Hagenbecks Tierpark 1992: Aquarium

Nicht erst seitdem ich Kinder habe, gehört es zur Tradition, mindestens einmal im Jahr Hagenbecks Tierpark in Hamburg zu besuchen. Als ich selbst Kind war, besuchte ich öfter mit meinen Eltern oder von der Schule aus diesen Zoo in Hamburg.

Ich bin jetzt dabei, alte selbst aufgenommene Videoaufnahmen zu ordnen und bin dabei u.a. auf Aufnahmen von einem Besuch bei Hagenbeck aus dem Jahre 1992 gestoßen. Sehenswert ist nach wie vor das Aquarium des Tierparks. Hier ein Zusammenschnitt aus dem Video:

Was ist bloß mit Ian los? Teil 26: Kashmir & Elegy

Hallo Wilfried !

Gegensätzliche Meinungen und kein Ende abzusehen !

Wenn ich Mr. Anderson durch die Mühlen meiner persönlichen Kritik drehe, werde ich damit dem Anspruch gerecht, den Du im Prolog zur neuen Rubrik formuliert hast: „…eine unkritische Anbetung wird es nicht geben…“.

Wenn Du konstatierst, dass ich Mr. Anderson wieder und wieder kritisiere, darfst Du nicht vergessen, dass er der einzige Künstler ist, mit dessen Werk ich mich sehr intensiv befasse. Warum befasst man sich intensiv mit einem Künstler ? Weil man ihn schlecht findet, ihn ablehnt, ihn nicht mag ?

Ich habe es an anderer Stelle bereits geschrieben: Mr. Anderson ist für mich der Größte. Aber auch er steht nicht jenseits aller Kritik; zumindest nicht bei mir. Ich denke, in einer Schriftensammlung, die nach eigener Aussage kritisch mit einem Thema umgeht, sollte Kritik auch erlaubt sein. Natürlich, das sei an dieser Stelle noch einmal ausführlich erwähnt, handelt es sich bei meinen negativen Äußerungen stets um persönliche Eindrücke; sie erheben keinesfalls den Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Zu Kashmir:
Das Gekrächze auf der Geige der guten Mrs. Micarelli trägt in meinen Augen wirklich nicht dazu bei, die Coverversion von JT gut zu finden. Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass einige Lieder so eng mit ihren Original-Interpreten verbunden sind, dass alle potentiellen „Coverer“ gut beraten wären, die Finger davon zu lassen. Kashmir ist ein solches Lied. Dieser Song gehört zu Led Zeppelin wie der Schwanz zum Hund. Jeder andere kann sich daran nur die Finger verbrennen. Stell‘ Dir vor, Modern Talking hätten damals Locomotive Breath gecovert. Hätte dabei etwas Gutes herauskommen können ?

Dass Mr. Palmer auf dem Warchild-Cover Gottvater darstellt, ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern steht, wenn ich mich recht erinnere, im Booklet dieses Albums. Natürlich in englischer Sprache. Möglich wäre, dass meine bruchstückhaften Kenntnisse dieser Sprache mir einen Streich gespielt haben.

In meiner letzten mail fragte ich Dich nach dem Lied von JT, dass in Deinen Augen die Gruppe am besten repräsentiert. Hast Du das überlesen oder war die Frage zu dumm, um darauf zu antworten ?

Es bleibt dabei: Ian Anderson ist der Größte !
In dieser Gewissheit verbleibe ich
Lockwood

24.10.2006

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Hallo Lockwood,

was rechtfertigst Du Dich so ausführlich? Habe ich Dir den Mund verboten, nein! Es ist doch schön, wenn wir so gegensätzlich debattieren können. Aber genug …

Zu Kashmir mag ich eigentlich nichts Weiteres sagen. Led Zeppelin waren mir damals schnuppe und sind es mir heute auch. Natürlich kenne auch ich das eine oder andere Stück von denen. Aber es hat mich nichts wirklich vom Hocker reißen können. Ähnlich geht es mir mit Pink Floyd. Die waren mir z.B. zu pompös, wenn Du weißt, was ich meine: zu dick aufgetragen! Ähnlich geht es mir mit der Cover-Version von Kashmir. Das liegt in erster Linie an meiner subjektiven Einstellung und weniger an den Fähigkeiten der Musiker (ich höre gerade im Hintergrund Pink Floyds „The Wall“, na ja …).

Modern Talking und Locomotive Breath? Warum eigentlich nicht. Es ist nicht unbedingt das Stück von Tull, das ich repräsentativ und überhaupt gut finde. Da können auch Bohlen und Co. nicht viel kaputt machen.

Von Warchild habe ich nur (nur ist gut) die Vinyl-LP. Es liegt zwar ein Blättchen bei, aber das enthält nur die Texte. Von daher bin ich auch gar nicht auf die Idee gekommen, David Palmer entsprechend zu klassifizieren. Aber er war sicherlich so etwas wie ein väterlicher Freund von Ian Anderson, der ihn auch in musikalischen Dingen unterstützend zur Seite stand. Gottvater ohne Gott. Auch übrigens: Das wohl 2002 aufgenommene Video mit Noch-David Palmer und Ian Anderson habe ich gefunden (ich muss meine Festplatte wirklich einmal ausmisten, ist schlimmer als in den Ställe des Augias). Ich habe mich bei youtube.com angemeldet. Dort findest Du das gute Stück namens Elegy.

„Stell‘ Dir vor, Du müsstest jemandem, der JT nicht kennt, ein Lied der Gruppe nennen, das repräsentativ für das musikalische Werk der Gruppe steht. Nur ein Lied.“ Deine Frage habe ich nicht vergessen. Was soll ich darauf antworten? Eiskalt wie ich bin: Living in the Past. Unbedingt repräsentativ ist das nicht. Aber es war das erste Stück, das ich von Tull gehört habe und das das Feuer in mir gelegt hat, das heute noch brennt – um es einmal ganz dick aufgetragen zu formulieren. Damals war an „Thick as a Brick“ und dergleichen noch gar nicht zu denken. „Living in the Past“ ist in einem schönen 5/4-Takt, was auch nicht alle Tage vorkommt und so schon etwas aus dem 4/4-Takt-Einerlei heraussticht.

Jethro Tull: Living in the Past - Notenauszug

Für heute genug.
Bis bald
Wilfried

24.10.2006

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Hallo Lockwood,

Ein Nachtrag zu Palmer und Gottvater: Das englische godfather (so wird es doch wohl im Booklet heißen) hat nicht viel mit dem deutschen Gottvater zu tun. Es bedeutet nur Pate, Patenonkel usw. und ist sinngemäß ein Vater, der von Gott eingesetzt wird. Also ein Ersatzvater. Das kommt meiner Einschätzung der Rolle Palmers zu Ian Anderson sehr nahe. Er war eine Art Vaterfigur, wenn auch im Wesentlichen musikalischer Art.

