Kategorie-Archiv: SV Werder Bremen

SV Werder Bremen 1899 – Bundesligafußball ab Saison 2004/2005 ff.

Nordischer Dreikampf

Nein, es handelt sich nicht um eine neue Wintersportart. Es geht um die drei norddeutschen Vereine in der Fußballbundesliga der Herren: SV Werder Bremen, VfL Wolfsburg und HSV, die alle drei – dicht an dicht – gegen einen möglichen Abstieg in die Zweitklassigkeit kämpfen.

Saison 2016/2017 – 23. Spieltag SV Werder – SV Darmstadt 98 2:0 – Pizarro fällt im Strafraum

Nach der Niederlage in Bremen dürfte Darmstadt als erster Absteiger (mit 12 Punkten aus 23 Spielen) schon fast feststehen. Auch der FC Ingolstadt mit 18 Punkten hat schon fünf Punkte Rückstand auf den HSV und Wolfsburg (beide 23 Punkte) und dürfte nur noch wenige Chancen auf den Klassenerhalt haben. Lediglich die Bremer weisen zz. 25 Punkte auf und liegen auf Platz 14.

Aber damit sind die Bremer noch längst nicht gerettet. Betrachtet man die letzten Spiele, so gab es nach mehreren unglücklich verlorenen Spielen immerhin drei Siege in Folge. Aber die kamen eher mit viel Massel als Können zustande. So gegen die Darmstädter: Die erste Halbzeit der Bremer war die reinste Katastrophe. Und wäre nicht Felix Wiedwald ins Tor zurückgekehrt, wer weiß, wie die Spiele in Wolfsburg und zu Hause eben gegen Darmstadt ausgegangen wären.

Noch sind elf Spiele zu bestreiten, und die drei norddeutschen Vereine werden wohl unter sich den Kandidaten für den Relegationsplatz unter sich ausmachen dürfen. Wären da nicht Spieler wie Serge Gnabry und Max Kruse, die allein fünf der letzten sechs Werder-Tore erzielt haben, man müsste fürchten, dass zum Ende der Saison z.B. Hannover 96 (zz. Drittplatzierter der 2. Liga) Gegner der Bremer sein könnte.

Selbst wenn der SV Werder die Klasse halten sollte, so wird es schwer sein, die genannten Spieler Gnabry (Vertrag bis 30.6.2020) und Kruse (Vertrag bis 30.6.2019) an der Weser zu halten. Besonders Serge Gnabry steht schon auf dem Wunschzettel mancher Verantwortlicher anderer Vereine.

Am Freitagabend geht es nach Leverkusen, die sich von Trainer Roger Schmidt getrennt haben. Neue Besen kehren bekanntlich gut. Nur wer dieser ‚neue Besen‘ in Leverkusen sein wird, steht noch aus [Tayfun Korkut ist der neue Trainer – er war zuletzt bis zu seinem Rücktritt am 27. Dezember 2016 beim Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern und davor beim Erstligisten Hannover 96 tätig]. Vielleicht eine Chance für Werder, den vierten Sieg in Folge einzufahren? Ich mag daran nicht so recht glauben …

Worte zum Wochenende (9. KW 2017): Meteorologischer Frühlingsanfang

Gestern waren meine Frau und ich im Rathaus von Tostedt, um uns den „Entwurf der 2. Änderung zum Bebauungsplan Nr. 22 sowie den Entwurf der Begründung mit Anlagen“ anzuschauen, die dort in der Zeit vom 27. Februar 2017 bis 27. März 2017 in der Schützenstraße 26, Fachbereich „Bauen und Planung“, Zimmer 409, 21255 Tostedt, während der Öffnungszeiten zur allgemeinen Einsicht ausliegen. Es geht dabei um das Bauvorhaben ‚Am Bahnhof 9/9a‘ bei uns hier in Tostedt.

Dabei bekamen wir doch noch Einsicht in einige nicht uninteressante Details, so in das Gutachten einer schalltechnischen Untersuchung zu der Lärmbelastung. Bisher wurde uns dieses Gutachten vorenthalten. Aufschlussreich war es auch zu sehen, wie sich die Planung innerhalb der letzten gut zwölf Monate entwickelt hatte. Dazu und zum ‚Stand der Dinge‘ aber später sicherlich noch etwas mehr

Worte zum Wochenende (9. KW 2017 – WilliZBlog)

Meteorologisch beginnt der Frühling auf der Nordhalbkugel am 1. März, begann also bei uns am Mittwoch. Und an diesem Wochenende dürfen wir mit annähernd frühlingshaftem Wetter rechnen, morgen am Samstag mit Temperaturen bis zu 14 ° C. Dann soll es zwar wieder etwas frischer und auch regnerischer werden, aber die Sonne wird sich nicht verleugnen lassen.

