Kategorie-Archiv: Sport ist Mord

Sport ist Mord, oder?

Der ‚runde‘ Wahnsinn

Geld regiert die Welt. Längst auch die Fußballwelt. Die Spieler im Profigeschäft werden an Marktwerten bemessen, die horrende Höhen erreicht haben. So genannte Ablösesumme erreichen Höchstwerte, die ins Unermessliche zu steigen scheinen. Es werden Gehälter gezahlt, die kaum der Leistung, die dafür erbracht wird, entsprechen.

So trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Es gibt wenige große Vereine in Europa, die bei diesem Höhenrausch mithalten können. Und viele kleine Vereine in den ersten Ligen, die sich mühselig über Wasser halten. Diese können nur auf Nachwuchs setzen, auf den eigenen oder auf Nachwuchs, der durch Scouts, die in alle Himmelsrichtung ausschwärmen, gesucht und vielleicht gefunden wird, wenn er nicht längst durch die Scoutabteilung der großen Vereine gesichtet und an Land gezogen wurde.

Aber selbst für Nachwuchskräfte werden bereits Summen gezahlt, die unsereiner zum Kopfschütteln einladen. So geht Ousmane Dembélé, 19 Jahre jung, von Stade Rennes für 8 Millionen € an Borussia Dortmund. Oder gar Renato Sanches, 18 Jahre jung, von Benfica Lissabon für 35 Millionen € an die Bayern.

Besonders die Mannschaften der englischen Premier League haben keine Scheu, Spieler weit über Marktwert aus anderen Ligen zu kaufen (z.B. Granit Xhaka von Borussia Mönchengladbach an den FC Arsenal in London). Die hohen Erlöse aus TV-Rechten machen das möglich.

Und es kommt noch ‚bunter‘. Der Transfer von Spielern bzw. die Gestaltung mancher Spielerverträge schlägt seltsame Blüten. So will der AS Rom, der die Kaufoption für Nationalspieler Antonio Rüdiger (23) vom VfB Stuttgart gezogen hat, den Innenverteidiger angeblich wieder weiterverkaufen. Laut „Corriere dello Sport“ möchte der Hauptstadtklub Rüdiger, für den die Römer eine Ablösesumme von neun Millionen Euro zahlen, für mindestens den doppelten Preis auf den Markt bringen. Schon innerhalb eines Monats rechnet AS Rom mit Rüdigers Weiterverkauf. Borussia Dortmund, der FC Chelsea, der FC Liverpool und Paris Saint-Germain sind laut des Blattes an Rüdiger interessiert. Es geht also gar nicht um den Spieler, es geht allein ums Geld!

Der armenische Stürmer Henrich Mchitarjan hat das Angebot zur Verlängerung seines 2017 auslaufenden Vertrags bei Borussia Dortmund abgelehnt. „Warum sollten wir jetzt verlängern? Micki hat noch einen Vertrag und wir denken weiter über seine Zukunft nach“, wird Mino Raiola zitiert, Spielerberater des 27-Jährigen. BVB-Boss Watzke kommentierte: „Dazu sage ich nichts.“ Der Armenier fordert offenbar eine doppelte Ausstiegsklausel. Laut „kicker“ will er bei Anfragen von Top-Klubs wechseln dürfen und soll eine Klausel verlangen, wonach er wechseln darf, wenn Tuchel nicht mehr BVB-Trainer ist. Eine Ausstiegsklausel, die an den Trainer gekoppelt ist, ist wahrlich neu, oder?

    UEFA Euro 2016 in Frankreich

Was Werder Bremen anbelangt, so wird Jannik Vestergaard die Bremer in Richtung Mönchengladbach verlassen. Dort wird er in der nächsten Saison international spielen können. Bei Zlatko Junuzovic ist es noch offen, ob er an der Weser bleibt oder nicht. Immerhin hat er bei der am Freitag startenden Fußball-EM in Frankreich die Möglichkeit, sich in der österreichischen Mannschaft durch gute Leistungen für einen anderen Verein zu empfehlen.

Es ist der Wahnsinn, der runde, der fußballrunde, der den Profifußball in Europa heimsucht. Kein Wunder, wenn immer mehr Fans ‚ihren‘ Vereinen den Rücken kehren. Wie soll man sich mit einer Mannschaft identifizieren können, die sich selbst kaum oder meist gar nicht in dem Verein, für den sie spielt, wiedererkennt. Wie gesagt: Geld regiert die Welt. Eben auch die Fußballwelt!

Die Überraschung von Krakau

Ich war schon etwas enttäuscht, als die isländische Mannschaft bei der Handball-Europameisterschaft 2016 in Polen bereits in der Vorrunde ausschied. Immerhin war man mit einem Sieg gegen Norwegen erwartungsgemäß gestartet. Bedenkt man, dass Island mit gerade etwas mehr als 330.000 Einwohner im Handball zur Weltklasse zählt (und inzwischen auch im Fußball durch die erfolgreiche Qualifikation zur Euro 2016 überraschen konnte), so versteht man vielleicht dieses Faible. – Die junge deutsche Mannschaft verlor dagegen ihr erstes Spiel gegen Spanien, dem Weltmeister von 2013. Während die Isländer dann ihre weiteren Spiele verloren, begab sich die deutsche Mannschaft auf einen Weg, der von Sieg zu Sieg führte. Obwohl schon im Vorfeld vier Stammspieler verletzungsbedingt nicht die Reise nach Polen antreten konnten, im Spiel gegen Russland (in der Hauptrunde) mit Weinhold und Dissinger zwei weitere Leistungsträger durch Verletzungen ausfielen, erreichten die deutschen Spieler das Endspiel gestern in Krakau – wiederum gegen Spanien.

Deutschland siegte besonders in dieser Höhe überraschend mit 24:17. Garanten dieses Sieges waren neben der hervorragenden Abwehr besonders der Torhüter Andreas Wolff, der mit einer Weltklasseleistung die Spanier förmlich zur Verzweiflung trieb – und Kai Häfner mit seinen sieben Toren – er war für den verletzten Steffen Weinhold nachnominiert worden und lag vor einer Woche noch zu Hause auf dem heimischen Sofa, um von dort die Spiele der Handball-EM zu betrachten.

Handball-Europameister 2016: das deutsche Team

Apropos Island: Der Erfolg der deutschen Handballer ist auch ein isländischer: Dagur Sigurðsson, früher isländischer Nationalspieler, trainiert die deutsche Nationalmannschaft und hat sicherlich einen nicht unbedeutenden Anteil an dem Gewinn der Europameisterschaft.

