{"id":10463,"date":"2019-01-22T08:43:20","date_gmt":"2019-01-22T08:43:20","guid":{"rendered":"https:\/\/willizblog.de\/?p=10463"},"modified":"2019-01-22T08:48:42","modified_gmt":"2019-01-22T08:48:42","slug":"martin-walser-statt-etwas-oder-der-letzte-rank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=10463","title":{"rendered":"Martin Walser: Statt etwas oder Der letzte Rank"},"content":{"rendered":"<p>Die Zeit seiner gro\u00dfen Romane ist l\u00e4ngst vergangen. Aber trotz seiner <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=9964\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">mehr als 90 Jahre<\/a> schreibt er immer noch: Martin Walser, einer der bekanntesten Nachkriegsliteraten (bezogen auf den 2. Weltkrieg und die Zeit nach 1945), wenn dieser Begriff auch lange schon nicht mehr verwendet wird. Heinrich B\u00f6ll, G\u00fcnter Grass, Max Frisch oder Uwe Johnson, um nur einige zu nennen, haben l\u00e4ngst das Zeitliche gesegnet. Martin Walser ist der letzte noch lebende Autor, der sich als Berichterstatter der sich entwickelnden Bundesrepublik Deutschland hervorgetan hat. Mehrere seiner j\u00fcngsten Werke habe ich w\u00e4hrend meiner eher <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=10458\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">unfreiwillig freien Zeit<\/a> in der 2. Jahresh\u00e4lfte des letzten Jahres gelesen, so zun\u00e4chst <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3498073923\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3498073923&#038;linkCode=as2&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkId=1bd0fb39a2eafd14751dfaff2c415d20\">Statt etwas oder Der letzte Rank<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=3498073923\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> &#8211; 1. Auflage Januar 2017 \u2013 Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg.<\/p>\n<p>Nach wie vor ist Walser ein Meister der deutschen Sprache, aber f\u00fcr Neueinsteiger in das<a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?s=martin+walser\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\"> Walser\u2018sche Werk<\/a> sind diese letzten B\u00fccher wenig geeignet. Da verweise ich auf die eingangs erw\u00e4hnten gro\u00dfen Romane. Leser, die sich aber bereits ausf\u00fchrlich mit Martin Walser besch\u00e4ftigt haben, kommen kaum um einen Roman wie diesen herum.<\/p>\n<p>Die Gattung Roman trifft wenig auf dieses Buch zu. <em>\u201eGedankenlyrik in Prosa\u201c<\/em> wurde es genannt und es sind <em>52 Abschnitte voller Welt- und Selbstergr\u00fcndung<\/em>, die nicht frei sind von einer ziemlich typisch Walser\u2019schen Egozentrik. Das Werk handelt so von pers\u00f6nlichen Verletzungen und sexuellen Andeutungen und abstrahiert Biografisches in knappen pointierten Epigrammen. Und wenn diese oftmals <em>\u201aformlos, pathetisch, egozentrisch, sprachlich banal und dem intellektuellen Gehalt nach absolut uninteressant\u2018<\/em> erscheinen, <em>\u201aso faszinieren\u2018<\/em> sie <em>\u201aauf anderer Ebene. Mit &#8222;Statt etwas&#8220; entsagt Walser allen Konventionen und wendet sich der Innerlichkeit zu, entbl\u00f6\u00dft sich und seine Gedankenwelt und das in einer Konsequenz, die an Erbarmungslosigkeit grenzt\u2018<\/em>. (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/impressum\/roman-bucheli-ld.1086070\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Roman Bucheli<\/a> \u2013 Neue Z\u00fcricher Zeitung vom 04.01.2017)<\/p>\n<p>Zur Erkl\u00e4rung des Begriffs Rank \u2013 aus: <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=491\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Deutsches W\u00f6rterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm<\/a><\/p>\n<p><em>rank, m. wendung, drehung<br \/>\n1.\tschweiz. rank, wendung, kr\u00fcmmung des weges<br \/>\n2.\trank, namentlich auch im wettlaufe und bei der jagd, die wendung, die der verfolgte nimmt, um dem verfolger zu entgehen<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eMit der Unwahrheit ein Gl\u00fcckskunstwerk zu schaffen, das ist die menschliche F\u00e4higkeit \u00fcberhaupt.