Kategorie-Archiv: Starke Frauen

… starke Frauen in der Musik

Jimi, Bob & Joan (sowie Frank)

Ein Blick auf die Programmseiten von arte lohnt sich meist. In den letzten Monaten wurden hier höchst interessante, da aufschlussreiche Dokumentationen zu Musikern ‚unseres Vertrauens‘ gezeigt. So gab es dort eine abendfüllende Hendrix-Biografie unter dem Titel „Hear My Train A Comin'“ aus dem Jahr 2013, die u.a. erst kürzlich aufgetauchtes, bislang unbekanntes Bildmaterial zeigt, auf das Regisseur Bob Smeaton zurückgreifen konnte, darunter Amateurfilme, die Hendrix selbst und Drummer Mitch Mitchell auf ihren Reisen gedreht haben. Etwas älter (aus dem Jahr 2009) ist die Dokumentation Jimi Hendrix – The Guitar Hero, die one (früher Eins Festival) ausstrahlte. „Renommierte Musiker wie Dave Mason, Eric Clapton, Mick Taylor und Slash diskutieren in diesem Dokumentarfilm über Jimi Hendrix‘ Musik und sie erklären, warum seine Arbeit noch heute einen Höhepunkt der Rockmusik darstellt.“


Jimi Hendrix: „Hear My Train A Comin'“

Man muss nicht Pfadfinder (gewesen) sein, um irgendwann in seinem Leben mit in die Verse des Liedes ‘Blowin‘ in the Wind‘ eingestimmt zu haben; spätestens „The answer, my friend, is blowin’ in the wind. The answer is blowin’ in the wind” kann wohl (fast) jeder mitsingen. Längst ist das Lied eine Hymne und in jedem Liederbuch zu finden, das zum Erlernen des Gitarrenspiels oder für gemütliche Abende am Lagerfeuer zusammengestellt wurde.

Martin Scorsese, einer der wichtigsten zeitgenössischen US-Filmemacher, der mit so gut wie allen namhaften Schauspielern der USA zusammengearbeitet hat, zeichnete auch für zahlreiche Dokumentationen verantwortlich, so die 2005 entstandene über Bob Dylan: No Direction Home. Dieses zweiteilige, fast drei 1/2 –stündige Porträt zeigt Dylans Schaffen und Umgebung im Zeitraum 1961 bis 1966 (und lief ebenfalls auf arte).

Bob Dylan - No Direction Home

Bob Dylan ist als Songwriter, Folksänger und Rockmusiker „einer der einflussreichsten und innovativsten Musiker der Gegenwart. Starregisseur Martin Scorsese gelang es, den scheuen Künstler vor die Kamera zu bekommen und ein Porträt des Phänomens Bob Dylan zu entwerfen. Angefangen bei seinen Wurzeln in Minnesota über seine ersten Auftritte in den Bars von Greenwich Village 1961 und seinen kometenhaften Aufstieg bis hin zum Jahr 1966, als er bei seinem ersten Auftritt mit einer elektrischen Gitarre seine Fans verprellte und sich zeitweilig von der Konzertbühne zurückzog.“

„Da erfahren wir, dass der Mann, den die ganze Welt für die zentrale musikalische Figur der amerikanischen Protestbewegung gehalten hat, sich selbst nicht dafür hielt. ‚Mit irgendwelchen Ideologien hatte ich nie wirklich was am Hut. Egal in welcher Szene ich mich bewegte, ich fühlte mich immer als Außenseiter.‘ Mal schildern Weggefährten wie Pete Seeger, Joan Baez oder Allen Ginsberg die Entwicklung Dylans, der sich vom Rock ’n‘ Roller seiner Jugendtage über den Protest-Folksänger der frühen 60er bis zum elektrischen Rocker jener England-Tour wandelte.“

Am 28. August 1963 trat Dylan gemeinsam mit Joan Baez und anderen Folksängern bei der Abschlusskundgebung des Civil Rights March nach Washington auf, bei der Martin Luther King seine berühmte Rede I Have a Dream hielt. Dieser Auftritt findet sich natürlich auch in der Dokumentation über Joan Baez wieder.

Joan Baez und Martin Luther King

Es ist wieder der Sender arte, der (noch wenige Tage) die Dokumentation über Joan Baez – How Sweet the Sound aus dem Jahr 2010 zeigt(e):

„Das Gewissen einer Generation: Die politisch engagierte Folksängerin Joan Baez sang im Luftschutzbunker, während draußen die Bomben fielen. Aber sie ist auch eine der wichtigsten und bekanntesten Vertreterinnen der Folkmusik. Seltene Archivaufnahmen und sehr persönliche Interviews machen den Dokumentarfilm zu einem zugleich persönlichen und historischen Porträt.“

„In einem ersten umfassenden Dokumentarfilm über Joan Baez werden sowohl die Privatperson Baez als auch ihre Karriere, ihre Geschichte als Live- und Studiomusikerin und ihr bemerkenswerter Weg als Menschenrechtsaktivistin beleuchtet. Historische Aufnahmen zeigen Joan Baez bei ihrem umstrittenen Besuch in Nordvietnam, wo sie mit den Einwohnern von Hanoi während der heftigsten Luftangriffe des Kriegs betet, aber auch Martin Luther King Jr., der der inhaftierten Joan Baez einen Solidaritätsbesuch abstattet.“

„Musikalische Aufnahmen vom legendären Auftritt auf dem Newport Folk Festival 1959 oder eines frühen Auftritts im historischen Club 47 in Cambridge werden mit Interviews mit bekannten Persönlichkeiten wie David Crosby, Bob Dylan oder Reverend Jesse Jackson zu einer dichten Erzählung verwoben. Der Dokumentarfilm gibt in bisher nicht dagewesener Art und Weise Einblick in das Leben der Künstlerin und Aktivistin, die mit über 70 Jahren noch auf internationalen Tourneen unterwegs ist.“


Joan Baez – How Sweet the Sound (im englischen Original)

Vor gut einem Jahr feierte Joan Baez ihren 75. Geburtstag. Ins Beacon Theatre in New York lud sie hierzu viele namhafte Gäste ein, die mit ihr auf die Bühne traten, nämlich David Bromberg, Jackson Browne, Mary Chapin Carpenter, Judy Collins, Emmylou Harris, Indigo Girls, Damien Rice, Paul Simon, Mavis Staples, Nano Stern und Richard Thompson. „Bis heute fühlt sie sich politischen und sozialen Aspekten ebenso verbunden wie Menschenrechts- und Umweltthemen. Außerdem unterstützt und fördert sie seit Jahrzehnten jüngere Kolleginnen und Kollegen – einige von ihnen stehen mit ihr bei diesem Konzert auf der Bühne des Beacon Theaters.“ Joan Baez 75th Birthday Celebration wurde ebenfalls von arte gesendet.


Joan Baez 75th Birthday Celebration – Beacon Theatre New York – 2016

Und dem nicht genug: der Sender arte zeigt am Freitag (17.03.2017) ab 21 Uhr 45 Frank Zappa: „Er war ein hochtalentierter Musiker und hellsichtiger Kritiker seiner Zeit: der amerikanische Rockmusiker Frank Zappa. In „Zapped – Frank Zappa in seinen eigenen Worten“ beleuchtet Thorsten Schütte anhand von selten gezeigten Fernsehinterviews und Bühnenauftritten die zwei Facetten des Frank Zappa. Der Dokumentarfilm lässt das reiche musikalische Erbe des Ausnahmekünstlers wieder aufleben und erinnert an dessen unermüdlichen Kampf gegen den Konformismus.“

Joan Armatrading solo live 2015

Eigentlich war ich skeptisch, was den Solo-Auftritt von Joan Armatrading auf ihrer letzten großen Welttournee betrifft: Südafrika, Australien und Neuseeland hatte sie im letzten Jahr besucht – jetzt ist Europa dran – und natürlich UK, dann Nordamerika und nochmals Südafrika. Wie soll das gehen? Joan allein auf der Bühne ohne Band? Aber das geht und zwar viel besser als man vermuten kann …

    JOAN'S LAST MAJOR TOUR AND FIRST SOLO CONCERTS

Nun letzten Freitag war es soweit: Joan Armatrading trat in der Empore in Buchholz/Nordheide auf – bei uns gleich um die Ecke. Die erste halbe Stunde gehörte aber einem Duo namens (Oh) Bright Sparks, die gleich mit Witz und ohne großes Getue für Stimmung in der Halle sorgten, die tatsächlich ausverkauft war. Joan Armatrading gibt immer wieder jungen Talenten die Chance, in ihren Konzerten als Vorgruppe Erfahrungen zu sammeln.