Das Bemerkenswerte daran: Mit dem Gewinn des Europameistertitels ist Deutschland automatisch für die nächste WM 2017 in Frankreich und vor allem für die Olympischen Spiele in diesem Jahr in Rio de Janeiro qualifiziert. Das deutsche Team war das jüngste des EM-Turniers. Viele Spieler waren erstmals bei einem großen Turnier dabei. Man darf gespannt sein, was die nächsten Turniere für diese Mannschaft bringen werden. Experten verheißen dem Team eine große Zukunft.

Hintergrund dieses Erfolgs ist die Einsicht der Bundesliga-Vereine, nicht mehr teure Weltklassespieler aus dem Ausland zu verpflichten, sondern verstärkt den eigenen Nachwuchs zu fördern.

Siehe auch meine früheren Beiträge:
Ein Wintermärchen – Handball-WM 2007 in Deutschland
Ein Wintermärchen mit gutem Ende (Handball-WM in Deutschland)
Es fehlte ein Tor zum Glück (Handball-WM in Kroatien 2009)
Handball-Europameisterschaft 2012 in Serbien

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 33

Bernies Deal

Bernie Ecclestone ist der Herr der Formel 1. Im Juni 2012 soll er dem zu einer Haftstrafe von achteinhalb Jahren verurteilten ehemaligen Bankvorstand 44 Millionen Dollar Schmiergeld gezahlt haben, um einen Verkauf der BayernLB-Anteile an der Formel-1-Holding zu erreichen. Mitte Juli 2013 erhob die Staatsanwaltschaft München Anklage gegen Ecclestone wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall. Seit Ende April 2014 wird darüber vor dem LG München verhandelt. Dem Formel-1-Boss drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Jetzt beantragten die Verteidiger die Einstellung des Verfahrens, da die strafrechtliche Verantwortung des Formel-1-Bosses „höchst fragwürdig“ sei. Die Staatsanwaltschaft deutet an, zuzustimmen – wenn Ecclestone eine angemessene Summe zahlt. Ecclestone sieht zwar keinen finanziellen Schaden für die BayernLB – will aber dennoch 25 Millionen Euro als Ausgleich zahlen.

Man muss nur genügend Kohle haben, um sich in unserem ‚Rechtsstaat’ freizukaufen. Bravo!

Monty Python live (mostly) – One Down Five to Go

In weniger als einer Minute waren die 20.000 Tickets für die Reunion-Show von Monty Python in der Londoner O2-Arena ausverkauft: ARTE überträgt die letzte dieser Shows heute um 21 Uhr 30 – eine Mischung aus alten Sketchen und neuem Material mit spektakulären Spezialeffekten.

    Monty Python live (mostly) - One Down Five to Go - 2014

Die Pressekonferenz im vergangenen Jahr war ein Vorgeschmack auf den Hype, den diese Versammlung auslösen würde. Journalisten aus aller Welt waren nach London gekommen, um vom ersten gemeinsamen Auftritt von John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones und Michael Palin seit Jahrzehnten zu berichten. Es fehlte lediglich der 1989 verstorbene Graham Chapman.

Zehn Shows wurden zwischen dem 1. und dem 20. Juli angesetzt, die letzte davon wird weltweit live in Kinosäle übertragen sowie im Online-Stream auf ARTE Concert zu sehen sein. Die Erwartungshaltung der Fans ist riesig. Deshalb setzen Monty Python auf eine Mischung aus alten Sketchen und neuem Material. „Wenn man eine Band sagen hört, jetzt spielen wir unsere neuen Songs, weiß man, es ist Zeit, auf die Toilette zu gehen“, sagt Eric Idle.

„Monty Python’s Flying Circus“ begann 1969 als BBC-Fernsehserie (ARTE zeigt 26 Folgen – OmU – auf ARTE Concert). Bis 1974 entstanden 45 Folgen. Zahlreiche Sketche sind in das kollektive Gedächtnis der Fans rund um den Globus eingegangen. In den 70er Jahren kamen sie auch mit mehreren legendären Filmen wie „Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft“, „Die Ritter der Kokosnuss“ oder „Das Leben des Brian“ in die Kinos. Der bisher letzte gemeinsame Auftritt, damals noch mit Graham Chapman, fand 1982 in Los Angeles statt.

U19-DFB-Team zaubert sich bei EM in Ungarn ins Finale

Nach der WM ist vor der WM, nein, nach der WM ist mittendrin bei der EM der U19. In Ungarn läuft zz. die Endrunde der 30. Fußball-Europameisterschaft der U19-Junioren, also der Jugendnationalmannschaft bis zum 19. Lebensjahr (Jahrgang 1995).

Und das deutsche Team steht morgen am Donnerstag um 19 Uhr – auch dank der sechs Tore von Davie Selke, Werder Bremen – im Finale gegen Portugal. Übertragen wird das Spiel von Eurosport.

Mit dieser U19-Mannschaft um Trainer Marcus Sorg steht die nächste Generation hervorragender Spieler in den Startlöchern. Das junge Team sich durchaus mit der Europameistermannschaft der U21 von 2009 vergleichen lässt, die heute im wesentlichen die deutsche A-Nationalmannschaft ausmacht – und die wurde vor kurzem bekanntlich Weltmeister.

Marcus Sorg wird auch als neuer Co-Trainer des Bundestrainer und damit als Nachfolger von Hansi Flick gehandelt. Die schlechteste Entscheidung wäre das nicht. Und Sorg hätte sicherlich auch das Zeug, eines Tages Nachfolger von Joachim Löw zu werden.

Stiller Protest und Putins Äffchen

Es war ein stiller Protest der schwedischen Hochspringerin Emma Green Tregaro: Mit bunt gefärbten Fingernägeln protestiert sie gegen Russlands Homosexuellen-Diskriminierung. Sie findet, dass das russische Gesetz, das die „Verbreitung von Information über Homosexualität an Minderjährige“ unter Strafe stellt, Blödsinn ist. Vom Weltverband bekommt sie dafür eine Verwarnung – und muss auf weitere Meinungsäußerungen verzichten (beim Endkampf waren die Fingernägel rot lackiert).

