Archiv für den Monat: Februar 2012

Brauhaus Riegele, Augsburg

Zu meinem Geburtstag bekam ich eine Palette Bier geschenkt, drei Sorten Bier vom Brauhaus Riegele aus Augsburg. Augsburg kenne ich eigentlich nur von der Durchfahrt mit dem Zug nach München her. Da ich bayerische Biere mag, habe ich mich besonders gefreut, zumal ich diese Biere bisher nicht kannte (so viele bayerische Biere gibt es in Norddeutschland – bis auf die bekannten – leider nicht, höchstens in speziellen Läden). Nun ist mein Geburtstag schon einige Zeit her und ich habe alle drei Sorten durchprobiert.

    Brauhaus Riegele, Augsburg: Doppelbock Speziator - Æchtes Dunkel - Kellerbier

Die Starkbiersaison hat eigentlich noch nicht begonnen (in diesem Jahr sollte diese vom 25.02. bis 31.03.2012 gehen, geht meist gut fünf Wochen und endet am Samstag, eine Woche vor Ostern), aber natürlich gibt es einen Doppelbock (dunkel und stark) auch vom Brauhaus Riegele inzwischen ganzjährig, das Speziator mit 7,5 Vol-% (einer Stammwürze über 19 %). Wie meist Starkbiere sind, so hat auch dieses neben einer schönen dunklen Farbe einen kremigen Schaum und ist samtig, süffig-vollmundig im Geschmack. Nach meinem Geschmack vielleicht etwas zu süffig (beim Wein würde man das ‚lieblich’ nennen). Dafür schmeichelt ein dezentes Karamellaroma den Gaumen.

Wirklich lecker findet ich das Riegele Æchtes Dunkel. Mit 4,9 Vol. % (Stammwürze: 13,5 %) ist es ein Mittelgewicht und passt sehr gut zu dunklem Fleisch, Wild oder Käse, also ist gut geeignet zu einem ausgiebigen Abendbrot, einer Brotzeit nach bayerischen Verständnis. Ich liebe das malzige Aroma (das Bier wird mit doppelt gedarrtem naturdunklem Gerstenmalz eingebraut); trotzdem sollte ein Bier dieser Art seinen hopfigen Charakter nicht leugnen. Genau das tut dieses Bier (nicht leugnen!) und mundet so ausgezeichnet.

Das Riegele Kellerbier ist eine unfiltrierte naturtrübe Spezialität mit 5,0 Vol. % (Stammwürze: 13,5%), daher mit einer ausgeprägten Hefeblume und vollmundig fruchtig im Geschmack. Das Kellerbier eignet sich für alle Gelegenheiten, ist nach meinem Geschmack vielleicht einen Hauch zu ‚süffig’.

Wenn ich also einmal Halt in Augsburg machen sollte, dann weiß ich auf jeden Fall, welches Bierchen ich mir zu Gemüte führen werde. Das Brauhaus Riegele produziert natürlich auch jede Menge heller Biere und – wie sollte es für Bayern anders sein: helle und dunkle Weissbiere.

Werders neue Spieler

Morgen ist es wieder einmal soweit. Im Nordderby in der Fußball-Bundesliga spielt der HSV gegen Werder Bremen. In der Hinrunde gewannen die Bremer mit 2:0. Die hanseatische Rivalität sorgt immer für Brisanz. Nachdem der HSV doch noch im Mittelfeld angekommen ist, haben die Hamburger sich jetzt als Ziel gesetzt, wieder die Nummer eins im Norden zu werden. Obwohl der SV Werder noch deutliche sieben Punkte vor dem HSV steht, dürften die Hamburger morgen als Favorit gelten.

Warum? In den vier Spielen der Rückrunde haben sich die Bremer nicht gerade mit Ruhm bekleckert: Vier Spiele und nur vier Punkte von möglichen 12, da viermal remis gespielt wurde. Also bitte morgen nicht schon wieder ein Unentschieden (von mir aus verliert selbst gegen den HSV, wenn ihr die nächsten Spiele endlich einmal wieder gewinnt), das halten die Nerven von uns Fans nicht mehr aus. Und haltet endlich den Mund und macht keine großen Sprüche. Aber nein: „Der HSV liegt uns!“ … hoffentlich der Mannschaft am Sonntagmorgen nicht schwer im Magen.