Nach einer kurzen Umbaupause legte Joan Armatrading dann kurz nach 21 Uhr los und beschallte den Raum gut anderthalb Stunden lang. Wie gesagt solo. Nur bei einigen Liedern bediente sie sich von ihr zuvor eingespielter Instrumentalpassagen als der Konserve, z.B. bei überaus fetzigen Soli auf der elektrischen Gitarre.

Joan begann mit einem Lied von ihrem ersten Album: City Girl (Whatever’s for us – 1972) und sang vor allem viele der Stücke, die ich sehr gern habe: Back to the Night, Down to Zero und natürlich Love and Affection. Das Konzert endete mit Willow. Eine Zugabe gab es allerdings nicht.

Hier die Playlist, wenn auch nicht chronologisch dem Konzertverlauf nach, sondern entsprechend den Plattenveröffentlichungen (ich hoffe, nicht allzu viele Lieder vergessen zu haben):

City Girl
Whatever’s for us (1972)

Steppin’ Out
Back to the Night
Back to the Night (1975)

Down to Zero
Love and Affection
Joan Armatrading (1976)

Mama Mercy
Kissin’ and a Huggin’
Willow
Show some Emotion (1977)

Me Myself I
All the Way from America
Me Myself I (1980)

Rosie
How Cruel (EP)

Drop The Pilot
The Key (1983)

More Than One Kind Of Love
Promise Land
Hearts and Flowers (1990)

Into the Blues
My Baby’s Gone
Joan entdeckt den Blues (Into the Blues – 2007)

Eintrittskarte Empore Buchholz: Joan Armatrading – Me, Myself, I–Tour 2015

Nun Joans Stimme (sie ist inzwischen 64 Jahre alt) ist schon etwas angeschlagen, aber immer noch gut genug für ein Konzert. Nicht von ungefähr kommt es, dass sie nach dieser langen Tournee in den verdienten Ruhestand gehen will und höchstens nur noch wenige Konzerte in ihrer Heimat geben wird. Bemerkenswert ist auf jeden Fall ihr Spiel auf der Gitarre: Wie schon in frühen Jahren, so bedient sich Joan vorwiegend einer halbakustischen Gitarre der Marke Ovation, einmal als sechssaitige, dann auch als zwölfsaitige Gitarre. In den letzten Jahren spielt Joan Armatrading aber auch viel die E-Gitarre (eine Fender Stratocaster) und bot an diesem Abend gewissermaßen eine Lehrstunde des Gitarrenspiels: neben rhythmischen Reggae-Passagen ließ sie die Gitarre aufheulen und legte einige Soli hin, die selbst bekannte Hardrockgitarristen nicht besser hinbekommen. Bei einigen Liedern begleitete sie sich auf dem Keyboard.

Zwischendurch erzählte Joan von einigen wichtigen Stationen aus ihrem Leben und zeigte dazu auf der Leinwand hinter sich die passende Bilder. Seit über 42 Jahren ist sie im Geschäft und hat in diesen vielen Jahren eine durchaus treue Fangemeinde hinter sich versammelt. Sicherlich füllt sie keine großen Arenen mehr – aber eine Halle wie die Empore in Buchholz bekommt sie noch voll. So ist natürlich auch das Publikum eindeutig in die Jahre gekommen. Ich hatte schon den Eindruck, dass manches Seniorenheim an diesem Abend Ausgang hatte (meine beiden Söhne dürften die mit Abstand jüngsten Besucher dieses Konzertes gewesen sein). Was allerdings die Begeisterung betrifft, so war die Stimmung super und der Zuspruch laut und auch eines jungen Publikums ebenbürtig.

In Concert: Joan Armatrading in Buchholz/Nordheide 23.01.2015

Am Freitag ist es soweit: Wie schon Mitte Oktober 2014 hier angekündigt, so gibt Joan Armatrading, diesmal solo auf ihrer letzten großen Tour, in Buchholz/Nordheide, gleich bei uns um die Ecke, ein Konzert in der Empore.

    JOAN'S LAST MAJOR TOUR AND FIRST SOLO CONCERTS

Wie es aussieht, so ist das Konzert ausverkauft, was mich wirklich freut, denn ohne Zweifel ist Joan Armatrading, die seit nun fast 43 Jahren im Musikgeschäft ist, eine begnadete Musikerin. Dass Joan immer noch eine treue Gefolgschaft hat, beweisen u.a. die über 117 Tausend ‚Likes’ bei Facebook.

So ganz allein kommt Joan Armatrading dann doch nicht: Laut der Website der Empore wird der Konzertabend um 20 Uhr mit einem. ca. 30-minütigen Auftritt der Gruppe Bright Sparks eingeläutet. Bright Sparks – das sind Kimmy und Ash aus England. Die beiden spielen am liebsten live und akustisch und kombinieren ihren Gesang mit Gitarre, Klavier und Schlagzeug. Eine Klangwelt zwischen David Gray und Coldplay. – Nach einem kurzen Umbau folgt dann das Konzert von Joan Armatrading.

Natürlich bin ich gespannt, wie sich Joan Armatrading solo ‚schlägt’. Hier schon einmal ein kleiner Vorgeschmack. Vielleicht sehen wir uns ja am Freitag in der Empore:


Love and Affection – Joan Armatrading – Weston-super-Mare 2014

The Both: The Both (2014)

Mit Aimee Mann habe ich mich hier in meinem Blog ziemlich ausführlich beschäftigt. Sie gehört als US-amerikanische Singer-Songwriterin der Indie-Rock-Szene an, d.h. wegen der einschränkenden künstlerischen Einflussnahme kündigte sie 1999 die Zusammenarbeit mit ihrer Plattenfirma auf und gründete ihr eigenes Label. Auch durch den Direktvertrieb ihrer Werke über ihre Website ging die Musikerin neue Wege. Begonnen hatte Aimee Mann mit Punk-Rock und kam über New Wave zu ihrem eigenen Stil, der sowohl Elemente des Rock, Folk, Pop-Rock und Country-Rock zu Alternative Rock verbindet. Bei uns blieb Aimee Mann weitestgehend unbekannt.

Im Jahr 2013 startete Aimee Mann eine Zusammenarbeit mit dem 10 Jahre jüngeren Ted Leo, der mehr noch als Aimee Mann aus der American-Punk-Rock-Ecke stammt, unter dem Namen The Both. Das Duo veröffentlichte im April 2014 sein selbstbetiteltes Debüt-Album.

    The Both: The Both (2014)

Die Zusammenarbeit der BEIDEN verlangte nach einem Namen, der sich dann nach eigenen Angaben aus der Frage entwickelte, ob SIE ein Duo oder gar eine Band wären. Das schien eine schwierige, geradezu philosophische Frage zu sein, deren Antwort lautete: Can’t it be both? Kann es nicht BEIDES sein?

The Both erschien also im April d.J. mit Aimee Mann (Gesang/akustische Gitarre und wie bereits zu Anfang ihrer Karriere: Bass), Ted Leo (Gesang und elektrische Gitarre) und als Gast am Schlagzeug Scott Seiver.

Neben ihrem Humor scheinen die BEIDEN, Mann und Leo, auch musikalisch vieles gemeinsam zu haben. Die Scheibe kann Fans von Aimee Mann bedenkenlos ans Herz gelegt werden. Ted Leo kannte ich bisher nicht, dafür ist mir die US-amerikanische Musikszene doch zu weit entfernt. Dass er aber aus der Punk-Rock-Ecke kommt, lässt sich an seinem Gitarrenspiel schnell ablesen. Die Lieder sind durch ihn deutlich rockiger und gitarrenlastiger, als man das zumindest von Aimee Mann bisher gewohnt war. Alle Lieder bis auf „Honesty Is No Excuse”, das aus der Feder von Phil Lynott (Thin Lizzy) stammt, sind gewissermaßen paritätisch von Aimee Mann und Ted Leo geschrieben worden. Das gilt dann auch für die Gesangspart. Der Einfluss von Aimee Mann ist anhand der wohlklingenden Melodien deutlich herauszuhören. Leo bringt dafür die sehr dominanten Riffs und Licks auf der E-Gitarre ein. Ergänzt wird das hier und da durch die akustische Gitarre von Mann. Die Gruppe tritt als Trio auf. Neben dem Gastschlagzeuger und Leo an der Gitarre spielt Aimee Mann wie schon in sehr frühen Zeiten den Bass. Der klingt auf der Scheibe oft sehr wuchtig, auch wenn sie keine ausgefeilten Riffs spielt. Zusammen mit dem Schlagzeug bildet es aber das rhythmische Gerüst, auf dem sich Leos Gitarre und vor allem der Gesang der beiden bewegen kann.

