Joan Armatrading: Lovers Speak (2003)

Mit ihrem Album What’s Inside (1995) hatte sich Joan Armatrading für fast acht Jahre musikalisch verabschiedet, zumindest was das Veröffentlichen einer weiteren eigenen Studio-CD betraf. Im Dezember 1998 hatte sie immerhin noch eine CD mit dem Titel „Lullabies With A Difference“ zugunsten einer Kinderwohltätigkeitsorganisation namens PACES herausgebracht, die Beiträge von Mark Knopfler, Jools Holland, Midge Ure, Tina Turner, The Cranberries, Melissa Etheridge, Brian May und Taylor Lewis enthält; alles Künstler, die Joan bewunderte und die sie um Unterstützung ersuchte.

Hommage auf Nelson Mandela: The Messenger - von Joan Armatrading (1999)

Im Jahr 1999 schrieb sie ein Lied (The Messenger) als Hommage auf Nelson Mandela und führte dieses Lied auch im Beisein des ersten schwarzen Präsident von Südafrika und Friedensnobelpreisträger auf. Ansonsten beschäftigte sich Joan Armatrading mit anderen Sachen. So studierte sie im Fernstudium an der Open University und erhielt ihren Bachelor (Honours) in Geschichte im Jahr 2001. Später erhielt sie sogar drei Ehrendoktorwürden im Bereich Musik der University of Birmingham (2002), Royal Scottish Academy of Music and Drama (2008) und Open University (2013). Außerdem ist Joan Armatrading Member of The British Empire (MBE 2001).


Joan Armatrading: The Messenger (1999)

Joan Armatrading: Doktorat 28. Juni 2008 an der Royal Scottish Academy of Music and Drama, Glasgow (Honorary Doctorate Music)

Es dauerte also bis zum 25. März 2003, bis Joan Armatrading ihr insgesamt 15. Studioalbum herausbrachte: Lovers Speak. Die Scheibe wurde bei G2 Music aufgenommen und bei Denon Music, einem Teil der Savoy Label Group, veröffentlicht.

    Joan Armatrading: Lovers Speak (2003)

Auf Lovers Speak, das Joan Armatrading vollständig allein komponierte, textete, arrangierte und produzierte, spielt sie auch alle Instrumente – bis auf Schlagzeug und die Bläsersätze auf zwei Stücken (Saxophon und Trompete) – selbst. Gewidmet wurde das Album Joans guten Freunden Gus Dudgeon und seiner Frau Sheila Bailey, die beide bei einem Autounfall im Juli 2002 getötet worden. Gus Dudgeon hatte ihr Debüt-Album Whatever’s for Us im Jahr 1972 produziert.

Nun die Jahre waren nicht völlig ungeschadet an Joan Armatrading vorübergezogen. Nicht nur, dass sie ‚kleinere Brötchen’ backen musste (für das Vorgängeralbum hatte ihr die Plattenfirma neben vielen namhaften Studiomusikern nicht nur ein ganzes Orchester zur Untermalung bereitgestellt, sondern auch noch ein bekanntes Streichquartett und eine Bläsergruppe), auch scheint sie mir etwas ‚aus der Übung’ gekommen zu sein. Das betrifft ihre Stimme, die deutlich gereift ist, aber auch ihr Gitarrenspiel. Okay, auf ‚What’s Inside’ hatte sie noch einmal richtig einen Zahn zugelegt. Acht Jahre später war sie inzwischen 52 Jahre alt und damit ruhiger und bedachter geworden. Das Spielen der Keyboards hatte sie zuvor anderen überlassen können. Jetzt haute sie wieder selbst in die Tasten. Und selbst den Bass entlockte sie Töne, wenn auch eher schlicht gestrickt (und bei einigen Stücken verzichtete sie ganz auf dieses Instrument). Am Ende tut es aber diesem Album gut. Manches Frühere war für mich zu überarrangiert. ‚Lovers Speak’ kommt eher schlicht daher, ist gerade dadurch aber wieder näher bei der Joan Armatrading früher Jahre.

In einem Interview für die Washington Post im Juli 2003 sagt sie über die Lieder dieses Albums, dass diese von den Reaktionen der Menschen handeln die Liebe betreffend: Alles was in der Liebe passiert, das sich Verlieben und wie man das sich Verlieben ‚überlebt’ (that they „are about people’s reactions to love and what happens in love, falling in love and how to survive falling in love“.)

