{"id":10992,"date":"2020-07-10T12:25:39","date_gmt":"2020-07-10T12:25:39","guid":{"rendered":"https:\/\/willizblog.de\/?p=10992"},"modified":"2020-07-10T12:27:47","modified_gmt":"2020-07-10T12:27:47","slug":"ingomar-von-kieseritzky-das-buch-der-desaster-anatomie-fuer-kuenstler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=10992","title":{"rendered":"Ingomar von Kieseritzky: Das Buch der Desaster \/ Anatomie f\u00fcr K\u00fcnstler"},"content":{"rendered":"<p>Ende der 1980-er Jahre hatte ich mir zwei B\u00fccher von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ingomar_von_Kieseritzky\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Ingomar von Kieseritzky<\/a> gekauft &#8211; und nat\u00fcrlich auch gelesen. Bei der Durchsicht meiner Bibliothek bin ich wieder auf diese zwei kleinen Romane gesto\u00dfen und habe sie in diesen Tagen erneut vorgenommen. Kieseritzky war ein Verfasser experimenteller Prosa, die stets eine Tendenz zum Grotesken und Absurden aufweist. Sein Humor war grimmig und handelte vorallem von den passionierten Neurosen von M\u00e4nnern. Er war ein \u00fcberaus stilsicherer Wortakrobat, der es nach meinem Geschmack oft etwas zu dick auftrug. Aber irgendwie passte das stilistisch zu dem von ihm Geschriebenen.<\/p>\n<p>Kieseritzky, der im letzten Jahr gestorben ist, war bei Kritikern durchaus beliebt. So erhielt er viele Auszeichnungen in Form von Stipendien und Literaturpreisen, z.B. 1989 den Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen. Ein gro\u00dfes Publikum zu finden, fiel aber nicht ganz so leicht.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/pics\/willi_liest2020.jpg\" alt=\"Willi liest Kieseritzky\" title=\"Willi liest Kieseritzky\" \/><br \/>\nWilli liest Kieseritzky<\/p>\n<p><strong>Das Buch der Desaster (1988)<\/strong><\/p>\n<p><em>Wenn ich meinen Kalziumhaushalt saniert habe, werde ich Anna-M. heimsuchen und eine stille, feuchte Feier \u00fcber die vielen Tode begehen und mit ihr diese Papiere verbrennen. Allzu romantischer Pla; sie hat bestimmt Zentralheizung. Sollte mich nicht, Schwur am chromierten Schreibtisch, der Lungenkrebs krepieren lassen, bliebe nach gen\u00fcgend Sinnstiftung noch Brants Geburtstagsgeschenk, die Mauser-Westentaschenpistole, ein handliches Ding im .kal. 6,35, ausreichend, um das ewige Flattern zu tonisieren.<\/em><\/p>\n<p>So endet der Roman &#8222;Das Buch der Desaster&#8220; von Ingomar Kieseritzky (dtv\/Klett-Cotta 11379 &#8211; Mai 1991)<\/p>\n<p><em>&#8222;Magdalena erbrach sich verschnupft und sagte, ich sei ein Trottel&#8220;, erinnert sich Kelp auf seiner Reise mit Brant. Und: &#8222;Mein Duell mit Anna dauerte genau zwei Jahre, drei Monate, vier Tage.&#8220; Brant wiederum wei\u00df zu berichten: &#8222;Es war meine Frau, meine \u00fcber alles geliebte, wunderbare, sanfte und sch\u00f6ne Natalia, die von dem Kerl gesch\u00e4ndet wurde.&#8220; &#8211; Frauen, Cognac, und alle sonstigen Freuden und Lieden des Leibes spielen eine gro\u00dfe Rolle bei dieser Reise nach Frankreich, die Kelp trotz aller Kalamit\u00e4ten und Mi\u00dfgeschicke nur als &#8222;sanftes Fiasko&#8220; einstufen mag. &#8222;Die erotische Obsession und das ihr automatisch folgende Desaster &#8211; darum geht es in Kelps katastrophischen Plaudereien&#8220;, schreibt Volker Lilienthal im >Rheinischen Merkur>. &#8222;Das Buch der Desaster ist vor allem ein Buch \u00fcber M\u00e4nner und ihre l\u00e4cherlichen Anstrengungen, ans Ziel ihrer sexuellen Begierden zu gelangen. Ich w\u00fc\u00dfte keinen zweiten Autor, der so k\u00f6stlich ironisch \u00fcber das eigene Geschlecht geschrieben hat.&#8220; <\/em>(aus dem Klappentext)<\/p>\n<p>Eine mit brillantem Sprachwitz erz\u00e4hlte Frankreichreise. 93 Romankapitel \u00fcber Theorie und Prxis der Alltagskatastrophe; oder: Eine kleine Enzyklop\u00e4die des t\u00e4glichen Flops.<br \/>\nIm &#8222;Buch der Desaster&#8220; vereinigen sich Esprit und Informiertheit, Freude an der Theoriebildung und Lust am erotischen Detail. Hohe Zeit, Kieseritzky zu lesen.