Archiv für den Monat: November 2006

Wenn der Sohn wie der Vater …

Es ist lange her, da habe ich in einer Band die Bassgitarre gespielt. Die Söhne tun es ja oft den Vätern gleich. Nachdem mein Ältester Jan bereits als Sänger in einer Schülerband mit dem schönen Namen ShAucelfAert mitgewirkt hatte, will er jetzt eine neue Band gründen. Und da Bassisten meist Mangelware sind, so habe ich ihm empfohlen, es einmal mit dem Bassspielen zu versuchen. Immerhin habe ich noch meine Bassgitarre aus alten Zeiten. Ist zwar kein Fender-Bass, nur eine japanischer Ibanez, wenn auch mit Fender-Tonabnehmern bestückt. Auch hat „mein“ Bass wenig mit den Ibanez-Modellen heutiger Tage gemeinsam, es ist ein Fender-Nachbau (immerhin hat er 30 Jahre auf dem Gitarrenrücken und ähnlich wie im Autobau glänzten die Japaner früherer Jahre zunächst durch den gelungenen Nachbau bekannter Marken).

Ibanez- Bass mit Bass-Combo

Nun, mein Sohn tut es mir nach. Er ist fleißig dabei zu üben. Bassspielen ist ein hartes Brot, aber es macht auch Spaß. Weiter so …

Was ist bloß mit Ian los? Teil 28: Back to the Roots?

Hallo Wilfried,

Deinen Beitrag über die unverständliche Personalentscheidung habe ich gelesen. Auch in meinem Betrieb kann man hin und wieder beobachten, wie der Betriebsrat unverständliche Entscheidungen fällt oder zumindest mitträgt. Ich habe schon erlebt, dass Betriebsratmitglieder ihre besonderen Schützlinge auf Kosten anderer Kollegen protegieren. Ich fürchte, dieses Problem ist so alt wie das Betriebsverfassungsgesetz und wird sich so schnell nicht lösen lassen. Vielleicht bei den nächsten Betriebsratswahlen, aber wer weiß…

Über den englischen Wikipedia-Beitrag zu Mr(s) Palmer habe ich mich gefreut. Wenigstens im anglikanischen Sprachraum weiß man ihn durch einen Eintrag zu würdigen. Aus diesem Beitrag habe ich erfahren, dass Palmer zusammen mit John Evan die Band verlassen hat, als Mr. Anderson meinte, sich dem elektronischen Zeitgeist unterwerfen zu müssen. Das lässt doch tief blicken und hätte auch Mr. Anderson, selbst bei voller Berücksichtigung seiner total(itär)en Autorität, zu denken geben müssen. Hat es aber nicht und die Folgen sind bekannt.

Meine Aussage, dass kein Künstler so schlecht mit Playback umgehen kann wie Mr. Anderson, ziehe ich zurück: In der Zwischenzeit habe ich einige Videos von Gary Glitter angesehen. Dessen Playback-Künste bewegen sich jenseits aller Kritik. Allerdings macht Gary Glitter deutlich, dass meine „Guter Musiker = schlechter Playbackartist“ – Theorie nicht uneingeschränkt gilt.

Deine Übersetzung der Hasenstory finde ich sehr gelungen ! Du musst damals etwa Mitte 20 gewesen sein. Eine reife Leistung ! Mindestens eben so groß wie die Leistung der Übersetzung finde ich Deine Fähigkeit, auf 30 Jahre alte Manuskripte zurückgreifen zu können. Ich finde schon nicht mehr wieder, was ich vor zwei Wochen geschrieben habe.

Die Geschichte des Hasen finde ich wirklich etwas skurril. Okay, das ist eben der Stil des Meisters. Aber die Brillen-Posse zerreißt das Album in zwei Hälften. Die Durchgängigkeit des Passion Play leidet darunter sehr. Es ist nicht länger „ein Stück aus einem Guss“. Der Hase drängt sich zwischen die Harmonien wie das Richtbeil zwischen die Halswirbel. Falls Mr. Anderson seine Fabel an den Schluss des Albums platziert hätte, wäre weniger Schaden angerichtet worden. Zu Beginn der Platte hätte es nicht sein dürfen; dann hätte kaum jemand das Album zu Ende gehört. (Das war meine Anderson-Schmähung für heute.)