Okay, der HSV kocht bisher auch nur mit Wasser. Der Sieg in Köln am letzten Wochenende wurde gegen völlig desolate, sich im Karnevalfieber befindliche Kölner erzielt. Da muss es morgen schon etwas ‚mehr’ sein. Lassen wir uns also überraschen (hoffentlich angenehm).

Vielleicht ‚ziehen’ ja morgen Werders neue Kleider Spieler. Im Kader des Bremer Fußballbundesligisten hat sich in den letzten Wochen einiges getan. Nachdem nicht nur Naldo und Prödl in der Abwehr verletzt sind, sondern auch Andreas Wolf in Richtung Monaco freigegeben wurde, hat Klaus Allofs, Werders Manager, Nachschub von den Young Boys Bern in Gestalt von François Affolter geholt, wenn auch nur als Ausleihe. Absehbar ist endlich auch, wann Sebastian Boenisch wieder zum Einsatz kommt. Im Mittelfeld ist von der Austria Wien Zlatko Junuzovic an die Weser gekommen, hatte erst einen guten Einstieg, um dann ähnlich wie seine Nebenspieler, allen voran Mehmet Ekici, der bisher auf fast ganzer Linie enttäuschte, nachzulassen. Sandro Wagner, der im Angriff bisher auch nicht so recht zu Potte kam, ist erst einmal nach Kaiserslautern ausgeliehen. Und da man nicht weiß, ob Claudio Pizarro, Werders bisher einzigster Aktivposten, mit dem Ende der Saison noch in Bremen bleiben wird (er dürfte gehen, wenn es Werder nicht in eine der internationalen Wettbewerbe schafft), hat sich Werder bereits umgeschaut und will sich die Rechte an dem jungen Nachwuchsstürmer des 1. FC Saarbrücken, Johannes Wurz, sichern. Leider zu einer Farce verkommt der Wechsel des Brasilianers Wesley zurück in seine Heimat zu Palmeiras São Paulo. Wesley hat schon seinen Spind bei Werder geräumt, der Wechsel mit allen Modalitäten war in trockenen Tücher, da springt wohl beim brasilianischen Verein der Investor ab, der den ersten Teil der vereinbarten Transfersumme übernehmen sollte.

Dass man Wesley nicht länger halten wolle, war absehbar, da sich im Bremer Mittelfeld die Talente schon gegenseitig auf die Füße treten. Neben Marin, Bargfrede, Aaron Hunt und Borowski, der es noch einmal wissen will, sind das u.a. Aleksandar Ignjovski, Mehmet Ekici, Zlatko Junuzovic, Tom Trybull, Florian Trinks, die Stevanovic-Brüder und noch einige Spieler mehr. Wer sich nun als Spielgestalter aufdrängt, ist noch nicht so richtig auszumachen. Vielleicht packt es Ekici doch endlich – oder Zlatko Junuzovic lässt den Worten Taten folgen.

Junge Tatente hat Werder (nicht nur im Mittelfeld) zuhauf. Was fehlt, dass ist der große Durchbruch. Also, ran an die Riemen, Jungs. Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber sonst versinkt das Werder-Schiff sehr schnell in den Gewässern bundesligistischer Mittelmäßigkeit. Morgen habt ihr dazu die nächste große Chance. Aber bitte nicht wieder ein unsägliches Unentschieden (dann doch lieber … nein, lieber nicht).

