Kategorie-Archiv: WilliZ Welt

WilliZ kleine (eigene) literarische Welt

Urlaub auf der Hallig Hooge (4): Willi im windigen Gewühl

Jede schöne Zeit hat irgendwann einmal ein Ende. Und schon versinkt der Mensch wieder in der grauen Suppe des elenden Alltags, konkret gesprochen: Ich hatte Urlaub und muss wieder zur Arbeit, um den schnöden Mammon für die Brötchen zu verdienen, die ich mit meinen Lieben zum Leben brauche. Oh, Elend! Und dem Klagen kein Ende!

Willi rollt

Okay, ganz so schlimm ist es nicht, auch wenn gleich am ersten Arbeitstag das während meines Urlaubs Liegengebliebene der Erledigung heischte. Immerhin verdeutlicht es mir, dass meine Kollegen auf meine Hilfe angewiesen sind. Bestimmte Sachen gehen nicht ohne mich, ha!

Willi wässert

Erst kürzlich gestand mir ein Bekannter, der seit geraumer Zeit in Rente ist, dass er massive Probleme hatte, sich dem Rentnerdasein zu stellen. Da kann ich eigentlich nur lachen. Für mich war und ist der Broterwerb notwendiges Übel, auf das ich zugunsten anderer Beschäftigungen gern verzichten kann. Es gibt anderes und besseres als die tägliche Tretmühle. Selbstbestimmt wünsche ich mir das Leben. Was nicht ist, soll bald werden.

Willi im Wind

Willi vom Winde zerzaust

Ach, was lamentiere ich hier. Ich sprach eingangs vom Urlaub. Und einen Teil davon machte ich mit meiner Frau – wie schon bekannt sein dürfte – auf einer Hallig. Halligen, Inseln, Nordsee! Wer denkt da nicht an Wellen, Strände und Sturmgebraus! So mancher Windzug zerzauste mir das schütterwerdende Haar, bis es mir zu Berge stand. Im Sturm klebte mir die Jacke förmlich am Körper. Und das Donnern der aufgewühlten Wellen erhöhte deutlich den Harndrang. Da musste Willi für kleine Antons.

Willi muss mal für kleine Antons

Oh, Alltag, Du hast mich nun wieder.

Aber in wenigen Stunden beginnt wieder das Wochenende. Da werde ich froh sein, die erste Woche Arbeit hinter mich gebracht zu haben. Zu Hause liegt ein Maßband. Es misst Inches, also in Zoll. Und es war einmal 100 Daumenbreit lang. Inzwischen ist es auf 90 Zoll geschrumpft. Jeder Zoll eine Arbeitswoche. Und zu Hause kommt die Schere, schnipp-di-schnapp, und schon ist das Maßband wieder ein Stück kürzer.

Willi will i

Ich erinnere mich noch an die Bundestagswahl Ende 1972, als Willy Brandt in seinem Amt als Bundeskanzler bestätigt wurde und die SPD mit 45,8 % der abgegebenen Wählerstimmen erstmals stärkste Bundestagsfraktion. Ein Ergebnis, wovon Sigmar Gabriel und Co. heute nur träumen können. An der Wand eines Hauses in der Bremer Innenstadt hatte ein Unbekannter ein Graffito hinterlassen mit der Inschrift: Willy will i – auf Hochdeutsch: Ich will Willy! Und es waren eben nicht wenige, die Willy (Brandt) wollten.

Willi unterm Volk

Nein, ich will das gar nicht auf mich beziehen. Eher hätte die Überschrift „Willi ist wieder da“ lauten sollen, denn ich habe mich fast fünf Wochen rar gemacht. Nicht, dass es mir an Themen gefehlt hätte. Da war ja die Wahl in den USA – dessen Ergebnis nicht nur mich sprachlos gemacht hatte. Und als Fan des SV Werder Bremen gab es in diesen letzten Wochen auch nichts zu lachen. Aber nein, das war es nicht.

Eigentlich weiß ich gar nicht, warum ich so sprachlos diese fünf Wochen blieb. Es war eher Faulheit, ein Maß von Gleichgültigkeit. Noch eher waren es die Sachen, die auf dem Zettel standen und endlich erledigt werden mussten, sodass keine Zeit für weitere Späße blieb.

Jetzt also dieses Lebenszeichen, damit keiner denkt, der Willi liegt in den letzten Zügen, macht schlapp, will nichts mehr von mir und dir wissen.