Emma Green Tregaro: Rainbow Fingernails

Jelena Issinbajewa, russische Stabhochspringerin, von Putin persönlich zur WM-Teilnahme gedrängt, spielt das Äffchen und verteidigt nach ihrem WM-Sieg dessen Anti-Homosexuellen-Gesetz: „Wenn wir all diese Dinge auf unseren Straßen zulassen, würden wir Angst um unsere Nation haben“. Einen Tag nach ihren umstrittenen Äußerungen sie dann doch zurückgerudert. Gesinnungswandel oder Missverständnis? Zuvor war die 31-Jährige, Botschafterin von Jugend-Olympia und 2014 Bürgermeisterin des Olympischen Dorfes in Sotschi, von anderen Athleten scharf kritisiert worden.

Zuletzt hatte US-Mittelstreckenläufer Nick Symmonds die Diskriminierung von Homosexuellen in Russland öffentlich kritisiert. Er widmete seine 800-Meter-Silbermedaille seinen schwulen und lesbischen Freunden. Issinbajewas Äußerungen hätten ihn geschockt: „Ich kann nicht verstehen, wie eine so gebildete Frau so rückständig sein kann.“

    Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2014 in Moskau

Die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2014 in Moskau, an der 206 nationale Verbände teilnahmen, ging gestern zu Ende. Sicherlich sollte man Politik und Sport trennen. Aber wenn eine Sportveranstaltung dieser Größenordnung in einem autoritärgeführten Land stattfindet, dann kommt man nicht umhin, die dort bestehenden Menschenrechtsverletzungen an den Pranger zu stellen. Immerhin finden im nächsten Jahr in Russland die olympischen Winterspielen und 2018 die Fußball-Weltmeisterschaft statt. Etwas zu viel der Ehre für einen Autokraten wie Wladimir Putin.

Zum Sportlichen aus deutscher Sicht: Das Ziel, 7-8 Medaillen zu gewinnen wurde erreicht. Neben viermal Gold durch Raphael Holzdeppe (Stabhochsprung), Robert Harting (zum 3. Mal in Folge im Diskuswerfen), David Storl (zum 2. Mal in Folge im Kugelstoßen) und Christina Obergföll (im Speerwerfen der Frauen) gab es noch zweimal Silber und einmal Bronze. Damit rangiert das deutsche Team auf Platz 5 der Nationenwertung. Neben viel Licht gab es natürlich auch einigen Schatten. Besonders das Ausscheiden von Betty Heidler mit 68,83 m bereits in der Qualifikation des Hammerwerfens der Frauen ist erwähnenswert. Von den Weitspringern (Christian Reif lediglich 6. mit 8,22 m und Sebastian Bayer als 9. mit 7,98 m) hatte man zuvor auch etwas mehr erwarten können.

Manche Sportler laufen nicht nur gegen die Uhr: Über 1500 m der Männer gab es mit Homiyu Tesfaye, Mittelstreckenläufer äthiopischer Herkunft, der erst seit Juli 2013 für Deutschland startberechtigt ist, einen deutschen Läufer im Endlauf. Er erreichte einen sehr guten fünften Platz und ist damit schnellster Europäer. Tesfaye gibt an, dass er mit vollem Namen Homiyu Tesfaye Heyi heißt und am 23. Juni 1993 geboren ist. Im Internet entspannte sich monatelang eine Diskussion, ob das Geburtsdatum wirklich korrekt sei und ob er überhaupt derjenige sei, der er vorgibt zu sein. Es wird behauptet, dass er in Wirklichkeit identisch sei mit Henok Tesfaye Hey. Dieser sei drei Jahre und vier Monate älter und habe Äthiopien bei den Jugend-Weltmeisterschaften 2007 sowie bei der Junioren-WM 2008 vertreten – Wolfgang Heinig, der seit zwei Jahren Tesfaye trainiert, sagt, dass sein Schützling mit seiner Hilfe eine Taufbescheinigung der Kirchengemeinde in Äthiopien gefunden habe: „Der Junge hat niemanden beschwindelt. Er hat alles nachweisen können, was er gesagt hat.“ (Quelle u.a. derwesten.de).

Werder Bremen möchte ich bei all der Leichtathletik nicht vergessen : Am 2. Spieltag siegte der Fußball-Bundesligist auch gegen den FC Augsburg knapp und sicherlich wieder glücklich mit 1:0 – und hat damit sechs von sechs möglichen Punkten eingefahren. Das tut wohl auch Not, denn die nächsten beiden Spiele sind auswärts und gegen keine Geringeren als Borussia Dortmund (bereits am Freitag) und dann am 31.08. Borussia Mönchengladbach. Hier kann sich die Mannschaft dann wirklich bewähren und zeigen, ob es wirklich Fortschritte im Mannschaftsgefüge gibt. Also bitte kein Borussendesaster …?!

Doping in Deutschland

Einst schrieb ich hier: Sport und Doping – fast wäre ich geneigt zu sagen: das gehört zusammen wie Brot und Butter (und wer mag schon Trockenbrot). Das Problem Doping, also die Einnahme von unerlaubten Substanzen oder die Nutzung von unerlaubten Methoden zur Steigerung der Leistungsfähigkeit, war, ist und bleibt unmittelbar verbunden mit dem Sport. Da ich mich für Sport interessiere, so bin auch ich nie um dieses Thema herumgekommen.

Noch bevor die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2013, die vom 10. bis 18. August 2013 in Moskau stattfinden, begonnen haben, sind diese durch diverse Doping-Skandale überschattet. So hat erst jetzt der türkische Leichtathletik-Verband (TAF) Konsequenzen aus seinem Dopingskandal gezogen und 31 Sportler für zwei Jahre gesperrt. Aber allem voran sind es Jamaikas Sprint-Star Asafa Powell, der US-Amerikaner Tyson Gay und noch einige mehr, die in diesen Tagen des Dopings überführt wurden. Allein Usain Bolt (Jamaika), der Weltrekordinhaber über die 100 Meter in 9,58 Sek. (2009 aufgestellt) scheint ‚clean’ zu sein.

    Höher, schneller, weiter – mit Hilfe von Doping?

Der Radsport, hier besonders die Tour de France, steht bereits unter Generalverdacht. In der Leichtathletik, im Skilanglauf samt Biathlon, ja, selbst im Reitsport (die Pferde) werden immer wieder Dopingfälle aufgedeckt. Und dass auch im Fußball gedopt wird, sollte angenommen werden.

Studien belegen, dass besonders in den ehemaligen Ostblock-Ländern, allen voran in der DDR, was durch Stasi-Akten hinreichend dokumentiert ist, systematisch gedopt wurde. So durften bei der Olympia 1972 in München Schwimmerinnen aus der DDR grundsätzlich keine Interviews mit westlichen Journalisten geben – durch die Einnahme u.a. von Testosteron hatten sie etwas sehr tiefe Stimmen.

