{"id":1045,"date":"2007-12-19T00:19:40","date_gmt":"2007-12-18T22:19:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=1045"},"modified":"2007-12-18T17:07:54","modified_gmt":"2007-12-18T15:07:54","slug":"gabriel-garcia-marquez-augen-eines-blauen-hundes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=1045","title":{"rendered":"Gabriel Garc\u00eda M\u00e1rquez: Augen eines blauen Hundes"},"content":{"rendered":"<p>Die fr\u00fchen Erz\u00e4hlungen von <a href=\"http:\/\/www.garciamarquez.de\/home\" target=\"_blank\">Gabriel Garc\u00eda M\u00e1rquez<\/a>, zwischen 1947 und 1955 verfasst, jugendlich-schwerm\u00fctige Texte, sind in einer phantastischen Wirklichkeit angesiedelt und f\u00fchren thematisch zum Macondo-Mythos hin. Schlaflosigkeit, irrationale \u00c4ngste und Alptr\u00e4ume peinigen die Personen der Geschichten. Einsamkeit und Tod sind allgegenw\u00e4rtig. Da w\u00e4chst ein Kind 18 Jahre lang in seinem Sarg und f\u00fchrt das Dasein eines Toten, ein Junge legt Rosen auf sein eigenes Grab, eine Frau \u00fcberlegt, in wessen Leib sie weiterleben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><em>Die literarischen Anf\u00e4nge von Garc\u00eda M\u00e1rquez sind beherrscht von fernliegenden Einfl\u00fcssen, von intellektuellen Kunstgriffen, von schwieriger Selbstbetrachtung. Lesefr\u00fcchte (Faulkner, Virginia Woolf, Kafka) verdr\u00e4ngen Bez\u00fcge der Familien- und Landesgeschichte, fremde Kulturwerte ersetzen den Genius loci, die Erforschung pers\u00f6nlicher Erfahrungen. Offenbar glaubte der beginnende Schriftsteller, nur das Ausgefallene, die erstaunliche Erfindung sei originell, keinesfalls das erlebte, gesehene, geh\u00f6rte Ereignis. Seine Personen sind Fremdlinge in der eigenen Umwelt. Die Titel seiner St\u00fccke klingen r\u00e4tselhaft, gesucht \u2013 vielleicht um zu verbl\u00fcffen, zu befremden. Die Themen sind Tod, Tod im Leben, Leben im Tod, Traum im Leben, Leben im Traum, Traum im Traum. Sie spielen au\u00dferhalb von Raum und Zeit, eine konkrete Umwelt l\u00e4sst sich schwerlich erkennen. Der Autor scheint Zeitlosigkeit anzustreben; und die erinnert an ein keimfreies Wortlaboratorium; an die d\u00fcnne Luft des L\u2019art pour l\u2019art.<\/em><\/p>\n<p>(Aus dem Nachwort von Carl Meyer-Clason, dem \u00dcbersetzer)<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/albpics\/gabriel_garcia_marquez.jpg\" alt=\"Gabriel Garcia Marquez\" \/><\/p>\n<p>Wie gut, dass Garc\u00eda M\u00e1rquez zu den wunderbaren Geschichten der ber\u00fchmten Gro\u00dfmutter, auf die der Autor sich sp\u00e4ter als Arsenal seiner Protagonisten berufen wird, gefunden hat. So wurden Meisterwerke wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hundert_Jahre_Einsamkeit\" target=\"_blank\">\u201eHundert Jahre Einsamkeit\u201c<\/a> erst m\u00f6glich.<\/p>\n<p><em>Er lag in seinem Sarg, bereit, beerdigt zu werden, und wusste trotzdem, dass er nicht tot war. H\u00e4tte ersich aufrichten wollen, er h\u00e4tte es mit aller Leichtigkeit zu tun vermocht. Zumindest \u201egeistig\u201c. Doch es lohnte nicht der M\u00fche. Es war besser, sich hier sterben zu lassen; am \u201eTode\u201c zu sterben, der seine Krankheit war.<\/em><\/p>\n<p>aus: Die dritte Entsagung (La tercera resignaci\u00f3n \u2013 1947)<\/p>\n<p><em>Sein K\u00f6rper, im Wasser der Tr\u00e4ume untergetaucht, konnte sich regen, konnte leben, sich in andere Existenzformen entwickeln, in denen seine wirkliche Welt f\u00fcr seine innere Notwendigkeit eine gleichwertige, wenn nicht h\u00f6here Emotionsdichte besitzen w\u00fcrde, mit denen die Notwendigkeit zu leben ohne Schaden f\u00fcr seine k\u00f6rperliche Unversehrtheit vollauf zufriedengestellt sein w\u00fcrde. Dann w\u00fcrde die Aufgabe, mit den Wesen, den Dingen zusammenzuleben, viel leichter sein, nebenbei noch in der gleichen Form wie in der wirklichen Welt.<\/em><\/p>\n<p>aus: Zwiesprache mit dem Spiegel (Di\u00e1logo del espejo \u2013 1949)<\/p>\n<p>siehe auch meine Beitr\u00e4ge<br \/>\n&#8211; <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=9\" target=\"_blank\">Die Memoiren von Gabriel Garc\u00eda M\u00e1rquez<\/a><br \/>\n&#8211; <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=36\" target=\"_blank\">Die Memoiren von Gabriel Garc\u00eda M\u00e1rquez &#8211; Teil 2<\/a><br \/>\n&#8211; <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=6\" target=\"_blank\">Alterssex in der Literatur<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die fr\u00fchen Erz\u00e4hlungen von Gabriel Garc\u00eda M\u00e1rquez, zwischen 1947 und 1955 verfasst, jugendlich-schwerm\u00fctige Texte, sind in einer phantastischen Wirklichkeit angesiedelt und f\u00fchren thematisch zum Macondo-Mythos hin. 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