Jean-Marie Gustave Le Clézio – Literaturnobelpreis 2008

Anfang des Jahres 2000 hatte ich mich bei 2001 wieder einmal mit preiswerten Büchern eingedeckt, alles Mängelexemplare, die den einzigsten Mangel aufwiesen, den Stempel „Mängelexemplar“ zu tragen, meist Restexemplare, die keinen Käufer gefunden hatten. Darunter auch zwei Werke eines J.M.G. Le Clézio, eines Franzosen. Bisher hatte ich von dem noch nichts gehört, aber der Klappentext verhieß spannende Lektüre. So las ich beide Bücher noch im Februar 2000.

Nun über acht Jahre später geht der Nobelpreis für Literatur 2008 an den französischen Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio, eben jenem Autoren, dessen Bücher damals bei 2001 verramscht wurden. Der Preis wurde dem 68 Jahre alten Autor zuerkannt, „dem Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase“ (siehe hierzu auch ein kurzes Video bei zdf.de).

Jean-Marie Gustave Le Clézio

Le Clézio ist auch heute noch bei uns in Deutschland ein weitgehend Unbekannter, dafür aber in seiner Heimat Frankreich ein ganz Großer. So gilt es, ihn erst einmal zu entdecken. Ich muss gestehen, dass nicht viel von dem in meinem Gedächtnis hängen geblieben ist, was ich damals vor acht Jahren las. Vielleicht hatte ich damals zu viel gelesen. Wie auch immer – ich habe mir vorgenommen, die zwei Bücher ‚neu’ zu entdecken. Hier u.a. die Informationen in den Klappentexten der beiden Bücher:

J.M.G. Le Clézio : Onitsha (1991 – dt. Ausgabe 1993 bei Kiepenhauer & Witsch, Köln)

Seine Kindheit in Afrika, die kleine Stadt Onitsha am Niger, das Tamtam der Trommeln in der Nacht, wilde tropische Gewitter, riesige Termitenhügel in der Savanne, Fahrten mit der Piroge auf dem gewaltigen Strom – Fintan Allen wird das alles nie vergessen. Mit 12 Jahren ist er im Frühjahr 1948 an Bord der „Surabaya“ mit seiner Mutter Maou von Frankreich nach Onitsha in Nigeria gekommen. Maou trifft dort ihren Mann Geoffroy wieder, von dem sie durch die Wirren des Krieges getrennt war und dem sie sich bald entfremdet fühlt. Sie, die von einer afrikanischen Idylle geträumt hatte, erfährt nun die Feindseligkeiten der engstirnigen Kolonialgesellschaft und die vielfältige Brutalität dieses Landes. Geoffroy hat sich neben seiner Arbeit bei einer britischen Handelsfirma in eine Traumwelt geflüchtet. Um ihn herum zerfällt die koloniale Welt, er aber sucht wie besessen nach den Spuren der mythischen Stadt Meröe, die nach der Legende von einer schwarzen ägyptischen Königin auf einer Insel im Niger gegründet worden sein soll. Während seine Eltern ihren vergeblichen Träumen nachhängen, erlebt Fintan mit seinem schwarzen Freund wilde Abenteuer und taucht immer tiefer in das afrikanische Leben ein. Als eine schwere Malariaerkrankung Geoffroys die Familie zwingt, Afrika zu verlassen, nimmt Fintan ein Stück von Afrika für immer mit sich nach Europa.

Wie sein Held Fintan hat Le Clézio seine Kindheit in Afrika verbracht. Er hat mit diesem Buch den Roman einer nie vergessenen Initiation geschrieben. Die kunstvolle Verknüpfung von persönlichen Schicksalen mit den uralten Mythen des schwarzen Kontinents und den Bildern einer geheimnisvollen, archaischen Welt, die im Biafrakrieg für immer untergegangen ist, machen dieses Buch zu einer unvergesslichen, faszinierenden Lektüre.

Le Clézio 1940 in Nizza geboren, stammt aus einer Familie, die seit 200 Jahren auf Mauritius lebt. Studium der Literatur in Frankreich und England.

J.M.G. Le Clézio : Fliehender Stern (1992 – dt. Ausgabe 1996 bei Kiepenhauer & Witsch, Köln)

J.M.G. Le Clézio, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren Frankreichs, erzählt in seinem bewegenden Roman von der jungen Jüdin Esther, die im Sommer 1943 mit ihren Eltern und anderen Juden im Hinterland von Nizza interniert ist. Wie alle Jugendlichen lebt Esther in einer Welt der Spiele und Träume, der ersten Liebeleien. Sie freut sich an der Schönheit der Landschaft, erfährt aber auch Angst und Bedrohung, und sie verliert den Vater, der im Widerstand war. Nach Ende des Krieges wandern Esther und ihre Mutter nach Palästina aus, finden dort jedoch nicht den ersehnten Frieden. Auf dem Weg nach Jerusalem begegnet Esther Nejma, die mit einem Treck von Palästinensern in ein Lager flüchtet. Nur einmal sehen sie sich, die Jüdin und die Palästinenserin, und können sich nur ihre Namen nennen – Esther und Nejma. Aber sie erkennen sich, zwei Schwestern, die immer aneinander denken werden, absurderweise durch Kriege getrennt, gegen die sie beide aufbegehren.

In Le Clézios unverwechselbarem Stil und poetischer Sprache geschrieben, fasziniert dieser Roman durch die Schicksale der Menschen, ihre Suche nach Identität, ihre Tapferkeit und ihre Hoffnung.

„Le Clézio sucht die Zeichen des Friedens und des Unglücks im Herzen, im Innersten des Lebens, in der Begegnung mit der Zeit und den Elementen, den Rätseln des Anfangs und der Zukunft.“ Le Monde

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide - und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) ... Ach, und gern verreise ich auch!

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