Archiv für den Monat: Dezember 2006

Schöne Bescherung – immer wieder …

Die Familie Griswold feiert Weihnachten. Familienoberhaupt Clark Griswold stürzt dabei alles in ein unsägliches Chaos, sodass für den Betrachter kein Auge trocken bleibt. Es gehört bei uns zur weihnachtlichen Tradition, mindestens einmal den Film ‚Schöne Bescherung‚ (National Lampoon ’s X-Mas Vacation – USA 1989 – Regie: Jeremiah Chechik) mit Chevy Chase anzusehen.

    Weihnachten bei den Griswolds

Sei es die Suche nach dem richtigen Weihnachtsbaum, das Installieren einer Lichterkette mit immerhin 25.000 Glühbirnen, die Invasion der buckeligen Verwandtschaft oder das Warten auf die ersehnte Weihnachtsgratifikation:

Es gibt keine schönere Bescherung als die mit den Griswolds! So macht Weihnachten Spaß! Am Freitag, den 15. Dezember, gibt es den Film im Fernsehen auf RTL2 ab 20 Uhr 15 (Wiederholung am Samstag, den 16.12., um 15 Uhr 15).

Ubrigens: Der illuminierte Wahnsinn, also die Weihnachtsbeleuchtung in deutschen Städten und Vorgärten verbrauchte im letzten Jahr ca. 25 Millionen Kilowattstunden.

Video (Ausschnitte): Familie Griswold – Schöne Bescherung

Gerührt oder geschüttet? Der neue Bond ist da

Im Vorfeld gab es schon einiges Murren um den neuen James Bond-Darsteller Daniel Craig: zu blond, zu hässlich (mein jüngster Sohn taufte den neuen Bond auch gleich James Blond), mit Problemen beim Autofahren und nur mit Schwimmweste zu bewegen, Wasserfahrzeuge zu betreten. Das ist nicht der Bond, den wir bis jetzt kannten. Eher wie ein russischer Agent (die Ähnlichkeit mit Putin).

Aber kaum lief der neue Bond-Film „Casino Royale“ in den Kinos an, da war alle voreilige Kritik vergessen. Einen neuen Bond haben wir da vor uns. Nichts da mit Gentlemen-Agenten und dergleichen. Es geht sofort hart zur Sache. Und statt Effektegewitter ein Actionspektakel mit ganz tollen Stunts. Ein neuer Bond für eine neue Generation.

Sicherlich war der letzte Bond mit dem unsichtbaren Aston Martin trotz guter Einspielergebnisse sehr seicht und unglaubwürdig. Also zurück zu den Wurzeln und auch den Romanen, die immerhin das Material für die Bond-Reihe liefern. Aber der neue Bond ist nicht mein Bond. Nicht nur zu blond, sondern auch zu brutal, ja zu real, außer bei den „sportlichen Leistungen“, die Bond zu Beginn vollbringt (Herkules hätte nicht diese Ausdauer).

Erstaunlich für mich die Rollenbesetzung von „LeChiffre“, dem Gegenspieler von James Bond: Mads Mikkelsen. Ich kenne ihn aus den dänischen Filmen „Adams Äpfel“ und „Dänische Delikatessen“ (letzterer wartet noch darauf, von mir gesehen zu werden). Man glaubt es kaum, den gleichen Schauspieler vor Augen zu haben. Hut ab!

Okay, Sean Connery, selbst Pierce Brosnan – beide sind nicht zu toppen. Der neue Bond-Film ist sicherlich ein spannender Agentenfilm mit toller Action. Und Daniel Craig als der Top-Agent auch bestens besetzt – würde er nur nicht James Bond heißen.

Ausschnitte aus James Bond: Casino Royale (2006)

Was ist bloß mit Ian los? Teil 35: Christmas Album

Hallo Wilfried,

ich hoffe, dass Ihr den Kindergeburtstag (darf man das noch sagen ?) gut überstanden habt.

Deine getrübte Vorfreude auf den 26.12. kann ich nachvollziehen. Feiern im großen Kreise liegen mir auch nicht. Heute Abend haben meine Eltern ihren Hochzeitstag gefeiert. Nur im kleinen Kreis: Ihre Kinder und deren Familien. Das war ein schöner gemütlicher Abend. Mein Vater hatte seinerzeit seinen 60. Geburtstag in großer Familienrunde gefeiert. Das hat ihm so gefallen, dass er an eine Feier zum 70. Geburtstag nicht einmal gedacht hat.