Obwohl … ein Quäntchen Trägheit kann nie schaden. Und ich muss ja auch nicht gleich übertreiben: Also ich lebe noch … und wünsch‘ Euch ‘was!

Worte zum Wochenende (20. KW 2016)

Eigentlich habe ich keine Lust mehr. Nein, dieses dumme Geseire dieser allzu besorgten Bürger, das täglich im Netz abgeladen wird, berührt mich nicht. Es ärgert mich nicht. Stammtischgeschwafel gab es immer schon und wird es weiterhin geben. Die ‚sozialen Netze‘ bieten leider auch solchen Hohlköpfen die Plattform, um über die Grenzen des Stammtischs und ihrer geistigen Horizonte hinaus ihren Dreck in die Welt zu tragen. Ich habe keine Lust mehr, mich auf so viel Dummheit einzulassen. Gut zu wissen, dass manche Hassrede nicht ohne Konsequenz bliebt. Am ehesten schmerzt es eben, wenn es das Portemonnaie trifft.

Worte zum Wochenende (20. KW 2016 – WilliZBlog)

Aber auch sonst bin ich ziemlich lustlos und froh, dass es endlich wieder Wochenende wird. Ist es das Wetter, ist es ein Rest von Frühjahrsmüdigkeit? Oder ist es die Arbeit, die mich schlaucht? Vielleicht habe ich zu viel um die Ohren und finde nicht den Absprung ins süße Nichtstun. Und jünger werde ich natürlich auch nicht (wer schon)!

Manchmal muss man sich geradezu zwingen, um einmal für längere Zeit alles liegen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Zwinge ich mich … 😉

Hein Sager sagt (4): Der Luxusdampfer

Stellen wir uns einmal vor, wir haben eine Reise auf einen Kreuzfahrtschiff, einem Luxusdampfer, gebucht. Natürlich will man sich auf so einem Fahrzeug, das die Weltmeere befährt, entspannen, das gute Essen und die erlesenen Getränke genießen. Stellen wir uns weiter vor: Da schwimmen viele Schiffbrüchige in ihrer Not auf uns zu. Was werden wir tun?

    Hein Sager sagt …

Die einen werden sagen, nein, die wollen wir nicht an Bord. Die werden uns all die guten Sachen aufessen und die edlen Weine wegtrinken. Überlasst sie ihrem Schicksal, das sich nicht mit dem unseren verknüpfen soll.

Nun der Kapitän, der sich an internationale Rechtsnormen halten muss, lässt Rettungsboote herab, um die ersten Schiffbrüchigen zu retten. Nach und nach kommen immer mehr Menschen an Bord. Da kommt eine zweite Gruppe Reisender, die ebenfalls nicht auf ein ausgiebiges Frühstücksbuffet und das Fünf-Gänge-Menu zu Mittag und am Abend verzichten möchte, aber durchaus ein Einsehen mit den in Seenot Geratenen hat. Sie meint, man solle nur so viele an Bord nehmen, wie ‚Platz‘ für diese vorhanden ist. Und überhaupt: Irgendwann wäre das Schiff voll …

Ist ein Boot überfüllt, dann droht es zu sinken. Das weiß jedes Kind. Wann aber ist ein Boot, ein Schiff so sehr besetzt, dass diese Gefahr droht? Wer entscheidet den Zeitpunkt, wann ein Boot voll ist? Der Kapitän? Irgendeiner der Schiffsoffiziere? Der Reisende, der am lautesten brüllt?

Hein Sager sagt (3): Synapsenkurzschluss

Hein Sager fragt: Kennt ihr das auch: Man wacht früh morgens auf, obwohl der Wecker nicht geklingelt hat, und weiß nicht so recht, wo man sich befindet. Im Bett: klar, aber sonst … Ort und Zeit lassen sich nicht genau bestimmen.

Meistens ist man durch einen Traum geweckt worden. Es muss nicht unbedingt ein Alptraum gewesen sein. Diese Orientierungslosigkeit löst sich meist schnell. Man hat verschlafen, sammelt seine sieben bis acht Sinne (oder sind’s doch nur vier?) und springt förmlich aus dem Bett. Und der Alltag hat einen wieder. Wenn es vielleicht Wochenende ist, wenn auch noch früh am Tag, dann atmet man erleichtert auf, legt sich auf die andere Seite und schläft weiter.