Gruß
Wilfried

25.10.2006

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Hallo Wilfried,

den genauen Wortlaut des Booklets kriege ich im Moment nicht hin. Ich halte es für denkbar, dass dort nicht der Begriff Godfather stand, sondern Gott, und ich das nur mit Gottvater übersetzt habe.

Die Kostümierung des Mr. Palmer auf Warchild zeigt eher eine Figur, die an Gott erinnert (oder so, wie er Jahrhunderte lang in der Kunst dargestellt wurde) als an einen Patenonkel. Ich werde es im Booklet nachlesen, dann haben wir Klarheit.

Viele Grüße
Lockwood

25.10.2006

English Translation for Ian Anderson

Kürbisse zu Halloween 2006

In diesem Jahr sind bei uns die Kürbisse etwas kleiner ausgefallen als in den Vorjahren. Es liegt eher an der Sorte als am Wachstum. Aber für Halloween haben meine Söhne doch zwei Kürbisse gefunden, die groß genug sind, um in diese Fratzen zu schneiden. Hier das Ergebnis der Schnitzarbeiten:

AlbinZ Kürbisse zu Halloween 2006

… wie ich kotzen möchte!

Der Ausspruch stammt nicht von mir, sondern von dem Maler Max Liebermann und wurde anlässlich einer nationalen Katastrophe geäußert, der Machtergreifung durch Hitler. Die Katastrophe, von der ich hier berichte, ist weitaus kleiner und auf beruflicher Ebene angesiedelt, wenn auch für die Betreffende gleichfalls schwerwiegend. Der Spruch: „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

Um was geht es? Ich arbeite in der IT-Abteilung eines karitativen Verbandes, die recht altmodisch noch die Kürzel „Org/DV“ trägt. Org für Organisation, DV für Datenverarbeitung. Nach einer kaufmännischen Ausbildung kam Frau K. zu uns in die Abteilung und fand im Systemverwalter ihren Mentor, der ihre Fähigkeiten schnell erkannte und förderte. Ob er in Frau K. seine Nachfolgerin sah, mag dahin gestellt sein.

Nach dem Ausscheidung des Systemverwalters durch Altersteilzeit blieb sie bei uns, wenn auch ein Außenstehender die genannte Stelle bekam. Ihr wurden dabei aber zunehmend neue Aufgaben zugeordnet, … die sie zur vollsten Zufriedenheit der Beteiligten erfüllte. So ergab sich auch für mich eine fruchtbare Zusammenarbeit mit ihr im Bereich Datenbanken. Im Abendstudium erweiterte Frau K. ihre Kenntnisse speziell im Bereich IT und bekam für ihre Diplomarbeit ein „sehr gut“. Das war in diesen Wochen.

Während der über vier Jahre bei uns konnte sich unsere Geschäftstellenleitung leider nicht hinreißen lassen, ihr eine Festanstellung zu beschaffen. So bekam sie immer wieder einen neuen befristeten Arbeitsvertrag, zuletzt für vier Monate, damit sie immerhin ihre Diplomarbeit ohne äußere Zwänge fertig stellen konnte. Immerhin!

Aus meiner Sicht hätte dieser letzte Vertrag arbeitsrechtlich schon eine Festanstellung sein müssen. Egal! Denn Leitung, Personalabteilung und unsere Abteilung einigten sich auf die Ausschreibung einer entsprechenden Stelle, die dann auch sehr bald, spät, aber nicht zu spät, ans Schwarze Brett kam.

Nur gibt es in unserer genannten Abteilung eine Madame, die in Frau K. etwas wie eine Konkurrentin sieht. Die Abteilungsleitung hatte in mehreren Gesprächen versucht, die Bedenken der Madame auszuräumen. Leider ohne Erfolg. So wendete sie sich an den Betriebsrat.

Man muss dabei wissen, dass bereits vor geraumer Zeit zwischen dieser Madame und einer weiteren Mitarbeiterin unsere Abteilung Zwistigkeiten bestanden, die dazu führten, dass das Betriebsklima regelrecht vergiftet wurde. …

Hier nun der Knackpunkt: Mir wurden im dienstliche Gespräch mitgeteilt (und diese Aussage wurde mir am gleichen Tag in einem weiteren informellen Gespräch bestätigt): Der Betriebsrat, der zuvor sein Einverständnis für die Ausschreibung der neuen Stelle gegeben hatte, machte aufgrund der Einwendung der Madame eine 180-Grad-Wendung und zog dieses Einverständnis zurück. Da es ohne dieses Zustimmung aber wohl nicht geht, zog die Betriebsleitung die Stellenausschreibung zurück. Damit alles seine scheinbare Richtigkeit hat, wurde das u.a. mit personalpolitischen Gesichtspunkten begründet.

Wie auch immer: ab 1. November steht nun Frau K. auf der Straße.

Das ist alles nur ganz kurz skizziert …

Leidtragende sind neben Frau K. auch der Systemverwalter und ich, denn uns fehlt von heute auf morgen eine kompetente Kollegin. Und damit fehlt überhaupt dem ganzen Haus eine engagierte Mitarbeiterin, die mit viel Eigeninitiative ans Werk ging. Ich habe den Eindruck: mit zu viel Eigeninitiative!

Was kann ich dazu sagen: Auch ohne mir den Magen voll schlagen zu müssen, kommt mir das Essen hoch. Es ist wirklich zum Kotzen!

Nachtrag und Ende: Inzwischen hatte ich ein persönliches Gespräch mit Geschäftsleitung und Personalchef. Wenn einer ein Psychopath ist, dann natürlich ich. Wie konnte ich nämlich so naiv sein zu glauben, mit einer Intervention meinerseits eine Kehrwendung zum Guten zu erreichen? Meine gute Absicht wurde als bösartig interpretiert (Mobbing, Verleumdung und üble Nachrede). Ich habe mich dafür entschuldigt.

Was bleibt ist ein übler Nachgeschmack, denn in den Informationen, die mir angetragen wurden, gibt es einen Widerspruch, der nur eines bedeutet: Die eine oder andere Person hat mich wohlwissendlich belogen. Zumindest weiß ich jetzt nicht, was und wem ich glauben kann. Aber da ich nun einmal der Depp bin: Ich habe sicherlich alles falsch verstanden …

Genug, so hoffe ich. Ich habe mir die Finger verbrannt und werde in Zukunft meine Nase nicht mehr in die Angelegenheiten anderer stecken. Selbst in meinem Alter lernt man nicht aus.

