergeßlich bleiben wird […]. Smilla ist nicht nur eine starke Frau, sie ist auch eine große Frauengestalt – eine der größten in der kleinkarierten Literatur dieser Jahre.“ (Sonntagsblatt)

„Eine aberwitzige Verbindung von Thriller und hoher Literatur.“ (Der Spiegel)

„Peter Høegs Erzähltalent ist sensationell.“ (Sächsische Zeitung)

„Smilla: Glaziologin, Misanthropin, Racheengel, Emma Peel und Jeanne D`Arc, Rambo und Greenpeace-Vorkämpferin in einer Person, sarkastisch, gelegentlich sentimental, mit Klugheit geschlagen. Schnee und Eis sind ihr lieber als die Liebe.“ (Die Zeit)

„Jede einzelne Szene, jeder Dialog ist ein Meisterwerk.“ (Prinz)

Begriffe aus der/den Sprache(n) der Inuit – die Bezeichnung Eskimo ist übrigens nicht völlig falsch, sondern wird als Oberbegriff verwendet – sind auch in unsere Sprache eingegangen. So dürfte jeder wissen, was ein Anorak ist. Im Grönländischen schreibt man diesen annoraaq. Wenn man vom Grönländischen bzw. den Sprachen der Inuit spricht, dann kommt man nicht umhin, die angeblich unzähligen Wörter für Schnee bzw. Eis in diesen Sprachen zu erwähnen. Im Roman kommen einige dieser Wörter vor und werden auch (meist) sofort erklärt. Ich glaube, ich habe alle Wörter gesammelt. Mit dieser kleinen Sammlung will ich enden. Fräulein Smilla hat mich doch zu mehr verleitet, als zunächst geplant (aber das kommt bei mir wohl öfter vor):

Qanik feinköringer Pulverschnee
Pirhuk der Wind trägt einen leichten Schnee heran
Kangirluarhuq große Blöcke aus Süßwassereis
Pujuq Nebel S. 458 ff.
Hiku Festeis (Kontinent aus gefrorenem Meer)
Hikuaq und Puktaaq Eisschollen
Ivuniq Oberfläche der Eisschollen als verwüstete Landschaft
Maniilaq Eisbuckel
Apuhinuq Schnee, vom Wind zu harten Barrikaden komprimiert
Agiuppiniq Schneefahnen, vom Wind über das Eis gezogen
Killaq Wake (nicht oder nur oberflächlich zugefrorene Stelle in der Eisdecke)
Sikussaq schwarze Stücke im Mosaikeis
Avangnaq Nordwind
Pirhirhuq Schneesturmwetter
Kanangnaq Nordostwind
Hikuliaq Neueis

siehe hierzu auch: Kate Bushs Gespür für Schnee

(Fast) vegan

Meine beiden Söhne leben vegan. Der Ältere der beiden hatte bereits während einer vorösterlichen Fastenzeit vor über fünf Jahren eine Zeitlang vegan gelebt und ist es jetzt bereits seit über zwei Jahren vollständig. Der Jüngere tut es ihm jetzt seit über einem Viertel Jahr gleich.

Veganer sind die noch strikteren Vegetarier, um es einmal in aller Kürze zu benennen. Sie verzichten auch auf alle tierischen Produkte, die Vegetarier sonst essen, also u.a. Milchprodukte, Eier und Honig – und verzichten auch sonst auf alles, was vom Tier stammt, u.a. Leder und Wolle. Veganismus ist nicht allein eine Ernährungs-, sondern auch eine ethisch motivierte Lebensweise.

Ich denke, dass es meine beiden Söhne nicht unbedingt bis auf die Spitze treiben. Aber was ihre Ernährung betrifft, da sind sie konsequent. Der ältere meiner Söhne lebt nun in Göttingen und kommt uns nur an manchen Wochenende besuchen. Der Jüngere lebt aber noch bei uns. Und so ergibt es sich, dass auch meine Frau und ich ‚vermehrt’ vegan speisen. Besonders bei der Hauptmahlzeit bevorzugen wir immer öfter vegane Gerichte, auch um nicht mehrere Speisen gleichzeitig zubereiten zu müssen.