Apropos Samstag: Da spielt der SV Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga gegen den Tabellenletzten, den SV Darmstadt 98, für den es um alles oder nichts geht. Mit Torsten Frings kommt damit wieder einmal ein alter Werder-Bekannter an die Weser, der in Darmstadt seinen ersten Cheftrainerposten bekommen hat. Einerseits hoffe ich zwar, dass es ihm nicht so geht wie Valérien Ismaël, der in Wolfsburg nach der Niederlage gegen die Bremer seinen Hut nehmen durfte. Andererseits hoffe ich natürlich, dass Werder mit einem Sieg, dem dritten in Folge, langsam aber sicher in etwas geruhsameres Fahrwasser gerät.

Also wieder Wochenende! Seien wir ehrlich: Irgendwie hangeln wir uns so durch – von Wochenende zu Wochenende. Spätestens am Freitag erstaunt, wie schnell die Woche wieder einmal verging. Und am Montag knatschig, weil die Arbeitswoche wie ein scheinbar unüberwindbarer Berg noch vor uns liegt.

Worte zum Wochenende (8. KW 2017): Gewürz, Gewürztes, Würziges

Puh, ist es etwa Herbst? Der nicht allzu gute „Thomas“ fegte über Deutschland hinweg. Und auch an diesem Wochenende soll’s feucht und stürmisch bleiben. Bis in die nächste Woche hinein. Da bleibt man eigentlich lieber zu Hause.

Aber wir sind ja nicht aus Zucker. Morgen machen wir vier (ja, auch der ältere meiner beiden Söhne weilt in seinen Semesterferien einige Tage bei uns) Hamburg unsicher. Zunächst geht’s ins Spicy’s Gewürzmuseum (das mit dem Deppenapostroph – okay, leitet sich vom englischen Spice für Gewürz her, und im Englischen benutzt man den sächsischen Genitiv mit ‚Hochkomma‘, heißt er dort „Saxon genitive“ oder eben auch „apostrophic genitive“ (sic!), also wollen wir das durchgehen lassen 😉 ). Das Gewürzmuseum befindet sich in der Speicherstadt, die zusammen mit dem Kontorhausviertel und dem Chilehaus auf der Liste des UNESCO-Welterbes zu finden ist. Bisher kannten wir die Gebäude nur von außen. So sind wir gespannt, wie es im Inneren eines solchen Speicherhauses aussieht.

Worte zum Wochenende (8. KW 2017 – WilliZBlog)

Grund des Besuches: Wir alle vier sind begeisterte Hobbyköche und haben ein besonders Faible für Kräuter und Gewürze. So werden wir uns dort sicherlich einige Anregungen holen können. Anschließend wollen wir bei der Elbphilharmonie vorbeigucken und hoffen hineinzukommen. Und dann natürlich zum Essen. Mal gucken, was wir dann noch so treiben werden …

Mit großem Interesse gucke ich heute Abend nach Wolfsburg, wo der SV Werder Bremen auf den VfL Wolfsburg in der Fußball-Bundesliga trifft. Nach dem 0:2-Sieg der Bremer in Mainz sieht man an der Weser wieder Licht am Ende des Abstiegstunnels. Leider fällt mit Clemens Fritz (Gelbspeere) und Thomas Delaney (Jochbeinbruch) das zuletzt so erfolgreiche defensive Mittelfeld (Doppelsechs) aus. Es wird schwer sein, das zu kompensieren. Von daher wäre ich schon froh, wenn Werder wenigstens einen Punkt aus der VW-Stadt holt, zumal mit Valérien Ismaël ein gern gesehenes Gesicht aus alten Werderzeiten als Trainer auf der Seite Wolfsburgs steht und ich ihm nichts Schlechtes gönne …

Ins Taumeln geraten

Schlechter hätte das neue Jahr für den SV Werder Bremen nicht beginnen können: vier Spiele und vier Niederlagen, dabei wurden auch noch drei Heimspiele verloren. Keine andere Mannschaft der Fußball-Bundesliga ist schlechter gestartet.