Was ist bloß mit Ian los? Teil 25: Warchild, Mrs. Palmer & Kashmir

Hallo Wilfried,

wie es meine Art ist, komme ich direkt und ohne Umschweife auf Deine letzte mail zu sprechen:

Zu Queen: Diese Gruppe, die nach Deiner Einschätzung meine Lieblingsband ist, hat das kommerzielle Gebaren von JT bei weitem übertroffen. Dazu gehört nicht nur das Queen-Musical; diese Entwicklung setzte bereits viel früher ein: In den 80er Jahren hatte die Gruppe keine Skrupel, auf den Zug der disco-orientierten Popmusik aufzuspringen. Das war unverzeihlich. Wenn man sich dann noch vor Augen führt, wie der Tod von Freddy Mercury von der hinterbliebenen Band vermarktet worden ist, merkt man sehr deutlich, dass das Musik-Geschäft auch nur ein Geschäft ist. Auch zu Idolen aufgestiegene Rockmusiker sind nicht davor gefeit, um das goldene Kalb zu tanzen. Mit Queen geht es mir übrigens ähnlich wie mit Jethro Tull: Die frühen Werke, mit Ausnahme der ganz Frühen, erachte ich als die Besten. Danach war für mich nichts mehr dabei. Bei beiden Bands sind es jeweils nur eine Handvoll Alben, die die Qualität der Gruppe für mich ausmachen.

Ich kann überhaupt nicht einschätzen, wie Mr. Anderson zu anderen Musikern steht. Einzig den Namen Led Zeppelin erwähnte er hin und wieder in seinen Livekonzerten. Dabei scheint ihn eine Art Hass-Liebe mit dieser Gruppe zu verbinden: Oft verballhornt er den Namen oder einige Lieder von LZ, andererseits hat er in der jüngerer Vergangenheit eine (grauenhafte) Coverversion von Kashmir live zu Gehör gebracht.

Da hast Du’s: Wie von Dir befürchtet, bringe ich wieder negative Attribute mit Mr. Anderson in Verbindung. Es hat den Anschein, als hätten wir uns in unserem kleinen Gedankenaustausch auf unsere Rollen festgelegt: Ich greife Mr. Anderson fast zwangsläufig an und Du verteidigst ihn ebenso automatisch. Advocatus diaboli versus Advocatus Dei. Gleichwohl: Wenn ich Mr. Anderson so negativ einschätzen würde, wie es bei Dir den Anschein hat, würde ich kaum so viel Zeit auf ihn verwenden. Er ist in meinen Augen ein herausragender Musiker, Entertainer (und Geschäftsmann!), aber keine Lichtgestalt. Wenn wir uns auf diese Formel einigen können, müssen wir nicht befürchten, dass uns unsere gemeinsame Basis unter den Füßen zerbröckelt.

Zu Mr(s). Palmer: Auf der Rückseite des Warchild-Covers ist er gar an exponierter Stelle zu sehen. Auf diesem Cover sind etliche Personen (natürlich auch Shona) in Kostümen zu sehen, die einen Bezug zum Album haben. So stellt Mr. Palmer so etwa wie Gottvater dar. Bezeichnenderweise steht er in dieser Rolle gleich neben dem Meister, fast auf gleicher Höhe mit ihm. Aber eben nur fast.

Zurück zur Musik von Mr. Anderson:
Stell‘ Dir vor, Du müsstest jemandem, der JT nicht kennt, ein Lied der Gruppe nennen, das repräsentativ für das musikalische Werk der Gruppe steht. Nur ein Lied. Kein zweites und erst recht kein Album. Welches Lied würdest Du auswählen ?

Das war’s für heute.
Wir bleiben in Verbindung.

Lockwood

21.10.2006

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Hallo Lockwood,

da bin ich wieder. Zu Queen, Kommerz und Musikindustrie will ich mich nicht so ausführlich äußern. Das würde viel zu weit führen. Wie so vieles so wird auch hier global vermarktet, was es zu vermarkten gibt. Und die gute Firma Sony ist für mich da nur eine Art Stellvertreter für all die Firmen, denen es eigentlich nicht um die Musik an und für sich, sondern nur ums Geldscheffeln geht. Damit habe ich eigentlich schon genug gesagt.

Ich habe nichts gegen Queen, auch nichts gegen Led Zeppelin. Es ist richtig, dass Anderson z.B. „Thick as a Brick“ einmal als „Whole lotta Brick“ angekündigt hat (so 1977 im Golders Green Hippodrome zu London). Und beim Tampa Konzert von 1976 ist es wiederum „Thick as a Brick“ als das berühmte Lied von Johnny Cash.

Zur Cover-Version von Led Zeppelins Kashmir: Dein Urteil ist wieder einmal vernichtend: grauenhaft. Ich weiß nicht, woher Du das Stück kennst. Ich denke, es ist die Amateuraufnahme, die im Internet kursiert (www.cupofwonder.com). Allein die Aufnahme ist schon grauenhaft, ein Soundbrei, der nicht unbedingt ein objektives Urteil zulässt. Also um es gleich zu sagen: Mein Lieblingsstück wird das auch nie werden. Und eigentlich ist es eine Solonummer der guten Lucia Micarelli, die von Tull mehr oder weniger gut begleitet wird. Von daher war ich bisher nicht in der Verlegenheit, das Stück mit zu den anderen Tull-Videos auf meine Website zu nehmen. Du magst das Gedudele einfach nicht und damit basta: grauenhaft! Den meisten Zuschauern muss es aber gefallen haben, sonst hätten die nicht so geklatscht. Vielleicht hörte es sich dort im Saal auch wesentlich besser an, als auf der Videoaufnahme … Wenn es Dir nicht gefällt und Du es als grauenhaft einstufst, so ist das Deine Einschätzung. Mir gefällt schon das Stück als solches nicht sonderlich. Da brauche ich also nicht noch eine Tull-Lucia-Coverversion.

Also was ich von der Idolisierung von Musikern usw. halte, habe ich an anderer Stelle schon einmal geschrieben. Nicht so viel! Daher kann selbst ein Ian Anderson, den ich sehr hoch schätze, nicht so etwas wie eine Lichtgestalt für mich sein. Von daher habe ich auch keine Probleme, wenn Du wieder und wieder Herrn Anderson mit negativen Attributen belegst. Das ist Deine Meinung. Ich habe manchmal eine andere. Ist nun einmal so im Leben.