Man mag sich darum streiten, ob es nicht etwas widersinnig ist, wenn in der veganen Küche tierische Produkte durch pflanzliche ‚ausgetauscht’ werden. Jeder kennt die Brätlinge, die auf Getreidebasis (z.B. Grünkern oder Weizen) bzw. aus Hülsenfrüchten (vorwiegend Soja) zubereitet werden. Inzwischen es gibt mehr und mehr Lebensmittel zu kaufen, die tierische Lebensmittel ‚imitieren’, also Wurst, Käse, Joghurt usw. auf pflanzlicher Grundlage. Nicht alles schmeckt unbedingt so, wie man es von tierischen Produkten kennt. Aber bei manchen Speisen war ich dann doch überrascht. Selbst Discounter bieten inzwischen eine größere Auswahl an solch veganer Lebensmittel an. Und der eigenen Kreativität sind außerdem in der veganen Küche keine Grenzen gesetzt, was das Kochen, Backen und Zubereiten z.B. auch von Schnellgerichten, Eis, selbst von Torten usw. betrifft. Im Mittelpunkt steht allerdings viel Gemüse, was vorwiegend aus der Region stammt, in der wir wohnen.

vegane Mohn-Dinkel-Muffins

veganer alt-englischer Apfelkuchen

vegane Mohn-Dinkel-Muffins

veganer alt-englischer Apfelkuchen

veganer Aprikosen-Mandel-Kuchen

veganer Käsekuchen

veganer Aprikosen-Mandel-Kuchen

veganer Käsekuchen

Wer sich nun vollständig vegan ernährt, sollte sich allerdings ein „entsprechendes Ernährungswissen“ angeeignet haben. Ich denke, das wird von selbst kommen. Wer als Veganer lebt, wird das nicht allein ‚aus dem hohlen Bauch’ heraus tun, sondern wird sich schon ‚im Vorfeld’ ausführlich mit dieser Ernährungs- und Lebensweise auseinandersetzen, denn wer völlig auf alle tierischen Lebensmittel verzichtet – und das muss man wissen: der wird mit bestimmten Nährstoffen nicht ausreichend versorgt. Das gilt z.B. für Kalzium, Jod und Zink, besonders aber für Vitamin B12. Der tägliche Mindestbedarf an Vitamin B12 beträgt zwar nur ca. 3 µg (Mikrogramm) für einen Erwachsenen, muss aber spätestens dann ergänzt werden, wenn das in der Leber eines Menschen gespeicherte Vitamin B12 (2000–5000 µg) aufgebracht ist.

Verfügt man über ein entsprechendes Ernährungswissen, dann ist eine vegane Ernährungsweise mit einer genügenden Zufuhr aller Nährstoffe (Ausnahme Vitamin B12, welches mit angereicherten Nahrungsmitteln oder Supplementen zugeführt werden sollte) natürlich möglich. Es gibt übrigens einige pflanzliche Lebensmittel, die Vitamin B12 enthalten, wenn auch nur in geringen Mengen, so durch Milchsäuregärung haltbar gemachte Gemüse, manche Algensorten (z.B. Nori-Algen), Erbsen, Bohnen und Lupinen sowie Ingwer. Auch einige Speisepilze, insbesondere der Champignon, weisen geringe Vitamin-B12-Gehalte auf.

Ich selbst lebe nicht ganz vegan. Ich mag und werde auf bestimmte Lebensmittel (vorerst) nicht verzichten. Dazu gehört Käse, aber auch Fleisch, wenn auch beides nur noch in geringen Mengen. Milch ist bekanntlich gesund. Sie enthält allerdings Milchzucker (Laktose), die immerhin 75 % der Weltbevölkerung nicht vertragen können (Laktoseintoleranz), weil sie diese wegen fehlender oder verminderter Produktion des Verdauungsenzyms Laktase nicht verdauen können. Ich habe mit Laktose auch meine Probleme und bevorzuge im Zuge der veganen Küche seit längerer Zeit vorwiegend Ersatzprodukte aus Soja (so genannte Soja-Milch) oder aus Getreide wie Dinkel, Hafer oder Reis. Meine Verdauung dankt mir dafür.

