{"id":11036,"date":"2020-07-26T11:41:33","date_gmt":"2020-07-26T11:41:33","guid":{"rendered":"https:\/\/willizblog.de\/?p=11036"},"modified":"2026-03-17T20:48:01","modified_gmt":"2026-03-17T20:48:01","slug":"russische-wochen-4-michael-bulgakow-meister-und-margarita","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=11036","title":{"rendered":"Russische Wochen (4) &#8211; Michael Bulgakow: Meister und Margarita"},"content":{"rendered":"<p>Komme ich zum vorerst letzten von mir gelesenem Buch meiner &#8218;russischen Wochen&#8216;. Es ist ein Geschenk meines \u00e4ltesten Sohnes und seiner Freundin, die russisch und vor allem wei\u00dfrussisch als Muttersprache spricht, zum Vatertag. Der Autor, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michail_Afanassjewitsch_Bulgakow\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Michail Bulgakow<\/a>, ist zwar in Kiew geboren, der heutigen Hauptstadt der Ukraine (bei seiner Geburt geh\u00f6rte Kiew zum russischen Kaiserreich), er schrieb aber in russischer Sprache und gilt als einer der gro\u00dfen Satiriker der russischen Literatur. Seinen aberwitzigen Roman <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=11007\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">&#8222;Das h\u00fcndische Herz&#8220;<\/a> habe ich bereits kurz vorgestellt. Heute geht es um sein Meisterwerk, an dem er zw\u00f6lf Jahre (bis zu seinem Tode 1940 im Alter von 48 Jahren) schrieb: <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3423143010\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3423143010&#038;linkCode=as2&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkId=3d4f7d80032fc54c5e430620b4ba65d5\" rel=\"noopener noreferrer\">Meister und Margarita<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=3423143010\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> (dtv14301, vollst\u00e4ndige Ausgabe 2014 &#8211; 7. Auflage 2019 &#8211; <a href=\"https:\/\/ru.wikipedia.org\/wiki\/%D0%9C%D0%B0%D1%81%D1%82%D0%B5%D1%80_%D0%B8_%D0%9C%D0%B0%D1%80%D0%B3%D0%B0%D1%80%D0%B8%D1%82%D0%B0\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">\u041c\u0430\u0441\u0442\u0435\u0440 \u0438 \u041c\u0430\u0440\u0433\u0430\u0440\u0438\u0442\u0430<\/a> [Master i Margarita], 1966 &#8211; neu \u00fcbersetzt und kommentiert von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alexander_Nitzberg\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Alexander Nitzberg<\/a> &#8211; mit einem Nachwort von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Felicitas_Hoppe\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Filicitas Hoppe<\/a>).<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/pics\/bulgarow_meister_und_margarita.jpg\" alt=\"Michael Bulgakow: Meister und Margarita\" t=\"Michael Bulgakow: Meister und Margarita\" \/><br \/>\nMichael Bulgakow: Meister und Margarita<\/p>\n<p>Michail Afanassjewitsch Bulgakow, geboren am 15. Mai 1891 in Kiew, studierte Medizin, war Autor, Dramatiker, \u00dcbersetzer und Theaterregisseur. Ber\u00fchmt wurden seine Romane und Erz\u00e4hlungen sowie seine Theaterst\u00fccke. Ab 1930 wurden die Werke Bulgakows in der Sowjetunion nicht mehr ver\u00f6ffentlicht. Der Schriftsteller stellte mehrfach Ausreiseantr\u00e4ge, die ihm jedoch verwehrt wurden.<\/p>\n<p><em>Moskau um 1930: Zusammen mit seinen Gehilfen geht der Teufel um und wirbelt die Stadt m\u00e4chtig durcheinander. Im Variet\u00e9theater richten sie ein heilloses Chaos an und stellen das Publikum &#8211; B\u00fcrger der Stalinzeit &#8211; mit all ihren Schw\u00e4chen blo\u00df. Die Beh\u00f6rden scheitern kl\u00e4glich mit rationalen Erkl\u00e4rungsversuchen. Nur zwei Personen entgehen Schreck und Unbill: Der Meister &#8211; ein Schriftsteller, der seine Tage in der Psychiatrie zubringt &#8211; und Margarita, seine Geliebte, die sich in ihrem gutb\u00fcrgerlichen Leben nach ihm sehnt.<\/p>\n<p>Bulgakows Meisterwerk in der frischen und poetischen Neu\u00fcbersetzung von Alexander Nitzberg ist eine auch heute noch hochpolitische Gesellschaftssatire &#8211; grotesk, aberwitzig und skurril: einer der sch\u00f6nsten Klassiker der Moderne.