Jethro Tull: War Child

David/Dee Palmer und War Child: Da bin ich mir nicht so ganz sicher, ob das Palmer ist, der wie Gottvater neben Anderson steht. Gandalf (aus Herr der Ringe) wäre vielleicht passender. Aber er muss es sein, da er wieder einmal für die Orchesterbearbeitung sorgte und so auch namentlich auf dem Cover erwähnt ist. Allerdings finde ich für ihn keinen Songtitel, der seiner Darstellung entsprechen könnte. Oder? Anderson und Palmer, das ist schon ein eigentümlich musikalisches Paar. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Ian Anderson gern etwas andere Musik gemacht hätte, wenn man ihn nur gelassen hätte. Palmer hat das irgendwie kompensiert. Aber Palmer selbst ist nicht so richtig zu fassen. Mit Bart und Pfeife war er/sie eigentlich der typische Mann. Und dann in dem Alter noch an sich herumschnippeln zu lassen: Da gehört schon einiges an Mut zu. Es gibt irgendwie noch eine Aufnahme des Stückes „Elegy“, ziemlich neu – und nur mit Frau Palmer am Keyboard und Anderson an der Querflöte.

Mr. David Palmer Mrs. Dee Palmer
Mr. David Palmer Mrs. Dee Palmer

Ach, das Kopftuch. Da habe ich doch bei www.youtube.com eine gar nicht so schlechte Coverversion von „Crosseyed Mary“ gefunden – von einem Typ mit den Initialen LC. Und zu Ehren des Meisters trägt der Typ – ein Kopftuch! Sag also nichts: Kopftücher kommen in Mode!

Lass Dich nicht erschüttern.
Wilfried

23.10.2006

English Translation for Ian Anderson

Werder Bremen im Vormarsch (9. Spieltag BL 2006/2007)

So langsam kommt Werder Bremen in Fahrt. Nach dem glänzenden, aber unglücklichen 1:1 im Weserstation gegen den FC Barcelona in der Campionsleague hat die Mannschaft jetzt die Spitze der Bundesliga erobert. Nach dem souveränen 3:1-Sieg gegen die Bayern ist der Mainz 05 mit 1:6 unter die Räder gekommen.

Klose trifft wieder

Und jetzt trifft auch Miro Klose wieder ins Tor, nachdem er hauptsächlich als wichtiger Vorbereiter gedient hat. Aber über allem schwebt Diego, der gerade einmal 21-jährige brasilianische Neuzugang vom FC Porto, der Johan Micoud längst vergessen gemacht hat.

Wenn sich die jetzige Form des Teams etwas länger konservieren lässt, dann ist Werder Bremen nicht nur deutsche, sondern europäische Spitze und wird ohne Weiteres auch eine Mannschaft wie den FC Barcelona von der Bildfläche verdrängen können. Und Diego übernimmt das Erbe eines Ronaldinho.

Was ist bloß mit Ian los? Teil 24: Von Schubläden und Kritiken

Hallo Wilfried,

Zu den Kritiken:
Schön, dass es auch wohlmeinende Stimmen zu JT gibt. Allerdings habe ich ebenfalls wie Du die Befürchtung, dass die zweite Kritik aus der BRAVO stammt. Wenn ich mich recht erinnere, stand in der BRAVO niemals eine negative Kritik zu den Musikschaffenden. So etwas wäre für die Zielgruppe der Zeitschrift nur sehr bedingt geeignet. Die zweite Kritik, obwohl positiv, macht auf mich keinen sehr kompetenten Eindruck. Möglicherweise tue ich dem Verfasser Unrecht, aber auf mich wirkt es, als hätte er von einer anderen Kritik einige Schlagworte übernommen und sie neu arrangiert. Was soll eigentlich die Formulierung „Und diese Bestandteile verbinden sie auf eine persönliche Art miteinander“ aussagen ? Wie verbindet man musikalische Bestandteile persönlich ? Der Satz klingt gut, lässt aber inhaltlich zu wünschen übrig. Du und ich sind uns einig, dass es nicht die Kritiker sind, die diesen Globus in Bewegung halten. Die von uns gescholtenen Kritiker machen ihre mehr oder minder fundierte Meinung zu einigen Musikstücken einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Hand aufs Herz: Was machen wir in der neuen Rubrik Anderes ? Man kann uns lediglich zu Gute halten, dass wir nicht davon leben müssen, andere durch den Kakao zu ziehen.

Zu den Schubladen des Meisters:
Wenn ich mich als Folk-Fan auf die Alben beschränke, die der Meister als Folk klassifiziert, bleiben mir Perlen wie Thick as a Brick oder Passion Play verborgen. Natürlich bleibt mir auch A oder Roots to Branches erspart. Man könnte nun endlos darüber disputieren, ob das Eine das Andere Wert sei. Die Musikwelt ist sehr kreativ in der Schöpfung neuer Begriffe zur Einordnung der Musikrichtungen: Art-Rock, Progressiv-Rock, Psychodelic-Rock usw.. Diese Skala sollte m.E. um den Begriff der Kopftuch-Musik ergänzt werden.

Die Symphonie-Werke des Mr. Anderson kenne ich alle nicht. Grundsätzlich bin ich kein Freund von Classic-Rock. Wenn mir der Sinn nach Klassik steht, höre ich Vivaldi, Händel, Brahms, etc. Oder Chöre. Etwas Anderes ist es mit den rein klassischen Werken des Mr. Anderson. Ich meine die Werke, die keine Rock-Basis haben. Das ist schon eine eigene Klasse. Allerdings gefällt mir Deine gesendete Version von Thick as a Brick ganz gut. Erfreut Ohr und Gemüt. Ich hätte allerdings ganz auf die akustische Gitarre verzichtet. So hört es sich an, als hätte Mr. Palmer nicht gewusst, wie man eine Gitarre symphonisch umsetzt und sie deshalb beibehalten hätte. (Es wäre einem Wunder gleichgekommen, wenn ich einmal nichts zu motzen hätte). Welche Rolle hatte Mr(s). Palmer bei JT ? So weit ich weiß, war er mit den Arrangements der Streicher betraut. Hatte er darüber hinaus noch weitere Aufgaben ? War er nicht auch der zweite Keyborder ? Der, den man hinter Mr. Evan kaum erkennen konnte ?

Bis nächste Woche !
Lockwood

14.10.2006

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Hallo Lockwood,

interessant ist Deine Erkenntnis, dass in der BRAVO immer nur positive Kritiken stehen. Das ist gewissermaßen das Erfolgsrezept des Blattes, das andere Zeitschriften wie „Sounds“, „Pop“ usw. alle überlebt hat. Der jugendliche Leser sucht und findet etwas zu seiner Lieblingsgruppe und das ist natürlich ganz und gar positiv. Trotzdem möchte ich dem Kritiker eine völlige Inkompetenz nicht andichten. Warum sollte es 1969 nicht auch bei BRAVO-Mitarbeitern begeisterte Tull-Hörer gegeben haben. Dabei mag man über Formulierungen streiten.

