Die Deutschen werden immer träger

Schaut man sich das Statistische Jahrbuch 2006 an, dann stellt man fest, dass der durchschnittliche Deutsche immer dicker und träger wird. Immer mehr Deutsche haben Übergewicht, immer mehr Zeit wird vor dem Fernseher oder Computer verbracht und immer später wird geheiratet. Es bleibt keine Zeit für ein gutes Buch. Herz-Kreislaufkrankungen sind die meisten Ursachen für Krankenhausaufenthalte. Und immer mehr Deutsche kehren dem Land den Rücken, um im Ausland ihr Glück zu finden. Der Abwärtstrend hält unvermindert an.

Siehe zdf.de: Durchschnittsdeutscher ist zu dick und heiratet spät

Was ist bloß mit Ian los? Teil 30: Nur verbale Exzesse

Hallo Wilfried,

es liegt also im Bereich des Möglichen, dass Mr. Anderson im Laufe seines künstlerischen Schaffens gelernt hat, Noten zu lesen und Partituren zu schreiben. Trotzdem habe ich in seiner Vita noch einige Lücken: Wann und vor allem wie hat er gelernt, so viele Instrumente zu spielen ? Soweit ich weiß, hat er eine Kunstschule besucht und auch mal daran gedacht, Journalist zu werden. Wo findet in diesem seinem Lebensweg die musikalische Ausbildung ihren Platz ? Sicher weißt Du hierüber mehr.

Die gute Mrs. Bush. Ihre Stimme. Ihre Ausstrahlung. Ihre Musik. Jeder dieser Faktoren ist bemerkenswert. Es wird Dich sicher überraschen, aber ich finde nicht alle ihrer Lieder gut. Ich denke sogar, dass das ein oder andere ihrer Alben von vorn bis hinten der reinste Schrott ist. Ihre Stimme empfinde ich auch nicht immer als angenehm. Stellenweise, wenn sie gar zu engagiert singt, klingt ihre Stimme hysterisch. Aber es sind die in meinen Ohren „guten“ Alben, die dafür gesorgt haben, dass ich Mrs. Bush seit über 25 Jahren nie ganz aus den Augen verloren habe. Wie bei anderen Künstlern auch sind es ihre Frühwerke, die es mir besonders angetan haben. Eben jene Werke, die ihren Ruf als Elfe begründet haben. Bei näherem Nachdenken sind es vielleicht nur 15 bis 20 Titel von ihr, die mir besonders gefallen. Aber die eben ganz besonders. Einen Vergleich zwischen Kate Bush und Aguillera, Spears, Madonna, Minogue, Anastacia oder wie sie alle heißen lehne ich ab. Nicht nur wegen der Musik. Es sind ganz verschiedene Welten. Auf der einen Seite Mrs. Bush, bei der sich Singstimme, Kompositionen, Performance, Texte, Talent, Körperbeherrschung zu einem fantastischen Gesamtkunstwerk zusammenfügen. Auf der anderen Seite Diseusen, die versuchen, mangelnde künstlerische Qualitäten durch auffällige Bühnenoutfits zu kompensieren.

Schon sind wir wieder beim Thema Erotik. Selbst wenn Madonna und Co. Kostüme tragen, deren Stoff nicht ausreichen würde, um eine Krawatte zu schneidern, werden sie nie die Ausstrahlung einer Kate Bush erreichen. Ich finde Kate Bush in einer fleckigen Küchenschürze anziehender als Mrs. Spears im Stringtanga. Nur so als Beispiel. Eines kann das beste Bühnenoutfit der Welt nicht ersetzen: Persönlichkeit. Und die, lieber Leser, hat Kate Bush ! Ich denke, in diesem Punkt wirst Du mir zustimmen.

Soviel zur Popmusik, zurück zu seriösen Themen, zu Jethro Tull: Dass die Mannen um Mr. Anderson in ihren Strumpfhosen Dich nicht anmachen, beruhigt mich irgendwie. Anders wär‘ s nämlich schlecht. Falls diese Beinkleider wirklich, wie von mir vermutet, so etwas wie eine sexuelle Signalwirkung haben sollten, dann wohl eher auf eine weibliche Zielgruppe. Bei strenger Betrachtungsweise haftet Mr. Anderson etwas Laszives an: Die unsittlichen Hosen, die obszönen Gesten mit der Flöte, die mehrfache Verwendung der Vokabel „sperm“. Ich kenne nicht alle Tull-Texte, aber ich bin sicher, dass sich hier noch mehr Ausdrücke finden ließen, die ein Kirchenchor nicht verwenden würde. Bevor wir uns falsch verstehen: All das stört mich nicht, ich stelle lediglich fest.

Das Heavy Horses – Video habe ich mir noch einmal angeschaut. Eine wirklich gute Qualität und ein wirklich starkes Lied. Gutes Thema, guter Text, sehr gute Stimme und natürlich sehr gute Musik. Mann, waren das Zeiten ! Der große Ohrring, den der Meister in diesem Video trägt, steht ihm übrigens sehr gut. Passt zum Outfit und zum situativen Kontext des Songs.

Das bringt mich zur heutigen Schmähung:
Endlich ! Endlich habe ich etwas gefunden, das noch lächerlicher und peinlicher wirkt als ein älterer Millionär mit Kopftuch: Mick Abrahams mit langen Hängeohrringen ! Das habe ich auf seiner Homepage gesehen, deren Link in Deiner letzten mail zu finden war. Du kannst es ruhig zugeben: Genau deswegen hast Du mir den link gesandt.

Ich wünsche Dir den inneren Frieden
Lockwood

PS: Ich würde sehr gerne etwas zu Mr. Barre schreiben. Selbstverständlich bin ich wie Du der Meinung, dass der alte Knabe jede Würdigung verdient hat. Aber leider fällt mir auf Anhieb nichts zu ihm ein. Der Kerl ist einfach zu unauffällig, ohne Ecken und Kanten. Tu‘ mir einen Gefallen: Erwähne ihn irgendwie in Deiner nächsten mail; ich werde das Stichwort aufgreifen und versuchen, ob ich etwas daraus machen kann.

Seine Soloplatten kenne ich nicht. Reine Rockmusik, vermute ich. Singt er ?

