Blodwyn Pig: Sing Me a Song That I Know

Als nach nur einer Plattenveröffentlichung der Gitarrist Mick Abramhams die Gruppe Jethro Tull verließ – als Grund wurden musikalische Differenzen mit Ian Anderson genannt -, gründete er mit Andy Pyle (Bass), Ron Berg (Schlagzeug) und Jack Lancaster (Saxophon und Flöte – sic!) die Gruppe Blodwyn Pig. Der Name ist wohl eine Verballhornung von Goldwyn (der Filmgesellschaft, die von Herren namens Goldfish & Selwyn gegründet wurde, und heute als Metro-Goldwyn-Mayer, kurz MGM, firmiert – ihr wisst, die mit dem brüllenden Löwen) und „blutendem Schwein“. So ist das Sonnenbrille tragende, mit Kopfhörer ausgestattene Schwein mit der Kippe im Mund und dem Ring durch der Nase auch das Logo der Gruppe.

Metro-Goldwyn-Mayer Blodwyn Pig
MGM: Metro-Goldwyn-Mayer Blodwyn Pig

Nach nur zwei LPs (1969 ‚Ahead Rings Out‘ und 1970 ‚Getting to This‘) war dann aber auch mit Blodwyn Pig wieder Schluss. Mick Abrahams gründete die Mick Abrahams Band, mit der sich aber kein Erfolg einstellte, und versuchte sich zwischenzeitlich als Gitarrenlehrer. Inzwischen hat er sich wohl ganz auf den Blues verlegt und veröffentlicht unter den alten Namen, also mal als Blodwyn Pig, dann als Mick Abrahams Band, im regelmäßigem Abstand neue CDs und tringelt so durch die Lande. Mit seinen alten Kumpeln kommt er dabei wohl auch öfter zusammen (z.B. mit Ian Anderson zur ‚The Class of ’68 Reunion‚ von Jethro Tull).

Der wirkliche Knaller war die erste LP ‚Ahead Rings Out‘ (die mit dem Schwein), die dann auch überraschend erfolgreich wurde. Es ist eine Mischung aus Blues, Rock und Jazz, aus der beim ersten Hören besonders die Saxophonsätze von Jack Lancaster herausragen. Und bei einigen Stücken geht das dann schon hammermäßig ab, wenn der Bass mit den Drums einen Klangteppich ausbreitet, der es für damalige Zeiten in sich hatte. Die verquere Stimme von Mick Abrahams setzt dem Ganzen die Krone auf. Dass Abrahams zudem ein hervorragender Gitarrist war und ist, habe ich wohl noch nicht erwähnt.

Noch etwas zu Jack Lancaster. Er ist später u.a. bekannt geworden durch die rockige Neuinterpretation von Sergei Prokofjews ‚Peter und das Wolf‘, einem Projekt, an dem u.a. auch Manfred Mann und Phil Collins teilnahmen. Neben Flöte und diversen Saxophonen (teilweise spielte er zwei Instrumente gleichzeitig) experimentierte er mit elektronischen Instrumenten, u.a. mit dem so genannten Lyricon. Das LYRICON besteht aus einer Art Klarinette und dem dazugehörigen Synthesizer (siehe auch eine englischsprachige Site mit Klangbeispielen).

    Lyricon

Hier nun eine ‚Hörprobe‘ von der ersten LP ‚Ahead Rings Out‘ von 1969: Sing Me a Song That I Know. Das vertreibt endgültig den Neujahrskater …

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide – und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) … Ach, und gern verreise ich auch!