    Hein Sager sagt …

Bedenklich wird das, wenn einem so etwas am lichten Tage geschieht. Es ist weniger eine Orientierungslosigkeit, als eher so etwas Ähnliches wie eine Halluzination. Vielleicht hat man gerade etwas gelesen, sich dann mit etwas anderem beschäftigt – und wie durch Teufelswerk vermischt sich das alles. Die Synapsen schließen sich kurz.

Natürlich muss das nichts Schlimmes sein. Oft ist Übermüdung der Grund. Eine Art Sekundenschlaf, aus dem man nur halb geweckt wird. Und wie bei einem Traum, aus dem man erwacht und an den man sich erinnert, als wäre er real, wirkt diese ’Halluzination‘ einige Zeit nach.

Wer so etwas schon einmal erlebt hat, wird vielleicht verstehen können, wie Drogen in etwa wirken. Deren Wirkstoffe docken sich an die Rezeptoren auf der Oberfläche der Nervenzellen an und lösen so verschiedene Reaktionen im Gehirn aus, zum Beispiel die Ausschüttung von Glückshormonen. Auch eine Art von Kurzschluss.

Auf der anderen Seite kann der Kurzschluss in der Nervenzelle allerdings häufige Ursache für Schlaganfall, Epilepsie und andere Erkrankungen sein. Ich denke, wenn der Kurzschluss längere Zeit anhält. Soweit ist es natürlich noch nicht …

Mit einer genügend großen Mütze Schlaf und danach mit einem ausgiebigen Frühstück sieht die Welt dann schon viel besser aus. Alles braucht seine Ruhe!

Hein Sager sagt (2): Rosa, die Bettwurst und der Tee-Kaffee-Vergleich

Wie gesagt, will ich sagen, was mich stört, was ich einfach nicht gut finde. Da wird debattiert und das dann in allen Medien bis zum Verdruss ausgebreitet. Es geht ums Schwulsein und Lesbischsein und dem gleichen Recht auf Ehe wie Heterosexuelle. Und dann ‚die Flut‘ an Flüchtlingen, die Deutschland angeblich heimsucht und überschwemmt. Was kratzen wir uns eigentlich darum, dass andere vielleicht anders sind als wir? Denn darum geht es eigentlich. Können wir nicht einfach nur Mensch sein?

Hein Sager sagt …

Es ist lange her, da sah ich mit einem Freund, Jochen mit Namen, den ersten Film von Rosa von Praunheim: Die Bettwurst. Das war ein merkwürdiger Film, besonders die Sprechweise der Hauptdarsteller, Dietmar mit seinem Mannheimer Dialekt und die Dialoge, die sich wechselseitig wiederholten („Dietmar, ich liebe Dich, Luzi, ich liebe Dich, so wie die Luft, wo ich atme“). Und doch waren die Hauptdarsteller Luzi und Dietmar echt, echt in ihrer scheinbaren Unbeholfenheit, in ihren scheinbaren Schwächen, die doch in Wirklichkeit Stärken waren.

    Rosa von Praunheim: Die Bettwurst (1970)

Natürlich dachten wir erst, Rosa von Praunheim wäre eine Frau. Aber bald wussten wir es: Rosa ist ein Mann. Die Ikone der Schwulenbewegung! Das störte uns wenig. Der Film, das war uns damals schon klar, ist Kult!

Weder Jochen, noch ich sind schwul. Jochen sagte: Ich glaube, ich bin lesbisch: Ich steh auf Frauen! – Er meinte das ironisch und meinte es doch auch irgendwie kritisch. Schon damals sagte man Jungen gern nach, sie wären schwul, wenn sie sehr weich, sensibel waren. Wir beide hassten das. Wie konnte man nur so bescheuert sein und solche dummen Sprüche machen.

Später bin ich öfter Schwulen begegnet. Wir sind ins Gespräch gekommen. Natürlich konnte ich es nicht nachempfinden, wie man sich als Mann ganz allgemein Männern hingezogen fühlen kann. Aber das ist kein Grund, jemand zu diskriminieren, nur weil er etwas anders ist.