Überhaupt hat sich meine Verdauung deutlich verbessert, seitdem ich überwiegend vegan esse. Um meinen gesundheitlichen Gesamtzustand steht es bestens. Da leiste ich mir die kleinen ‚Sünden’ eben.

Veganismus kann man politisch nehmen, muss es aber nicht. Wenn ich den Leuten so von meinen Söhnen erzähle und ihnen sage, dass auch meine Frau und ich verstärkt vegan leben, dann kommt fast immer das Argument: Wenn alle Menschen vegan essen würden, dann müsste fast nur noch Soja angepflanzt werden. Monokultur ohnegleichen.

Dazu kann ich nur antworten: „Zur Produktion von Fleisch wird in den USA vor allem Mais großflächig angebaut, in Europa sind es Gerste, andere Getreidearten und Kartoffeln, neuerdings vermehrt auch Mais“, sagt der Berner Professor Wolfgang Nentwig. „Daneben werden immer mehr Futtermittel wie Soja aus der Dritten Welt importiert, wo ihr Anbau und Export zwar Devisen bringt, diese Landfläche aber der eigenen Nahrungsmittelproduktion fehlt.“ Der weitaus größte Teil der globalen Sojaproduktion wird zu Futtermitteln verarbeitet.

Laut FAO hat sich die jährliche Fleischproduktion auf der Welt von jährlich 136 Millionen Tonnen Anfang der 1980er Jahre auf 260 Millionen Tonnen 2004 fast verdoppelt. Nach Angaben des Vegetarierbunds (VEBU) Deutschland und in Bezug auf die USA sind etwa 17 Kilogramm Getreide nötig, um ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren. Rechnungen dieser Art sind aber umstritten. Unter Berufung auf das in Darmstadt ansässige Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft gibt es vom Bundesagrarministerium andere Zahlen zum Fleischzuwachs je Kilogramm Futter. Demnach sind für ein Kilogramm Fleisch eines Masthähnchens 1,7 Kilogramm Futter nötig, bei Mastputen ist das Verhältnis 1:2,7 und bei Mastschweinen 1:3. „Für Wiederkäuer wie Mastrinder oder Schafe, für die Getreide nur eine Ergänzung ihrer Futterration darstellt, macht eine vergleichbare Darstellung keinen Sinn. Hauptfutterquelle ist hier meist Grünland.“ (Quelle: 3sat.de).

Ich will mich um Zahlen nicht streiten, aber sicher ist, dass zur ‚ Produktion’ eines Kilo Fleisches ein Mehrfaches an Futter benötigt wird. Das, was an Futterpflanzen für die Tierzucht nicht mehr benötigt würde, käme den Menschen zugute. Und zu Soja: Es gibt eine Vielfalt an pflanzlichen Lebensmittel, die auch als Fleischersatz auf den Teller eines Veganers kommen.

Ich kann nur noch eines sagen: Wenn man sich erst einmal mit Veganismus beschäftigt hat, wenn man vor allem die vegane Küche ausprobiert hat, dann lässt es einen so schnell nicht wieder los. Wenn man dann bei einer genügenden Zufuhr aller Nährstoffe feststellt, dass man sich gesundheitlich auf einem guten Weg befindet, dann spätestens wird man über die milde lächeln, die meinen, über ‚spinnernde’ Veganer lachen zu müssen.

18. September 2014: Referendum zur Unabhängigkeit Schottlands

Am Donnerstag entscheiden die Schotten, ob sie sich aus dem Vereinigten Königreich lösen und sich als Nation selbständig machen wollen. Ich und meine Familie sind ja große Schottland-Fans und waren zuletzt 2005 für über drei Wochen dort auf Urlaub.

Schottland und die britische Krone bekämpften sich das ganze Mittelalter lang, bis beide Seiten 1707 ein Abkommen schlossen und zum Vereinigten Königreich fusionierten. Schottland entschloss sich vor allem aus Geldnot zu diesem Schritt. Heute haben die Schotten ein höheres Pro-Kopf-Einkommen als andere Einwohner der Insel.

Seit Jahren setzen sich schottische Nationalisten für mehr Eigenständigkeit ein. 1997 erreichten sie per Volksabstimmung, dass Edinburgh wieder ein Parlament zugesprochen bekam und weitgehende Autonomie bei der Bildungs-, Gesundheits-, Umweltpolitik sowie der Justiz.