Von gesellschaftlicher Bedeutungslosigkeit

Im Gegensatz zu manchem Politiker habe ich Vicco von Bülow, uns allen als Loriot bekannt, auch immer für eine Art von moralischer Instanz gehalten. Wie er uns in seinen Sketchen und Karikaturen ‚vorführte’, hatte immer auch eine moralische Seite. Ich will das hier gar nicht weiter ausführen. Nur soviel: Werk und Mensch waren deckungsgleich. Wie er uns ‚aufzeigte’, das hatte Stil – wie der Mensch Loriot. Ja, gerade das war es, was uns an ihm gefiel. Loriot war kein Aufschneider, kein Parvenü und Wichtigtuer. Wenn einer von Adel war, dann er. Leider ist mit seinem Tod die Welt geradezu verarmt. Wie erschreckend banal und trist sind heute solche Gestalten wie Wulff oder Rösler. Obwohl … oder nicht? Nein, der Schnorrer Wulff wäre selbst für Loriot eine zu schnöde Figur.

Von gesellschaftlicher Bedeutungslosigkeit © Loriot

Herren, die unter gesellschaftlicher Bedeutungslosigkeit leiden, brauchen sich nur als Arzt kenntlich zu machen. Alle Herzen werden ihnen zufliegen. © Loriot

Willi, der Maulwurf

Mit Murmeltieren kann ich mich ja noch anfreunden, immerhin fällt mein Geburtstag auf den Murmeltiertag. Aber mit blinden Maulwürfen? Und dann soll ich noch einer dieser Maulwürfe sein, wenn in einer Zeichnung meines jüngeren Sohnes auch als Willi, der Super-Maulwurf, dargestellt. Dem aber nicht genug bekam ich (nachträglich) von dem älteren meiner beiden Söhne etwas Neues aus seiner Stofftiernähstube, nachdem er mich bereits in früheren Jahren zeichnerisch karikiert hatte:

    Willi, der Maulwurf © Jan Einar Albin

Noch fehlt diesem Maulwurf ein wichtiges Requisit, die gelbe Blindenbinde mit den drei schwarzen Punkten. Mein Sohn wird sie mir noch nachliefern. Daher habe ich notdürftig (welches Wort) eine entsprechende Armbinde der Abbildung ‚eingefügt’.

Nun es ist ja nicht das erste Werk aus meines Sohnes Stofftiernähstube. Bereits eine seiner Freundinnen (fieser Fuchs) und seine Mutter (Zombiebär) wurden mit selbstgenähten Tierchen beglückt. Die Kreativität kennt also keine Grenzen.

Übrigens ist mein Sohn am Wochenende wieder bei uns in Tostedt. Er nimmt an einem weiteren Nähkurs teil. Zuletzt hat er sich eine Hose genäht, für die er jetzt noch Knopflöcher fertigen will. Auch das muss erst einmal gelernt sein.

Whitney Houston gestorben

Man soll nicht schlecht über Verstorbene sprechen resp. schreiben. Es ist schon einige Zeit her, da las ich einen Artikel mit der Überschrift Whitney Houston kann nicht ohne Bühne:

„Sie kann es nicht mehr wirklich auf der Bühne – aber noch weniger kann sie ohne. Das habe Whitney Houston mit vielen Promis gemeinsam, wie Borwin Bandelow, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen, sagt. Viele Stars treibe Narzissmus, gepaart mit mangelnder Selbstkritik an. Bei Marilyn Monroe, Elvis Presley und Michael Jackson sei es genauso gewesen, sagt der Autor des Buchs Celebrities: Vom schwierigen Glück, berühmt zu sein. Allerdings: ‚Wer selbst Probleme hat, kann Gefühle authentischer rüberbringen.’“

Mich interessierte damals weniger Whitney Houston, dafür mehr das Problem als solches. Hintergrund war eine Diskussion zu Ian Anderson, der ebenfalls nicht ohne Bühne auszukommen scheint. Jetzt ist Whitney Houston im Alter von 48 Jahren gestorben. Die Todesursache ist noch unbekannt. Die Autopsie-Resultate werden erst in Wochen vorliegen. Ein Selbstmord kann nicht ausgeschlossen werden.

Alstereisvergnügen 2012 in Hamburg

Am Wochenende war es also endlich soweit. Norddeutschlands Seen dienten dem großen Eisvergnügen. Und so waren sowohl auf dem größten See, dem Steinhuder Meer, aber auch auf dem Zwischenahner Meer und dem Maschsee in Hannover die Menschen auf dem Eis unterwegs. Die meisten Leute gab es allerdings auf der Außenalster in Hamburg. Schätzungsweise eine Million Eissüchtige betraten an den letzten drei Tagen die rund 20 cm dicke Eisfläche des bis 164 ha großen und bis zu 4,5 m tiefen Gewässers.

