Archiv für den Monat: März 2007

Musikalische Vielfalt mit ethnischen Hintergrund

Wie so oft, so bin ich auch diesmal durch Zufall auf zwei junge Sängerinnen aufmerksam geworden, die in diesen Tagen mit ihren ersten Solo-Alben auf den Markt gekommen sind: Ayo mit „Joyful“ und Mayra Andrade mit „Navega“. Bei beiden jungen Damen finden wir etwas, das man heute als ethnischen Hintergrund bezeichnet und das sehr stark in die Musik einfließt. Bei Mayra Andrade kommt noch hinzu, dass sie die Lieder in Kriolu, der kapverdischen Kreol-Sprache, singt. Hier aber im Einzelnen:

Ayo: Joyful

Ayo heißt in Wirklichkeit Joy. Beides bedeutet „Freude“, doch trotz fröhlichen Gemüts muss eine Lebensgeschichte wie ihre erst mal verarbeitet werden: Ayos rumänische Mutter war drogenabhängig, aufgewachsen ist sie bei ihrem Vater in Köln und Nigeria. Seitdem pendelt sie wie eine Nomadin durch die Welt; eine feste Heimat hat die 26-Jährige nur im Land der Musik. Ihr sanfter Soulgesang kommt so direkt daher, dass man einfach innehalten und zuhören muss. In „Life is real“ erzählt sie, wie sie ihr Leben führt – und macht uns ganz nebenbei klar, wie wir alle es tun sollten: nämlich stark und ehrlich zu uns selbst. Die Klänge, die ihre Texte begleiten, sind vielfältig: hier ein Reggae-Offbeat, dort ein Chanson-Akkordeon, sogar dem Motownstil der Jackson Five wird gehuldigt.

aus: kulturnews.de

Ayo: Joyful

Mayra Andrade: Navega

Die 21-jährige Sängerin Mayra Andrade ist neben Lura die Entdeckung der Kapverdischen Inseln. Auf Kuba geboren, kam sie schon in jungen Jahren um die Welt und wuchs u.a. im Senegal, in Angola, auf den Kapverden und in Deutschland auf. Auf ihrem Debüt-Album „Navega“ zeigt sie, dass sie auch musikalisch eine Weltenbummlerin ist. Sie verbindet brasilianische Einflüsse („Tunuka“) mit Flamenco („Lapidu na bo“) in ein harmonisches Miteinander aus Latin und Jazz, bevor sie wieder in Songs wie „Dispidida“ und „Navega“ die Schönheit der kapverdischen Musik und ihre melancholische Stimmung einfängt.

aus: kulturnews.de

Mayra Andrade: Nevega

Colin Hodgkinson: 32 20 Blues

Es war Anfang der 70-er Jahre, da gab es eine Band namens „Back Door“, die spielte ohne Gitarristen. Kann es so etwas geben? Es kann, denn was ein Gitarrist kann, kann ein Bass-Gitarrist wie Colin Hodgkinson allemal. „Bomber“, wie man ihn wohl heute noch nennt, hat eine sehr spezielle Technik, die auf Akkorden gründet – ähnlich wie auf der normalen E-Gitarre. Und diese Akkorde spielt er als Linkshänder auf seinem Fender Precision Bass, die angeblich aus den frühen 60-er Jahren stammt. Heute tritt Hodgkinson oft mit dem Deutschen Frank Diez (Gitarre) als „Electric Blues Duo“ auf. Überhaupt hat er wohl einen guten Draht zu Deutschland, denn u.a. spielte er in Bands mit Konstantin Wecker und auch Peter Maffay.

Colin Hodgkinson - Fender Bass

Ich sah „Back Door“ mit Colin Hodgkinson in Bremen, in der kleinen Halle der Stadthalle (die heute bis morgen Mittag wohl AMD Dome heißt). Es war genau am 14. April 1975 und „Back Door“ traten als Vorgruppe zu Alexis Korner auf (das Eintrittsticket habe ich noch). Als Hodgkinson sein Bass-Solo hinlegte, kochte die Halle. Da ich damals selbst die Bass-Gitarre zu zupfen mich mühte, konnte ich gut nachvollziehen, welche Leistung der „Bomber“ dort vollbrachte.

Eintrittsticket: Alexis Korner & Back Door 1975

Hier ein Blues mit Bass und Gesang von Colin Hodgkinson von der Back Door-Scheibe: 8th Street Nites, die kein anderer als Felix Pappalardi produzierte und die im Juni 1973 in New York City aufgenommen wurde:


Colin Hodgkinson: 32-20 Blues

Bei youtube.com bin ich auch fündig geworden: Bass-Solo – Camden Jazz Festival 1981

Pharoah Sanders: Hum-Allah-Hum-Allah-Hum Allah

In meiner Rubrik mit dem Gedankenaustausch über Ian Anderson von Jethro Tull werden zz. die Folk- bzw. Folkrockalben der Gruppe beleuchtet. Folklore in seinen unterschiedlichsten Varianten hat mich immer schon interessiert. Und so war ich vor vielen Jahren auf den Jazz-Saxophonisten Pharoah Sanders aufmerksam geworden. Sanders gilt als einer der Begründer des Ethno-Jazz, wobei er den Islam und die spirituellen Traditionen Afrikas oft in seine Arbeiten einbezog und sie zum Thema seiner Musik machte.