Okay, das waren alles knappe Niederlagen: 1:2 gegen Dortmund und auch gegen die Bayern, wobei es keine Schande ist, gegen beide Mannschaften zu verlieren. Aber es war mehr drin. Dann war die 2:3-Niederlage in Augsburg wirklich unglücklich. Beim Stand von 2:1 für Werder hatte Aron Johannsson das Tor zum 3:1 für Werder auf dem Fuß. Doch er scheiterte kläglich. Was wäre, wenn er getroffen hätte? Hätte, hätte, Fahrradkette … Oder wie mein Vater zu sagen pflegte: Hätte der Fuchs nicht geschissen, er hätte den Hasen gefangen! Am Ende nach dem Ausgleich fiel in der Nachspielzeit mit einem Abseitstor der Siegtreffer für den Gastgeber. Und jetzt am Samstag das 0:1 gegen Borussia Mönchengladbach.

    Werder Bremen: Wohin geht die Reise?

Es wurde schon vom Sonntagsfluch gesprochen. Aber auch an Samstagen lief es nicht besser. Zudem gibt Serge Gnabry Rätsel auf. Lustlos trabt er über den Rasen. Er hat scheinbar keinen Bock auf Spiele gegen den Abstieg. Aber genau damit haben die Bremer bis zum Saisonende zu kämpfen. Bei den beiden kommenden Auswärtsspielen in Mainz (18. Februar) und Wolfsburg (24. Februar) muss man weiterhin mit dem Schlimmsten rechnen, zumal die Konkurrenz erwacht ist: Selbst die zuletzt fast ebenso erfolglosen Darmstädter holen drei Punkte gegen allerdings äußerst schwache Dortmunder und sind plötzlich wieder im Rennen. Wolfsburg und der HSV sind an Werder vorbeigezogen.

Natürlich fragt man nach den Ursachen. Da ist Manager Frank Baumann (41), der nach der letzten Niederlage den Charakter der Mannschaft kritisiert, die er in großen Teilen selbst zusammengestellt hat. Da sind die Spieler, die sich immer wieder haarsträubende, individuelle Fehler leisten, die dann zu Punkt-Verlusten führen. Und zuletzt ist da Alexander Nouri (37), der als Trainer die Probleme nicht in den Griff bekommt. Gegen Augsburg erwies sich die Aufstellung der Abwehr mit Ulisses Garcia in der Dreierkette als Fehler. Und gegen die Gladbacher war Nouris anfänglich gewähltes 3-1-4-2- beziehungsweise 5-3-2-System die falsche Wahl, was der Trainer in der Pause selbst eingestand, indem er es in ein 4-4-2 korrigierte. Und wie schon in den letzten Jahren so stellt auch jetzt der SV Werder die schlechteste Abwehr der Liga.

Sicherlich haben die Bremer das Potential mit Spielern wie Max Kruse, dem bereits erwähnten Serge Gnabry und dem Dauerläufer Zlatko Junuzović, um den Klassenerhalt zu sichern. Aber wenn der Kopf nicht mitspielt – und die Spieler sind zz. völlig verunsichert -, dann verkrampft alles. Selbst leichte Bälle werden unnötig vergeben.

Vielleicht kehrt ja das Glück wieder zurück an die Weser und kompensiert etwas das spielerische Unvermögen einiger Spieler. Ansonsten heißen die Reiseziele in der nächsten Saison u.a. Heidenheim, Sandhausen und Würzburg.

Worte zum Wochenende (47. KW 2016): Advent, Advent

Nun ist es wieder soweit. Am Sonntag ist bereits der erste Advent und damit beginnt die Vorweihnachtszeit. Hektik kommt auf, weil bis zum Jahresende noch die zur Verfügung stehenden Gelder verbraten werden müssen (auf der Arbeit) und weil noch nicht alle Geschenke für die Lieben unter Dach und Fach gebracht worden sind (zu Hause). Da bleibt einem der Spekulatius im Hals stecken. Oder man verbrüht sich die Schnauze am viel zu heißen Glühwein. Ne, Leute, so nicht.

Worte zum Wochenende (47. KW 2016 – WilliZBlog)

Heute trifft sich meine Frau mit ‚ihren Damen‘, um Adventskränze zu flechten. Damit dies etwas leichter von der Hand geht, darf Glögg nicht fehlen. Immerhin ist eine ‚der Damen‘ aus Finnland stammend. Da trinkt man das Zeug traditionell in der Adventszeit (daher auch finnischer Glühwein genannt).

Ich werde mich emotionell auf das Nordderby HSV gegen SV Werder vorbereiten, das am Samstag stattfindet. Man spricht aus gegebenem Anlass bei diesem Klassiker des Nordens inzwischen auch gern vom Kellerduell. Auch Krisengipfel ist schön. Ich sehe mich schon am Samstagabend frustriert an den Griffelfortsätzen (Processus styloideus ulnae) knabbernd am Boden liegen (an den Fingern zu knabbern wage ich nicht, die sind schon wund). Und sollten die Bremer vielleicht doch tatsächlich Punkte aus Hamburg entführen, dann droht der Derby-Effekt. Ich mag gar nicht daran denken.