Warum ist der eine schwul, der andere nicht – die eine lesbisch, die andere nicht. Auch wenn der Vergleich hinkt wie ein lahmer Gaul: Viele trinken gern Kaffee. Andere mögen den nicht und trinken lieber Tee. Aber warum ist das so, könnte man auch hier fragen. Vielleicht hat einer, der lieber Kaffee trinkt, noch nie einen guten Tee getrunken. Denn hätte er, dann …

Homosexualität gilt vielen auch heute noch als ‚unnatürlich‘, dabei finden wir gerade in der Natur gleichgeschlechtliche Partnerschaften (nicht nur schwule Pinguine im Bremerhavener Zoo am Meer) zuhauf.

Tiere werden vorwiegend von ihren Instinkten geleitet. Beim Menschen herrscht ein Mischmasch aus Bewusstsein und Gefühlen. Liebe, das wissen wir, ist nicht ans Geschlecht gebunden. Der Vater liebt seine Söhne, die Tochter ihre Mutter. Warum also nicht auch Mann einen Mann, Frau eine Frau?

Ich bin vielleicht hetero, ich sage vielleicht, weil ich schon in frühen Jahren ein Erlebnis hatte, das ich als schön, geradezu aufregend fand und das mit einem Mädchen zu tun hatte. Ich war mir damals meiner Sexualität noch nicht völlig bewusst, und im Grunde spielte sich nichts anderes ab, als dass ich mich mit dem gleichaltrigen Mädchen auf einer abgelegenen Wiese befand, wir uns plötzlich auszogen und unsere Unterschiede begutachteten. Das war im Sommer, in den Ferien und ich war elf Jahre alt. Eine unbeschwerte Zeit.

    Kölner Zoo, August 1965 – Hein (Willi) mit U. und Großmutter

Und da ich gerade in der Vergangenheit krame: Ich erinnere mich auch daran, einmal einem Jungen begegnet zu sein, der so schön war, sodass ich mich in ihn ‚verliebte‘. Es war wie ein heißes Feuer. Ich muss ziemlich irritiert dieser Zuneigung wegen gewesen sein. Der Junge war aber auch über alle Maße schön, weiblich zart und schön. Es war die Schönheit selbst, die mich faszinierte. Sicherlich steckt in jedem diese Möglichkeit, auf Reize des gleichen Geschlechts empfindsam zu reagieren.

Und es sind dann meist diejenigen, die homophob reagieren, die Angst vor der eigenen, latent vorhandenen Homosexualität haben, Männer, die bezüglich dessen, was sie für typisch männliche Eigenschaften halten, dahingehend verunsichert werden, dass sie möglicherweise selbst nicht diesem Bild entsprechen.

Ich sage, es gibt keinen Grund, sich vor dem Anderssein zu fürchten. Eigentlich sind wir doch alle etwas anders als die ‚anderen‘, oder? Es ist eher eine Chance, aus dem Anderssein ‚Kapital‘ zu schlagen zum Vorteil für uns alle. Nutzen wir die Möglichkeiten!

Hein Sager sagt (1): Also Hein Sager sagt …

    … wie kann ein Mensch trotz seiner Gedanken mit anderen Menschen zusammenleben, wie wird er mit dem Wildwuchs seiner Gedanken, die doch den Konventionen der Gesellschaft widersprechen, fertig …

    Martin Walser: Dichten und Trachten (Jahresschau des Suhrkamp Verlags), 1958, Folge 11, S. 91

Mein Name ist Sager. Der Vorname tut eigentlich nichts zur Sache, aber wer’s wissen will, er ist Hein. Jetzt aber keine blöden Witze von wegen ‚Hein vonne Werft‘, ihr wisst, ‚das nervt‘! Also Hein Sager heiß ich. Bitte, auch keine Scherze mit Nein-Sager. Ich bin kein Nein-Sager, obwohl ich schon manchmal sage: Schluss jetzt, es reicht!

    Hein Sager sagt …

Ich will hier nicht groß philosophieren. Ich bin kein Nietzsche oder ein Descartes, der dachte, wenn er denkt, dass er ist. Dass mit dem Sein verstehe ich schon: Man ist, man existiert also, wenn man denkt. Ein schöner Gedanke …

Ich will hier auch nicht auf die Kacke hauen – wie man so sagt. Ich will sagen, was mich stört, was ich einfach nicht gut finde. Dann kann ich sagen, was okay ist in der Welt, wenn das auch nicht viel ist.