Auch noch kurz etwas zu den Schubläden. Ich sehe das so: Ein Folk-Fan wird, wenn er erst einmal die Folk-Alben von Jethro Tull kennen und auch lieben gelernt hat, nicht Halt machen. Hat er erst einmal Blut geleckt, dann wird er gucken, was gibt es da noch Feines. Und wird irgendwann zwangsläufig auf die Konzeptalben stoßen. Das Internet kann hierzu betragen (mithin auch wir).

Art-Rock und Progressive Rock, alles Begriffe, die wohl auch Herrn Anderson nicht schmecken. Auf der DVD „Living with the Past“ äußert sich der Meister entsprechend abwertend nach dem Motto: Und dann machen die auch noch ein Konzeptalbum: KONZEPTALBUM! Bei den ganzen Musikrichtungen und –stilen blickt sowieso fast keiner mehr durch. Was das allein im Bereich des Hard Rocks für Blüten treibt, ist unübersehbar: Heavy Rock, Heavy Metal, Gothic Metal, Power Metal (wird noch lt. Wikipedia zwischen europäischen und US-Power Metal unterschieden – dann gibt es auch noch den Extreme Power Metal), Symphonic Metal und Industrial Metal. Notfalls steigert man das Ganze noch mit weiteren Attributen wie Super oder Mega. Fast jede Band spielt so ihren eigenen Stil. Somit sind es nicht die des Meisters Schubläden, sondern in der Musikbranche weitläufig benutzte Begriffe, auf die er nur zurückgreift.

Ja, die Rolle von Herrn/Frau Palmer ist eigentlich erstaunlich. Welche Band kann von sich behaupten, ihren eigenen Chefarrangeur für alles Klassische zu haben. Geht es um die Untermalung eines Liedes mit Streichern. Dave richtete es. Und so ist die symphonische Umsetzung Tull’scher Musik aus dem Jahre 1985 wohl hauptsächlich auf den Mist von David/Dee Palmer gewachsen. Für Herrn Anderson, dem Geschäftstüchtigen, ein durchaus lukratives Zusatzgeschäft. Immerhin erinnere ich mich daran, dass für diese Platte in Zeitschriften (und nicht nur Musikzeitschriften) reichlich Werbung gemacht wurde. Was Deine Lieblingsband „Queen“ betrifft, so haben die sich diesen Mammon auch nicht entgehen lassen und kassieren sicherlich reichlich Tantiemen für das Musical.

Aber David Palmer hat ja auch Mitte bis Ende der 70-er Jahre längere Zeit mit auf der Bühne gestanden. Vielleicht im Schatten von John Evan, aber doch präsent. John Evan spielte alles Klavierähnliche, Palmer die kleine handliche Bühnenorgel. Ich muss einmal gucken, ob ich da einige gute Aufnahmen finde. Auf zwei Stücken finden wir ihn im Smoking: Velvet Green vom Konzert im Goldiers Green Hippodrome und im Clip Heavy Horses. Und auf dem Tullavision-Mitschnitt von 1976 sehen wir ihn ganz leger. Da nuckelt er für kurze Zeit auch an einem Saxophon herum. Wie gesagt: Ich finde es mehr als erstaunlich, dass zwei so anscheinend unterschiedliche Musiker auf so lange Zeit zusammengearbeitet haben. Auch wenn Du jetzt dagegen an stänkern und ein Haar in der Suppe finden wirst: Es beweist mir nur, welche Qualitäten unserer Meister sein eigen nennen darf.

Man liest sich weiterhin
Wilfried

17.10.2006

English Translation for Ian Anderson

Ian Anderson/Dee Palmer: Elegy

Dee Palmer, als sie noch ein Er war, nämlich David Palmer (mit 66 Jahren unterzog er sich einer Geschlechtsumwandlung), war einige Jahre Mitglied der Gruppe Jethro Tull – auch öffentlich in Konzerten. Die Zusammenarbeit mit Ian Anderson, dem Kopf der Gruppe, geht aber bis in die Anfangszeit zurück. So arrangierte und dirigierte Palmer bereits für das 2. Album „Stand Up“ die Streichersätze auf dem Stück „Reasons for Waiting“. Eine musikalische Ausbildung genoss der/die 1937 geborene Palmer an der Royal Military School of Music in England und studierte Komposition an der Royal Academy of Music.

Auf dem 1979 erschienenen Tull-Album „Stormwatch“ ist am Schluss die Palmer-Komposition „Elegy“ enthalten, ein klassisches Musikstück, das Palmer zum Tode seines Vaters schrieb. Es muss wohl im Jahre 2002 gewesen sein, da trat noch-David mit Ian Anderson (es war wohl eine der inzwischen zahlreichen Tull-Convention) auf, um gemeinsam dieses Stück vorzutragen.

Was ist bloß mit Ian los? Teil 23: London Symphony Orchestra

Hallo Wilfried,

Den Kommentar von Stefan habe ich gelesen. Er schreibt etwas sehr Wichtiges: JT – Alben muss man häufiger hören, damit ihre Qualität offenbar wird. Es ist keine leichte Kost. Ich erinnere mich, dass ich anfangs von Thick as a Brick enttäuscht war. Mittlerweile zähle ich dieses Album zu den Besten.

Die JT-Skins finde ich stark ! Ist es Zufall, dass die Designer Bilder des Meisters gewählt haben, die ihn während seiner besten Zeit zeigen ? Sie hätten genau so gut Kopftuch-Bilder verwenden können. Rein theoretisch.

Meine Desktop-Hintergrundbilder wechseln sehr häufig. Meist sind es Fotos von meinen Kindern. Entweder Originalfotos oder bearbeitete. Hin und wieder ist auch ein Bild von Mr. Anderson zu sehen.

Ich wünsche Euch allen schöne Ferien und einen goldenen Oktober !

Lockwood

12.10.2006

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Hallo Lockwood,

Jethro Tull – AQUALUNG – Chrysalis ILPS 9145

Auf diesem Album gibt Ian Anderson in neun Thesen seine (nicht sehr originelle) Meinung zum Thema Gott zum besten. AQUALUNG ist die Bezeichnung für lesser men, die unterprivilegierten Menschen. Die Texte der elf Songs zu diesem Thema sind auf dem Innenumschlag abgedruckt.