Ich habe da eine LP (genau die meist schwarzen Dinger aus Venyl) von Sanders aus dem Jahre 1969: Jewels of Thought. Und gleich das erste Stück von 15 Minuten Länge hat es mir angetan. Es ist ein schönes Beispiel für die oben getroffene Aussage: Etho-Jazz mit Bezügen zum Islam und zu afrikanischen Traditionen – Hum-Allah-Hum-Allah-Hum Allah.

Pharoah Sanders: Jewels of Thought (1969)

Keiner jodelt besser als ein Schwarzafrikaner bzw. einer deren Nachkommen. Das Stück ist eine Meditation und die Botschaft eine gänzlich friedliche. Ich habe mir erlaubt, den Beginn des Stückes (etwa 4 Minuten) hier einzustellen. Das Stück wurde übrigens am 20. Oktober 1969 u.a. mit Leon Thomas (Gesang) und Lonnie Liston Smith am Piano in New York City aufgenommen.

Pharoah Sanders

Viel Ruhe und Besinnlichkeit beim Hören:


Pharoah Sanders: Hum-Allah-Hum-Allah-Hum Allah

Wie gesagt, die gute Scheibe habe ich als Venyl-LP vorliegen und sie mir mit dem Nero Wave-Editor 3 auf meinem Rechner geholt. Leider hat die Scheibe schon sehr viele Kratzer, sodass es eigentlich kein großer Hörgenuss mehr ist, sie abzuspielen. Aber auch da hilft der Wave-Editor von Nero, z.B. mit der Klangoptimierung DeClicker kann man störendes Knacksen und Knistern herausfiltern. Und mit dem Werkzeug DeEsser können unangenehme Zischlaute aus Gesangsaufnahmen entfernt werden. Daneben gibt es noch jede Menge anderer Werkzeuge und Effekte. Man muss schon etwas herumexperimentieren (und sollte sich die Ursprungsdatei aufbewahren, um die LP nicht noch einmal aufnehmen zu müssen), denn nicht immer sind die Default-Einstellungen (Voreinstellungen vom Programm her) die besten (es besteht die Gefahr, mehr herauszufiltern, als man eigentlich möchte). Es kann dann auch passieren, dass man am Ende ‚taube‘ Ohren hat und nicht mehr so recht weiß, was besser klingt. Ich finde den Nero Wave-Editor in Version 3 auf jeden Fall sehr brauchbar.

Die neun Pforten – „Der Club Dumas“ von Arturo Pérez-Reverte

Dieser Tage lief im deutschen Fernsehen der Film „Die neun Pforten“ (Frankreich/Spanien 1999 – Originaltitel: The Ninth Gate – Regie: Roman Polanski – Darsteller: Johnny Depp, Frank Langella, Lena Olin, Emmanuelle Seigner) nach dem Roman „Der Club Dumas“ von Arturo Pérez-Reverte. Eigentlich bin ich kein unbedingter Freund von Romanen wie „Der DaVince Code“ und ähnlichem. Mich interessiert ‚handfeste‘ Psychologie. Und da ist mir ein Franz Kafka oder Martin Walser lieber. Das vorliegende Buch habe ich irgendwie, irgendwo in einer Grabbelkiste gefunden – und dann auch tatsächlich gelesen. Da ich mich nebenbei auch für Gott und die Welt interessiere, so schließt das den Teufel nicht aus. Von daher fand ich das Buch durchaus interessant.

Zunächst zum Buch:

Die Hauptfigur Lucas Corso ist ein sogenannter Bücherjäger, der im Auftrag reicher Büchersammler seltene und kostbare Exemplare aufspürt und dabei so manches Mal die Grenzen der Legalität überschreitet. Corso bezeichnet sich selbst als Söldner, der seine Dienste dem Meistzahlenden anbietet. Ein Freund von ihm bittet ihn die Echtheit eines handgeschriebenen Kapitels aus dem Roman „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas zu überprüfen. Zur gleichen Zeit erhält er von einem zwielichtigen Antiquar den Auftrag, ein kostbares okkultes Buch mit den übrigen Exemplaren zu vergleichen. Auf der Reise zu Fachleuten und Privatbibliotheken wird er mit seltsamen Ereignissen konfrontiert und fühlt sich immer mehr in die Rolle einer hilflosen Romanfigur gedrängt. Bösewichte aus den Dumas-Romanen verfolgen ihn, Menschen werden umgebracht und ständig taucht ein mysteriöses grünäugiges Mädchen auf. Corso erkennt, dass er sich in einem Rätselspiel befindet und versucht es mit Hilfe seiner Kombinationsgabe zu lösen. Er erfährt, dass Boris Balkan, ein Spezialist für Dumas, der Drahtzieher dieses Spiel ist und Schauspieler auf Corso ansetzte, um an das Kapitel zu kommen. Die vielen Zusammenhänge, die Corso zwischen dem Dumas-Kapitel und dem Buch „Die neun Pforten“ zu entdecken glaubte, stellen sich als Hirngespinste heraus. In Wirklichkeit hat der Antiquar Varo Borja Corso dazu benützt, an eine Formel zur Teufelsbeschwörung zu kommen. Obwohl Corso Realität und Fiktion nicht mehr voneinander unterscheiden kann, siegt seine Vernunft und er löst das Rätsel um das teuflische Buch: Zwei leidenschaftliche Fälscher haben sich den Scherz erlaubt, das Buch zu verändern und so den Teufelsanhänger auf die falsche Fährte zu schicken.