Wenn Mr. Anderson sein Outfit für Maria Laach mit der selben Sorgfalt auswählt wie 2004 in Neapel, bin ich sehr zufrieden.

Zum Stichwort Barrett muss ich gestehen, dass ich nicht exakt das Gleiche erworben habe wie der Meister. Meines fällt etwas schlichter aus und der Bommel fehlt. Der Schlagzeuger aus dem Drehscheiben-Auftritt ist mir vollkommen fremd. Halt einer von ungezählten ehemaligen Bandmitgliedern.

Ich habe mir Francis‘ Playback-Auftritte angesehen. Wirklich, gar nicht mal schlecht. Ich habe Profis erlebt, die es nicht so gut hinbekamen. Auch sonst kann ich über Francis nur staunen…

Ich bestreite gar nicht, dass „Roots to Branches“ gut gemacht ist. Die Arrangements und Leistungen der Musiker sind bestimmt klasse. Aber: Es gefällt mir nicht. Auch nach mehrmaligem Hören nicht. Es kostet mich jedesmal Überwindung, diese CD einzulegen. Aber damit kann ich leben. Mittlerweile habe ich akzeptiert, dass Mr. Anderson andere musikalische Ziele hat, als nur meinen Geschmack zu bedienen. Er hat eine Handvoll Alben gemacht, die mein Leben bereichert haben und dafür danke ich ihm.

Noch einmal zur Menschheitsgeschichte: Auch bei mir gibt es eine innere Liste von Menschen, denen ich gerne begegnet wäre: Albert Einstein, Konrad Lorenz, William Wallace, Hannibal… Vielleicht ergibt sich im jenseitigen Leben eine Möglichkeit dazu, wer weiß ? Bevor Johannes Paul I. auf dem Stuhl Petri Platz nahm, hat er unter seinem bürgerlichen Namen Albino Luciani für eine italienische Zeitung eine kleine Serie geschrieben. Es waren fiktive Briefe an verstorbene Persönlichkeiten der Geschichte. Diese Briefe sind später in einem kleinen Buch zusammengefasst worden: Ihr ergebener Albino Luciani. Dieses Buch ist wirklich sehr schön zu lesen. Ich glaube, ich werde in meinem Schrank noch einmal danach suchen.

Die Weihnachtsgeschenke für die Familie besorgt meine Frau dankenswerterweise. Mir bleibt nur noch, ein Geschenk für meine Frau zu besorgen. Das ist mir heute Nachmittag gelungen. Jetzt fehlt nur noch das Geschenk für ihren Geburtstag.

Du hast also einen neuen Bildschirm. Lass‘ mich raten: Ein Samsung TFT 19″. Mein Röhrengerät ist jetzt über sechs Jahre alt. Ein No-Name – Produkt aus dem Supermarkt. Dummerweise (hätte ich fast gesagt) funktioniert er wie am ersten Tag. Ist aber ganz gut so; ein Breitwand-Bildschirm ist mit einem Schmalspur-Konto nicht kompatibel.

Falls es Dir in den nächsten Tagen und Wochen gelingen sollte, in einer besinnlichen Minute an den eigentlichen Zweck von Weihnachten zu denken, musst Du mir unbedingt verraten, wie Du das geschafft hast. Ich ärgere mich jedes Jahr über die galoppierende Säkularisierung des Festes und jedes Jahr mache ich beim Tanz um den Mammon ganz brav mit.

Eine erträgliche Woche wünscht Euch
Lockwood

03.12.2006

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Hallo Lockwood,

den Geburtstag meines großen Sohnes haben wir alle gut überstanden. Es gab keine jugendlichen Ausraster und dergleichen. Ohne Alkohol ging es leider nicht. Aber alles in Maßen, sodass auch alle heil nach Hause kamen.

Ja, überhaupt diese Familienfeiern. Ich bin froh, wenn alles hinter uns gebracht ist und ich mit meinen Lieben wieder Ruhe finde. Leider lässt sich nicht alles vermeiden. Und überhaupt Weihnachten. Ich bin noch sehr weit davon entfernt, weihnachtliche Gefühle zu entwickeln. Liegt nicht nur am Wetter.