    The Both - Pressefoto

Setlist des Albums:

1 The Gambler Ted Leo / Aimee Mann 3:08
2 Milwaukee Ted Leo / Aimee Mann 4:21
3 No Sir Ted Leo / Aimee Mann 3:46
4 Volunteers of America Ted Leo / Aimee Mann 3:43
5 Pay for It Ted Leo / Aimee Mann 3:16
6 You Can’t Help Me Now Ted Leo / Aimee Mann 3:38
7 The Prisoner Ted Leo / Aimee Mann 4:41
8 Hummingbird Ted Leo / Aimee Mann 4:04
9 Honesty Is No Excuse Phil Lynott 3:27
10 Bedtime Stories Ted Leo / Aimee Mann 4:05
11 The Inevitable Shove Ted Leo / Aimee Mann 3:50

Ich finde die Scheibe ganz okay. Sicherlich entspricht diese Art der Musik nicht ganz meinem Geschmack. Aber um ab und wann einmal etwas anderes zu hören, dafür ist sie bestens geeignet. Es geht eine gewisser Lockerheit von ihr aus. Natürlich gibt es auch einige Videos der Gruppe (oder doch dem Duo?) im Netz.


The Both – Milwaukee


The Both – Volunteers of America


The Both – You Can’t Help Me Now (FUV Live at Rockwood Music Hall)


The Both: NPR Music Tiny Desk Concert („You Can’t Help Me Now“ / „Milwaukee“ / „No Sir“ / „The Gambler“)

Auf letzter großen Tour: Joan Armatrading solo in Buchholz/Nordheide 23.01.2015

In den letzten Wochen und Tagen habe ich noch einmal genauer in viele der Alben von Joan Armatrading hineingehört (und damit auch alle ihre Alben hier in meinem Blog vorgestellt). Da passt es ‚wie die Faust aufs Auge’, wenn Joan jetzt persönlich ‚vorbeischaut’.

Wie die Zeit vergeht: Es ist bereits sechs Jahre her, dass ich zuletzt Joan Armatrading live bei einem Konzert gesehen habe. Am 10. August 2008 war sie mit Band in der ehrenvollen Fabrik in Hamburg aufgetreten. Und ich hatte zu diesem Konzert auch gleich meine ganze Familie mitgenommen (meine Söhne waren da gerade 14 und 17 Jahre alt). Es war ein schöner, gelungener Abend.

Jetzt nun begibt sich Joan Armatrading auf ihre ‚letzte große Tour’ und präsentiert sich dort zum ersten Mal solo (‚Joan’s last major tour and first solo concerts’):

‚I will never retire but this will be the last major tour that I will undertake.
For the first time these concerts will be me solo on stage playing the guitar and piano and singing. I want these concerts to be a special lively interactive one to one experience. I have absolutely enjoyed the last 42 years of performances but now, with my final major tour, I want to capture a unique memory for both myself and the audience.‘

Nach diesen ihren Worten wird sie zwar nie in Rente gehen, aber es wird ihre letzte große Tournee kreuz und quer durch die Welt sein (zz. weilt sie im weiterhin Vereinigten Königreich). Seit 42 Jahren ist sie auf den Konzertbühnen präsent und will nun solo, nur mit Gitarre, Klavier und Gesang, auftreten, um für sich und das Publikum eine einzigartige Erinnerung zu schaffen. Für diese letzten Konzerte wünscht sie sich, dass diese für alle als eine besonders lebendige zwischenmenschliche Erfahrung haften bleiben.

    JOAN'S LAST MAJOR TOUR AND FIRST SOLO CONCERTS

Es ist noch kein ganze Jahr her, da besuchte ich am 25. Oktober 2013 mit meinen beiden Söhnen ein Konzert mit Martin Barre (dem langjährigen Gitarristen von Jethro Tull) und Band. Es fand in der Empore in Buchholz, nur wenige Kilometer von meinem Wohnort Tostedt entfernt, statt. Genau hierhin wird sich nun auch Joan Armatrading am 23. Januar 2015 (ebenfalls ein Freitag) ‚verirren’.

Ich habe schon etwas gezögert, ob ich zu dem Konzert gehen werde. Joan Armatrading ist eine ausgezeichnete Gitarristin mit einem sehr eigenen, persönlichen Stil. Und auch dem Klavier vermag sie wundersame Klänge zu entlocken. Aber solo? Meine Frau hat mich dann doch überzeugt, zumal es das letzte Mal sein wird, um Joan live sehen zu können. Und so ziehen wir, meine Frau, meine beiden Söhne und ich, also am 23. Januar des nächsten Jahres in die Empore zu Buchholz ein, um den Klängen von Joan zu lauschen.

Wie das in etwa aussehen und sich anhören wird, vermittelt ein Video, das bei einem Konzert vor wenigen Tagen in Weston-super-Mare, England, aufgenommen wurde:


Love and Affection – Joan Armatrading – Weston-super-Mare 08.10.2014

Also bis dann, liebe Joan … in Buchholz/Nordheide!


Joan Armatrading interview – März 2014

Joan Armatrading: Lovers Speak (2003)

Mit ihrem Album What’s Inside (1995) hatte sich Joan Armatrading für fast acht Jahre musikalisch verabschiedet, zumindest was das Veröffentlichen einer weiteren eigenen Studio-CD betraf. Im Dezember 1998 hatte sie immerhin noch eine CD mit dem Titel „Lullabies With A Difference“ zugunsten einer Kinderwohltätigkeitsorganisation namens PACES herausgebracht, die Beiträge von Mark Knopfler, Jools Holland, Midge Ure, Tina Turner, The Cranberries, Melissa Etheridge, Brian May und Taylor Lewis enthält; alles Künstler, die Joan bewunderte und die sie um Unterstützung ersuchte.

Hommage auf Nelson Mandela: The Messenger - von Joan Armatrading (1999)

Im Jahr 1999 schrieb sie ein Lied (The Messenger) als Hommage auf Nelson Mandela und führte dieses Lied auch im Beisein des ersten schwarzen Präsident von Südafrika und Friedensnobelpreisträger auf. Ansonsten beschäftigte sich Joan Armatrading mit anderen Sachen. So studierte sie im Fernstudium an der Open University und erhielt ihren Bachelor (Honours) in Geschichte im Jahr 2001. Später erhielt sie sogar drei Ehrendoktorwürden im Bereich Musik der University of Birmingham (2002), Royal Scottish Academy of Music and Drama (2008) und Open University (2013). Außerdem ist Joan Armatrading Member of The British Empire (MBE 2001).


Joan Armatrading: The Messenger (1999)

Joan Armatrading: Doktorat 28. Juni 2008 an der Royal Scottish Academy of Music and Drama, Glasgow (Honorary Doctorate Music)

Es dauerte also bis zum 25. März 2003, bis Joan Armatrading ihr insgesamt 15. Studioalbum herausbrachte: Lovers Speak. Die Scheibe wurde bei G2 Music aufgenommen und bei Denon Music, einem Teil der Savoy Label Group, veröffentlicht.

    Joan Armatrading: Lovers Speak (2003)

Auf Lovers Speak, das Joan Armatrading vollständig allein komponierte, textete, arrangierte und produzierte, spielt sie auch alle Instrumente – bis auf Schlagzeug und die Bläsersätze auf zwei Stücken (Saxophon und Trompete) – selbst. Gewidmet wurde das Album Joans guten Freunden Gus Dudgeon und seiner Frau Sheila Bailey, die beide bei einem Autounfall im Juli 2002 getötet worden. Gus Dudgeon hatte ihr Debüt-Album Whatever’s for Us im Jahr 1972 produziert.