Als Hintergrundmusik eignen sich die Göttertänze in der Tat. Die ganze CD hat etwas von Meditationsmusik, zumindest in weiten Teilen. Indem das Album spirituelle Energien freisetzt, wird es seinem Titel voll gerecht. In den letzten Wochen und Monaten habe ich gelernt, dass Mr. Anderson über zu viel Kreativität verfügt, um sich ausschließlich mit Folkmusik zu befassen. Jedenfalls ist sein musikalischer Horizont weiter gesteckt als mein Musikgeschmack. Ich kann mich eben nur an einer Teilmenge seines Schaffens erfreuen.

Viele Künstler gehen in ihren reiferen Jahren „back to the roots“. So vielleicht auch irgendwann Mr. Anderson. Möglicherweise überrascht er uns eines Tages mit einem neuen Folk-Album.

Es sieht so aus, als müssten wir mit dem Schreiben einen Zahn zulegen. Der Vorrat an mails für Dein Weblog schmilzt schneller als wir tippen können. In den nächsten Tagen werde ich mich verstärkt um die schulischen Leistungen meiner Söhne kümmern. Ich hoffe, dass mir noch Zeit bleiben wird, Mr. Anderson in den Himmel zu loben.

Ich lese, also bin ich.
Viele Grüße an die Familie !
Lockwood

03.11.2006

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Hallo Lockwood,

wir hatten vor kurzem Betriebsratswahlen. Hilft also auch nichts. Vergessen wir das Thema. Es ist einfach traurig, so viel Missgunst, Ignoranz und Inkompetenz an einer Stelle zu sehen. Und das betrifft nicht nur den Betriebsrat, sondern auch die Betriebsführung. Übrigens habe ich den Beitrag den Umständen ‚angepasst’. Zumindest der Personalchef kennt meine Website und könnte auf dumme Ideen kommen …

Na, jetzt hast Du es offen gelegt: Elektronischer Zeitgeist und so und der Weggang von David Palmer, dem halbväterlichen Mentor, und Alt-Kumpel John Evan, das konnte ja nur in die Hose gehen. Aber mit der Gruppe „Tallis“ wurden David Palmer und John Evan, auch Drummer Barriemore Barlow war daran beteiligt, nicht gerade glücklich, sodass sich Palmer mit dem Arrangieren der Orchesteralben (neben Jethro Tull ja auch Queen, Genesis usw.) befasste. Übrigens, Williz Tull-Archiv hat eine Aufnahme von der Gruppe ‚Tallis’, heißt ‚ Disturbed Air’ und … dürfte Deinem Geschmack nicht gerade entsprechen, oder? Die MP3-Datei als Anhang. Ich bin irgendwie über mein zeitweises Abo von dem Tull-Fan-Magazin „A New Day“ an eine CD gekommen, die u.a. auch noch andere interessante Stück enthält. Leider finde ich die Inhaltsangabe der Scheibe nicht (ist in einer Ausgabe von ‚A New Day’).

Tallis: Disturbed Air

Mit ‚Passion Play’ im Zusammenspiel mit der Hasengeschichte gebe ich Dir Recht. Als ich mir die CD zugelegt habe, ich hatte diese Scheibe lediglich als LP, hoffte ich, dass man „The Story of the Hare“ als eigenen Track behandeln würde. Aber wie auf der LP gibt es ja nur zwei Tracks. Das hat mich etwas geärgert. Gut, man kann sich das Ganze ggfs. selbst zusammenschneidern.

Zum Text: Der ist natürlich nicht so schwierig und tiefgründig wie andere Anderson-Texte, wobei ich denke, dass dieser auch gar nicht von Anderson ist, zumindest nicht allein. Auf der Scheibe werden als Autoren Jeffrey Hammond-Hammond, John Evan und Ian Anderson genannt – in dieser Reihenfolge. Also dürfte der gute Jeffrey der Urheber sein. Die Übersetzung lag im Cover der LP, also dort, wo man ihn zur passenden Zeit wiederfindet. Damals hatte ich mich auch an die Übersetzung von ‚Thick as a Brick’ gemacht. Bin, wie schon einmal erwähnt, bis zu der Biggles-Textstelle gekommen („Where the hell was Biggles …!“). Den Text habe ich dann nach diversen Umzügen wohl doch versusst (verlegt, verloren).

