Eine halbe Woche Stillstand

Am Donnerstag war ich kurz nach 12 Uhr zur Mittagspause hinausgegangen, um Kleinigkeiten einzukaufen. Es regnete noch leicht und es wehte ein leichter Wind. Nach mir ging dann mein Arbeitskollege hinaus und hatte Glück, als ihn ein herabstürzender Ast nur leicht streifte. Orkan Xavier war wie aus dem Nichts aufgezogen und sorgte innerhalb kürzester Zeit für ein Verkehrschaos durch unzählig umgestürzte Bäume, die auf Straßen, Oberleitungen und Gleise der Bahn fielen. Und das gerade drei Wochen nachdem das Sturmtief Sebastian über Norddeutschland fegte und den Bahnverkehr rund um Hamburg total zum Erliegen brachte.

Da die Bahn und hier besonders die Eisenbahngesellschaft Metronom sicherlich auch weiterhin keinen Norfallplan vorweisen konnte, hatte ich mir einen eigenen Plan zurechtgelegt. Bis Harburg mit der S-Bahn, von dort mit einem Bus Richtung Klecken oder Buchholz. Umstieg in Nenndort in einen Bus, der von den Aibus-Werken kommt und fast vor meiner Haustüre hält.

Leider beinhaltet dieser Plan die S-Bahn-Fahrt bis Harburg (mit Bussen geht es zwar auch, aber mit zweimal Umsteigen dauert das dann rund eine Stunde). Aber diesmal war auch der S-Bahnverkehr eingestellt. Selbst die U-Bahn fuhr auf lange Dauer nicht, so auch die U2, die vor Jungfernstieg auf unbestimmte Dauer (wie es so schön heißt) den Betrieb einstellte. Dort gab es einen Feuerwehreinsatz. Der Feueralarm stellte sich dann später als Fehlalarm heraus. Auch das noch!

Um es kurz zu machen: Stunden später fuhr dann doch wieder die S-Bahn und in Harburg holte mich mein Sohn mit dem Auto ab (Plan B). Kurz vor 14 Uhr 30 hatte ich Feierabend gemacht – und gegen 19 Uhr 30 war ich dann endlich zu Hause.

    Metronom – Engagiert auch bei Stillstand

Orkan Xavier muss derart schlimm bewütet haben – es gab sogar einige Tote -, dass selbst heute noch kein normaler Bahnverkehr auf der Strecke Hamburg – Bremen möglich ist. Immerhin fahren zwischen Rotenburg (über Tostedt) und Hamburg wenigstens stündlich Züge.

Allerdings ist die Inforamtionspolitik des Metronoms eine Katastrophe: Die Metronom-App zeigte heute Morgen eigentlich gar nichts Konkretes an. Auch die Website meldete nichts Genaues (Welcher Zug fährt nun und welcher nicht?!). Da waren die Infos über die Deutsche Bahn (Website und App) schon besser. Die Mitarbeiter des Metronoms haben so früh am Tag noch den Schlaf der Gerechten gehalten (oder sind mangels Zugverkehr nicht zur Arbeit gelangt).

Immerhin in einer Sache ist die Metronom-Leitung wach geworden und fordert die Einrichtung eines runden Tisches „Grünschnitt“.

Kaum ziehen die alljährlichen Herbststürme auf, kommt es entlang der Eisenbahnstrecken in Niedersachsen immer wieder zu massiven Behinderungen durch umgestürzte, auf den Gleisen liegende Bäume oder Äste. Für die metronom Eisenbahngesellschaft ein untragbarer Zustand. Das Uelzener Eisenbahnunternehmen fordert deshalb die Einrichtung eines runden Tisches „Grünschnitt“.

Immer wieder stürzen bei Unwetter Bäume oder große Äste auf die Gleise. Die Folge sind langanhaltende Streckensperrungen und tausende wartende Fahrgäste. „Bisher gab es glücklicherweise noch keine größeren Unfälle, trotzdem ist nicht nur der wirtschaftliche Schade groß“, betont metronom Pressesprecher Björn Pamperin. „Die Strecken müssen in einem Zustand sein, der jederzeit eine sichere, verlässliche und pünktliche Fahrt zulässt. Dazu gehört auch ein regelmäßiger und präventiver Grünschnitt entlang der Strecken. Die von Bäumen auf den Bahnbetrieb ausgehenden Gefahren müssen beseitigt werden. Präventive Betriebseinschränkungen bei stärkerem Wind, die unsere Fahrgäste zusätzlich treffen, sind dazu keine Alternative.“

Auf eine Lösung dieses Problems habe ich schon vor langer Zeit hingewiesen und verweise hiermit auch auf die oft vorkommenden ‚Böschungsbrände‘ im Sommer, die zu längeren Unterbrechungen des Bahnverkehrs führen. Nur fürchte ich, dass das Ganze, so gut es gemeint ist, im Sande verlaufen (oder vom Orkan verweht) wird.

Am Freitag habe ich einen Urlaubstag genommen. Und ab heute hatte ich sowieso Urlaub geplant. Immerhin ist mein Sohn heute Morgen nach Harburg gekommen, um mit einem ICE weiter nach Mannheim zu fahren. Allerdings musste er die Zugbindung für den ICE aufheben lassen, da er den eigentlichen Zug nicht erreicht hätte.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide – und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) … Ach, und gern verreise ich auch!

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