Während bisher die Musik Jethro Tull’s meines Erachtens von Platte zu Platte bedeutungsloser wurde, scheint mir AQUALUNG ziemlich gut gelungen zu sein. Das Auffälligste: Anderson gebraucht die Flöte nur noch sparsam bei einzelnen Stücken. Allgemein ist die Musik leiser geworden. Mehrere Stücke werden mit akustischer Gitarre und Tabla an Stelle des Schlagzeugs vorgetragen. Zwei Stücke haben Streicherarrangements. Neu dabei ist Bassist Jeffrey Hammond-Hammond.

Aus: Sounds – Michael Wallossek

Also den Kritikern wollen wir hier wirklich kein Denkmal bauen. In dem erwähnten Buch mit Plattenkritiken aus der Zeitschrift „Sounds“ – immerhin über 1500 Seiten und über 1800 Kritiken stark – findet sich keine Kritik zu „Thick as a Brick“ oder „A Passion Play“. „Aqualung“ findet sich (siehe oben), auch „War Child“, von den beiden Konzeptalben aber schlechthin keine Spur. Zur Blütezeit von Jethro Tull hatte ich mir regelmäßig Musik-Zeitschriften gekauft. Und so habe ich immerhin aus der Zeitschrift „Pop“ Kritiken zu „Thick as a Brick“ und „A Passion Play“ in meinem kleinen Tull-Archiv vorliegen (dazu später mehr).

Nun was soll man zu der Kritik zu Aqualung sagen. Dem Autor scheint (warum scheint?) das Album ziemlich gut gelungen zu sein. Und was heißt ziemlich? Ich habe einmal im Internet nach weiteren Werken eines Herrn Wallossek gesucht und bin eigentlich überrascht: Es gibt zwei Bücher, die er mit dem Dalai Lama verfasst hat (Das Herz der Liebe, Inneren Frieden finden). Hoffen wir, dass er seinen inneren Frieden gefunden hat.

Ich habe den Eindruck, dass viele Kritiker (und nicht nur die) mit der Tull-Musik nicht viel anfangen können. Oder sie erkennen sehr schnell der ‚Kern’ – und sind begeistert. Ich habe da z.B. eine Kritik zum 2. Album Stand up und da heißt es u.a.:

Jethro Tull ist endlich mal wieder eine Gruppe mit ganz eigenem Stil und Sound. … Es praktisch gibt nichts, was es in der Musik der Jethro Tull nicht gibt. Sie verwenden Elemente des Beat und des Rock ‚n’ Roll, des Bossa Nova und des Jazz, der afrikanischen und der orientalischen Folklore … Und diese Bestandteile verbinden sie auf eine persönliche Art miteinander. … Jethro Tull ist seit langem das Beste, was auf der Pop-Szene passierte!

Leider habe ich mir nicht vermerkt, aus welchem Blättchen diese Kritik stammt. Ich ‚fürchte’ es war die Bravo. Aber ist ja auch egal. Der Kritiker hat von Musik (und zwar von Musik insgesamt) mehr Ahnung als diese Schreiberlinge, die sich von morgens bis abends voll dröhnen lassen. Und wenn sie auf ungewohnte Klänge stoßen, meinen, diese niedermachen zu müssen. Musik von Jethro Tull ist, wie Du sagst, keine leichte Kost. Genug für heute von uralten Kritiken.

Zu den Schubläden, die uns der Meister öffnet: Für den, der sich für die Musik von Herrn Anderson und seinen Jungs interessiert, aber noch nicht vieles von der Gruppe kennt, ist diese Zuordnung schon sehr hilfreich. Wer seinen Schwerpunkt auf Folk setzt, wird so davon abgehalten, sich zunächst ein Album wie z.B. „Under Wraps“ zu kaufen. Natürlich hat dieses Schubladendenken immer seine Haken. „Thick as a Brick“ ist sicherlich zunächst ein Konzeptalbum und lässt sich dem Progressive oder Art-Rock zuordnen. Aber es ist am Ende doch etwas mehr.

Kennst Du eigentlich das Album mit dem London Symphony Orchestra von 1985? Bemerkenswert ist u.a. daran, dass David Palmer alle Stücke nicht nur arrangiert hat, sondern das Orchester auch dirigiert. Eine kleine Anekdote hierzu am Rande: Meine Frau suchte ein Geschenk für ihre Freundin. Nun wusste ich, dass diese ganz gern Musik von Symphonieorchestern hört, die z.B. Soundtracks von Filmen usw. nachspielen. So kam an Ende die gute Freundin zu einer Scheibe mit der Musik von Herrn Anderson. Sie fand die Musik übrigens ganz gut.

London Symphony Orchestra: A Classic Case

Nun, das Album habe ich noch als alte Vinyl-Scheibe. Inzwischen bin ich wenigstens an MP3-Dateien gelangt. Daher im Anhang eine kleine Hörprobe: Thick as a Brick.

Schönes Wochenende noch.
Wilfried

14.10.2006

English Translation for Ian Anderson

Sieben Tage lang – Das Lied vom Apfelwein

Es ist fast eine Hymne, das Lied „Sieben Tage lang“, das ich in der deutschen Fassung von der holländische Gruppe „Bots“ kenne und das Anfang der 80-er Jahre auf dem Album „Aufstehn“ erschienen ist. Die Gruppe wirkte in der Friedensbewegung und so ist auch das Lied eng mit der Friedensbewegung der 80-er Jahre verbunden. Es muss in der Nähe von Bremerhaven gewesen sein, ich erinnere mich nur dunkel daran, da sah ich die Gruppe und hörte natürlich auch das Lied. Der deutsche Text ist übrigens eine Übersetzung von Lerryn/Günter Wallraff („Lerryn“ ist der Künstlername des Liedermachers Dieter Dehm, der als Stasi-IM „Dieter“ Wolf Biermann bespitzelte, dessen Manager er war – so holt uns so nebenbei noch die deutsche Geschichte ein). Die Musik selbst ist das bretonische Volkslied „Son ar Chistr“, das Lied vom Cidre, also vom Apfelwein.

Sieben Tage lang

Was wollen wir trinken, sieben Tage lang,
was wollen wir trinken, so ein Durst.
Es wird genug für alle sein,
wir trinken zusammen,
roll das Fass mal rein,
wir trinken zusammen, nicht allein.

Erst müssen wir schaffen, sieben Tage lang,

erst müssen wir schaffen, komm fass an.
Und das wird keine Plackerei, wir schaffen zusammen,
keiner schafft allein,
wir schaffen zusammen, nicht allein.

Dann müssen wir streiten, keiner weiß wie lang,

ja, für ein Leben ohne Zwang.
Dann kriegt der Frust uns nicht mehr klein.
Wir streiten zusammen, keiner kämpft allein,
wir gehen zusammen, nicht allein.

Dann wollen wir trinken, sieben Tage lang,
was wollen wir trinken, so ein Durst.

