‚Wir haben die Schnauze voll‘

„Das ist desaströs, was wir heute abgeliefert haben. – Ich habe mich sehr geschämt, als ich vom Platz gegangen bin.“ O-Ton Zlatko Junuzovic. „Was wir in der ersten Halbzeit abgeliefert haben, war beschämend. Dafür kann man sich nur entschuldigen.“ O-Ton Clemens Fritz (Quelle: werder.de) Und das fassungslose Bremer Publikum sang dazu: „Wir haben die Schnauze voll“. Ja, das war am Samstagabend die reinste Katastrophe, was die Spieler des SV Werder Bremen gegen die Wolfsburger ablieferten. Am Ende gingen sie sang- und klanglos 0:3 im Weserstadion unter. Aber die Sprüche und Entschuldigungen der Spieler sind nicht neu, diesmal nur etwas anders.

Werder Bremen: ein sinkendes Schiff?

Und so langsam wird es deutlich, dass am Stuhl des Cheftrainers Thomas Schaaf gesägt wird. Noch hat er festen Sitz, der gutgläubige Thomas, bloß wie lange noch? Die Entscheidung, trotz neun sieglosen Spielen in Serie vorerst an Schaaf festzuhalten, ist offenbar Ergebnis einiger Krisensitzungen am Wochenende (Quelle: weser-kurier.de) Aber was kommt nach dem Leverkusen-Spiel? Die Aussicht, hier auch nur einen Punkt zu holen, ist gleich null. Steht Schaaf vor dem Aus?

Das bisher propagierte Modell, mit dem Trio Schaaf, Thomas Eichin (Geschäftsführer Sport) und Frank Baumann (Direktor Fußball) im Sommer einen Neuanfang zu starten, steht nach Informationen dieser Zeitung stark auf der Kippe und soll nach Saisonschluss gründlich überdacht werden. Mit anderen Worten: Schaaf wackelt. Schon direkt nach dem Wolfsburg-Spiel schien das Ende seiner Ära nur noch wenige Stunden entfernt zu sein. Schaaf hatte dem TV-Sender Sky gesagt: „Wenn ich im Weg stehen sollte, dann gehe ich gerne zur Seite.“ Ein Rücktrittsangebot? Mitnichten! Der 51-Jährige erklärte später, dass der erste Schritt zur Trennung nicht von ihm erfolgen werde: „Das können nur die Geschäftsführer – sonst keiner.“

Werder Bremen steht vor einer Zäsur: Nach 14 Jahren im Amt ist eine Trennung von Trainer Thomas Schaaf ein realistisches Szenario geworden. Es stellt sich mittlerweile weniger die Frage nach dem Ob des bislang in Bremen Undenkbaren als vielmehr die Frage nach dem Wann (Quelle: weser-kurier.de).

Ich bin nicht der einzigste, der dem Ex-Manager Klaus Allofs eine Mitschuld an der jetzigen Misere beim Fußball-Bundesliga-Verein gibt (siehe meinen Beitrag: Ein Scheibchen vom großen Kuchen). Noch einmal: Da sind Spieler, denen es an Charakterstärke und Hirnschmalz fehlt, z.B. Marko Arnautovic, der sich für einen ganz besonders tollen Fußballspieler hält, der es aber im Spiel gegen Wolfsburg fertig bringt, aus zwei Metern Entfernung das leere Tor nicht zu treffen (58.). Wie Eljero Elia tickt, weiß der selbst wohl nicht. Auf jeden Fall tickt der nicht richtig. Und der noch unter Allofs von Düsseldorf nach Bremen geholte Assani Lukimya-Mulongoti mag vielleicht ein netter Kerl sein, aber er kommt über ein Zweitliganiveau nicht hinaus. Seine katastrophalen Fehler haben Werder schon so manchen Punkt gekostet.

Und alle anderen Spieler passen sich nach und nach diesem niedrigen Niveau an, so als scherte sie die Abstiegsgefahr nicht, so als wollten sie diese in den letzten Spielen nur noch ‚aussitzen’. Trotz der noch fünf Punkte Vorsprung vor einem Abstiegsplatz kann das gehörig in die Hose gehen.

Was Thomas Schaaf betrifft, so weiß man, wie engagiert er ist, wie sehr er die Mannschaft auf Trab zu halten trachtet – und trotzdem versucht, ruhig zu bleiben. Aber ich werde den Eindruck nicht los, dass es ihm – wenigstens in diesen Wochen – nicht mehr gelingt, die Jungs richtig ‚anzusprechen’. Und dann erstaunt man auch über manche Startaufstellung, die sicherlich aus der Personalnot heraus geboren wurde, aber trotzdem nicht immer nachvollziehbar bleibt. Thomas Schaaf fehlt zz. einfach auch das notwendige ‚glückliche Händchen’, das er früher immer wieder hatte.

Gut, man kann viel schreiben und kritisieren; Stoff dazu bieten die Bremer zur Genüge. Ich meine (und es ist nur meine unerhebliche Meinung), dass man Schaaf auch trotz der mehr als wahrscheinlichen Niederlage in Leverkusen weiterhin behalten sollte. Elia, Arnautovic, möglichst auch Lukimya sollte man so schnell wie möglich los werden. Nils Petersen ist ja nur von den Bayern ausgeliehen. Man sollte ihn wieder zurück nach München schicken. Kevin de Bruyne, der ebenfalls ausgeliehen ist, würde ich zwar gern halten wollen, aber der ist unbezahlbar – bei den klammen Kassen der Bremer.

Manchmal muss man einen noch tieferen Einschnitt machen, um zur Gesundung zu gelangen. Wenn Werder nicht schon diese Saison absteigt, dann wird sie in der nächsten permanent gegen den Abstieg kämpfen müssen. Und wenn dann endlich die sieben mageren Jahre eines Tages vorbei sind, könnte es vielleicht wieder etwas fetter kommen. Aber wen interessiert schon meine Meinung.

Wenden wir uns positiveren Ereignissen zu: Ich bin wirklich sehr weit davon entfernt, ein Bayern-Fan zu sein (und den Ex-Moralapostel und bekennenden Steuerhinterzieher Uli Hoeneß kann ich schon gar nicht ab). Auch die Borussen aus Dortmund interessieren mich eher nur am Rande (okay, Götze halte ich neben Özil für einen der besten deutschen Fußballspieler – und, oh, Schreck, ich lese gerade: Götze geht im Sommer zu den Bayern, die bekommen wohl nie den Hals voll …). Aber heute und morgen stehen ja die Halbfinalhinspiele in der Champions League an. Mit Real Madrid, dem FC Barcelona und den beiden deutschen Mannschaften treffen dann auch tatsächlich die vier besten Mannschaften in Europa aufeinander (vergesst die Engländer, vergesst die Italiener). Mein bescheidener Tipp: Bayern München schlägt den FC Barcelona (für mich immer noch das vorgezogene Endspiel), Real Madrid gewinnt gegen Dortmund. So sollte das Endspiel zwischen den Bayern und Real ausgetragen werden. Aber wer weiß …

Und wer weiß, wie lange Thomas Schaaf noch Cheftrainer in Bremen bleibt (aber wer sollte sein Nachfolger werden, Lothar Mathäus 🙁 oder Felix Magath 🙁 sicherlich nicht).

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide – und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) … Ach, und gern verreise ich auch!

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