„Back to the roots“ – in gewisser Hinsicht könnte man die Orchestertouren so sehen. Zum einen ist das eine ganz ordentliche Einnahmequelle (das Copyright an den Tull-Stücken und am Trademark ‚Jethro Tull’ dürften Anderson gehören): zeitweise war die CD (oder DVD) sogar in den deutschen Charts vertreten. Zum anderen braucht Herr Anderson nicht mehr wie ein Derwisch über die Bühne turnen – mit einem Orchester im Rücken gehört sich das eben nicht. Und trotzdem darf und kann der Meister seine alten Stücke vortragen. Aber an ein Folk-Album glaube ich dann doch nicht.

In diesem Zusammenhang: Ende dieses Monats ist Ian Anderson ja mit einer Acoustic Tull Tour with Ann Marie Calhoun in den Niederlanden und Skandinavien unterwegs. Neben der Geige und Anderson wird wohl auch Martin Barre mitmischen. Ansonsten? Keine Ahnung. Aber immerhin ist es erfreulich, den Namen Martin Barre einmal wiederzuhören, wenn es um Konzertauftritte geht.

Mit Deinen Anderson-Schmähungen kommen meine Lockwood-Ärgernisse kaum mit. Aber Du lässt Dich ja nicht ärgern. Der Meister hatte sich anlässlich der ZDF-Spendengala des ZDF für die Tsunami-Opfer bereit erklärt teilzunehmen und mit Mandokis ‚Soulmates’ irgendwann im Januar 2005 einen Kurzauftritt mit Lennons ‚Imagine’. Und da er nicht nur auf eigene Kosten angereist war und auf Gage verzichtete, so ließ er auch seine Kopftuch-Sammlung zu Hause. Stattdessen kreierte er einen neuen Gutsherrenlook mit legerem Jackett, (Stroh-?/Panama-?) Hut und Sonnenbrille. Ja, Ian Anderson entpuppt sich mehr und mehr als Meister der Verkleidung. Oder hättest Du auf Anhieb erkannt, wer der schicke Herr mit Flöte ist?

Ian Anderson bei der ZDF Spendengala 2005

Ein schönes Wochenende Dir und Deinen Lieben.
Auch viele Grüße.
Wilfried

04.11.2006

English Translation for Ian Anderson

Musikvideos: Gentle Giant

Neben Jethro Tull zählt für mich die Gruppe Gentle Giant zu den interessantesten Vertreter des Artrocks (obwohl ich diese Schublädchen wie Artrock oder Progessive Rock nicht so mag). Besonders die ersten Alben der Band haben es mir angetan. Leider wurde der Stil zunehmend geändert, um kommerzielle Erfolge zu erzielen, was dann aber nicht eintraf. So löste sich die Gruppe viel zu früh auf.

Über youtube.com sind allerdings noch viele Videos von Gentle Giant im Internet zu betrachten, auch einige der Stücke, die ich besonders mag:

Gentle Giant – Octopus Medley (London 07/26/74)

Gentle Giant – On Reflection (London 01/05/78)

Gentle Giant – Funny Ways

Gentle Giant – Proclamation

Gentle Giant – Give It Back (London 07/26/76)

Cogs in Cogs – The Power and the Glory

zuletzt: Gentle Giant-Isn’t it Quiet and Cold – als Animation

siehe auch meinen Beitrag: Gentle Giant: The Advent of Panurge

Was ist bloß mit Ian los? Teil 27: Playback & Die Hasengeschichte

Hallo Wilfried,

es mag Dich befremden, aber nach Deiner letzten mail hatte ich ganz einfach den Eindruck, mich rechtfertigen zu müssen.

