Boykott – rein persönlich

Liest man die Olympische Charta, so sollte laut Regel 2 das IOC (Internationales Olympische Komitee) seine Anstrengungen darauf richten, dass z.B. Gewalt geächtet wird, dass der Kampf gegen Doping geführt und sich dem Missbrauch des Sports für politische Zwecke widersetzt wird. Wie kann man so die Olympische Spiele 2008 in einem Land wie der Volksrepublik China austragen lassen?

Olympicwatch.org hierzu: Die Kernpunkte unserer Besorgnis sind die Redefreiheit und der Zugang zu Informationen, die Verfolgung der Opposition statt der Entwicklung von Demokratie, Todesstrafe und Folterungen, der Kampf um ein freies Tibet, und die Beziehungen zwischen Festland-China und Taiwan.

Am 8. August d.J., also in gut drei Wochen bereits, beginnen nun in Peking die 29. Olympischen Spiele der Neuzeit, in deren Zusammenhang für die Errichtung der Sportstätten 1,5 Millionen Menschen zwangsweise umgesiedelt wurden. Peking ist die Hauptstadt eines Landes, das z.B. gegen das UN-Waffenembargo gegen den Sudan verstößt und das durch sein Veto gegen Sanktionsbeschlüsse im UN-Sicherheitsrat und durch Waffenlieferungen weiterhin die brutale Gewaltherrschaft eines Robert Mugabe in Simbabwe unterstützt. Von der Unterdrückung des Freiheitskampfes der Tibeter ganz zu schweigen.

Olympia 2008 in Peking

Wie viel man in China von Meinungsfreiheit hält, durfte bereits der IOC-Chef persönlich erfahren. Und wie es um den Kampf gegen Doping bestellt ist? Halbherzig; von einer stillschweigenden Duldung von Seiten der chinesischen Regierung ist die Rede.

Die Vergabe der Olympischen Spiele an Peking wurde auch von westlichen Ländern getragen. Da macht ein Boykott der Spiele zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn mehr. Frühere Boykotte haben zudem wenig bewirkt. Was also tun, wenn man wie ich nicht einverstanden ist – mit diesen zu Propagandazwecken missbrauchten Spielen? Zunächst kann man sich an Kampagnen (z.B. im Internet bei avaaz.org) beteiligen. Viel bringt das nicht. Aber es ist doch besser als gar nichts. Waren ‚Made in China’ werde ich nicht kaufen. Und ich werde meinen persönlichen Boykott durchführen, d.h. ich werde jegliche Berichterstattung zu Olympia tunlichst ignorieren. Kein TV, kein Internet, keine Zeitung in Sachen Olympia. Medaillenspiegel sind für mich passé!

Nachtrag: siehe auch zdf.de: Im Viel-Völker-Staat gärt es – Minderheiten fühlen sich von Han-Chinesen bedrängt

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide – und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) … Ach, und gern verreise ich auch!

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