Werder Bremen: Alles für den Derbysieg!

Nun denn, ich wünsche ein schönes erstadventliches Wochenende!

Werder Bremen – die Nummer eins im Norden

Natürlich kann es in einer Woche schon wieder anders aussehen: Aber für mindestens diese eine Woche ist in Deutschlands Norden der SV Werder Bremen einmal wieder die No. 1 im Fußball – einen Punkt vor dem VfL Wolfsburg und sogar fünf Punkte vor dem HSV.

Nach der Startpleite in dieser Saison (vier Niederlagen am Stück) ist es den Bremern unter dem neuen Cheftrainer Alexander Nouri gelungen, sieben von neun Punkte einzuheimsen und sich von den Abstiegsplätzen zu lösen. Glück gehört den Tüchtigen. Und so war natürlich auch ein wenig Glück dabei, das Werder zz. auf den 13. Tabellenplatz brachte.

SV Werder Bremen – Leverkusen 2:1: Ousman Manneh nach dem Siegtreffer

Und ein wenig Märchen bezaubert außerdem die Fans: Der vor zwei Jahren aus Gambia nach Bremen geflüchtete Ousman Manneh, jetzt gerade 19 Jahre alt, war durch sein erstes Bundesligator zum 2:1 wesentlich am Sieg der Bremer gegen Leverkusen beteiligt.

Es heißt jetzt erst einmal wieder Durchatmen an der Weser. Aber die nächsten schweren Aufgaben warten auf die Spieler – bereits am Sonntag (15 Uhr 30) warten die Rasenballisten in Leipzig auf das Bremer Team. Und da geht’s nicht nur um angeblich beflügelndes Zuckerwasser.

In letzter Sekunde

Es war schon kaum mitanzusehen, wie der SV Werder Bremen sein Spiel zu Hause mit 1:2 gegen den FSV Mainz 05 verlor. Lange führte man mit 1:0, die ersten Punkte winkten. Dann die 87. Minute: Ausgleich für Mainz und zuletzt die 2. Nachspielminute: der Siegtreffer für die Mainzer. Bitter, bitter …

Aber warum sollte es nicht auch andersherum gehen: Gegen den VfL Wolfsburg führten die Gäste durch ein unglückliches Eigentor der Bremer. Dann aber fast die Parallele: In der 86. Minuten schafft Werder durch den eingewechselten Lennart Thy den Ausgleich und dank eines Kopfballtores durch Theodor Gebre Selassie nach Eckball des ebenfalls eingewechselten Niklas Schmidt, dem U23-Spieler, in der ersten Nachspielminute sogar den Treffer zum ersten, wohlverdienten Sieg. Ein Sieg quasi in letzter Sekunde.

Interimstrainer Alexander Nouri umarmt den Schützen zum Siegtreffer, Theodor Gebre Selassie, beim 2:1 gegen Wolfsburg

Ich habe noch nie einen Trainer dermaßen jubeln gesehen. Wie ein wildgewordenes Rumpelstilzchen sprang Alexander Nouri, zunächst als Interimstrainer berufen, über den Platz und umarmte seine Spieler. Man konnte förmlich mitansehen, wie der Frust der letzten Wochen wie eine schwere Last von den Spielern abfiel.

Manchem Werder-Fan mag es gewundert haben, mit welchen Spieler Nouri sein Team auflaufen ließ. Neben Niklas Schmidt, der wohl noch nicht einmal einen Profivertrag hat, waren da Milos Veljkovic und Ousman Manneh, dem Flüchtling aus Gambia, die Nouri aus seiner Arbeit mit der U23-Mannschaft kennt. Und die machten einen durchaus guten Job. Warum also nicht?!

Nach der Entlassung von Viktor Skripnik als Cheftrainer hat es Alexander Nouri tatsächlich geschafft, der Mannschaft wieder Selbstvertrauen einzuflößen. Die Spieler sind von ihm begeistert, wie es scheint. Ob er nun bleibt, so wie vor knapp zwei Jahren Skripnik, der zuvor ebenfalls die U23-Mannschaft trainierte, ist noch lange nicht sicher. Es wird sicherlich auf die nächsten Spiele ankommen, so wie am Samstag in Darmstadt. Ähnlich wie bei Skripnik, so fehlt Nouri die Erfahrung. Aber bisher hat er alles richtig gemacht. Und da der Markt bisher keinen Trainer hergibt, der zu Werder passen könnte, so sollte man Nouri die Chance geben, sich und seine Begeisterungsfähigkeit weiterhin einzubringen. Ich gönne es ihm.