Kurz zum Film:

In dem Film „Die neun Pforten“ geht es nur noch um das okkulte Buch. Aus Lucas wird Dean Corso und auch sonst ändert sich einiges. Hier eine ausführliche Filmbeschreibung zu „Die neun Pforten“.

Komme ich zum Buch zurück: Der Titel verrät es bereits („Der Club Dumas“ – Dumas ist der Verfasser der „Drei Musketiere“). Im ganzen Roman werden Parallelen zu den „Drei Musketieren“ gezogen und es werden ganze Szenen in der Jetztzeit dargestellt. Interessant ist auch der Name des mysteriöses grünäugiges Mädchen, das Lucas Corso immer wieder über den Weg läuft. Irene Adler ist eigentlich die Frau, die Sherlock Holmes besiegte. Überhaupt gibt es allerorts Verweise zur leichten Literatur des 19. Jahrhunderts, zu Dumas, zu Arthur Conan Doyle u.a.

Zum Buch „De Umbrarum regni novem Portis“, den neun Pforten ins Reich der Schatten: Es wurde von einem gewissen Aristide Torchia 1666 geschrieben und verlegt. Dieser wurde ein Jahr darauf von der Inquisition mit seinen Büchern verbrannt. Lediglich ein Buch blieb erhalten. Das Buch beschreibt einen Weg, den Teufel aufzurufen und in sein Reich einzuziehen, vorausgesetzt man ist in der Lage, die versteckte Botschaft des Buches richtig zu deuten. Es enthält neun Holzschnitte, welche als eine Art Bilderrätsel die Lösung beinhalten sollen. Die Inspiration zu diesem Buch holte sich der Autor aus dem Delomelanicon („Beschwörung der Dunkelheit“), einer Schrift, die von Luzifer persönlich verfasst sein soll.

De Umbrarum regni novem Portis

Zum Schluss – der Schluss des Filmes bzw. des Buches:

Die Teufelsbeschwörung musste misslingen, weil das Buch von den beiden Buchfälschern manipuliert war. Der neunte Holzschnitt war eine Fälschung. Damit endet das Buch. Corso zieht mit dem Mädchen weiter. Open End!

Auch der Film scheint ein offenes Ende zu haben, geht aber weiter: Corso reist nach Toledo und wie durch Zufall flattert ihm eine Doppelseite, die wohl jemand aus „Die neun Pforten ins Reich der Schatten“ herausgerissen hat, vor die Füße. Auf dem Holzschnitt ist eine nackte Frau abgebildet, die vor einer lichtüberfluteten Burg auf einem Fabelwesen sitzt. Zuletzt schreitet Corso auf eine Burg zu und wandert selbst ins Reich der Schatten. Wo Licht ist, da beginnt der Schatten.

Das mysteriöse Mädchen stellt sich als die Hure Babylons heraus, die auf dem letzten der neun Holzschnitte, den neun Pforten, abgebildet ist.

Porta nona: Die Hure Babylons

Steamhammer: Junior ’s Wailing

Kürzlich erhielt ich eine Mail von einem alten Kumpel aus früheren Ausbildungszeiten. Er war über meine Jethro Tull-Seiten gestolpert und wollte wissen, ob ich jener Wilfried bin, der ich ehemals einmal war. Ganz der Gleiche bin ich mit Sicherheit nicht, immerhin sind seitdem über 30 Jahre ins Land gestrichen. Der alte Kumpel selbst hat sich fernab in Marburg niedergelassen.

Da ich jetzt dabei bin, alte Vinyl-Schallplatten zu digitalisieren, so stieß ich auch auf eine LP der Gruppe Steamhammer. Die Gruppe war Anfang der 70-er Jahre eine der großen Open-Air-Attraktionen, da sie eine starke Live-Performance hinlegten. Leider verkauften sich ihre Platten weniger gut, sodass sich die Gruppe frühzeitig auflöste und heute nur noch alten Rockhasen bekannt sein dürfte.

Steamhammer: Junior's Wailing

Ich weiß nicht mehr genau, wann es war, ich denke im Herbst 1971, da sah ich die Gruppe live in einem kleinen Club (es war wohl irgendeine Festhalle, die zu einer Dorfkneipe gehörte) in Brake, gegenüber von Bremerhaven. Und ich war dort mit eben dem alten Kumpel, der mir jetzt gemailt hat. Ich erinnere mich daran, dass ich vor dem Bass-Lautsprecher stand, dessen tiefe Töne mir ziemlich auf dem Darm ginnen. Da der Laden gerammelt voll war, gab es auch kein Entweichen.

