Guten Morgen

    Morgenstund‘ hat Blei im Hintern.
    Erkenntnis eines Arbeitnehmers

Montag ist schon grausam. Der Morgen sowieso. Ein Montagmorgen ist die Krönung der Grausamkeit. Selbst ein Mittwochmorgen hat noch viel von diesem Gruseln, das sich frühestens nach der ersten Tasse Kaffee (was ist mit Tee?!) legt, eigentlich aber erst nach Feierabend (wenn ich’s recht bedenke). Der heutige Morgen hat den Vorteil, obwohl er ein Mittwochmorgen ist, schon wie ein Freitagmorgen zu sein – dank Feier- und Brückentag. Immerhin! (Fast ein guter Morgen)!

So ein Morgen ist doch gut
wenn es ein guter ist.
Die Nacht war ruhig und gleichmäßig
durchblutet
die Beine gehorchen bei einem
kleinen Trab durch die Wohnung.
Wer bei offenem Fenster gurgelt
der macht auch ein paar Kniebeugen
und bewegt sich gleichgültig
in einem Hauch von Chlorophyll und Minze
fühlt lange noch das Wasser
eiskalt im Nacken abfrottiert
trägt frische Wäsche und ist ganz
gelöst von Schmutz und Schuppen.

Moin, die Damen und Herren! Hoffe, gut geruht zu haben!

Milch steht vor der Tür es ist
nicht Sonntag keiner redet
kein Persilkritiker vermiest
das Weiß des Tischtuchs
der Kaffee dampft die rote
Marmelade ist so rot
keiner hält Anspielungen
für angebracht.
Er ist allein aber er könnte
rufen und wäre es nicht mehr.
Nichts kann ihn hindern nach der ersten
Zigarette alles prima zu finden.
Mach dir nichts vor du bist in Ordnung
dieser Morgen war lange verdient.
Wenn du erst deinen Kopf durch die Straßen trägst
sieht alles
wieder anders aus
nach Morgenzeitung
Mittelwelle und wenn du
dem ersten Arschloch von nebenan
begegnet bist: Guten Morgen!

Von Nicolas Born. Gezogen aus Die feiernden Deutschen: 789 brauchbare Gedichte – durch den Tag, durch das Jahr und durch das Leben von Gerd Haffmans (Hrsg.)

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide – und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) … Ach, und gern verreise ich auch!

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