Kategorie-Archiv: Olympia

Olympische Spiele Turin 2006 – Peking 2008 – Vancouver 2010 – London 2012

Von Rio nach Tokio

Die Olympischen Sommerspiele in Rio sind gestern zu Ende gegangen. Sie waren alles andere als perfekt, aber trotz mancher Last-Minute-Improvisation dann doch gelungen. In vier Jahren geht es nach Tokio – und einen ersten Vorgeschmack haben wir bereits erhalten: in Japans Hauptstadt wird es futuristisch zugehen. Mehr Transparenz, mehr Nachhaltigkeit ist eingefordert. Mit mehr Bescheidenheit ist es bereits heute schon nichts mehr. Die Kosten explodieren.

Olympische Sommerspiele 2016 in Rio: Abschlussfeier

Natürlich ist Olympia eine große Idee. Gerade auch dort, wo es nicht ums große Geld geht: Der Zauber des Völkerwettbewerbs, höchste Aufmerksamkeit auch für sogenannte Randsportarten. Da fesselt die Bogenschützin Lisa Unruh plötzlich mehr als die Superstars der internationalen Sportszene. Es sind diese besonderen Momente, die Olympia ausmachen.

Dem gegenüber stehen der halbherzige Anti-Doping-Kampf und die Korruption bis in den innersten Machtzirkel des IOC. Und ein Gastgeber wie Brasilien wird finanziell überfordert. Der Steuerzahler trägt die Last. Dieser Betrug an Sportkollegen und an den Fans und Zuschauern – das macht die Idee kaputt.

Viel Lärm um nichts

Für mich ist die Leichtathletik die Krönung der olympischen Spiele, so natürlich auch in Rio. Und mit Gold durch Christoph Harting (68,37 m) und Bronze durch Daniel Jasinski (67,05 m) begann es für die deutschen Athleten auch überraschend gut. Dabei war der Bruder von Christoph Harting, Robert, immerhin mehrfacher Europa- und Weltmeister und Olympiasieger von London 2012, bereits in der Qualifikation durch die Folgen eines Hexenschuss‘ gescheitert. Robert Harting hat sich bisher neben seiner sportlichen Leistung dadurch ausgezeichnet, dass er kein Blatt vor dem Mund nimmt. So kritisierte er besonders den IOC-Präsidenten, Thomas Bach, und bezichtigte diesen, Teil des Doping-Systems zu sein. Ganz anders sein Bruder Christoph, der in Rio gewissermaßen in die Fußstapfen von Robert getreten ist. Christoph ist der introvertierte Typ. Dieser nun allerdings, wir wissen es alle, machte durch ungebührliches Verhalten besonders während der Siegerehrung auf sich aufmerksam. Oje, wie konnte er nur. Später entschuldigte er sich dafür.

Christoph Harting (Gold im Diskuswerfen) pfeift sich einen

Natürlich erntete Christoph Harting viel Kritik für dieses Verhalten. Entrüstung bis zum Shitstorm allerorten. Ich finde das lächerlich. Viel Lärm um nichts. Anstatt sich über die sportliche Meisterleistung zu freuen, wird kritisiert, dass ein 25-jähriger deutscher Olympiasieger bei der Nationalhymne nicht stramm steht mit den Händen an der Hosennaht. Kleinkarierter geht es nicht. Für mich hatte das eher etwas von Monty Python: Nach einigen Faxen verschränkte er die Arme, schunkelte und pfiff zur Nationalhymne. Später meinte er: „Es ist schwer, zur Nationalhymne zu tanzen, habe ich festgestellt.“ Wo er recht hat, da hat er recht. Diesen ganzen Krampf um Nationalhymnen und Flaggenhissen sollte man sich schenken. Und speziell der Medaillenspiegel ist etwas Vorgestriges. Als wenn Nationen Medaillen gewinnen würden. Darum ging es Christoph Harting natürlich nicht. Er war nur noch im ‚Wettkampfmodus‘ und ‚hormon-technisch völlig übersteuert‘. Sei es drum …

Anders als Christoph Harting und den Diskus-Dritten Daniel Jasinski zeigten die weiteren deutschen Leichtathleten bisher mäßige bis schwache Leistungen. Da besonders der frühere Weitsprung-Europameister Sebastian Bayer meinte, auf Harting auf seiner Facebook-Seite einschlagen zu müssen, so möchte ich auf die enttäuschenden Ergebnisse der deutschen Weitspringer hinweisen. So schied Alyn Camara (Leverkusen) mit blamablen 5,16 m sowie zwei ungültigen Versuchen sang- und klanglos aus. Gut fünf Meter bin selbst ich mit 14 Jahren gesprungen. Der Sprung muss also wirklich total in die Hose gegangen sein. Fabian Heinle (Stuttgart) fehlten mit seinen 7,79 m sechs Zentimeter zum Erreichen des Finales.

Bei vielen Sportarten spielt der Kopf eine große Rolle. Ist der nicht frei, dann kann es zu ungewollten Fehlleistungen kommen. Dann bricht man seinen Sprung auch schon einmal bei 5,16 m plötzlich ab. Aber die Häufung von solchen Fehlleistungen in einer Sportart wie der Leichtathletik macht einen dann doch nachdenklich. Da scheint etwas generell schief zu laufen. Und dann bringt einer seine volle Leistung und wird kritisiert, weil er Grimassen zieht und Faxen macht. Vielleicht sollten alle etwas herumkaspern. Wenn’s hilft?

