Archiv für den Monat: Januar 2007

Was ist bloß mit Ian los? Teil 42: Für einsame Astronauten

Hallo Wilfried,

vielen Dank, auch im Namen meines Sohnes, für Deine Genesungswünsche. Das wirklich Ärgerliche an dem Unfall ist, dass mein Filius selber gar nicht beballert hat. Er stand mit seinen Geschwistern einige Meter von den Stalin-Orgeln und Granatwerfern entfernt und wollte nur zuschauen. Seine Verletzung verdankt er dem fahrlässigen Umgang mit dem Feuerwerkskörper durch einen erkennbar angetrunkenen Gast unserer Nachbarn. Aber ich bin den Schicksalsmächten dankbar, dass mein Sohn „nur“ am Bein verletzt wurde und die Wunde in den letzten Tagen gut zu heilen scheint.

Nachrichten im Fernsehen schaue ich mir nur hin und wieder an. Nicht, dass ich etwas gegen die Nachrichtensendungen dort einzuwänden hätte, aber mein bevorzugtes Medium ist das Radio. Zeitungen lese ich keine. Hin und wieder werfe ich einen Blick auf die Online-Seiten unseres Lokalblättchens, aber auch nicht regelmäßig. Ich gebe zu, dass mich das weltweite Geschehen nicht sehr interessiert; dazu bin ich zu sehr in meinem eigenen Mikrokosmos eingebunden. Nur wenn etwas allzu sehr aus dem Ruder läuft, mache ich mir meine Gedanken darüber. Wie jetzt aktuell die Irak-Politik und die Abschusspläne des Innenministers. Allerdings will ich ihm zugute halten, dass er nicht selber schießen und auch nicht alle Flugzeuge runterholen will.

Zum „Psalm“:
Dein Bild vom Leichenzug in New Orleans ist sehr treffend. Es könnte sein, dass bei diesen Zügen tatsächlich vertonte Psalmen (die gibt es in der Kirchenmusik recht häufig) gespielt werden. Jedenfalls herrscht dort eine vergleichbare Stimmung wie beim Auftritt von Mr. Ferry. Ich kann mir nicht helfen und als erklärter Jethro Tull – Fan gebe ich es nur ungern zu, aber dieses Video gefällt mir wirklich. Na ja, Mr. Anderson lebt uns vor, dass wir nicht in Schubladen denken sollen.

Wie gehst Du beim Digitalisieren Deiner LPs vor ? Ein Kumpel von mir hat ein Set gekauft, besteht aus Software und ein bisschen Hardware, mit dem ein Plattenspieler an den Rechner angeschlossen werden kann. Eine andere Variante sah ich im Prospekt eines Computerladens: Hier wurde ein spezieller Plattenspieler angeboten, der an den PC angedockt wird. Welches Verfahren wendest Du an ?

Gerade wird mir klar, dass meine letzten mails kaum noch unter die Überschrift „Was ist bloß mit Ian los ?“ passen. Ich schweife ab. Mal sehen, ob ich mich bessern kann.

Kind regards
Lockwood

06.01.2007

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Hallo Lockwood,

ja, wir schweifen von unserem Thema schon sehr ab. Aber Ian Anderson und Jethro Tull sind keine Insel fernab der großen Wasserstraßen. Und wenn man auf einen Eddie Jobson zu sprechen kommt, der eine Zeitlang bei Tull gespielte, dann kommt man zwangsläufig auf Roxy Music und Frank Zappa, die sich auch seiner Dienste bedient haben. Ich finde es sogar höchst interessant, solche Querverweise festzustellen. In diesem Zusammenhang: Ich habe Dir vor einiger Zeit geschrieben, dass ich die Musik von Joan Armatrading mag – zumindest aus ihrer Anfangszeit. Und ich musste feststellen, dass es auch zwischen ihr und Jethro Tull Verbindungen gibt. So hat u.a. Dave Mattacks, der außer bei Fairport Convention auch auf einer Live-Tour für Jethro Tull Schlagzeug spielte (CD von 1992: J.T. live – A little light music), auch schon auf zwei Alben von Joan Armatrading das Schlagzeug als Studiomusiker bedient. Und bereits auf den beiden ersten Alben von ihr war es Gerry Conway, der ebenfalls Schlagzeug spielte und den Du jetzt von der Broadsword-Aufnahme her kennst. Außerdem gibt es da noch den Saxophonisten Mel Collins, der sowohl für Joan Armatrading als auch Martin Barre (auf seinem 2. Soloalbum) mitspielte. Die Musikerwelt ist doch ziemlich klein.

Es freut mich, dass es Deinem Sohn wieder besser geht. Ich will nicht zu sehr auf diesen ganzen Silvester-Wahnsinn schimpfen, aber: Auch meine Schwiegermutter wurde letzte Woche indirekt ein Opfer davon. Sie rutschte auf den Weg zum Arzt (sic!) auf dem Überbleibsel eines China-Böllers aus und brach sich die rechte Schulter. Also auch bei uns beginnt das neue Jahr sehr bescheiden.

Zum Digitalisieren meiner alten LPs: (ich bin bisher noch nicht dazu gekommen, vielleicht am nächsten Wochenende) Ich schließe den Plattenspieler an meinen PC über einen Eingang mit zwei Cinch-Buchsen (rot und weiß) in Frontbereich an. Über die Lautstärkeregelung (rechter Mausklick auf das Lautsprechersysmbol) muss ich eine Zuordnung zu dieser Schnittstelle herstellen (Optionen -> Eigenschaften -> Lautstärke regeln für Aufnahme -> Auswahl bei „Front Line-In“).

Cinch-Stecker

Hat man eine solche Schnittstelle nicht, so geht es auch über den normalen Line-In-Eingang auf der Rückseite des Rechners (die blaue Buchse). Hat der Plattenspieler Cinch-Stecker, dann müssen diese mit einem Klinkenstecker-3,5-mm-Adapter am PC angeschlossen werden.

Klinkenstecker 3,5 mm Klinkenstecker-Adapter

Als Aufnahmesoftware kann man u.a. Musicmatch nehmen (hatte ich bereits früher erwähnt). Ich muss einmal gucken, denn ich habe weitere Video- und Audio-Programme mit denen ich aufnehmen kann (damit kann ich dann später auch die Aufnahmen zurechtschneiden).