Nun ist endlich eine Studie in Auftrag gegeben worden, die aufzeigt, dass auch in Westdeutschland Doping durch Wissenschaft und Politik gefördert wurde. Die Studie mit dem Titel „Doping in Deutschland 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation“ ist nach langem Hin und Her nun endlich veröffentlicht worden. Allerdings ist die Studie anonymisiert worden, es fehlen z.B. die Namen von einflussreichen Politikern.

Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), forderte inzwischen, die Namen der Betroffenen bekanntzugeben. Im Wege der Aufarbeitung und Transparenz müssten „auch im Westen die Namen veröffentlicht werden, insbesondere von Personen, die noch einen Posten im Sport bekleiden“.

Die Studie war vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) 2008 initiiert und vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp), das dem Bundesinnenministerium (BMI) untersteht, mit rund 525.000 Euro bezuschusst. Genau dieses BISp hatte „vor den Olympischen Spielen 1972 in München Versuche zur leistungsfördernden Wirkung von Anabolika in Freiburg bezuschusst […]. Zudem habe es auch mit Steuergeldern unterstützte Forschungen mit 15 Versuchspersonen zur Wirkung von Insulin und Wachstumshormonen gegeben. Dies sei aus Akten im Koblenzer Bundesarchiv hervorgegangen. Das Besondere dabei: Die Belege wären die ersten offiziellen Dokumente zur staatlichen Dopingförderung in den 70er-Jahren. Dass es in der alten Bundesrepublik systematisches Doping gab – wenn auch nicht so ausgeklügelt wie in der DDR -, hatte auch die Projektgruppe der Studie ‚Doping in Deutschland’ schon vor zwei Jahren festgestellt. Damals hatten die Wissenschaftler unter Leitung von Professor Giselher Spitzer von ‚staatlich subventionierten Anabolika-Forschungen’ gesprochen, die in Freiburg ‚konzentriert’ waren.“

„Gemäß des Namens und des Studien-Auftrages hätte sich in den Bericht der Historiker auch eine dritte Phase, von 1990 bis heute, wiederfinden sollen. ‚In der letzten Phase des Projektes wurde die Finanzierung eingestellt vom Auftraggeber, so dass diese Phase nicht abgeschlossen werden konnte’, sagte Spitzer im ZDF-Interview. Ob die Forscher denn überhaupt Dokumente für die Zeit bis zur Gegenwart gefunden hätten? Im Bundesinstitut für Sportwissenschaft wohl nicht. ‚Im Vorfeld der Erteilung dieses Forschungsauftrages sind offensichtlich alle Doping-bezogenen Unterlagen im Bundesinstitut für Sportwissenschaft vernichtet worden. Das ist für mich ein Skandal’, berichtete Spitzer.“ (Quelle: sportschau.de)

Finanzierung für die dritte Phase (1990 bis heute) eingestellt, Unterlagen verschwunden? Allem Anschein nach sitzen da heute noch Funktionäre und Beamte in Gremium und Behörden, die ihre Finger beim Doping im Spiel haben und versucht sind, ihre Spuren zu beseitigen. Ines Geipel, Vorsitzende des Dopingopfer Hilfevereins DOH, hinterfragte auch die Rolle des IOC-Präsidentschaftskandidaten Bach und jetzigen Chefs des Deutschen Olympischen Sportbunds: „Inwieweit ist zum Beispiel auch Thomas Bach involviert? Wenn keine Namen genannt werden, bleibt alles anonym.“ (Quelle: zdfsport.de)

Sport und Doping gehören zusammen wie Brot und Butter. Auch in Westdeutschland. Es ist wirklich Zeit geworden, dass die deutsche Sportgeschichte neu geschrieben wird. Da wird noch so manch heikles Detail ans Licht der Öffentlichkeit kommen. Doping selbst, da bin ich mir sicher, lässt sich auch weiterhin nicht verhindern. Da hilft auch kein Anti-Doping-Gesetz. So lange die olympische Devise „Höher, schneller, weiter“ gilt und wir in einer Gesellschaft leben, die ohne Spektakel nicht auskommt, wird es Sportler geben, die versuchen werden, auch mit unerlaubten Mitteln und Methoden ihre Leistung zu steigern.

Was wäre, wenn …

Es ist nicht so, dass ich dem FC Bayern München den Sieg in der Champions League nicht gönne. Aber was wäre, wenn … wenn der Schiedsrichter aus Italien Franck Ribéry (FC Bayern) nach seinem Foul, dem Schlag ins Gesicht von Robert Lewandowski (Borussia Dortmund), in der 26. Minute vom Platz gestellt hätte? Seltsamerweise kippte das Spiel nach diesem Foul zugunsten der Bayern. Zuvor hatten die Dortmunder den Ton angegeben und einige Torchancen herausgespielt, aber nicht verwertet. Ribéry war dann nicht unerheblich an den beiden Toren für die Münchener beteiligt, die sicherlich am Ende verdient mit 2:1 gegen Borussia Dortmund im ersten deutsch-deutschen Champions League-Finale siegten. Aber was wäre, wenn

    Ribéry (FC Bayern) foult Lewandowski (Dortmund) in der 26. Minute

Nachdem bei den Frauen der VfL Wolfsburg nach Meisterschaft und Pokal auch die Champions League im Frauenfußball gewonnen hat, macht sich jetzt der FC Bayern München daran, das so genannte Triple aus Meisterschaft, Sieg in der Champions League und eben den DFB-Pokal (am Samstag, den 1. Juni im Berliner Olympiastadion gegen den VfB Stuttgart) zu holen. Die Stuttgarter haben sich durch das Erreichen des Endspiels für die Europa League in der nächsten Saison qualifiziert.

Deutsche Verhältnisse

Uli Hoeneß fürchtet spanische Verhältnisse für die deutsche Fußball-Bundesliga. Denn in Spaniens erster Liga, der Primera División, verdienen nur noch Real Madrid und der FC Barcelona (siehe meinen Beitrag Das Ende des Tiki-Taka?), die anderen Vereine kämpfen mehr mit Schulden als mit dem sportlichen Gegner. Diese Verhältnisse sieht Uli Hoeneß jetzt auch auf die Bundesliga zukommen. Gerade Hoeneß muss das sagen.