Nun die Jahre waren nicht völlig ungeschadet an Joan Armatrading vorübergezogen. Nicht nur, dass sie ‚kleinere Brötchen’ backen musste (für das Vorgängeralbum hatte ihr die Plattenfirma neben vielen namhaften Studiomusikern nicht nur ein ganzes Orchester zur Untermalung bereitgestellt, sondern auch noch ein bekanntes Streichquartett und eine Bläsergruppe), auch scheint sie mir etwas ‚aus der Übung’ gekommen zu sein. Das betrifft ihre Stimme, die deutlich gereift ist, aber auch ihr Gitarrenspiel. Okay, auf ‚What’s Inside’ hatte sie noch einmal richtig einen Zahn zugelegt. Acht Jahre später war sie inzwischen 52 Jahre alt und damit ruhiger und bedachter geworden. Das Spielen der Keyboards hatte sie zuvor anderen überlassen können. Jetzt haute sie wieder selbst in die Tasten. Und selbst den Bass entlockte sie Töne, wenn auch eher schlicht gestrickt (und bei einigen Stücken verzichtete sie ganz auf dieses Instrument). Am Ende tut es aber diesem Album gut. Manches Frühere war für mich zu überarrangiert. ‚Lovers Speak’ kommt eher schlicht daher, ist gerade dadurch aber wieder näher bei der Joan Armatrading früher Jahre.

In einem Interview für die Washington Post im Juli 2003 sagt sie über die Lieder dieses Albums, dass diese von den Reaktionen der Menschen handeln die Liebe betreffend: Alles was in der Liebe passiert, das sich Verlieben und wie man das sich Verlieben ‚überlebt’ (that they „are about people’s reactions to love and what happens in love, falling in love and how to survive falling in love“.)

Hier zunächst die Trackliste des Albums:
(alle Lieder wurden von Joan Armatrading komponiert, arrangiert und produziert)

1. „Lovers Speak“ – 5:59
2. „Physical Pain“ – 3:24
3. „In These Times“ – 3:16
4. „Waiting“ – 2:52
5. „Prove Yourself“ – 3:33
6. „Fire And Ice“ – 3:26
7. „Love Bug“ – 3:20
8. „Let’s Talk About Us“ – 3:59
9. „Ocean“ – 3:33
10. „Tender Trap“ – 4:09
11. „Less Happy More Often“ – 3:53
12. „Crazy For You“ – 4:09
13. „You Make Your Bed“ – 3:52
14. „Blessed“ – 1:49
15. „Lovers Speak“ (Radio Edit) – 3:32

Das Album beginnt gleich mit dem Titellied „Lovers Speak“, einen poppigen, angenehm anzuhörenden Opener mit Ohrwurmqualität. Dem Gesang wurde hier noch ziemlich ‚overdubbed‘ nachgeholfen:


Joan Armatrading: Lovers Speak

„Physical Pain“ kommt mit Bluescharakter daher und klingt im Zusammenspiel von Gitarre und Klavier etwas abgehakt. In der Mitte gibt es ein erstes Gitarrensolo von Joan. Das Lied handelt offensichtlich vom ‚Liebesschmerz’:


Joan Armatrading: Physical Pain

„In These Times“ ist ein sehr bewegendes Lied und passt in unsere Zeit, in der Terror die Welt in Atem hält. Joan begleitet sich auf dem Klavier. Im Hintergrund sind Strings (Streicher) zu hören, ebenfalls auf dem Keyboard gespielt:


Joan Armatrading: In These Times

In „Waiting“, einem Blues, erklingt eine ‘schmetternde’ akustische Gitarre. Als Untermalung dient die elektrische Gitarre:


Joan Armatrading: Waiting

„Prove Yourself“ swingt mit akustischer Gitarre und diversen Keyboardeinsätzen, die andere Instrumente imitieren (ich höre u.a. ein Zylophon heraus). Das Stücke enthält wiederum ein kurzes Solo auf der elektrischen Gitarre:


Joan Armatrading: Prove Yourself

„Fire And Ice“ ist ein langsames Lied mit Wechselgesang durch Joan. Wieder klingt ein Keyboard mit String-Unterstützung:


Joan Armatrading: Fire And Ice

„Love Bug“ ist so etwas wie ein ‘Gute-Laune-Stück’ mit Bläsern und stampfenden Bass und Perkussion. In kurzen Zwischenspielen erklingt auch eine elektrische Gitarre:


Joan Armatrading: Love Bug

„Let’s Talk About Us“ beginnt mit akustischer Gitarre und dem Gesang von Joan. Dann klingt es wie ein Vortrag von Richie Havens: Joan haut in ihre akustische Gitarre, dazu hämmern Congas – als weiteren Höhepunkt ein feines Solo auf der elektrischen Gitarre:


Joan Armatrading: Let’s Talk About Us

„Ocean“ ist besonders anfangs und in Zwischenpassagen ein Anklang an alte Zeiten mit Joan Armatrading. Getragen wird das Lied wiederum durch akustische Gitarre und Perkussionsinstrumente:


Joan Armatrading: Ocean

„Tender Trap“ ist ein schönes, leicht-lockeres Lied im Reggae-Stil. Da darf auch der Bass wieder einmal etwas mehr wummern. Die Mandoline dient zur Untermalung. Und dann erklingt auch noch eine Mundharmonika. Das Lied endet mit elektrischer Gitarre:


Joan Armatrading: Tender Trap (Liveversion von der DVD: All the Way From America, Juni 2003)

„Less Happy More Often“ ist ein Wechsel zwischen Piano und akustischer Gitarre und ein eher langsames Stimme, das durch die kraftvolle Stimme Joans bestimmt wird:


Joan Armatrading: Less Happy More Often

Mit „Crazy For You“ folgt ein weiteres langsames Stück mit Keyboards, in dem der Bass wieder etwas brummen darf:


Joan Armatrading: Crazy For You

„You Make Your Bed“ ist ein durch Bass und Schlagzeug rhythmisch betontes Stück. Dazu erklingt die akustische Gitarre im Hintergrund, dann die elektrische Gitarre:


Joan Armatrading: You Make Your Bed

Mit „Blessed“ endet die eigentliche CD. Es ist ein langsames Stück und enthält erst Keyboards, dann die akustische Gitarre – am Ende hören wir dann noch ein Saxophonsolo. Für Joan ist das Lied ein Dank an ihr Leben, das sie hat: „It’s not about fame and money, it’s just life and how you feel.“ („Es geht nicht um Ruhm und Geld, es ist nur das Leben und wie du dich fühlst.“)


Joan Armatrading: Blessed

Auf meiner CD folgt noch die ‘Radio Edit’, die verkürzte Radiofassung des Titelsongs „Lovers Speak“.

Als das Album 2003 erschien, war die Freude groß, endlich einmal wieder etwas Neues von Joan Armatrading zu hören. Und da sie sich auf dem Album der alten Tugenden früherer Jahre bediente, gewissermaßen ‚zurück zu ihren Wurzeln’ kehrte, war die Freude beim Hören noch um einiges größer. Joan war reifer, auch körperlich fülliger geworden. Der Spaß, ja die Freude an dem eigenen Schaffen, vor allem wenn man vieles inzwischen viel lockerer sieht, überträgt sich auch auf den Zuhörer.

Joan Armatrading: What’s Inside (1995)

Mit ihrem Album Square the Circle (1992) endete für Joan Armatrading der Plattenvertrag bei A&M Records nach achtzehn Jahren der Zusammenarbeit. Es dauerte über drei Jahre, bis Joan Armatrading ihr nächstes, das 14., eingespielt hatte und diesmal bei RCA Records im Oktober 1995 veröffentlichte: What’s Inside.

What’s Inside wurde wieder mit vielen namhaften Studiomusikern, diesmal in den A&M Recording Studios in Hollywood aufgenommen. Die Plattenfirma scheute keine Kosten und so kam gleich für mehrere Stücke ein Streichorchester, das London Metropolitan Orchestra, zum Einsatz. Die Aufnahmen dazu erfolgten in den altehrwürdigen Abbey Road Studios, London. Auf einem Stück ist das bekannte Kronos Quartet zu hören (aufgenommen in The Plant Recording Studios, Sausalito, California) und bei zwei Liedern erklingen die Bläser der The Memphis Horns (Aufnahme erfolgte im Kiva Recording Studio, Memphis, Tennessee). Beim Background-Gesang wirkt u.a. Terry Evans mit, dessen Gesangspartner auf vielen Alben Bobby King war, den wir wiederum von vielen Alben von Ry Cooder kennen (Terry Evans hat natürlich auch schon mit Ry Cooder zusammengearbeitet).