Das ist alles bisschen aufwändig, aber hat man erst einmal alles auf- und eingestellt, dann geht das ganz gut.

Noch einmal etwas zu „For Michael Collins, Jeffrey and Me“: Jan Vorbij von cupofwonder.com erwähnt etwas von einem Gefühl der Entfremdung und Entwurzelung (feeling of alienation and dislocation).

Ich will mich nicht an eine Neuübersetzung machen, aber einige Wörter würde ich doch etwas anders setzen.

Watery eyes of the last sighing seconds,
 
blue reflections mute and dim
 
 
beckon tearful child of wonder
 
to repentance of the sin.
Wässrige Augen der letzten seufzenden
Sekunden,
trauriges Flimmern (Reflexionen ->
da Spiegelung, aber auch Besinnung
gemeint sein könnte), stumm und matt,
fordern (ein Zeichen geben) das
weinende Kind des Staunens auf,
die Sünde zu bereuen.
And the blind and lusty lovers
of the great eternal lie
go on believing nothing
since something has to die.
Und die blinden und wollüstigen Liebhaber
der großen ewigen Lüge
glauben weiterhin an nichts,
da etwas sterben muss.
And the ape’s curiosity
 
money power wins,
and the yellow soft mountains move under him.
Und die Neugier (auch: Merkwürdigkeit)
des Affen –
die Macht des Geldes siegt,
und die gelben, weichen Berge beben
(bewegen sich) unter ihm.
I’m with you L.E.M. 1
though it’s a shame that it had to be you.
 
The mother ship is just a blip
 
from your trip made for two.
Ich bin bei dir, L.E.M.,
obwohl es schade (eine Schande) ist, dass
es ausgerechnet ihr sein musstet.
Das Mutterschiff ist nur ein Blinken (i.S.v.
Leuchtimplus auf dem Radar)
von eurer Reise zu zweit.
I’m with you boys, so please employ just
a little extra care.
It’s on my mind I’m left behind
 
when I should have been there.
Walking with you.
Ich bin bei euch, Jungs, also gebraucht
bitte etwas mehr Vorsicht.
Es geht mir nicht aus dem Sinn, dass ich
zurückgelassen wurde,
wenn ich doch dort sein
und mit euch spazieren sollte.
And the limp face hungry viewers
 
fight to fasten with their eyes
 

like the man hung from the trapeze
whose fall will satisfy.
And congratulate each other
on their rare and wondrous deed

Und die hungrigen Zuschauer mit den
welken Gesichtern
bemühen sich krampfhaft (kämpfen
darum), ihre Blicke zu konzentrieren (evtl.
auch: ihre Augen auszurichten),
wie der Mann, der am Trapez hängt –
dessen Sturz Befriedigung bringt.
Sie beglückwünschen einander
zu ihrer einzigartigen und
bewundernswerten Tat,
That their begrudged money bought
 
to sow the monkey’s seed.
And the yellow soft mountains
they grow very still
witness as intrusion the humanoid thrill.
die ihr widerwillig herausgerücktes
(eigentlich: beneidetes) Geld gekauft hat,
die Saat des Affen zu säen.
Und die gelben, weichen Berge,
sie werden wieder ruhig,
empfinden die humanoide Erregung als
Aufdringlichkeit (Eindringen, Eingriff).
1 Lunar excursion module: Mondfahrzeug

Wie ich Dir bereits schrieb: Es ist grundsätzlich schwer, den Text ins Deutsche zu übertragen, zumal es sich dabei auch um Reime handelt, die in der Übersetzung entfallen sind ( dim – sin / lie – die / you – two / still – thrill usw.). Und wie auch geschrieben: Es ist eine offensichtliche Kritik an dem Raumfahrtprogramm Richtung Mond. Die Menschheit wird hier u.a. zu Affen, die mit ihrem Geld die ‚Saat’ (z.B. die menschlichen Errungenschaften) auch über die Erde hinaus (hier eben zum Mond) zu verstreuen bemüht ist. Auf der Erde die gaffende Masse, wie diese vor dem Fernsehen sitzt und das ganze beobachtet. Es könnten auch die Leute im Kontrollzentrum sein, die sich einander zu dieser so einzigartigen Tat beglückwünschen.

Und es beschreibt auch die Sicht von Michael Collins, z.B. wie er mit Tränen in den Augen zugucken muss, wie sich die beiden anderen Astronauten auf dem Weg Richtung Mond machen.

Am Schluss, als die Astronauten den Mond wieder verlassen, finden die gelben, weichen Berge des Mondes wieder Ruhe – trotz des Eindringens der Menschen und all ihrer Aufgeregtheit.

Gut, einige Zeilen sind weiterhin etwas unverständlich: And the blind and lusty lovers … – aber auch darin würde ich die Menschheit sehen (oder deren Repräsentanten bei der NASA), die eben blind für mögliche Folgen nur ihre Ziele verfolgen.

Soviel zu diesem Text und soviel für heute.
Man liest sich weiterhin

Bis dann
Wilfried

P.S. Bin eben über laufi.de auf das Horrorskop Horoskop von Ian Anderson gestossen. Naja, wem es gefällt und wer damit etwas anfangen kann?!

08.01.2007

English Translation for Ian Anderson

Knoten im Lichtmast

Der FC St. Pauli wird es mir verzeihen, wenn ich, obwohl über 10 Jahre in Hamburg ansässig, nie zu einem Fan des Vereins wurde. Die fast 25 Jahre in Bremen wirken bis heute nach (SV Werder Bremen). Als ich am letzten Wochenende mit meinen beiden Jungs auch am Millerntor vorbeikam, ist mir gleich der eine Knoten im Lichtmast aufgefallen. Das Station wir zz. umgebaut. Dieser Knoten muss neu sein und benötigt nur noch den letzten Anstrich.