Gold und Silber lieb ich sehr …

…, kann’s auch gut gebrauchen. Nachdem die deutschen Sportler die ersten drei Tage bei den Olympischen Spielen in Rio darben mussten, gab es gestern dann doch endlich die ersten Medaillen. Natürlich in so martialischen Sportarten wie Schießen und Military-Reiten, heute entschärft Vielseitigkeitsreiten genannt.

Michael Jung ohne Sam, aber mit Gold und Silber

Ansonsten gab es für die Deutschen viel Schatten und nur einige Sonne. Während gerade die Mannschaftssportarten wie Handball und Hockey noch in der Spur liegen (beim Fußball ist es bisher eher durchwachsen), musste man bei Sportarten wie Judo und Boxen, teilweise auch beim Rudern, einige herbe Enttäuschungen einstecken. Bemerkenswert, dass auch prominente Sportler bereits ihre Segel streichen mussten: Im Tennis sind die Weltrandlistenersten Novak Djokovic und Serena Williams bereits sowohl im Einzel als auch Doppel ausgeschieden. Und Neymar tut sich mit der brasilianischen Fußballmannschaft auch äußerst schwer. Kein Wunder, wenn die gesamte Golf- und Boxprominenz (allen voran Wladimir Klitschko, ja, auch der hätte antreten können) nicht an den Start gegangen ist. Man kann sich mehr blamieren als Ehre kassieren.

Alle gegen eine, so hieß es im Endlauf über 100 m Brustschwimmen. Dass die russische Dopingsünderin Julija Jefimowa ‚nur‘ Silber gewann, war für viele Sportler und Zuschauer eigentlich schon fast zu viel des Guten. Immerhin kein Gold! Ansonsten nichts wirklich Neues von der Dopingfront.

Statt sich in miefigen Stadien und Sporthallen herumzutreiben, empfehle ich einen Abstecher an den Strand von Copacabana – und wenn nicht in natura, so doch wenigstens virtuell:


Praia de Copacabana

Es ist sicherlich nicht nur die Zeitverschiebung von immerhin fünf Stunden, die mich abhält, einen ausführlicheren Blick auf die sportlichen Geschehnisse von Rio zu werfen. Der ganze Rummel ist mir einfach zu viel geworden. Vom Doping und dem ganzen Gemauschel ganz zu schweigen. Da lacht dann aber doch mein Herz, wenn es zu kleinen oder gar größeren Pannen kommt, wie z.B. beim Hockeyspiel der deutschen Herrenmannschaft gegen Irland, als durch einen Stromausfall die deutsche Nationalhymne nicht vom Band abgespielt werden konnte. So sangen die Spieler a cappella, wenn nicht schön, dann wenigstens laut. Und auf geradezu mysteriöse Art und Weise verfärbte sich das Wasser des Wasserbeckens der Turmspringer über Nacht ins Grüne. Die Organisatoren standen zunächst vor einem Rätsel, schlossen aber eine gesundheitliche Gefährdung aus. „Die Wasserqualität ist getestet worden. Es gibt keine Risiken“, teilte das Organisations-Komitee mit. Laut Angaben des Weltverbandes FINA könnte ein defekter Wasserfilter Ursache sein. Die Britin Tonia Couch sagte nach dem Einspringen, das Wasser sei so grün, sie habe nach dem Eintauchen ihre Sprungpartnerin Lois Toulson nicht mehr sehen können. Die Wasseroberfläche hat sie dann aber wohl doch gefunden.

Synchroner Turmsprung ins Grüne

Worte zum Wochenende (31. KW 2016)

Ey, wie die Zeit vergeht. Nicht ist schon mein Sommerurlaub hinter mich gebracht, nein auch der Juli hat sich verabschiedet. Wenigstens ist wieder Wochenende. Und heute Nacht starten in Rio die Spiele der XXXI. Olympiade, wie es so schön offiziell heißt. Und diese kündigten sich schon längere Zeit mit großen Paukenschlägen an.

Worte zum Wochenende (31. KW 2016 – WilliZBlog)

Da geht in Brasilien das Zika-Virus um, das durch Stechmücken übertragen wird, und dient manchem Golfsportler als Ausrede, nicht an den Spielen teilzunehmen, weil das olympische Turnier sportlich wie finanziell nicht reizvoll genug ist. Dabei sein ist eben nicht jedem alles!

Und mit einer suspendierten Präsidentin macht Brasilien nur wenig Staat, wobei die Frage erlaubt sei, wer denn nun Schirmherr resp. Schirmherrin (Schirmfrau?) der olympischen Veranstaltung wird: Der Übergangspräsident oder dann vielleicht doch Frau Dilma Rousseff? Uns kann es ziemlich egal sein.

Dass der brasilianische Steuerzahler bereits mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 gehörig über den Tisch gezogen wurde, weiß inzwischen jeder. Und dass mit der Olympiade weitere Kosten entstanden sind, die allein Brasilien zu begleichen hat, den Reibach dagegen andere machen, lässt sich daraus schließen. So gibt es Proteste auf den Straßen. Dabei hatte die Polizei Menschen festgenommen, die Wasserkübel in Richtung olympische Fackel geworfen hatten.