So oder so ähnlich könnte Hein Sager beginnen, zu uns zu sprechen. Hein Sager: Wer ist das? Es könnte fast jede(r) sein. Okay, mit grauem Bart und Brille komme ich sicherlich in Frage. Und vielleicht zu 80 % (mal mehr, mal weniger) bin ich das dann wohl auch. Im Hintergrund (siehe unten) sieht man Franz Kafka, der hier nur stellvertretend sein Konterfei herhalten musste (zudem als Comic-Zeichnung), dem ich ein Bild von mir ‚über(ge)legt‘ habe. Ich fand die Kafka-Zeichnung interessant und fand zudem ein Bildchen von mir, das annähernd deckungsgleich ist.

Hein Sager sagt -  Von Kafka zu Willi …

    Er muß seine Launen mir gegenüber weniger beherrschen als ich meine Launen ihm gegenüber. Ich muß mich ununterbrochen zusammennehmen. Zum Beispiel politisch. Man möchte doch öfter einmal irgendwelchen politischen Quatsch daherreden dürfen. Der Chef tut das ungeniert und frei heraus.

    Martin Walser zur Abhängigkeit vom Chef: Wer oder was leistet Seelenarbeit? unveröffentlichtes Typoskript, o.D., Archivmaterial Martin Walser

Was will Hein Sager (oder ich mit ihm) sagen? Wer kennt nicht die Abhängigkeit von seinem Chef, wie Martin Walser es beschreibt. Und auch sonst wagt es kaum einer, dem ‚Wildwuchs seiner Gedanken‘ freien Lauf zu lassen. Die Konventionen halten diese in Schacht. Und selbst wenn man er wagt, sich einmal ‚so richtig auszukotzen‘ und dazu (wie hier) versucht, es einer Kunstfigur in den Mund zu schieben, gelingt das nur ungenügend. So glaube ich, es sei denn, man beginnt damit, darauf hinzuweisen, dass man sich ‚von dem Folgenden‘ (der Folgen wegen) von vornherein distanziert. Das wäre dann unaufrichtig.

Aber soweit will ich mit Hein Sager gar nicht gehen. Er ist eine Kunstfigur, die sagt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Das könnte mein Schnabel sein – es ist aber eher der Schnabel vieler. Eben derer, die sonst ihren Schnabel halten.

Noch eins: Hein Sager benutzt (wie ich) oft Anführungszeichen, auch ‚Gänsefüßchen‘ (sic!) genannt. Wir kennen das Zeichen: Zeige- und Mittelfinger beider Hände ausgestreckt und gegeneinander leicht versetzt in der Luft winkend. Es heißt, so meine ich es nicht wirklich, so meinen es andere. Wenn man schreibt, ist das klar. Da stehen die Häkchen unten und oben. Beim Sprechen hilft nur die genannte Geste. Das Gesagte oder Geschriebene ist ohne Anführungszeichen eine These, die dann durch die Anführungszeichen gewissermaßen zur Antithese wird. Was darauf folgt, sollte dann die Synthese sein. Man nennt das Dialektik.

Etwas verschwommen: Gruppenbild mit Willi

Huihuuu, ich bin keine Dame, ich bin Willi. Und so heißt das Bild natürlich auch ‚Gruppenbild mit Willi‘ und nicht ‚… mit Dame‘. Und wer mich halbwegs kennt, der weiß, dass es mir natürlich nicht um die Darstellung einer bestimmten Gruppe geht (hier der Klan, die Mischpoke meines Ehegesponst), sondern vielleicht, wahrscheinlich, bestimmt um das Bild (hier ein Foto) selbst.

Willi mit dem K…-Klan in Todtglüsingen Mai 2014

Ich habe nämlich meinen Spieltrieb nachgegeben und mich dank Bildbearbeitungsprogramm zur Erstellung des obigen Bildes hinreißen lassen. Wer denkt, ich hätte mich selbst an exponierter Stelle ‚eingefügt‘, dem sei versichert: ich stand dort tatsächlich – natürlich rein zufälligerweise, unbeabsichtigt (vielleicht nur von meinen Unterbewusstsein gesteuert und dorthin platziert …).