07.11.2006

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Hallo Lockwood,

leider weiß ich nichts Genaueres zu Ian Anderson in seiner Eigenschaft als Multiinstrumentalist. Ich denke mir aber, dass man zum Spielen verschiedenster Instrumente nicht unbedingt eine musikalische Ausbildung im weitesten Sinne benötigt. Eigentlich sind es ja nur zwei Instrumente, die er spielt: Querflöte und akustische Gitarre. Nach eigener Aussage (wohl im Interviewteil zur DVD: Nothing is Easy: Live at the Isle of Wight 1970) hatte Anderson sich zunächst an der Gitarre versucht, wie fast alle Jungs, die einmal als millionenschwere Rockstars herauskommen wollen. Als er dann merkte, dass er z.B. einem Jimi Hendrix nicht das Wasser reichen könne, ist er auf Querflöte umgestiegen. So oder so ähnlich. Du weißt, man darf die Aussagen des Meisters nicht auf die Goldwaage legen.

Wer nun Gitarre spielen kann, kommt auch schnell mit anderen Zupfinstrumenten klar (Mandoline, Balalaika). Ähnlich ist es dann mit Querflöte und Saxophon (allgemein wohl als Holzblasinstrumente bezeichnet). Die Grifftechnik ist ähnlich (statt horizontal eben vertikal), nur der ‚Ansatz’, also die Blastechnik, ist anders, aber bei einem Talentierten schnell umzusetzen. Klavier hat er eigentlich nie gespielt. Auch keine Blechblasinstrumente. Oder wüsste Du, bei welchem Stück? Die Liste der Instrumente, die Anderson halbwegs gut beherrscht, ist sicherlich lang, lässt sich aber meines Erachtens auf diese zwei Instrumentarten beschränken.

Ich will hier keine der besagten Damen (Madonna usw.) in Schutz nehmen. Deren Musik und Bühnengetue gefällt mir auch nicht. Und der erotische Reiz hält sich auch bei einem alten Herrn wie mir in Grenzen. Aber wenn die Damen nichts auf der Rolle hätten, wären sie sehr schnell weg vom Fenster. Ob einem dabei der Gesang usw. gefällt, ist ein anderes Thema. Aber lassen wir das.

Mir würde sicherlich Ian Anderson und seine Musik auch gefallen, wenn er brav auf einem Barhocker sitzend im Stresemann seine Lieder vortrüge. Okay, damals vor nun über 37 Jahren fand ich sein Aussehen mit langer Mähne, Bart und abgelatschten Klamotten ganz stark. Und so bin ich dann auch herumgelaufen. Aber es war, da bin ich mir heute sicher, nicht sein Outfit, was mich begeisterte, sondern … seine Musik! Spätere Wandlungen im Äußeren konnte ich dann weniger nachvollziehen (am wenigsten am eigenen Leib). Manches sah eher bescheuert aus. Wenn ich hier und da meinen Söhnen ein altes Video von Anderson und Co. zeige, dann sind mir die Klamotten eher peinlich und ich sehe mich, wie ich ausdrücklich auf die Musik verweise.

Wie schon so oder ähnlich gesagt: Als junger Mensch sieht man das alles etwas anders. Da legt man mehr Wert aufs Aussehen. Und je auffälliger, desto besser. Das Ganze hat dann sicherlich auch etwas mit Gewöhnung und Zuordnung zu tun. Rockmusiker sind eben auffällig in jeder Beziehung (Sex, Drugs & Rock ‚n’ Roll). Und wenn man schon nicht durch Sex- und Drogenexzesse auffällt, dann eben durch entsprechende Klamotten. Je einfältiger ein Rockmusiker ist, um so mehr vermischt dieser Öffentlichkeit und Privatleben. Genau hier ist es bei Anderson und Co. alles anders. So auffällig sie beim öffentlichen Auftritt sein mögen, um so normaler waren und sind sie es im privaten Leben: Keine im Suff zerstörten Hotelzimmer und kein Lotterleben mit Groupies. Sobald sie die Bühne verließen, kehrte die Normalität wieder ein. Wenn es Exzesse gab, dann verbal, indem Anderson den Journalisten Märchen erzählte. Vielleicht ist das auch ein Grund, dass Jethro Tull noch heute ständig über den Globus tourt. Wenn die Stones nach langer Zeit zu einer Tour aufbrechen, dann muss ein Keith Richards zunächst für Wochen in ein Schweizer Sanatorium zur Dialyse.

Mick Abrahams und die Schweine. Das grenzt wohl an eine Manie, wie der gute Mick immer wieder auf seine Schweine (in jedem 2. Songtitel) zurückkommt. Dann darf man sich nicht wundern, wenn er zunehmend selbst das Aussehen eines Schweines erlangt. Dazu gehören dann auch große Hängeohrringe, die Schweine bekanntlich in der Nase tragen. Dazu ist aber sein Näschen leider etwas zu klein geraten. Aber genug der Schmähungen auch von meiner Seite. Ich finde, Abrahams ist ein sehr passabler Gitarrist. Und er hat einige Stücke geschrieben (ich denke da an die ersten zwei Original-Blodwyn Pig-Scheiben), die es verdienen, in den Rock-Olymp aufgenommen zu werden. Immerhin hat er es ja auch geschafft, mit Musikern wie Ian Anderson und Jack Lancaster zusammen zu arbeiten. Was er heute noch so spielt, wird die Erde nicht mehr in ihren Grundfesten erschüttern. Wer Blues mag, der wird Abrahams mögen.

Für den 17. November bereite ich einen kleinen Beitrag zu Martin Barres 60. Geburtstag vor. Ich habe ein Video, in dem er während eines Tull-Konzertes auch einen eigenen Titel spielen durfte. Ist übrigens seit vielen Jahren so Usus. Zwei seiner drei Scheiben habe ich mir gekauft. Das ist technisch wohlfeile Gitarrenmusik, allerdings manchmal etwas verworren. Martins Gesang? Auf der ersten Scheibe (A Trick of Memory) singt er auch zweimal. Sonst lässt er singen. Und Mitstreiter sind Maartin Allcock, Andrew Giddings, Jon Noyce bzw. Matt Pegg (Dave Peggs Sohn) und andere aus dem Tull- und Fairport Convention-Umfeld.

Im Anhang ein Lied, nicht ganz so repräsentativ für das Barre’sche Musikschaffen, dafür sind die Stücke insgesamt zu unterschiedlich (’mal rockig mit E-Gitarre, dann wieder fast klassisch mit akustischer Gitarre): den Titelsong „A Trick of Memory“ des ersten Albums (Martin singt auch). Fröhliches Lauschen.