Befeuert durch gute Wahlergebnisse will die Scottish National Party (SNP) noch einen Schritt weitergehen und das Volk über die völlige Unabhängigkeit von Großbritannien abstimmen lassen. Sie spricht von „Wahl zwischen Zukunft und Stillstand“: Das Hauptargument: Die Schotten könnten am besten alleine entscheiden, wie sie ihren Reichtum verteilen. Das will nun die britische Zentralregierung aufhebeln: Sie verspricht den Schotten mehr steuerliche Freiheit, wenn sie sich NICHT abspalten.

Bei Umfragen vor dem Referendum am letzten Donnerstag zeigt sich keine eindeutige Tendenz. Premierminister David Cameron will vor der Abstimmung noch einmal vehement für einen Verbleib Schottlands im Königreich werben. Laut britischen Medien könnte Cameron zurücktreten, sollte er ein Ende der mehr als 300 Jahre währenden Union mit Schottland verantworten müssen.

Das Ziel der Bewegung ist es, einen unabhängigen Zukunftsstaat zu gründen, am 24. Januar 2016 soll der erste Unabhängigkeitstag gefeiert werden. Stimmen die Schotten für die Unabhängigkeit, würden im Herbst Verhandlungen über die Zukunft der politischen Beziehung zwischen Schottland und Großbritannien beginnen. Bis 2016 will Schottland auf jeden Fall Mitglied des Vereinigten Königreichs bleiben (Quelle: zeit.de).

    Schottische Flagge

Schottische Flagge

Nun eine Unabhängigkeit Schottlands hätte allein schon ‚optische’ Veränderungen zur Folge. Es gäbe kein UK (United Kingdom = Vereinigtes Königreich) mehr und vor allem keinen Union Jack, da die blau eingefärbten Teile die schottische Flagge kennzeichnen. Den Union Jack finden wir aber z.B. auch in den Flaggen anderer Nationen – wie z.B. Australien und Neuseeland. Werden die ihre Flagge ändern, wenn es das Vereinigte Königreich nicht mehr geben sollte?

    Union Jack

Union Jack

Ein uns bekannte Flötenkobold schottischer Abstammung (väterlicherseits) hat sich zu dem Referendum zu Wort gemeldet, obwohl er bei dem Referendum nicht stimmberechtigt ist (da er keinen Wohnsitz in Schottland hat): Ian Anderson fühlt sich als Brite durch und durch und lehnt so die Unabhängigkeit ab. Aus seiner Sicht ist das durchaus verständlich.

Nun es spricht vieles für, aber auch vieles gegen eine Unabhängigkeit des Landes. Ich will das hier nicht im einzelnen diskutieren. Immer wieder werden die Öl- und Erdgasvorkommen vor der schottischen Küste als Argument genannt. Die meisten der Erträge fließen in die Kassen Londons. Allerdings leistet London dafür auch wiederum Ausgleichszahlungen in Form von Transferleistungen. Am Ende gleicht sich das wohl aus. Allerdings gehen die Öl- und Erdgasvorkommen langsam zu Ende bzw. lassen sich nur erschwert erschließen. So setzt Schottland zunehmend auf erneuerbare Energien, z.B. die Windkraft.

Die Royal Bank of Scotland (RBS) hat jetzt erklärt, im Falle einer Unabhängigkeit den Hauptsitz von Edinburgh nach England zu verlegen. Dass ich nicht viel von Banken halte, brauche ich nicht erneut zu erklären. Gerade die Royal Bank of Scotland ist in der Finanzkrise gehörig ins Schleudern geraten. Wenn sie denn nach England ziehen sollte, dann kann ich der Bank nur empfehlen, den Namen zu wechseln. In Schottland wird man nicht unbedingt der RBS Tränen nachweinen.

Ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden würde, wenn ich Schotte wäre. Sicherlich wird gerade in diesen Tagen viel Schwarzmalerei betrieben, um die Schotten zu einem ‚Nein’ zu bewegen. Ich denke aber, dass die völlige Eigenständigkeit Schottlands (auch entgegen der Meinung von Herrn Anderson) durchaus gut gehen kann. Auf jeden Fall bin ich gespannt, wie sich das schottische Volk am Donnerstag entscheidet.