Wenn es nach ihm ginge, dann hätten wir wieder ‘deutsche Verhältnisse’. Die Bayern vorn, danach erst einmal nichts, dann vielleicht Dortmund, Leverkusen und vielleicht Schalke, dann wieder nichts – und am Schluss Mannschaften wie Werder Bremen. Ach ja, Werder: die haben es nun doch geschafft und die Klasse gehalten. Gratulieren kann man dafür aber nicht gerade. Wir ahnen bereits, was da in der nächsten Saison auf uns zukommt: der Kampf gegen den Abstieg. Noch ist das Werder-Schiff nicht gesunken. Aber die mageren Jahre gehen weiter … (Übrigens: Ich fürchte, dass die Fortuna aus Düsseldorf wieder in die Relegation muss – dieses Mal gegen den 1. FC Kaiserslautern).

Apropos ‚deutsche Verhältnisse’! Es gehört wohl dazu, dass die Bayern die Konkurrenz ausschalten, indem sie den potentiellen Gegnern die Spieler abkaufen (z.B. vor vielen Jahren Klose von Werder, später dann Gómez vom VfB Stuttgart). Neben Mario Götze, den Bayerns neuer Trainer, Pep Guardiola, als den Lionel Messi der Münchner sieht, war lange Robert Lewandowski bei den Bayern im Gespräch und Borussia Dortmund dann als Konkurrent erst einmal geschwächt. Ein Wahnsinn eigentlich, denn mit Mario Mandžukić, Claudio Pizarro und Mario Gómez haben die Bayern drei etatmäßige Mittelstürmer. Und die Ausleihe Nils Petersen kehrt vielleicht auch wieder zurück. Natürlich bestreiten die Münchner solche Vorwürfe. Dort blickt man vor allem auf Europa und begehrt die Wachablösung an der Spitze des Weltfußballs zu Bayerns Gunsten.

Werder Bremen: Mit Not dem Untergang entkommen

Nun Werder ist gerettet und ein weiterer Umbruch in Sicht. Kevin de Bruyne wird und kann man nicht halten. Eljero Elia und Marko Arnautović sind und bleiben Fehleinkäufe. Spieler auf hohem Spielniveau sind mehr als rar gesät in Bremen (vielleicht Aaron Hunt und Sokratis – mehr auch nicht). Neue Spieler braucht die Stadt. Woher nehmen, wenn nicht stehlen … Es bedarf eines Wunders, wenn der SV Werder in der nächsten Saison wieder in die obere Hälfte vordringen sollte.

Die 50. Bundesligasaison geht dem Ende entgegen. Die Bayern jagen weiterhin von einer Rekordmarke zur nächsten (Werder stellt mit zz. 12 Spielen ohne Sieg auch einen vereinsinternen Rekord auf, wenn auch einen negativen – und die Serie ist vielleicht noch nicht beendet). Man kann den Bayern nur gratulieren – der Mannschaft und dem Trainer, Jupp Heynckes, dem die kaum zu glaubende Gratwanderung zwischen Mannschaft und den Herren Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Franz Beckenbauer (die immer meinen, ein gehöriges Wort mitreden zu müssen) gelungen ist, der manchmal mehr Moderator als Trainer zu sein hatte. Guardiola wird es schwer haben.

Jetzt stehen noch die Endspiele der Bayern um die Champions League (CL) am 25. Mai in London gegen Borussia Dortmund und das um den DFB-Pokal am 1. Juni gegen den VfB Stuttgart an. Okay, ich hatte auf ein CL-Endspiel Real Madrid gegen die Bayern getippt. Nun zum ersten Mal ein deutsch-deutsches Endspiel, das verdeutlich, welchen Stellenwert der deutsche Fußball inzwischen in Europa hat. Natürlich soll der Bessere gewinnen. Vielleicht ist ja Dortmund der Bessere. Schon allein, um ‚deutschen Verhältnissen’ vorzubeugen.

Lauf in den Tod

Übermorgen am Sonntag startet der 28. Haspa Marathon in Hamburg. Natürlich wirft der Anschlag beim Boston Marathon am vergangenen Montag (15.04.2013) dunkle Schatten auf diesen Marathon-Lauf.

In Boston wurden drei Menschen getötet, zwei junge Frauen und ein achtjähriger Junge, dessen Bild um die Welt ging – als Symbol der Trauer. Außerdem wurden durch die zwei selbstgebauten Bomben über 180 weitere Menschen zum Teil schwer verletzt.


Boylston Street, Boston/Massachusetts/USA (Zieleinlauf)

Die Meldungen kennt man. Jetzt sucht man die Täter, denn das FBI veröffentlichte Fotos und Videobilder, die zwei junge Männer mit Baseballmützen zeigen und Rucksäcken, die die vermeintlichen Bomben enthalten. Wer hinter dieser perfiden Tat steht, ist weiterhin unbekannt.

Martin Richard (8) – Opfer des Anschlags beim Boston Marathon 2013

Der unsinnige Terror hat durch die Bilder des getöteten achtjährigen Jungen Gestalt und Namen und mahnt an die Opfer von Gewalt in dieser Welt. Das Bild hat mich deshalb besonders betroffen gemacht, weil es mich als Vater von zwei Söhnen an Bilder meiner Kinder erinnert, als diese im gleiche Alter waren wie der Junge aus dem Bostoner Vorort Dorchester.

Sicherlich hat diese mörderische Attacke auf unschuldige Menschen Hintergründe, die Täter ihre Motive. Gerade auch diese Hintergründe gilt es aufzudecken, die Ursachen zu beheben. Aber erst einmal ist auch der Opfer zu gedenken, die eben mit den möglichen Ursachen und Gründen nichts, aber auch gar nichts zu tun haben.

– Möge der Marathon-Lauf morgen in Hamburg ohne Zwischenfälle verlaufen. Das Wetter verspricht Sonne bei fürs Laufen angenehmer Temperatur.

Turnschuhtag

Keine Frage: Die meisten von uns sitzen jeden Tag zu viel. Kaum aufgestanden und geduscht sitzen wir am Frühstückstisch. Zur Arbeit fahren wir mit dem Auto, der Bahn oder dem Bus – sitzend! Und dann sitzen wir im Büro am Arbeitsplatz fast den ganzen Tag. Abends das Gleiche: Sitzend nach Hause, sitzend am Abendbrottisch – und zuletzt sitzen wir auch noch vor der Glotze. Sport treiben die wenigsten. Selbst beim Defäkieren ‚sitzen’ wir.

