Archiv für den Monat: Februar 2009

Mesut Özil – neue Integrationsfigur?!

Es bedurfte eigentlich keiner Studie, um zu wissen, dass Zuwanderer aus der Türkei schlechter in Deutschland integriert sind als andere Gruppen. Jetzt wissen wir: Jeder Dritte ist ohne Schulabschluss. Die Gründe sind vielfältig. Neben der allgegenwärtigen Ablehnung durch die deutsche Gesellschaft ist ein Grund sicherlich auch der, dass türkische Migranten viel zu lange geglaubt haben, Deutschland wäre nur ein Provisorium für sie.

Mesut Özil mit Diego

Nun nominiert der Fußballbundestrainer Joachim Löw den erst 20 Jahre alten Mesut Özil von Werder Bremen für die A-Nationalmannschaft, nachdem sich Özil, der bereits zehn Mal für die deutsche U-21-Nationalmannschaft gespielt hat, dafür entschieden hat, weiterhin für Deutschland spielen zu wollen. Mesut Özil ist Türke und in Gelsenkirchen geboren. Seine Familie lebt allerdings in der dritten Generation in Deutschland. „Zwei Herzen schlagen in meiner Brust“, sagt der junge Fußballer. Und er hat es sich nicht leicht gemacht mit seiner Entscheidung: Lange hat der türkische Nationaltrainer Fatih Terim um den 20-Jährigen geworben. Aber vergeblich.

Das freut natürlich auch besonders die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer: „Seine Nominierung ist ein wichtiges Signal für die Integration der Migranten in Deutschland. Özil setzt ein Zeichen für Migranten, sich in Deutschland aktiv einzubringen und zu engagieren. Zudem zeigt sein großer Erfolg anderen Menschen aus Zuwandererfamilien: Der soziale Aufstieg ist möglich, Anstrengung lohnt sich.“

Mesut bedeutet „Freude“, aber auch „Glück“. Der Wechsel des jungen Spielers vor genau einem Jahr zum SV Werder Bremen war auch ein Glück für diesen Verein, denn Özil überzeugt nachhaltig mit guten Leistungen und hat es so zum Stammspieler gebracht. Trotzdem kommt die Nominierung durch Bundestrainer Löw für das Testspiel der A-Nationalmannschaft am Mittwoch gegen Norwegen ziemlich überraschend.

Man sollte die Erwartungen an Mesut Özil natürlich nicht zu hoch schrauben, weder sportlich noch in der Rolle als neue Integrationsfigur. Wenn er aber durch seine Entscheidung, für Deutschland zu spielen, dazu beiträgt, die Zuwanderer aus der Türkei in Deutschland zu mehr Integration zu motivieren, dann ist das nicht nur ein sportlicher Erfolg.

Natürlich hat jede Medaille auch ihre Kehrseite: Das Gästebuch von Mesut Özils Website musste geschlossen werden, da er dort von aufgebrachten Türken übel beschimpft wurde.

siehe hierzu Videos: Der Grenzgang des Mesut ÖzilNiersbach: Özil ohne türkischen Pass – DFB-Generalsekretär über Integration im Fußball

(Fast) unterschlagene Beiträge – Teil 16

Merkel und der Vatikan

Da hat sich der Papst ein faules Ei ins Nest legen lassen (Aufhebung der Exkommunikation gegen einen Holocaustleugner), da darf er sich nicht wundern, wenn alle Welt schreit: Es stinkt! Nur sollte sich die Pastorentochter Merkel zunächst um ihre eigenen faulen Eier kümmern (Mehdorn und die Datenaffäre bei der Bahn, deutlichere Kritik an den Bankmanagern), bevor sie sich in kirchliche Angelegenheiten einmischt.

Und der Papst? Der hat nun ein echtes Problem. Sicherlich war es ihm eine Herzensangelegenheit, den Zusammenhalt der katholischen Kirche zu betreiben. Wenn aber seine erzkonservative Haltung dazu führt, eine umstrittene Bruderschaft mit noch umstritteneren Ansichten „heim ins Reich“ zu holen, dann muss er sich darauf einstellen, dass liberal denkende Katholiken der Kirche den Rücken kehren.

Mehdorns Stuhl wackelt

Wenn selbst CDU-Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach laut über einen Rücktritt Mehdorns nachdenkt, dann wackelt dessen Stuhl wirklich bedenklich. Die zögerlichen Aufklärungs- und Erklärungsversuche („Übereifer!“ und „falsch verstandene Gründlichkeit“.) von Bahnchef Mehdorn angesichts einer Massen-Überprüfung eines Großteils der Bahnmitarbeiter belegen, dass er nicht so ganz verstanden hat, worum es bei dieser Affäre eigentlich geht. Wie schallt es aus den Lautsprechern bei Abfahrt eines Zuges: Zurücktreten, bitte!