Ach ja: Bruno Labbadia hat es jetzt doch beim HSV erwischt. Und dabei hätten seine Mannen gegen die Bayern fast einen Punkt geholt. Pech gehabt. Ist ja eben der HSV …

Trainer Skripnik entlassen …

Das war dann doch etwas zu viel des Schlechten. Viktor Skripnik ist seit Sonntag nicht mehr Cheftrainer des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen. Die Verantwortlichen des Liga-Schlusslichts haben die Reißleine gezogen – endlich, muss man sagen.

Der Verein bietet seit Wochen, ja Monaten ein Bild des Jammers: Der Aufsichtsrat um Vereins-Ikone Marco Bode lavierte viel zu lange und vergrätzte sogar die treuesten Anhänger, die am Ende der vorigen Saison noch wie eine grün-weiße „Wonderwall“ hinter ihrem Team gestanden haben. Die runderneuerte Mannschaft agiert völlig verunsichert und ist momentan nicht bundesligatauglich. Und das Trainerteam vermittelte nur eins: den Eindruck, komplett überfordert zu sein. Trotzdem bedurfte es erst eines Offenbarungseids beim 1:4 in Mönchengladbach, bis Werder überfällige Konsequenzen zog.

Getrennte Wege: Viktor Skripnik (l.) und Werder-Sportdirektor Frank Baumann nach dem 1:4 in Gladbach

Es war nicht das erste Mal, dass schon Skripniks Aufstellung für Kopfschütteln sorgte. Eine Ansammlung von Merkwürdigkeiten: So wechselte er den Torwart Felix Wiedwald gegen Jaroslav Drobny aus, obwohl er Wiedwald noch in der Woche als seine Nummer eins bestätigt hatte. Oder Zlatko Junuzovic. Ein starker Mann im Mittelfeld, nur spielen durfte er dort schon in der vergangenen Saison nur sporadisch. Co-Trainer Torsten Frings nennt das so: „Ein guter Spieler kann überall spielen.“ Auch so kann ein Spieler verunsichert und seiner Stärken beraubt werden. Oder der aus Ingolstadt geholte Robert Bauer – ein talentierter Verteidiger, der links und rechts spielen kann. Skripnik brachte ihn in Gladbach zunächst im defensiven Mittelfeld.

Es war ein Fehler, mit Skripnik, der auch nach 20 Jahren in Deutschland nicht übermäßig wortgewandt ist, in die neue Saison zu gehen. Schon in der vergangenen Spielzeit waren die Defizite augenfällig. Dass der Ukrainer den Abstieg verhindert hat, ist schlicht und ergreifend eine Verharmlosung der Situation, in die Skripnik Werder erst geführt hat. Den Vertrag in der Sommerpause ohne Not dann auch noch vorzeitig zu verlängern, war ein weiterer Riesenfehler. Wenn man schon überzeugt ist von seinem Trainer, hätte man doch warten können und den Kontrakt beim ersten starken Gegenwind – in guter alter Werder-Tradition – verlängern können. Und warum ließ Werder Rouven Schröder, den Assistenten des später gechassten Managers Thomas Eichin, nach Mainz ziehen? Der hatte bekanntlich die guten Verbindungen und holte unter anderen Jannik Vestergaard und Papy Djilobodji, die der desaströsen Innenverteidigung vorübergehend so etwas wie Stabilität verliehen hatten und nun schmerzlich vermisst werden.

Als Interimslösung übernimmt zunächst Alexander Nouri die Nachfolge. Gute Referenzen hat der gradlinige U23-Trainer allemal. Aber die hatte Skripnik auch. Namen von probaten Nachfolgern sind gewohnt schnell auf dem Markt: der Ex-Werderaner Andreas Herzog beispielsweise oder der auf Schalke gescheiterte André Breitenreiter.

Nun hat Werder erst einmal zwei Heimspielen gegen Mainz (Mittwoch) und Wolfsburg (Sonnabend). Nach 0:6 0:9 Punkten und 2:12 Toren stehen die Bremer am Tabellenende und müssen endlich punkten, um nicht noch weiter in den Abstiegsstrudel zu geraten. Ich bin gespannt …

Anfang vom Ende von Werders Bundesligaträumen?