Lukas und der FC St. Pauli 1910 Knoten im Lichtmast
Lukas und der FC St. Pauli 1910 Knoten im Lichtmast

Auf der Reeperbahn tags um halb vier

Letzten Samstag war ich mit meinen beiden Söhnen in Hamburg, um ein bisschen in verschiedenen Läden nach Musikinstrumenten Ausschau zu halten. Zwangsläufig kommt man so auch zur Reeperbahn, der ’sündigsten Meile der Welt‘. Zuletzt war ich wohl im November 1989 hier, als Verwandtschaft aus der damals noch real existierenden DDR durch die so plötzlich geöffnete deutsch-deutsche Grenze mit ihrem Trabi angereist war und natürlich auch diese Errungenschaft des Kapitalismus kennen lernen wollte.

Um ehrlich zu sein: Tagsüber gegen 15 Uhr 30 gibt die Reeperbahn nicht allzu viel her. Was mich verwunderte, waren die vielen Döner-Läden, die Vertreter der amerikanischen Fast-Food-Ketten und Supermärkte, die immerhin die Möglichkeit bieten, auch bis 23 Uhr einkaufen zu können.

Eine Seitenstraße der Reeperbahn, die Große Freiheit, ist in Musikerkreisen (und weit darüber hinaus) durch den Karrierebeginn der Beatles Anfang der 60-er Jahre bekannt geworden. Denn hier begann es für John, Paul, George, Ringo und andere: Der Siegerzug der populären Musik in Europa.

Reeperbahn Schmidt Theater und Schmidts Tivoli
Reeperbahn Schmidt Theater und Schmidts Tivoli
St. Pauli-Theater am Spielbudenplatz und Davidwache Reeperbahn
St. Pauli-Theater am Spielbudenplatz und Davidwache Reeperbahn
Große Freiheit Heilsarmee in der Talstraße
Große Freiheit Heilsarmee in der Talstraße

Wo bereits die Beatles kauften …

Es ist zunächst ein unscheinbares Geschäft – von außen. Kommt man aber in den Laden, so stapeln sich überall Gitarren – akustische und elektrische -, Lautsprecherboxen, Verstärker und natürlich auch E-Bässe, deswegen meine Söhne mit mir den Laden aufsuchten. Ein freundlicher Herr kommt auf einen zu und schon bald erfährt man, dass „bereits die Beatles hier eingekauft haben“. Im gleichen Gebäude ist nämlich ein Hotel untergebracht, im dem lange Zeit die Beatles lebten, als sie Anfang der 60-er Jahre in Hamburg u.a. im Star-Club neben der Reeperbahn ihre große Karriere begannen. Kein Wunder, dass John Lennon und Co. hier, gleich unten, ihre Saiten kauften und alles, was man noch so zum Musikmachen braucht. Bei „Musik Rotthoff“ beim Neuen Pferdemarkt soll John Lennon auch seine legendäre 1958-er Rickenbacker 325 gekauft haben.

Herr Rotthoff, der Inhaber Jan testet einen E-Bass
Herr Rotthoff, der Inhaber Jan testet einen E-Bass
Lukas guckt nach akustischen Gitarren
Lukas guckt nach akustischen Gitarren „Musik Rotthoff“ von außen

Natürlich sind wir nicht wegen der Beatles hier, aber mit Herrn Rotthoff klönt man gern über ‚die alten Zeiten‘, die man selbst so nicht erlebt hat, weil man noch zu jung war. Und Herr Rotthoff hat auch für andere Fragen Zeit genug. Das Geschäft ist nicht voll, aber es ist ein ständige Kommen und Gehen. Es ist wie ein „Tante-Emma-Laden“, das „Musik Rotthoff“, mit einer Atmosphäre, die große Läden längst nicht haben. Da kommt man gern wieder.

Hier also haben die Beatles schon eingekauft …

Jethro Tull-Videos: Live 2000 in São Paulo/Brasilien

Bei youtube.com habe ich inzwischen sieben Videos vom Life-Auftritt der Gruppe Jethro Tull vom 28. November 2000 in São Paulo/Brasilien eingestellt. Das Konzert wurde vom brasilianischen Sender DirecTV ausgestrahlt unter dem Titel: Viva Via Funchal! or A New Day In São Paulo

Jethro Tull live 2000 in Sao Paulo/Brasilien

Ich selbst habe die Aufnahmen auf einer VHS-Kassette von einem andern Tull-Fan erhalten (allerdings auch nur eine Kopie von einer Kopie) und habe diese digitalisiert – leider hat die Qualität dabei etwas gelitten. Trotzdem sind die Aufnahmen durchaus (wenigstens für eingefleischte Tull-Fans) sehenswert:

Jethro Tull live 2000 in São Paulo/Brasilien

Was ist bloß mit Ian los? Teil 41: Rückwärtsgespielte Flöte

Hallo Wilfried,

meine besten Wünsche für das Neue Jahr !
Du hast es schon angedeutet: Für die Ansprüche, die Beruf und Schule an die Familien stellen, benötigen wir viel Energie und einen Schuss Wohlwollen des Schicksals. Möge das uns allen beschieden sein.

Das beklemmende Gefühl, das sich bei den Gedanken an die Arbeit einstellt, kenne ich auch. Gerade am letzten Urlaubstag ist dieses Gefühl bei mir besonders stark ausgeprägt. Ich kenne einige Menschen, denen es genau so geht.

Bei uns fing das Jahr nicht gut an. In der Neujahrsnacht ist unser Sohn von einer Rakete getroffen worden, die sich an seinem Hosenbein verfangen hat und dort explodierte. Er hat Verbrennungen ersten bis zweiten Grades davongetragen, die sich jetzt entzündet haben. Seine Schule wird ihn erst mit einer Woche Verspätung wieder sehen.

Und überhaupt brachte 2007 einige befremdliche Nachrichten: Der neue Boss der UNO verteidigt die Hinrichtung Saddam Husseins und unser Innenminister will alle PCs über das Internet überwachen und Flugzeuge vom Himmel schießen. Das alles sind Fakten, die einen Glauben an die Weiterentwicklung der Menschheit in Richtung Humanismus erschweren.

Zurück zur Musik:
Dass ich die Lyrik des Meisters – oder Lyrik im Allgemeinen – jemals begreifen werde, wage ich nicht zu hoffen. Dazu ist mir diese Materie zu fremd und ich befasse mich zuwenig damit.