Martin Lancelot Barre: A Trick of Memory

Es reicht oder wie der Franzose sagt: ça suffit!
Am Ende des Tunnels erblicke ich wieder Licht: Das nächste Wochenende naht!
Also ein schönes solches.
Wilfried

P.S. Ich habe noch viele alte und neue Videos von Jethro Tull, die bisher bei youtube.com noch nicht zu finden sind (das „Heavy Horses“-Video gab es zwar schon in der Version, aber bisher nur in Kurzfassung). Da youtube.com nichts kostet, werde ich so nach und nach diese dort ‚einspeisen’. Ich habe auch einen eigenen Channel, wie sich das dort nennt, über den man auf alle meine Videos Zugriff erhält. Gestern habe ich allein 5 Videos (u.a. auch das mit Martin Barre) aufgearbeitet und überspielt.

09.11.2006

English Translation for Ian Anderson

WilliZ VideoZ @ youtube.com

DSL-Anschlüsse machen es möglich: Dank youtube.com kann man sich Videos in einer wirklich akzeptablen Qualität anschauen. Und welche Video-Schätze im Privaten schlummerten und jetzt der Öffentlichkeit zur Ansicht gestellt werden, ist erstaunlich. So nutze ich natürlich auch die kostenlos zur Verfügung gestellten Ressourcen bei youtube.com für meine Zwecke. Videomaterial gibt es auch bei mir genug. So nebenbei schone ich meinen Webspace, der leider nicht unerschöpflich ist.

WilliZ VideoZ @ youtube.com: Viel Spaß beim Gucken!

WilliZ VideoZ @ youtube.com

Hier bereits von Willis Jethro Tull Site her bekanntes Material:

Jethro Tull: For a Thousand Mothers (11/28/2000)

Jethro Tull live 28th November 2000 in São Paulo, Brazil with „For a Thousand Mothers“ from Album „Stand Up“ or Viva Via Funchal! or A New Day In São Paulo – broadcast by DirecTV

Jethro Tull: Fat Man (11/15/1983)

Jethro Tull live with „Fat Man“ Rock Classic Nacht/Night at german TV 15.11.1983 – Circus Atlas, München/Munich

Jethro Tull: Back to the Family (1/9/1969)

Jethro Tull live 9th Jan. 1969 at Stockholm Konserthuset with „Back to the family“

Ergänzend hier ein weiteres Video:

Jethro Tull: Living in the Past (5/1/2001)

Jethro Tull live 1st May 2001 with „Living in the Past“ at Wildhorse Saloon, Nashville, TN – Classic Rock at TNN TV

Was ist bloß mit Ian los? Teil 29: Sexy Ian schreibt Noten

Hallo Wilfried,

ich habe Deinen ergänzten Beitrag zur Personalaffäre gelesen. Wenn ich die Zeilen richtig interpretiere, hast Du ganz schön Federn lassen müssen. Das tut mir Leid. „Der Gerechte muss viel leiden.“ Psalm 34, 20.

Disturbed Air gefällt mir nicht, das vermutest Du richtig. Diese Musik enthält keine Elemente, die ich als Wohlklang empfinden würde. Langsam komme ich mir vor wie der gute alte Mephisto: „Ich bin der Geist, der stets verneint…“

Den Text der Hasenfabel als nicht schwierig und tiefsinnig zu bezeichnen ist eine sehr wohlwollende Umschreibung. Gleichgültig, wer dieses skurrile Intermezzo verbrockt hat, Anderson, Hammond oder Evan, Mr. Anderson trägt die Verantwortung dafür. Wenn er eines fernen Tages Einzug in den Pantheon der Musikgötter hält, werden Euterpe und Aoide in deswegen in die Zange nehmen.

Richtig froh bin ich über Deinen freiwilligen Hinweis auf die mannigfaltigen Einnahmequellen des Mr. Anderson. Sonst bin ich oft derjenige, der darauf hinweist.

Mr. Anderson’s Auftritt mit Hut und Anzug kannte ich bereits aus Deiner Videosammlung. Wenn er mir mit diesem Outfit in Düsseldorf auf der Kö entgegengekommen wäre, hätte ich ihn sicher nicht erkannt.

Anderes Thema:
Ich habe vielleicht schon erwähnt, dass ich die Musik von Kate Bush mag. Nach dem Genuss von einigen Bush-Videos in YouTube sind mir einige Gemeinsamkeiten zwischen Kate Bush und Ian Anderson aufgefallen: Beide beziehen sich in ihren Texten und ihrer Musik stark auf ihre britische Heimat und bringen ihre Liebe zu den Inseln zum Ausdruck. Beide sind sehr ausdrucksstarke Künstler. Ihre Darbietungen sind sehr körperbezogen und arbeiten mit extensiver Mimik und Gestik. Beide verfügen über eine große körperliche Geschicklichkeit. Bei Mr. Anderson wirkt(e) der körperliche Einsatz kraftvoll-intuitiv, bei Mrs. Bush bemerkt(e) man ihre Ballettausbildung. Beide Künstler verfügen über eine gewisse erotische Aura. Darauf sind wir im Zusammenhang mit Mr. Anderson noch nie eingegangen. Wenn man sich seine Auftritte in Stretch- oder Strumpfhosen, teilweise mit farblich abgesetzten Suspensorien, vor Augen hält, wird vielleicht klar, was ich meine. An der Erotik der Mrs. Bush wird wohl kein Zweifel bestehen.

Auf Deine Stellungnahme zu diesen Zeilen freue ich mich schon jetzt.

In Erwartung Deiner Gegenrede verbleibe ich
mit schmunzelnden Grüßen

Dein
Lockwood

04.11.2006

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Hallo Lockwood,

ob ich ein Gerechte bin, möchte ich bezweifeln. Aber ich mühe mich. Und Leid tun muss ich Dir nicht, die Personalaffäre war auch sehr lehrreich. Aber wirklich genug.

Zu „Tallis“ und dem Lied Disturbed Air: Es enthält viele klassische Elemente und beweist dadurch, dass David Palmer daran seinen Anteil hatte. Aber mir gefällt es auch nicht. Allein den Gesang finde ich scheußlich. Es kommt aus einer musikalischen Nische, in der sich weitere Tull-Ableger getummelt haben. Ich denke da an den Saxophonisten (und auch Flötisten) Jack Lancaster, der zwar direkt nichts mit Jethro Tull zu tun hatte, aber bei Blodwyn Pig mit Mick Abrahams spielte und auch später immer wieder gern auf Ex-Tull-Musiker zurückgriff (z.B. den Drummer Clive Bunker).

