Archiv für den Monat: März 2005

Globalisierung

Es ist noch nicht so lange her, da wurden Globalisierungsgegner als ewig Gestrige defamiert. Man solle nur an die Märkte denken, die sich da für die deutsche Wirtschaft auftun. Gerade in der Globalisierung liegen unsere Chancen.

Und so reist unser Bundeskanzler nicht nur nach China, sondern auch nach Saudi-Arabien und weitere Ölstaaten in der Golfregion. Die mitreisenden Topmanager bringen Milliardenaufträge im Handgepäck nach Hause.

Vielen Dank, Herr Bundeskanzler! Viele Aufträge bedeuten viel Arbeit für deutsche Arbeitnehmer. Für deutsche Arbeitnehmer? Globalisierung ist das Erschließen von neuen Märkten, auch Arbeitsmärkten! Und so darf man sich nicht wundern, wenn deutsche Firmen Milliardenaufträge nach Hause tragen, die dann im Ausland ausgeführt werden.

Inzwischen zeigt sich, dass die Kritik an der Globalisierung mehr als berechtigt ist. Und die Auswirkungen haben auch wir zu spüren durch den drastischen Abbau des Sozialstaates und Massenarbeitslosigkeit, da die Mechanismen zur Regulierung des Arbeitsmarktes nur noch global ‚wirken‘. Jede nationale Arbeitsmarktpolitik wird dadurch letztendlich hinfällig oder zeigt nur punktuell Wirkung, ein Tatbestand, der gern durch ‚mahnende‘ Worte eher vertuscht als aufgedeckt wird:

Die fetten Jahre sind eben vorbei. Die soziale Marktwirtschaft stehe auf dem Abstellgleis.

Auf zfd.de gibt es eine Serie: Vision Deutschland. Hier schrieben u.a. Moritz Freiherr von Knigge und Michael Schellberg:

„Im Gegensatz zur freien Marktwirtschaft erschließt sich Freiheit in einer sozialen Marktwirtschaft erst in Bezug auf Gerechtigkeit, Toleranz und Solidarität. Jegliches politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Handeln, auch oder insbesondere in Krisenzeiten, muss sich anhand dieses demokratischen Grundverständnis messen lassen.“

Angesichts der Machtgier der Politiker und der Raffgier von Wirtschaftsbossen ist das ein frommer Wunsch!

Werder im Halbfinale (DFB-Pokal 2004/2005)

Die ‚Generalprobe‘ ist für Werder Bremen gegen die Amateure des FC Bayern geglückt. Nach dem 3:0-Sieg in München steht Werder im Halbfinale des DFB-Pokals. Jetzt geht es in der Bundesliga gegen die Bayern. Hoffen wir, dass mindestens ein Pünktchen herausspringt. Übrigens: Krisztian Lisztes kam nach langer Verletzungspause wieder einmal zum Einsatz.

Lehrstück parlamentarischer Demokratie

Nach der Landtagswahl erreichte weder die alte rot-grüne Regierung noch die schwarz-gelbe Opposition die Mehrheit der Sitze. Also große Koalition? Nein, natürlich nicht, denn dann hätte Heide Simonis ihren Ministerpräsidentensessel an die CDU abgeben müssen. Trotz sehr unterschiedlicher politischer Konzepte (siehe allein die Schulpolitik) wollte die CDU mangels anderer Mehrheiten die große Koalition, Herr Carstensen allen voran, der sich bereits in der Wahlnacht als Ministerpräsident wähnte (leider etwas zu früh).

Jetzt will Rot-Grün mit Unterstützung des SSW weiterregieren. Nein, sagt die CDU (mag Frau Simonis auch an ihrem Sessel kleben; der Herr Carstensen rangelt weiter um den Ministerpräsidentensitz – auch ohne Mehrheit), der SSW hat bereits Privilegien genug. Sie sollen sich hüten, Mehrheitsbeschaffer zu spielen (das sollte einmal einer der FDP sagen).

So wird mit reichlich Schmutz geworfen und Schuld hat am Ende der SSW, nur weil die Machtgier eines Herren Carstensen größer ist als seine Kompetenz. Mag ja sein, dass das Rot-grün-plus-SSW-Modell nur einen „kurzen Halbwertzeit“ (O-Ton Carstensen) haben wird. Herr Carstensen darf auch gern gegen Frau Simonis bei der Wahl des Ministerpräsidenten antreten. Vielleicht schafft er es ja doch. Wenn nicht, dann sollte er und seine Kollegen und Kolleginnen im Bund endlich den Mund halten.

Übrigens: Der Fraktionschef der dänischen Konservativen im Kopenhagener Folketing, Helge Adam Møller, wies die Kritik an der Rolle des SSW u.a. mit den Worten zurück: „Sicher bin ich auch konservativ und würde eine CDU-Regierung vorziehen. Vor allem aber bin ich Demokrat. Und für den ist völlig klar, dass der SSW seit 50 Jahren über vollgültige Mandate im Landtag verfügt.“

Wie sehr sich doch das Demokratieverständnis unterscheiden kann!

Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich

Ben Stiller ist bekannt durch ziemlich ‚heftige‘ Komödien. Wenn sich Cameron Diaz in „Verrückt nach Mary“ Stillers Sperma in die Haare schmiert, dann ist das schon heftig. Der Film „Meine Braut, ihr Vater und ich“ (Meet the Parents USA 2000) war in einem anderen Sinn heftig. Da verwüstet Ben Stiller förmlich den ganzen Grund und Boden seiner künftigen Schwiegereltern – und bekommt am Ende doch die Hand der Tochter durch den spießigen Schwiegervater gereicht. Dazu gehört schon einiges.

Im Kino sah ich mit meinen Lieben jetzt die (fast logische) Fortsetzung zu dieser Komödie: „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ (Meet the Fockers USA 2004 – Regie: Jay Roach) wieder mit Ben Stiller und Robert de Niro als Schwiegervater und neu mit Barbra Streisand und Dustin Hoffman als seine Eltern.

Zum Inhalt: Die Hochzeit steht an und so wollen die Eltern der Braut endlich die Eltern des Bräutigams kennen lernen. Diese entpuppen sich als ewiges Hippie-Pärchen, das keine Gelegenheit auslässt, von den Jugendsünden ihres Sohnes zu erzählen. Am Ende geht natürlich alles gut aus und das Paar heiratet. Aber bis dahin gibt es reichlich Katastrophen, die allerdings insgesamt moderater, also weniger heftig ausfallen als im 1. Teil. Zum Ablachen reicht das allemal. Besonders Robert de Niro, Dustin Hoffman und Barbra Streisand zeigen ihr ganzes komödiantisches Können.

Wer sich einmal richtig entspannen will, sich an gewissen ‚Heftigkeiten‘ nicht stört, dem kann man diesen Film nur wärmstens empfehlen. Die Altmeister glänzen auf jeden Fall!