Neben der Arbeit mit Videos spiele ich also ganz gern mit Bildern. Ich bin nun einmal ein visueller Typ (mit einem unübersehbaren Touch ins Auditiv-Digitale). Wenn mir mein Brotberuf mehr Zeit ließe (und die Familie), dann würde ich mich einmal so richtig austoben (visuell wie auditiv – und ganz digital). Freunde, die Zeit wird kommen … Haaah 🙂

Abstürzende Balkone

Wer träumt nicht manchmal ‚krauses Zeugs’, jene Alpträume, in denen man verfolgt wird und wegzulaufen versucht, aber nicht von der Stelle kommt, als hätte man Blei in den Füßen. Man muss nicht gerade angstschweißgebadet erwachen aus solch aberwitzigen Träumen, aber ein mulmiges Gefühl bleibt meist doch hängen beim Erwachen.

Bei einigen sind es vielleicht wirklich die Alben, die Elfen, die meist in menschenähnlicher Gestalt auf der Brust des Schlafenden hocken und damit ein unangenehmes Druckgefühl auslösen (‚Alpdruck’). Ja, die Elfen, deren Freund ich namentlich zu sein habe [Albin leitet sich entweder aus dem lateinischen Beinamen Albinus (lat. der Weiße) oder – und das meine ich: – vom althochdeutschen Albuin (aus: alb = Elf und wini = Freund) ab, also: Freund der Elfen].

Oft träumt man auch, man stürzte ab. Es scheint ein endloser Fall zu sein. Und der Aufprall entspricht meist dem Erwachen (dann vielleicht doch schweißbebadet). Meine Alpträume, wenn ich solche habe, sind eher moderat: kein Kein-Vom-Fleck-Wegkommen, kein Fall ins Unendliche. Es sind Balkone, die hoch oben in Häusern zu finden sind, und auf die ich treten muss, ob ich will oder nicht. Setze ich erst einmal den ersten Fuß auf einen solchen Balkon, dann erweist sich dieser schnell ab brüchig, das Geländer als lose und darunter gähnt auch hier ein tiefer Abgrund. Zum einen zieht mich die Tiefe wie ein Sog, zum anderen verwahre ich mich, weiter auf diesen bröckelnden Balkon zu treten.

Abstürzende Balkone
Original: mainwasser

Bei ‚abstürzenden Balkonen’ assoziiere ich gleich die Einstürzenden Neubauten, eine Berliner Band um den Musiker, Performance-Künstler und Schauspieler Blixa Bargeld, die 1980 gegründet wurde und die erst Ende des letzten Jahres ihr neuestes Album Lament auf den Markt gebracht hat.


Einstürzende Neubauten – Lament live Prague

Aber ich komme vom Thema ab: Als Ursachen für solche Alpträume werden unverarbeitete Tagesgeschehen, traumatische oder traumatisierende Erlebnisse, Stress oder psychische Probleme, aber auch physische Komponenten angenommen. Ich gestehe, nicht schwindelfrei zu sein. Als Trauma empfinde ich das vielleicht nicht gerade, sodass es mir verwunderlich erscheint, davon bis in meine Traumwelt verfolgt zu werden. Vielleicht sind diese ‚abstürzenden Balkone’ auch eine Metapher für eine Angst, von der ich mich nicht lösen kann. Immerhin erkenne ich im Traum diese Angst und versuche, dem ‚Sog der Tiefe’ zu trotzen. Da ich meistens nicht unmittelbar erwache, so verdeutlicht das sicherlich, dass dem Alptraumhaften durchaus auch ein Reiz innewohnt, ein Kitzel, dem ich mich nicht völlig entziehen kann. Ich denke da an diesen x-förmig angebrachten Skywalk für Schwindelfreie, die über dem Höllental bei Garmisch-Partenkirchen erbaute Aussichtsplattform namens Alpspix. Auch als nicht Schwindelfreier getraut man sich auf diese 13 Meter ins Nichts ragende Stahlkonstruktion.

60 Jahre Willi – 9 Jahre Willizblog

Ich bin sprachlos, wenn auch nicht ohne Sprache. Nur verschlagen hat sie es mir. Seit neun Jahren (in Ziffern, wenn auch nur der einen: 9) hudele und sudele ich hier blogmäßig herum. Und neben mein Geblogge und Murmeltiertagen gibt’s auch noch mindestens einen weiteren Gedenktag HEUTE zu feiern. Jawohl: 5 Dutzend nennt man als Zählmaß auch Schock (so heißt es heute für mich: Oh, Schock, ein Schock …?!). Genau das … Und noch genauer: James Joyce wäre heute 132 Jahre alt geworden (Ablenkungsmanöver!).