Deine Einschätzung zum überzogenen Bombast von Pink Floyd teile ich. Zumindest was The Wall betrifft. Aber ich denke, The Wall ist für PF ebenso wenig repräsentativ wie Locomotive Breath für Jethro Tull. PF haben auch ruhigere, bescheidenere Alben herausgebracht. Ich denke da an Dark Side of the Moon oder Wish you were here. Allerdings würde ich nicht soweit gehen, mich als Pink Floyd – Fan zu bezeichnen. In meinen Augen liegt der größte Verdienst von David Gilmour darin, Kate Bush auf den Weg gebracht zu haben.

In einem Punkt bin ich wieder einmal anderer Ansicht als Du. Ich fürchte, Du unterschätzt Bohlen & Co: Leute wie diese könnten selbst Locomotive Breath noch versauen. Obwohl: So schlecht finde ich den Song gar nicht. Da hat Mr. Anderson schon ganz andere Sachen produziert…

Vielen Dank für den Link auf Elegy. Hierbei habe ich gestutzt. In Deiner mail schreibst Du „Noch-David“; die Aufnahme ist aus 2002 und liegt damit deutlich vor seiner Operation. Allerdings hatte ich bei dem Video den Eindruck, er habe den Geschlechtswechsel schon vollzogen: Andere Frisur, bartlos, geschlechtsunspezifische Kleidung (oder vielleicht ein Damen-Kostüm; konnte ich nicht genau erkennen). Vielleicht hat er diesen schweren Schritt in mehreren kleinen Schritten vollzogen: Erst eine Änderung der Physiognomie und dann erst zum Chirurgen. Wie Du schon sagtest: Eine solche Entscheidung erfordert sehr viel Mut und verdient unseren Respekt. Ob Mrs. Palmer nun besser aussieht als Mr. Palmer in der Vergangenheit, ist dabei vollkommen nebensächlich. So oder so: Mit Elegy hat er sich unsterblich gemacht. Ein hervorragendes Stück Musik. Falls ich es nicht vergesse, werde ich testamentarisch verfügen, dass dieses Lied bei meiner Beisetzung gespielt wird. Mit Querflöte natürlich.

Während ich diese mail schreibe, läuft JT – Musik von YouTube. Dort sah ich eben einen Fernsehauftritt der Gruppe aus den 70er Jahren: Solstice Bells. An dieser Stelle erfolgt nun meine obligatorische Kritik: Ich kenne keinen Profi-Musiker, der so schlecht mit Playback umgehen kann wie Mr. Anderson. Dies ist allerdings keine reine Kritik, sondern eine ambivalente Feststellung: Das Unvermögen, eine Musikdarbietung „vorzutäuschen“, spricht in meinen Augen für die Qualität des Musikers !!

Ich gebe zu, dass meine Frage nach einem repräsentativen Stück von JT nur schwer zu beantworten ist. Das kann vielleicht nicht einmal Mr. Anderson. Ich denke, das repräsentative Stück von JT gibt es nicht, gibt es von keinem Künstler. Gerade deswegen danke ich Dir für Deine Antwort. Ich beantworte diese Frage mit Heavy Horses. Erstens, weil das eines der ersten Lieder von JT ist, die ich bewusst wahrgenommen habe und zweitens, weil mir Mr. Anderson in seinem Farmer- oder Gutsherrenlook besonders gut gefällt und damit auch glaubwürdig wirkt. Jedenfalls authentischer als mit …..Aber lassen wir das !

An dieser Stelle ein Minuspunkt für Wikipedia: Über Dave Palmer ist hier nichts zu finden, wohl aber über G.G. Anderson (der nicht mit dem Meister verwandt ist !). Das ist grotesk. Dieser Zustand ist unerträglich. Falls ich genug Material zusammentragen kann, werde ich einen Artikel für Wikipedia über Mr. Palmer schreiben.

Spätestens, wenn ich die Partituren zu den JT-Liedern sehe, frage ich mich, wann und wie Mr. Anderson das alles gelernt hat. Musik gehörte doch nicht zu seiner beruflichen Ausbildung, oder ? Weißt Du mehr hierüber ?