    Joan Armatrading: What’s Inside (1995)

Das Album wurde von der Kritik durchaus positiv aufgenommen, erreichte allerdings nur Platz 48 in den UK Album Charts (in den US Charts konnte sich die Scheibe nicht platzieren). Es ist ein besonders tief empfundenes und daher sehr persönliches Album und handelt von Gefühlen und Erinnerungen. Laut eines Interviews von Joan Armatrading offenbaren die Lieder Dinge, die sie berührt haben („things that have touched me“). Auf dem Album ist ein Auge zu sehen, das die innerliche, nachdenkliche Natur der Liedertexte symbolisieren soll.

Hier zunächst die Trackliste des Albums:
(alle Lieder wurden von Joan Armatrading komponiert, überwiegend arrangiert und produziert)

1. „In Your Eyes“ – 2:43
2. „Everyday Boy“ – 4:37
3. „Merchant Of Love“ – 4:49
4. „Shapes And Sizes“ – 3:15
5. „Back On The Road“ – 2:43
6. „Lost The Love“ – 3:43
7. „Songs“ – 3:49
8. „Would You Like To Dance“ – 4:01
9. „Recommend My Love“ – 4:30
10. „Beyond The Blue“ – 3:52
11. „Can’t Stop Loving You“ – 3:26
12. „Shape Of A Pony“ – 4:43
13. „Trouble“ – 4:06

Das Album beginnt verhalten mit dem langsamen Lied „In Your Eye“. Der Bass brummt mit wenigen Tönen, dann singt Joan die erste Textzeile. Keyboards setzen ein und dazu ein Schlagzeug, nur mit Besen gespielt. Es ist eines von mehreren Lieder mit Jazz-Einflüssen:


Joan Armatrading: In Your Eyes

Dafür geht es in „Everyday Boy“ ganz flott ab. Zu dem Lied wurde Joan durch einen Bekannten inspiriert, der an AIDS erkrankt war. Es ist ein rhythmus-betontes Stück, das im Hauptteil eigentlich nur aus zwei Akkorden besteht und sehr afrikanisch klingt. Zunächst wird es durch ein Instrument bestimmt, das mir sehr nach Kalimba, einem Lamellophon (Daumenklavier), klingt (wird aber wohl am Keyboard erzeugt), das dann später durch kraftvolle Streicher ersetzt wird:


Joan Armatrading: Everyday Boy

Das dritte Lied ist wieder eher langsam und verfügt über einen sehr schönen Melodiebogen mit einem Wechsel zwischen akustischer Gitarre (gespielt von Joan) und Klavier. Das die Töne, die die Griffwechsel auf der Gitarre erzeugen, manchmal lauter klingen als die gespielten Akkorde, stört mich wenig. Joan hat eine sehr dynamisch ausgerichtete Spielweise, da gehören solche ‚Rutscher’ einfach mit dazu. Auch der wieder etwas sehr brummige Bass passt diesmal gut dazu:


Joan Armatrading: Merchant Of Love

Auch auf dem nächsten Lied spielt Joan Armatrading akustische Gitarre. Es ist ein sehr interessantes und sehr schönes Stück und wird besonders von den Streichern des Kronos Quartets bestimmt. Inspiriert wurde dieses Lied durch den Tod des britischen Journalisten und Rundfunksprechers Brian Redhead: Immer wieder heißt es in dem Lied „Obituary columns are filled with love“, etwa: Todesanzeigen/Nachrufe sind mit Liebe erfüllt. Da beginnen selbst die Geigen zu heulen:


Joan Armatrading: All Shapes And Sizes (Live 1995 – Australien)

Die beiden nächsten Lieder sind vom Blues angeregt. „Back On The Road“ fetzt dabei ordentlich mit einer akustischen Gitarre, von Joan gespielt. Die kurzen, eigenwilligen Solos auf der elektrischen Gitarre stammen natürlich auch von ihr:


Joan Armatrading: Back On The Road

„Lost The Love“ ist ein eher langsames blues-orientiertes Stück. Hier fetzt allerdings die von Joan gespielte elektrische Gitarre:


Joan Armatrading: Lost The Love

„Songs“ klingt eher etwas konventionell, ist aber in den Zwischenpassagen sehr schön und trotz der melodisch eher unterschiedlichen ‚Abschnitte’ sehr homogen. Hier zupfen die Streicher ihre Instrumente:


Joan Armatrading: Songs

Das nächste Stück ist für mich ein kleiner ‚Ausreißer’, weil das Lied mir nicht so ganz zu den anderen Lieder passen will. Es ist wieder rhythmus-betont und glänzt vor allem durch die Bläsersätze, allem voran das Saxofon:


Joan Armatrading: Would You Like To Dance

Das nächste Lied ist wieder eher langsamer und wird vor allem vom Keyboard getragen. Bemerkenswert ist natürlich hier der ‚Männergesangsverein’ , allen voran der bereits erwähnte Terry Evans. Ja, das klingt dann auch schon ziemlich nach Ry Cooder. Joan greift in diesem Lied zu einem Effektgerät namens E-Bow (Elektrobogen), weil die Saiten dadurch ähnlich wie mit einem Bogen gespielt ins Schwingen geraten:


Joan Armatrading: Recommend My Love

Neben der akustischen Gitarre von Joan erklingt hier die Slide-Gitarre von B. J. Cole und das Lied „Beyond The Blue“ klingt für mich nach einem von Country gefärbten Blues:


Joan Armatrading: Beyond The Blue

Weiter geht’s mit einem ‘Reißer’, der durch Bass, Schlagzeug und die Bläser bestimmt wird. Am Schluss wirkt das für mich dann leider doch etwas zu monoton. Die Abwechslung fehlt:


Joan Armatrading: Can’t Stop Loving You

So langsam kommen wir zum Schluss der Scheibe: „Shape Of A Pony“ klingt ‚luftig’ mit kurzen Bass- und Gesangszeilen am Anfang. Erwähnenswert ist hier der Einsatz einer Tin Whistle, der kleinen ‚Blechflöte’, die ansonsten in der traditionellen irischen Folkmusik zum Einsatz kommt:


Joan Armatrading: Shape Of A Pony

„Trouble“ ist eine herzerwärmende Ehrerweisung an die Mutter von Joan, die sie immer schon für eine starke Frau gehalten hat und der sie nachzueifern wünschte:

Stopped yourself from crying
Kept your head above the sand
When trouble seemed your only friend
Somehow you kept your spirits high
You told him straight
Don’t call again

Wieder ein langsames Stück am Ende des Albums. Bestimmt wird dies schöne und voll klingende Lied vom Keyboard und findet Unterstützung in einer Orchesteruntermalung:


Joan Armatrading: Trouble

Die neue Plattenfirma investierte einiges an Geld für diese Produktion. So fehlt eigentlich nichts zu einem auch aufnahmetechnisch gelungenen Hörerlebnis. Arrangements und Instrumentierung sind (einschließlich der häufiger zu hörenden Streicher) abwechslungsreich und gelungen. Bass und Schlagzeug sind, anders als bei den Scheiben zuvor, für mich voll und ganz okay. Vielleicht wäre manchmal weniger mehr, aber insgesamt gefällt mir dieses Album um einiges besser als all die Vorgänger aus den 80-er und 90-er Jahren.

Ich denke, dass die Plattenfirma Joan Armatrading viel Freiheiten eingeräumt hat, die diese im positiven Sinne genutzt hat. Ihre Stimme kommt mit viel Power und in all den Nuancen ihrer Alt-Stimme herüber. Und immer wieder lässt sie ihr sicherlich eigenwilliges, aber gekonnt vorgetragenes Gitarrenspiel aufblitzen. Da RCA Records aber in erster Linie den Mainstream bediente, der Erfolg dieses Albums aber ausblieb, verabschiedeten sich Joan und ihr Plattenlabel bereits nach dieser einen Produktion und es sollte einige Jahre mehr dauern, bis ihr nächstes Album erschien.

Joan Armatrading: Square the Circle (1992)

Zwei Jahre nach ihrem Album Hearts and Flowers (1990) veröffentlichte Joan Armatrading ihr 13. Studioalbum Square the Circle (1992). Wieder kamen die verschiedensten Musiker in ihr hauseigenes Musikstudio, den Bumpkin Studios. Und wieder wurde es bei A&M Records veröffentlicht. Allerdings sollte es Armatradings letztes Album bei dieser Plattenfirma werden. In Großbritannien erreichte das Album Platz 34, in den USA konnte es sich dann aber nicht mehr platzieren.