Mein neuer Bildschirm ist zwar nicht von Samsung, sondern von Philips, aber sonst hast Du Recht. ein flacher 19-Zöller. Immerhin habe ich meinen Rechner „auf Vordermann“ gebracht. Er läuft wieder normal. Irgendwie hatte er Probleme mit einem DVD-Laufwerk, das dazu führte, dass der ganze Rechner abstürzte. Jetzt darf er gern noch ein bis zwei Jahre halten. Technisch gab es in letzter Zeit ja nicht so große Sprünge.

Weihnachten steht also vor der Tür. Hast Du eigentlich das „Christmas Album“ von Jethro Tull? Es sind ja vorwiegend ältere Lieder, die neu aufgenommen wurden. Aber es enthält auch neue. Bis auf den Instrumentaltitel „God Rest Ye Merry Gentlemen“ (klingt mir zu Oldtime-Jazz-mäßig) finde ich die Scheibe ganz okay und werde sie öfter in dieser Vorweihnachtszeit anhören.

Aqualung Aquaclaus

40 Jahre Jethro Tull – das dürfte wohl erst 2008 sein. Laut der Tull-Biographie auf der offiziellen Tull-Website heißt es dort:

In the latter months of 1967, four shaggy wannabe’s congregated in the Southern UK town of Luton, Bedfordshire. From the debris of the disillusioned and disintegrated John Evan Band and McGregor’s Engine, the naïve, untutored talents of Ian Anderson, Mick Abrahams, Glenn Cornick and Clive Bunker tentatively coalesced to form the original Jethro Tull line-up.

After fulfilling a few remaining dates under the John Evan banner, the group established themselves as Jethro Tull, new resident band at London’s famous Marquee club, albeit after a few false start identities („Navy Blue“, „Ian Henderson’s Bag ‚o Blues“, Jethro Toe“ and the certainly suicidal „Candy Coloured Rain“).

By March 1968, they had built a following as the new face of the blues-based British underground music scene. Lines stretched around the block on a Thursday night when they performed at the Marquee. Ian Anderson would typically join the line as if to buy a ticket himself wearing the shabby hand-me-down overcoat which was to become his trademark for the next few years. Often, he would be seen with a Woolworth’s carrier bag containing flute, harmonicas, alarm clock and hot water bottle, in strange precursor role of the Aqualung/tramp persona.

Also in den letzten Monaten des Jahres 1967 ‚versammelten’ sich die Gründungsmitglieder in Luton, hatten unter dem John Evan ‚Banner’ noch einige Termine zu erfüllen, um dann nach einigen Fehlstarts als Jethro Tull ab März 1968 im Marquee Club zu London erste Erfolge zu verzeichnen.

In den FAQs auf der Tull-Site steht:

Back in February, 1968, we had many different names which usually changed every week, since we were so bad that we had to pretend to be some new band in order to get re-booked in the clubs where we aspired to find fame and fortune. Our agent, who had studied History at college, came up with the name Jethro Tull (an eighteenth century English agricultural pioneer who invented the seed drill). That was the band name during the week in which London’s famous Marquee Club offered us the Thursday night residency. So it stuck. Is it too late to change? I thought so.

Also Ende 1967 spielten Anderson, Abrahams, Cornick und Bunker bereits zusammen. Den Namen Jethro Tull hat die Gruppe ab März 1968 und brauchte ihn nicht mehr zu ändern, weil sich plötzlich lange Schlangen vor dem Marquee bildeten. Wie gut, dass die Gruppe da nicht „Navy Blue“ oder „Candy Coloured Rain” (wirklich selbstmörderisch) hieß („Marineblau“ bzw. „bonbonfarbener Regen“, na toll).

Das „20th Anniversary box set“ (bzw. die Doppel-Scheibe „20 Years of Jethro Tull“) ist 1988 und das „25th Anniversary box set“ 1993 erschienen – ausgehend vom Jahre 1968. Wir müssen uns also noch bis 2008 gedulden, um 40 Jahre Jethro Tull zu feiern. Hoffen wir nur, dass es bis dahin die Gruppe noch gibt. Ansonsten müssten wir noch ein Jahr warten, um Andersons 45. Jahrestag als Musikant zu feiern (“Ian Anderson, known throughout the world of rock music as the flute and voice behind the legendary Jethro Tull, celebrates his 41st year as a recording and concert musician in 2004.” aus: Ian Anderson Biography, Jan. 2004).