Olympia 2016 in Rio … fällt aus wg. Doping

An erster Stell der Tagesordnung steht allerdings vorerst das Thema Doping, wenn’s auch einige gibt, die es gern unter den Tisch kehren möchten. Natürlich wird gesagt: Kein Problem, es gibt Dopingkontrollen genug und dabei wird darauf geachtet werden, dass kein Schmu geschieht. Und die Sünder, die werden schon ihre gerechte Strafe bekommen. Was ist aber mit den Dopingsündern, die bereits auffällig geworden sind, die Z.B. von Staats wegen gedopt wurden? Was ist mit dem McLaren-Report, demnach das russische Sportministerium, der russische Geheimdienst und Moskauer Laboratorien vertuscht haben, was nur zu vertuschen ging.

Statt ein Exempel zu statuieren und die gesamte russische Mannschaft auszuschließen, eiert der IOC samt ihrem Präsidenten, den Putin-Freund Thomas Bach, nur herum und entscheidet sich letztendlich gegen Russlands Olympia-Aus. Den schwarzen Putin Peter schiebt man kurzerhand den einzelnen Sportverbänden zu. Die sollen entscheiden, wer teilnehmen darf und wer nicht. So hatte der Welt-Leichtathletik-Verband IAAF den russischen Leichtathletik-Verband RUSAF bereits am 13. November 2015 wegen flächendeckenden Dopings gesperrt, was dann durch den internationalen Sportgerichtshof CAS am 21.07.2016 in Lausanne bestätigt wurde. In diesen Tagen nachgezogen sind dann die Weltverbände der Gewichtheber, Schwimmer und Ruderer, die zumindest die meisten der russischen Athleten sperrten. Inzwischen dürfte knapp jeder dritte der russischen Mannschaft gesperrt sein.

Das IOC wäre besser beraten gewesen, vergleichbar zu Kuwait (auch wenn es dort nicht um Staatsdoping ging) zu agieren: Ausschluss Russlands mit Begründung der politischen Einflussnahme, Start russischer Athleten unter olympischer Flagge auf Einzelantrag und Einzelprüfverfahren. Das wäre ein klares Signal kontra Doping gewesen. Aber so?

Fragt sich grundsätzlich: Ist dem Doping im Sport noch beizukommen? Ich fürchte: Nein! Alle großen Sportveranstaltungen von Fußball-Welt- und Europameisterschaften bis hin zu Olympischen Spielen sind kommerziell ausgelegt. Da geht es um viel Geld für Sportler, Funktionäre, Verbände und global operierende Firmen. Jeder will sein Stück vom Kuchen. Und da der verehrte Kunde, der Zuschauer, möglichst tolle Leistungen sehen will (Schneller, höher, weiter …), so tut man alles, um ihn zufrieden zu stellen. Geld stinkt bekanntlich nicht und kennt keine Moral. Da ist jedes Mittel recht. Also auch Doping!

siehe auch:
Worte zum Wochenende (20. KW 2016)
Worte zum Wochenende (23. KW 2016)
Worte zum Wochenende (25. KW 2016)
Worte zum Wochenende (26. KW 2016)

Ein Energieriegel zuviel …

Heute schon sind die Olympischen Winterspiele von Sotschi der Schnee von gestern:

    Putins Spiele: die XXII. Olympischen Winterspiele in Sotschi/Russland

Wie bereits befürchtet, so gestaltete sich die zweite Woche nicht mehr allzu erfolgversprechend, im Gegenteil: Es gesellten sich jede Menge Pleiten, Pech und Pannen hinzu. Es ging so „ziemlich alles schief, was nur schiefgehen konnte. Ein bereits vor Sotschi verunfallter Skistar, unglückliche Stürze auf der Zielgeraden, Defekte am Material, um Wimpernschläge verpasste Bronzemedaillen, verstopfte Gewehrläufe – und zu guter Letzt, sozusagen als finaler Stimmungstöter, eine üble Dopingaffäre um das ehemalige ‚Glamour Girl’ des deutschen nordischen Skisports Evi Sachenbacher-Stehle, die auch nach Olympia noch lange nachwirken wird. Die zweite Woche – aus deutscher Sicht ein Debakel.“ (Quelle: ard.br.de)

    Tim Tscharnke (L) und Hannes Dotzler im Ziel | Bild: dpa Bildfunk dpa Kay Nietfeld

Ja, da hatte die gute Evi wohl einen Energieriegel zuviel zu sich genommen. Und ihr vierte Platz beim Biathlon-Massenstart der Frauen, die beste Platzierung der Frauen in dieser Sportart, war dahin. Immerhin konnten die Männer noch mit zwei Silber-Medaillen aufwarten. Ansonsten: Leerlauf im Biathlon!


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Olympiapark Sotschi („Küsten-Region“) in Adler

Leerlauf auch bei den Bobfahrern. Einst eine Paradedisziplin der Deutschen avancierte dieser Sport zum Debakel. Da hätte man doch lieber die alten Geräte hervorgeholt. Jetzt werden einige der alten Damen und Herren in den wohlverdienten Ruhestand gehen (müssen).

Ansonsten auch nur viel Mittelmaß. Lediglich die Rodler wurden ihrer Favoritenrolle vollends gerecht. Ihre Vorrangstellung ist nur noch mit den Eisschnelllaufspezies der Niederlande vergleichbar. Bei den anderen Medaillengewinnen spielte viel Glück und Versagen der Konkurrenz (z.B. Skispringen der Frauen) eine Rolle.

Ach, und dann noch die Freestyler und Snowboarder. Ich frage mich schon, was solche Have-Fun-Sportarten bei Olympia zu suchen haben. Reiner Skizirkus! Wohl ambitioniert war man nach Sotschi gereist. Zurück in die Heimat geht’s mit nur zwei Medaillen. Die Verantwortlichen befürchten eine Kürzung der Gelder – bevor die Förderung richtig begonnen hat. Viel Fun, wenig Money!