Die Lieder auf Square the Circle wurden wieder von Joan Armatrading geschrieben, arrangiert und produziert. Lediglich das Stück „Wrapped Around Her“ zeichnet auch Graham Lyle als Mitautoren und Produzenten.

    Joan Armatrading: Square the Circle (1992)

Bemerkenswert ist, dass Joan Armatrading alle Gitarrenparts selbst übernommen hat. So sind auch alle Gitarrensolos von ihr eingespielt worden. Dafür hat sie diesmal die Finger von den Tasteninstrumenten genommen und diese von Richard Cottle bzw. Simon Clark spielen lassen. Für mich hat es den Eindruck, dass Joan im Vorfeld sehr viel auf der elektrischen Gitarre geübt hat, denn die Gitarrensolos zeigen sich ausgereift, wenn auch nicht überlastet, sondern eher zurückhaltend. Ich finde das auf jeden Fall große Klasse, was sie auf der elektrischen Gitarre ‚zaubert’. Gesanglich wird Joan Armatrading hin und wieder durch die drei Damen Linda Lewis, Shirley Lewis und Sylvia Mason-James unterstützt. Nicht immer zum Vorteil dieser Lieder, wie ich finde. Aber das mag Geschmackssache sein. Das Foto für das Cover ist von Andrew Catlin aufgenommen worden.

Hier zunächst die Trackliste des Albums:
(alle Lieder wurden von Joan Armatrading komponiert, arrangiert und produziert)

1. „True Love“ – 3:57
2. „Crazy“ – 3:48
3. „Wrapped Around Her“ – 3:48
4. „Sometimes I Don’t Wanna Go Home“ – 4:59
5. „Square The Circle“ – 4:10
6. „Weak Woman“ – 3:56
7. „Can I Get Next To You“ – 4:16
8. „Can’t Get Over (How I Broke Your Heart)“ – 3:56
9. „If Women Ruled The World“ – 4:32
10. „Cradled In Your Love“ – 5:16

Das Album beginnt mit einem schönen langsamen und melodiösen Lied, in dem Joan in der Mitte auch schon einmal kurz einige gekonnte Riffs auf der Gitarre erklingen lässt:


Joan Armatrading: True Love

Auf dem 2. Lied verzichtet Joan auf die Gitarre und konzentriert sich auf ihren Gesang. Dafür lassen es die Keyboards in einem Solo in der Mitte und in einem am Schluss des Liedes ordentlich krachen. Die treibende Kraft ist ein fetzender Bass in diesem flotten Lied:


Joan Armatrading: Crazy

Neben der Gitarre spielt Joan in diesem Stück auch Mandoline. Am Anfang und in den Zwischenpassagen wirkt das Lied auf mich etwas hektisch und abgehackt (kommt wieder einmal vom Bass und Schlagzeug):


Joan Armatrading: Wrapped Around Her

Im vierten Stück ist Joans elektrische Gitarre ganz ansprechend und die Solos in der Mitte und am Ende des Liedes kommen auch sehr fetzend daher. Wie schon bei früheren Alben von ihr, so stört mich auch hier der pochende Bass doch ziemlich. Und das ‚gespenstisch’ klingende Keyboard zwischendrin ist auch nicht so ganz mein Fall. Einem Mantra gleich klingt dann die so oft wiederholte Textzeile „Sometimes I don’t wanna go home, Cos I know it’s gonna start again“. Nun, denn …


Joan Armatrading: Sometimes I Don’t Wanna Go Home

Zum Titelsong „Square The Circle“ gibt es leider kein im Netz verfügbares Video. Es ist ein langsames, selbst für Joan Armatrading eher konventionelles Stück, in dem das Gitarrenspiel aber wieder sehr ansprechend, wenn auch zurückhaltend herüberkommt.

Die nächsten beide Stücke finden weniger meine Begeisterung. Beide sind zwar rockig, aber „Weak Woman“ kommt für mich nicht so richtig in die Gänge, nervt eher durch ein fast durchgängig monotones Spiel auf dem Schlagzeug und wieder einmal durch den pulsierende Bass. Die Gitarrenparts finde ich auch eher so-la-la. Und den Chorgesang der drei Damen im Hintergrund … nun ja. Mit „Can I Get Next To You“ geht’s fast im gleichen Stile weiter. Der Chor mit gelegentlichen „Doodeewapp“ reißt es auch nicht heraus. Und manchmal klingt das Keyboard für mich zu synthetisch …

Zum Schluss hin wird’s dann aber besser. Es folgt ein langsames Stück, in dem die Streicherpassagen (Strings) aber künstlich, also auf dem Keyboard erzeugt wurden:


Joan Armatrading: Can’t Get Over (How I Broke Your Heart)

Das vorletzte Stück „If women ruled the world … It would be a good thing“ dürfte Joan besonders am Herzen gelegen haben. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob wirklich alles besser wäre, wenn Frauen die Welt regierten (Margaret Thatcher oder auch unsere alles bestimmen wollende Bundeskanzlerin sind nicht gerade die besten Beispiele). Das Stück selbst kommt rhythmisch betont ganz flott daher – mit einer führende Gitarre, die sich auch immer einige kleine Solos erlaubt. Hier passt dann auch durchaus der Damenchorgesang. Nur das Gepfeife des synthetischen Keyboards (wenn auch nur gegen dem Ende zu und dort auch nur hin und wieder) finde ich fehl am Platze.


Joan Armatrading: If Women Ruled The World

Mit „Cradled In Your Love“ endet das Album bereits nach zehn Liedern. Es ist ein langsames Stück, das allerdings in den Zwischenpassagen etwas aus dem Rahmen fällt, weil’s dort schräg-jazzig herkommt. Bemerkenswert auf jeden Fall Joans Spiel auf der elektrischen Gitarre und ein besonders schönes Solo am Ende des Liedes.

Joan Armatrading: Hearts and Flowers (1990)

Nach dem Album The Shouting Stage (1988) dauerte es wieder zwei Jahre, bis das nächste Album von Joan Armatrading Hearts and Flowers 1990 veröffentlicht wurde. Aufgenommen wurde das Album wieder in den Bumpkin Studios, Joan Armatradings eigenem Studio, diesmal in ‚The Grey Room’ in Los Angeles abgemischt und erschien im Juni 1990 wiederum bei A&M Records.

Auch für Hearts and Flowers holte sich Joan wieder eine Reihe namhafter Studiomusiker, die bekanntesten dürften Pino Palladino (Bass) und Manu Katché (Schlagzeug) sein. Das Album erreichte Platz 29 in den UK-Albumcharts bzw. Platz 161 in den US-Albumcharts, war also aus Sicht ihrer Plattenfirma aus kommerzieller Sicht nicht allzu erfolgreich. Jeremy Pearce zeichnete für das Plattencover verantwortlich.

    Joan Armatrading: Hearts and Flowers (1990)

Ich gestehe, dass ich bei diesem Album hin- und herschwanke. Einige Stücke finde ich sehr schön oder sie sind das, was man gern ‚interessant’ zu nennen pflegt. Mit anderen Liedern habe ich aber meine Probleme. Das betrifft besonders die ‚rhythmisch’ ausgelegten Lieder, die – es liegt in der Natur dieser Lieder – ohne großen Melodiebogen auskommen.

Hier zunächst die Trackliste des Albums:
(alle Lieder wurden von Joan Armatrading komponiert, arrangiert und produziert)

Seite 1:
1. „More Than One Kind Of Love“ – 5:32
2. „Hearts And Flowers“ – 3:40
3. „Promise Land“ – 4:00
4. „Someone’s In The Background“ – 3:55
5. „Can’t Let Go“ – 4:36

Seite 2:
1. „Free“ – 3:20
2. „Something In The Air Tonight“ – 4:32
3. „Always“ – 1:56
4. „Good Times“ – 4:23
5. „The Power Of Dreams“ – 3:08

Zu den einzelnen Stücken: Das Album beginnt in „More Than One Kind Of Love“ verhalten mit einigen Akkorden auf dem Keyboard (gespielt von Don Freeman), dann setzt Joans Stimme ein, unterstützt von wenigen einzelnen Bass-Tönen. Das Lied nimmt mit einem nun pulsierenden Bass (Mick Karn) und zusätzlichem Schlagzeug (Jamie Lane mit programmierten Drums) etwas mehr Fahrt auf, wobei mich der Bass doch etwas stört. Ich würde ihn mir etwas dezenter wünschen. Das Lied erschien auch als Single und erreichte in den UK Single-Charts Platz 75.