Vom Steamhammer gibt es immerhin ein Lied, das es wohl auch bis in die Charts geschafft hatte: Junior’s Wailing, eine gekonnte Mischung aus Blues und Rock. Als ich das Plattencover in Händen hielt, hatte ich die Hauptmelodie gleich wieder im Kopf. Es gibt so manche Gitarrenriffs, die wird man nie wieder los. Und dieser ist hammerhart, dampfhammerhart:


Steamhammer: Junior’s Wailing

Was ist bloß mit Ian los? Teil 52: Karneval und jagende Mädchen

Hallo Wilfried,

Das Abfotografieren der Seiten brachte nicht das gewünscht Ergebnis. Also habe ich meine Fingergelenke geölt und die Übersetzungen zu „Velvet Green“ und „Hunting Girl“ abgetippt. Siehe Anlage.

Gerade läuft bei mir „Wooden Wedding“ aus Deinem Anhang. Wirklich schöne Folkmusik ! Dieses Genre ist doch besser vertreten als man beim ersten Blick glaubt.

Deine mail werde ich später beantworten; mir fallen die Augen zu, die Heia ruft.

Mach’s gut
Lockwood

Samtenes Grün

Wir gehen auf samtenem Grün, Kiefern um uns herum.
Ist es nicht herrlich, die frische Luft zu genießen und zu singen !
Wir gehen auf samtenem Grün.
Wir gehen auf samtenem Grün. Kühe brüllen in der Ferne.
Ganz unbesorgt: deine Beine in der Luft, wir lieben uns.
Wir gehen auf samtenem Grün.

Willst Du meine Gesellschaft nicht ? Komm, nimm es in die Hand.
Leg Dich auf samtenes Grün mit einem Jungen vom Lande,
der dem jungen Mädchen gefällt und der Wunschtraum der alten Jungfer ist.
Sag Deiner Mutter, Du bist die ganze Nacht auf samtenem Grün gegangen.
Ein Halbstundenritt in der Dämmerung Richtung Norden.
Dort liegt Dein guter Ruf und alles, was Du wert bist.
Wo der Duft von wilden Rosen Milch in Sahne verwandelt.
Sag Deiner Mutter, Du bist die ganze Nacht auf samtenem Grün gegangen.
Und das hohe Gras wogt in der kühlen Abendluft.
Und die seltenen Augustfreuden könnten Dich in den April schicken.
Aber denk nicht daran, meine Liebe,
mir wird die Hose zu eng,
und ich wachse weiter, treff Dich unten in samtenen Grün.

Nun, ich könnte Dir erzählen, es sei Liebe und nicht nur Begierde.
Und wenn wir schon mit der Lüge leben, lass uns wenigstens im Vertrauen liegen.
Auf goldenen Narzissen, den silbernen Fluss aufzufangen,
der den Samen des wilden Hafers 1 aus samtenem Grün ausspült.
Wir träumen als Liebende unter den Sternen –
Von Zivilisationen, die in der Ferne toben.
Und die schäbige Morgensonne scheint auf Deine Kampfesnarben,
als Du durchgefroren und allein auf samtenem Grün nach Hause läufst.

Wir gehen auf samtenem Grün, Kiefern um uns herum.
Ist es nicht herrlich, die frische Luft zu genießen und zu singen !
Wir gehen auf samtenem Grün.
Wir gehen auf samtenem Grün. Kühe brüllen in der Ferne.
Ganz unbesorgt: deine Beine in der Luft, wir lieben uns.
Wir gehen auf samtenem Grün.

1 To sow one’s wild oats: sich die Hörner abstoßen

Englisches Original siehe cupofwonder.com: Velvet Green

Jägermädchen

Eines Tages ging ich die Straße entlang und über ein Feld,
dort entlang, wo die Jagdhunde hetzen.
Der Gutsherr galoppierte weiter: die Jäger hinterher,
dorthin, wo der Weg versperrt war.
Das Pferd einer edlen jungen Dame weigerte sich, den Zaun zu überspringen.
Ich öffnete das Tor, aber sie wartete, bis die Meute verschwunden war.

Der Peitschenknauf war aus Knochen geschnitzt;
sie saß hoch auf einem Thron aus feinstem englischen Leder.
Die Königin aller Spiele,
dieser Joker nahm den Hut ab und redete übers Wetter.
Alle seien gewarnt vor diesem vornehmen Jägermädchen.
Sie nahm den Untergang dieses einfachen Mannes in die Hand;
ich hielt die Flagge hoch, die sie ausbreitete.

Stiefelleder blitzte und Sporen groß wie meine Daumen.
Diese vornehme Jägerin hatte die seltsamsten Vorlieben.
Ungezügelte Leidenschaft: Ich nahm den Zaum zwischen die Zähne.
Sie stand über mir, ich auf den Knien unter ihr.

Gnädige Frau, seinen Sie diskret.
Ich muss mich aufrappeln und zurück zur Farm.
Ich möchte zwar nicht behaupten, Sie seien pervers,
aber ich könnte doch zu Schaden kommen.
Ich tendiere nicht zu solch raffinierten Spielchen, wenn das so funktioniert.
Oh, vornehmes Jägermädchen,
ich bin nur ein einfacher, normaler Mensch.