Hier zunächst die Trackliste des Albums:
(alle Lieder wurden von Joan Armatrading komponiert, arrangiert und produziert)

1. „Lovers Speak“ – 5:59
2. „Physical Pain“ – 3:24
3. „In These Times“ – 3:16
4. „Waiting“ – 2:52
5. „Prove Yourself“ – 3:33
6. „Fire And Ice“ – 3:26
7. „Love Bug“ – 3:20
8. „Let’s Talk About Us“ – 3:59
9. „Ocean“ – 3:33
10. „Tender Trap“ – 4:09
11. „Less Happy More Often“ – 3:53
12. „Crazy For You“ – 4:09
13. „You Make Your Bed“ – 3:52
14. „Blessed“ – 1:49
15. „Lovers Speak“ (Radio Edit) – 3:32

Das Album beginnt gleich mit dem Titellied „Lovers Speak“, einen poppigen, angenehm anzuhörenden Opener mit Ohrwurmqualität. Dem Gesang wurde hier noch ziemlich ‚overdubbed‘ nachgeholfen:


Joan Armatrading: Lovers Speak

„Physical Pain“ kommt mit Bluescharakter daher und klingt im Zusammenspiel von Gitarre und Klavier etwas abgehakt. In der Mitte gibt es ein erstes Gitarrensolo von Joan. Das Lied handelt offensichtlich vom ‚Liebesschmerz’:


Joan Armatrading: Physical Pain

„In These Times“ ist ein sehr bewegendes Lied und passt in unsere Zeit, in der Terror die Welt in Atem hält. Joan begleitet sich auf dem Klavier. Im Hintergrund sind Strings (Streicher) zu hören, ebenfalls auf dem Keyboard gespielt:


Joan Armatrading: In These Times

In „Waiting“, einem Blues, erklingt eine ‘schmetternde’ akustische Gitarre. Als Untermalung dient die elektrische Gitarre:


Joan Armatrading: Waiting

„Prove Yourself“ swingt mit akustischer Gitarre und diversen Keyboardeinsätzen, die andere Instrumente imitieren (ich höre u.a. ein Zylophon heraus). Das Stücke enthält wiederum ein kurzes Solo auf der elektrischen Gitarre:


Joan Armatrading: Prove Yourself

„Fire And Ice“ ist ein langsames Lied mit Wechselgesang durch Joan. Wieder klingt ein Keyboard mit String-Unterstützung:


Joan Armatrading: Fire And Ice

„Love Bug“ ist so etwas wie ein ‘Gute-Laune-Stück’ mit Bläsern und stampfenden Bass und Perkussion. In kurzen Zwischenspielen erklingt auch eine elektrische Gitarre:


Joan Armatrading: Love Bug

„Let’s Talk About Us“ beginnt mit akustischer Gitarre und dem Gesang von Joan. Dann klingt es wie ein Vortrag von Richie Havens: Joan haut in ihre akustische Gitarre, dazu hämmern Congas – als weiteren Höhepunkt ein feines Solo auf der elektrischen Gitarre:


Joan Armatrading: Let’s Talk About Us

„Ocean“ ist besonders anfangs und in Zwischenpassagen ein Anklang an alte Zeiten mit Joan Armatrading. Getragen wird das Lied wiederum durch akustische Gitarre und Perkussionsinstrumente:


Joan Armatrading: Ocean

„Tender Trap“ ist ein schönes, leicht-lockeres Lied im Reggae-Stil. Da darf auch der Bass wieder einmal etwas mehr wummern. Die Mandoline dient zur Untermalung. Und dann erklingt auch noch eine Mundharmonika. Das Lied endet mit elektrischer Gitarre:


Joan Armatrading: Tender Trap (Liveversion von der DVD: All the Way From America, Juni 2003)

„Less Happy More Often“ ist ein Wechsel zwischen Piano und akustischer Gitarre und ein eher langsames Stimme, das durch die kraftvolle Stimme Joans bestimmt wird:


Joan Armatrading: Less Happy More Often

Mit „Crazy For You“ folgt ein weiteres langsames Stück mit Keyboards, in dem der Bass wieder etwas brummen darf:


Joan Armatrading: Crazy For You

„You Make Your Bed“ ist ein durch Bass und Schlagzeug rhythmisch betontes Stück. Dazu erklingt die akustische Gitarre im Hintergrund, dann die elektrische Gitarre:


Joan Armatrading: You Make Your Bed

Mit „Blessed“ endet die eigentliche CD. Es ist ein langsames Stück und enthält erst Keyboards, dann die akustische Gitarre – am Ende hören wir dann noch ein Saxophonsolo. Für Joan ist das Lied ein Dank an ihr Leben, das sie hat: „It’s not about fame and money, it’s just life and how you feel.“ („Es geht nicht um Ruhm und Geld, es ist nur das Leben und wie du dich fühlst.“)


Joan Armatrading: Blessed

Auf meiner CD folgt noch die ‘Radio Edit’, die verkürzte Radiofassung des Titelsongs „Lovers Speak“.

Als das Album 2003 erschien, war die Freude groß, endlich einmal wieder etwas Neues von Joan Armatrading zu hören. Und da sie sich auf dem Album der alten Tugenden früherer Jahre bediente, gewissermaßen ‚zurück zu ihren Wurzeln’ kehrte, war die Freude beim Hören noch um einiges größer. Joan war reifer, auch körperlich fülliger geworden. Der Spaß, ja die Freude an dem eigenen Schaffen, vor allem wenn man vieles inzwischen viel lockerer sieht, überträgt sich auch auf den Zuhörer.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide – und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) … Ach, und gern verreise ich auch!

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