Momentan liegt das Schwergewicht meiner Interessen beim Ausbau meiner fotografischen Fähigkeiten. Im Klartext: Ich versuche, mein derzeitiges Knipser-Niveau ein ganz klein wenig in Richtung Amateur-Fotograf anzuheben. Der Status des Amateurs ist hierbei ein weit entferntes Endziel. Wenn ich im Internet auf den einschlägigen Seiten sehe, wozu andere Digitalfotografen in der Lage sind, wird mir klar, welche Hürden noch vor mir liegen. Aber auch hier gilt der Grundsatz: Kommt Zeit, kommt Rat. Ich werde mein Rennen langsam rennen und vielleicht doch zweiter oder dritter werden. Das würde mir schon reichen.

Das „Psalm“ – Video von Roxy Music gefällt mir jeden Tag besser. Ich bin bei weitem kein Fan von Bryan Ferry, aber dieser Song hat was. Das Lied ist im musikalischen Aufbau ähnlich komplex wie Hänschen klein, aber trotzdem übt es auf mich eine gewisse Faszination aus. Das liegt nicht nur am religiösen Text. Auch die Versuche von Mr. Ferry, an den entscheidenden Stellen einen durchgeistigten Eindruck zu machen, sind sehr unterhaltsam. Er wirkt dabei, als hätte er sich vor dem Auftritt einige schnell wirkende Pilze reingezogen. Trotz oder gerade wegen dieser Eigenarten schaue ich mir das Video häufiger an. Hinzu kommt, dass Mr. Ferry mich an einen ehemaligen Mathe-Lehrer von mir erinnert.

Ich war nicht schlecht erstaunt, als ich feststellte, dass ein Womanizer wie Mr. Ferry ein religiöses Lied im Repertoire hat. Vielleicht war diese Thematik ein Bestandteil des Progressiv-Rock; bei JT finden wir bekanntlich auch Lieder mit religiösem Hintergrund.

In Deinem Weblog habe ich gesehen, dass dort ein Anwender namens Birgit einen Kommentar abgegeben hat. Ich gehe schwer davon aus, dass diese Birgit dieselbe ist, die häufiger im Laufi-Forum schreibt. Bitte grüße sie von mir.

Ich wünsche Dir einen erträglichen Wiedereinstieg ins Arbeitsleben und einen neuen PC.

Bis bald
Lockwood

04.01.2007

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Hallo Lockwood,

hoffentlich geht es Deinem Sohn wieder besser. Ich weiß schon, weshalb ich solche Tage, an denen der kollektive Wahnsinn ausbricht (Sauferei, Ballerei usw.), eigentlich hasse. Natürlich mussten meine Jungs auch ballern. Und mein großer Sohn hatte einige Freunde eingeladen, von denen einer gegen Mitternacht etwas glasig aus den Augen schaute. Aber wir haben alles wenigstens unfallfrei überstanden.

Mein beklemmendes Gefühl bezüglich der Arbeit hat seinen Grund: Denn bereits in den ersten Wochen kommt ein Haufen Mist auf mich zu und ballt sich zur Monatsmitte. Da hilft nur tief Luft holen, die Zähne zusammenbeißen und durch. Besonders toll dabei ist, dass sich gleich zwei meiner Arbeitskollegen zum Jahresanfang krank gemeldet haben. Ich werde es aber schon überstehen.

Guckst du noch Nachrichten und liest sogar Zeitung? Also Zeitungen oder gar Nachrichtenmagazine lese ich schon lange nicht mehr. Die sind für mich vergeudete Zeit und Geld. Okay, so völlig uninformiert bin ich sicherlich nicht, schaue im Internet nach den neuesten Nachrichten. Aber ich werde nicht mehr die Zeit aufbringen, um z.B. den „Spiegel“ von vorn bis hinten durchzulesen. Wozu? Übermorgen hat man bereits den Großteil wieder vergessen. Befremdlich aber zeitgemäß fand ich bei der Hinrichtung Saddam Husseins, wie alle Seiten dieses Spektakel (wie sollte man es sonst nennen) für sich zu nutzen trachteten. Selbst Hussein nutzte die Bühne, um sich als Märtyrer feiern zu lassen. Und was unsere Bundesregierung betrifft, so fürchte ich, dass in diesem Jahr der Anfang vom Ende der großen Koalition eingeläutet wird, die Meinungsunterschiede lassen sich nicht länger verschleiern.

Ich muss gestehen, mich bisher auch nicht so tiefgehend mit den Anderson’schen Texten befasst zu haben. Mir fehlt dazu wahrscheinlich die richtige Muße (oder Muse?). Aber ich werde mir die Zeit nehmen und um mehr Verständnis ringen.

Fotografie interessiert mich eigentlich nur am Rande. Wir haben zz. eine Digitalkamera, die noch aus der Geburtszeit der digitalen Fotografie stammt. Diese ist zwar ganz ordentlich, wird aber inzwischen von fast jeder heute marktüblichen Kamera überboten. Die analogen Geräte haben wir bereits im untersten Schubfach verstaut. Ich filme ein bisschen, aber auch nur mit einer Kamera, die keine besonderen Highlights bietet. Mithin bewege ich mich auch nur auf Knipser-Niveau, wie du es nennst. Dafür dürfte ich aber im Bereich Videobearbeitung den Amateurstatus erreicht haben. Wenn ich Zeit habe (und mein Rechner, der übrigens doch wieder von den Toten auferstanden zu sein scheint, mitspielt), dann werde ich mich etwas mit der Audioverarbeitung von Videos (Stichwort 5.1-Klangsystem) beschäftigen.