Theo Löbsack: Die manipulierte Seele

    Wenn es wahr ist, daß Freude und Leid, Liebe und Haß, Aggression, Güte und ähnliche Regungen für unser Menschsein bezeichnend sind, und wenn dieses Menschsein bisher für eine gezielte Veränderung unzugänglich war, so wissen wir heute: Diese Gewißheit gibt es nicht mehr.
    Denn Gefühle wie Zuneigung und Wut, Angst und Wonne lassen sich seit jüngster Zeit auch unabhängig von äußeren Umständen mit der Präzision eines chirurgischen Eingriffs im Gehirn künstlich hervorrufen. Damit scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis wir sogar Vertrauen und Hoffnung, ja den Glauben an etwas in Form einer chemischen Substanz ins Gehirn träufeln oder als Medikament zu uns nehmen können.
    (aus der Einleitung zum Buch)

Die Möglichkeiten, das menschliche Verhalten durch chemische Substanzen oder chirurgische eingriffe und gezielte Stromstöße im Gehirn zu manipulieren, sind in den letzten Jahrzehnten auf beängstigende Weise gewachsen. Beruhigungsmittel, leistungssteigernde, bewußtseinserweiternde, geistig und sexuell anregende Drogen haben einen ebenso erfolgreichen wie bedenklichen Siegeszug angetreten. Ist diese Entwicklung aufzuhalten? Wann darf die Persönlichkeit eines Menschen beeinflußt oder gar verändert werden? Gibt es überhaupt Umstände, die dies rechtfertigen? – Theo Löbsack informiert sehr gründlich über alle medizinischen, psychologischen und moralischen Aspekte dieses überaus komplexen Problems. Neben aktuellen Zahlen und statistischen Ergebnissen bezieht er auch die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in seine Darstellung ein.
(aus dem Kladdentext)

    Theo Löbsack: Die manipulierte Seele

Natürlich ist dieses populärwissenschaftliche Sachbuch nicht mehr auf dem letzten Stand. Geht man von aktuellen Schätzungen aus, wonach sich das Wissen der Welt etwa alle fünf bis zwölf Jahre verdoppelt, wobei sich diese Rate noch beschleunigt, dann präsentiert ein 35 Jahre altes Buch nur noch einen Bruchteil des heutigen Wissens. Auch erscheint mir der Autor der ‚alten Schule’ anzugehören, nicht nur stilistisch, obwohl er für die damalige Zeit sicherlich aufgeschlossen und tolerant erscheint. In seiner Einleitung zum Buch schreibt er weiter:

Wir, die wir eingespannt sind in den entnervenden Betrieb einer auf Leistung bedachten Welt, die wir an Verklemmungen und Verdrängungen leiden, die wir vielfach schon zur bloßen Funktion herabgewürdigt sind, wir haben vieles von unserem ursprünglichen Menschsein hergeben müssen. Um so mehr aber sehnen wir uns nach ihm zurück. Gilt uns die persönliche Freiheit noch etwas? Dann dürfte es beispielsweise nicht sein, daß wir einen Mitmenschen als gefährlich, asozial oder kriminell bezeichnen, weil er etwa bestimmte Drogen einnimmt, weil er sich mit Hilfe chemischer oder anderer Mittel künstlich in ein Reich begibt, in dem er – ganz für sich und ohne seine Mitwelt zu belästigen – dieses Menschsein wieder zu spüren vermeint. Wir sollten vielmehr versuchen, solch Verhalten zu verstehen und die Möglichkeiten, die uns die moderne Pharmakologie, die Gehirn- und Seelenforschung erschlossen haben, unserem westlichen Kulturerbe nutzbar zu machen, bevor die technische Zivilisation dieses Erbe vollends überwuchert.

Dieses Buch will vor allem informieren. Es will zum Verständnis einer Entwicklung beitragen, deren Gefahren und Verlockungen uns heute gleichermaßen bewegen. Darüber hinaus will es schlicht zum Nachdenken anregen.
(aus der Einleitung zum Buch)

Ich habe Theo Löbsack: Die manipulierte Seele als dtv Sachbuch 1712 – Deutscher Taschenbuch Verlag, München, Oktober 1981 (1979 revidierte Neuausgabe) vorliegen und während meines Sommerurlaubs nach langen Jahren erneut gelesen.