    Willi in WilliZ Welt - schottlandmäßig

Apropos James Joyce: Neben dem Ulysses liegt bei mir zu Hause bisher nur angelesen (nicht angefressen) Finnegans Wake (Original mit deutscher Übersetzung von Dieter H. Stündel: Finnegans Wehg. Kainnäh ÜbelSätzZung des Wehrkess fun Schämes Scheuss – u.a. bei Zweitausendeins, Frankfurt a.M. 1993). Zu Finnegan und sein Erwachen fällt mir im Augenblick nur folgendes ein [man sollte allen Eventualitäten gegenüber gewappnet sein – auch ich kreuche und fleuche dem zu, von dem die Wurst bekanntlich zwei hat, dem Ende (aller Tage)]: Wenn’s denn soweit sein wird, wünsche ich mir ähnliches wie dem guten Tim Finnegan, dem aus dem irischen Trinklied: Tim Finnegan ist ein Maurer, der von der Leiter fällt und stirbt. Seine Freunde legen ihn in einen Sarg und halten Totenwache, die in ein wildes Trinkgelage ausartet. Als der Whiskey schließlich sogar über die Leiche fließt, erweckt dies Tim Finnegan wieder zum Leben. Das wär’ ’was!

Soweit ist es natürlich noch nicht (noch lange nicht, hoffe ich). Noch kann ich mir meine Ration Whisky (den ohne e, schottischen nämlich) selbst zu Gemüte führen, auch wenn die Hände vom Alter gezeichnet schon leicht tremolieren. Selbstredend in Maßen (Trinken WIE Zittern!)! Ihr müsst Euch vorerst schon selbst versorgen mit dem ‚Lebenswasser’. Zum Anstoßen bin ich aber gern bereit … Dann kann ich nur wie der Schotte oder Ire sagen: Sláinte! Gesundheit!

An dieser Stelle natürlich all den Lesern meines Blogs vielen Dank fürs Vorbeischauen! Ich hoffe, wir ‚begegnen’ uns auch zukünftig weiterhin hier. Ansonsten wünsche ich einen schönen Sonntag!

– zum 50. siehe meinen Beitrag: Willkommen im Club der ‚echten‘ Fuffziger
– siehe auch: Fünf Jahre WilliZ Blog

Betrachtungen Tagebuch eines ‚Außerirdischen’ (1): Vom Steinelegen und -zählen

Noch einmal zum Titel (Arbeitstitel): Wenn man den folgenden Text (Entwurf) liest, dann kommt der Titel „Tagebuch …“ schon gar nicht mehr in Frage, es sei denn, ein imaginärer, irdischer Herausgeber hätte diesen Titel gewählt. Aber auch der sollte so schlau sein, „Tagebuch …“ als unpassend anzusehen (außerdem müsste man es dem Text entsprechend „‚Haus’-Buch“ nennen). Also doch Betrachtungen – oder doch lieber Aufzeichnungen, Ansichten oder Beobachtungen? Gedanken?

Natürlich kann man das Ganze auch umkehren und den Titel aus Sicht des Verfassers (des Außerirdischen) wählen. Das bei Philosophen so beliebte „Über …“ bietet sich da an: „Über die Menschen“ oder „Über uns“ (dann eher „Über Euch“ oder gar „Über Euch Menschen“). Ich gedenke aber schon, die Texte über einen Dritten ‚veröffentlicht’ zu sehen, sprich: Ein Herausgeber (ähnlich wie z.B. bei Jonathan Swifts Gullivers Reisen) veröffentlicht (eigentlich ohne Wissen und damit Einverständnis des Verfassers) die Aufzeichnungen/Gedanken usw. mit seinem Vorwort versehen. Also nichts mit „Über …“.

In meinen Vorbetrachtungen gehe ich von einem Nichterdenmenschen, eigentlich von einem Lebewesen aus, das unsere Welt ‚mit anderen Augen’ sieht. Das kann durchaus auch ein Mensch sein (und ich, eh, der wirkliche Verfasser, bin ja ein Mensch). Vielleicht, und damit komme ich dem Ganzen etwas näher, sollte ich das Wort Außerirdischer in (einfachen) Anführungsstrichen setzen. Damit halte ich es offen, ob es wirklich ein Außerirdischer ist, der das schreibt, oder doch nur einer, der WIE ein Außerirdischer unsere Welt betrachtet, einer, der gewissermaßen eine Philosophie der ‚anderen Sichtweise’ entwickelt. Dann käme Betrachtungen auch eher zum Tragen, also: Betrachtungen eines ‚Außerirdischen’!