Ab und zu stöbere ich auch bei Jan Voorbij (cupofwonder.com). Seine Anmerkungen zu den Tull-Liedern sind wirklich bemerkenswert. Da kommen wir lange nicht heran. ‚Leider’ auf Englisch, da muss man schon öfter im Dictionary nachschlagen. Wir waren ja eine längere Zeit mit David resp. Dee Palmer beschäftigt. Hast Du gewusst, dass Palmer die einleitenden Worte zu „Minstrel in the Gallery“ gesprochen hat?

Bei Jan Voorbij (wie spricht sich der Name eigentlich aus? Wie das deutsche „vorbei“?) steht:

[David Palmer – spoken intro] :

‚My lord and lady, we have fortuitously happended upon these, er, strolling players, who will provide you with, er, goodly tunes while you set about your prandial delights…albeit in the lamentable absence of your guests. So, my lord and lady, for your entertainment!…..‘

Ich dachte immer, Anderson selbst spricht diese Einleitung.

Ja, der Tanz um den Mammon. Heute habe ich die letzte Order für ein Geschenk für meine Frau aufgegeben (sie ist leidenschaftliche Bärchen-Sammlerin und ich habe noch einen schönen Teddybären gefunden). Das war es dann auch. Hoffentlich bleibt noch etwas vom Weihnachtsgeld übrig, um es für den Urlaub 2007 zurückzulegen. Ich will mit meinen Lieben noch einmal nach Grainau, wenn auch nur für zwei Wochen. Morgen haben wir in der Firma Weihnachtsfeier. Eigentlich wollte ich mich da dünne machen (die Feier wird vom Betriebsrat veranstaltet), aber ich will keine Schwäche zeigen und werde mich für 1 bis 2 Stunden in unsere Kantine bequemen, mir den Magen voll schlagen und dann gen Heimat ziehen. Weihnachtliche Besinnung muss ich dann auf später verschieben.

Bereits heute Dir und Deinen Lieben einen schönen 2. Advent
Wilfried

06.12.2006

English Translation for Ian Anderson

Schneeeeeeee – Teil 1

1. Dezember
Es hat angefangen zu schneien. Der erste Schnee in diesem Jahr. Meine Frau und ich haben unsere Cocktails genommen und stundenlang am Fenster gesessen und zugesehen, wie riesige, weiße Flocken vom Himmel herunter schweben. Es sah aus wie im Märchen. So romantisch – wir fühlten uns wie frisch verheiratet. Ich liebe Schnee.

Schnee - Teil 1

6. Dezember
Als wir wach wurden, hatte eine riesige, wunderschöne Decke aus weißem Schnee jeden Zentimeter der Landschaft zugedeckt. Was für ein phantastischer Anblick! Kann es einen schöneren Platz auf der Welt geben? Hierher zu ziehen war die beste Idee, die ich je in meinem Leben hatte. Habe zum ersten Mal seit Jahren wieder Schnee geschaufelt und fühlte mich wieder wie ein kleiner Junge. Habe die Einfahrt und den Bürgersteig freigeschaufelt. Heute Nachmittag kam der Schneepflug vorbei und hat den Bürgersteig und die Einfahrt wieder zugeschoben, also holte ich die Schaufel wieder raus. Was für ein tolles Leben!

Fortsetzung folgt …

Postamt in Tostedt vor Schließung

Ich bin kein großer Freund von Bahn und Post. Aber man kommt nicht immer umhin, deren Dienstleistungen zu nutzen. Tostedt, ein Ort in der Nordheide (sprich: im Norden der Lüneburger Heide), ist nun nicht gerade riesig, aber immerhin nicht so klein, um weder Bahnhof noch Postamt zu haben. Jetzt will die Deutsche Post AG ihre Filiale in Tostedt schließen. Dafür sucht sie einen Geschäftsinhaber, der in seinem Laden eine so genannte Postagentur betreiben möchte. Wann diese „Umwandlung“ sein wird, steht allerdings noch in den Sternen. Vielleicht erklärt sich ja das Kirchenbüro unserer Johannesgemeinde bereit, einen Postschalter zu eröffnen.

