Italian Apocalypse Now

Nein, ich will und kann mich nicht darüber lustig machen, dass Italien die Fußball-WM-Endrunde in Russland im nächsten Jahr verpasst hat. Natürlich konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, als im Vorfeld des Playoff-Rückspiels gegen Schweden der italienische Team-Manager Gabriele Oriali sagte, dass eine Weltmeisterschaft ohne den viermaligen Titelträger Italien unvorstellbar wäre. Verbandschef Carlo Tavecchio legte da verbal noch einen drauf: „Die Aussicht, dass wir uns nicht qualifizieren, würde einer Apokalypse ähneln.“

Apocalypse Now: Italien verpasst die WM 2018 in Russland

Nun die Fußball-Großmacht Italien hat erstmals seit 1958 eine WM-Endrunde verpasst und damit die von Verbandschef Carlo Tavecchio befürchtete Apokalypse im Land der viermaligen Weltmeisters perfekt gemacht. Nach der 0:1-Niederlage in Schweden spielten die Italiener nur 0:0 vor Mailänder Publikum und müssen nun den Schweden den Vorrang lassen. Carlo Tavecchio wandte sich schon mal vorsorglich an den Weltverband FIFA. Der Präsident sprach sich für einen „Traditions-Bonus“ für Top-Nationen aus: „Ich habe mit FIFA-Chef Gianni Infantino über das Qualifikationssystem geredet. Man kann nicht die vier WM-Titel Italiens unberücksichtigt lassen. Man kann nicht die Geschichte ignorieren“, sagte er.

Was ist dazu zu sagen? Es ist schon etwas lächerlich.

Zum Rückspiel vorgestern: Bereits in der neunten Minute forderten die Hausherren einen Elfmeter, als der Bremer Profi Ludwig Augustinsson im Strafraum Marco Parolo einen Schubser verpasste. Der spanische Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz ließ aber weiterspielen. Auf der anderen Seite verwehrte der Referee Schweden einen Strafstoß, nachdem Matteo Darmian den Ball mit der Hand touchiert hatte. Nach einer knappen halben Stunde lag der Referee falsch, als er ein Handspiel von Andrea Barzagli im italienischen Strafraum übersah. Obwohl die „Squadra Azzurra“ deutlich mehr vom Spiel hatte, so wirkte sie überhastet und oft ideenlos.

Für Italiens 39 Jahre alte Torwart-Legende Buffon, der seine sechste WM-Teilnahme verpasste, war das 175. Länderspiel auch sein letztes. Mit ihm beendeten einige weitere Weltmeister von 2006 ihre internationale Karriere sofort nach der Partie: Die Verteidiger Andrea Barzagli (36) und Giorgio Chiellini (33) sowie Mittelfeldspieler Daniele De Rossi (34) werden nicht mehr für Italien auflaufen.

Neben dem letztmaligen WM-Dritten Niederlande werden nun also auch die Italiener die WM im nächsten Jahr von den heimischen Stuben aus betrachten dürfen. Niederlande und Italien also nicht, dafür haben sich Panama und vor allem Island (Achtung Russland: Die Wikinger kommen), die bereits bei der Europameisterschaft im letzten Jahr für Furore gesorgt haben, für die WM 2018 qualifiziert. Für gute Stimmung auf den Rängen ist also gesorgt, da leider weder Wales, Nord-Irland noch Irland die Qualifikation schafften. Irland verlor nach dem 0:0 in Dänemark, was noch für Hoffnung sorgte, gestern zu Hause trotz einer frühen 1:0-Führung am Ende mit 1:5 gegen die Dänen. Wenn sein Stern bisher nur in der englischen Premier League zu glänzen verstand, so dürfte er vielleicht einer der neuen WM-Stars werden: Christian Eriksen, der allein drei der fünf Tore für Dänemark schoss und spätestens seit gestern Abend der neue Nationalheld Dänemarks ist.

Bis jetzt stehen 30 der insgesamt 32 Teilnehmer (von 210 Bewerbern) an der WM in Russland, die vom 14. Juni bis 15. Juli 2018 mit insgesamt 64 Spielen stattfindet, fest. Heute Morgen ab 10 Uhr MEZ wird der 31. Qualifikant im Spiel Australien – Honduras (Hinspiel in Honduras 0:0) und in der Nacht zu Donnerstag (ab 3 Uhr 15 MEZ) der 32. Teilnehmer zwischen Peru und Neuseeland (Hinspiel ebenfalls 0:0) ermittelt.

Ergänzung: Australien gewinnt 3:1 gegen Honduras und ist der 31. Teilnehmer an der WM. Und im letzten Qualifikationsspiel gewinnt Peru 2:0 gegen Neuseeland.

Somit haben sich folgende Mannschaften für das WM-Turnier qualifiziert:

aus Europa:

Russland als Gastgeber
Frankreich
Portugal
Deutschland
Serbien
Polen
England
Spanien
Belgien
Island
Kroatien
Schweiz
Schweden
Dänemark

aus Nord- und Mittelamerika:

Mexiko
Costa Rica
Panama

aus Südamerika:

Brasilien
Uruguay
Argentinien
Kolumbien
Peru

aus Asien:

Iran
Südkorea
Japan
Saudi-Arabien
Australien

aus Afrika:

Nigeria
Ägypten
Tunesien
Marokko
Senegal

Die Ozeanische Zone stellt leider keine Ländermannschaft. Neuseeland ist als letzter Kandidat in den Interkontinentalen Play-offs an dem Fünftplatzierten aus Südamerika Peru gescheitert.

WM-Auslosung am 1. Dezember in Moskau

Nachdem alle 32 Qualifikanten feststehen, ist auch bekannt, welche Mannschaften sich in welche der vier Lostöpfe befinden. Die WM beginnt mit einer Gruppenphase. Dabei gibt es acht Gruppen mit jeweils vier Mannschaften, die gegeneinander spielen. Die deutsche Auswahl wird bei der Zeremonie am 1. Dezember im Moskauer Kreml im ersten Topf sein und somit in der Gruppenphase nicht auf andere Favoriten wie Brasilien, Argentinien oder Frankreich treffen können. Ein Vorrunden-Duell mit Spanien oder England, die in Topf zwei sind, ist hingegen möglich.

Die 32 Teams werden gemäß ihren Weltranglistenplatzierungen vom Oktober den vier Töpfen zugeteilt. In der WM-Vorrunde können nur maximal zwei Teams aus Europa in einer Gruppe aufeinandertreffen. Aus den anderen Konföderationen können die jeweiligen Teams nicht in eine Gruppe gelost werden. Eine mögliche Gruppenkonstellation wäre für Deutschland beispielsweise Spanien, Senegal und Japan. Eine leichtere Konstellation mit Peru, Iran und Panama ist auch möglich.

Die vier Töpfe

Topf 1
Russland (Gastgeber)
Deutschland
Brasilien
Portugal
Argentinien
Belgien
Polen
Frankreich

Topf 2
Spanien
Peru
Schweiz
England
Kolumbien
Mexiko
Uruguay
Kroatien

Topf 3
Dänemark
Island
Costa Rica
Schweden
Tunesien
Ägypten
Senegal
Iran

Topf 4
Serbien
Nigeria
Australien
Japan
Marokko
Panama
Südkorea
Saudi-Arabien

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide – und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) … Ach, und gern verreise ich auch!

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