Englisches Original siehe cupofwonder.com: Hunting Girl

21.02.2007

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Hallo Wilfried,

die Idee, dass der kurze Flöteneinsatz von Mr. Barlow nur ein Fake sein könnte, ist mir noch gar nicht gekommen. Aber nachdem der a Capella – Gesang der Gruppe enttarnt worden ist, wundert mich nichts mehr. Vielleicht ist das Flötenspiel von Mr. Barre auch nur Ohrenwischerei. Allerdings halte ich es für aufwendiger, für einige sekundenlange Klangsequenzen eine Konserve bereitzuhalten und an der richtigen Stelle abzuspielen als einem Musiker zwei, drei Griffe auf der Flöte beizubringen. Aber- wer weiß ? Zu Beginn seiner Karriere sagte Mr. Anderson in einem Interview. „Alles, was wir machen, ist Showbusiness.“ Mit diesem Satz würde er Einiges erklären und rechtfertigen.

Der gute alte Francis. Ich weiß nicht, was ihn bewegt, seine Internetauftritte so sprunghaft zu ändern. Aber ich habe in öffentlichen Foren im Netz schon erlebt, dass einige Teilnehmer gesperrt und ihre Accounts gelöscht werden. Vielleicht ist Francis auch einem öffentlichen Regulator zum Opfer gefallen. Vor einiger Zeit hast Du geschrieben, er sei bestimmt ein guter Kerl. Das mag sein, aber ich würde meine Kinder keine Minute mit ihm alleine lassen.

“Walk into Light“ kenne ich tatsächlich nicht. Das wird auch so bleiben. Ich habe mehr als einmal bereut, sauer verdientes Geld für Alben ausgegeben zu haben, die Mr. Anderson nach 1980 produziert hat. Lediglich „The secret Language of Birds“ enthält einige kleine Hoffnungsschimmer. Für einen positiven Gesamteindruck des Albums aber zu wenige.

Helmut Lotti singt Jethro Tull. Was wird man uns noch alles zumuten ? Was kommt als Nächstes ? Die Jakob-Sisters singen Led Zeppelin ? Florian Silbereisen interpretiert Sex Pistols ? Die von mir beschworene Vielfalt hat offenbar auch ihre Schattenseiten.

Zu Karneval im Allgemeinen und Rosenmontag im Besonderen:
Der rheinische Karneval gliedert sich in mehrere Disziplinen:

Da ist zunächst der Sitzungskarneval. Er beginnt in aller Regel am 11.11. eines jeden Jahres. Karnevalisten halten dieses Datum durch die Anhäufung einer einzigen Zahl für lustig und beginnen deshalb ihre Aktivitäten an diesem Tag. Sitzungskarneval musst Du Dir so vorstellen: Ein großer Saal mit Bühne, unten Tischreihen. An den Tischen sitzen kostümierte Narren (das ist die offizielle Selbstbezeichnung der Karnevalisten und keine Schmähung) und beobachten das Treiben auf der Bühne. Hier gibt es Karnevalsgruppen zu bestaunen, die Karnevalslieder- und Tänze vortragen. Zu einer Sitzung gehört auch die sogenannte Büttenrede. Das ist ein Einzelvortrag eines Narren, in dem über aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse hergezogen wird. Es gibt wirklich gute Büttenreden, aber in den meisten werden uralte Witze aufgewärmt. Den Vorsitz über eine Sitzung führt der Elferrat; das sind 11 (!) Herren, die in einer Reihe nebeneinander im Hintergrund der Bühne sitzen. Der Primus inter Paris des Elferrats ist der Präsident, der das Geschehen moderiert und die nächste Attraktion ankündigt. In aller Regel bedient der Präsident sich während der Sitzung der lokalen Mundart. Das wirkt lustig, familiär und heimatverbunden.

Die zweite Disziplin stellen die Karnevals-Bälle dar. Das sind Tanzveranstaltungen zu karnevalistischer Musik. Hier geht es oft hoch her und diese Events sind unter den Narren sehr beliebt. Es gibt einige berühmte Bälle, wie z.B. den Bäckerball oder den Schreinerball, für die ein Ottonormal-Narr kaum Karten ergattern kann. In jungen Jahren habe ich in meinem Heimatdorf öfter am KJ-Ball teilgenommen. Der Name stammt vom Veranstalter, der Katholischen Jugend in unserem Örtchen. Das hat wirklich Spaß gemacht; hier wurde nicht nur Karnevalsmusik gespielt.

Der dritte Bestandteil ist gleichzeitig der, der in der bundesweiten Öffentlichkeit am stärksten wahrgenommen wird: Der Straßenkarneval. Hierzu gehören die Rosenmontagsumzüge. Am Sonntag davor ziehen die Züge durch die kleineren Gemeinden. Das ist meist sehr überschaubar. Am Rosenmontag aber sammeln sich die Züge aller Gemeinden zum großen Umzug. Ein Umzug besteht aus geschmückten Fest- und Prunkwagen, Fußgruppen und Musikvereinen, meist Trommler und Pfeifergruppen. Der Rosenmontagszug in A. dauert einige Stunden und ist einige Kilometer lang. Bevor der letzte Wagen sich in Bewegung gesetzt hat, ist der erste Wagen schon am Ziel angekommen. Entsprechend länger sind die Züge in den Hochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz. Die Rosenmontagszüge locken jedes Jahr zigtausende Zuschauer auf die Straßen. Zu diesen Zuschauern gehört traditionsgemäß die Familie P. aus H. bei A. Für die Kinder hat der Zug seinen Reiz, weil sie hier Kamelle (rheinischer Ausdruck für Bonbons) fangen und sich in ihren Kostümen präsentieren können. Bevor die Besatzung eines Festwagens jedoch die begehrten Kamelle über das Volk ausgießt, wird erwartet, dass der fangfreudige Karnevalist laut „Alaaf“ bzw. „Helau“ ruft. Tut er das nicht, braucht er nicht auf einen süßen Regen zu hoffen.