Auf die Frage, wen sie als potentiellen Absteiger aus der Fußball-Bundesliga sehen, haben in diesen Tagen viele Experten immer wieder auch den SVW, den SV Werder Bremen, genannt. Und das war noch vor der großen Blamage im ersten Pflichtspiel der Saison, in der 1. Runde des DFB-Pokals bei den Sportfreunden Lotte, das letzten Sonntag 1:2 verloren ging. Dort erwies man sich am Ende auch noch als schlechte Verlierer: Fin Bartels stieß seinen Gegenspieler um und kassierte damit auch gleich die erste rote Karte der Saison.

DFB-Pokal 2016/17 - 1. Runde – SF Lotte – Werder Bremen 2:1 – Fin Bartels schubst

Dem nicht genug: Der als Hoffnungsträger für 7,5 Millionen € Ablösesumme an die Weser transferierte Max Kruse verletzte sich in diesem Spiel am Knie so schwer, sodass er für Wochen, vielleicht für mehrere Monate ausfallen wird. Nationalspieler Kruse wurde geholt, um im Bremer Spiel die Fäden zu ziehen. Extra für ihn wurde in der Vorbereitung das System geändert. Weg vom 4-1-4-1 und hin zum 4-2-3-1 mit dem Ex-Wolfsburger als zentralem Mittelfeldmann, „um seine Stärken zum Tragen zu bringen“, so Trainer Skripnik. Weil der „starke Zehner“ nun ausfällt, ist die Rolle rückwärts möglich. „Wir können auch mit Junuzovic oder Grillitsch auf der Zehn spielen. Aber es kann auch sein, dass wir wieder zum 4-1-4-1 wechseln. Wir überlegen noch“, sagte Skripnik. Außerdem schließt Werders Sportchef Frank Baumann eine Nachverpflichtung nicht aus. Das Transferfenster schließt am 31.8. (Quelle: u.a. kreiszeitung.de)

Zudem gibt Claudio Pizarro Rätsel auf: Seit Wochen laboriert er an einer Muskelverletzung und dürfte ebenfalls so schnell nicht wieder auf dem Platz auflaufen.

Gegenüber der Vorsaison gab es bei den Bremern einen größeren Umbruch. Besonders die Innenverteidigung musste neu besetzt werden: Im Spiel gegen Lotte liefen der Finne Niklas Moisander und der Senegalese Lamine Sané auf. Auf der Bank sitzen noch der Darmstadt-Rückkehrer Luca Caldirola und Fallou Diagne, ebenfalls aus dem Senegal. Besonders Moisander wirkte äußerst unsicher. Im Angriff (in Lotte spielte Lennart Thy) kam wenig zu Stande. Eigentlich war es der reine Horror.

Natürlich taten sich auch andere Mannschaften in dieser ersten Pokalhauptrunde schwer: der HSV siegte mühevoll 1:0 in Zwickau – der FC Ingolstadt, Hertha BSC, Eintracht Frankfurt und der FSV Mainz 05 kamen erst im Elfmeterschießen weiter. Und der Aufsteiger RB Leipzig verlor dieses bei Dynamo Dresden. Pokalspiele haben bekanntlich ihre eigenen Gesetze.

Wenn ich ehrlich bin, dann wird mir angst und bange. In Freundeskreisen wir schon gemunkelt, dass Werder in seinem ersten Bundesligaspiel am Freitagabend (live ab 20 Uhr 15 in der ARD) in München bei den Bayern froh sein darf, wenn sie nicht zweistellig verlieren. Nun Experten, besonders Fußball-Experten, müssen nicht immer Recht haben. Ob Werder nun absteigt oder nicht. Jetzt schon wissen alle, dass es eine ganz schwere Saison für die Bremer wird. Da bringt es bestimmt nichts, wenn die Fans jetzt schon ausrasten und wie in Lotte mit Gegenständen werfen und lautstark den Rücktritt von Trainer Skripnik fordern.

Skripnik stand und steht in der Kritik. Sportchef Eichin wurde ihm geopfert und sein Nachfolger, der Alt-Werderaner Frank Baumann, hat bisher sein Bestes gegeben, eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine zu stellen. Dreh- und Angelpunkt bleibt aber die Trainerfrage. Schafft es Skripnik, die in aller Schnelle zusammengewürfelte Truppe zu einer homogenen Mannschaft zu formen?