Duell der Möchtegern-Meister

Nach dem Sieg in Dortmund im Achtelfinale des DFB-Pokals schien für Werder wieder alles in Butter zu sein. Um so bitterer die Erkenntnis, dass man nichts dazu gelernt hat und die Achterbahnfahrt der Hinrunde wohl weitergeht: Wer gegen einen Abstiegskandidaten wie Arminia Bielefeld zu Hause verliert, hat an der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga wahrlich nichts verloren.

Und jetzt geht es am Samstag auf Schalke weiter, einem weiteren Möchtegern-Meister, der tief in der Krise sitzt. Da mag man gar nicht hinschauen.

Man spricht Deutsch

Deutsch ist eine der wichtigsten Sprachen in Europa, innerhalb der Europäischen Union ist es die am häufigsten, immerhin von 110 Millionen Menschen gesprochene Muttersprache. Jetzt widmet sich eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin „Der Sprache Deutsch“ und gibt u.a. einen Überblick über die Geschichte der deutschen Sprache. Zeitgleich geht das Haus der Geschichte in Bonn Phänomenen der Gegenwartssprache auf den Grund – etwa der Jugend- bzw. Szenesprache. Die Ausstellung in Berlin ist täglich, auch sonntags, von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro.

Untergegangene Wörter

Zu den Besonderheiten der deutschen Sprache habe ich mich bereits in verschiedenen Beiträgen hier geäußert; u.a. habe ich dabei auf den Verlust alter deutscher Wörter hingewiesen, aber auch aufgezeigt, wie sie die Sprache immer weiterentwickelt: Laut Duden kommen jedes Jahr etwa 1.000 Worte dazu (Von Archaismen und Neologismen). Weitere Beiträge: You need ZugzwangWenn der Amtsschimmel wiehertTypisch deutsch: GemütlichkeitWörterbuch der Szenesprache

Google Ocean

Google Maps habe ich in diesem Blog schon öfter eingebunden (Martin Walsers „Ein springender Brunnen“ spielt z.B. in Wasserburg am Bodensee). So kann man Tatorte und Schauplätze sehr schnell ansteuern und sich ein Bild von der Umgebung machen.

Google Earth dürften den meisten inzwischen bekannt sein. Jetzt gibt es eine neue Version (Google Earth 5.0 (Beta)), mit der man auch auf Tauchstation gehen kann. Google hat seine Software runderneuert und mit Material über die Meere angereichert. Ab sofort kann man virtuelle Tauchfahrten unternehmen und mit Bildern und Videos die Weltmeere erkunden.

siehe auch zdf.de: Mit Google auf Tauchstation

Léo Malet: Paris des Verbrechens (Nestor Burma-Krimis)

Bevor er Krimis schrieb, arbeitete Léo Malet als Büroangestellter, Filmstatist, Herausgeber einer Modezeitschrift und Ghostwriter eines analphabetischen Erpressers. In Frankreich gehören seine Krimis längst zum kulturellen Erbe. Dies sind die zehn klassischen Fälle von Nestor Burma, dem Inhaber der Detektiv-Agentur „Fiat Lux“. Jeder spielt in einem anderen Pariser Arrondissemont.

„Wenn Malet einen Krimi schreibt, schreibt er mehr als einen Krimi: Er ist der einzige Autor, der das poetische Universum des Surrealismus in Kriminalromane übersetzt. Seine Geschichten sind Action und Parodie des Genres zugleich.“
Neue Zürcher Zeitung

Nestor Burma steht in der Tradition amerikanischer Detektive wie Sam Spade und Philip Marlowe, hat aber deutlich mehr Humor und sein Erscheinungsbild, Maßanzüge und exzentrische Pfeife, weist eine eigene Note aus. Somit ist Léo Malet mit Autoren wie Dashiell Hammett (Sam Spade) und Raymond Chandler (Philip Marlowe) vergleichbar. Neben diesen beiden gilt auch noch Ross Macdonald als einer der wichtigsten Vertreter der harten Schule des Detektivromans.