Postagentur

Werder wieder an der Spitze (15. Spieltag BL 2006/2007)

Miroslav Klose schoss mit seinen zwei Toren gegen Hertha BSC nicht nur sich an die Spitze der Torschützenliste, sondern auch seine Mannschaft, den SV Werder Bremen, zurück auf Platz eins der Bundesliga.

Miroslav Klose

Jetzt geht es am Dienstag im letzten Gruppenspiel in der Champions League gegen den FC Barcelona um den Einzug ins Achtelfinale. Ein Unentschieden würde den Bremern in Barcelona genügen. Aber es wird sehr schwer werden, denn vor rund 100.000 katalanischen Zuschauern ist der FC Barca der eigentliche Favorit. Leider wird das Spiel nicht beim Sender Deutsches Sportfernsehen übertragen. Vielleicht sehen wir dann Werder Ende Februar im Achtelfinalspiel.

Was ist bloß mit Ian los? Teil 34: Von den Wurzeln zu den Zweigen

Hallo Wilfried,

ob sich hinter unserem Bundespräsidenten ein Tull-Fan verbirgt, kann ich nicht sagen. Ich möchte aber auf eines hinweisen: Nicht jeder Tull-Fan trägt Kopftuch. Ich hoffe, dass Mr. Anderson bei dem Konzert in Maria Laach etwas mehr Augenmerk auf seine Garderobe richtet. Ein Outfit, wie es auf Deiner (wieder sehr gelungenen !) Montage zu sehen ist, würde schon reichen. Lediglich mit der Kopfbedeckung könnte es Probleme geben: Maria Laach ist ein katholisches Gotteshaus und hier ist der Nicht-Kleriker aufgefordert, es nur barhäuptig zu betreten.

Steht nicht nächstes Jahr das 40jährige Jubiläum von JT an ? Ich habe noch nichts davon gehört oder gelesen, aber rein rechnerisch müsste das so sein.

Vielen Dank für den Hinweis auf die neuen Laufi-Videos ! Der Auftritt in der ZDF-Drehscheibe ist genau der, von dem ich an anderer Stelle bereits erzählt habe. Vielleicht erinnerst Du Dich: Am nächsten Tag bin ich losgezogen, um mir das gleiche Barett zu kaufen, wie es der Meister trug (allerdings steht es ihm besser als mir). 1982 ist es mir nicht aufgefallen, aber heute: Zum historischen Kostüm trägt Mr. Anderson wieder eine Armbanduhr. Diese Marotte kann ich mir nur so erklären, dass ihm in der Vergangenheit schon einmal eine Uhr in der Künstlergarderobe abhanden gekommen ist. Summa summarum komme ich zu dem Schluss, dass ein Playback-Auftritt in einer deutschen Nachrichtensendung im Vorabendprogramm nicht das richtige Forum für Könner wie JT ist. Klar, als Teenager habe ich den Auftritt damals genossen, aber die Musiker müssen Höllenqualen gelitten haben.

Mit den Parallelen zwischen TAAB und Bohemian Rhapsody meinte ich in allererste Linie die ungewöhnliche Dauer dieser Stücke und der Bombast, mit dem sie vorgetragen werden. Natürlich gibt es Unterschiede in den Songs und den Künstlern. Der Größte ist vielleicht, dass JT in der Lage waren und sind, ihr Lied live darzubieten. Queen mussten bei den schwierigen Passagen, wie z.B. dem Chorgesang, auf das Tonband zurückgreifen. Vielleicht kennst Du God Save The Queen von Queen; nur Gitarre und Schlagzeug. Die Band spielte es lange Zeit am Ende ihrer Konzerte. Das heißt, sie spielte es nicht, sondern spulten es aus der Konserve ab. Ob Mr. May es live nicht hinbekommen hätte ? Keine Ahnung. Jedenfalls halte ich JT für das größere Live-Erlebnis.

Das Konzert im Madison Square Garden hat für mich eine ähnliche Klasse wie der Auftritt im Hippodrom. Wie Du schon sagtest, die beiden Events liegen nur ein Jahr auseinander. Aus meiner Sicht hatte die Gruppe 1978 den Zenit ihrer Schaffenskraft erreicht. Das war nicht mehr zu toppen. Von JT nicht, von anderen erst recht nicht.