Vor einer Minute entdeckte ich auf YouTube einen Auftritt von JT aus 1972: Thick as a Brick. Es ist die bisher älteste Version dieses Stücks, die ich gesehen habe. Die Choreographie der Anderson’schen Bewegungsabläufe ist hier noch eine Andere als 3 Jahre später. Es ist interessant zu sehen, wie sich so etwas im Laufe der Jahre entwickelt.

Bleibe anständig, so lange es irgendwie geht.
Yours tulltruly
Lockwood

25.10.2006

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Hallo Lockwood,

hat etwas gedauert, bis ich Dir endlich antworte. Vielleicht hast Du meinen Beitrag von heute gelesen. Das hat mich wirklich diese Tage lang geradezu geschafft. Da arbeitet bei uns ein junges Mädel (25 Jahre alt), wird von Arbeitsvertrag zu Arbeitsvertrag vertröstet, macht sogar ein Abendstudium mit gutem Abschluss und weil es die böse Kollegin nicht will, sitzt sie plötzlich auf der Straße. Das ist eine äußerst verwickelte Sache. Sie zeigt mir nur, wie viele Arschlöcher frei herumlaufen. Ich habe mich inzwischen an Betriebsrat und Geschäftsstellenleitung gewandt, aber ich ahne jetzt bereits, dass man sich nur herausreden wird. Am Ende ist alles vergebliche Liebesmüh, zum Kotzen eben! Da hatte Herr Anderson zunächst hinten anzustehen.

Wikipedia und Palmer – wenigstens im englischsprachigen Bereich gibt es einen kurzen Artikel: Dee Palmer. Palmer und Jethro Tull, das ist schon eine Beziehung, die man noch genauer betrachten müsste.

Anderson und Playback-Auftritte: Es gibt da die DVD „The Rolling Stones – Rock and Roll Circus“. Ein kurioses Musikdokument, wie ich finde. Da sind doch tatsächlich Ian Anderson und seine Mannen von Mick Jagger und Co. zu diesen TV-Auftritt eingeladen worden. Und so findet man plötzlich auch John Lennon zwar nicht neben, aber doch in der Nähe von Jethro Tull. Der Vortrag von „A Song for Jeffrey“ ist aber eindeutig Playback. Ich habe die DVD-Aufnahme und da sieht man es etwas besser. Da spielt Tony Iommi, der für Mick Abrahams kam, aber schon Tage darauf durch Martin Barre ersetzt wurde. Gottlob! Das Gitarrenspiel klingt aber eindeutig nach Abrahams (ist wohl das Original von dem Album „This was“). Und Glenn Cornick bläst die Mundharmonika? Was der gute Tony Iommi da auf der Klampfe herumhantiert, ist reichlich ungelenk. Andersons Bewegungen usw. laufen dagegen sehr viel synchroner mit der Musik ab. Es kann natürlich sein, dass Anderson und Mannen (außer Tony) das zuvor etwas ausführlicher geübt haben. Wenn man schon von den Stones eingeladen ist, so will man sich keine Blöße geben. Zu Deinem Beispiel „Solstice Bells“ findet man bei Laufi.de folgendes Info:

„Top Of The Pops“ (UK TV) 25.12.1976

Recht überraschend -wahrscheinlich auch für die Band- und vor allem kurzfristig schaffte es die in limitierter Auflage veröffentlichte Single „Ring Out, Solstice Bells“ Weihnachten 1976 in die UK Charts und somit auch in die Weihnachtsausgabe von „Top Of The Pops“. Das -vorerst- letzte mal, daß Jethro Tull in dieser Show dabei waren. Die Show wurde am 25.12.1976 ausgestrahlt, das genaue Datum der Aufzeichnung ist mir nicht bekannt, kann aber nur wenige Tage vorher gewesen sein.

Das lässt vermuten: Tull hatte keine Playback-Übung in dieser Zeit und der Auftritt kam kurzfristig: daher lief das nicht so wie gedacht. Grundsätzlich stimme ich Dir zu: „Das Unvermögen, eine Musikdarbietung „vorzutäuschen“, spricht in meinen Augen für die Qualität des Musikers !! “

Und recht fruchtlos ist es, wenn man zu Playbacks von alten Stücken mimen soll, Stücke, die man längst umarrangiert hat (z.B. Locomotive Breath).