Du hast schon einen Rosenmontagszug im TV verfolgen können. Bestimmt sind Dir Wagen aufgefallen, die wie verrückt Kamelle ins Volk schmeißen. Das tun sie, weil sie genau wissen, wo die Fernsehkameras stehen. Außerhalb deren Reichweite ist man mit dem Schmeißen weit zurückhaltender. In diesem Jahr habe ich meine Kamera mit zum Zug genommen. Durch meine Knipserei hatte ich eine Aufgabe und kam mir nicht vollkommen deplaziert vor.

Seit Jahren gefällt mir der Schluss des Rosenmontagzuges in A. am Besten: Hinter dem letzten Wagen zieht die Reinigungskolonne her. Das sind etwa 10 Fahrzeuge und mindestens 30 Mitarbeiter der Stadtreinigung, die hinter dem närrischen Lindwurm aufräumen. Diese Aufgabe erledigen sie hervorragend. Spätestens 15 Minuten, nachdem der letzte Wagen des Zuges vorbei ist, erinnert nichts mehr an das tolle Treiben. Lärm und Dreck sind wie weggeblasen und das Ganze kommt mir vor wie ein Spuk. Wäre nicht das Nachdröhnen in den Trommelfellen, könnte man es für einen schlechten Traum halten.

Naja, auch der Rosenmontag geht vorbei.

Das mit der Asche aufs Haupt wird hier übrigens ernst genommen. Am Aschermittwoch finden Messen statt, in denen vom Priester das „Aschenkreuz“ ausgeteilt wird. Hierbei macht er dem Gläubigen mit dem Daumen, den er vorher in Asche gesteckt hat, ein Kreuzzeichen auf die Stirn. Dazu spricht er die Worte: „Mensch, gedenke, dass Du Staub bist und zum Staub wirst Du zurückkehren.“ Es ist also ein mahnendes Symbol für die Vergänglichkeit alles Irdischen. Bevor es zu Missverständnissen kommt: Die verwendete Asche stammt nicht von Zigarettenkippen, sondern von den verbrannten Palmzweigen des Vorjahres.

Ich wollte nicht über Karneval schreiben ohne den Aschermittwoch zu erwähnen. Der gehört zu Karneval wie Weihnachten zum Advent. Jedenfalls aus christlicher Sicht; die ambitionierten Narren haben da sicher eine eigene Perspektive. Aber aus der Historie heraus war der Karneval ein Weg zum Aschermittwoch und der damit beginnenden Fastenzeit. Ein letztes Austoben vor der sechswöchigen Zeit der vorösterlichen Besinnung und Enthaltung.

Jedenfalls sind wir jetzt wieder in ruhigem Fahrwasser und können der Freude des Ostermorgens entgegen sehen.

Bis bald
Lockwood

24.02.2007

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Hallo Lockwood,

vielen Dank für deinen kleinen Abriss zum Thema Karneval. So ganz unbedarft sind wir hier im Norden allerdings nicht. Immerhin läuft im Fernsehen „Mainz bleibt Mainz …“. Und auch die Verleihung des „Ordens wider den tierischen Ernst“ ist uns hier bekannt. Und inzwischen sendet auch unser regionales Fernsehen (N3) jede Menge Karnevalsauftritte. Wir haben nur den Vorteil, karnevalistische Veranstaltungen nicht direkt vor der Haustür zu haben. Außerdem wie gesagt: Meine Mutter stammt aus Köln. Von daher sind mir die Gebräuche des närrischen Treibens nicht ganz unbekannt – bis hin zum Wahalla-Marsch ( „Woll’n mer se rinlosse?“).

Deine Jungs gucken wohl zu viele Horror- und Kriminalfilme? Dank auf jeden Fall für die Bilder. Dank auch für Deine Mühe beim Eintippen der Übersetzungen. Jugendfrei ist das wirklich nicht, was da Herr Anderson verfasst und jahrelang auf die Bühne gebracht hat. Im Wald und auf weiter Flur kommen uns Herren manchmal so Ideen …

Zurück zu Tull & Co.: Von Martin Barre weiß ich nun recht genau, dass auch er das Flötenspiel ziemlich gut beherrscht. Von daher dürfte uns die Bande keine faulen Eier ins Nest gelegt haben. Bei Herrn Barlow, wie geschrieben, bin ich mir nicht so sicher. Andererseits wird Ian Anderson ihm schon gezeigt haben, wie es geht. Wenn ich mir dann wiederum das „Songs from the Wood“-Video aus dem Madison Square Garden, NY, 1978, angucke, meine ich, dass Herr Barlow schon froh ist, die Flöte nicht fallen zu lassen, während er mit den Fingern herumhantiert. Spielt man z.B. die hohen Töne auf der Querflöte (mit der rechten Hand), so bleiben die Finger der linken Hand auf den Klappen. Spielt man die tiefen Töne, so sind die Finger der linken Hand gehoben – und zwar alle. Der Daumen stützt das Instrument. Herr Barlow jongliert förmlich mit den Fingern beider Hände.

