{"id":10019,"date":"2017-07-10T11:21:24","date_gmt":"2017-07-10T11:21:24","guid":{"rendered":"http:\/\/willizblog.de\/?p=10019"},"modified":"2017-07-15T13:02:52","modified_gmt":"2017-07-15T13:02:52","slug":"g20-der-kampf-fuer-eine-gerechtere-welt-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=10019","title":{"rendered":"G20 \u2013 der Kampf f\u00fcr eine gerechtere Welt geht weiter!"},"content":{"rendered":"<p>Eine meiner Arbeitskolleginnen wohnt in Hamburg-Altona und konnte die drei N\u00e4chte bis zum Sonntag nicht richtig schlafen. Es waren nicht nur die Krawalle, es waren die \u00fcber Hamburg kreisenden Hubschrauber und vieles mehr, was ihr bis zum fr\u00fchen Morgen den Schlaf raubte. <\/p>\n<p>Eine andere Arbeitskollegin machte am Donnerstag, dem Anreisetag der Gipfelteilnehmer, um 13 Uhr Feierabend, war dann erst um 19 Uhr zu Hause. Ihr Auto stellte sie unterwegs ab, um \u00fcberhaupt nach Hause zu kommen, und musste dann noch eine Stunde zu Fu\u00df gehen. Viele Stra\u00dfen waren nicht nur vor\u00fcbergehend, sondern durchgehend bis in den Abend gesperrt.<\/p>\n<p>Olaf Scholz, Hamburgs Erster B\u00fcrgermeister, wird den Tag verdammen, an dem er der Kanzlerin Merkel die Zusage machte, Hamburg als Austragungsort des G20-Gipfels zuzulassen. Vielen, besonders Sicherheitsexperten, galt allein die N\u00e4he der Messehallen als Ort des Gipfels zum Schanzenviertel als \u00e4u\u00dferst problematisch. Dass sich genau in diesem Viertel Krawalle ereigneten, die b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlich zu nennen sind, h\u00e4tte eigentlich keinen verwundern d\u00fcrfen. Wenn sich nun neben Scholz auch der Innensenator und der Polizeichef verwundert \u00fcber das Ausma\u00df der Ausschreitungen zeigen, zeigt das nur, dass im Wesentlichen nur der eine Teil geplant wurde, die Infrastruktur des Gipfels, nicht aber die Gegenbewegung. Dem letzten sollte das Verh\u00e4ngen eines Versammlungsverbotes \u00fcber 38 Quadratkilometer der Stadt durch die Polizei Gen\u00fcge tun.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/_0ATr32sKUk\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\nG20 &#8211; Wieder Ausschreitungen auf St. Pauli und in der Schanze<\/p>\n<p>F\u00fcr die Polizeistrategie war Hartmut Dudde zust\u00e4ndig. Innerhalb der Polizei ist er beliebt, ihm werden F\u00fchrungskraft und Organisationstalent nachgesagt. Seine Personalie ist aber vor allem ein Zeichen daf\u00fcr, wie die Polizei an die Proteste herangeht. Auf einer Pressekonferenz stellte er unl\u00e4ngst klar, dass er gewillt ist, alles einzusetzen, was an technischem Equipment zur Verf\u00fcgung steht. Keine Worte der Deeskalation. Vielen Dank, Herr Dudde!<\/p>\n<p>Gegen den G20-Gipfel formierten sich viele Proteste, die im Wesentlichen friedlich verliefen. Ziel war es, den Gipfel auch zum Symbol des Widerstands werden zu lassen. Zwar zweifelte niemand daran, dass die Staats- und Regierungschefs am Ende in Hamburg ihr Programm durchziehen werden. Aber sie sollten es eben nicht ungest\u00f6rt tun.<\/p>\n<p>Die Proteste \u2013 und damit auch die Krawalle durch die linksautonome Szene \u2013 richteten sich z.B. gegen die Ausw\u00fcchse des global ausgerichteten Wirtschaftssystems, gegen Ausbeutung der Menschen in den L\u00e4ndern der 3. Welt und die Bodensch\u00e4tze dort. Die Regierungen der Industriel\u00e4nder als jeweilige Staatsmacht gelten dabei als Bewahrer dieses Systems. Und die Polizei ist die Vertretung dieser Staatsmacht nach au\u00dfen. Indem sich die linksautonome Szene besonders gegen die Polizei ausrichtet, k\u00e4mpfen sie gegen die Staatsmacht und damit gegen die herrschenden Strukturen in Politik und Wirtschaft: die Polizei als Feindbild, die notfalls mit Gewalt zu bek\u00e4mpfen ist.<\/p>\n<p>So wurde der G20-Gipfel auch zu einer Plattform f\u00fcr diese linksextreme Szene. Je lauter die Krawalle, umso mehr Aufmerksamkeit wurde dieser Szene zuteil. Dass am Ende, auch dank des sehr mageren Ergebnisses der eigentlichen G20-Veranstaltung, Bilder von brennenden Barrikaden, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/CantinaPopularHamburgo\/posts\/2009834439251557\" target=\"_blank\">gepl\u00fcnderten L\u00e4den und vermummten Gestalten bleiben<\/a>, wird die Randalierer freuen. Damit haben sie ihr Ziel erreicht. Froh sein darf man dar\u00fcber, dass es trotz der gro\u00dfen Sach- und der vielen Personensch\u00e4den, zu keinem Todesfall gekommen ist. <\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/g20_schanze_strassenschlacht.jpg\" alt=\"Stra\u00dfenschlacht zwischen Autonomen und der Polizei \u2013 Schulterblatt\/Schanzenviertel in Hamburg 07.\/08.07.2017\" title=\"Stra\u00dfenschlacht zwischen Autonomen und der Polizei \u2013 Schulterblatt\/Schanzenviertel in Hamburg 07.