Zu der Frage nach einem repräsentativen Stück von JT. Eine Gemeinsamkeit haben wir: Du empfiehlst auch ein Stück, das Du als eines der ersten Lieder von JT bewusst wahrgenommen hast.

Auch wenn Du „The Story of the Hare” nicht so besonders findest, es ist einige Jahre her, da hatte ich mich daran gesetzt, den Text zu übersetzen. Jetzt habe ich meine bescheidene Übersetzung tatsächlich wiedergefunden. Wie genau diese nun ist, habe ich nicht erneut überprüft. Ich habe zumindest versucht, ein bisschen die Sprachmelodie beizubehalten, was bekanntlich alles andere als einfach ist. Hier der Versuch:

Die Geschichte vom Hasen, der seine Brille verlor

Eule liebte es, in Ruhe zu verweilen, wenn keiner sie beobachtete. Eines Tages saß sie auf einer Hecke, war überrascht als plötzlich ein Känguru ganz dicht bei ihr vorbeirannte.

Nun das mag nicht seltsam erscheinen, aber als Eule Känguru zufällig zu sich selbst flüstern hörte: „Der Hase hat seine Brille verloren“, nun, da begann sie sich zu wundern.

Bald kam der Mond hinter einer Wolke hervor, und dort liegend im Rasen war Hase. In dem Bach, der beim Grase floss … ein Wassermolch. Und mit gespreizten Beinchen bei einem Zweige eines Busches saß … eine Biene.

Scheinbar antriebslos (regungslos) zitterte vor Erregung der Hase, ohne seine Brille schien er völlig hilflos zu sein. Wo war seine Brille? Sollte einer sie gestohlen haben? Hatte er sie verlegt? Was hatte er getan?

Die Biene wollte helfen. Und mit dem Gedanken, die Antwort zu haben, begann sie: „Du hast sie wahrscheinlich gegessen, dachtest sie wäre eine Mohrrübe.“

„Nein!“ unterbrach die Eule, sie war weise. „Ich habe gute(s) Weitsicht (Sehvermögen), Einsicht und Voraussicht. Wie kann ein intelligenter Hase solch einen dummen Fehler machen?“ Während der ganzen Zeit saß Eule mit finsterer Miene auf der Hecke.

Da Känguru musste wie wild springen: bei so einer Art von Gespräch! Sie dachte sich, was Intelligenz anbelangt weit den anderen überlegen zu sein. Sie war deren Führer, deren Guru. Sie hatte die Antwort: „Hase, du musst dich auf die Suche nach einen Optiker machen.“

Aber dann merkte sie, dass Hase völlig hilflos ohne seine Brille war. Und so verkündigte das Känguru voller Stolz: „Ich kann den Hasen zu nichts auf die Suche schicken!“

„Du kannst, Guru, du kannst!“ rief der Wassermolch. „Du kannst ihn mit der Eule schicken.“ Aber die Eule war schon schlafen gegangen.

Der Molch wusste zu viel, um sich von so einem kleinen Problem beirren zu lassen. „Du kannst ihn in den Beutelbauch nehmen.“ Aber, oh, weh, der Hase war viel zu groß, um in den Kängurubeutel zu passen.

Die ganze Zeit über war es dem Hasen ganz klar, dass die anderen nichts über Brillen wussten. Und was all ihre verlockenden Ideen betraf, so konnte sich Hase nicht darum kümmern.

Die verlorene Brille war seine eigene Angelegenheit.
Und schließlich hatte der Hase eine Ersatzbrille.

übersetzt von Willi 26.05.1977 (das ist ja schon Jahre her)

Meinem großen Sohn Jan hatte ich, als er noch klein war, das Video vorgespielt. Er fand „Die Geschichte …“ ganz witzig und wollte sie öfter wiedersehen.

youtube.com: Ist ja eine schöne Möglichkeit, etwas eigenen Webspace, wie man die Speicherkapazitäten auf einem Web-Server nennt, zu schonen. Leider ist der nicht unbegrenzt und kostet auch bisschen was. Und youtube.com hat ja auch schon einiges an sehenswerten Tull-Videos, die man dann ganz einfach in seine eigene Website einbauen und somit nutzen kann.