Überhaupt stellt sich die Frage, wohin es mit dem Profifußballsport geht? Mit dem RB Leipzig hat es innerhalb weniger Jahre wieder eine Mannschaft bis in die Bundesliga geschafft, hinter der wenig Tradition, dafür jede Menge Geld steckt. Haben Traditionsvereine überhaupt noch eine Überlebenschance? Bei der augenblicklichen Situation sicherlich nicht. Ohne Sponsoren und besonders ohne Investoren wird es auch für Vereine wie den SV Werder Bremen keine Zukunft in der Erstklassigkeit geben. Das macht vielen Fans Angst. Und viele wenden sich bereits heute vom Profifußball ab, um im regionalen Amateurfußball ein Zuhause zu finden.

Geld regiert die Welt, auch die Fußballwelt. Hier nur ein Beispiel: Die Europameisterschaft 2016 erzielte Einnahmen von 1,93 Milliarden Euro, zusammengesetzt aus 1,05 Milliarde Euro für die TV Rechte, 480 Millionen Euro aus Sponsoring und Lizenzen sowie 400 Millionen Euro aus dem Eintrittskartenverkauf. Im Grunde könnten die Spiele auch vor leeren Rängen stattfinden. Knackpunkt sind die Gelder aus TV-Rechten. Diese bescheren bekanntlich besonders der englischen Premier League fette Beute, was wiederum zu exorbitanten Transfersummen führt. Jetzt will auch die deutsche Fußballbundesliga einen noch größeren Anteil an diesen Geldern. Noch mag der TV-Markt in Richtung Asien expandieren. Aber irgendwann ist auch damit Schluss. Und dann kommt, was fast immer dann kommt: der Crash!

Der ‚runde‘ Wahnsinn

Geld regiert die Welt. Längst auch die Fußballwelt. Die Spieler im Profigeschäft werden an Marktwerten bemessen, die horrende Höhen erreicht haben. So genannte Ablösesumme erreichen Höchstwerte, die ins Unermessliche zu steigen scheinen. Es werden Gehälter gezahlt, die kaum der Leistung, die dafür erbracht wird, entsprechen.

So trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Es gibt wenige große Vereine in Europa, die bei diesem Höhenrausch mithalten können. Und viele kleine Vereine in den ersten Ligen, die sich mühselig über Wasser halten. Diese können nur auf Nachwuchs setzen, auf den eigenen oder auf Nachwuchs, der durch Scouts, die in alle Himmelsrichtung ausschwärmen, gesucht und vielleicht gefunden wird, wenn er nicht längst durch die Scoutabteilung der großen Vereine gesichtet und an Land gezogen wurde.

Aber selbst für Nachwuchskräfte werden bereits Summen gezahlt, die unsereiner zum Kopfschütteln einladen. So geht Ousmane Dembélé, 19 Jahre jung, von Stade Rennes für 8 Millionen € an Borussia Dortmund. Oder gar Renato Sanches, 18 Jahre jung, von Benfica Lissabon für 35 Millionen € an die Bayern.

Besonders die Mannschaften der englischen Premier League haben keine Scheu, Spieler weit über Marktwert aus anderen Ligen zu kaufen (z.B. Granit Xhaka von Borussia Mönchengladbach an den FC Arsenal in London). Die hohen Erlöse aus TV-Rechten machen das möglich.

Und es kommt noch ‚bunter‘. Der Transfer von Spielern bzw. die Gestaltung mancher Spielerverträge schlägt seltsame Blüten. So will der AS Rom, der die Kaufoption für Nationalspieler Antonio Rüdiger (23) vom VfB Stuttgart gezogen hat, den Innenverteidiger angeblich wieder weiterverkaufen. Laut „Corriere dello Sport“ möchte der Hauptstadtklub Rüdiger, für den die Römer eine Ablösesumme von neun Millionen Euro zahlen, für mindestens den doppelten Preis auf den Markt bringen. Schon innerhalb eines Monats rechnet AS Rom mit Rüdigers Weiterverkauf. Borussia Dortmund, der FC Chelsea, der FC Liverpool und Paris Saint-Germain sind laut des Blattes an Rüdiger interessiert. Es geht also gar nicht um den Spieler, es geht allein ums Geld!

Der armenische Stürmer Henrich Mchitarjan hat das Angebot zur Verlängerung seines 2017 auslaufenden Vertrags bei Borussia Dortmund abgelehnt. „Warum sollten wir jetzt verlängern? Micki hat noch einen Vertrag und wir denken weiter über seine Zukunft nach“, wird Mino Raiola zitiert, Spielerberater des 27-Jährigen. BVB-Boss Watzke kommentierte: „Dazu sage ich nichts.“ Der Armenier fordert offenbar eine doppelte Ausstiegsklausel. Laut „kicker“ will er bei Anfragen von Top-Klubs wechseln dürfen und soll eine Klausel verlangen, wonach er wechseln darf, wenn Tuchel nicht mehr BVB-Trainer ist. Eine Ausstiegsklausel, die an den Trainer gekoppelt ist, ist wahrlich neu, oder?