Hier ein Blick ins Inhaltsverzeichnis, der uns aufzeigt, worum es in diesem Buch geht. Besonders die heutigen Erkenntnisse in der Hirnforschung mit all ihren Disziplinen dürften das hier Beschriebene überholt haben. Und wenn es um Drogen geht, so sind synthetische Drogen wie Crystal Meth auf dem Vormarsch. Trotzdem ist dieses Buch, betrachtet man es als Einstieg in diese Materie, auch heute noch interessant und lesenswert:

Inhaltsverzeichnis

Einbruch ins innerste Ich (anstelle eines Vorworts)

I. Der Mensch im Massenzeitalter
Neurose und Verbrechen
Die innere Leere
Invasion der Wünsche
Immer mehr Erdbewohner: Die Seelenbelastung wächst

II. Verborgene Kräfte in uns
Sekundär-Gedächtnisse
Sinnesleistungen, die verblüffen

III. Physik der Seele
Stationen der Hirnforschung: von Mumienschädeln und „protoplasmatischen Küssen“
Das Gehirn als Zielsuch-Maschine
Was das Gehirn sich nicht gefallen läßt
Sauerstoffmangel und künstliche Unterkühlung
Der Eingriff mit dem Zielgerät

IV. Gehirnwäsche
Was ist die „Persönlichkeit?“
Pawlows Versuche
Die „ultraparadoxe Phase“
Die „Kampf-Erschöpfung“ und das Mittel der Isolierung

V. Die manipulierte Seele
Liebesgefühle auf Kommando
Wut- und Wonnezentren im Gehirn

VI. Chemie der Seele
Hunger und Durst auf chemischen Befehl
Die gefährlichen Paradiese
Tabak, Kaffee und Tee
Opium oder das Geheimnis des Glücks
Der Haschisch-Rausch: ein Ozean aus Tönen
Coca vertreibt die Müdigkeit
Die Sucht oder die Flucht aus der Wirklichkeit
Schmerz und Wehleid

VII. Über sich hinauswachsen
„Psycho-Energizer“
Die Gedächtnis-Pille
Chemische Siebenmeilen-Stiefel
Die Leistung steigt im elektrischen Feld
Über sich hinauswachsen – auch sexuell?
Liebe im LSD-Rausch

VIII. Seelenarznei und Legalität
Mittel, die die Zunge lösen
Gefährliche Kombination: Arznei und Alkohol
Psychopharmakon und Strafrecht

IX. Hilfe für die Ruhelosen
Der Verfolgungswahn verliert seine Schrecken
Lassen sich Verbrechen voraussagen?
Gegen Lampenfieber und Examensangst
Schattenseiten
Darf die Persönlichkeit verändert werden?

X. Das geweitete Bewußtsein
Meskalin und die mexikanischen Zauberpilze
LSD – die „Wasserstoffbombe“ für die Seele
Reisen in die Vergangenheit
Vom blauen Windstoß und ungelösten Welträtseln
„Transzendentales Leben“ auf dem Hängeboden
LSD in der Psychiatrie
Was geschähe, wenn …?

XI. Die Seele darf nicht verkümmern

Anhang

Wenn ich mir eines wünschen dürfte, dann wäre es ein Buch wie dieses – allerdings auf einen möglichst neuesten Stand. Löbsack besaß die Fähigkeit, komplizierte naturwissenschaftliche Zusammenhänge in einer auch für den Laien verständlichen Form darzustellen, wofür er einige Auszeichnungen erhielt. Es ist ein interessantes Feld – das Wissen um unser Gehirn. Und nicht umsonst haben sich viele Wissenschaftler aufgemacht, um immer mehr von dem Organ zu erforschen, von seinem Aufbau und seiner Funktionsweise, aber auch von seinen Erkrankungen.

„Löbsacks Buch liest sich wie ein spannender Abenteuerroman – und in der Tat kann es ja kein aufregenderes Abenteuer geben als die Entdeckung der menschlichen Seele.“ (Die Weltwoche)

Supermond 10.08.2014

Ich melde mich aus meinem Urlaub …

Am Sonntagabend ereignete sich ein Naturschauspiel der besonderen Art: Supermond. Aufgrund der zeitlichen Überschneidung von Vollmond und der Nähe des Monds zur Erde schien der Mond so nah und deutlich wie selten.