Immerhin kamen am Ende doch noch 19 statt der erwarteten 30 Medaillen zusammen – und ein Platz sechs im Medaillenspiegel, der Nationenwertung. Die Winterspiele 2014 sind zu Ende. Und es bleibt die Frage, ob die Fördermittel für deutsche Athleten vielleicht nicht im Breitensport besser untergebracht wären.

Winterolympische Randnotizen

Schon gehen die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi dem Ende entgegen. Nach 67 von 98 Entscheidungen führt im Medaillenspiegel das deutsche Team knapp vor Norwegen und den Niederlanden, die besonders im Eisschnelllauf wie selten zuvor dominieren. Aber bis zum Sonntag wird sich da sicherlich noch einiges ändern. Hier einige Randnotizen zum bisherigen Geschehen.

    Putins Spiele: die XXII. Olympischen Winterspiele in Sotschi/Russland

Ja, gegen dichten Nebel ist selbst Putin machtlos. Da musste u.a. im Biathlon der so genannte Massenstart der Männer über 15 km mehrmals abgesagt werden. Aber gegen Ruhestörer wie die Pussy-Riot-Mitglieder Tolokonnikowa und Aljochina samt dem Menschenrechtler Semjon Simonow gibt’s ja die Polizei. Diese und mindestens sieben weitere Aktivisten sind in den vergangenen Tagen in Sotschi bereits mehrfach festgenommen worden. „Am 16. Februar wurden wir für sieben Stunden festgehalten, und am 17. waren wir zehn Stunden beim Inlandsgeheimdienst FSB“, sagte Aljochina.

Nach eigenen Angaben wurde den beiden Frauen Diebstahl im Hotel vorgeworfen. Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des Innenministeriums sagte Moskauer Medien zufolge, die Frauen hätten „gegen Meldeauflagen verstoßen“. Die Aktivistinnen sagten, sie hätten sich zum Zeitpunkt ihrer Festnahme nicht an Protestkundgebungen beteiligt. Die Polizei gab zunächst keinen Kommentar.

Inzwischen sind die beiden Pussy-Riot-Mitglieder wohl wieder auf freiem Fuß.

Den Plan, mindestens 30 Medaillen in Sotschi zu holen, hat die deutsche Delegation schon früh aufgeben müssen (inzwischen sind es gerade einmal die Hälfte). Sicherlich liegt es nicht nur an den Pleiten im Eisschnelllauf, Bobfahren und auch im Biathlon (immerhin erhofft man sich nun doch noch die eine oder andere Medaille, z.B. im 5000-m-Eisschnelllauf der Frauen heute ab 14 Uhr 30 – im Viererbob am Wochenende – oder in den Mannschaftswettbewerben im Biathlon, z.B. heute in der Mixed Staffel ab 15 Uhr 30). Besonders über die Leistung der Bobfahrer muss man geradezu erstaunt sein. Bei denen stimmt so gut wie nichts: die Startzeiten sind schlecht. Ungewöhnlich viele Fahrfehler kommen hinzu. Und auch das Material, also die Bobs selbst, soll nicht das Beste sein.

Es kommen einige Krankheitsfälle hinzu, die die Medaillenausbeute schrumpfen lassen. In der nordischen Kombination startete zwar gestern im Großschanzenwettbewerb der Normalschanzen-Olympiasieger Eric Frenzel. Trotz der Führung nach dem Skispringen war er durch eine Viruserkrankung doch stark geschwächt. So ließ er zunächst die Konkurrenz im 10-km-Langlauf auflaufen und musste vor dem Ziel abreißen lassen. Zwar ging damit das taktische Konzept auf, die in Lauerstellung verharrenden weiteren drei deutschen Sportler ebenfalls in die Führungsgruppe auflaufen zu lassen. Aber dann waren diese selbst so dusselig und behinderten sich kurz vor dem Ziel gegenseitig. Die beiden Norweger, die den Sieg unter sich ausmachen durften, wird’s gefreut haben.

    Sotschi 2014: dusselige deutsche Nordisch-Kombinierer behindern sich gegenseitig

Beim Riesenslalom verzichtete gestern Maria Höfl-Riesch wegen einer Erkältung auf ihren Start. Aber dafür fuhr immerhin Viktoria Rebensburg nach einem fulminanten zweiten Durchgang aufs Treppchen (Bronze).

Heute nun ist Felix Neureuther an den Start im Riesenslalom der Männer gegangen. Nach einem Autounfall litt er an einem Schleudertrauma. Nach der ersten der beiden Durchgänge liegt er nur auf Platz acht, allerdings noch in der Nähe des Silber- bzw. Bronze-Ranges. Der US-Amerikaner Ted Ligity, übrigens ein guter Freund Neureuthers, führt mit großem Abstand. Warten wir den 2. Durchgang, der um 11 Uhr 30 gestartet wird, ab. So oder so ist Neureuther beeinträchtigt.