Jetzt, da der Frühling langsam einkehrt (spätestens zum Osterwochenende soll es deutlich wärmer werden), ist die Zeit gekommen, etwas gegen die Wampe und den dicken Hintern zu tun. Statt der ledernen Halbschuhe oder Stiefelchen kann man einmal die Woche in Turnschuhe schlürfen und damit einen Turnschuhtag einlegen. Gleich am Morgen steigt man eine Station früher aus, um den verlängerten Weg per pedes zu bestreiten. Muss man zum Chef in den fünften Stock: statt Fahrstuhl benutzt man dann die Treppen. Auch sonst zwischendurch hoch mit dem Hintern: einige Dehnübungen haben noch keinem geschadet. Und abends läuft man im leichten Galopp mindestens einmal um den Pudding, bevor man sich an den Abendbrottisch setzt.

    Turnschuhtag!

Wenn wir wöchentlich einen Turnschuhtag einlegen, werden wir uns schnell bewusst, wie wenig wir eigentlich für unseren Körper tun. Weltrekorde müssen wir nicht aufstellen. Auch ein Laufen unter Extrembedingungen tut nicht Not. Aber ein bisschen mehr den Hintern bewegen, das wäre nicht schlecht. Also gleich am Montag die Turnschuhe heraus …!

siehe auch: Bloggen und Joggen

Der gekaufte Fußball

Gestern machte ich mir Gedanken über den Fußball in Spanien, der mit Real Madrid und FC Barcelona zwei der größten Fußballvereine der Welt stellt – und trotzdem durch eine wirtschaftliche Krise abzustürzen droht. Natürlich ist Fußball in erster Hinsicht ein Geschäft. Es geht längst nicht mehr um Millionen, es geht längst um ein Milliardengeschäft. Schon aus diesem Grund wollen viele nichts mit Fußball zu tun haben.

Für mich ist Fußball aber immer noch eine attraktive Sportart. Und um das zu bleiben, müssen sich die Verantwortlichen in den Vereinen und Verbänden Gedanken machen. Horrende Ablösesummen und für viele unangemessen hohe Spielergehälter haben eine Kluft zwischen den Vereinen entstehen lassen, die zwischen reich und arm scheidet. Wer im Chor der Besten mithalten will, muss investieren. Und für viele Vereine geht das bis zum finanziellen Ruin.

Da kam ein neues Geschäftsmodell ist Spiel, dass vielleicht manchen Verein vor dem Konkurs bewahrt, im Ergebnis dann aber wenig zuträglich für den Fußball ist. Ich meine die Ölscheichs und Oligarchen, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld und sich Fußballvereine kaufen, um sich unverdiente Lorbeeren an ihr parvenü’sches Haupt zu heften.

gekaufte Fußball-Clubs in Europa

Im besagten Beitrag über die Fußballkrise in Spanien hatte ich den FC Málaga angesprochen, der 2010 von Scheich Abdullah Bin Nasser Al Thani aus Katar für 25 Millionen Euro aufgekauft wurde. Inzwischen will er den Verein wieder los werden, obwohl er sportlich eigentlich durchaus erfolgreich ist (steht im Achtelfinale der Champions League).

Bekannter ist ein Verein wie der FC Chelsea, immerhin im letzten Jahr Gewinner der UEFA Champions League. „2003 hatte sich der russische Milliardär Roman Abramowitsch entschlossen, einen Fußballclub zu kaufen, nachdem er bei der WM 2002 Interesse am Fußball entwickelt hatte. Neben Lazio Rom, Chelsea, Tottenham Hotspur und Arsenal war auch Manchester United eine mögliche Option, die Abramowitsch aber aufgrund des Kaufpreises in Höhe von etwa 700 Millionen Pfund verwarf.“ Inzwischen dürften Kaufpreis, die damaligen Vereinsschulden des FC Chelsea und alle Investitionen in neue Spieler diese Summe eher überschritten haben (von 970 Millionen € ist die Rede). Trotz der großzügigen Investitionen ist der Verein bereits als erster Titelverteidiger in der Gruppenphase der Champions League gescheitert und hat kaum noch Chancen auf den Titel des englischen Meisters.

Etwas anders sieht es beim FC Liverpool aus. 2010 bekundete der chinesische Geschäftsmann Kenny Huang ernsthaftes Interesse am Kauf des Vereins, zog sich dann aber doch schnell aus den Kaufverhandlungen zurück. Nach längerem Rechtsstreit ging der Verein dann für 300 Millionen britische Pfund an New England Sports Ventures (NESV), ein in der Sportvermarktungsbranche tätiges US-amerikanisches Unternehmen mit Sitz in Boston, dem u.a. auch der amerikanische Profi-Baseballclub Boston Red Sox gehört. Es handelt sich dabei um ein Konsortium um den Börsenhändler John W. Henry, dem Medienunternehmen The New York Times Company (The New York Times, The Boston Globe, etc.) und weiteren Geldgebern. Liverpool ist inzwischen an Zenit St. Petersburg in der Europa League gescheitert. Und in der englischen Premier League hinkt der Verein bisher hinter den anderen Spitzenvereinen deutlich hinterher.

Zenit Sankt Petersburg gehört übrigens Gazprom, dem weltweit größten Erdgasförderunternehmen und mit 110 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung eines der größten Unternehmen Europas – und ist bekanntermaßen so nebenbei Hauptsponsor des FC Schalke 04.

Damit sind wir in der russischen Premjer-Liga angelangt. Mit Anschi Machatschkala hat ja Hannover 96 im der Europa League unliebsame Bekanntschaft gemacht. Der FK Anschi Machatschkala ist ein 1991 gegründeter russischer Fußballverein aus Machatschkala, der Hauptstadt Dagestans, der seit 2010 in der Premjer-Liga spielt. Im Januar 2011 übernahm der russische Milliardär Suleiman Kerimow den Club. Bisher bekannteste Verpflichtung ist Samuel Eto’o, der im August 2011 von Inter Mailand für ca. 27 Millionen Euro verpflichtet wurde. Cheftrainer ist seit dem 17. Februar 2012 der bekannte holländische Trainer Guus Hiddink.

Aus Tschetschenien stammt der 1946 gegründete Verein FK Terek Grosny, der bis zu dessen Tod vom tschetschenischen Präsidenten, dem Moskau-Treuen Achmat Kadyrow, geleitet und von Moskau großzügig finanziert wurde. Bis November 2011 war der tschetschenische Republikspräsident Ramsan Kadyrow, Sohn und Nachfolger von Achmat Kadyrow, Präsident des FK Terek Grosny. Sein Nachfolger ist der tschetschenische Vize-Republikspräsident Magomed Daudow. Bekannt wurde der Verein im Januar 2011 durch die Verpflichtung von Ruud Gullit als Trainer. Die ‚Ehe’ hielt allerdings nur fünf Monate. Die Kadyrows sind u.a. dafür bekannt, nicht gerade zimperlich mit ihren politischen Gegner umzugehen.

