Jethro Tull in Schottland 2005: Pibroch (Cap in Hand)

Schottland 2005Schottland, das ist Whiskey, das sind Schottenröcke, also Kilts, das sind Highlands und Islands … Da war doch noch etwas, ach ja: Dudelsäcke, bagpipes!

Meine musikalische Reise zu den schottischen Wurzeln der Musik von Ian Anderson und seiner Gruppe Jethro Tull geht langsam zu Ende (bevor ich mich mit meiner Familie im Sommer selbst nach Schottland aufmachen werde). Sicherlich lassen sie textlich als auch musikalisch noch viele weiteren Bezüge herstellen (siehe CDs von Jethro Tull wie „Songs from the Wood“, „Heavy Horses“, „Stormwatch“ usw.), ein letztes – ich denke doch erst vorletztes – Lied sollte allerdings nicht fehlen: Pibroch.

>> There’s a light in the house in the wood in the valley.
There’s a thought in the head of the man.
Who carries his dreams like the coat slung on his shoulder,
Bringing you love in the cap in his hand. < <

Dieses Lied aus der Feder von Ian Anderson ist das Lied einer unerwiderten Liebe. Als ein Mann – sicherlich nach langer Zeit – „ihr seine Liebe in der Mütze, die er in seiner Hand hält, bringt“ – zu dem Heim seiner Liebsten kommt, muss er feststellen, dass bereits ein anderer seinen Platz eingenommen hat.

Das Wort Pibroch (spricht sich ähnlich wie im Deutschen aus: pib-broch mit kurzem o wie doch) leitet sich vom schottisch-gälischen pìobaireachd ab, was allgemein mit englisch ‚piping as an activity‘, also etwa mit Dudelsackspielen als Tätigkeit (auch: die Kunst des Dudelsackpfeifens) zu übersetzen ist. Darunter versteht man Variationen eines kriegerischen Themas oder eines traditionellen Klageliedes, das auf den „highland bagpipes“ gespielt wird. Noch allgemeiner kann man Piproch mit Dudelsackmusik übersetzen.

Alle Pibrochs beginnen mit dem „urlar“, dem Grund- oder Hauptthema, das in der Regel durch seine sehr langsame Spielweise auffällt. Im Weiterem wird dieses „urlar“ immer wieder variiert. Diese Variationen nennt man u.a. „suibhal“, „leumluth“ und „taorluth“, die dann zu der komplexesten Variation, dem „crunluth“ oder dem „crunluth a mach“, hinführen. Das Werk endet mit der Wiederholung des „urlar“. Ein gesamtes Pibroch dauert etwa 15 bis 20 Minuten.

Pibrochs gehören zur ‚big music‘ (ceòl mór), also zur großen Musik, im Unterschied zur ‚little music‘ (ceòl beag), der kleinen Musik, z.B. den „jigs“, „reels“ und „strathspeys“.

Ähnlich verhält es sich auch mit dem „Pibroch“ von Jethro Tull. Allerdings spielen hier keine „pipes“, sondern die Elektrogitarre nimmt das Thema auf, das dann durch Andersons Flötenspiel ergänzt wird:

Jethro Tull: Pibroch

    Bagpiper

Hier noch ein Beispiel eines „echten“ Pibroch – gespielt von Barnaby Brown auf einem Instrument von Julian Goodacre in den Ruinen unterhalb von Galtrigill am Loch Dunvegan: „Pibroch“ Chehotrao Hodro

Natürlich sind „bagpipes“ sehr eng mit Schottland verbunden. Schottland ist nur nicht das einzigste Land, in dem Musik auf Dudelsäcken gemacht wird. Das ist aber schon ein anderes Thema (später einmal mehr hierzu)!

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide – und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) … Ach, und gern verreise ich auch!