Was wären die olympischen Spiele ohne die Exoten. Da wagen sich manche bessere Freizeitsportler auf Pisten und Bahnen, bei denen man als Zuschauer um deren Gesundheit fürchten muss. Zwei Namen stehen hier repräsentativ für all die Athleten aus Ländern, die wahrscheinlich noch nie oder sehr selten Schnee gesehen haben. Neben den Bobpiloten aus Jamaica sind das jener Bruno Banani vom Inselstaat Tonga, der eigentlich Fuahea Semi heißt (der Rest ist mehr oder weniger ein Werbegag) und immerhin Platz 32 (von 39) im Rennrodeln erreichte – und Vanessa-Mae. Ja, genau die: Neben Nigel Kennedy und David Garrett ist sie die bekannteste Violinistin, die zwischen Klassik und Rock für Crossover-Musik steht. Sie startet für Thailand unter dem Namen ihrer Vaters als Vanessa Vanakorn im Riesenslalom und Slalom – wurde gestern im Riesenslalom allerdings nur 67. und damit letzte der Läuferinnen, die in beiden Durchläufe das Ziel erreichten. Ihre Geige hatte sie übrigens nicht dabei.

Nachtrag: Felix Neureuther kann sich leider nicht verbessern und bleibt auch nach dem 2. Durchgang auf Platz 8. Das noch etwas zu reißen war, zeigte der Franzose Steve Missillier, der von Platz 10 auf den Silber-Platz vorfuhr. Der Vorsprung von Ted Ligety, der Olympiasieger wurde, schmolz doch bedenklich …

Jetzt sind die Sportler am Zuge

Der Altkanzler Gerhard Schröder bezeichnet die Berichterstattung der Medien zu Sotschi als einseitig. Russlands Präsident Putin lobte er für die gute Vorbereitung der Olympischen Spiele.

„Einst hatte er Russlands Präsidenten Wladimir Putin als ‚lupenreinen Demokraten’ bezeichnet, nun kann Altkanzler Gerhard Schröder auch den Winterspielen in Sotschi nur Gutes abgewinnen. ‚Es ist eine tolle Situation’, sagt er im Interview mit dem Sport-Informationsdienst sid. Die Kritik in Deutschland an dem Sportereignis kann er nicht nachvollziehen. ‚Die Berichterstattung, speziell bei uns, ist reichlich unfair’, sagte er. ‚Das ist ideologisch geprägt und nur sehr selten unvoreingenommen. Da sollten einige, die so berichten, mal neu nachdenken.’“ (Quelle: spiegel.de)

Wir kennen Schröders saloppe, etwas verquere Redeweise. Und sein Engagement als Aufsichtsratsvorsitzender der Nord Stream AG (Ostsee-Pipeline) und damit für Gazprom, das weltweit größte Erdgasförderunternehmen aus Russland, kennen wir auch. Und wiederum damit seine freundschaftlichen Beziehungen zu Putin.

    Putins Spiele: die XXII. Olympischen Winterspiele in Sotschi/Russland

Damit wischt Gerhard Schröder in seiner Blauäugigkeit allerdings kaum die berechtigten Kritiken an Putins Spielen vom Tisch. Es wird zukünftig an den obersten Funktionären des IOC liegen, unter welchen Voraussetzungen olympische Spiele vergeben werden. Allerdings traue ich da dem neuen IOC-Präsidenten Thomas Bach kaum eine Neuausrichtung zu. Autokratisch bzw. totalitär regierte Länder werden sich auch weiterhin um die Ausrichtung von sportlichen Großereignissen bemühen, bei denen die Finanzierung keine Rolle spielt und auch IOC oder beim Fußball die FIFA auf ihre Kosten kommen.

Genug geklagt. Jetzt sind die Sportler am Zuge, auch wenn ich sie weiterhin ‚zwischen den Fronten’, gewissermaßen in Geiselhaft der Veranstalter (Putin einerseits, das IOC andererseits), sehe.

Eins schon vorweg: Bisher, da hat Gerhard Schröder wohl Recht, ist die Stimmung gut in Sotschi und der Schneeregion Krasnaja Poljana. Die Bedingungen sind bisher bestens, das Wetter spielt mit – und die Bewohner der Austragungsorte sind freundlich und zuvorkommend. Die Sportler selbst sind es, die für die nötige Stimmung sorgen. Gänsehautfeeling eingeschlossen. Und das ist auch gut so.

Trotzdem haben auch diese Olympischen Spiele weiterhin einen faden Beigeschmack für mich, auch wenn ich mich zu einem Boykott – rein persönlich (wie 2008 bei den Sommerspielen in Peking) nicht hinreißen will. Der Sport, vor allem die Sportler stehen im Mittelpunkt, ohne dass man – ich wiederhole mich – die politischen Hintergründe vernachlässigen darf.

In den Social Media des Internet wie Twitter, Facebook oder Google+ versehen die teilnehmenden Mitglieder ihre Beiträge oft mit so genannten Hashtags (Hash ist das Zeichen #, Tag ist eine Art Stichwort) wie #Sotschi2014, #Sochi2014 (englische Schreibeweise des Olympiaorts) oder #WirfuerD (D steht für Deutschland). Ich will da keinen übertriebenen Nationalismus unterstellen oder sogar Chauvinismus. Aber ich finde diesen Hashtag eher unglücklich gewählt, auch wenn mannschaftliche Geschlossenheit (‚Wir’) z.B. beim Eishockey wünschenswert ist. Ansonsten, so denke ich, sind gerade auch Wintersportler eher Individualisten. Dieses „Wir für Deutschland“ wird zudem von manchen Sportler(n/innen) ad absurdum geführt, wie bei den Auseinandersetzungen („Zickenalarm!“) bei den Rodlerinnen oder Eisschnellläuferinnen. Wer mag diesen Tag nur eingeführt haben?