Hier habe ich eine Fassung in holländischer Sprache vorliegen, die ich etwas gekürzt habe: Zeven dagen lang!

Son ar Chistr

Ev‘ chistr ‚ta Laou rak chistr ‚zo mat, lonla,
Ev‘ chistr ‚ta Laou rak chistr ‚zo mat.

Ev‘ chistr ‚ta Laou rak chistr ‚zo mat,
Ur blank ur blank ar chopinad, lonla,
Ur blank ur blank ar chopinad.

Ar chistr ‚zo graet e’it bout evet, lonla,
Ar chistr ‚zo graet e’it bout evet.

Ar chistr ‚zo graet e’it bout evet,
Hag ar merc’hed e’it bout karet, lonla,
Hag ar merc’hed e’it bout karet.

Wenn ich davon spreche, dass das Lied gewissermaßen eine Hyme ist, dann wohl deshalb, weil ich inzwischen auf unterschiedlichste Versionen gestoßen bin. Es muss Anfang der 70-er Jahre gewesen sein, da hat es der Harfenspieler Alan Stivell ausgegraben. Es gibt eine Fassung mit der schottischen Ballade ‚Willie’s Lady’. Der Text stammt aus einer Sammlung von englischen und schottischen Balladen, die der Amerikaner Francis James Child [1825-1896] zusammen getragen hat, unten ein Ausschnitt des Liedes (von Ray Fisher gespielt und gesungen).

WILLIE’S LADY

O Willie’s ta’en ower the raging faem
He’s woo’d a wife & he’s bocht her hame
He’s woo’d her for her lang yellow hair
But his mother wrocht her muckle care

And muckle dolour gar’d her dree
For light o‘ bairn his lady canna be
For light o‘ bairn she canna be

And aye she lies in her bower wi‘ pain
And Willie mourns his lady a‘ in vain
And Willie mourns her a‘ in vain

So Willie’s tae his wicked mither gane
The vilest witch o‘ womenkind

And says, „My lady has a bonnie cup
Wi‘ gowd & silver set aboot“

Forscht man lang genug im Internet, so findet sich u.a. eine Fassung der tschechischen Gruppe „Dick O‘ Brass“. Und lauscht man in das Lied „Gulliver“ von Angelo Branduardi, dann hört man sehr schnell, auch hier wurde die Musik des bretonischen Volkslieds „Son ar Chistr“ verwendet.

Aber auch damit nicht genug: Ich habe eine Fassung einer aus Russland stammenden Folkgruppe: Mervent. Und auch die bekannte irische Gruppe Chieftains hat das Lied eingespielt.

Das Lied ist wirklich ein europäischer Klassiker! Hier nun die unterschiedlichen Versionen:

Bots: Zeven dagen lang!

Alan Stivell: Son ar Chistr (Ausschnitt)

Ray Fisher: Willie’s Lady (Ausschnitt)

Dick O‘ Brass: Son ar Chistr (Ausschnitt) 

Mervent: Son ar Chistr

Chieftains: Son ar Chistr

Angelo Branduardi: Gulliver

Was ist bloß mit Ian los? Teil 22: Player mit Anderson-Design

Hallo Wilfried,

für die Übersetzung des Weihnachtsliedes gilt das Gleiche wie für die letzte Übersetzung: Ich bin (natürlich) nicht 100% mit dem deutschen Text einverstanden, bekäme es aber selber nicht besser hin. Für die JT-Fansite reicht es allemal. Sollen sich alle Nörgler um mich scharen, dann können wir versuchen, es besser zu machen.

Noch einmal kurz zu den Kritikern:
Ein Kritiker, der alles toll findet, gräbt sich selber das Wasser ab. Er entzieht seinem Beruf die Grundlage. Indem er herumkrittelt, suggeriert er dem Leser, dass er es eigentlich viel besser könnte als der kritisierte Künstler. Dadurch steht er als toller Bursche da und ist jeden Cent seines Honorars wert. Klappern gehört zum Handwerk. Ich persönlich kann mit der Meinung eines Kritikers nichts anfangen und kenne auch niemanden, der das kann. Es ist im Grunde ein vollkommen überflüssiger Berufsstand. Selbst wenn alle Kritiker sich einig wären, dass Modern Talking und Michael Jackson tolle Musik machen, so würde ich doch nie ein Album dieser Leute kaufen. Und andersherum: Wenn alle Kritiker Minstrel in the Gallery verreißen würden, so wäre es für mich immer noch eines der besten Alben aller Zeiten. Also, liebe Kritiker, betreibt Euer Geschäft weiterhin schön emsig, aber erwartet nicht, dass die Welt Euch allzu ernst nimmt.

Zu Theo:
Ich habe seinen Zeilen schon entnommen, dass er ein großer JT – Fan ist und dass er wenig am Meister auszusetzen hat. Damit will ich nicht sagen, dass Theo zu unkritisch an die Sache herangeht; er ist einfach besser in der Lage, sich in Mr. Anderson hineinzuversetzen, als ich es bin. An dieser Stelle möchte auch ich mich bei Theo bedanken, dass er sich die Mühe macht, unseren Gedankenaustausch durch seine Kommentare zu honorieren.

Zu den Schubladen:
Es erstaunt mich, dass Mr. Anderson, der nach eigenem und neuerdings auch nach meinem Verständnis sich der Musik schlechthin verschrieben hat, seine Alben in Klischees presst. Soll das eine Entscheidungshilfe für potentielle Plattenkäufer sein ? Zu den Kategorien, die Mr. Anderson gewählt hat, kann ich nur soviel sagen: Zu Heavy Metall gehört m.E. kein einziges Tull – Album. Unter Heavy Metall verstehe ich Metallica oder Deep Purple. Die Begriffe „Prog / Art“ halte ich für sehr schwammig. Hier passt vieles hinein. Auch Genesis trugen in ihren frühen Jahren das Attribut „Progressiv Rock“. Jedoch kann ich keinen gemeinsamen Nenner für Genesis und JT erkennen.

Überhaupt kommen mir manche Einstufungen des Meisters spanisch vor (hier sind wir wieder bei der Weltmusik). Ich komme bei meiner persönlichen Einteilung der JT – Alben mit vier Kategorien aus:
· Hervorragend
· Gut
· Geht so
· Grottenschlecht
Ich erwarte allerdings nicht, dass Mr. Anderson diese Einteilung auf seiner Homepage übernimmt.