Bereits vor zwei Jahren war die Aster zugefroren, wurde allerdings für das Alstereisvergnügen nicht freigegeben. Mithin ist es 15 Jahre her, als sich halb Hamburg aufmachte, um wenigstens einmal auf der Alster gerutscht zu sein.

Wir vor 15 Jahren so war ich diesmal mit meinen Lieben auch auf der Alster (nur der ältere meiner Söhne weilte in Göttingen). Und wie damals, so habe ich auch dieses Mal die Filmkamera ausgepackt:


Alstereisvergnügen 2012 in Hamburg

Nun mit dem Hochdruckwetter ist es erst einmal vorbei. Und damit auch mit dem strengen Frost. In den nächsten Tagen gibt es bei Temperaturen um die Null Grad Schnee und Regen. Alles also wie gehabt. Und soll man unserem Wetterpropheten Hubert aus Tostedt glauben, dann war es das auch mit dem Winter (auf jeden Fall mit den eisigen Temperaturen).

Karl May: Durch die Wüste

2012 ist ein Karl May-Jahr, denn es jährt sich Karl Mays Geburtstag zum 170. Male und sein Todestag zum 100. Mal. Es ist schon erstaunlich, was sich so alles im Internet zu dem Erfinder von Winnetou, Old Shatterhand oder auch Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar findet.

Bevor ich mich auf die ‚große Literatur’ stürzte, also in jungen Jahren, da war Karl May das für mich, was heute Harry Potter für Kinder und Jugendliche ist. Dabei muss ich gestehen, dass mir die Orient-Abenteuer mehr gefallen haben als der Wilde Westen. Der Orient-Zyklus mit Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar, übrigens Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawud al Gossarah mit vollem Namen (»So bist Du also der Sohn Abul Abbas’, des Sohnes Dawud al Gossarah?«), beginnt mit dem Buch „Durch die Wüste“.

Als ich also mit jungen Jahren dieses Buch zum ersten Mal las, hatte ich nicht geahnt, dass ich viel später einmal, zudem mit den eigenen Söhnen, auf den Spuren der beiden Orient-Helden wandeln werde. So verbrachte ich mit meiner Familie zum Jahrtausendwechsel von 1999 auf 2000 zwei sehr interessante Wochen im Süden Tunesiens und durchquerte zum einen den Schott el Djerid, einem Sedimentbecken mit Salzsee, sowie einen nördlichen Teil der Sahara, den Östlichen Großer Erg (Grand Erg Oriental), eine Sandwüste. Ausgangspunkt war für uns die Oasenstadt Tozeur, die bei Karl May Toser genannt wird.

Sonnenaufgang über dem Schott el Djerid

Die Karawane zieht weiter

Sonnenaufgang über dem Schott el Djerid

Die Karawane zieht weiter

Kinder im Boot auf dem Schott el Djerid

Schott el Djerid - Salzsee

Kinder im Boot auf dem Schott el Djerid

Schott el Djerid – Salzsee

Durch die Wüste reiten Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar, sein treuer Gefährte. Der Fund einer Leiche bei den Salzseen Nordafrikas löst ein faszinierendes Abenteuer aus, dessen Folgen den Leser sechs Bände lang in Atem halten. Schon zu Beginn erschließt sich die ganze Buntheit der orientalischen Welt. Im ersten Band des Orient-Zyklus von Karl May beschreibt dieser sehr ausführlich den Schott el Djerid – wie folgt wiedergegeben:

„Zu unserer Linken glänzte die Fläche des Schott Dscherid zu uns herauf, ein Anblick, den ich vollständig auszukosten suchte. […]