    UEFA Euro 2016 in Frankreich

Was Werder Bremen anbelangt, so wird Jannik Vestergaard die Bremer in Richtung Mönchengladbach verlassen. Dort wird er in der nächsten Saison international spielen können. Bei Zlatko Junuzovic ist es noch offen, ob er an der Weser bleibt oder nicht. Immerhin hat er bei der am Freitag startenden Fußball-EM in Frankreich die Möglichkeit, sich in der österreichischen Mannschaft durch gute Leistungen für einen anderen Verein zu empfehlen.

Es ist der Wahnsinn, der runde, der fußballrunde, der den Profifußball in Europa heimsucht. Kein Wunder, wenn immer mehr Fans ‚ihren‘ Vereinen den Rücken kehren. Wie soll man sich mit einer Mannschaft identifizieren können, die sich selbst kaum oder meist gar nicht in dem Verein, für den sie spielt, wiedererkennt. Wie gesagt: Geld regiert die Welt. Eben auch die Fußballwelt!

Quo vadis, Werder?

Auch wenn es absehbar war, so kam es trotzdem einem Paukenschlag gleich: Der Machtkampf in der Trainerfrage zwischen Marco Bode (Aufsichtsratschef und Pro Skripnik) und Eichin (Sportchef und Kontra Skripnik) führte wie bekannt zur sofortigen Entlassung von Thomas Eichin. Als Nachfolger wurde Frank Baumann installiert.

Nein, an der Trainerfrage sei es nicht allein gelegen gewesen. Es dürften Meinungsverschiedenheiten grundsätzlicher Art („Werder-Weg“) den Ausschlag zur Entlassung des Sportchefs gegeben haben. Aber was genau, davon mag keiner der Werder-Verantwortlichen sprechen. Immerhin hat Eichin den Verein finanziell konsolidiert, ist aber ohne Krach im gegenseitigen Einvernehmen, wie man so schön sagt, gegangen.

Werder schickte den Nicht-Bremer Thomas Eichin weg und holte sich Ehrenspielführer Baumann. Außerdem könnte Tim Borowski der Sportdirektor an der Seite von Neu-Geschäftsführer Frank Baumann werden. Werder macht auf Family! Das erinnert natürlich an den FC Bayern, der bis heute von ehemaligen Spielern geleitet wird (Beckenbauer, immer noch Karl-Heinz Rummenigge und bald wieder Uli Hoeneß).

Quo vadis, SV Werder Bremen? Wohin gehst Du?

Inzwischen wurde Frank Baumann den Medien vorgestellt und hat sich dabei klar für Viktor Skripnik als Trainer ausgesprochen. Ja, an eine Vertragsverlängerung wird bereits gedacht. Auch kündigte der neue Geschäftsführer Sport weitere Entscheidungen an, z.B. die Verkleinerung des Kaders von 36 Lizenzspielern auf 25 oder 26.

Um einen Verbleib von Innenverteidiger Vestergaard will Baumann kämpfen. Dessen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach ist noch lange nicht perfekt. Aber dann kommt da auch gleich das nächste Problem: Zlatko Junuzovic, der sich gegen Skripnik als Trainer ausgesprochen hat, denkt laut über einen Vereinswechsel nach der Fußball-Europameisterschaft nach. Baumann wird Werders Leistungsträger und Führungsspieler im EM-Trainingslager der Österreicher besuchen. Immerhin sollte Luca Caldirola, der an Darmstadt 98 ausgeliehen und dort eine Stammkraft war, an die Weser zurückkehren. Er stand in Darmstadt bei allen 34 Partien in der Startelf. Und da Werder Bremen nach dem Verlust von Papy Djilobodji (sehr wahrscheinlich zurück zum FC Chelsea) einen Linksfuß in der Innenverteidigung braucht, kommt Caldirola wie gerufen. Auch sonst tut sich einiges.

Es bleibt also weiterhin stürmisch an der Weser. Viele fragen sich, wohin der Weg führen wird. Für Baumann geht es jetzt darum, Werder wieder nach oben zu führen. Da wartet in der Sommerpause viel Arbeit auf ihn. Sollten Vestergaard und Junuzovic allerdings gehen und es wird kein adäquater Ersatz geschaffen, dann dürften sich die stürmischen Winde kaum legen. Das Werder-Schiff droht zu kentern.

siehe auch: Werder-Ticker bei kreiszeitung.de