Barriemore Barlow auf der Flöte Barriemore Barlow auf der Flöte
Barriemore Barlows kurzer Flöteneinsatz bei „Songs from the Wood“ im Madison Square Garden, NY, 1978

Ian Andersons Solo-Scheiben sind wohl so unterschiedlich wie sie es nur sein können. „Walk into Light“ ist sicherlich nicht der große Licht-Blick, von daher auch nicht mehr im normalen Handel zu beziehen. Die anderen Alben finde ich aber schon wieder ganz okay. „Divinities“ ist für mich eigentlich das, was ich gern weiterhin von Herrn Anderson hätte (Instrumentaltitel). Für Dich vielleicht etwas zu viel ‚Weltmusik’. Mir gefällt das Album sehr gut. Es hat einen geradezu ‚klassischen’ Ansatz. „Secret Language“ hat einige sehr schöne Lieder. Der Rest ist aber nicht zu verachten. Gleiches gilt mit Abstrichen auch für „Rupi’s Dance“. Die letzten drei Anderson-Alben sind insgesamt schon sehr weit von dem entfernt, was eine Rockband sonst produzieren würde.

Helmut Lotti & JT – Was soll ich dazu weiteres sagen. Eigentlich bin ich sprachlos. Du hast recht: Vielfalt (oder was man eben auch als Cross-over bezeichnet) hat seine Schattenseiten. Irgendwo sollte das begrenzt sein. Notfalls gerichtlich!

Ich habe mir in den letzten Tagen einmal wieder die drei Folkrock-Albem von Jethro Tull angehört (Folkrock ist wohl der passendere Begriff statt Folk – und „Stormwatch“ gehört wohl auch dazu). „Heavy Horses“ insgesamt ist doch rockiger als ich es in Erinnerung hatte. Und auf „Stormwatch“ gibt es auch einige schöne Stücke (z.B. Palmers „Elegy“ und „Dun Ringill“). John Glascock war wohl während der Aufnahmen nach einer Herzoperation gestorben, sodass der Meister persönlich bei einigen Stücken in die Bass-Saiten greifen musste. Später kam dann ja Dave Pegg, der für mich ein mindestens gleichwertiger Ersatz war (siehe u.a. das Bass-Solo auf „Fat Man“ bei der Rock Classic Nacht vom 15.11.1983 im Circus Atlas zu München). Selbst mein großer Sohn ist davon begeistert. Was danach kam, wissen wir ja (das Personalkarussell drehte sich gewaltig).

„Stormwatch“ ist für mich zwar von den drei Alben das musikalisch weniger gute, aber durch seine kritischen Bezüge zu Schottland (bzw. der See drum herum und dem „Sturm“, der über Land und See hinwegfegt) doch sehr interessant. Es gibt ja zu der „Stormwatch“-Tour 1979 mindestens zwei Ausschnitte aus dem knapp einstündigen Video (mit ZDF Musikkanal Logo) bei youtube.com. Der Ausschnitt aus dem „Water ’s Edge Ballet“ stammt übrigens auch aus diesem Fernseh-Beitrag. Ist schon nett anzuschauen, die Herren Musiker mit ihren Frauen und Kinder und Herrn Anderson im Tarnanzug mit Barett.

Und dann gibt es ja noch ein 4. Folkrock-Album, dass sich wie ein Fremdkörper in die elektronische Tull-Phase (zwischen „A“ und „Under Wraps“) geschoben hat: „The Broadsword and the Beast“ aus 1982. Es enthält zwei meiner Lieblingsstücke: „Flying Colours“ und „Slow Marching Band“. Das Jahr 1982 veranlasste Dich immerhin, das ‚berühmte’ Barett zu erwerben, das jetzt das Haupt eines Deiner Söhne schmückte.

Lockwoods Barett

Morgen ist meteorologisch Frühlingsbeginn. Hoffen wir, dass sich das Wetter daran hält. Dieses grau-in-graue Wetter habe ich wirklich satt.

Halte Dich weiterhin gerade.

Bis bald
Wilfried

28.02.2007

English Translation for Ian Anderson

Sony pennt

Neulich las ich in einem Zeitschriftenartikel, dass die Krise in der Musikbranche eigentlich nur eine Krise der Plattenindustrie wäre. Die Bands u.a. Musiker verdienen ihr Geld durch Live-Auftritte, die trotz der manchmal sehr hohen Preise gut besucht sind.

Keine Frage: Der Verkauf an Tonträgern ist eindeutig zurückgegangen. Verantwortlich machen hierfür die Bosse der großen Plattenfirmen hauptsächlich die Raubkopierer und deren Abnehmer, gegen die man verstärkt gerichtlich vorgehen will. Experten dagegen meinen, dass dieser juristische Kampf gegen die Musiktauschbörsen der falsche Weg sei.