Ich habe nachgeschaut: Von Roxy Music habe ich auch eine alte LP: „Country Life“ von 1974. Und mit Edwin Jobson, wie er wohl richtig heißt. Das Lied „Bitter-Sweet“ hat übrigens teilweise einen deutschen Text, also Bryan Ferry versucht sich in Deutsch:

Nein – das ist nicht
Das Ende der Welt
Gestrandet an Leben und Kunst
Und das Spiel geht weiter
Wie man weiss
Noch viele schönste … Wiedersehn

Das nur nebenbei. Du hast also richtig beobachtet. Jobson hat auch bei Roxy Music mitgemischt, allerdings in einer Zeit vor Tull. Jetzt haben wir doch mehr zu Jobson geschrieben, als es Dir zunächst gefallen hätte. Immerhin zeigt es auf, dass Anderson und Co. nicht irgendwo in einem stillen Kämmerlein nur so für sich selbst dahin gedaddelt haben, sondern auch Kontakte zur Szene insgesamt gehalten haben müssen. Allerdings erschienen die Scheiben von Roxy Music und Jethro Tull seinerzeit bei Island Records. Vielleicht von daher …

Also Roxy Music und „Psalm“: Das hat etwas von einem Leichenzug durch New Orleans, Du weißt, was ich meine: ein Leichenzug zieht durch die Straßen, vorn weg eine Musikkapelle, die im ortansässigen Jazzstil Klagelieder intoniert. So, so, Dir gefällt das Stück. Ich gebe zu, wie Ferry singt und den Blick förmlich im Jenseits versinken lässt, nein, den Blick nach oben gerichtet zu entschweben trachtet, das hat schon etwas.

Zur „rückwärts gespielten Flöte“ habe ich auf der offiziellen Tull-Website etwas gefunden, dort heißt es:

“Group leader Ian Anderson begin experimenting with production techniques, including the famed „backwards-played“ flute on „With You There to Help Me“ which would become a concert joke as Ian turned his back to the audience to play the opening notes. This track, and others, reflect Ian’s budding romance with a Chrysalis secretary who would become Ian’s first wife.”

Vom Beatclub gibt es ja auch eine Aufnahme dieses Stückes „With You there …“, allerdings spielt der Meister „vorwärts“. Immerhin lässt sich so das Vorwärts- und Rückwärtsgespiele sehr gut vergleichen. Und zum weiterem Vergleich: Den Anfang des Stückes (Original von der Benefit-Scheibe) und dann das Ende habe ich im Rückwärtsgang (reverse, wie der Engländer sagt) abspielen lassen – wie nachfolgend zu hören ist:

Dank für die guten Wünsche zum Wiedereinstieg ins Arbeitsleben. Ein neuer PC muss aber vorerst noch warten. Mit Mühe und Not habe ich etwas Geld vom Weihnachtsgeld beiseite gelegt (für den Urlaub), da kann ich mir keinen neuen Rechner leisten. Aber irgendwie verhandele ich noch mit dem Hersteller wegen der Garantie (der PC ist just einen Tag vor Ablauf der dreijährigen Garantie hops gegangen). Das Problem ist nur: Der Fehler tritt nur zeitweise auf.

Nun, das Wochenende naht. Ich wünsche Dir stressfreie Tage und (uns allen) endlich etwas besseres Wetter. Es ist zum Depressionen kriegen. Und gute Besserung nochmals und besonders für Deinen Sohn.

Viele Grüße
Wilfried

P.S. Eigentlich wollte ich zwischen den Feiertagen einige meiner alten LPs digitalisieren (das Album von Roxy Music kommt jetzt – wenigstens teilweise – hinzu). Drück mir die Daumen, dass der PC ‚hält’. Am Samstag bin ich allerdings mit meinem Großem in Hamburg. Er übt ja jetzt fleißig Bass-Gitarre und wir wollen einmal einige Blicke in diverse Musikläden werfen. Vor Weihnachten war ich übrigens in einem Geschäft namens „Musik Rotthoff“. Es war in der Mittagspause. Der Inhaber kam gleich auf mich zu und erzählte mir, dass bereits die Beatles in diesem Laden gekauft hätten (u.a. kaufte dort wohl John Lennon seine 58-er Rickenbacker). Als Beweis zeigte er mir ein Büchlein: Hamburg und die Beatles oder so ähnlich. Es ist ein kleiner Laden, aber mit ganz viel Atmosphäre. Den will ich mit meinem Sohn auf jeden Fall auch besuchen.

04.01.2007

English Translation for Ian Anderson

Die große Enzyklopädie des mechanischen Rechnens

Sicherlich bin ich kein Rechengenie, aber Mathe lag mir immer ganz gut und so waren auch meine Schulnoten in Mathematik immer sehr ordentlich. Heute im Zeitalter des Computers vergisst man leicht, dass es schon vor dieser Zeit Hilfsmittel gab, die uns den Umgang mit Zahlen erleichtern sollten. Aus dem Unterricht kenne ich z.B. noch den Rechenschieber, der heute nur noch einen Platz in einem Museum finden dürfte. Ein solches Museum gibt es auch im Internet bzw. die große Enzyklopädie des mechanischen Rechnens. Hier wird u.a. auch die kleine Geschichte des Rechenschiebers erzählt – und außerdem gibt es viele weiteren Informationen zu Zahlenschiebern, Dividierstäben, Rechenmaschinen und Tafeln und Tabellenwerke aller Art. Viele auch mit Bildern.

Was ist bloß mit Ian los? Teil 40: Jahreswechsel

Hallo Wilfried,

es ist vollbracht. Weihnachten ist vorüber und der Alltag umfängt uns wieder für einige Tag bis zum Jahreswechsel. Bitte richte Deiner lieben Frau meine nachträglichen Glückwünsche zum Geburtstag aus !

Aus gegebenem Anlass zum Auftritt in Maria Laach:
Das Warten und die Spannung sind vorbei, wir haben den Meister gesehen und gehört. Einigen wird es gefallen haben, anderen nicht. Ich selber muss resümieren, dass sich durch die lange Wartezeit eine gewisse Erwartungshaltung aufgeschaukelt hat. Ich kann noch nicht einmal sagen, was ich eigentlich erwartet habe, aber vom Auftritt war ich enttäuscht.

Die erste Darbietung „Rest Ye Merry Gentlemen“ kannte ich vorher nicht und ich finde es auch nicht besonders toll. „Bourre“ kannte ich zwar, es gehörte aber nie zu meinen Tull-Favoriten. Und dann „Aqualung“: Der Meister versucht es wirklich noch einmal mit Gesang ! Es war zum Erbarmen. Ich habe ständig damit gerechnet, dass jemand auf die Bühne springt und ihn dort herunterzieht. Um ihn vor sich selber zu schützen. Warum tut er sich das an ?