Die Einsenkung des Schottgebietes ist heutzutage zum großen Theile mit Sandmassen angefüllt, und nur in der Mitte der einzelnen Bassins hat sich eine ziemlich beträchtliche Wassermasse erhalten, welche durch ihr Aussehen den arabischen Schriftstellern und Reisenden Veranlassung gab, sie bald mit einem Kampherteppich oder einer Kristalldecke, bald mit einer Silberplatte oder der Oberfläche geschmolzenen Metalls zu vergleichen. Dieses Aussehen erhalten die Schotts durch die Salzkruste, mit der sie bedeckt sind und deren Dicke sehr verschieden ist, so daß sie zwischen zehn und höchstens zwanzig Centimeter variirt. Nur an einzelnen Stellen ist es möglich, sich ohne die eminenteste Lebensgefahr auf sie zu wagen. Wehe dem, der auch nur eine Hand breit von dem schmalen Pfade abweicht! Die Kruste gibt nach, und der Abgrund verschlingt augenblicklich sein Opfer. Unmittelbar über dem Kopfe des Versinkenden schließt sich alsbald die Decke wieder. Die schmalen Furten, welche über die Salzdecke der Schotts führen, werden besonders in der Regenzeit höchst gefährlich, indem der Regen die vom Flugsande überdeckte Kruste bloßlegt und auswäscht.

Das Wasser dieser Schotts ist grün und dickflüssig und bei weitem salziger als das des Meeres. Ein Versuch, die Tiefe des Abgrundes unter sich zu messen, würde des Terrain halber zu keinem Resultate führen, doch darf wohl angenommen werden, daß keiner der Salzmoräste tiefer als fünfzig Meter ist. Die eigentliche Gefahr bei dem Einbrechen durch die Salzdecke ist bedingt durch die Massen eines flüssigen, beweglichen Sandes, welcher unter der fünfzig bis achtzig Centimeter tiefen, hellgrünen Wasserschicht schwimmt und ein Produkt der Jahrtausende langen Arbeit des Samums ist, der den Sand aus der Wüste in das Wasser trieb.

Schon die ältesten arabischen Geographen, wie Ebn Dschobeir, Ebn Batuta, Obeidah el Bekri, El Istakhri und Omar Ebn el Wardi, stimmen in der Gefährlichkeit dieser Schotts für die Reisenden überein. Der Dscherid verschlang schon Tausende von Kameelen und Menschen, welche in seiner Tiefe spurlos verschwanden. Im Jahre 1826 mußte eine Karawane, welche aus mehr als tausend Lastkameelen bestand, den Schott überschreiten. Ein unglücklicher Zufall brachte das Leitkameel, welches an der Spitze des Zuges schritt, vom schmalen Wege ab. Es verschwand im Abgrunde des Schott, und ihm folgten alle anderen Thiere, welche rettungslos in der zähen, seifigen Masse verschwanden. Kaum war die Karawane verschwunden, so nahm die Salzdecke wieder ihre frühere Gestalt an, und nicht die kleinste Veränderung, das mindeste Anzeichen verrieth den gräßlichen Unglücksfall. Ein solches Vorkommniß könnte unmöglich erscheinen, aber um es zu glauben, muß man sich nur vergegenwärtigen, daß jedes Kameel gewohnt ist, dem voranschreitenden, mit dem es ja meist auch durch Stricke verbunden ist, blind und unbedingt zu folgen, und daß der Pfad über die Schotts oft so schmal ist, daß es einem Thiere oder gar einer Karawane ganz unmöglich wird, wieder umzukehren.

Der Anblick dieser tückischen Flächen, unter denen der Tod lauert, erinnert an einzelnen Stellen an den bläulich schillernden Spiegel geschmolzenen Bleies. Die Kruste ist zuweilen hart und durchsichtig wie Flaschenglas und klingt bei jedem Schritte wie der Boden der Solfatara in Neapel; meist aber bildet sie eine weiche, breiige Masse, welche vollständig sicher zu sein scheint, aber doch nur so viel Festigkeit besitzt, um einen leichten Anflug von Sand zu tragen, bei jeder anderen Last aber unter derselben zu weichen, um sich über ihr wieder zu schließen.