Nun nach weniger als einer Woche führt die deutsche Mannschaft den Medaillenspiegel (nach 32 von 98 Entscheidungen) mit sechsmal Gold, einmal Silber und Bronze an. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen man darüber diskutiert hatte, ob ein solcher Medaillenspiegel überhaupt noch Sinn macht, vor allem wenn erst einmal nach der Anzahl der Goldmedaillen gruppiert wird. In manchem Medium gliederte man damals auch gern nach Anzahl der Gesamtmedaillen. Heute scheint das keinen mehr zu jucken. Da passt dann dieses „Wir für Deutschland“ (a la „Wir sind Papst!“) auch wieder bestens.

Trotz oder gerade wegen der bisher guten Leistung einiger deutschen Athleten hagelt es inzwischen auch harsche Kritik. Das Ziel, insgesamt 30 Medaillen (schon wieder diese runden metallenen Dinger) aus Sotschi nach Deutschland ‚heimzuholen’, sieht man jetzt schon verfehlt. Besonders bei den Biathleten läuft (und schießt) nichts nach Wunsch. Sicherlich sind wir von früher her (z.B. durch die Erfolge einer Magdalena Neuner) verwöhnt. Aber es grenzt schon an Arbeitsverweigerung, was da bisher geboten wurde. Vielleicht wird ja heute etwas?! Auch von den Leistungen der Eisschnellläufer muss man enttäuscht sein. Curling mit viel Pech? Und dann gibt es noch einige andere Sportler, die deutlich hinter ihren bisherigen Leistungen hinterherhinken.

Natürlich fragt man sich, warum so viele Sportler beim für sie wichtigsten Sportereignis plötzlich dermaßen einknicken. Die Nerven allein können es nicht sein, oder? Vielleicht sollten sie dieses „Wir für Deutschland!“ noch etwas mehr verinnerlichen …?!

Ich weiß, es ist gut meckern. Ein Sportler, der sein sich selbst gesetztes Ziel um Längen verfehlt hat, wird erst einmal untröstlich sein. Da interessiert kein „Wir für Deutschland!“, da steht er allein da mit seinem Unglück. Niemand ist enttäuschter als der Athlet selbst. Und dann muss er auch noch dusselige Fragen der Reporter beantworten. Außerdem ist sogar zu befürchten, dass dieses „Wir für Deutschland!“ zum Fluch wird, denn hinter diesem Sprüchlein stecken quasi die Gelder der Sporthilfe, die schneller versiegen als man sie zum Sprudeln bringt.

Aber noch ist ja nicht aller Tage in Sotschi Abend. Drücken wir den Sportlern die Daumen. Bekanntlich soll aber der Bessere (bzw. die Bessere) gewinnen …

Putins Spiele

Was gibt es Absurderes als eine Fußball-Weltmeisterschaft in einem Wüstenstaat wie Katar oder olympische Winterspiele in einem Sommerbadeort wie heute mit den Eröffnungsfeierlichkeiten (17 Uhr 14 MEZ, 20 Uhr 14 Ortszeit) beginnend in Sotschi am Schwarzen Meer. Höchstens noch eine Sommerolympiade auf dem Mond …

Wenn’s denn nur die klimatischen Verhältnisse wären … Es geht vor allem um Menschenrechtsverletzungen und ausgebeutete Arbeiter sowie im Zusammenhang mit den Winterspielen in Sotschi um Umweltzerstörung, exorbitante Kosten, gigantische Sicherheitsvorkehrungen und unfertige Hotels.

    Putins Spiele: die XXII. Olympischen Winterspiele in Sotschi/Russland

Die Herren des Weltfußballverbandes FIFA oder die des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) scheint das alles nicht weiter zu kratzen. Im Gegenteil: Man hat eine Vorliebe für autokratisch geführte Länder wie Russland. Man begegnet sich schließlich mit Herrn Putin ‚auf Augenhöhe’. Und Probleme, welcher Art auch immer, werden vor Ort von den Sicherheitskräften ‚gelöst’.

Die Winterspiele in Sotschi werden schon länger als Putins Spiele bezeichnet. Der russische Präsident hat nicht nur höchstpersönlich den Badeort als Austragungsstätte auserkoren, er hat sich bis zuletzt in alle wichtige Fragen zu Sotschi eingemischt. Sotschi, das ist Putins Prestige-Projekt.

Strafbank? Putin (Владимир Владимирович Путин) spielt Eishockey
Putin (Владимир Владимирович Путин) spielt Eishockey

Teamplayer und alte Kumpel: Autokrat Putin und Europas letzter Diktator Lukaschenko in einem Eishockey-Team (Путин и Лукашенко)
Teamplayer und alte Kumpel: Autokrat Putin und Europas letzter Diktator Lukaschenko in einem Eishockey-Team (Путин и Лукашенко)

Kundigen Kritikern, Ex-Politikern und ermittelnden Behörden zufolge ist das Kernproblem der gigantischen Kosten von gut 50 Milliarden Dollar jedoch der verschwundene Teil des Geldsegens. Was den Verdacht nährt, dass das Projekt so gewaltig ausfallen musste, damit es genügend abwirft für die beteiligten Kräfte. So schaffte es das ehrbare russische IOC-Mitglied Shamil Tarpischew, im Handumdrehen vom Tennistrainer Boris Jelzins über den Chefposten im nationalen Sportfonds zum Milliardär aufzusteigen (Quelle u.a. Sueddeutsche.de)

Und dann wäre da noch das Problem mit dem Doping. Kommt es eigentlich überraschend, dass wieder eine russische Biathletin wie Irina Starych wenige Tage vor den Spielen des Dopings überführt wurde? Aber es kommt noch schlimmer: So bot ein international renommierte Mitarbeiter der Russischen Akademie der Wissenschaften mit Sitz in Moskau einen verdeckt arbeitenden Reportern das Molekül Full Size MGF zum Kauf an, das in seiner Einrichtung im staatlichen Auftrag wegen seiner pharmakologischen Wirkung erforscht wird. „Das Mittel wirkt im Muskel doppelt so stark wie ein herkömmlicher Wachstumsfaktor und kann von keinem Dopingfahnder aufgespürt werden“, bewarb der Wissenschaftler das Mittel (Quelle: sportschau.de). Kann man da anders, als Russlands Dopingbekämpfung in Frage stellen? Und welchen Einfluss haben höhere Stellen auf diese ‚pharmakologische’ Forschung?

