Doping in Deutschland

Einst schrieb ich hier: Sport und Doping – fast wäre ich geneigt zu sagen: das gehört zusammen wie Brot und Butter (und wer mag schon Trockenbrot). Das Problem Doping, also die Einnahme von unerlaubten Substanzen oder die Nutzung von unerlaubten Methoden zur Steigerung der Leistungsfähigkeit, war, ist und bleibt unmittelbar verbunden mit dem Sport. Da ich mich für Sport interessiere, so bin auch ich nie um dieses Thema herumgekommen.

Noch bevor die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2013, die vom 10. bis 18. August 2013 in Moskau stattfinden, begonnen haben, sind diese durch diverse Doping-Skandale überschattet. So hat erst jetzt der türkische Leichtathletik-Verband (TAF) Konsequenzen aus seinem Dopingskandal gezogen und 31 Sportler für zwei Jahre gesperrt. Aber allem voran sind es Jamaikas Sprint-Star Asafa Powell, der US-Amerikaner Tyson Gay und noch einige mehr, die in diesen Tagen des Dopings überführt wurden. Allein Usain Bolt (Jamaika), der Weltrekordinhaber über die 100 Meter in 9,58 Sek. (2009 aufgestellt) scheint ‚clean’ zu sein.

    Höher, schneller, weiter – mit Hilfe von Doping?

Der Radsport, hier besonders die Tour de France, steht bereits unter Generalverdacht. In der Leichtathletik, im Skilanglauf samt Biathlon, ja, selbst im Reitsport (die Pferde) werden immer wieder Dopingfälle aufgedeckt. Und dass auch im Fußball gedopt wird, sollte angenommen werden.

Studien belegen, dass besonders in den ehemaligen Ostblock-Ländern, allen voran in der DDR, was durch Stasi-Akten hinreichend dokumentiert ist, systematisch gedopt wurde. So durften bei der Olympia 1972 in München Schwimmerinnen aus der DDR grundsätzlich keine Interviews mit westlichen Journalisten geben – durch die Einnahme u.a. von Testosteron hatten sie etwas sehr tiefe Stimmen.

Nun ist endlich eine Studie in Auftrag gegeben worden, die aufzeigt, dass auch in Westdeutschland Doping durch Wissenschaft und Politik gefördert wurde. Die Studie mit dem Titel „Doping in Deutschland 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation“ ist nach langem Hin und Her nun endlich veröffentlicht worden. Allerdings ist die Studie anonymisiert worden, es fehlen z.B. die Namen von einflussreichen Politikern.

Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), forderte inzwischen, die Namen der Betroffenen bekanntzugeben. Im Wege der Aufarbeitung und Transparenz müssten „auch im Westen die Namen veröffentlicht werden, insbesondere von Personen, die noch einen Posten im Sport bekleiden“.

Die Studie war vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) 2008 initiiert und vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp), das dem Bundesinnenministerium (BMI) untersteht, mit rund 525.000 Euro bezuschusst. Genau dieses BISp hatte „vor den Olympischen Spielen 1972 in München Versuche zur leistungsfördernden Wirkung von Anabolika in Freiburg bezuschusst […]. Zudem habe es auch mit Steuergeldern unterstützte Forschungen mit 15 Versuchspersonen zur Wirkung von Insulin und Wachstumshormonen gegeben. Dies sei aus Akten im Koblenzer Bundesarchiv hervorgegangen. Das Besondere dabei: Die Belege wären die ersten offiziellen Dokumente zur staatlichen Dopingförderung in den 70er-Jahren. Dass es in der alten Bundesrepublik systematisches Doping gab – wenn auch nicht so ausgeklügelt wie in der DDR -, hatte auch die Projektgruppe der Studie ‚Doping in Deutschland’ schon vor zwei Jahren festgestellt. Damals hatten die Wissenschaftler unter Leitung von Professor Giselher Spitzer von ‚staatlich subventionierten Anabolika-Forschungen’ gesprochen, die in Freiburg ‚konzentriert’ waren.“

„Gemäß des Namens und des Studien-Auftrages hätte sich in den Bericht der Historiker auch eine dritte Phase, von 1990 bis heute, wiederfinden sollen. ‚In der letzten Phase des Projektes wurde die Finanzierung eingestellt vom Auftraggeber, so dass diese Phase nicht abgeschlossen werden konnte’, sagte Spitzer im ZDF-Interview. Ob die Forscher denn überhaupt Dokumente für die Zeit bis zur Gegenwart gefunden hätten? Im Bundesinstitut für Sportwissenschaft wohl nicht. ‚Im Vorfeld der Erteilung dieses Forschungsauftrages sind offensichtlich alle Doping-bezogenen Unterlagen im Bundesinstitut für Sportwissenschaft vernichtet worden. Das ist für mich ein Skandal’, berichtete Spitzer.“ (Quelle: sportschau.de)

Finanzierung für die dritte Phase (1990 bis heute) eingestellt, Unterlagen verschwunden? Allem Anschein nach sitzen da heute noch Funktionäre und Beamte in Gremium und Behörden, die ihre Finger beim Doping im Spiel haben und versucht sind, ihre Spuren zu beseitigen. Ines Geipel, Vorsitzende des Dopingopfer Hilfevereins DOH, hinterfragte auch die Rolle des IOC-Präsidentschaftskandidaten Bach und jetzigen Chefs des Deutschen Olympischen Sportbunds: „Inwieweit ist zum Beispiel auch Thomas Bach involviert? Wenn keine Namen genannt werden, bleibt alles anonym.“ (Quelle: zdfsport.de)

Sport und Doping gehören zusammen wie Brot und Butter. Auch in Westdeutschland. Es ist wirklich Zeit geworden, dass die deutsche Sportgeschichte neu geschrieben wird. Da wird noch so manch heikles Detail ans Licht der Öffentlichkeit kommen. Doping selbst, da bin ich mir sicher, lässt sich auch weiterhin nicht verhindern. Da hilft auch kein Anti-Doping-Gesetz. So lange die olympische Devise „Höher, schneller, weiter“ gilt und wir in einer Gesellschaft leben, die ohne Spektakel nicht auskommt, wird es Sportler geben, die versuchen werden, auch mit unerlaubten Mitteln und Methoden ihre Leistung zu steigern.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide – und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) … Ach, und gern verreise ich auch!

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