Bis auf eben jenem Nestor Burma von Léo Malet habe ich bereits einige Kriminalromane der genannten Autoren gelesen. Hinzu kommen die weiteren Klassiker von Agatha Christie mit ihren der beiden bekanntesten Figuren, dem belgischen Detektiv Hercule Poirot und der altjüngferliche Miss Marple, die viele von uns allein schon aus dem Fernsehen kennen. Erwähnenswert sind außerdem Krimi-Helden neueren Datums wie z.B. Tom Ripley von Patricia Highsmith und Inspektor Jury von Martha Grimes. Nicht gegessen möchte ich natürlich auch Edgar Allan Poe, der gewissermaßen den Kriminalroman erfunden hat, und Arthur Conan Doyle und seinen Sherlock Holmes. Und Edgar Wallace kennen viele aus den kultigen deutschen Verfilmungen.

Neben dem Privatdetektiv Nestor Burma gibt es natürlich eine weitere bekannte Figur, die wie dieser in Paris tätig wurde: Kommissar Maigret von Georges Simenon.

Nun, Nestor Burma kenne ich aus der insgesamt 39-teiligen Serie des französischen Fernsehens, die auch bei uns gezeigt wurde – 1991 bis 2003 verfilmt und mit Guy Marchand in der Hauptrolle.

Guy Marchand als Nestor Burma

10 der klassischen Fälle von Nestor Burma sind jetzt für gerade einmal 9,95 € bei Zweitausendeins – in einem Band zusammengefügt – erhältlich. Knapp 1200 Seiten, die das Paris des Verbrechens beschreiben. Während meiner Grippe-Erkrankung hatte ich Zeit, vier dieser Kriminalromane zu lesen.

Die Detektiv-Agentur in der Rue des Petits-Champs heißt sinnigerweise «Fiat Lux» (‚Es werde Licht‘). Ihr Inhaber liebt solch hintergründige Scherze, obwohl er es gemeinhin nicht mit Bibelsprüchen hält. Eher schon mit dem anarchistischen Motto ‚Weder Herr noch Gott‘: Als der jugendliche Nestor Burma 1927 von Montpellier nach Paris kam, wurde er praktizierendes Mitglied einer Anarchistengruppe. So etwas prägt fürs Leben, auch wenn Monsieur Burma inzwischen Maßanzüge trägt, als Arbeitgeber einen dreiköpfigen Angestelltenstab befehligt und als Privat-«Flic» am Erhalt der bürgerlichen Ordnung mitwirkt. Doch sein ‚anarchistischer Individualismus‘ schlägt halt immer wieder durch, vor allem, wenn Nestor auf eine heiße Spur gestoßen ist und den parallel ermittelnden Kommissar Faroux selbstsüchtig auf falsche Fährten lockt.


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Rue des Petits-Champs (Richtung Avenue de l’Opéra) – Detektei Fiat Lux

Erstaunlich darum, daß Nestor Burma bei dem schnauzbärtigen Kripo-Chef einen so großen Stein im Brett hat, zumal der leidgeprüfte Florimond Faroux stets die schlimmsten Verwicklungen zu fürchten hat, wenn der Privatkollege mit der exzentrischen Stierkopf-Pfeife scheinbar zufällig am Schauplatz eines vermeintlichen Routine-Verbrechens aufkreuzt. Doch der Kommissar profitiert eben nicht nur gern von den ‚bistrokratischen‘ Kenntnissen Burmas, sondern auch von dessen detektivischem Gespür. Darum schanzt er ihm sogar schon einmal einen verdeckten Polizeiauftrag zu, wenn der Fall für eine offizielle Recherche zu heikel ist.


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Quai des Orfèvres (Sitz der Kriminalpolizei von Paris)

Die Staatsknete nimmt Nestor Burma auch ganz gerne mit, denn bei flauer Kriminalkonjunktur kommt es öfter vor, daß er seinen beiden Außendienst-Agenten, dem quirligen Roger Zavatter und Réboul-dem-Einarmigen, gleich mehrere Monatsgehälter schuldet. Seine weltkluge Sekretärin Hélène Chatelain pflegt er in solchen Ebbezeiten sogar anzupumpen. Aber Goldschatz Hélène hat für Vieles Verständnis. Nur wenn ihr Chef das dienstliche Beschatten attraktiver Damen allzusehr ausdehnt, reagiert Hélène spürbar unfroh. Doch ihre wache Eifersucht hat ihm bereits mehrfach das Leben gerettet.

Trotzdem: Die gefährlichsten Wege geht Nestor allein. Unterstützung braucht er allenfalls zur Vorbereitung seiner Schachzüge. Dann muß beispielsweise Marc Covet, der versoffene Klatschvetter und Reporter des «Crépuscule», mal wieder einen gezielten Basisartikel schreiben, um die verborgenen Drahtzieher eines Verbrechens aus dem Käfig zu locken. Die abschließenden Protokolle seiner Fälle verfaßt Nestor Burma allerdings selber: Betont lässig, schnoddrig, in cooler Kurzsatz-Methode, garniert mit effektstarken Klopfern – ‚ihr Büstenhalter hatte alle Hände voll zu tun‘.