<\/em> (aus dem Klappentext)<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Meister_und_Margarita#Inhalt\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Der Roman<\/a> schildert in einer allegorischen und witzigen, satirischen Weise das Leben in Moskau zu dieser Zeit. Viele Kritiker z\u00e4hlen den Roman zu den wichtigsten russischen Erz\u00e4hlungen des 20.\u00a0Jahrhunderts und halten ihn f\u00fcr eine der besten Satiren der Zeit, gerichtet gegen die starre, von Willk\u00fcr gepr\u00e4gte B\u00fcrokratie sowie die \u00dcberwachungspraktiken und die Versorgungsengp\u00e4sse in der dogmatisch atheistischen Sowjetunion.<\/em><\/p>\n<p><em>Das zweite Hauptthema des Romans ist mit den menschlichen Werten wie Gut und B\u00f6se, Gott und Teufel, Leben und Tod verbunden. Die Erl\u00f6sung aller Beteiligten, deren freiwilliges Werkzeug auch der Teufel ist, steht hierbei im Mittelpunkt. Einige Kapitel enthalten eine auf historische Glaubw\u00fcrdigkeit bedachte Erz\u00e4hlung \u00fcber Pontius Pilatus w\u00e4hrend der letzten Tage Jesu Christi, der in der Erz\u00e4hlung mit seinem hebr\u00e4ischen Namen Jeschua genannt wird.<\/em> <\/p>\n<p><em>Aus beiden Handlungsstr\u00e4ngen ergibt sich das dritte Hauptthema: Keine gr\u00f6\u00dfere S\u00fcnde als die Feigheit. Keiner der Moskauer Beteiligten ist wirklich bereit, sich der h\u00f6heren Macht \u2013 teils der Staatsmacht, teils der des Satans (in Gestalt des Zauberk\u00fcnstlers Voland) \u2013 zu stellen. Auch Pontius Pilatus verzichtet angesichts der Konsequenzen auf die Freilassung Jeschuas. <\/p>\n<p>Ein weiteres Thema des Romans ist das des K\u00fcnstlers und der Kunst.<\/em> <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Meister_und_Margarita#Figuren\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\"><strong>Die Figuren des Romans<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Keine Frage: Es ist ein herrlich skurriles Buch, das auch heute noch Bestand hat und uns tief in die russische Seele blicken l\u00e4sst \u2013 nicht nur der Stalinzeit, sondern auch der Putin-\u00c4ra. Nicht umsonst hat der Roman jede Menge Adaptionen erfahren, wurde verfilmt, kam als H\u00f6rspiele heraus oder wurde in diversen Theaterausf\u00fchrungen verarbeitet.<\/p>\n<p><em>&#8222;Es ist an der Zeit, Bulgakows Werk als gro\u00dfe epische Dichtung zu entdecken &#8211; daf\u00fcr hat Nitzberg den Weg freigemacht &#8230; man muss sich Satz und Satz auf der Zunge zergehen lassen.&#8220;<\/em> &#8218;BuchMarkt&#8216;<\/p>\n<p><em>&#8222;Sensationell! Kongenial!&#8220;<\/em> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Felicitas_von_Lovenberg\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Felicitas von Lovenberg<\/a> in &#8218;Literatur im Foyer&#8216;<\/p>\n<p>Mit diesem Roman enden f\u00fcr mich erst einmal die &#8218;russischen Wochen&#8216;. Ich kann Bulgakow, aber nat\u00fcrlich auch die Werke Dostojewskis (und der vielen anderen russischen Autoren) nur w\u00e4rmstens empfehlen. Jetzt in der Urlaubszeit sollte gen\u00fcgend Mu\u00dfe zum Lesen vorhanden sein.<\/p>\n<p>siehe auch:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=11005\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Russische Wochen (1) &#8211; Tschingis Aitmatow: Fr\u00fche Kraniche<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=11007\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Russische Wochen (2) &#8211; Michael Bulgakow: Das h\u00fcndische Herz<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=11021\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Russische Wochen (3) &#8211; Fjodor M. Dostojewski: Die D\u00e4monen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Komme ich zum vorerst letzten von mir gelesenem Buch meiner &#8218;russischen Wochen&#8216;. Es ist ein Geschenk meines \u00e4ltesten Sohnes und seiner Freundin, die russisch und vor allem wei\u00dfrussisch als Muttersprache spricht, zum Vatertag. 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