Joan Armatrading: More Than One Kind Of Love

Als nächstes Lied folgt bereits der Titelsong: Hier spielt Joan Armatrading nach langer Zeit alle Instrumente (Gitarre und hauptsächlich Keyboards) wieder einmal selbst (später sollte das die ‚Regel’ werden). Es ist betont rhythmisch mit sehr verschachtelten Rhythmuspassagen, die einen ganz besonderen Reiz auf den Zuhörer ausüben.


Joan Armatrading: Hearts And Flowers

„Promise Land“ beginnt mit einer sirrenden akustischen Gitarre – gespielt von Joan herself, die übrigens alle Gitarrenparts dieses Albums übernommen hat. Die Gitarre klingt wie eine 12-saitige, der Klang dürfte aber durch den Effekt eines Phaser beeinflusst sein. Wieder steigert sich das Stück durch den Einsatz von Bass und Schlagzeug (zunehmend ‚krachend’) – und hat ein ziemlich langes Ende (durch Wiederholung: Follow you into the promise land).

„Someone’s In The Background“ ist so ein Stück, das mir nicht so ganz gefallen mag. Es enthält ein rhythmisches Gerüst, um das sich u.a. ein Saxophon-Solo und einige Keyboardpassagen (die teilweise wie Vibraphon klingen) schlängeln.

Es folgt wieder ein langsames Lied, bei dem Joan erneut alle Instrumente (Gitarre und Keyboards) selbst spielt. Am Anfang steht ein Wechsel zwischen akustischer Gitarre und Keyboard, das zunehmend durchdringender wird, dann auch einige schräge Akkorde setzt:


Joan Armatrading: Can’t Let Go

Seite zwei beginnt mit einem schnellen, sehr flotten Stück: „Free“ klingt nach einem Gospel. Es enthält ein Saxophon-Solo, gespielt von Dave Koz (eigentlich David Kozlowski). Bass und Schlagzeug bilden einen Klangteppich, auf dem sich die Mitspieler musikalisch auslassen können.

„Something In The Air Tonight“ klingt südamerikanisch. Wieder legen Bass und Schlagzeug einen Klangteppich, der durch die akustische Gitarre von Joan und zum Ende hin durch Perkussion verstärkt wird. Bläsersätze (allerdings aus der Retorte, also auf dem Keyboard erzeugt) ergänzen das Stück und geben ihm eine besondere Dynamik.

„Always“ ist ein schönes, langsames Stück mit Joans Gesang und der Begleitung auf dem Keyboard (wieder von Don Freeman gespielt):


Joan Armatrading: Always

Im vom Blues beeinflussten Stück „Good Times“ spielt Joan eine fetzende akustische Gitarre. Das Stück ist wieder sehr rhythmus-betont, für mich etwas monoton und vom Schlagzeug her (unterstützt durch Manu Katché am Hi-Hat) etwas zu schrill. Das Solo auf der elektrischen Gitarre (wieder von Joan Armatrading gespielt) klingt teilweise recht schräg.

Das Album endet mit einem schon obligatorisch langsamen Lied: „The Power Of Dreams“, in dem das Keyboard lediglich durch halbwegs dezentes Bass- und Schlagzeugspiel unterstützt wird.

Wie schon geschrieben: Joan spielt alle Parts der Gitarre selbst und zeigt sich dabei vielseitig und als Meisterin des Instruments. Ihre Stimme wirkt für mich um einige Nuancen reifer als auf den Vorgängeralben. Nach Ansicht einiger Kritiker (u.a. ihr Biograf Sean Mayes in Joan Armatrading – A Biography) ist dieses Album eine Rückkehr zu den Themen und musikalischen Einflüssen der ersten beiden Alben von Joan, besonders Back to the Night. Dem kann ich nur bedingt zustimmen. Gerade die ersten Alben hatten ein musikalische Potenzial, das die späteren nur noch teilweise erreichten. Das gilt auch für dieses Album. Gerade die frühen Scheiben weisen vom Kompositorischen her, im Mix aus Melodie und Rhythmik, eine Komplexität auf, die einzigartig ist. Kompensiert wird das auf „Hearts and Flowers“ sicherlich durch die Reife von Joans Stimme und ihrem exzellenten Gitarrenspiel.

Joan Armatrading: The Shouting Stage (1988)

Ich habe mir etwas Zeit gelassen, um das nächste Album von Joan Armatrading in diesem Blog vorzustellen. Zuletzt war ich bei Sleight of Hand (1986) stehen geblieben. Es dauerte dann zwei Jahre, bis 1988 The Shouting Stage erschien.

The Shouting Stage markiert für mich einen Wendepunkt nicht ganz ‚zum Guten’, aber doch ‚zum Besseren’ hin für mich. Das Album wurde wie sein Vorgänger im Bumpkin Studio, dem eigenen Studio von Joan, aufgenommen und in den Olympic Studios, London, abgemischt. Dieses 11. Studioalbum erschien am 29. Juni 1988 wiederum bei A&M Records und erreichte Platz 28 in den UK-Albumcharts bzw. Platz 100 in den US-Albumcharts

    Joan Armatrading: The Shouting Stage (1988)

Wie schon bei den Alben zuvor so hatte Joan Armatrading auch zu diesem Album einige namhafte Gastmusiker in ihr Studio geholt. Allen voran Mark Knopfler (bekannt von der Gruppe Dire Straits), der auf zwei Stücken (u.a. dem Titelstück) sein unverkennbares Gitarrenspiel beitrug, daneben auch den Bassisten Pino Palladino, dessen bundloser Bass das Album maßgeblich mitbestimmt, und den Schlagzeuger, Dave Mattacks – bekannt aus der Fairport ConventionJethro Tull-Ecke.

Hier zunächst die Trackliste des Albums:
(alle Lieder wurden von Joan Armatrading komponiert, arrangiert und produziert)

Seite 1:
1. „The Devil I Know“ – 4:13
2. „Living For You“ – 4:14
3. „Did I Make You Up“ – 3:45
4. „Stronger Love“ – 5:07
5. „The Shouting Stage“ – 5:27

Seite 2:
1. „Words“ – 3:46
2. „Innocent Request“ – 3:08
3. „Straight Talk“ – 4:02
4. „Watch Your Step“ – 3:58
5. „All A Woman Needs“ – 5:01
6. „Dark Truths“ – 2:09

Das erste Stück fängt jazzig-flott an und enthält ein kurzes Solo von Joan auf der elektrischen Gitarre. Wie die beiden folgenden und auch bei späteren Stücken, so ist dieses Lied besonders geprägt vom Spiel des fretless, also bundlosen Basses von Pino Palladino. Es ist ein Lied über die Doppelmoral einiger Männer die Treue betreffend. Ungewöhnlich ist, dass Joan in dem Lied ihren Namen verwendet (Don’t worry Joanie I’ll be a little bit late tonight):


Joan Armatrading: The Devil I Know

Trompeten hört man bei Joan eher selten (Saxophon schon eher – wie im dann folgenden Lied): Guy Barker bläst entspannt und locker und gibt dem Lied die nötige Würze, die mit Klängen von Steeldrums (allerdings aus der Retorte) abgerundet wird.


Joan Armatrading: Living For You

Auf „Did I Make You Up“ erklingt zum ersten Mal das perlende Gitarrenspiel von Mark Knopfler. Joan Armatrading hatte das Lied bereits fertiggeschrieben, aber Knopfler meinte, es könnte noch einige UptempoRiffs, also schnellere, wiederholt kurze Motive, gebrauchen, die dann auch Joans Einverständnis fanden.


Joan Armatrading featuring Mark Knopfler: Did I Make You Up

„Stronger Love“ ist ein langsames Stück, das vom Wechselspiel zwischen Klavier und Saophon lebt. Der Bass klingt hier wieder sehr ‚raumfüllend’.


Joan Armatrading: Stronger Love (hier mit Elton John)

Damals hatte Scheiben noch zwei bespielte Seiten. So endet die erste Seite mit dem Titelstück, ebenfalls einem eher langsamen, sehr schönen Lied – und mit einem verhaltenen Gitarrensolo vom Mark Knopfler. Das Lied wurde ‚inspiriert’ durch einen heftigen Streit zwischen einem Paar, dessen Zeuge Joan Armatrading in einem australischen Restaurant wurde. Außerdem hatte Joan den Artikel in einem Londoner Magazin gelesen, der besagte, dass früher oder später jedes Paar einen Punkt erreicht, den man „the shouting stage“ nennen könnte: es wird gestritten und kann sogar zu Handgreiflichkeiten kommen. Den Titel des Album könnte man also mit „Bühne des Streitens“ übersetzen.