Gegen 20:15 Uhr war der Mond über Deutschland aufgegangen, zum Vollmond gereift und der Erde so nah wie nur physikalisch möglich. Diese astronomische Glückskonstellation führte zu prachtvollen Eindrücken, die den Mond zum Greifen nah werden ließ

Ein Traum für Ästheten, Nachtschwärmer, Hobby-Astronomen, Werwölfe und Vampire oder einfach für jene, die das Staunen noch nicht verlernt haben – der Supermond hat weltweit für spektakuläre Eindrücke und wundervolle Bilder gesorgt.

Das Schauspiel ereignet sich in etwa bei jedem 14. Vollmond und hängt stark mit der elliptischen Laufbahn des Monds zusammen.

Siehe u.a. zeit.de

Ich selbst war in der Nacht zum Montag gegen 2 Uhr wach geworden, weil der Mond in voller Pracht in mein Fenster schien. So nutzte ich die frühe Stunde, um doch noch einige Filmaufnahmen zu machen. Von diesen habe ich drei Bilder extrahiert (ganz so super war er wohl dann schon nicht mehr, aber ’super‘ genug …) – wie hier zu sehen ist:

Supermond 11.08.2014

Supermond 11.08.2014

Supermond 11.08.2014

Supermond 11.08.2014

Kollateralschaden

Neulich lief im Fernsehen zum wiederholten Male ein US-amerikanischer Thriller aus dem Jahr 2004 mit Tom Cruise als Auftragskiller, der – von einem Taxifahrer chauffiert – von einem Mord zum anderen zieht. Dabei kommt es auch zu Kollateralschäden, d.h. zu an sich unbeabsichtigten, aber „in Kauf genommenen“ Opfern. Der Film heißt Collateral als Abkürzung für collateral damage, also Kollateralschaden, Begleitschaden.

Vor einer Woche, am 17. Juli, stürzte bekanntlich eine Boeing 777-200ER der Malaysia Airlines nach Raketenbeschuss, wahrscheinlich durch eine Buk-Flugabwehrrakete getroffen, die eine Höhe von bis zu 25.000 Meter Höhe erreichen kann, in der Ostukraine ab. Alle 298 Insassen – 283 Passagiere (davon 80 Kinder) und 15 Besatzungsmitglieder – kamen dabei ums Leben. Das Absturzgebiet wird von pro-russischen Separatisten kontrolliert.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko machte pro-russische Separatisten für den Absturz verantwortlich. Diese dementierten: Nach Aussage der Separatisten sei der Abschuss eine Provokation der ukrainischen Luftwaffe, sie selbst besäßen keine Abwehrwaffen, um Maschinen in einer Höhe von 10.000 Metern abzuschießen. Die Separatisten hatten allerdings am 29. Juni auch gemeldet, sie hätten eine Buk-Einheit übernommen.

Nach Auswertung der bisherigen Informationen scheint klar zu sein dass die Separatisten für den Abschuss von Flug MH17 verantwortlich sind. Der US-Geheimdienst hat nach Regierungsangaben bislang keine Beweise für eine direkte Beteiligung Russlands an dem mutmaßlichen Abschuss des Passagierflugzeuges MH17. Die Maschine sei vermutlich versehentlich von pro-russischen Separatisten abgeschossen worden. Also nur ein Kollateralschaden?

Inzwischen fordert die Gaza-Krise immer mehr Todesopfer auf beiden Seiten, eine Einigung ist nicht in Sicht. Der gewaltsame Tod dreier jüdischer Jugendlicher und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen waren Auslöser für eine erneute Eskalation im Juli 2014. Nach Verhaftungen von Verdächtigen intensivierte sich der Raketenbeschuss auf Israel. Als Antwort startete das israelische Militär die Operation Protective Edge, bei der vermeintlich mit dem Raketenbeschuss in Zusammenhang stehende Ziele in Gaza aus der Luft angegriffen wurden. Vorrangiges Ziel der Israelis: die Hamas, der sunnitisch-islamistische Palästinenser-Organisation, die den Staat Israel mit terroristischen Mitteln beseitigen und einen islamisch-theokratischen Staat errichten will. Vorrangige Opfer: die Zivilbevölkerung, besonders auf Seiten der Palästinenser. Kollateralschäden?