    Betrachtungen eines ‚Außerirdischen’

Der Mensch ist ein seltsames Lebewesen. So wie man Stein auf Stein legt, so hat er sich etwas ausgedacht, das diesem Steinelegen entspricht, nur das man ständig, immer wieder einen Stein auf den anderen und wieder einen Stein auf einen anderen und wieder einen Stein … legt, wobei man den ersten irgendeinmal gelegten Stein gar nicht mehr sieht und kaum erahnen kann, wann der LETZTE Stein gelegt sein wird. Natürlich zählt der Mensch diese Steine. Eigentlich geht es nur ums Steinezählen. Die Steine selbst sind nicht das Wichtigste. Es ist die Anzahl der Steine. Da es aber unzählig viele sind und der erste Stein – wie gesagt – schon längst nicht mehr zu sehen ist (wenn es denn einen ERSTEN Stein überhaupt gibt), hat er einfach irgendwann einmal angefangen zu zählen. Ja, erst war das Steinelegen, ein argloses, geradezu gedankenloses Steinelegen. Dann, als überfiele dem Menschen eine höhere Absicht mit dem Steinelegen, kam er aufs Steinezählen. Da er aber ständig Steine legen muss, Stein auf Stein, schaffte er es nicht, gleichzeitig die schon gelegten Steine mitzuzählen. Also begann er dort, wo er gerade war, bei den Steinen, die er im Augenblick legte. Ab jetzt legte er also nicht nur Steine, sondern zählte sie auch noch. Und eines Tages schuf er eine Maschine, die für ihn nicht nur das Steinelegen, sondern auch das Steinezählen übernahm. Und die zählt jetzt: Stein für Stein …

Da es inzwischen so viele Steine sind, so fasst er eine Anzahl von Steinen zusammen. 60 Steine sind eine Mauer. Und da es schon so viele Mauern sind, so ergeben 24 Mauern ein Haus. Und da es auch schon so viele Häuser sind, so ergaben 365 Häuser eine Stadt. Und 100 Städte ein Land.

Da er ja jetzt eine Maschine hatte, die die Steine legte und zählte, verfiel der Mensch ins Grübeln. Er überlegte angestrengt über die Anzahl der Steine nach, die er früher einmal gelegt hatte, als er noch nicht die Steine zählte und ob ihre Zahl vielleicht noch höher wäre, als die Zahl der Steine, die seitdem gelegt wurde. Auch fragte er sich, ob nicht schon vor ihm, den Menschen, Steine gelegt wurden. Ob es überhaupt einen ANFANG des Steinelegens gibt. Und dann überlegte er, wie hoch die Anzahl der Steine werden könnte, wenn man IMMER Stein auf Stein legt, und ob man diese Anzahl benennen könnte. Ja, er fragte sich, ob es ein ENDE des Steinelegens geben kann. Und außerdem fragte es sich, ob er damit vielleicht einfach innehalten oder gar das Steinelegen (und damit das Steinezählen) rückgängig machen könnte, indem er ganz einfach eine Mauer aus Steinen einrisse?

Außerdem überlegte sich der Mensch, ob er mit verschlossenen Augen mitzählen könne und die so von ihm ermittelte Anzahl mit der Anzahl der tatsächlich von der Maschine gelegten (und gezählten) Steine gleichkäme.

Wie anfangs gesagt: Der Mensch hat sich etwas ausgedacht, das diesem Steinelegen entspricht. Eigentlich sind es keine Steine, keine wirklichen. So viele Steine gibt es gar nicht. Der Mensch bildet sich diese Steine eigentlich nur ein. Es sind gedachte Steine. Und Steine nennt er sie auch nicht. Er nennt sie Sekunden und ihre Anzahl (oder besser: die Abfolge des Steinelegens) Zeit.

siehe hierzu: de.wikipedia.org:

Die Zeit beschreibt die Abfolge von Ereignissen, hat also im Gegensatz zu anderen physikalischen Größen eine eindeutige, unumkehrbare Richtung.

In der Philosophie fragt man seit jeher nach dem Wesen der Zeit, was auch Themen der Weltanschauung berührt.

Die Psychologie untersucht die Zeitwahrnehmung und das Zeitgefühl. Die Ökonomie betrachtet Zeit auch als Wertgegenstand.