Ich will Jack Lancaster nicht mit Ian Anderson vergleichen. Lancaster ist zwar auch Flötist, aber in erster Linie spielt er Saxophon in den unterschiedlichsten Stimmungen und das Lyricon. Außerdem kommt er mehr aus der Jazz-Rock-Ecke.

In diesem Zusammenhang komme ich kurz auf Deine Frage (und die anderer) zurück, ob Anderson Noten lesen und schreiben kann. Zu meinem Youtube-Video „Ian Anderson/Dee Palmer: Elegy live“ fragt in den Kommentaren jemand an: „Does anyone know if Ian ever learned to read music? He claimed to not know how to read music back in the early 70’s, nonetheless he must have an incredible memory to remember such long pieces by rote.“

Also das unglaubliche Gedächtnis braucht man auch, wenn man Noten lesen kann (aber ohne Notenblätter auftritt). Nach der Aussage konnte also Anderson zunächst keine Noten lesen. Ich erinnere mich, Ähnliches schon woanders gelesen zu haben (Forum von laufi.de?!). Es gibt aber diverse handgeschriebene Notenblätter, die anscheinend die Handschrift Andersons tragen. Ich denke also, dass er sich mit seinem Hang zur Perfektion auch das Notenlesen und –schreiben mit der Zeit angeeignet haben muss. Vielleicht mit Unterstützung von David Palmer.

Jack Lancaster dürfte das Lesen und Schreiben von Musik auf jeden Fall beherrschen, denn er hat sich u.a. durch Adaptionen klassischer Stücke hervorgetan, z.B. in der Neuinterpretation von Sergei Prokofjews ‘Peter und das Wolf’, einem Projekt, an dem u.a. auch Manfred Mann, Phil Collins, Gary Moore, Alvin Lee und Cozy Powell teilnahmen. Oder mit dem niederländischen Keyboarder Rick van der Linden 1979 in der elektronischen Umsetzung von Carl Orffs Chorsatz „O Fortuna“ aus Carmina Burana.

Der Gruppe Tallis ähnlich klingen die Produktionen der Gruppe „Aviator“ ebenfalls aus dem Jahre 1979, in der neben Jack Lancaster auch Clive Bunker spielte. Danach gab es dann wohl noch u.a. die Solo-CD „Skinningrove Bay“ aus 1981 von Lancaster, auf der u.a. auch wieder Phil Collins und Clive Bunker mitmischten. Es handelt sich dabei wohl um alte Seilschaften (u.a. besteht eine Verbindung zwischen Collins und Lancaster über die Gruppe ‚Brand X’). Danach spielte er wohl wieder mit Mick Abrahams’ Blodwyn Pig zusammen.

Ähnlich wie Maartin Allcock, der 1988/89 bei Jethro Tull u.a. die Keyboards gespielt hatte („Rock Island“) und aus der Fairport Convention-Ecke kommt, hat sich Lancaster eine Zeitlang mit Komposition für Videospiele und Soundtracks über Wasser gehalten und als Studiomusiker bei diversen Plattenveröffentlichungen mitgewirkt. Zumindest letzteres ist bestätigt.

Genug des Exkurses. Aber die Tull-Landschaft beschränkt sich nicht nur auf Herrn Anderson.

Wie bescheiden Du bist: „Ich habe vielleicht schon erwähnt, dass ich die Musik von Kate Bush mag.“ Du hast es bereits öfter erwähnt und mehr als nur ‚erwähnt’. Ich gestehe, dass ich auch mehrere Scheiben von Kate Bush habe (auch diese als Vinyl -LPs). Es ist wohl die Stimme, die mich fasziniert hatte: engelsgleich. Und sicherlich wird mich auch „eine gewisse erotische Aura“ an der guten Kate nicht gestört haben. Bevor ich in diesem Zusammenhang auf Herrn Anderson zu sprechen komme, eine sehr banale Feststellung: Wer heute als Musiker bzw. Sänger seine Lieder an die Leute bringen will, muss auch in seinem ‚körperlichen Einsatz’ einiges bieten. Guck Dir einmal Videos von Britney Spears oder Christina Aguilera an, dann weißt Du, was ich meine. Da spielt allerdings das ganze Dumherum meist eine größere Rolle als die Musik.

Wer also etwas werden will, muss nicht nur gut singen, sondern muss in den Video- und Live-Auftritten auch die optischen Wünsche des Hörers/Zuschauers befriedigen können. Besonders für ‚Außenstehende’ wird Jethro Tull in erster Line durch Ian Anderson verkörpert: Der Mann, der die Flöte auf einem Bein spielt! Und Kate Bush ist neben dem engelsgleichen Gesang auch körperlich eine Feengestalt.

Optik hat dabei sicherlich viel mit Erotik zu tun. Bei Kate Bush ohne Frage. Bei Herrn Anderson und seinen Jungs … Also mich haben seine Strumpfhosen nicht gerade angemacht. Und seine obszönen Gesten mit der Flöte fand und finde ich besonders heute eher peinlich, gehört aber eben dazu (und ist heute eine Art der Selbstparodie). Für meine Frau, die dazu eher etwas sagen könnte, ist und war Ian Anderson nie ‚ihr Typ’. Vielleicht bin ich zu sehr heterosexuell orientiert, aber viel Erotik kam da für mich nicht ’rüber. Es war lustig anzuschauen, mehr aber auch nicht. Und wenn ich meiner Interpretierlinie treu bleiben soll: Es war nicht viel anderes als die Verarschung sexueller Symbolik. Herrn Mick Jagger sagt(e) man nach, mit einer Hasenpfote an entsprechender Stelle nachzuhelfen. Bei Ian Anderson hätte es mich nicht verwundert, wenn er aus seinem Schritt z.B. ein weißes Kaninchen gezaubert hätte.

Sexy Ian

Vielleicht hast Du es schon gesehen: Das „Heavy Horses“-Video habe ich in etwas besserer Qualität jetzt bei youtube.com abgelegt. Bisher gab es dort nur eine Kurzfassung. Auch auf meiner Website rufe ich jetzt das Video von youtube.com aus auf.

Jetzt ist aber genug.
Eine gute Woche
wünscht Dir Wilfried

P.S. Im Zusammenhang mit Jack Lancaster bin ich auf eine interessante Site gestoßen, die die diversen Verbindungen (Family Trees) einzelner Musiker zu den Bands, in denen sie gespielt haben, aufzeigt. Leider nicht vollständig, aber immerhin. Apropos Family Tree: Etwas Entsprechendes muss ich auch in meiner Sammlung haben.

