{"id":11049,"date":"2020-07-29T08:27:10","date_gmt":"2020-07-29T08:27:10","guid":{"rendered":"https:\/\/willizblog.de\/?p=11049"},"modified":"2020-07-29T08:35:28","modified_gmt":"2020-07-29T08:35:28","slug":"albert-camus-der-fall-1956","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=11049","title":{"rendered":"Albert Camus: Der Fall (1956)"},"content":{"rendered":"<ul><em>\u00abWenn die Zuh\u00e4lter und Diebe immer und \u00fcberall verurteilt w\u00fcrden, hielten sich ja alle rechtschaffenen Leute st\u00e4ndig f\u00fcr unschuldig! Und meiner Meinung nach muss gerade das verhindert werden.\u00bb <\/em><br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albert_Camus\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Albert Camus<\/a>: Der Fall (1956)<\/ul>\n<p><em>In diesem 1957 mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Roman <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3499221918\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3499221918&#038;linkCode=as2&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkId=db6288ea62565ef36eafba47d034b053\" rel=\"noopener noreferrer\">Der Fall<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=3499221918\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> schildert <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?s=camus\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\"><strong>Camus<\/strong><\/a> den Fall des Pariser Anwalts Johannes Clamans, der seine Karriere als erfolgreicher und beliebter Strafverteidiger der Pariser <a href=\"https:\/\/de.wiktionary.org\/wiki\/Hautevolee\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Hautevolee<\/a> freiwillig aufgibt, um als um als Winkeladvokat und \u201eBu\u00dfrichter\u201c unter den Asozialen im Amsterdamer Hafenviertel unterzutauchen. Clamans war aus seiner Selbstzufriedenheit und dem vermeintlichen Einklang mit der Welt gest\u00fcrzt, als er eines Nachts an der Seine den Hilfeschrei einer Selbstm\u00f6rderin geh\u00f6rt und nicht beachtet hatte. Damit beginnt sein Gewissenskonflikt; und in einer atemberaubenden Beichte voll eisiger Ironie und lateinischer Klarheit bekennt er, da\u00df Selbstgef\u00e4lligkeit und Opportunismus die Triebfelder seines Gerechtigkeitssinnes waren.<\/em> (aus dem Klappentext)<\/p>\n<p>Ich habe diesen gerade einmal 120 Seiten umfassenden Roman in folgender Ausgabe vorliegen: Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg \u2013 1044, 184.-193. Tausend Februar 1979 &#8211; aus dem Franz\u00f6sischen \u00fcbertragen von Guido G. Meister \u2013 Originalausgabe erschien unter dem Titel \u201eLa Chute\u201c<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/images-na.ssl-images-amazon.com\/images\/I\/41xwat2Me0L._SX301_BO1,204,203,200_.jpg\" alt=\"Albert Camus: der Fall (1956)\" title=\"Albert Camus: der Fall (1956)\" \/><br \/>\nAlbert Camus: der Fall (1956)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Fall_(Roman)\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Die Geschichte<\/a> ist in Amsterdam angesiedelt und wird als Monolog vom selbsternannten \u201eBu\u00dfrichter\u201c Jean-Baptiste Clamence erz\u00e4hlt, der einem Fremden seine Vergangenheit als erfolgreicher Anwalt offenbart. In seiner Lebensbeichte berichtet er von seiner Krise und seinem Fall, der als individuelle s\u00e4kulare Version des S\u00fcndenfalls gesehen werden kann. Das Werk erkundet Themen wie Bewusstsein, Freiheit und die Sinnlosigkeit des menschlichen Lebens. <\/p>\n<p>Die Besonderheit dieses Romans liegt darin, dass der Protagonist, der die Beichte ablegt, im ganzen Werk als Einziger zu Wort kommt. Der Verzicht auf einen allwissenden Erz\u00e4hler, der auch Camus\u2019 14 Jahre zuvor erschienenen Roman Der Fremde pr\u00e4gt, nimmt dem Leser die M\u00f6glichkeit, das Geschehen zu objektivieren. <\/p>\n<p>Nebelverhangene Grachten, kleine Br\u00fccken und unz\u00e4hlige Fahrradfahrer bestimmen das Bild von Amsterdam. 