Hierzu – ich weiß: Die Solo-Scheiben von Anderson finden auch nicht Deinen ungeteilten Beifall. Die Musik der „Divinities“-CD eignet sich aber sehr gut z.B. für die Hintergrundmusik von Urlaubsvideos. Und so habe ich ein längeres Stück für das Urlaubsvideo Kalabrien 2001 genommen (auch hierfür habe ich jetzt youtube.com genutzt). Klingt mit den Bilder doch ganz passabel, oder?

Für heute genug. Du liest, ich lese (lebe) noch.
Bis bald

Wilfried

30.10.2006

English Translation for Ian Anderson

Hagenbecks Tierpark 1992: Aquarium

Nicht erst seitdem ich Kinder habe, gehört es zur Tradition, mindestens einmal im Jahr Hagenbecks Tierpark in Hamburg zu besuchen. Als ich selbst Kind war, besuchte ich öfter mit meinen Eltern oder von der Schule aus diesen Zoo in Hamburg.

Ich bin jetzt dabei, alte selbst aufgenommene Videoaufnahmen zu ordnen und bin dabei u.a. auf Aufnahmen von einem Besuch bei Hagenbeck aus dem Jahre 1992 gestoßen. Sehenswert ist nach wie vor das Aquarium des Tierparks. Hier ein Zusammenschnitt aus dem Video:

Was ist bloß mit Ian los? Teil 26: Kashmir & Elegy

Hallo Wilfried !

Gegensätzliche Meinungen und kein Ende abzusehen !

Wenn ich Mr. Anderson durch die Mühlen meiner persönlichen Kritik drehe, werde ich damit dem Anspruch gerecht, den Du im Prolog zur neuen Rubrik formuliert hast: „…eine unkritische Anbetung wird es nicht geben…“.

Wenn Du konstatierst, dass ich Mr. Anderson wieder und wieder kritisiere, darfst Du nicht vergessen, dass er der einzige Künstler ist, mit dessen Werk ich mich sehr intensiv befasse. Warum befasst man sich intensiv mit einem Künstler ? Weil man ihn schlecht findet, ihn ablehnt, ihn nicht mag ?

Ich habe es an anderer Stelle bereits geschrieben: Mr. Anderson ist für mich der Größte. Aber auch er steht nicht jenseits aller Kritik; zumindest nicht bei mir. Ich denke, in einer Schriftensammlung, die nach eigener Aussage kritisch mit einem Thema umgeht, sollte Kritik auch erlaubt sein. Natürlich, das sei an dieser Stelle noch einmal ausführlich erwähnt, handelt es sich bei meinen negativen Äußerungen stets um persönliche Eindrücke; sie erheben keinesfalls den Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Zu Kashmir:
Das Gekrächze auf der Geige der guten Mrs. Micarelli trägt in meinen Augen wirklich nicht dazu bei, die Coverversion von JT gut zu finden. Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass einige Lieder so eng mit ihren Original-Interpreten verbunden sind, dass alle potentiellen „Coverer“ gut beraten wären, die Finger davon zu lassen. Kashmir ist ein solches Lied. Dieser Song gehört zu Led Zeppelin wie der Schwanz zum Hund. Jeder andere kann sich daran nur die Finger verbrennen. Stell‘ Dir vor, Modern Talking hätten damals Locomotive Breath gecovert. Hätte dabei etwas Gutes herauskommen können ?

Dass Mr. Palmer auf dem Warchild-Cover Gottvater darstellt, ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern steht, wenn ich mich recht erinnere, im Booklet dieses Albums. Natürlich in englischer Sprache. Möglich wäre, dass meine bruchstückhaften Kenntnisse dieser Sprache mir einen Streich gespielt haben.

In meiner letzten mail fragte ich Dich nach dem Lied von JT, dass in Deinen Augen die Gruppe am besten repräsentiert. Hast Du das überlesen oder war die Frage zu dumm, um darauf zu antworten ?