Das eigentliche Problem ist, dass die Plattenbranche die neuesten Trends einfach verschlafen hat. So ist z.B. der kommerzielle Vertrieb vom Musik über das Internet durch die Computerbranche ins Rollen gekommen. Erst spät ist man auf diesen Zug aufgesprungen. Aber auch sonst fehlt jede Art von Kreativität in den Chefetagen.

Zudem taugen die üblichen Verdächtigen, Tauschbörsennutzer und Privatkopierer, längst nicht mehr, um die andauernde Umsatz-Talfahrt stichhaltig zu begründen. Der Markt, auf dem die Musikindustrie ihre Umsätze früher nahezu konkurrenzlos erzielte, hat sich nun einmal in den letzten Jahren entscheidend gewandelt. So geben Jugendliche und junge Erwachsene ihr Geld verstärkt für Videospiele, Hardware und fürs Telefonieren aus.

siehe auch zdf.de: Auf der Suche nach dem verlorenen Geschäft

Zug entgleist in Rotenburg

Güterwaggons springen Nahe des Bahnhofs von den Schienen – Ursache unklar

Rotenburg (oer). Ineinander verkeilte Waggons, umgeknickte Masten, wild herumliegende Eisenteile, herabhängende Oberleitungen: Der Unglücksort in der Nähe des Rotenburger Bahnhofs glich gestern einem Trümmerfeld. Ein Güterzug ist dort gegen 12.15 Uhr aus noch unbekannten Gründen entgleist.

Ein lauter Knall war über dem Stadtgebiet zu hören, als im hinteren Bereich des in Richtung Hamburg fahrenden Güterzugs Waggons von den Schienen sprangen und sich teilweise in- und übereinander schoben. Laut einem Bahnsprecher sind fast die Hälfte der 42 Waggons entgleist. Darunter drei Kesselwagen für Mineralöl – die aber seien zum Glück leer gewesen. Eine Gefahr für die Umgebung bestand somit nicht.

Während der 46-jährige Zugführer bei dem Unglück unverletzt blieb, erlitt ein Passant im Bereich des etwa 300 Meter entfernten Bahnhofs leichte Verletzungen, die im Krankenhaus behandelt wurden. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann von einem herumfliegenden Zugteil getroffen wurde, was darauf hindeuten könnte, dass die Ursachen für das Unglück bereits vor der eigentlichen Unfallstelle lagen.

Woran es genau gelegen hat, stand gestern noch nicht fest. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, erklärte Lutz Gaebel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden, die wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt. Menschliches Versagen kommt somit ebenso infrage wie ein technischer Defekt oder eine mutwillige Manipulation an den Gleisen. Geprüft wird zum Beispiel auch, ob der Zug zu schnell unterwegs war. Gewöhnlich rollen Güterzüge in dem Bereich etwa mit Tempo 100 über die Gleise.

Aufgrund des Unfalls wurde der Gleisabschnitt Rotenburg-Scheeßel komplett gesperrt. Züge zwischen Bremen und Hamburg wurden über Hannover umgeleitet, bis Lauenbrück wurden Busse eingesetzt. Die Bahn hofft, bis heute Morgen wenigstens eins der drei Gleise wieder freigeben zu können. Ob die Personenzüge dann schon wieder nach Fahrplan verkehren, ist jedoch fraglich. Die Bergung des Zugs hat bereits in der Nacht begonnen.

aus: Zevener Zeitung

Verkeilte Güterwaggons beim Bahnhof Rotenburg/Wümme

Anmerkung: Heute Morgen noch gab es im Nahverkehr zwischen Hamburg und Bremen erhebliche Verspätungen. Ganz toll fand ich es, dass keine Ansage auf dem Bahnhof durchgegeben wurde. So steht man 20 Minuten herum und weiß nicht, was Sache ist. Ich hoffe, dass bis Freitagabend die Bergung des Zuges beendet ist – ich möchte am Samstag nach Bremen.

Anmerkung vom 02.03.2007: Heute Morgen das gleiche Spiel: Nach 10 Minuten kam dann wenigstens die Durchsage, dass sich der Zug aus Bremen verspätet. Am Ende hatte ich dann 30 Minuten Verspätung am Hamburger Hbf. Da zeigt sich, was ein ‚gutes‘ Krisenmanagement bei der Deutschen Bahn wert ist: Selbst nach über 2 1/2 Tagen schafft man es nicht, wenigstens ein Gleis in Rotenburg/Wümme so frei zu räumen, damit der Nahverkehr ohne größere Verspätung durchkommt. Und wenn das nicht möglich ist, wäre es doch ganz nett, zwischen Deutscher Bahn und Metronom Eisenbahngesellschaft mbH einen entsprechenden Ersatzverkehr zu vereinbaren, damit die Fahrgäste nicht 30 Minuten im Regen und Sturm stehen müssen. Als besonderst tauglich erweisen sich da nämlich die im Zuge der Bahnhofsanierung in Tostedt aufgestellten ‚Wartehäuschen‘, durch die der Wind pfeift und die nur wenig Schutz gegen Regen bieten.