1954 entdeckte Albert Camus die niederl\u00e4ndische Hauptstadt und empfand sie als klassisch und frech, aber auch d\u00fcster \u2013 der ideale Konterpart zu seiner Melancholie. In Amsterdam siedelte der zuk\u00fcnftige Literaturnobelpreistr\u00e4ger seinen Roman \u201eDer Fall\u201c an: die poetische Irrfahrt eines Mannes, der von der Schuld zerfressen wird. (Quelle: <a href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/videos\/094320-000-A\/amsterdam-der-fall-von-albert-camus\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">arte.tv<\/a>)<\/p>\n<p><embed src=\"http:\/\/www.willizblog.de\/gddflvplayer.swf\" flashvars=\"?&#038;autoplay=false&#038;sound=70&#038;buffer=2&#038;clickTAG=http:\/\/www.willizblog.de\/&#038;mylogo=http:\/\/www.willizblog.de\/images\/video.png&#038;splashscreen=http:\/\/www.willizblog.de\/images\/video_splash2.jpg&#038;vdo=https:\/\/arteptweb-a.akamaihd.net\/am\/ptweb\/094000\/094300\/094320-000-A_SQ_0_VA_04733825_MP4-2200_AMM-PTWEB_1Gzsq7FB6R.mp4\" width=\"560\" height=\"315\" allowFullScreen=\"true\" quality=\"best\" wmode=\"transparent\" allowScriptAccess=\"always\"  pluginspage=\"https:\/\/get.adobe.com\/de\/flashplayer\/\"  type=\"application\/x-shockwave-flash\"><br \/>\nDer Fall: Albert Camus und Amsterdam<\/p>\n<p>Hier einige kurze Textpassagen, die teilweise allein f\u00fcr sich sprechen:<\/p>\n<p><em>\u201e&#8230; gepflegter Stil und Seidenhemden haben miteinander gemein, da\u00df sie nur allzu oft einen h\u00e4\u00dflichen Ausschlag verbergen.\u201c<\/em> (S. 8)<\/p>\n<ul><em>\u201eWer keinen Charakter hat, mu\u00df sich wohl oder \u00fcbel eine Methode zulegen.\u201c<\/em> (S. 12)<\/ul>\n<p><em>\u201eWenn einer nicht umhin kann, Sklaven zu halten, ist es dann nicht besser, er nennt sie freie Menschen?\u201c<\/em> (S.- 40)<\/p>\n<ul><em>\u201eSie wissen ja, was Charme ist: eine Art, ein Ja zur Antwort zu erhalten, ohne eine klare Frage gestellt zu haben.\u201c<\/em> (S. 48f.)<\/ul>\n<p><em>\u201eIch habe keine Freunde mehr, ich habe nur noch Komplicen. Daf\u00fcr hat ihre Zahl zugenommen, sie umfa\u00dft das ganze Geschlecht der Menschen. Und unter den Menschen kommen Sie an erster Stelle. Der just Anwesende kommt immer an erster Stelle.\u201c<\/em> (S. 62f.)<\/p>\n<ul><em>\u201e&#8230; geben wir ihnen ja keinen Vorwand, [\u2026] uns zu richten!\u201c<\/em> (S. 65)<\/ul>\n<p><em>\u201eGl\u00fccklich und gerichtet oder freigesprochen und elend.\u201c<\/em> (S. 67)<\/p>\n<ul><em>\u201e&#8230; und bliebt in einem Leben auch nur eine L\u00fcge verborgen, verlieh der Tod ihr Endg\u00fcltigkeit.\u201c<\/em> (S. 75)<\/ul>\n<p><em>\u201e&#8230; die Lobreden wurden mir je l\u00e4nger desto unertr\u00e4glicher. Mir schien, die L\u00fcge nehme damit immer mehr zu &#8230;\u201c<\/em> (S. 76)<\/p>\n<ul><em>\u201eUm dem Lachen zuvorzukommen, verfiel ich also auf die Idee, mich der allgemeinen L\u00e4cherlichkeit preiszugeben.\u201c<\/em> (S. 76)<em><\/ul>\n<p>\u201e&#8230; es gen\u00fcgt nicht, sich anzuklagen, um seine Unschuld zu beweisen &#8230;\u201c<\/em> (S. 79)<\/p>\n<ul><em>\u201e&#8230; der Dreck verleiht uns Haltung.\u201c<\/em> (S. 82)<\/ul>\n<p><em>\u201e&#8230; die Wahrheit [\u2026] ist zum Sterben langweilig!\u201c <\/em>(S. 85)<\/p>\n<ul><em>\u201e&#8230; da\u00df die echte Ausschweifung befreit, weil sie keinerlei Verpflichtung schafft.\u201c<\/em> (S. 86)<em><\/ul>\n<p>\u201eEs ist kein Gott vonn\u00f6ten, um Schuldhaftigkeit zu schaffen oder um zu strafen. Unsere von uns selbst wacker unterst\u00fctzten Mitmenschen besorgen das zur Gen\u00fcge.\u201c<\/em> (S. 92)<\/p>\n<ul><em>\u201e&#8230; da\u00df die einzige N\u00fctzlichkeit Gottes darin best\u00fcnde, die Unschuld zu verb\u00fcrgen &#8230;\u201c<\/em> (S. 92)<em><\/ul>\n<p>\u201eEs fehlt nie an Gr\u00fcnden, einen Menschen umzubringen. Im Gegenteil, es ist unm\u00f6glich, sein Weiterleben zu rechtfertigen.\u201c<\/em> (S. 93)<\/p>\n<ul><em>\u201eKeine Entschuldigung [,,,] Ich lasse nichts gelten, weder die wohlmeinende Absicht, noch den achtbaren Irrtum, den Fehltritt oder den mildernden Umstand.\u201c<\/em> (S. 109)<br \/>\n<em><\/ul>\n<p>\u201eDie Anklagerede ist zu Ende. Im selben Augenblick wird das den Mitmenschen vorgehaltene Portr\u00e4t zum Spiegel.\u201c<\/em> (S. 115)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abWenn die Zuh\u00e4lter und Diebe immer und \u00fcberall verurteilt w\u00fcrden, hielten sich ja alle rechtschaffenen Leute st\u00e4ndig f\u00fcr unschuldig! 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