Bierkalender (Advent) 2014 – Türchen 1 bis 12

Langsam ist es wohl doch soweit, dass ich hier die Rubrik ‚Gerstengebräu’ eröffne, denn mit Bier in den unterschiedlichsten Varianten habe ich mich ja bereits öfter beschäftigt. In keinem anderen Land gibt es so viele Biersorten wie in Deutschland (siehe: Deutsches Brot und deutsches Bier). Und um es nicht unerwähnt zu lassen: der schottische Ableger des flüssigen Gerstensaftes in gebrannter Form, den Whisky (z.B. in Form eines Single Malt), habe ich hier natürlich auch hin und wieder angesprochen.

Nun in diesem Jahr habe ich zur Adventszeit einmal etwas bekommen, was weniger die Zähne, vielleicht eher die Leber angreift – einen Adventskalender mit 24 Fläschlein unterschiedlichsten Bieres: Original Kalea Bierkalender. Original Kalea ist ein Vertrieb aus Österreich, der natürlich auch in Deutschland tätig ist, und endlich die Marklücke ‚Bier-Adventskalender’ geschlossen hat. Man(n) braucht sich also nicht mehr den Kasten Bier an die Wand dübeln (Bastelanleitung Bier-Adventskalender – Quelle: biersekte.de). Kalea bietet sowohl eine Edition Deutschland als auch Edition Österreich (siehe z.B. Bierkalender 2013 – Edition Österreich).

Zur Edition Deutschland: Mit einer einzigartigen Biervielfalt gibt dieser Bieradventskalender einen kleinen Einblick in die enorme Vielfalt der deutschen Bierkultur und überrascht täglich auf’s Neue. Neben dem „Indianerbock“ aus der Heidelberger Brauerei oder dem “Gründerbier“ aus der Westerwälder Brauerei werden auch viele andere Bierspezialitäten für Aufsehen sorgen. Als Brauerei des Jahres, wird die Distelhäuser Brauerei mit einem besonderen “Craft-Bier” überraschen. Vor kurzem fand in Amerika der World Beer Cup statt. In der prestigeträchtigen Kategorie “beste Pils der Welt”, gewann die Landbrauerei Schönram. Bierliebhaber dürfen sich auf ein geschmacksvolles Erlebnis freuen und neben Pilsbieren vor allem neue Bierstile wie ein India Pale Ale, ein Stout oder ein Porter kennenlernen. (…der Rest bleibt ein Geheimnis)

Woher meine Frau den Bierkalender hat, den ich verkosten durfte, weiß ich nicht. Irgendwie deckt sich der Inhalt nicht ganz mit dem, was laut Internet vorzufinden sein sollte. Aber das spielt irgendwie keine Rolle, solange das vorgefundene Bier schmeckt. Hält man sich an die Spielregeln (jeden Tag nur ein Türchen öffnen), dann werden sich die Leberwerte auch weiterhin im grünen Bereich bewegen. Erhältlich ist ein solcher Bierkalender (Advent) ab Ende Oktober im Lebensmittel- und Getränkefachhandel bzw. im Internet: Original Kalea Bierkalender

Heute möchte ich die ersten zwölf Biere vorstellen, also das, was sich hinter den Türchen 1 bis 12 verbarg. Eigentlich haben mir alle Bier sehr gut geschmeckt – sieht man von dem Biermischgetränk Kirsch Porter einmal ab – das war einmal klebrig-süß und daher fehl am Platze.

Bierkalender (Advent): die Türchen 1 bis 6

Der Reigen (1) begann mit dem Rieder Indian Pale Ale (6,0 % Vol.) der Brauerei Ried aus Österreich. Ursprünglich wurde diese Biersorte ab den 1830er Jahren in England und Schottland für die indischen Kolonien gebraut. Es ist kräftig, bernsteinfarben und sehr fruchtig im Geschmack (naturtrübe).

Tag (2) brachte gleich eines von mehreren Pils-Bieren hervor: Hohenthanner Hopfen Pils (5,1 -% Vol.) der Hohenthanner Schlossbrauerei. Ich bin kein allzu großer Pils-Fan. Aber das betrifft mehr die Pils norddeutscher Brauart, die meist sehr herb sind. Biere Pilsener Brauart von jenseits des Weißwurstäquators sind dagegen eher süffig mit einer blumigen Hopfennote. Dieses Bier entspricht dem voll und ganz, ist von goldener Farbe, naturtrüb und gebraut mit frischem Aromahopfen.

Tag (3) dann das Lausitzer Kirsch-Porter (immerhin noch 4,2 % Vol.) der Bergquell Brauerei. Das ist kein Bier, sondern ein Biermischgetränk. Nein, das ist nichts für meines Vaters Sohn.

Tag (4) entschädigte dann aber gleich mit Schlappeseppel dunkel (5,2 -% Vol.) der Eder & Heylands Brauerei, Großostheim. Ein Bier, wie ich es schon ganz gern trinke: irgendwie urig und dunkel, da von typischen Röstaromen bestimmt, vollmundig-süffig und mit zurückhaltend-milder Hopfenbittere.

Am Tag (5) ging es gleich mit einem weiteren dunklen Bier weiter: Schweiger dunkler Bock (6,2 % Vol.) der Privatbrauerei Schweiger, Markt Schwaben bei München. Das Auge trinkt gewissermaßen mit: So überzeugt dieses Bockbier allein schon optisch kastanienfarben mit roten Anklängen und einen festen, cremigen Schaum. Die Süffigkeit dieses Bieres wird durch die weichen Röstaromen bestimmt, die Karamell mit einem Hauch Dörrobst wiedergeben.