Der Autor hinter diesem ‚Autor‘ ist Léo Malet. Genau wie sein Held im Jahre 1909 in Montpellier geboren und als Halbwüchsiger nach Paris entwichen, begann er in den vierziger Jahren mit dem Krimi-Schreiben. Den größten Ruhm erlangte er dann ein Jahrzehnt später mit dem Zyklus ‚Die neuen Geheimnisse von Paris‘: Jeder Fall spielt in einem anderen Arrondissement der Metropole. Im Schatten des Louvre klärt Nestor Burma einen mörderischen Kunstraub auf, im kleinbürgerlichen Marais den Mord an einem Pfandleiher (dessen Dienste er selber gerade in Anspruch nehmen wollte bzw. mußte …).


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Tour de Barbette (Überrest des Stadthauses von Isabeau von Bayern) – Ecke Rue des Francs Bourgeois / Rue Vieille du Temple (Schauplatz eines perfiden Mordes im Fall „Marais Fieber“ – 3. Arrondissement von Paris)

Und einmal wird der liebe ‚Genosse Burma‘ auch brieflich ins 13. Arrondissement bestellt, wo er seiner eigenen anarchistischen Vergangenheit begegnet. Jenseits des Pont Tolbiac, in der Gegend der Salpérière und des Gare d’Austerlitz trifft er aber nicht nur seine ehemaligen Gefährten wieder, er lernt auch seine große Liebe kennen, die junge Zigeunerin Bélita. Den Fall, dessentwegen er gerufen wurde, klärt er auf. Doch Bélitas Ermordung kann er nicht verhindern. So wandert Nestor Burma weiterhin allein durch das meist verregnete Paris. Manchmal fühlt er sich ganz deprimiert, wenn er ans Altwerden denkt.

aus: revonnah.de

Wie bereits in den vielen anderen klassischen Kriminalromane wird auch bei Léo Malet notfalls ein neuer Handlungsstrang kurz vor Ende eingefügt, um mit dieser ‚Wende’ nicht nur den Fall in eine andere Richtung, sondern auch der Lösung entgegen zu bringen, auch wenn das die Logik auf den Kopf zu stellen droht. Was Nestor Burma aber zu etwas Besonderem macht – und alle Schwächen vergessen lässt -, sind sein Humor und seine trockene Art der Weltsicht, leider oft auch trotz des völligen Verzichts auf psychologische Stringenz.

Vier Jahre WilliZBlog.de

Heute ist nicht nur Murmeltiertag, nein, dieses Blog besteht bereits seit vier Jahren und hat seitdem mit über 1400 Beiträgen seinen (meinen) Senf zum Weltgeschehen dazugegeben.

WillizBlog - winterlich
WillizBlog – winterlich

WillizBlog - frühlingshaft
WillizBlog – frühlingshaft

WillizBlog - sommerlich
WillizBlog – sommerlich

WillizBlog - herbstlich
WillizBlog – herbstlich

„Jeeha! Wieder ’n Jahr näher an der Rente!“ heißt es außerdem für mich. Wenn nicht alle Stricke frühzeitig reißen, dann werde ich in spätestens acht Jahren meine Zelte bei meinem jetzigen Arbeitgeber abbauen, um mich dem wohl verdienten Ruhestand in passiver Altersteilzeit zu widmen.

Nachtrag zu meinem Geburtstag:
Jan zu meinem 55.sten
… von meinem ‚respektlosen‘ älteren Sohn Jan

Frank Zappa spielt Maurice Ravels Boléro

Auch wenn ich mit klassischer Musik nicht ganz so viel am Hut habe, so gefällt mir Maurice Ravels Boléro, ein Orchesterstück in Form eines spanischen Balletts, ausgesprochen gut. Das Musikstück erhält seine Spannung durch die mit jeder neuen Variation wechselnde Instrumentierung und ein ständiges Crescendo, also Lauterwerden.

Kein Geringerer als Frank Zappa hat sich bei einer Aufführung am 17. Mai 1988 in Barcelona mit seinem Orchester an dieses Stück gewagt. Es hält sich zwar nicht sehr streng ans Original, und Zappa lässt eigene Ideen hineinfließen, aber es zeigt, welch großer Musiker Zappa war:


Zappa spielt Maurice Ravels Boléro (Barcelona 1988)