Zur Jugendkultur:
Ich bin nicht als Fast-Popper zur Welt gekommen und werde sie nicht als solcher verlassen. Während meiner Realschulzeit trug ich, wie es sich damals gehörte, Jeans von Wrangler, Levi’s oder Lois und dazu T-Shirts oder Pulli. Und natürlich den Parka. Ich kann mich erinnern, dass unser Rektor sich einmal über den „Mao-ähnlichen“ Einheitslook seiner Schüler beklagte. Nach der Popper-Phase kam die Zeit des Cowboy-Looks: Stiefel, John-Wayne-Hemd, Lammfell-Jacke. Danach hatte ich beruflich bedingt eine Zeit der Stoffhosen, Hemden und Krawatten. Seit einigen Jahren hat es sich wieder in Richtung Jeans und Pulli normalisiert. Das ist nicht zuletzt ein Zugeständnis an meine Frau; Pullis und Polohemden sind leichter zu bügeln als Oberhemden…

Zum typisch Britischem:
Die Globalisierung macht leider auch vor Merry old England nicht halt. Bobbys, Taxen, Busse, Telefonzellen werden moderner und damit kompatibler, verwechselbarer, uninteressanter. Wieder geht ein schönes Stück Tradition den Bach runter. Ich schreibe es hinter vorgehaltener Hand: Wäre ich Engländer, ich wäre Royalist. Genau wie Du kann ich nicht sagen, was bei mir zuerst da war: Die Liebe zum Britischen oder zu JT. Aber an eines kann ich mich erinnern: 1982 sah ich im ZDF die gute alte „Drehscheibe“, Du wirst Dich sicher daran erinnern. In dieser Sendung gab es zum Schluss einen musikalischen Beitrag. An einem denkwürdigen Tag in 1982 bestand dieser Beitrag aus einem Auftritt von JT mit ihrer damals aktuellen Singleauskopplung Broadsword. Am nächsten Tag zog ich los, um mir ein Barett zu kaufen, wie der Meister es trug. Das Barett existiert noch, aber leider passt es nicht mehr. Anscheinend wächst mein Kopf noch.

Dass der Meister einen Bruder hat, war mir vollkommen neu. Die Musik zu „Water’s Edge“ finde ich ansprechend, aber zu klassischem Ballet fehlt mir jedweder Bezug.

Die Nähe der Waterboys zu Dylan hätte ich nie bemerkt. Um ehrlich zu sein, ich bemerke sie jetzt noch nicht. Das Schaffen Dylan’s ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Das Einzige, worum ich ihn beneidete, war Joan Baez, aber lassen wir das.

Wo wir gerade bei großen Stimmen sind: Ist Dir damals aufgefallen, wie phantastisch Agnetha Fältskog von ABBA singen konnte ? Ich weiß, ich weiß, schwedische Popmusik passt thematisch überhaupt nicht hierher, aber die Stimme war schon klasse !

So, jetzt ab in die Heia.

Bis demnächst an diesem Bildschirm
Lockwood

08.10.2006

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Hallo Lockwood,

Entschuldige, wenn ich jetzt doch mehrere Tage habe verstreichen lassen. Aber irgendwie kommt das eine zum anderen und plötzlich hat man auch privat mehr um die Ohren, als einem (mir) lieb ist. Deshalb heute auch nicht so viel; damit Du siehst, ich lebe noch und habe Dich nicht vergessen (wie sollte ich). Ach ja, da hat sich jetzt auch ein Stefan zu einem Kommentar aufgerafft. Ist doch schön, wenn man so nach und nach etwas Resonanz erfährt.

Einmal etwas anderes, etwas Halbtechnisches. Für Audio-Dateien (MP3, WMA u.ä.) habe ich den Winamp-Player, der inzwischen auch Videos abspielt. Diesen Player bekommt man wie so vieles auch kostenlos im Internet heruntergeladen. Ich finde ihn ganz handlich. Weshalb ich das schreibe? Nun, wie für fast jeden Player so kann man auch beim Winamp-Player so genannte Skins einstellen (beim Windows Media Player heißt das Design). Und für Winamp gibt es vier Skins, die unseren Herrn Meister Anderson in ihre Oberfläche integriert haben. Man muss dabei aber nicht unbedingt Tull-Titel abspielen. Macht doch etwas her, oder? So hat man Herrn Anderson immer auf seinem Bildschirm, wenn man nebenbei Musik hört. Man kann übrigens auch selbst solche Skins erstellen. Ist aber etwas aufwändig.

Tull-Skin für den WinAmp-Player 1 Tull-Skin für den WinAmp-Player 2
Tull-Skin für den WinAmp-Player 1 Tull-Skin für den WinAmp-Player 2
Tull-Skin für den WinAmp-Player 3 Tull-Skin für den WinAmp-Player 4
Tull-Skin für den WinAmp-Player 3 Tull-Skin für den WinAmp-Player 4

Wer an den Skins interessiert ist, der kann sie sich hier herunterladen. Der Winamp-Player wird in der Regel unter c:\programme\winamp installiert. Dort gibt es ein Unterverzeichnis \skin\. In dieses Verzeichnis werden die WSZ-Dateien einfach abgespeichert. Skins im Player wechselt man über den Symbolknopf (ganz oben links) -> Skins -> Auswahl.

Download Tullamp-Skins (mit rechter Maustaste auf den entsprechenden Link klicken – „Ziel speichern unter …“ osä., je nach Webbrowser):

Tullamp Skin 1
Tullamp Skin 2
Tullamp Skin 3
Tullamp Skin 4

Wenn wir schon bei solchen Spielchen sind: Welches Bildchen hast Du eigentlich auf Deinem Desktop, also als Hintergrundbild auf Deinem Bildschirm? Ich gönne mir da auch einen Anderson: Das Cover von „Broadsword and the Beast“. Das sieht dann so aus (mit Winamp); alles schön geordnet, gelt?

WilliZ Desktop

Noch ein kleiner Tipp für Grafik-Fans (wenn sie es längst nicht schon wissen): Was auf dem Bildschirm angezeigt wird, kann man auch als Grafik weiterverarbeiten. Es gibt ja z.B. einige Internetseiten, die ihre Bilder sperren. Mit diesem kleinen Trick kommt man eigentlich an alle Bildchen heran: Einfach die Taste „Druck / S-Abf“ auf der Tastatur oben rechts drücken. Dann im Grafikprogramm mit STRG+V einfügen (oder entsprechenden Befehl aus der Menüleiste). Genug des (halb-)technischen Exkurses.

Und auch genug für heute.
Das Wochenende naht. Und unsere Kinder haben dann die nächsten zwei Wochen Ferien. Da werde ich mir auch einige freie Tage gönnen. Deine Kinder sind dann ja bereits mit den Herbstferien durch, oder?

Bis bald
Wilfried

11.10.2006

English Translation for Ian Anderson