<\/p>\n<p><em>&#8222;Damit empfiehlt sich dieses Buch als Nachtlekt\u00fcre f\u00fcr alle, die keine Panne im Leben auslassen. Denn dieses Buch ist f\u00fcr Katastrophenspezialisten das Trostvollste, was seit dem &#8218;Vaterunser&#8216; geschrieben wurde.&#8220;<\/em> Der Stern<\/p>\n<p><em>&#8222;Kieseritzky meistert ein Vokabular vom grob ordin\u00e4ren Ausdruck bis zur k\u00fchl objektivierenden wissenschaftlichen Bezeichnung. Ich habe seit langem kein Buch mehr mit so gro\u00dfem Interesse und Vergn\u00fcgen zweimal gelesen.&#8220;<\/em> Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/p>\n<p><em>&#8222;Unersch\u00f6pflich scheint Ingomar von Kieseritzkys Phantasie zu sein, wenn es darum geht, Mikrodesaster und Miniaturdebakel kunstvoll in trostreiche Anekdoten zu verpacken &#8230; Seine Desaster halten nicht nur jeden Vergleich mit der Wirklichkeit aus, sie sind vor allem viel am\u00fcsanter.&#8220;<\/em> (Frankfurter Allgemeine Zeitung)<\/p>\n<p><script type=\"text\/javascript\">amzn_assoc_ad_type =\"responsive_search_widget\"; amzn_assoc_tracking_id =\"familiealbin-21\"; amzn_assoc_marketplace =\"amazon\"; amzn_assoc_region =\"DE\"; amzn_assoc_placement =\"\"; amzn_assoc_search_type = \"search_widget\";amzn_assoc_width =\"auto\"; amzn_assoc_height =\"auto\"; amzn_assoc_default_search_category =\"\"; amzn_assoc_default_search_key =\"Kieseritzky\";amzn_assoc_theme =\"light\"; amzn_assoc_bg_color =\"FFFFFF\"; <\/script><script src=\"\/\/z-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?ServiceVersion=20070822&#038;Operation=GetScript&#038;ID=OneJS&#038;WS=1&#038;Marketplace=DE\"><\/script><\/p>\n<p><strong>Anatomie f\u00fcr K\u00fcnstler (1989)<\/strong><\/p>\n<p>Im Roman Anatomie f\u00fcr K\u00fcnstler &#8211; Klett-Cotta, Stuttgart 1989 (Erstausgabe) steht Maximilien Marun im Mittelpunkt. Er erz\u00e4hlt seine aberwitzige Geschichte, von eimem Symposion zur Rettung der Erde, bei der einer der Teilnehmer dank Marun ums Leben kommt. Irgendwo ist es auch so etwas wie ein Liebesroman.<\/p>\n<p><em>Schon Thomas de Quincey feierte ihn: den Mord als eine sch\u00f6ne Kunst; die elegante, zweckfreie &#8222;Herbeif\u00fchrung ewigen Stillschweigens&#8220;. In diesem Buch wird sie in allen Variationen durchgespielt &#8211; eine Geschichte, die in einem stillen Antiquit\u00e4tenladen beginnt. Erz\u00e4hlt wird sie von Max Marun. Der sitzt in einer Klinikzelle und denkt nach \u00fcber die Fragmente seiner fr\u00fcheren Existenz: die heillose Obsession f\u00fcr Laura; die mit privaten \u00dcberlebensprojekten besch\u00e4ftigte Berliner Szene; die kryptischen Briefe des Onkels aus Schlo\u00df Painwood, England. Dort kommt bei ienem &#8222;Badeabenteuer&#8220; ein Wissenschaftler ums Leben, Teilnehmer eines prominent besetzten Symposiums zur Rettung des Planeten. Maruns marodes Ged\u00e4chtnis produziert einen Comic-Strip der Anschl\u00e4ge, mit einer Handlung, die bis zum Schlu\u00df ihre Aufl\u00f6sung f\u00fcr sich beh\u00e4lt.<\/em> (aus dem Klappentext)<\/p>\n<p><em>&#8222;Kieseritzky h\u00e4lt seine Leser in Bewegung &#8230; Am\u00fcsements und Schocks l\u00f6sen einander ab, hingerissen zwischen Sprachwitz und Denklust wird die Lekt\u00fcre zum Ereignis.&#8220;<\/em> Die Zeit<\/p>\n<p><em>&#8222;&#8230; ein deutscher Woody Allen.&#8220;<\/em> Deutsche Welle<\/p>\n<p><em>&#8222;Stilsicherheit und technische Brillanz, Fedankentiefe und historische Geistesgegenwart &#8211; da ist alles, was gro\u00dfe Literatur ausmacht.&#8220;<\/em> S\u00fcddeutsche Zeitung<\/p>\n<p>Ich f\u00fcrchte, dass man Kieseritzky heute vorwerfen w\u00fcrde, nicht unbedingt politisch korrekt zu sein. Und irgendwie sexistisch ist das Ganze dann auch noch. Aber das waren Ende der 1980-er Jahre noch keine handels\u00fcblichen Vokabeln. Und irgendwie liegt da auch der Reiz beim Lesen dieser beiden Romane.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ende der 1980-er Jahre hatte ich mir zwei B\u00fccher von Ingomar von Kieseritzky gekauft &#8211; und nat\u00fcrlich auch gelesen. Bei der Durchsicht meiner Bibliothek bin ich wieder auf diese zwei kleinen Romane gesto\u00dfen und habe sie in diesen Tagen erneut vorgenommen. 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