John Glascock (1951-1979), Bassist

John Glascock (* 2. Mai 1951 in Islington, Großbritannien; † 17. November 1979 in London) war von 1975 bis 1979 Bassist der britischen Rockgruppe Jethro Tull und spielte auf folgenden Alben der Gruppe:

Too Old To Rock ‚N‘ Roll, Too Young To Die (1976)
Songs From The Wood (1977)
Heavy Horses (1978)
Live – Bursting Out (1978) (live) (2 LP)
Stormwatch (1979).

Während der Heavy-Horses-Tour der Gruppe erkrankte er schwer, als eine Zahnerkrankung sein (durch einen von seinem Vater ererbten Herzklappenfehler bereits vorbelastetes) Herz schädigte. Eine Operation, bei der die defekte Herzklappe ersetzt wurde, brachte nicht die erhoffte Besserung, und nachdem er bereits im Jahr 1978 nicht mehr alle Auftritte der aktuellen Tour bestreiten konnte, stand er am 1. Mai 1979, genau drei Jahre nach seinem Debüt, zum letzten Mal für Jethro Tull auf der Bühne.

Während der Aufnahmen zum aktuellen Album „Stormwatch“ verschlechterte sich sein Zustand zusehends, und John war gezwungen, die Gruppe zu verlassen. Die noch fehlenden Parts am Bass übernahm Ian Anderson selbst. Sein Nachfolger wurde später Dave Pegg.

Nachdem sein Körper die neue Herzklappe schließlich abgestoßen hatte, starb John Glascock am 17. November 1979 in London.

Jethro Tull-Fans kennen John Glascock nicht nur von den genannten Alben her, sondern auch von den wohl besten Filmaufnahmen, die es bisher von der Gruppe gibt:


Jethro Tull 1976 live in Tampa/Florida


Jethro Tull 1977 live at Golders Green Hippodrome

Weitere Stationen seiner Karriere vor Jethro Tull führten John Glascock zu „The Gods“ (1965 bis 1969 mit Ken Hensley und Lee Kerslake, beide von Uriah Heep bekannt), „Head Machine“ (1970), „Toe Fat“ (1969-1970 mit Cliff Bennett) und Chicken Shack (1971 bis 1972).

Mit der Gruppe Chicken Shack nahm John Glascock das Album Imagination Lady (1972) auf. Hier einige der Lieder (bei YouTube) – es ist Musik im Bluesstil und ähnelt in der Gitarrenspielweise etwas der von Jimi Hendrix:

Chicken Shack – Cryin‘ Won’t Help You
Chicken Shack – Poor Boy
Chicken Shack – Daughter of the Hillside
Chicken Shack – If I Were A Carpenter
Chicken Shack – Going Down

Von 1973 bis 1975 spielte John Glascock, zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Brian, bei „Carmen“, einer innovativen Flamenco-Rock-Band aus Los Angeles. Mir ist keine Band in der bisherigen Rockgeschichte bekannt, die Rockmusik derart mit traditioneller Flamenco-Musik verbunden hat (deshalb auch unten eine größere Auswahl der Stücke). Sicherlich ist die Musik etwas gewöhnungsbedürftig. Aus dem Rahmen fallen auch die Tanzeinlagen von Sänger und Sängerin. Nicht ganz mein Geschmack sind dabei die Gesangparts, die mich manchmal mehr an Musicals als an Rockmusik erinnern. Dafür überzeugen mich aber die instrumentalen Teile, die die Rhythmik von Rock und Flamenco gekonnt verbinden.

Bei einem Engagement von „Carmen“ als Vorgruppe für die War-Child-Tour von „Jethro Tull“ lernten sich John Glascock und Jethro Tull-Frontman Ian Anderson kennen. „Carmen“ löste sich im Jahr 1975 auf. Die Band hatte finanzielle Probleme, keinen aktuellen Plattenvertrag, und ein Engagement als Vorgruppe der „Rolling Stones“ wurde kurzfristig abgesagt. Außerdem hatte sich der Schlagzeuger der Gruppe bei einem Sturz von einem Pferd schwer verletzt.

John Glascock mit Carmen

Von der Gruppe „Carmen“ erschienen insgesamt drei Alben:

Carmen – Fandangos In Space (1973)
Tracks: Bulerias (Cante-Baille-Reprise) / Bullfight / Stepping Stone / Sailor Song / Lonely House / Por Tarantos / Looking Outside (Theme-Zorongo-Finale) / Tales Of Spain / Retirando / Fandangos In Space / Reprise

Carmen – Dancing On A Cold Wind (1974)
Tracks: Viva Mi Sevilla / I’ve Been Crying / Drifting Along / She Flew Across The Room / Purple Flowers /Rememberances: Table Two For One – She’s Changed – Gypsy Girl – Time – People Dressed In Black – Dancing On A Cold Wind (Instrumental – Vocal) – The Horseman – Conclusion

Carmen – The Gypsies (1975)
Tracks: Daybreak / Shady Lady / High Time / Dedicated To Lydia / Joy / The Gypsies / Siren Of The Sea / Come Back / Margarita

Das letzte Album “The Gypsies” war Ian Anderson und Terry Ellis, früherer Jethro Tull-Plattenproduzent und -Manager, gewidmet.

Von der Gruppe „Carmen“ mit John Glascock gibt es bei YouTube leider nur eine Videoaufzeichnungen von einem TV-Auftritt (immerhin), Glascock finden wir rechts:


Carmen – Bulerias (mit Tanzeinlage – 1973 David Bowie’s Midnight Special)

Dafür gibt es allerdings viel Audio-Material, das ich wie folgt (nach Alben getrennt) zusammengestellt habe:

Carmen – Fandangos In Space (1973)
Carmen – Bullfight
Carmen – Stepping Stone
Carmen – Sailor Song
Carmen – Lonely House
Carmen – Looking Outside (My Window)
Carmen – Fandango in Space

Carmen – Dancing On A Cold Wind (1974)

Carmen – Viva mi Sevilla (Tanzszenen)

Carmen – I’ve been crying
Carmen – Purple Flowers
Carmen – The City / The Horseman

Carmen – The Gypsies (1975)
Carmen – Daybreak
Carmen – Shady Lady
Carmen – The Gypsies

Nachdem er für mehrere Monate arbeitslos war, erhielt John Glascock eine Einladung von Ian Anderson, den sich anderen Projekten zuwendenden bisherigen Jethro Tull-Bassisten Jeffrey Hammond-Hammond zu ersetzen.

Interessante Fakten: Obwohl John Glascock Linkshänder war, spielte er einen Rechtshänder-Bass — John war bekannt für seine originellen Bühnen-Outfits, die er in der Regel selber geschneidert hatte — Der Bruder Brian Glascock spielte u.a. auf Alben von Joan Armatrading (Info lt. Wikipedia – ich habe alle Alben durchforstert, bin dabei aber nicht auf den Namen Glascock gestoßen, vielleicht doch ein Fake) — Die Sängerin von der Gruppe Carmen, Angela Allen, singt die Backing Vocals auf dem Album „Too Old to Rock ’n‘ Roll, too Young too Die“ von Jethro Tull bei den Stücken „Crazed Institution“ and „Big Dipper“ (neben Maddy Prior, für deren Alben öfter der Gitarrist von Jethro Tull, Martin Barre, gearbeitet hat).

siehe auch meinen Beitrag: Jethro Tull live 1. April 1980 München Olympiahalle

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide – und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) … Ach, und gern verreise ich auch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.