Da wir schon im Osten Europas sind. Mit Schachtjor Donezk aus der Ukraine verbinden sich für den SV Werder Bremen weniger gute Erinnerungen: Im letztmalig ausgespieltem UEFA-Pokal in der Saison 2008/2009 verloren die Bremer das Endspiel gegen die Osteuropäer. Der Verein wurde am 11. Oktober 1996 durch den aus Donezk stammenden Milliardär Rinat Achmetow übernommen und seitdem mit großzügigen Geldzuwendungen konsequent aufgebaut. Allerdings war Borussia Dortmund für die Ukrainer am Dienstagabend eine Nummer zu groß. Sie verloren in Dortmund das Achtelfinalspiel doch deutlich mit 3:0 und sind damit aus der Champions League ausgeschieden.

Komme wir zurück in westlichere Gefilde und nach Paris. Paris Saint-Germain Football Club (PSG) wurde bereits ab 1973 durch den Modeschöpfer Daniel Hechter als Mäzen und von 1974 bis 1978 als Präsident unterstützt. 2006 übernahm das US-amerikanische Unternehmen Colony Capital den Verein vom französischen Fernsehsender Canal+, der seit 1991 im Besitz von PSG war. Im Mai 2011 verkaufte Colony Capital 70 % seiner Aktienanteile an die Investorengruppe Qatar Sport Investment (QSI) aus Katar. Der Katarer Nasser Al-Khelaifi ist Präsident des Vereins, der wohl im Auftrag des Multi-Milliardärs und Kronprinzen von Katar, Tamim bin Hamad Al-Thani, die Abermillionen ausgeben darf (den Namen Al-Thani haben wir bereits weiter oben im Zusammenhang mit dem FC Málaga gehört).

Vor der Saison 2012/13 verstärkte der PSG seinen Kader: Für ungefähr 130 Millionen Euro wurden unter anderem Ezequiel Lavezzi, Thiago Silva, Zlatan Ibrahimović und Lucas geholt, denen sich neuestens auch David Beckham dazugesellte. Paris SG spielt durchaus erfolgreich in der Champions League und hat seit gestern Abend das Viertelfinale nach einem Unentschieden gegen den FC Valencia erreicht.

Und die Geschichte der TSG 1899 Hoffenheim dürfte ich als bekannt voraussetzen. Gefördert wird der Verein durch den SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp, der in seiner Jugend selbst für die TSG Hoffenheim spielte und dessen finanzielle Unterstützung dem Verein bzw. der Profi-Fußballabteilung zwischen 1990 und 2008 den Aufstieg aus der Kreisliga A bis in die Bundesliga ermöglichte. Auch das im Januar 2009 eröffneten Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim (derzeitiger Name: Wirsol Rhein-Neckar-Arena) wurde mit großzügiger Unterstützung von Herrn Hopp gebaut. Die Hoffnungen, den Namen Hoffenheims auch international bekannt zu machen, erfüllten sich leider nicht. Jetzt droht sogar der direkte Abstieg in die Zweitklassigkeit. Allein Geld macht es also nicht (siehe auch meinen Beitrag: Der Milliardär und der Dorfverein)

Es hat natürlich schon etwas Perverses, wenn sich neureiche Milliardäre Fußballvereine wie Spielzeug halten. Und mit ihrem vielen Geld verderben sie die ‚Preise’. Wenn sie einen Spieler oder Trainer unbedingt haben wollen, so brauchen sie nur mit dem Scheckbuch zu wedeln. Die ohnehin schon anrüchige Praxis der Spielertransfers bekommt so noch eine besonders pikante Note.

Siehe hierzu auch: PSG investiert 100 Millionen: Ein offener Brief an Mäzen Nasser Al-Khelaifi (11freunde.de)

Das Ende des Tiki-Taka?

Ist Spanien, ist der FC Barcelona immer noch das Maß aller Dinge im Fußball? Ist Tiki-Taka vielleicht out? Nun bei FC Barcelona läuft es zz. nicht so, wie man es lange Zeit gewohnt war. Erst eine Niederlage gegen aufopfernd spielende Schotten (Celtic Glasgow) in der Gruppenphase der Champions League. Dann die Niederlage ausgerechnet beim Berlosconi-Club AC Mailand im Achtelfinale. Und jetzt zwei Niederlagen in Folge beim Clásico gegen Real Madrid.

Tiki-Taka verlangt ein hohes Maß an Intuition, an gegenseitigem Verständnis zwischen den Spielern und an Konzentration. Tiki-Taka geht nur mit Spielwitz, mit Esprit. Fehlt es an einem, dann rächt sich dieses taktische Konzept sehr schnell und verkommt zu einem Rasenschach, das Mannschaften eigentlich nur spielen, wenn ihnen die zündende Idee fehlt. Für den Zuschauer wird es dann schnell unerträglich langweilig. Da mag man den Gegner laufen lassen und 70 bis 80 % Ballbesitz haben. Ohne geniale Pässe, z.B. aus der Tiefe des Raums in die sich lösende Spitze, geht dann nichts. Und dann rächen sich schon kleinste Fehler. Man tappt gewissermaßen in die eigene Falle.

Das beste Beispiel war die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine, als alle Welt ähnlich wie jetzt glaubte, diese spanische Variante des Fußballspiels ad acta gelegt zu sehen. Bis dann das Endspiel kam: Das Beste kommt bekanntlich zuletzt. Die Spanier waren plötzlich hochmotiviert, voll konzentriert und von einem Ideenreichtum, dem sich die Italiener nur staunend beugen konnten.

Fußball-Europameister 2012: Spanien

Ähnlich sehe ich das heute. Beim FC Barcelona, dem typischen Vertreter des Tiki-Taka, läuft es zz. eben nicht optimal. Hinzu kommt, dass jede Mannschaft, die gegen die Katalanen spielt, besonders motiviert auftritt. Lässt man dann große Chancen aus, so können auch Messi & Co. schnell einmal auf der Verliererstraße landen. Die Krise wird ebenso schnell groß geredet und setzt sich in den Köpfen der Spieler fest.

Wäre Tiki-Taka wirklich out, dann hätten sich die Bayern mit der Verpflichtung von Pep Guardiola, dem Ex-Trainer des FC Barcelona, einen Bärendienst erwiesen.