    Kollateralschaden?

Fast vergessene, eher verdrängte Konflikte gibt es im Irak, wo die dschihadistisch-salafistische Terrororganisation Islamischer Staat, deren Ziel die gewaltsame Errichtung eines Kalifats ist, welches Syrien und den Irak, aber auch den Libanon, Israel und Jordanien umfasst, inzwischen weite Teile kontrolliert. Die Extremisten sind auch deshalb so stark, weil sie sich mit sunnitischen Stämmen und Anhängern des früheren Machthabers Saddam Hussein verbündet haben. Sie eint der Hass auf die von Schiiten dominierte Regierung. Oder Syrien, wo seit März 2011 ein blutiger Bürgerkrieg tobt. Inzwischen hat der „Islamische Staat“ auch hier rund ein Drittel des Landes unter Kontrolle. Oder Libyen, wo Brigaden, die sich 2011 gegen Gaddafi erhoben hatten, ihre Waffen behielten und heute in verschiedenen Ecken des Landes ihr Unwesen treiben. Längst kämpfen sie für eigene Ziele. Oder Afghanistan, wo es weiterhin Anschläge und Kämpfe zwischen Sicherheitskräften und den islamistischen Taliban gibt. Oder Nigeria, wo die islamistische Terrorgruppe Boko Haram ihren Kampf für einen Gottesstaat im Norden des Landes mit unverminderter Härte fortsetzt. Oder die Zentralafrikanische Republik: hier kam es erneut zu schweren Übergriffen im Konflikt zwischen muslimischen Seleka-Rebellen und christlichen Bürgermilizen (Anti-Balaka) im Osten des Landes. Südsudan: Die blutigen Übergriffe seit mehr als sechs Monaten haben auch ethnische Hintergründe: Kiir, der Präsident, ist ein Dinka, Machar, sein Widersacher, ein Nuer. Mali: In der Wüste von Nord-Mali ist es in der vergangenen Woche zu heftigen Gefechten zwischen der Armee und Tuareg-Rebellen gekommen. Somalia: Hier ist es die gefürchtete Al-Shabaab-Miliz, die dort weiter ihren blutigen Terror verbreitet. Zudem ist die Al Shabaab auch im Nachbarland Kenia aktiv, wo es vor allem in der Küstenregion zu Anschlägen kommt. Die Islamisten fordern den Abzug kenianischer Truppen aus Somalia.

Hier wie dort ist es die zivile Bevölkerung, die unter den Kämpfen und Anschlägen zu leiden hat. In Länder wie Südsudan oder Zentralafrikanische Republik herrschen zudem verheerende Hungersnöte. Es ist eine humanitäre Katastrophe. Alles nur Kollateralschäden?

Manhattanhenge

Heute ereignet sich wieder einmal ein mystisches Sonnenspektakel in den Straßenschluchten von New York. Das Phänomen „Manhattanhenge“ begeistert New Yorker wie Touristen gleichermaßen.

Manhattanhenge – New York 11.07.2014

Das Phänomen dauert nur wenige Minuten, aber elektrisiert New York: Viermal im Jahr ist „Manhattanhenge“ zu bestaunen – ein Sonnenuntergang genau in den Straßenschluchten. Auch Promis sind Fans. Heute ist es also wieder so weit. (Quelle: heute.de)

Hier findet Ihr die genauen Zeiten des ‚Phänomens: American Museum of Natural History/Manhattanhenge

Übrigens gibt es ‚Ähnliches’ auch bei uns in Tostedt zu sehen. Gestern und heute so zwischen 5 Uhr und 5 Uhr 30 ist ein wunderschöner Sonnenaufgang mit Blick in Richtung Hamburg von der Bahnbrücke beim Bahnhof zu bewundern. Leider habe ich meine Fotokamera nicht dabei gehabt …

Siehe auch:
Sonnenuntergänge auf Neuwerk (1)
Sonnenuntergänge auf Neuwerk (2)