P.P.S. Lass Dir aus gegebenem Anlass etwas Angemessenes einfallen: Am 17. November wird Martin Barre 60 Jahre alt. Über ihm haben wir bisher nur am Rande (stage left) geschrieben. Er hat ohne Zweifel mehr verdient. Kennst Du übrigens seine Solo-Alben?

06.11.2006

English Translation for Ian Anderson

Wenn der Sohn wie der Vater …

Es ist lange her, da habe ich in einer Band die Bassgitarre gespielt. Die Söhne tun es ja oft den Vätern gleich. Nachdem mein Ältester Jan bereits als Sänger in einer Schülerband mit dem schönen Namen ShAucelfAert mitgewirkt hatte, will er jetzt eine neue Band gründen. Und da Bassisten meist Mangelware sind, so habe ich ihm empfohlen, es einmal mit dem Bassspielen zu versuchen. Immerhin habe ich noch meine Bassgitarre aus alten Zeiten. Ist zwar kein Fender-Bass, nur eine japanischer Ibanez, wenn auch mit Fender-Tonabnehmern bestückt. Auch hat „mein“ Bass wenig mit den Ibanez-Modellen heutiger Tage gemeinsam, es ist ein Fender-Nachbau (immerhin hat er 30 Jahre auf dem Gitarrenrücken und ähnlich wie im Autobau glänzten die Japaner früherer Jahre zunächst durch den gelungenen Nachbau bekannter Marken).

Ibanez- Bass mit Bass-Combo

Nun, mein Sohn tut es mir nach. Er ist fleißig dabei zu üben. Bassspielen ist ein hartes Brot, aber es macht auch Spaß. Weiter so …

Was ist bloß mit Ian los? Teil 28: Back to the Roots?

Hallo Wilfried,

Deinen Beitrag über die unverständliche Personalentscheidung habe ich gelesen. Auch in meinem Betrieb kann man hin und wieder beobachten, wie der Betriebsrat unverständliche Entscheidungen fällt oder zumindest mitträgt. Ich habe schon erlebt, dass Betriebsratmitglieder ihre besonderen Schützlinge auf Kosten anderer Kollegen protegieren. Ich fürchte, dieses Problem ist so alt wie das Betriebsverfassungsgesetz und wird sich so schnell nicht lösen lassen. Vielleicht bei den nächsten Betriebsratswahlen, aber wer weiß…

Über den englischen Wikipedia-Beitrag zu Mr(s) Palmer habe ich mich gefreut. Wenigstens im anglikanischen Sprachraum weiß man ihn durch einen Eintrag zu würdigen. Aus diesem Beitrag habe ich erfahren, dass Palmer zusammen mit John Evan die Band verlassen hat, als Mr. Anderson meinte, sich dem elektronischen Zeitgeist unterwerfen zu müssen. Das lässt doch tief blicken und hätte auch Mr. Anderson, selbst bei voller Berücksichtigung seiner total(itär)en Autorität, zu denken geben müssen. Hat es aber nicht und die Folgen sind bekannt.

Meine Aussage, dass kein Künstler so schlecht mit Playback umgehen kann wie Mr. Anderson, ziehe ich zurück: In der Zwischenzeit habe ich einige Videos von Gary Glitter angesehen. Dessen Playback-Künste bewegen sich jenseits aller Kritik. Allerdings macht Gary Glitter deutlich, dass meine „Guter Musiker = schlechter Playbackartist“ – Theorie nicht uneingeschränkt gilt.

Deine Übersetzung der Hasenstory finde ich sehr gelungen ! Du musst damals etwa Mitte 20 gewesen sein. Eine reife Leistung ! Mindestens eben so groß wie die Leistung der Übersetzung finde ich Deine Fähigkeit, auf 30 Jahre alte Manuskripte zurückgreifen zu können. Ich finde schon nicht mehr wieder, was ich vor zwei Wochen geschrieben habe.

Die Geschichte des Hasen finde ich wirklich etwas skurril. Okay, das ist eben der Stil des Meisters. Aber die Brillen-Posse zerreißt das Album in zwei Hälften. Die Durchgängigkeit des Passion Play leidet darunter sehr. Es ist nicht länger „ein Stück aus einem Guss“. Der Hase drängt sich zwischen die Harmonien wie das Richtbeil zwischen die Halswirbel. Falls Mr. Anderson seine Fabel an den Schluss des Albums platziert hätte, wäre weniger Schaden angerichtet worden. Zu Beginn der Platte hätte es nicht sein dürfen; dann hätte kaum jemand das Album zu Ende gehört. (Das war meine Anderson-Schmähung für heute.)

Als Hintergrundmusik eignen sich die Göttertänze in der Tat. Die ganze CD hat etwas von Meditationsmusik, zumindest in weiten Teilen. Indem das Album spirituelle Energien freisetzt, wird es seinem Titel voll gerecht. In den letzten Wochen und Monaten habe ich gelernt, dass Mr. Anderson über zu viel Kreativität verfügt, um sich ausschließlich mit Folkmusik zu befassen. Jedenfalls ist sein musikalischer Horizont weiter gesteckt als mein Musikgeschmack. Ich kann mich eben nur an einer Teilmenge seines Schaffens erfreuen.

Viele Künstler gehen in ihren reiferen Jahren „back to the roots“. So vielleicht auch irgendwann Mr. Anderson. Möglicherweise überrascht er uns eines Tages mit einem neuen Folk-Album.

Es sieht so aus, als müssten wir mit dem Schreiben einen Zahn zulegen. Der Vorrat an mails für Dein Weblog schmilzt schneller als wir tippen können. In den nächsten Tagen werde ich mich verstärkt um die schulischen Leistungen meiner Söhne kümmern. Ich hoffe, dass mir noch Zeit bleiben wird, Mr. Anderson in den Himmel zu loben.