Vorsichtshalber zur Richtigstellung: Am Prozess gegen Danton interessiert mich nicht das Ende auf dem Schafott, sondern seine unglaublich eloquenten Verteidigungsreden. Allerdings müsste ich einen Dolmetscher mit in die Zeitmaschine nehmen.

Die magere Reaktion auf Ralph Weber’s Endgame mag in der hohen Qualität des Textes begründet liegen. Ich kann mir vorstellen, dass mancher Tull-Fan den Kommentar mit offenem Mund liest und nur noch ein ehrfürchtiges Nicken zustande bringt. Jemanden, der so schreiben kann, quatscht man nicht ungefragt an. Das ist natürlich Unsinn, aber solche Gedanken schwingen möglicherweise im Unterbewusstsein mit.

Ich habe mir noch einmal, ganz bewusst, Roots to Branches angetan. Es bleibt dabei: Inhaltlich kann ich Herrn Weber nicht in jedem Punkt zustimmen. Wenn ich einem Außerirdischen die Qualität der irdischen Rockmusik mit einem Beispiel belegen müsste, würde ich ihm einen Liveauftritt von TAAB vorspielen. Es hatte also auch sein Gutes, dass der Mensch sich über den Affen erhoben hat.

Ich freue mich auf Heiligabend !
Lockwood

29.11.2006

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Hallo Lockwood,

die Freude auf Heiligabend (Weihnachten) hält sich bei mir in Grenzen. Meine Frau wird nämlich 50 Jahre alt (sie hat allerdings am 26. Geburtstag) und da ist eine große Feier angesagt, die im Gemeindehaus unserer evangelischen Kirche stattfindet. An Gästen werden mindestens 50 Leute erwartet, die dann auch noch Kinder mitbringen, sodass es sicherlich noch mehr werden. Hoffentlich sind die alle noch vom Weihnachtsbraten gesättigt (oder die haben bereits eine Magenerweiterung – da passt dann noch genügend hinein). Ich mag solche Massenveranstaltungen überhaupt nicht, aber da muss ich durch. Da unterhält man sich mit jedem und keinem. In kleiner Runde finde ich es um einiges besser. Mag dieser Kelch an mir vorüberziehen. Immerhin habe ich die Tage darauf frei und kann mich erholen.

In Maria Laach werden wir Herrn Anderson mit Sicherheit ohne Kopftuch oder Käppi sehen, also mit sehr breitem Scheitel. Er weiß, was sich gehört. Es ist auch nicht sein erster Auftritt in einer katholischen Kirche. Im Januar 2004 war er fürs italienische Fernsehen in Neapel aufgetreten und brachte u.a. Bourree zum Besten.

Das ist also das berühmte Barrett? ZDF-Drehscheibe habe ich früher mit meinen Eltern auch öfter gesehen. Diese Sendung muss ich aber verpasst haben. Nett sind ja die älteren Damen am Schluss. Die gucken etwas gelangweilt, klatschen aber höflich ihren Beifall. Haben die etwas härteres erwartet? Am Schlagzeug muss ein Gerry Conway sitzen. Der ist mir überhaupt nicht gegenwärtig. Ich habe zwar einige Videos aus 1982. Die sind aber von der Qualität recht schlecht. Und irgendwie habe ich da auch nie so richtig auf den Mann an der Schießbude geachtet. Conway hat auch nur auf „Broadsword“ gespielt, auf „Crest of a Knave“ gab es dann einen fliegenden Wechsel mit Doane Perry (auf „Under Wraps“ hat Anderson selbst die Schlagstöcker gewirbelt), der mithin auch schon 20 Jahre bei der Truppe ist.

Apropos Videos! Ich habe auch einmal einen Blick bei myvideo.de gewagt und wem bin ich dabei begegnet? Unserem alten Kumpel Francis, wenn Du Dich an den erinnerst. Da musst Du unbedingt hineingucken. Der Mann ist zwar ziemlich kaputt (wenn man in meinem Alter ist, dann ist das kein Wunder), aber ein ‚echtes’ Showtalent, was die Tull-Imitationen betrifft. Kein Grund zum Lästern, zu Playback so tun als ob ist wirklich nicht leicht – aber das Thema hatten wir bereits.