Sport hat auch immer etwas mit Politik zu tun, besonders solche Großveranstaltungen wie Fußball-WM oder die Olympischen Spiele. Den veranstaltenden Staaten dienen diese zur Imagepflege (besonders, wenn das Image angeschlagen ist). Für die globalen Sportverbände (FIFA, IOC) sind sie zudem sprudelnde Einnahmequellen (es fragt sich, wohin manch große Summe der Gelder fließt). Mit Sport hat das am Ende nur noch wenig zu tun.

Wer nun denkt, unter dem neuen IOC-Präsident Thomas Bach würde alles besser werden, dürfte sich getäuscht sehen. Der sieht alles schön und sieht nirgends ein Problem. Okay, es sind seine ersten Spiele als IOC-Präsident, da muss man sich selbst Mut machen und betrachtet dann das, was auf einen zukommt, gern durch die rosarote Brille. Aber was kommt dann, Herr Bach?

London Calling (12): Paralympics 2012

Zunächst muss ich mich entschuldigen. Während ich die Olympischen Spiele 2012 in London an dieser Stelle hinreichend würdigte, so habe ich die Paralympischen Spiele, die Olympischen Spiele für Sportler mit Behinderung, völlig vernachlässigt. Dabei waren die Paralympics, wie sie London bis zum Wochenende erlebt hat, ganz außerordentliche Spiele mit großartigem Sport und einem phantastischen Publikum.

    XIV. Paralympische Spiele 2012 in London

Zum ersten Mal wurden in London die Olympischen Sommerspiele und die Paralympischen Spiele von Anfang an gemeinsam geplant. Und so entwickelten sich auch die Paralympics zu Spielen der Superlative mit ausverkauften Stadien, tollen Athleten mit herausragenden Leistungen und einer hervorragenden Organisation. Es nahmen 4452 Sportler aus 164 Nationen teil, die bislang größte Athletenanzahl bei den Paralympics; 16 Nationen waren erstmals vertreten.

Besonders das Publikum ist erwähnenswert, das gegenüber den behinderten Sportlern unverkrampft und aufgrund der ungewöhnlichen Leistungen wohl auch äußerst erstaunt war. Fast mehr noch als bei den ‚normalen’ Sportlern wurden die Paralympioniken angefeuert.

Auch mein jüngerer Sohn war fasziniert von den Leistungen. Er selbst hatte vor Jahren einmal in der Schule im Rahmen einer Projektwoche an der AG Rollstuhlbasketball teilgenommen. Und was mich erfreut hat ist, dass auch Länder wie die Fidschi-Inseln einen Sieger stellen können.

Am Sonntag nun gingen diese XIV. Paralympischen Sommerspiele mit der Schlussfeier zu Ende. Die deutsche Mannschaft holte insgesamt 66 Medaillen. Für mich erstaunlich ist eigentlich das sehr gute Abschneiden von Staaten, die von eher totalitären Regimes regiert werden wie China, Russland, die Ukraine und der Iran. Auf jeden Fall können wir hier in Deutschland einiges aus London, was den Umgang mit Behinderten betrifft, lernen.

Übrigens war der südafrikanische Sprinter Oscar Pistorius der erster beidseitig amputierte Athlet, der auch bei Olympischen Sommerspielen – 2012 in London in der 4-mal-400-Meter-Staffel – startete.

London Calling (11): Bolt macht den Unterschied

Am Sonntag endeten die XXX. Olympischen Sommerspiele 2012 in London mit der Schlussfeier. Die nächsten ‚Spiele’ finden in vier Jahren in Rio de Janeiro statt. Sowohl aus organisatorischer wie aus sportlicher Sicht waren die Spiele in London ein großer Erfolg. Lediglich die Londoner U-Bahn (Underground oder Tube wie die Engländer sagen) hatte ihre Probleme.

Auch die deutsche Mannschaft kann mit den erbrachten Leistungen zufrieden sein. Einige größere Enttäuschungen (Schwimmen, Sportschießen) wurden durch überraschende Medaillengewinne ‚ausgeglichen’. Am Samstag gab es noch einmal Gold für die Hockeyherren und Silber für Sabine Spitz im Cross Country der Mountainbiker.

    Olympia London 2012

Einer der Höhepunkte waren die Läufe des Usain Bolt, dem schnellsten Menschen aller Zeiten. Im 4×100 m-Staffelrennen siegten die Jamaikaner mit Bolt als Schlussläufer in neuer Weltrekordzeit von 36:85 Sek.; bedenkt man dabei die ‚Sicherheitswechsel’ der Läufer, dann sieht man, dass noch reichlich Potential für eine Steigerung dieser Rekordzeit vorhanden ist. Bis zum letzten Wechsel konnten die US-amerikanischen Läufer mithalten, dann setzte sich Usain Bolt aber unnachahmlich an die Spitze: Bolt macht eben den Unterschied aus.