Ich lese, also bin ich.
Viele Grüße an die Familie !
Lockwood

03.11.2006

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Hallo Lockwood,

wir hatten vor kurzem Betriebsratswahlen. Hilft also auch nichts. Vergessen wir das Thema. Es ist einfach traurig, so viel Missgunst, Ignoranz und Inkompetenz an einer Stelle zu sehen. Und das betrifft nicht nur den Betriebsrat, sondern auch die Betriebsführung. Übrigens habe ich den Beitrag den Umständen ‚angepasst’. Zumindest der Personalchef kennt meine Website und könnte auf dumme Ideen kommen …

Na, jetzt hast Du es offen gelegt: Elektronischer Zeitgeist und so und der Weggang von David Palmer, dem halbväterlichen Mentor, und Alt-Kumpel John Evan, das konnte ja nur in die Hose gehen. Aber mit der Gruppe „Tallis“ wurden David Palmer und John Evan, auch Drummer Barriemore Barlow war daran beteiligt, nicht gerade glücklich, sodass sich Palmer mit dem Arrangieren der Orchesteralben (neben Jethro Tull ja auch Queen, Genesis usw.) befasste. Übrigens, Williz Tull-Archiv hat eine Aufnahme von der Gruppe ‚Tallis’, heißt ‚ Disturbed Air’ und … dürfte Deinem Geschmack nicht gerade entsprechen, oder? Die MP3-Datei als Anhang. Ich bin irgendwie über mein zeitweises Abo von dem Tull-Fan-Magazin „A New Day“ an eine CD gekommen, die u.a. auch noch andere interessante Stück enthält. Leider finde ich die Inhaltsangabe der Scheibe nicht (ist in einer Ausgabe von ‚A New Day’).

Tallis: Disturbed Air

Mit ‚Passion Play’ im Zusammenspiel mit der Hasengeschichte gebe ich Dir Recht. Als ich mir die CD zugelegt habe, ich hatte diese Scheibe lediglich als LP, hoffte ich, dass man „The Story of the Hare“ als eigenen Track behandeln würde. Aber wie auf der LP gibt es ja nur zwei Tracks. Das hat mich etwas geärgert. Gut, man kann sich das Ganze ggfs. selbst zusammenschneidern.

Zum Text: Der ist natürlich nicht so schwierig und tiefgründig wie andere Anderson-Texte, wobei ich denke, dass dieser auch gar nicht von Anderson ist, zumindest nicht allein. Auf der Scheibe werden als Autoren Jeffrey Hammond-Hammond, John Evan und Ian Anderson genannt – in dieser Reihenfolge. Also dürfte der gute Jeffrey der Urheber sein. Die Übersetzung lag im Cover der LP, also dort, wo man ihn zur passenden Zeit wiederfindet. Damals hatte ich mich auch an die Übersetzung von ‚Thick as a Brick’ gemacht. Bin, wie schon einmal erwähnt, bis zu der Biggles-Textstelle gekommen („Where the hell was Biggles …!“). Den Text habe ich dann nach diversen Umzügen wohl doch versusst (verlegt, verloren).

„Back to the roots“ – in gewisser Hinsicht könnte man die Orchestertouren so sehen. Zum einen ist das eine ganz ordentliche Einnahmequelle (das Copyright an den Tull-Stücken und am Trademark ‚Jethro Tull’ dürften Anderson gehören): zeitweise war die CD (oder DVD) sogar in den deutschen Charts vertreten. Zum anderen braucht Herr Anderson nicht mehr wie ein Derwisch über die Bühne turnen – mit einem Orchester im Rücken gehört sich das eben nicht. Und trotzdem darf und kann der Meister seine alten Stücke vortragen. Aber an ein Folk-Album glaube ich dann doch nicht.

In diesem Zusammenhang: Ende dieses Monats ist Ian Anderson ja mit einer Acoustic Tull Tour with Ann Marie Calhoun in den Niederlanden und Skandinavien unterwegs. Neben der Geige und Anderson wird wohl auch Martin Barre mitmischen. Ansonsten? Keine Ahnung. Aber immerhin ist es erfreulich, den Namen Martin Barre einmal wiederzuhören, wenn es um Konzertauftritte geht.

Mit Deinen Anderson-Schmähungen kommen meine Lockwood-Ärgernisse kaum mit. Aber Du lässt Dich ja nicht ärgern. Der Meister hatte sich anlässlich der ZDF-Spendengala des ZDF für die Tsunami-Opfer bereit erklärt teilzunehmen und mit Mandokis ‚Soulmates’ irgendwann im Januar 2005 einen Kurzauftritt mit Lennons ‚Imagine’. Und da er nicht nur auf eigene Kosten angereist war und auf Gage verzichtete, so ließ er auch seine Kopftuch-Sammlung zu Hause. Stattdessen kreierte er einen neuen Gutsherrenlook mit legerem Jackett, (Stroh-?/Panama-?) Hut und Sonnenbrille. Ja, Ian Anderson entpuppt sich mehr und mehr als Meister der Verkleidung. Oder hättest Du auf Anhieb erkannt, wer der schicke Herr mit Flöte ist?

Ian Anderson bei der ZDF Spendengala 2005

Ein schönes Wochenende Dir und Deinen Lieben.
Auch viele Grüße.
Wilfried

04.11.2006

English Translation for Ian Anderson

Musikvideos: Gentle Giant

Neben Jethro Tull zählt für mich die Gruppe Gentle Giant zu den interessantesten Vertreter des Artrocks (obwohl ich diese Schublädchen wie Artrock oder Progessive Rock nicht so mag). Besonders die ersten Alben der Band haben es mir angetan. Leider wurde der Stil zunehmend geändert, um kommerzielle Erfolge zu erzielen, was dann aber nicht eintraf. So löste sich die Gruppe viel zu früh auf.

Über youtube.com sind allerdings noch viele Videos von Gentle Giant im Internet zu betrachten, auch einige der Stücke, die ich besonders mag:

Gentle Giant – Octopus Medley (London 07/26/74)

Gentle Giant – On Reflection (London 01/05/78)

Gentle Giant – Funny Ways

Gentle Giant – Proclamation

Gentle Giant – Give It Back (London 07/26/76)

Cogs in Cogs – The Power and the Glory

zuletzt: Gentle Giant-Isn’t it Quiet and Cold – als Animation

siehe auch meinen Beitrag: Gentle Giant: The Advent of Panurge

Was ist bloß mit Ian los? Teil 27: Playback & Die Hasengeschichte

Hallo Wilfried,

es mag Dich befremden, aber nach Deiner letzten mail hatte ich ganz einfach den Eindruck, mich rechtfertigen zu müssen.