Joan Armatrading featuring Mark Knopfler: The Shouting Stage

Seite zwei beginnt mit „Word“, einem Lied mit Dave Mattacks an der Schießbude. Musikalisch bringt das Lied nicht ganz so viel; ich würde es als einen leichten Rückfall in alte ‚New Wave’-Manier sehen.


Joan Armatrading: Words

„Innocent Request“ (Schlagzeug: Dave Mattacks) ist eher eine Art ‚Lückenfüller’. Die akustische Gitarre ist aber ganz nett. ‚Straight Talk’ lässt es swingen und ist im Stile eines Reggae. Hörenswert auch hier wieder das Saxophon. Es folgt „Watch your Step“, das wieder eine Joan in Höchstform präsentiert, wenn das Lied auch nach meinem Geschmack etwas überarrangiert ist. Pino Palladino darf seinen Bass wieder fretless röhren lassen:


Tribute to Pino Palladino – Joan Armatrading: Watch Your Step – Bassline

Auch auf den beiden letzten Stücken ist Pino Palladino nicht zu überhören. Auf „All A Woman Needs” hören wir zudem noch einmal Dave Mattacks am Schlagzeug. Dieses Lied ist ruhig und melodiös. „Alles, was eine Frau braucht“ entstand nach einem Gespräch mit Freunden beim Abendessen. Einer der Freunde erzählte die Geschichte von einem Mann, der einer Frau, die er besonders mochte, alle Dinge gab, die sie sich wünschte: „Die Liebe kommt später!“.


Joan Armatrading: All A Woman Needs

Es hat Tradition, dass das letzte Stück auf den Scheiben von Joan Armatrading ein langsames ist. So auch hier: „Dark Truths“. Neben Bass und Streichern aus der Retorte bestimmt ein „wohltemperiertes“ Keyboard das kurze Lied:


Joan Armatrading: Dark Truths

Fazit: Joan Armatrading hat mit diesem Album musikalisch wieder etwas mehr zu sich selbst gefunden und dem Zeitgeist abgeschworen. Das mag ihrer Plattenfirma gepasst haben oder nicht (eher: nicht!). Allerdings fehlt mir etwas, was ich die melodiöse Vielfalt nennen möchte, was ihre ersten Alben ausgemacht hat. Stilistisch ist sie weiterhin vielseitig geblieben (vom Pop über Rock, Jazz, Blues und Reggae bis hin zur musikalischen Ballade ist alles vorhanden). Was mich besonders beeindruckt hat, ist die große Palette ihrer Stimme, sowohl im Tonumfang, ganz besonders aber im Ausdruck. Joan Armatradings Lieder sind von Emotionen bestimmt, die sie durch ihre Stimme auf unnachahmliche Weise wiederzugeben versteht. Mit diesem Album hat für mich die dritte Phase ihres Schaffens begonnen (siehe hierzu meinen Beitrag: Joan Armatrading: If Women Ruled The World).

Like an Old Fashioned Waltz: Sandy Denny

Immer wieder werden uns Sängerinnen präsentiert, von deren Gesangskünsten über Gebühr geschwärmt wird. Sicherlich gibt es da einige, die, ohne Namen zu nennen, mit einer außergewöhnlichen sängerischen Begabung gesegnet sind. Oft sind dann aber die Lieder selbst nur Mittelmaß. Wirklich außerordentliche Talente, die außerdem die begnadete Gabe der Komposition und Textdichtung besitzen, gibt es nun einmal nicht so oft, wenigstens nicht so oft, wie es sich die Musikindustrie wünscht und uns glauben machen will.

In diesen Tagen habe ich nun eine dieser wenigen ungewöhnlichen Musikerinnen ‚wiederentdeckt’: Sandy Denny. Es ist inzwischen vierzig Jahre her, dass ich mir zwei ihre wenigen Solo-Alben gekauft habe: Sandy (1972) und Like an Old Fashioned Waltz (1974). Völlig vernachlässigt habe ich Sandy Denny an dieser Stelle zwar nicht, aber eine angemessene Würdigung (nach dieser ‚Wiederentdeckung’) ist endlich fällig.

    Sandy Denny. Photograph: Keith Morris/Redferns

Sandy Dennys Musik reicht von britisch-keltischer Volksmusik über den britischen Folk Rock der 1960er und 1970er Jahre, den sie entscheidend prägte, bis hin zu Eigenkompositionen mit klassischem oder jazzigem Einfluss. Ihre Wurzeln liegen in den Melodien und Texten der britischen Folk-Musik, die sie bereits in der Kindheit begleiteten und die sie selbst auf unvergleichliche Weise interpretierte und zusammen mit ihren Bands in eine zeitgemäße Form brachte. Beeinflusst war Sandy Denny auch durch die amerikanische Folk- und Friedensbewegung.

Nun Sandy Denny wurde leider nicht sehr alt. 1978 starb sie mit gerade einmal 31 Jahren. Im März 1978 war sie während eines Urlaubs in Cornwall von einer Treppe gestürzt. Eine aus dem Unfall resultierende Gehirnblutung führte dann einen Monat später zu ihrem Tod.

Sandy Denny hatte 1973 den früheren Gitarristen ihrer Band ‚Fotheringay’, ihren Freund Trevor Lucas, geheiratet. Im Juli 1977 gebar sie ihre Tochter Georgia. Man kann nur spekulieren, denn laut ihren Mitmusiker und damaligen Freunden galt Sandy Denny als hilfsbereiter und lebensfroher, allerdings trotz ihres Talents doch auch unsicherer Mensch. Ich vermute, dass sie aus welchem Grund auch immer nicht wirklich mit ihrem Leben klar gekommen ist. Dafür spricht u.a., dass sie während der Schwangerschaft weiter getrunken und auch Kokain zu sich genommen hat. Sie galt als ruhelose Seele, die ohne die Anerkennung der Leute um sie herum nicht leben konnte (siehe u.a. theguardian.com).

Vielleicht liegt hier aber auch eine „Ursache“ für ihr außergewöhnliches Talent. Denn es ist nicht nur die Klarheit ihrer Stimme, sondern die bewegende Interpretation ihrer Lieder, die berührt, und in der gesamten britischen Pop- und Folkmusik bis heute als unerreicht gilt. Es sind vielleicht die ungestillten Sehnsüchte, aber auch der Schmerz, der aus ihrer Stimme klingt. Als ich einige ihrer Lieder jetzt nach langer Zeit wiedergehört habe, war ich hingerissen von dieser Stimme, die geradezu „zum Heulen schön“ ist.

Allzu großer Erfolg war Sandy Denny nicht beschieden. Eines ihrer Lieder „Who Knows Where the Time Goes?” wurde durch die Interpretation anderer Sängerinnen wie Judy Collins, Nina Simone und Cat Power erst richtig bekannt. Viele kennen Sandy Denny wahrscheinlich aus ihrer Zeit bei Fairport Convention. Vieler Musiker dieser Band haben sie dann auch beim Einspielen ihrer Soloalben unterstützt. Namen wie Dave Pegg (Bass), Gerry Conway (Schlagzeug), Dave Mattacks (ebenfalls Schlagzeug) und Maartin Allcock (u.a. Gitarre, Keyboards) kennen wir ja auch von meiner ‚Lieblingsgruppe’ her (Jerry Donahue, Gitarre, und nochmals Dave Mattacks, Schlagzeug, haben bekanntlich Joan Armatrading bei einigen Studioaufnahmen geholfen). Wir sehr Sandy Denny bis in heutige Tage verehrt wird, beweist u.a. die schön gemachte Hommage an sie im Internet: sandydenny.org.uk. Hier finden sich auch alle Liedertexte (siehe auch „The Official Sandy Denny Site“).

Natürlich ist die Musik von Sandy Denny immer noch erhältlich. Und bei Youtube gibt es unzählige Videos mit Aufnahmen von ihr. Hier z.B. eine Playlist mit vielen ihrer schönsten Lieder:


Sandy Denny Mix: Like An Old Fashioned Waltz (Playlist)