Skandale hielten sich in Grenzen, Fehlentscheidungen auch. Allerdings hat das IOC der Kugelstoß-Olympiasiegerin Nadeschda Ostaptschuk aus Weißrussland wegen Dopings die Goldmedaille aberkannt. Die 31-Jährige sei während der Spiele in London bei zwei Proben positiv auf das anabole Steroid Methenolon getestet worden.

Was Doping anbelangt stehen die Gewichtheber weiter im Fokus. Dort ‚regiert’ seit fast 40 Jahren der Ungar Tamas Ajan an der internationalen Verbandsspitze, den man auch gern den Pillen-King nennt und der einige Euro, die der Verband der Gewichtheber bekommen hat, in seine eigenen Taschen verschwinden ließ. Vielleicht sollte man das Gewichtheben aus dem olympischen Programm streichen. Andere Sportarten würden gern die Lücke schließen.

Hier noch einmal die Ausbeute der deutschen Mannschaft in einer Übersicht

London Calling (10): Churchills späte Rache

Es ist nichts Neues, wenn Schieds- oder Kampfrichter falsch entscheiden. Im Fußball sind manche Spiele durch Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern entschieden worden. Das bekannteste Beispiel ist das Wembley-Tor von 1966 im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft. Daher haben viele Sportarten den Videobeweis eingeführt.

Auch bei den Olympischen Sommerspiele 2012 in London haben Schieds- und Kampfrichter die eine oder andere Fehlentscheidung getroffen – gottlob wurden viele schnell korrigiert oder waren am Ende nicht entscheidend über die Platzierung.

Heute sind viele Sportarten ohne elektronische Zeit- und Weitenmessung nicht denkbar. Bekanntlich kann aber auch Technik versagen. So geschehen gestern beim Hammerwurf der Frauen, als im 5. Versuch die deutsche Hammerwerferin Betty Heidler den Fernsehbildern zu Folge weit über die 75 m-Marke geworfen hatte, die Anzeige nach vielem Hin und Her aber nur eine Weite von 72,34 m anzeigte: Fehler in der elektronischen Weitenmessung. Na toll! Und was nun? Das Reglement sieht in einem solchen Fall eine Wiederholung des Versuchs vor. Das kann es aber doch nicht sein, oder? 1968 bei der Olympiade in Mexiko Stadt sprang der Amerikaner Bob Beamon die damals nicht für möglich gehaltene Weite von 8,90 m. Die damals benutzten Hilfsmittel zur Weitenmessung konnten diesen Sprung nicht mehr erfassen. Was half war ein Maßband. Man stelle sich vor, dieser „Sprung ins 21. Jahrhundert“ hätte nicht gezählt und Beamon hätte dafür ein weiteres Mal springen dürfen … Es dauerte dann über eine halbe Stunde, bis auch die Kampfrichter in London das gute altbewährte Maßband hervorholten. Bei der Nachmessung mit einem Maßband stellte sich heraus, dass Heidlers Wurf bei 77,12 m gelandet: Bronzemedaille!

Hammerwerferin Betty Heidlers Kampf mit den Kampfrichtern

Dass Kampfrichter auch in anderen Fällen (trotz Elektronik) Fehler begehen, zeigte sich z.B. im Fall der Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf. Ähnlich wie im Fall von Montezumas Rache, benannt nach dem Herrscher über das Reich der Azteken von 1502 bis zu seinem Tod 1520, der gegen die weißen Eroberer einen Fluch ausgesprochen haben soll, die sich heute als Durchfallerkrankung noch ‚erhalten’ haben soll, scheint es eine verspätete Rache des Winston Churchill zu sein, die die Kampfrichter deutsche Sportler zu benachteiligen trachtet.

    Olympia London 2012

Was übrigens die fehlerhafte Elektronik betrifft, so munkelt man in London, dass z.B. die Schutzwesten beim Taekwando, die signalisieren, ob ein Kick (Treffer) gelandet wurde, unterschiedlich reagieren sollen. Mancher Treffer war nach meiner Meinung einen Punkt wert, wurde aber nicht angezeigt.

Nun gestern gab es neben Bronze durch Betty Heidler auch noch Silber (Björn Otto) und Bronze (Raphael Holzdeppe) im Stabhochsprung der Männer nach einem wirklich spannenden Endkampf. Und Bronze verdiente sich dann noch Helena Fromm im bereits angesprochenem Taekwando der Frauen bis 67 kg. Thomas Lurz war es dann, der auf der Schwimm-Marathon-Strecke von 10 km Silber gewann und damit die Schwimmer wenigstens vor einer vollständigen Blamage bewahrte.

Übrigens: Wirklich witzig finde ich, wie ein kleiner Geschäftsmann die unsäglichen Marken- oder Namensrechtsansprüche ausgehebelt hat, die im Zusammenhang mit der Olympiade in London bestehen. Er kreierte quadratische Ringe und betitelte die Spiele als Lodnon 2102 Oimplycs. Die T-Shirts haben sich zu einem echten Renner gemausert.

Heute und morgen noch, dann sich auch diese 30. Olympischen Spiele Geschichte. Einige Medaillenhoffnungen gibt es ja noch für das deutsche Team, u.a. kämpfen die deutschen Hockey-Herren heute Abend ab 21 Uhr um Gold. Also Däumchen drücken!