Das erste halbe Duzend (6) wird mit einem Bier namens Wolfsblut (5,1 Vol.) von Wolf Bräu, Karlsruhe, abgeschlossen. Nun gut, den Namen finde ich schon etwas kurios (ähnlich wie ‚Rotkäppchen’ für einen Sekt), aber es kommt natürlich in erster Linie auf den Geschmack an. Und da ist dieses Bier mit schöner Kupferfarbe mit roten Reflexen voll in meinem Trend. Es duftet schön malzig und entwickelt eine herbe und leicht an Apfel und Pflaumen erinnernde Note. Wenn ich das richtig gelesen habe, dann gibt es die ursprüngliche Brauerei Wolfbräu nicht mehr, sondern das Bier wird jetzt in Heidelberg gebraut.

Bierkalender (Advent): die Türchen 7 bis 12

Tag (7) offeriert ein weiteres Ale aus Österreich: Austrian Amber Ale 5,6 % Vol.) des Brauhauses Gusswerk, Hof bei Salzburg. Dieses Bier ist naturtrübe von der englischen Ale-Hefe. Original Bio-Hopfen aus den USA bestimmt den Geschmack. Der feine Bitterton wird durch Citrus- und Grapefruit-Aromen unterlegt. Englische Ales sind meist kohlensäurearm und entwickeln daher wenig Schaum. Dieses Bier überzeugt nicht nur durch die Farbe (amber, also bernsteinfarben), sondern auch durch seinen Geschmack.

Am Tag (8) hatte ich ein Westheimer Wildschütz Klostermann (4,8 % Vol.) der Gräflich zu Stolberg’sche Brauerei, Westheim im ‚Türchen’. Wieder einmal ein helles, dafür auch naturbelassene (naturtrüb) Bier, ein Pils, aus der Gegend um Eggegebirge und Sauerland. Anders als norddeutsche Pils-Biere so ist auch dieses eher süffig, von leicht säuerlichem Geschmack und mit dezenter Hopfennote. Ein für mich durchaus trinkbares Pils.

Tag (9) offerierte mir ein Porter: Bosch Porter – Schwarze Magie (5,3 % Vol.) der Brauerei Bosch, ein „Schwarzbier, das bewusst die Aromavielfalt der traditionsreichen englischen Porterbiere aufgreift und dabei streng das deutsche Reinheitsgebot achtet.“ Bei Porter bin ich mir nicht immer so ganz sicher. Da gibt es die durchaus gehaltvolle Variante aus dem Ostseeraum, die im englischen Sprachraum als „baltic porter“ bekannt ist (z.B. auch das Störtebeker Choco-Porter). Ich verbinde mit Porter eher ein leichtes, süßes Bier (Malzbier!).

Auch Bosch Porter ist malz-aromatisch und tiefschwarz untergärig: „Schon im Antrunk fallen die an Schokoladenaromen erinnernden Röstmalznoten auf, die in eine angenehme Süße übergehen. Der hintergründige Hopfenbittere harmoniert exzellent mit dem vollmundigen Körper.“ – Mein jüngster Sohn mag Porter. Ich habe ihn dieses Porter kosten lassen und er war begeistert. Auch ich muss sagen, dass es mir gleich nach wenigen kleinen Schlückchen zusagte. Mal, schauen, woher wir einen Kasten Bosch Porter bekommen …

Am Tag (10) gab es ein Franz-Bier – ’ s Frische! (4,7 % Vol.) der Brauerei C. Franz, Rastatt. Ja, es ist Frische, die dieses Bier auszeichnet, eigentlich Sommerfrische durch feinsten Aromahopfen aus dem Elsass, der diesem Bier seinen erfrischend fruchtigen Charakter verleiht und von einer leichten Zitronenherbe und angenehmen Spritzigkeit begleitet wird. Die Farbe ist ein klares Hellgelb.

Auch am Tag (11) bestimmte der Sommer in goldener Farbe eines schönen Westerwälder Sommertags das Trinkgeschehen: Westerwald Bräu (5,2 % Vol.) der Westerwald-Brauerei H. Schneider, Hachenburg. Im Geschmack ausgesprochen süffig, verleiht der etwas stärkere Stammwürzegehalt dieser untergärigen Brauspezialität ihren vollen Charakter.

Tag (12): Das Fürstenberg Premium Pilsener (4,8 % Vol.) der Fürstenberg Brauerei ist auch in nordischen Gefilden bestens bekannt. Es ist ein schlankes, hopfenbetontes Pilsener, was die Herbe nicht übertreibt und so in seiner strohgelben Farbe und seinem feinporigen Schaum schön süffig bleibt.

Soviel für heute. Ohne gleich der Trunksucht verfallen zu sein, habe ich diese elf Bierchen (das Kirsch Porter lass ich nochmals außen vor) genossen und bin, ohne in patriotische Gesänge zu verfallen, froh, in Deutschland geboren zu sein, wo man es nach wie vor bestens versteht, ein ordentliches Brot zu backen und dazu ein noch ordentlicheres Bier zu brauen. Nach diesen vier Litern Bier (12 mal 0,33 l) war ich dann natürlich gespannt, was ich da die letzten zwölf Tage bis Weihnachten zu erwarten habe (demnächst in diesem Blog).

Natürlich habe ich der Jahres- und Festzeit entsprechend weitere Biere im Keller verborgen: Ein Weihnachtsbier und einen Winter-Traum der Post-Brauerei Karl Meyer, Nesselwang (ich erinnere an das Allgäuer Bier-Bad – natürlich von innen) sowie (nochmals) einen Winter-Traum der Klosterbrauerei Weltenburg. Letzteres habe ich hier bereits schon einmal ausführlicher vorgestellt.

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide – und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) … Ach, und gern verreise ich auch!

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