140 Jahre Friedhof Ohlsdorf

Ein Friedhofgänger bin ich eigentlich nicht. Okay, als Kind habe ich öfter mit meiner Mutter auf dem Sonntagsspaziergang den Friedhof Buntentor in der Bremer Neustadt besucht. Und zuletzt war es natürlich der Friedhof auf der Kirchwarft der Hallig Hooge.

Am Montag, den 02.10., hatte ich einen Brückentag genommen und fuhr mit meiner Frau und meinem älteren Sohn, der in Semesterferien bei uns weilt, nach Hamburg. Ziel: der Friedhof Ohlsdorf, der am 1. Juli 1877, also vor 140 Jahren, eingeweiht wurde und mit 389 Hektar der größte Parkfriedhof der Welt ist. Damit ist er hat die größte Grünanlage der Stadt Hamburg.

Plan – Friedhof Ohlsdorf/Hamburg

Über das gesamte Areal verteilen sich 235.000 Grabstätten. Auf dem Ohlsdorfer Friedhof haben seit seiner Gründung über 1,4 Millionen Beisetzungen stattgefunden, jährlich kommen 4.700 Beisetzungen dazu. Zum Vergleich: Der Wiener Zentralfriedhof hat eine Größe von 250 Hektar mit 330.000 Grabstellen. Vielen Menschen ist es schon passiert, dass sie sich in diesem Wald aus 35.000 Bäumen verlaufen haben. Der Central Park in New York ist kleiner.

Das Aussehen des Geländes ist bestimmt durch den Parkcharakter der Anlage mit einigen hundert Laub- und Nadelgehölzarten sowie Teichen und Bächen und einer Landschaft, die sich durch eine Mischung aus historischen Bauten, Gartendenkmälern und modernen Themengrabstätten auszeichnet. Charakteristisch für die Struktur der Anlage sind schnurgerade, in exakter Ost-West- bzw. Nord-Süd-Richtung verlaufende sowie gleichmäßig sanft gebogene Straßen und Wege mit dazwischen liegenden schachbrettartig angelegten Parzellen. Das durchweg von Pflanzen gesäumte Straßensystem wird durch Kreisel aufgelockert. Neuere Anlagen sind unter anderem Schmetterlingsgräber, Kolumbarien und Paar-Anlagen.

Zu jeder Jahreszeit ist der Parkfriedhof eine Oase der Ruhe inmitten der belebten Metropole. Besonders empfehlenswert: ein Spaziergang zur Rhododendronblüte Anfang Juni. Aber auch jetzt im Herbst ist es hier sehr schön.

Herbststimmung auf dem Friedhof Ohlsdorf/Hamburg © Jan Einar Albin

Auf dem Ohlsdorfer Friedhof kann sich jeder beisetzen lassen, unabhängig von Wohnort und Konfession.

Der Ohlsdorfer Friedhof ist alles andere als unbelebt. Er ist eine Oase mitten in der Großstadt Hamburg. Die nordstory des NDR zeigt die Lebendigkeit dieser Großstadtoase. Die Hamburger nennen ihren Hauptfriedhof kurz „Ohlsdorf“. Er ist eine Welt für sich, ein Kosmos. Vor dem schmiedeeisernen Tor bleiben Hektik, Lärm und Stress zurück. Eben noch in der pulsierenden Stadt, steht der Besucher wenige Sekunden und Schritte später in einem paradiesisch anmutenden Wald.


NDR – nord-story: Im Wald der Engel (2014)

Die Luft ist klar, es duftet pflanzlich nach Harz und Blüten, Bienen summen, Vögel singen und zahllose Engel schauen einen wohlwollend an. Und vielleicht ist auch ein Fuchs, ein Reh oder ein Uhu in der Nähe.

Trotz der Ruhe und der Natur weit und breit ist es nun doch in erster Linie ein Friedhof. Erschreckend fand meine Frau die Gräberfelder – für die Gefallenen des ersten und zweiten Weltkrieges. Zunächst machten uns die Sterbedaten stutzig, z.B. das Jahr 1922. Aber hier liegen eben auch Soldaten, die erst später an den Verletzungen, die sich im Krieg zugezogen hatten, gestorben sind.

Gräberfelder – für die Gefallenen des ersten Weltkrieges - Friedhof Ohlsdorf/Hamburg © Jan Einar Albin

Auf dem Friedhof Ohlsdorf befinden sich natürlich auch die Gräber vieler Prominenter, allen voran das Grab von Helmut und Loki Schmidt:

Grab von Helmut und Loki Schmidt
Viele Besucher hat das Grab des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt und seiner Frau Loki. Neben Blumen und Kerzen bringt mancher Besucher auch Zigaretten oder Schnupftabak vorbei

Wer sich anonym beisetzen möchte, findet im Urnenhain seine letzte Ruhestätte:

Weg zum anonymen Urnenhain - Friedhof Ohlsdorf/Hamburg © Jan Einar Albin
Weg zum anonymen Urnenhain. Das Tor fertigte Klaus Bösselmann 1980. Es bringt das Lebensthema „Werden, Sein, Vergehen“ symbolhaft zum Ausdruck.

Auf diesem Friedhof stehen auch viele Denkmäler und Skulpturen. Neben jeder Menge Engel ist es dann auch die „Grausame Gräfin“, die uns sagt, dass das Leben kein Honigschlecken ist:

Das Schicksal - Friedhof Ohlsdorf/Hamburg © Jan Einar Albin
Übel spielt „Das Schicksal“ den Menschen in dieser 1905 von Hugo Lederer geschaffenen Marmorskulptur mit: Eine Frau, auch die „Grausame Gräfin“ genannt, zerrt zwei hilflose Menschen an den Haaren durch ihr Leben.

Neben der Video aus der NDR nord-story fand ich noch andere kleinere Videobeiträge aus den Mediatheken der ARD: Gärtner Jens Blümke arbeitet auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf und kennt sich nicht nur mit Pflanzen, sondern auch mit Trauerarbeit aus: Er hat für alle ein offenes Ohr.


NDR – Mein Nachmittag: Die gute Seele vom Ohlsdorfer Friedhof

Und selbst die Gartensendung Querbeet des BR (Bayerischen Rundfunks) brachte einen kurzen Beitrag zum Ohlsdorfer Friedhof:


BR – Querbeet: Hamburg-Ohlsdorf – ein Friedhof als Stadtpark

weitere Videos bei Youtube

Natürlich reicht ein halber Tag nicht aus, um auch nur einen Teil des Friedhofes kennenzulernen. Und jede Jahreszeit hat ihre besonderen Seiten. Mit meiner Frau werde ich mit Sicherheit noch öfter diesen sehenswerten Parkfriedhof in Hamburgs Herzen besuchen kommen. Hilfreich ist natürlich Lektüre, um sich zurechtzufinden. Allem voran das Buch Der Ohlsdorfer Friedhof: Ein Handbuch von A-Z, das besonders vor Ort schnelle Hilfe leistet.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide – und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) … Ach, und gern verreise ich auch!

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