Den Führern dienen kleine, auseinander liegende Steine als Wegzeichen. Früher gab es auf dem Schott El Kebir auch eingesteckte Palmenäste. Der Ast der Dattelbäume heißt Dscherid, und diesem Umstande hat der Schott seinen zweiten Namen zu verdanken. Diese Steinhäufchen heißen »Gmaïr«, und auch sie fehlen an solchen Punkten, wo auf mehrere Meter Länge der Boden von einer den Pferden bis an die Brust reichenden Wasserfläche bedeckt wird.

Die Kruste der Schotts bildet übrigens nicht etwa eine einheitliche, flache Ebene, sondern sie zeigt im Gegentheile Wellen, welche selbst dreißig Meter Höhe erreichen. Die Kämme dieser Bodenwellen bilden eben die Furten, welche von den Karawanen benützt werden, und zwischen ihnen, in den tiefer liegenden Stellen, lauert das Verderben. Doch geräth schon bei einem mäßigen Winde die Salzdecke in eine schwingende Bewegung und läßt das Wasser aus einzelnen Öffnungen und Löchern mit der Macht einer Quelle hervorbrechen.“

aus Karl May: Durch die Wüste

Während der französischen Kolonialzeit wurde eine dammartige Piste aufgeschüttet, die Tozeur mit Kebili verbindet. Diese war zwischenzeitlich unpassierbar geworden, 1979 wurde jedoch eine ganzjährig passierbare asphaltierte Dammstraße angelegt (siehe Foto oben: Sonnenaufgang über dem Schott el Djerid). Neben der Straße sieht man heute noch die ursprünglich in die Salzkruste gesteckten Palmwedel, an denen sich jahrhundertelang Wanderer, Kameltreiber und seit dem 20. Jahrhundert auch die Autofahrer orientierten.

Weitere Werke von Karl May finden sich unter zeno.org

Weitere Links:
Karl-May-Spiele Bad Segeberg
Karl May Wiki mit vielen Informationen zu Karl May und seinen Werken

Heute Ruhetag (4): Der Hungerkünstler

Heute Ruhetag!

»Immerfort wollte ich, daß ihr mein Hungern bewundert«, sagte der Hungerkünstler. »Wir bewundern es auch«, sagte der Aufseher entgegenkommend. »Ihr solltet es aber nicht bewundern«, sagte der Hungerkünstler. »Nun, dann bewundern wir es also nicht«, sagte der Aufseher, »warum sollen wir es denn nicht bewundern?« »Weil ich hungern muß, ich kann nicht anders«, sagte der Hungerkünstler. »Da sieh mal einer«, sagte der Aufseher, »warum kannst du denn nicht anders?« »Weil ich«, sagte der Hungerkünstler, hob das Köpfchen ein wenig und sprach mit wie zum Kuß gespitzten Lippen gerade in das Ohr des Aufsehers hinein, damit nichts verlorenginge, »weil ich nicht die Speise finden konnte, die mir schmeckt. Hätte ich sie gefunden, glaube mir, ich hätte kein Aufsehen gemacht und mich vollgegessen wie du und alle.«

Franz Kafka: aus Der Hungerkünstler

Alstereisvergnügen 2012 kann starten

Die Alster ist freigegeben. Die Messungen im Verlauf des Mittwochvormittags hatten ergeben, dass das Eis der Belastung durch die zahlreichen Besucher standhalten wird. Auch die Wettervorhersagen versprechen niedrige Temperaturen und machen das erste Alstereisvergnügen seit 15 Jahren möglich. Heute geht es dann los.

Bereits vor zwei Jahren war die Alster um diese Zeit zugefroren. Aber da das Eis damals noch nicht die erforderliche Stärke von 20 cm hatte, wurde kein Alstereisvergnügen mit Glühweinständen und Würstchenbuden auf der Außenalster genehmigt.

zugefrorene Außenalster Januar 2010

Das letzte Alstereisvergnügen liegt somit tatsächlich 15 Jahre zurück. Damals war ich mit meinen Lieben (meine Jungs waren da gerade drei und sechs Jahre alt) natürlich auch auf der Außenalster. Solche Gelegenheiten gibt es meist nur alle gut 10 Jahre (in den 80er Jahren war ich und Freundin, heute meine Frau, mit Skiern auf dem Eis unterwegs). Damals am 4. Januar 1997 schien die Sonne von einem stahlblauem Himmel und der Wind fegte eisig übers Eis, das größtenteils mit Schnee bedeckt war. Aber es hat natürlich Spaß gemacht, wie das damals von mir aufgenommene Video zeigt:


