Frank Zappa & Ensemble Modern: The Yellow Shark

Wenn es stimmt, dann hat Frank Zappa bereits seit seinem 15. Lebensjahr Partituren für Kammermusik verfasst; erst mit 20 Jahren schrieb er den ersten Rock-Song. Bekannt wurde er dann mit seiner Gruppe The Mothers of Invention, die von 1964 bis 1976 bestand und 1966 mit Freak out! das erste Album veröffentlichte.


Zappa – Freak out!

Aus dieser Anfangszeit gibt es ein schönes Video von der US-amerikanischen Fernsehshow, der Steve Allen Show vom 4. März 1963, da war Frank Zappa junge 22 Jahre alt und präsentierte ein Konzert für Luftpumpe und gefiddeltem Fahrrad. Schon da kamen seine außerordentlich musikalische Begabung und der spöttische Witz zusammen:


Frank Zappa on The Steve Allen Show March 4, 1963 (Konzert für Luftpumpe und Fahrrad)

Bereits in jungen Jahren interessierte ich mich neben der populären Musik, die allerdings nicht so ganz dem Massengeschmack entsprach, auch für Neue Ernste Musik. Karlheinz Stockhausen war mir ein Begriff wie auch Igor Strawinsky oder Edgard Varèse und György Ligeti. Maurice Ravels Boléro fand ich faszinierend. Und irgendwie dort in der Mitte zwischen Pop- und Rockmusik und Neuer Musik fand ich dann Frank Zappa. Wie und wo genau weiß ich nicht mehr. Aber es muss Ende der 1960-er, Anfang der 1970-er Jahre gewesen sein, also als Zappa in Deutschland noch als Geheimtyp gehandelt wurde. Davon später etwas mehr, wenn ich auf Zappas letzte Aufnahmen aus dem Jahre 1993 zurückkomme, die kurz vor seinem Tod in der Adventszeit 1993 entstanden.

Im besagten Jahr 1993 erschien von Zappa das Album The Yellow Shark und es sollte Zappas letztes Album zu Lebzeiten sein. Diese Orchesterkomposition Zappas wurde von dem renommierten Ensemble Modern eingespielt und gilt bis heute als die beste Interpretation von Zappas Orchesterwerken. „The Yellow Shark“ wurde 1992 in der Alten Oper in Frankfurt am Main aufgenommen. Das Konzert war der letzte öffentliche Auftritt Zappas: Er dirigierte dabei – schon von seiner Krankheit gezeichnet – Teile des Werkes. An der Show waren auch der kanadische Choreograf Édouard Lock und seine Truppe La La La Human Steps beteiligt, deren hervorragende Performance hoch gelobt wurde.

Frank Zappa & Ensemble Modern: The Yellow Shark

Tom Waits bezeichnet das Opus als eines seiner Lieblingsalben und sagt darüber: „Das Werk ist beeindruckend, ein Bühnenfestival der Strukturen und Klangfarben. Es zeugt von seiner völligen Verrücktheit und Virtuosität. Frank lässt sich von Elmore James genauso inspirieren wie von Strawinski. Er ist durch und durch unkonventionell.“ (… genauer: „The ensemble is awe-inspiring. It is a rich pageant of texture in colour. It’s the clarity of his perfect madness, and mastery. Frank governs with Elmore James on his left and Stravinsky on his right. Frank reigns and rules with the strangest tools.“)


Frank Zappa & Ensemble Modern: The Yellow Shark

Ironie und kritische Hiebe bestimmen diese vorletzte größere Sound-Collage Zappas. Eine Nummer namens „Times Beach“ erinnert an einen amerikanischen Dioxin-Skandal aus dem Jahre 1983; der „G-Spot Tornado“ bringt den vaginalen Orgasmus auf den Punkt. Der Titel „Yellow Shark“ geht auf einen anonymen Fan zurück, der eine aus einem gelben Surfbrett geschnitzte Fischskulptur vor Zappas Haustür als Geschenk ablud.

Zappa komponierte in seinen letzten Jahren auf einem Synclavier, das Töne harmonisieren und verfärben, Glissandi türken und polyrhythmische Metren unterlegen kann. Bei Bedarf druckt ein Hilfscomputer die fertige Partitur aus. Die Noten zu „Yellow Shark“ hatte Zappa seit dem Sommer 1991 aus seiner Eremitage im Laurel Canyon bei Hollywood nach Frankfurt hinübergefaxt. (Quelle: spiegel.de)

Die Welturaufführung von Zappas „The Yellow Skark“ wurde auch erst kürzlich auf arte gesendet und ist noch in der Mediathek von arte aufrufbar: Yellow Shark von Frank Zappa

Über WilliZ

Wurde geboren (in Berlin-Schöneberg), lebt (nach einem Abstecher nach Pforzheim, längere Zeit in Bremen und Hamburg) in dem Örtchen Tostedt am Rande der Lüneburger Heide – und interessiert sich für Literatur, Musik, Film und Fotografie (sowohl passiv wie aktiv) … Ach, und gern verreise ich auch!

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