Es bleibt dabei: Ian Anderson ist der Größte !
In dieser Gewissheit verbleibe ich
Lockwood

24.10.2006

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Hallo Lockwood,

was rechtfertigst Du Dich so ausführlich? Habe ich Dir den Mund verboten, nein! Es ist doch schön, wenn wir so gegensätzlich debattieren können. Aber genug …

Zu Kashmir mag ich eigentlich nichts Weiteres sagen. Led Zeppelin waren mir damals schnuppe und sind es mir heute auch. Natürlich kenne auch ich das eine oder andere Stück von denen. Aber es hat mich nichts wirklich vom Hocker reißen können. Ähnlich geht es mir mit Pink Floyd. Die waren mir z.B. zu pompös, wenn Du weißt, was ich meine: zu dick aufgetragen! Ähnlich geht es mir mit der Cover-Version von Kashmir. Das liegt in erster Linie an meiner subjektiven Einstellung und weniger an den Fähigkeiten der Musiker (ich höre gerade im Hintergrund Pink Floyds „The Wall“, na ja …).

Modern Talking und Locomotive Breath? Warum eigentlich nicht. Es ist nicht unbedingt das Stück von Tull, das ich repräsentativ und überhaupt gut finde. Da können auch Bohlen und Co. nicht viel kaputt machen.

Von Warchild habe ich nur (nur ist gut) die Vinyl-LP. Es liegt zwar ein Blättchen bei, aber das enthält nur die Texte. Von daher bin ich auch gar nicht auf die Idee gekommen, David Palmer entsprechend zu klassifizieren. Aber er war sicherlich so etwas wie ein väterlicher Freund von Ian Anderson, der ihn auch in musikalischen Dingen unterstützend zur Seite stand. Gottvater ohne Gott. Auch übrigens: Das wohl 2002 aufgenommene Video mit Noch-David Palmer und Ian Anderson habe ich gefunden (ich muss meine Festplatte wirklich einmal ausmisten, ist schlimmer als in den Ställe des Augias). Ich habe mich bei youtube.com angemeldet. Dort findest Du das gute Stück namens Elegy.

„Stell‘ Dir vor, Du müsstest jemandem, der JT nicht kennt, ein Lied der Gruppe nennen, das repräsentativ für das musikalische Werk der Gruppe steht. Nur ein Lied.“ Deine Frage habe ich nicht vergessen. Was soll ich darauf antworten? Eiskalt wie ich bin: Living in the Past. Unbedingt repräsentativ ist das nicht. Aber es war das erste Stück, das ich von Tull gehört habe und das das Feuer in mir gelegt hat, das heute noch brennt – um es einmal ganz dick aufgetragen zu formulieren. Damals war an „Thick as a Brick“ und dergleichen noch gar nicht zu denken. „Living in the Past“ ist in einem schönen 5/4-Takt, was auch nicht alle Tage vorkommt und so schon etwas aus dem 4/4-Takt-Einerlei heraussticht.

Jethro Tull: Living in the Past - Notenauszug

Für heute genug.
Bis bald
Wilfried

24.10.2006

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Hallo Lockwood,

Ein Nachtrag zu Palmer und Gottvater: Das englische godfather (so wird es doch wohl im Booklet heißen) hat nicht viel mit dem deutschen Gottvater zu tun. Es bedeutet nur Pate, Patenonkel usw. und ist sinngemäß ein Vater, der von Gott eingesetzt wird. Also ein Ersatzvater. Das kommt meiner Einschätzung der Rolle Palmers zu Ian Anderson sehr nahe. Er war eine Art Vaterfigur, wenn auch im Wesentlichen musikalischer Art.

Gruß
Wilfried

25.10.2006

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Hallo Wilfried,

den genauen Wortlaut des Booklets kriege ich im Moment nicht hin. Ich halte es für denkbar, dass dort nicht der Begriff Godfather stand, sondern Gott, und ich das nur mit Gottvater übersetzt habe.

Die Kostümierung des Mr. Palmer auf Warchild zeigt eher eine Figur, die an Gott erinnert (oder so, wie er Jahrhunderte lang in der Kunst dargestellt wurde) als an einen Patenonkel. Ich werde es im Booklet nachlesen, dann haben wir Klarheit.

Viele Grüße
Lockwood

25.10.2006

English Translation for Ian Anderson