Francis

In „Roots to Branches“ habe ich auch einmal intensiver hineingehört. Das Album liegt zwischen den Solo-Scheiben „Devinities“ und „Secret Language of Birds“ von Ian Anderson, was nicht zu überhören ist. Das Flötenspiel erinnert mich an das erst genannte Album (z.B. das Stück „Wounded, Old and Treacher“, der dann folgende ‚Rapper’ Anderson macht das Lied dann allerdings ziemlich kaputt), recht ausgreifend und von Weltmusik geprägt. Der Gesang, aber auch einige Instrumentalpassagen ähneln der zweiten (z.B. „At last, forever“ – außerdem: das hört sich hier wirklich einmal nach einer 12-saitigen Gitarre an). Ich muss gestehen, dass ich mich zunächst auch nicht voll für „Roots to Branches“ begeistern konnte; nach dem 3. Lied hatte ich einen Hänger. Aber bereits beim 2. Hören wird man ‚vertrauter’. Und es gibt einige Lieder, die mir dann sogar ganz gut gefallen (z.B. „Beside Myself“, das ich durch die Videoaufnahmen schon etwas näher kenne, und „Another Harry ’s Bar“). So ganz Unrecht hat der gute Herr Weber allerdings nicht – die Arrangements sind äußerst ausgefeilt wie kaum auf einem anderen Tull-Album und bieten dabei den Mitspielern doch viel Raum zur Entfaltung.

In Deiner Beurteilung bezüglich der mageren Reaktion auf den Weber’schen Beitrag End game – Jethro Tull im Halbschatten im Laufi-Forum gebe ich Dir voll und ganz Recht. Es ist zudem eine Sichtweise, eine Perspektive, die dem Leser unvertraut sein dürfte (wer als Frosch plötzlich die Welt von oben sieht, der dürfte sehr erstaunt gucken – „mit offenem Mund“ wie Du schreibst).

Und: Was die besonderen Ereignisse in der Menschheitsgeschichte anbelangt, da könnte es doch einiges geben, nur wären das im eigentlichen Sinne keine „besonderen Ereignisse“: Ich wäre z.B. gern einmal Franz Kafka begegnet, einfach um einmal diesen im vollen Wortsinne ‚merkwürdigen’ Menschen live erlebt zu haben. Und da gäbe es noch einige andere Menschen, die leider nicht mehr unter uns weilen.

Ja, nur noch drei Wochen bis Weihnachten. Hast Du bereits alle Geschenke für Deine Lieben im Sack? Mein Weihnachtsgeschenk steht ja bereits auf meinem Schreibtisch (der neue Bildschirm, weil der alte den Geist aufgab).

Jan hat heute Geburtstag und wird 16 Jahre alt. Um 19 Uhr kommt eine ganze Horde Jugendlicher und bevölkert dann den Abend unseren Keller. Also genug für heute.

Ich wünsche Dir und Deinen Lieben ein schönes Adventwochenende.
Bis bald
Wilfried

01.12.2006

English Translation for Ian Anderson

Topfschlagen statt Saufen – Die Feier

Gestern wurde mein großer Sohn Jan nun 16 Jahre alt und feierte wie erwähnt seinen Geburtstag mit Schulkameraden und Freunden bei uns im Keller. Okay, so ganz ohne Alkohol ging es nicht ab. Lukas, mein Jüngster, spielte den Kellner und spendierte zum ‚Empfang‘ ein Glas Sekt. Und auch danach gab es in kleinen Mengen Bier. Am Ende konnten dann die Mädchen und Jungen ohne Gleichgewichtsstörungen den Heimweg antreten. Irgendwie Spaß gemacht haben muss es dann aber trotzdem, auch ohne Saufen. Und meine Frau und ich konnten nach kurzem Aufräumen beruhigt zu Bett gehen.

Lukas als Kellner

Jans Kalenderblatt: Dezember 2006

Ein letztes Kalenderblatt von meinem Sohn Jan für Dezember: Klar, es geht um Weihnachten, denn der Dezember dreht sich eigentlich nur um dieses Fest. Der Weihnachtsmann auf dem Bild schaut nicht gerade fröhlich, eher hinterhältig aus seinem roten Anzug. Für wem wohl die Geschenke sind? Jeder mache sich selbst seinen Reim auf dieses Bild:

Jans Kalenderblatt Dezmber 2006