Die Fans, die die Sendung gesehen haben, kennen die gesundheitlichen Hintergründe. Aber was für einen Eindruck muss das auf den Rest der Republik gemacht haben ?

Und überhaupt: Der Auftritt hatte stellenweise etwas von Bigband-Sound. Ian Anderson goes James Last. Wenn ich die musikalischen Aktivitäten des Meisters in den letzten Jahren intensiver verfolgt hätte, wäre ich am Heiligabend nicht so unvorbereitet gewesen. Aber so musste ich mich ständig fragen, was das Dargebotene mit Jethro Tull zu tun hat.

Was soll’s, vorbei ist vorbei. Wie wir gesehen haben, dreht der Globus sich trotzdem weiter.

Nun zurück zu Deiner letzten mail:
An Mr. Jobson als Musiker habe ich nie gezweifelt. Es ist wirklich nur die feminine Attitüde, die mich an ihm stört. Warum eigentlich ? Queen haben sich in ihren frühen Jahren auch stark geschminkt präsentiert und das hat mich nie gestört. Keine Ahnung; aber um meine widersprüchlichen Empfindungen zu analysieren, fehlt mir im Moment die Muße.

Auf der Jobson’schen Homepage habe ich gesehen, dass der Sohnemann nicht geschminkt ist. Das beruhigt mich und dabei will ich es belassen.

Deine Wahrnehmung der Schwankungen in des Meisters Stimme erscheinen mir richtig. Es gibt Aufzeichnungen aus der Mitte der 80er Jahre, in denen krächzt wie ein trockengelaufenes Getriebe. Dem gegenüber steht sein Auftritt in Istanbul aus 1991, bei dem die Stimme relativ passabel klingt (das Video zu „Jack-a-Lynn“ schaue ich mir immer noch häufig an).

Bei dem Titel „For Michael Collins, Jeffrey and me“ habe ich jahrelang gedacht, es sei ein Lied für den irischen Widerstandskämpfer Collins. Erst nachdem ich im Songbook gelesen habe, wurde mir klar, dass der Astronaut gemeint war. Dies zeigt, wie toll ich mich mit JT – Texten auskenne. Das Songbook kam wirklich keinen Tag zu früh.

Hier die Übersetzung daraus zum Mondfahrerlied:

Wässrige Augen der letzten seufzenden Sekunden,
trauriges Flimmern, stumm und matt,
fordern das weinende Kind des Staunens auf,
die Sünde zu bereuen.

Und die blinden und wollüstigen Liebhaber
der großen ewigen Lüge
glauben weiterhin an nichts,
da etwas sterben muss.

Und die Neugier des Affen –
die Macht des Geldes siegt,
und die gelben, weichen Berge beben unter ihm.

Ich bin bei dir, L.E.M., (Lunar excursion module; Mondfahrzeug)
obwohl es schade ist, dass es ausgerechnet ihr sein musstet.
Das Mutterschiff ist nur ein Blinken
von eurer Reise zu zweit.

Ich bin bei euch, Jungs, also gebraucht bitte etwas mehr Vorsicht.
Es geht mir nicht aus dem Sinn, dass ich zurückgelassen wurde,
wenn ich doch dort sein
und mit euch spazieren sollte.

Und die hungrigen Zuschauer mit den welken Gesichtern
bemühen sich krampfhaft, ihre Blicke zu konzentrieren,
wie der Mann, der am Trapez hängt –
dessen Sturz Befriedigung bringt.

Sie beglückwünschen einander
zu ihrer einzigartigen und bewundernswerten Tat,
die ihr widerwillig herausgerücktes Geld gekauft hat,
die Saat des Affen zu säen.

Und die gelben, weichen Berge,
sie werden wieder ruhig,
empfinden die humanoide Erregung als Aufdringlichkeit.

Für meinen bescheidenen Grips wirft diese Übersetzung mehr neue Fragen auf als sie beantwortet.

Das geht mir jedes mal so, sobald ich das Songbook aufschlage. Ich bin sicher, das liegt nicht an den Übersetzungen. Es ist ganz einfach so, dass ich zur Lyrik des Meisters keinen Zugang finde.

Viele seiner Texte bestehen in meinen Augen aus einer sinnlosen Aneinanderreihung von Metaphern, Bildern und Allegorien. Ich kann keinen Inhalt darin erkennen; ich könnte den Sinn von etlichen Texten nicht mit wenigen Worten wiedergeben.

Aber ich will ehrlich sein: Mein mangelndes Verständnis für die Anderson-Texte muss nicht notwendigerweise in der speziellen Lyrik des Meisters begründet liegen; ich habe schon in der Schule feststellen müssen, dass mir für tiefsinnige Gedichte jegliche Antenne fehlt. Meine literarischen Bedürfnisse beschränken sich auf Sachberichte und Prosa.

Glücklicherweise gibt es aber auch Anderson-Texte, die sich mir voll und ganz erschließen. Es sind jene Texte, in denen er etwas beschreibt oder eine Handlung schildert. In denen es Personen gibt, die etwas tun oder unterlassen. So richtig schön mit Subjekt, Objekt, Prädikat. Somit war das Songbook doch keine Fehlinvestition.
Wenn ich mich recht entsinne, war „Stand Up“ das Album, das Dein Interesse für JT geweckt hat. So vernehme, was der Meister zu diesem Album schreibt:

Mit „Stand Up“ begannen wir uns vom Spielen in einer Bluesband, in der Mick Abrahams und ich so etwas wie gleichberechtigte Kräfte waren, wegzubewegen. Zwischen Mick Abrahams und Glenn Cornick gab es ernsthafte Schwierigkeiten. In der Band entstanden Probleme in Bezug auf Micks Engagement. Er wollte nicht ins Ausland reisen, er stellte uns ein Ultimatum, indem er sagte: „Ich spiele nur dreimal die Woche!“ Wir anderen fanden das unmöglich, wir wollten jeden Abend spielen, wir wollten Erfolg haben! Also konnten wir mit Mick unter diesen Umständen nicht weitermachen, was dazu führte, dass ich die ganze Musik selber schreiben und neue Ideen einbringen musste.