\/08.07.2017\" \/><\/p>\n<p>Nebenbei  bemerkt: Angeblich sollen sich auch rechtsextreme Gruppen an den Krawallen beteiligt haben. Diese sind von den schwarz vermummten Autonomen kaum zu unterscheiden. Und: W\u00e4hrend der Krawalle wurden Internet und Mobilfunk gest\u00f6rt, um die Kommunikation zwischen den Randalierern zu unterbinden. Es gab noch einige <a href=\"http:\/\/faktenfinder.tagesschau.de\/inland\/gzwanzig-143.html\" target=\"_blank\">andere Meldungen im Netz<\/a>, auch von der Polizei, die sich dann als falsch herausstellen.<\/p>\n<p>Ich bin eben durchs Schanzenviertel gegangen und musste feststellen, dass die gestrige Aktion <a href=\"http:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/hamburg\/Hamburg-nach-G20-10000-Buerger-raeumen-auf,gipfeltreffen566.html\" target=\"_blank\">Hamburg r\u00e4umt auf<\/a> ganze Arbeit geleistet hat: Die Spuren der Verw\u00fcstung besonders im Schulterblatt sind beseitigt; trotz Regen sitzen die Menschen wieder in den Cafes. Leider haben mein K\u00e4seh\u00e4ndler und auch der kleine Teeladen gelitten. Fensterscheiben wurden eingeworfen und sind notd\u00fcrftig repariert. Das Leben geht weiter, auch wenn es immer noch leicht nach verbranntem Asphalt stinkt.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/g20_schanze_hamburg_raeumt_auf.jpg\" alt=\"Hamburg r\u00e4umt auf \u2013 Schulterblatt\/Schanzenviertel in Hamburg am 09.07.2017\" title=\"Hamburg r\u00e4umt auf \u2013 Schulterblatt\/Schanzenviertel in Hamburg am 09.07.2017\" \/><\/p>\n<p>Fazit: Olaf Scholz, der B\u00fcrgermeister, hat sich von der Bundeskanzlerin eine Veranstaltung aufschwatzen lassen, die in einer Stadt wie Hamburg fehl am Platze ist. Hinzu kommt seine geradezu tragisch zu nennende Fehleinsch\u00e4tzung:<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-lang=\"de\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Die Fehleinsch\u00e4tzung des Jahres kommt von Hamburgs B\u00fcrgermeister Olaf Scholz. (*slow clap*) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/G20HAM17?src=hash\">#G20HAM17<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/welcometohell?src=hash\">#welcometohell<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/schanze?src=hash\">#schanze<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/g20?src=hash\">#g20<\/a> <a href=\"https:\/\/t.co\/bCLecPiKXX\">pic.twitter.com\/bCLecPiKXX<\/a><\/p>\n<p>&mdash; extra3 (@extra3) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/extra3\/status\/883634774790860800\">8. Juli 2017<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Auch h\u00e4tte sich Scholz, statt im Partnerprogramm Mrs. Trump und Co. das Rathaus zu zeigen, schon etwas fr\u00fcher im Schanzenviertel zeigen sollen. Er tr\u00e4gt die politische Verantwortung  Nat\u00fcrlich fordert die Opposition, die CDU und die FDP allen voran, seinen R\u00fccktritt. Was diese h\u00e4tten besser machen k\u00f6nnen, sagen sie nicht. Nat\u00fcrlich sind es jetzt die Law-and-Order-Politiker, die besonders laut nach Konsequenzen rufen. Dabei darf eines nicht vergessen werden: Der Einsatz f\u00fcr Frieden, f\u00fcr gerechtere Verteilung der Ressourcen geht weiter. Leider lenken solche Gewaltexzesse, wie jetzt im Hamburg geschehen, von den eigentlichen Problemen ab und spielen den Globalplayern in die H\u00e4nde.<\/p>\n<p><strong>Nachtrag:<\/strong> Nach dem G20-Gipfel fordert der Einzelhandel in Hamburg einen <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/hamburg\/Nach-G20-Einzelhandel-fordert-Ausgleich,gzwanzig210.html\" target=\"_blank\">Ausgleich f\u00fcr die Umsatzeinbu\u00dfen<\/a> der H\u00e4ndler in der Innenstadt von angeblich 18 Millionen Euro. Daf\u00fcr, so in einem offenen Brief an Hamburgs Erstem B\u00fcrgermeister Olaf Scholz (SPD), fordert der Einzelhandel zwei zus\u00e4tzliche verkaufsoffene Sonntage im Dezember, also an zwei Adventssonntagen, als Ausgleich. Ohne Zweifel haben die H\u00e4ndler gro\u00dfe Einbu\u00dfen erlitten, die aber sicherlich zu einem Teil in dieser Woche wieder ausgeglichen werden (nicht nur durch Schaulustige!). Dass die Vorweihnachtszeit mehr und mehr dem Kommerz dient, ist nichts Neues. Aber zwei Adventssonntage zus\u00e4tzlich einzufordern, ist unversch\u00e4mt. Mir tun da die Verk\u00e4uferinnen und Verk\u00e4ufer Leid. Zeigt sich hier wieder einmal die \u201ewiderliche Fresse des ungez\u00fcgelten Kapitalismus\u201c?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine meiner Arbeitskolleginnen wohnt in Hamburg-Altona und konnte die drei N\u00e4chte bis zum Sonntag nicht richtig schlafen. Es waren nicht nur die Krawalle, es waren die \u00fcber Hamburg kreisenden Hubschrauber und vieles mehr, was ihr bis zum fr\u00fchen Morgen den Schlaf raubte. 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