Deine Einschätzung zum überzogenen Bombast von Pink Floyd teile ich. Zumindest was The Wall betrifft. Aber ich denke, The Wall ist für PF ebenso wenig repräsentativ wie Locomotive Breath für Jethro Tull. PF haben auch ruhigere, bescheidenere Alben herausgebracht. Ich denke da an Dark Side of the Moon oder Wish you were here. Allerdings würde ich nicht soweit gehen, mich als Pink Floyd – Fan zu bezeichnen. In meinen Augen liegt der größte Verdienst von David Gilmour darin, Kate Bush auf den Weg gebracht zu haben.

In einem Punkt bin ich wieder einmal anderer Ansicht als Du. Ich fürchte, Du unterschätzt Bohlen & Co: Leute wie diese könnten selbst Locomotive Breath noch versauen. Obwohl: So schlecht finde ich den Song gar nicht. Da hat Mr. Anderson schon ganz andere Sachen produziert…

Vielen Dank für den Link auf Elegy. Hierbei habe ich gestutzt. In Deiner mail schreibst Du „Noch-David“; die Aufnahme ist aus 2002 und liegt damit deutlich vor seiner Operation. Allerdings hatte ich bei dem Video den Eindruck, er habe den Geschlechtswechsel schon vollzogen: Andere Frisur, bartlos, geschlechtsunspezifische Kleidung (oder vielleicht ein Damen-Kostüm; konnte ich nicht genau erkennen). Vielleicht hat er diesen schweren Schritt in mehreren kleinen Schritten vollzogen: Erst eine Änderung der Physiognomie und dann erst zum Chirurgen. Wie Du schon sagtest: Eine solche Entscheidung erfordert sehr viel Mut und verdient unseren Respekt. Ob Mrs. Palmer nun besser aussieht als Mr. Palmer in der Vergangenheit, ist dabei vollkommen nebensächlich. So oder so: Mit Elegy hat er sich unsterblich gemacht. Ein hervorragendes Stück Musik. Falls ich es nicht vergesse, werde ich testamentarisch verfügen, dass dieses Lied bei meiner Beisetzung gespielt wird. Mit Querflöte natürlich.

Während ich diese mail schreibe, läuft JT – Musik von YouTube. Dort sah ich eben einen Fernsehauftritt der Gruppe aus den 70er Jahren: Solstice Bells. An dieser Stelle erfolgt nun meine obligatorische Kritik: Ich kenne keinen Profi-Musiker, der so schlecht mit Playback umgehen kann wie Mr. Anderson. Dies ist allerdings keine reine Kritik, sondern eine ambivalente Feststellung: Das Unvermögen, eine Musikdarbietung „vorzutäuschen“, spricht in meinen Augen für die Qualität des Musikers !!

Ich gebe zu, dass meine Frage nach einem repräsentativen Stück von JT nur schwer zu beantworten ist. Das kann vielleicht nicht einmal Mr. Anderson. Ich denke, das repräsentative Stück von JT gibt es nicht, gibt es von keinem Künstler. Gerade deswegen danke ich Dir für Deine Antwort. Ich beantworte diese Frage mit Heavy Horses. Erstens, weil das eines der ersten Lieder von JT ist, die ich bewusst wahrgenommen habe und zweitens, weil mir Mr. Anderson in seinem Farmer- oder Gutsherrenlook besonders gut gefällt und damit auch glaubwürdig wirkt. Jedenfalls authentischer als mit …..Aber lassen wir das !

An dieser Stelle ein Minuspunkt für Wikipedia: Über Dave Palmer ist hier nichts zu finden, wohl aber über G.G. Anderson (der nicht mit dem Meister verwandt ist !). Das ist grotesk. Dieser Zustand ist unerträglich. Falls ich genug Material zusammentragen kann, werde ich einen Artikel für Wikipedia über Mr. Palmer schreiben.

Spätestens, wenn ich die Partituren zu den JT-Liedern sehe, frage ich mich, wann und wie Mr. Anderson das alles gelernt hat. Musik gehörte doch nicht zu seiner beruflichen Ausbildung, oder ? Weißt Du mehr hierüber ?

Vor einer Minute entdeckte ich auf YouTube einen Auftritt von JT aus 1972: Thick as a Brick. Es ist die bisher älteste Version dieses Stücks, die ich gesehen habe. Die Choreographie der Anderson’schen Bewegungsabläufe ist hier noch eine Andere als 3 Jahre später. Es ist interessant zu sehen, wie sich so etwas im Laufe der Jahre entwickelt.

Bleibe anständig, so lange es irgendwie geht.
Yours tulltruly
Lockwood

25.10.2006

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Hallo Lockwood,

hat etwas gedauert, bis ich Dir endlich antworte. Vielleicht hast Du meinen Beitrag von heute gelesen. Das hat mich wirklich diese Tage lang geradezu geschafft. Da arbeitet bei uns ein junges Mädel (25 Jahre alt), wird von Arbeitsvertrag zu Arbeitsvertrag vertröstet, macht sogar ein Abendstudium mit gutem Abschluss und weil es die böse Kollegin nicht will, sitzt sie plötzlich auf der Straße. Das ist eine äußerst verwickelte Sache. Sie zeigt mir nur, wie viele Arschlöcher frei herumlaufen. Ich habe mich inzwischen an Betriebsrat und Geschäftsstellenleitung gewandt, aber ich ahne jetzt bereits, dass man sich nur herausreden wird. Am Ende ist alles vergebliche Liebesmüh, zum Kotzen eben! Da hatte Herr Anderson zunächst hinten anzustehen.

Wikipedia und Palmer – wenigstens im englischsprachigen Bereich gibt es einen kurzen Artikel: Dee Palmer. Palmer und Jethro Tull, das ist schon eine Beziehung, die man noch genauer betrachten müsste.