Für mich war dies eine Gelegenheit – nicht, vom Blues wegzukommen, sondern mich nach neuen Inhalten umzusehen. Wir experimentierten mit exotischen Instrumenten, und so schlichen sich langsam Mandolinen, Balalaikas, Pfeifen, Saxophone, alle möglichen Dinge ein. Manche benutze ich selbst heute noch. Ich denke nicht unbedingt, dass „Stand Up“ ein großartiges Album ist, wunderbar gespielt, mit sagenhaften Stücken – in vieler Hinsicht sind die Titel naiv, einfach, zum Teil auch ein wenig ichbezogen. Sie sind sicher nicht meine besten Stücke, besonders was die Texte angeht. Aber es war ein ziemlich gutes Album, wenn man den Standard von 1969 betrachtet, es war zumindest interessant und ziemlich originell. Es hörte sich nicht an wie alle anderen. Es gab eine Menge Bands damals, die sehr eigenwillig waren. Gruppen wie Yes, Led Zeppelin, Nice und King Crimson hatten ihre ganz spezielle Identität, sie unterschieden sich erheblich voneinander. Es war schön, ein Teil davon zu sein, aber nicht Teil einer bestimmten Musikrichtung. Alle diese Bands waren sehr unterschiedlich, wir waren alle irgendwie wir selbst – eine enorme Vielfalt. Auch in Amerika gab es ein paar Bands, die wichtig und anders waren, wie Zappa und Captain Beefheart, Grateful Dead, alle mit einer klaren Identität. Mehr als heute möglich wäre, wie ich meine.

Der Gröhnemeyer ist ganz ohne Hintergedanken entstanden, ein ganz simpler (wenn auch peinlicher) Rechtschreibfehler. Ich mag ihn und seine Musik, er wirkt bei allem was er tut sehr authentisch. Besonders sein „Mensch“ – Album hat mich sehr bewegt. Er hat eine ganze Reihe von Texten geschrieben, mit denen ich mich sehr gut identifizieren kann. Und mit mir tausende Anderer, das macht wohl mit seinen Erfolg aus.

Vor einigen Jahren brachte mein Stamm-Radiosender eine interessante Meldung: „Die Musikwissenschaft kann einen epochalen Triumph verbuchen. Man fand heraus: Grönemeyer singt deutsch!“ Eine gelungene Anspielung auf Herbys Genuschel.

Nur so ganz kurz zwischendurch: Wenn Du Zeit und Lust hast, schau Dir in youtube das Video zu Roxy Music „Psalm“ an. Hier findet sich ein solch gerade gebogenes Saxophon (den korrekten Ausdruck habe ich vergessen), wie es auch Mr. Anderson beim Passion Play verwendete. Wenn ich nicht irre, kommt dieses Instrument auch bei einigen „Laurel and Hardy“ – Filmen im Hintergrund zum Einsatz. Im Klang irgendwo zwischen Klarinette und Schalmei.

Das Psalm-Video hält noch eine weitere Überraschung bereit: Nachdem ich es fünfmal gesehen hatte, kam mir der Keyboarder seltsam vertraut vor. Es ist niemand geringerer als Mr. Jobson. Mit längeren Haaren und dezentem Makeup habe ich ihn nicht auf Anhieb erkennen können.

Ich weiß nicht, was Du über „Die Entdeckung des Himmels“ gelesen hast, das Dich auf Abstand von diesem Roman gebracht hat. Ich will natürlich keine Werbung für das Buch machen, davon hätte ich nichts. Nur soviel: Jeder aus meinem Umfeld, der das Buch gelesen hat, war davon begeistert. Aber daraus solltest Du keine Verpflichtung ableiten, es ebenfalls zu lesen.

Leselöcher, d.h. Zeiten, in denen man keine Lust hat zu lesen, kenne ich auch. Aber wenn ich vor dem Einschlafen nicht lese, öffnen sich Hypnos Arme für mich nur sehr zögerlich.

Von der rückwärts gespielten Flöte habe ich noch nie etwas gehört. Was bedeutet das ? Lässt man eine Aufnahme vom Flötenspiel falsch herum abspielen oder saugt der Instrumentalist statt zu blasen ?

In Deiner letzten mail hast Du etwas sehr Schönes und Wichtiges geschrieben: „Und gerade in diesen Tagen ist es doch schön, eine Familie zu haben.“ Ich mache mir viel zu selten bewusst, wie bedeutend es tatsächlich ist, in einer intakten Familie aufgewachsen zu sein bzw. jetzt eine eigene Familie zu haben. Ich sehe viel zu oft nur den Stress, den eine große Familie mit sich bringt. Wie so oft im Leben nehmen wir das Positive viel zu selten wahr. Aber mit Gedanken zu diesem Thema könnte man eine eigene Rubrik füllen.

In der Hoffnung, dass diese Zeilen Dich bei bester Laune und Gesundheit erreichen verbleibe ich
Lockwood

27.12.2006

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Hallo Lockwood,

nun der Alltag hat mich erst ab morgen wieder. Trotzdem komme ich erst jetzt zum Schreiben. Wir waren doch viel unterwegs oder ich hatte einfach keine große Meinung, am Rechner zu sitzen. Außerdem gab mein Rechner kurz nach Weihnachten nun doch endgültig den Geist auf und ich sitze jetzt an einer alten Gurke, die wenigstens noch für Textverarbeitung taugt. Mit youtube.com u.ä. ist aber schon nichts mehr. Der Internet Browser ist irgendeine 5-er Version, also für solche Sachen völlig untauglich.

Ich hoffe, Du hattest mit Deinen Lieben auch schöne Feiertage und bist gut in das neue Jahr gerutscht. Wir haben alles heil überstanden, auch die Geburtstagsfeier meiner Frau. Für das neue Jahr wünsche ich Dir und Deinen Lieben alles Gute, viel Gesundheit und dass beruflich bzw. schulisch alles glatt läuft.