Alstereisvergnügen in Hamburg am 04.01.1997

Zweite Mona Lisa entdeckt

Es ist wohl das bekannteste Ölgemälde der Welt: die Mona Lisa von Leonardo da Vinci. Das Gemälde hängt heute im Louvre in Paris. Es ist auf dünnem Pappelholz gemalt und nur 77 cm × 53 cm groß. Berühmt wurde das Gemälde durch die Abbildung einer geheimnisvoll lächelnden Dame. Lächelt sie nun, diese Mona Lisa, oder lächelt sie nicht? Jetzt hat man im Prado-Museum in der spanischen Hauptstadt Madrid eine zweiten Version gefunden.

Mona Lisa - alt und neu

"Neue" Mona Lisa rechts (AFP, Jean-Pierre Muller-Javier Sorian)

Ausschnitt aus der 'neuen' Mona Lisa (Prado, Madrid)

Bei diesem zweiten Gemälde mussten Experten eine schwarze Hintergrundfarbe entfernten und brachten dadurch eine Naturlandschaft zum Vorschein, wie sie auch die im Pariser Louvre ausgestellte Mona Lisa umrahmt. Nach Expertenmeinung stammt dieses Bild ebenfalls aus der Epoche Leonardo Da Vincis und wurde voraussichtlich von einem seiner Schüler gemalt.

Das Bewerkenswerte an dieser 2. Mona Lisa ist ihre deutlich jüngerer Ausstrahlung. Vielleicht ist das Lächeln der Mona Lisa auf dem Original geheimnisvoller. Die „neue“ Mona Lisa gefällt mir aber besser und erinnert mich irgendwie an die Schauspielerin Alexandra Maria Lara.

Ab dem 26. März soll die Mona Lisa aus dem Prado an der Seite des ebenfalls Anfang des 16. Jahrhunderts entstandenen Originals im Louvre zu sehen sein.

Nachtrag: zdf.de Video: Mona Lisas Zwillingsschwester

Siehe auch meine Beiträge: Der gepixelte Jesus – (Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 28 (Forscher: Modell für “Mona Lisa” war schwuler Mann)

Jethro Tull’s Ian Anderson: Thick as a Brick 2

Am Freitag, den 30. März, ist es soweit. Dann erscheint Jethro Tull’s Ian Anderson:TAAB2 Thick as a Brick 2 wie bereits angekündigt (Oh, wie überraschend …: A Glimpse of Life in the Slow Lane). Ich persönlich werde mir die Special Editon leisten (ist schon bestellt), weil sie zz. gerade einmal einen Euro mehr kostet als die normale CD, aber zusätzlich eine DVD mit 5.1-Surround-Mix u.v.a. Zutaten enthält.

Die Spannung steigt. Aber einen ersten Eindruck kann man schon von dem neuen Werk gewinnen, das wie bereits erwähnt unter dem Namen „Jethro Tull’s Ian Anderson“ erscheinen wird. Instrumental wirkt das Ganze schon sehr virtuos, wenn es auch, wie ich finde, manchmal etwas kalt, steril klingt. Aber ich will den Vogel nicht schon erlegen, bevor er losgeflogen ist. Unter planetrock.com gibt es ein längeres Interview mit Ian Anderson, indem auch einige Passagen von TAAB2 (ca. 32:40 Kismet In Suburbia – 36:00 A Change Of Horses – 38:45 Banker Bets, Banker Wins – siehe auch unten) angespielt werden. Ansonsten verweise ich auf meinen Beitrag Altes „Neues“ von Jethro Tull (7), in dem ich mehrere bisher schon aufgeführte Stücke zusammengestellt habe, die ebenfalls Teil von TAAB2 sein werden. Hier die ‚TAAB2’ tracklist:

1 From A Pebble Thrown
2 Pebbles Instrumental
3 Might-have-beens
4 Upper Sixth Loan Shark
5 Banker Bets, Banker Wins
6 Swing It Far
7 Adrift And Dumfounded
8 Old School Song
9 Wootton Bassett Town
10 Power And Spirit
11 Give Till It Hurts
12 Cosy Corner
13 Shunt And Shuffle
14 A Change Of Horses
15 Confessional
16 Kismet In Suburbia
17 What-ifs, Maybes And Might-have-beens

Ian Anderson – Flute, Guitar, Mandolin, Harmonica, Vocal
John O’Hara – Piano, Keyboards and Accordion
Florian Opahle – Guitar
David Goodier – Bass Guitar and Double Bass
Scott Hammond – Drums


Jethro Tull’s Ian Anderson: Thick as a Brick 2 (Kismet In Suburbia – A Change Of Horses – Banker Bets, Banker Wins) 2012

Hier ein weiteres Interview vom TAAB2-YouTube-Konto, dieses Mal interviewt Ian Anderson sich rd. 40 Minuten selbst:

IA interviews IA 1 edit
IA interviews IA 2 edit
IA interviews IA 3 edit
IA interviews IA 4 edit

Wie auch immer: Der Meister sprüht geradezu vor Tatendrang. Auch wenn es schmerzt, Martin Barre mit Ian Anderson erst einmal nicht mehr gemeinsam auf der Bühne zu sehen, so wirken Musiker wie Florian Opahle und Scott Hammond wie eine Blutauffrischung, von der auch Anderson profitiert. Wäre da nicht seine Stimme. Auf TAAB2 hat er es wohl gerade noch so hingebogen, dass seine Stimme nicht völlig ‚wie aus der Mülltonne’ klingt. Aber wenn es wirklich so kommen sollte, wie er es ankündigt, dann könnte sogar die TAAB-TAAB2-Doppel-Tour für mich interessant werden: Ian Anderson will sich tatsächlich gesanglich ‚zurücknehmen’. Dafür soll dann der Sänger der ehemaligen Progrock-Gruppe Gentle Giant, Derek Shulman, einspringen (das bezieht sich vorerst wohl nur auf den Auftritt beim Burg Herzberg Festival …). Shulman war übrigens derjenige, der Ian Anderson auf die Idee zu diesem TAAB-Sequel brachte. 1972 bei meinem ersten Tull-Konzert war Gentle Giant die Vorgruppe und hatte mich mindestens genauso begeistert wie Jethro Tull selbst. Derek Shulman war ein stimmgewaltiger Sänger. Das ist allerdings über 30 Jahre her. Seitdem arbeitet er in der Musikbranche und ist zuletzt mit eigenen Labels, erst DRT Entertainment, ab 2010 mit 2PLUS Music & Entertainment ziemlich erfolgreich. Was mich schon etwas stutzig macht, ist die Tatsache, dass sich Andersons Gesangstimme schlecht mit der von Derek Shulman vergleichen lässt. Aber interessieren würde es mich schon sehr, neben Anderson auch den ehemaligen Gentle Giant-Sänger auf der Bühne zu sehen. Leider ist bisher der Norden Deutschlands bei der Tournee-Planung ziemlich vernachlässigt worden (sollte sich das noch ändern? Ab Anfang Juni gibt es bisher noch keine Termine; nach Aurich möchte ich eigentlich nicht!).

Aber eines nach dem anderen: Eine gewisse Vorfreude auf TAAB2 kann ich nicht verhehlen, wenn meine Erwartungen auch nicht allzu hoch sind (kommt’s besser als gedacht, dann ist die Freude um so größer). Und die Reaktivierung des Derek Shulman, sollte das der Beginn einer neuen großen Freundschaft und Bühnenpräsenz werden? Lassen wir uns überraschen. Aber ich halte erst einmal die Klappe (und dann war da ja noch das Buch Jethro Tull Over Germany von Wolfgang Thomas, das am 2. April erscheinen soll). Mhhhhhhhhhhhhhh ….

siehe auch TAAB2?!