Anderson und Playback-Auftritte: Es gibt da die DVD „The Rolling Stones – Rock and Roll Circus“. Ein kurioses Musikdokument, wie ich finde. Da sind doch tatsächlich Ian Anderson und seine Mannen von Mick Jagger und Co. zu diesen TV-Auftritt eingeladen worden. Und so findet man plötzlich auch John Lennon zwar nicht neben, aber doch in der Nähe von Jethro Tull. Der Vortrag von „A Song for Jeffrey“ ist aber eindeutig Playback. Ich habe die DVD-Aufnahme und da sieht man es etwas besser. Da spielt Tony Iommi, der für Mick Abrahams kam, aber schon Tage darauf durch Martin Barre ersetzt wurde. Gottlob! Das Gitarrenspiel klingt aber eindeutig nach Abrahams (ist wohl das Original von dem Album „This was“). Und Glenn Cornick bläst die Mundharmonika? Was der gute Tony Iommi da auf der Klampfe herumhantiert, ist reichlich ungelenk. Andersons Bewegungen usw. laufen dagegen sehr viel synchroner mit der Musik ab. Es kann natürlich sein, dass Anderson und Mannen (außer Tony) das zuvor etwas ausführlicher geübt haben. Wenn man schon von den Stones eingeladen ist, so will man sich keine Blöße geben. Zu Deinem Beispiel „Solstice Bells“ findet man bei Laufi.de folgendes Info:

„Top Of The Pops“ (UK TV) 25.12.1976

Recht überraschend -wahrscheinlich auch für die Band- und vor allem kurzfristig schaffte es die in limitierter Auflage veröffentlichte Single „Ring Out, Solstice Bells“ Weihnachten 1976 in die UK Charts und somit auch in die Weihnachtsausgabe von „Top Of The Pops“. Das -vorerst- letzte mal, daß Jethro Tull in dieser Show dabei waren. Die Show wurde am 25.12.1976 ausgestrahlt, das genaue Datum der Aufzeichnung ist mir nicht bekannt, kann aber nur wenige Tage vorher gewesen sein.

Das lässt vermuten: Tull hatte keine Playback-Übung in dieser Zeit und der Auftritt kam kurzfristig: daher lief das nicht so wie gedacht. Grundsätzlich stimme ich Dir zu: „Das Unvermögen, eine Musikdarbietung „vorzutäuschen“, spricht in meinen Augen für die Qualität des Musikers !! “

Und recht fruchtlos ist es, wenn man zu Playbacks von alten Stücken mimen soll, Stücke, die man längst umarrangiert hat (z.B. Locomotive Breath).

Zu der Frage nach einem repräsentativen Stück von JT. Eine Gemeinsamkeit haben wir: Du empfiehlst auch ein Stück, das Du als eines der ersten Lieder von JT bewusst wahrgenommen hast.

Auch wenn Du „The Story of the Hare” nicht so besonders findest, es ist einige Jahre her, da hatte ich mich daran gesetzt, den Text zu übersetzen. Jetzt habe ich meine bescheidene Übersetzung tatsächlich wiedergefunden. Wie genau diese nun ist, habe ich nicht erneut überprüft. Ich habe zumindest versucht, ein bisschen die Sprachmelodie beizubehalten, was bekanntlich alles andere als einfach ist. Hier der Versuch:

Die Geschichte vom Hasen, der seine Brille verlor

Eule liebte es, in Ruhe zu verweilen, wenn keiner sie beobachtete. Eines Tages saß sie auf einer Hecke, war überrascht als plötzlich ein Känguru ganz dicht bei ihr vorbeirannte.

Nun das mag nicht seltsam erscheinen, aber als Eule Känguru zufällig zu sich selbst flüstern hörte: „Der Hase hat seine Brille verloren“, nun, da begann sie sich zu wundern.

Bald kam der Mond hinter einer Wolke hervor, und dort liegend im Rasen war Hase. In dem Bach, der beim Grase floss … ein Wassermolch. Und mit gespreizten Beinchen bei einem Zweige eines Busches saß … eine Biene.

Scheinbar antriebslos (regungslos) zitterte vor Erregung der Hase, ohne seine Brille schien er völlig hilflos zu sein. Wo war seine Brille? Sollte einer sie gestohlen haben? Hatte er sie verlegt? Was hatte er getan?

Die Biene wollte helfen. Und mit dem Gedanken, die Antwort zu haben, begann sie: „Du hast sie wahrscheinlich gegessen, dachtest sie wäre eine Mohrrübe.“

„Nein!“ unterbrach die Eule, sie war weise. „Ich habe gute(s) Weitsicht (Sehvermögen), Einsicht und Voraussicht. Wie kann ein intelligenter Hase solch einen dummen Fehler machen?“ Während der ganzen Zeit saß Eule mit finsterer Miene auf der Hecke.

Da Känguru musste wie wild springen: bei so einer Art von Gespräch! Sie dachte sich, was Intelligenz anbelangt weit den anderen überlegen zu sein. Sie war deren Führer, deren Guru. Sie hatte die Antwort: „Hase, du musst dich auf die Suche nach einen Optiker machen.“

Aber dann merkte sie, dass Hase völlig hilflos ohne seine Brille war. Und so verkündigte das Känguru voller Stolz: „Ich kann den Hasen zu nichts auf die Suche schicken!“

„Du kannst, Guru, du kannst!“ rief der Wassermolch. „Du kannst ihn mit der Eule schicken.“ Aber die Eule war schon schlafen gegangen.

Der Molch wusste zu viel, um sich von so einem kleinen Problem beirren zu lassen. „Du kannst ihn in den Beutelbauch nehmen.“ Aber, oh, weh, der Hase war viel zu groß, um in den Kängurubeutel zu passen.

Die ganze Zeit über war es dem Hasen ganz klar, dass die anderen nichts über Brillen wussten. Und was all ihre verlockenden Ideen betraf, so konnte sich Hase nicht darum kümmern.

Die verlorene Brille war seine eigene Angelegenheit.
Und schließlich hatte der Hase eine Ersatzbrille.

übersetzt von Willi 26.05.1977 (das ist ja schon Jahre her)

Meinem großen Sohn Jan hatte ich, als er noch klein war, das Video vorgespielt. Er fand „Die Geschichte …“ ganz witzig und wollte sie öfter wiedersehen.

youtube.com: Ist ja eine schöne Möglichkeit, etwas eigenen Webspace, wie man die Speicherkapazitäten auf einem Web-Server nennt, zu schonen. Leider ist der nicht unbegrenzt und kostet auch bisschen was. Und youtube.com hat ja auch schon einiges an sehenswerten Tull-Videos, die man dann ganz einfach in seine eigene Website einbauen und somit nutzen kann.

Hierzu – ich weiß: Die Solo-Scheiben von Anderson finden auch nicht Deinen ungeteilten Beifall. Die Musik der „Divinities“-CD eignet sich aber sehr gut z.B. für die Hintergrundmusik von Urlaubsvideos. Und so habe ich ein längeres Stück für das Urlaubsvideo Kalabrien 2001 genommen (auch hierfür habe ich jetzt youtube.com genutzt). Klingt mit den Bilder doch ganz passabel, oder?

Für heute genug. Du liest, ich lese (lebe) noch.
Bis bald

Wilfried

30.10.2006

English Translation for Ian Anderson