\u201c Wer sagt das? Seine Frau nennt ihn mal Memle; mal Otto, mal Bert, er versucht zu erkennen, wie aus Erfahrungen Gedanken werden. Den Widerstreit von Interessen hat er hinter sich gelassen, Gegner und Feinde auch, sein Wesenswunsch ist, sich herauszuhalten, zu schweigen, zu verstummen. Am liebsten starrt er auf eine leere, musterlose Wand, sie bringt die Unruhe in seinem Kopf zur Ruhe. \u201eMir geht es ein bisschen zu gut\u201c, sagt er sich dann, \u201ezu tr\u00e4umen gen\u00fcgt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eStatt etwas oder der letzte Rank\u201c ist ein Roman, in dem er in jedem Satz ums Ganze geht \u2013 von gr\u00f6\u00dfter Intensit\u00e4t und Kraft der Empfindung, unvorhersehbar und sch\u00f6n. Ein verwobenes Gebilde, auch wenn es seine Verwobenheit nicht zeigen will oder sogar versteckt. Ein Musikst\u00fcck aus Worten, das dem Leser gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Freiheit bietet, weil es von Freiheit getragen ist: der Freiheit des Denkens, des Schreibens, des Lebens. So nah am Rand der Formlosigkeit, ja so entfesselt hat Martin Walser noch nie geschrieben. Ein H\u00f6hepunkt in Martin Walsers Alterswerk, ein Roman als Summe und Bilanz. <\/em>(aus dem Klappentext)<\/p>\n<p>Das Buch beginnt wie folgt:<\/p>\n<p><em>Mir geht es ein bisschen zu gut. Seit dieser Satz mich heimsuchte, interessierte ich mich nicht mehr f\u00fcr Theorien. Alles Besitzergreifende mied ich m\u00fchelos. Das war mein Zustand: ich merkte, dass mich auch das Umst\u00e4ndliche nicht mehr interessierte. Dazu war ich von selbst gekommen. Glaube ich. Genau wei\u00df ich nichts. Zum Gl\u00fcck war das Bed\u00fcrfnis, etwas genau wissen zu wollen, erloschen.<\/em><\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p><em>Mir geht es ein bisschen zu gut.<br \/>\nDass ich noch S\u00e4tze brauchte, war kein gutes Zeichen. Erstrebenswert w\u00e4re gewesen: Satzlosigkeit. Ein Schweigen, von dem nicht mehr die Rede sein m\u00fcsste. Und ich h\u00f6rte mich sagen: Unfassbar sein wie die Wolke, die schwebt.<br \/>\nDas war einer der S\u00e4tze, die mir den Wesenswunsch zu verstummen aufschiebbar machten.<\/em><\/p>\n<p><em>Gewissensbisse? Dann ist dein Charakter deinen Taten nicht gewachsen!<br \/>\nGewissen, das sei die innerste Einsamkeit des Menschen.<\/em><\/p>\n<p>Und hier noch einige andere interessante \u201aBuchst\u00fccke\u2018 aus dem Roman:<\/p>\n<p><em>\u2026, ich habe den wirklich elenden Zustand unserer Sprache, wenn es um Liebe geht, durch Sprachgirlanden ersetzt, die dem, der sie genie\u00dfen kann, das Kompliment h\u00f6herer Zurechnungsf\u00e4higkeit macht.<\/em><\/p>\n<p><em>Wie lernt man vergessen, was man nicht ertr\u00e4gt?<\/em><br \/>\n<em><br \/>\nIch konnte nicht denken, was ich wollte.<\/em><\/p>\n<p>Weitere Leseproben bei <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books\/about\/Statt_etwas_oder_Der_letzte_Rank.html?id=rZYlDQAAQBAJ&#038;printsec=frontcover&#038;source=kp_read_button&#038;redir_esc=y#v=onepage&#038;q&#038;f=false\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">books.google.de<\/a><\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/images-na.ssl-images-amazon.com\/images\/I\/41hpM35O22L._SX304_BO1,204,203,200_.jpg\" alt=\"Martin Walser: Statt etwas oder Der letzte Rank\" title=\"Martin Walser: Statt etwas oder Der letzte Rank\" \/><br \/>\nMartin Walser: Statt etwas oder Der letzte Rank<\/ul>\n<p><em>Hier erz\u00e4hlt einer, der auf sein Leben zur\u00fcckblickt und begreift. Das fulminante Portr\u00e4t eines Menschen, ein Roman, wie es noch keinen gab.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eIn der sch\u00f6nsten und klarsten Sprache, die in Deutschland zurzeit geschrieben wird, verdichtet Martin Walser Erfahrung und Empfindung.\u201c<\/em> Denis Scheck<\/p>\n<p><em>\u201eEs gibt keine S\u00e4tze au\u00dferhalb der Zeit. Und doch versucht Martin Walser, sich einem idealen Schreiben anzun\u00e4hern, das so unmittelbar sein m\u00fcsste wie Musik.\u201c<\/em> <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=7451\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">J\u00f6rg Magenau<\/a>, Die Tageszeitung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeit seiner gro\u00dfen Romane ist l\u00e4ngst vergangen. Aber trotz seiner mehr als 90 Jahre schreibt er immer noch: Martin Walser, einer der bekanntesten Nachkriegsliteraten (bezogen auf den 2. Weltkrieg und die Zeit nach 1945), wenn dieser Begriff auch lange schon nicht mehr verwendet wird. 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