Nun droht dem spanischen Fußball und damit der Primera División eine völlig andere Krise – eine wirtschaftliche nämlich. „Wenn die Prognose des spanischen Wirtschaftsprofessors José Maria Gay de Liebana stimmt, dann könnte schon bald Schluss sein mit Profi-Fußball in Spanien. Der Wissenschaftler hat die These aufgestellt, dass der spanischen Elite-Liga gerade einmal noch fünf Jahre bleiben, bevor der Spielbetrieb eingestellt werden muss. Der Grund: Die Clubs sind heillos überschuldet, nur Barça und Real sind in der Lage, ihr Defizit einigermaßen auszugleichen – dank ihrer hohen Einnahmen, zum Beispiel aus Fernsehgeldern, Sponsorenverträgen, sowie Ticket- und Fanartikel-Verkauf.

Der Rest der Liga aber steuert auf den Konkurs zu oder ist bereits faktisch insolvent. Der Gesamtstand der Schulden allein in der Primera Division beträgt rund 3,6 Milliarden Euro. Spannende Duelle gibt es – abgesehen vom Clasico, dem Duell zwischen Barcelona und Madrid – innerhalb der Liga kaum. Die Zuschauerzahlen lassen dementsprechend zu wünschen übrig. Nur 28.000 Besucher kommen im Durchschnitt zu den Spielen. Voll wird es nur, wenn es gegen Real oder Barça geht. Deshalb müssen nun auch die beiden Großen umdenken, damit ihnen nicht innerhalb kurzer Zeit die Gegner ausgehen.“ (Quelle: wdr.de)

Hier nur zwei Beispiele: Zunächst der FC Valencia, der durch die Immobilienkrise und Spekulationen inzwischen der Verein mit den höchsten Schulden in Spanien ist. „Zur Saison 2010/11 konnte Valencia durch den Verkauf von Leistungsträgern wie David Villa und David Silva einen Teil der Schulden tilgen. Die finanzielle Situation ist trotzdem weiterhin angespannt und man versucht, einige Top-Verdiener von der Gehaltsliste zu bekommen und setzt stattdessen auf jüngere und günstigere Spieler.“ Besonders verheerend wirkt sich dabei der Neubau des Stadions Nou Mestalla aus. Die Bauarbeiten begannen im August 2007 und sind bis heute nicht fertig geworden, da ein Baustopp verfügt wurde. 160 Millionen Euro wurden bisher ausgegeben. Mindestens die gleiche Summe wird für die Fertigstellung benötigt.

Dann der FC Málaga: 2010 wurde der Verein von Scheich Abdullah Bin Nasser Al Thani aus Katar für 25 Millionen Euro aufgekauft. „Außerdem kam der neue Eigentümer auch für Malágas Verbindlichkeiten in Höhe von ca. 70 Millionen Euro auf. In der Folgezeit bekam der Verein professionellere Strukturen – vor allem durch die Verpflichtung des Generalmanagers Fernando Hierro und des mehrfachen Nationalspielers Ruud van Nistelrooy.“ „Im August 2012 wurde bekannt, dass Klubeigentümer Al Thani den Verein zum Verkauf freigegeben hat. Nach den erheblichen Investitionen in den Vorjahren blieben plötzlich die Gelder aus, die zuvor regelmäßig in die Vereinskasse geflossen waren.“

Nach einem vierten Platz in der spanischen ersten Liga spielt der Verein zz. im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Porto (Hinspiel in Porto mit 1:0 verloren). „Im Zuge der genannten wirtschaftlichen Probleme hat die UEFA am 21. Dezember 2012 im Rahmen des Financial-Fair-Play den FC Málaga für die Teilnahme an der Europapokalsaison 2013/14 gesperrt.“

Zu einem sind es astronomisch ansteigende Spielergehälter und Ablösesummen, die nicht mehr aus den laufenden Einnahmen bestritten werden können, zum anderen wie in Spanien artfremde Fehlspekulationen und die Wirtschaftskrise insgesamt, die dazu führen, dass renommierte Vereine faktisch pleite sind.

In Deutschland sieht die Situation noch anders aus. Zwar ist Bayern München – ähnlich wie in Spanien Real Madrid und der FC Barcelona – der Großverdiener der Branche. Aber noch werden die Gelder aus TV-Übertragungen und Sponsorenverträgen weitaus gerechter verteilt. Das Beispiel des SV Werder Bremen zeigt allerdings, dass auch in Deutschland Vereine wirtschaftlich anfällig sind. Entfallen z.B. die Gelder aus der Teilnahme an der Champions League, dann können Großverdiener wie Özil, Mertesacker, Tim Wiese oder Pizarro nicht mehr gehalten werden. Und plötzlich dümpelt so ein Verein gerade noch im Mittelfeld herum ohne die Chance, in Zukunft an die ‚Fleischtöpfe’ internationaler Wettbewerbe zurückzukehren. Auch Sponsoren springen dann schnell ab.

Was also tun? Die Ablösesummen deckeln? Sicherlich ein Ansatzpunkt, aber gerade kleine Vereine können sich dadurch über Wasser halten, indem sie durch den Erlös beim Verkauf von Leistungsträgern ihren Haushalt sanieren. Es sind nach meiner Meinung besonders die Spielergehälter, die exorbitant in die Höhe geschossen sind und kaum noch den Leistungen entsprechen, die die Spieler erbringen. Sicherlich soll ein guter Spieler auch gut verdienen, aber gemäß seiner Leistung. Und mancher Spieler, der fast nur noch seine Trainingseinheiten absolviert und ansonsten viel Sitzfleisch auf der Auswechselbank beweist, muss nicht mit horrenden Summen bedacht werden.

Profifußball, da geht kein Weg vorbei, ist ein Geschäft. Und die Manager bei den Vereinen müssen längst nicht nur fußballerischen Sachverstand besitzen, sondern auch von wirtschaftlichen Zusammenhängen etwas verstehen. Das wurde natürlich längst erkannt. Die Liga in Spanien kann da nur abschreckendes Beispiel sein. Und so sollte man europaweit vorbeugende Maßnahmen treffen, um auch weiterhin wirtschaftlich gesunde Vereine, die sportlich attraktiven Fußball bieten, zu haben. Ob nun mit Tika-Taka oder ohne …!

Nachtrag: Nein, Tiki-Taka ist lange noch nicht out. Messi & Co zaubern, wenn’s sein muss. Der AC Mailand konnte am Abend des 12.03.2013 nur staunen: Habemus Messi! Und Messi macht den Unterschied! Bravo!