Der Auftritt des Meisters in Maria Laach ist bei mir schon fast Geschichte. „Rest Ye Merry Gentlemen“ ist eines der Stücke vom „Christmas Album“, die mir nicht sonderlich gefallen. Etwas anderes hätte mich mehr angesprochen. Aber egal. Na ja und das Aqualung-Fragment mit Gesang war sicherlich nicht der Höhepunkt seiner Karriere, aber ganz so schlimm fand ich es dann auch wieder nicht. Auch Mario Adorf kam mindestens einmal kurz ins Schleudern. Zu Weihnachten hat man genügend Erbarmen. Und wie Weihnachten hinter uns liegt, so ist auch dieser TV-Auftritt von Herrn Anderson vorbei und fast schon vergessen.

Vielen Dank für den Auszug aus dem Songbook. Mit Lyrik (und Andersons Texte sind nun einmal Lyrik und keine schlicht gestrickten Liedertexte) ist das natürlich so eine Sache, besonders mit der modernen Lyrik. Ich konnte mich nie so ganz mit Gedichten anfreunden, die zu tiefgründig sind, um es einmal so auszudrücken. Da mag dem Dichter einiges vorgeschwebt haben, dass ich dann aber so ohne weiteres nicht nachvollziehen kann. Viele der benutzten Metaphern bzw. Allegorien ergeben nicht unbedingt das Bild, dass für mich verständlich wird. Man muss sich schon eingehender mit einem solchen Gedicht bzw. Liedertext beschäftigen. Bei den Anderson’schen Texten kommt dann noch das Problem der Übersetzung hinzu, dass mit dem Songbook auch nicht vollständig gelöst wird. Es ist aber schon eine Hilfe.

Das Stand up-Album ist textlich sicherlich nicht so anspruchsvoll. Aber insgesamt war das Album eine wichtige Station auf dem Weg, den Jethro Tull gegangen ist. Ich weiß von einen Tull-Fan aus unserem Ort, ein angesehener Wissenschaftler, ich kenne ihn nur flüchtig, der die Zeile: „We ran the race and the race was won by running slowly.“ (We used to Know) gewissermaßen zu seinem Lebensmotto gemacht hat. Ins Deutsche übertragen könnte man es mit „Eile mit Weile“ übersetzen oder „Kommt Zeit, kommt Rat“. So kommt man auch ans Ziel (und siegt zuweilen), auch wenn man gemächlich seines Weges geht.

Von einer „sinnlosen Aneinanderreihung von Metaphern, Bildern und Allegorien“, wie Du schreibst, würde ich nicht ausgehen. Du (und auch ich) haben es nur (noch) nicht verstanden.

Zu Grönemeyer kann ich mich nicht äußern. Dazu kenne ich ihn nur zu oberflächlich. Ich gehe aber davon aus, dass er Lieder geschrieben hat, deren Texte etwas hergeben. Ich weiß nur vom Tod seiner Frau und dass er diesen Schicksalsschlag musikalisch aufgearbeitet hat, was ihm geholfen hat, den Tod eines geliebten Menschen zu verkraften.

Das Psalm-Video von Roxy Music habe ich mir nun doch angeguckt. Es ist übrigens ein Soprano-Sax. Der Klang ist, so denke ich, auch von der Spieltechnik abhängig. Bei Roxy Music klingt es nicht allzu gut. Aber auch Ian Anderson hat sicherlich nicht das Optimale aus dem Instrument herausgeholt. Es dürfte ihm an der Spielpraxis gemangelt haben. Vergleiche nur Andersons Flötenspiel früherer Tage mit dem Spiel von heute. Früher klang es viel metallener als jetzt. Ähnlich verhält es sich mit dem Soprano-Saxophon.

Zur rückwärts gespielten Flöte muss ich erst selbst noch horchen. Ich denke, die Aufnahme wurde einfach rückwärts abgespielt. Das Stück muss sich auf jeden Fall auf „Benefit“ befinden.

Für heute genug. Morgen – wie geschrieben – hat mich der Alltag wieder. Irgendwie graust es mich, denn bereits zum Jahresanfang kommt auf der Arbeit jede Menge Kram auf mich zu. Aber da hilft es mir auch, eine Familie im Rücken zu haben. Immerhin ist dann ja bald wieder Wochenende.

Also bis bald
Wilfried

03.01.2007

English Translation for Ian Anderson

Schneeeeeeee – Teil 5

28. Dezember
Es hat sich auf -5 Grad erwärmt. Immer noch eingeschneit. DIE ALTE MACHT MICH VERRÜCKT!!!

29. Dezember
Noch mal 30 cm. Bob sagt, dass ich das Dach freischaufeln muss oder es wird einstürzen. Das ist das Dämlichste, was ich je gehört habe. Für wie blöd hält der mich eigentlich?

30. Dezember
Das Dach ist eingestürzt. Der Schneepflugfahrer verklagt mich auf 50.000 DM Schmerzensgeld. Meine Frau ist zu ihrer Mutter gefahren. 25 cm Schnee vorhergesagt.

31. Dezember
Habe den Rest vom Haus angesteckt. Nie mehr schaufeln.

Brennendes Haus

3. Januar
Mir geht es gut. Ich mag die kleinen Pillen, die sie mir dauernd geben. Warum bin an das Bett gefesselt?

Gute Vorsätze fürs neue Jahr

Ein neues Jahr beginnt bei vielen mit guten Vorsätzen: endlich den Winterspeck loswerden, endlich etwas mehr für die Gesundheit tun. Ich habe mir diese an den Beginn eines neuen Jahres gebundenen Wunschphantasien längst abgewöhnt. Vorsätze sind bekanntlich dazu da, sie schnell wieder zu vergessen. Ich schrieb bereits einmal darüber. Wer einen guten Vorsatz realisieren will, muss sich diesen Vorsatz jeden Tag aufs Neue vor Augen führen (nicht nur am 1. Januar). Und so mühe ich mich jeden Tag aufs Neue, Geduld zu haben, Gelassenheit zu wahren und mit Ruhe die Aufgaben des Tages anzugehen. Aber das ist schon eine Überlebensstrategie und hat mit Vorsätzen wenig gemein.