{"id":11109,"date":"2020-09-03T10:32:33","date_gmt":"2020-09-03T10:32:33","guid":{"rendered":"https:\/\/willizblog.de\/?p=11109"},"modified":"2020-09-03T10:32:33","modified_gmt":"2020-09-03T10:32:33","slug":"nein-so-doch-nicht-12-das-woertchen-man","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=11109","title":{"rendered":"Nein, so doch nicht &#8230; (12): Das W\u00f6rtchen &#8218;man&#8216;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?s=kafka\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Kafkas<\/a> <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=5432\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Prozess<\/a> beginnt damit (<em>\u201eJemand mu\u00dfte Josef K. verleumdet haben, \u2026\u201c<\/em>), Goethe benutzte es in seinem <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=6485\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Faust<\/a> (<em>\u201eIch wei\u00df, wie man den Geist des Volks vers\u00f6hnt; \u2026\u201c<\/em>). Es geht um <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Indefinitpronomen\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Indefinitpronoma<\/a>, also um unbestimmte F\u00fcrw\u00f6rter, die sich leider nicht immer vermeiden lassen, besonders das W\u00f6rtchen &#8218;man&#8216;. Die Frage, die ich hier er\u00f6rtern will, ist, ob &#8218;man&#8216; frauenfeindlich ist, wenn man &#8218;man&#8216; benutzt.<\/p>\n<p>In diesem Blog bem\u00fche ich mich, das W\u00f6rtchen &#8218;man&#8216; tunlichst zu vermeiden. &#8218;Man&#8216; klingt wie Mann. Ist aber &#8218;man&#8216; mit Mann gleichzusetzen? Werden Frauen also diskriminiert, weil &#8217;s immer nur &#8218;man&#8216; und nie &#8218;frau&#8216; hei\u00dft?<\/p>\n<p>Das W\u00f6rtchen &#8218;man&#8216; ist wie <em>jemand<\/em> (siehe Kafka), <em>alle, einer, manche, wer, etwas, einige, andere<\/em> ein <a href=\"https:\/\/de.wiktionary.org\/wiki\/man#Indefinitpronomen\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Indefinitpronomen<\/a>, also unbestimmtes F\u00fcrwort. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pronomen\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Pronomen<\/a> treten \u201ean die Stelle eines Nomens (Substantiv; deutsch Namenwort)\u201c und das W\u00f6rtchen &#8218;man&#8216; verwenden wir insbesondere dann, wenn wir etwas verallgemeinern, also nicht konkret von einer Person, Sache usw. sprechen. Und &#8218;man&#8216; taucht noch in vielen anderen W\u00f6rtern auf wie <em>mancherlei &#8211; manchmal &#8211; mannigfach<\/em>. Und gibt es da noch <em>jedermann<\/em> (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hugo_von_Hofmannsthal\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Hugo von Hofmannsthal<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jedermann#Jedermann_bei_den_Salzburger_Festspielen\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Salzburg<\/a> lassen gr\u00fc\u00dfen).<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/images\/nein_so_doch_nicht.jpg\" alt=\"Nein, so doch nicht ...\" title=\"Nein, so doch nicht ...\" \/><br \/>\nNein, so doch nicht &#8230;: Das W\u00f6rtchen &#8218;man&#8216;<\/p>\n<p>Wie verh\u00e4lt es sich nun mit der &#8218;M\u00e4nnlichkeit? Was daf\u00fcr spricht, ist das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Generisches_Maskulinum\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">generische Maskulinum<\/a>, die Benutzung der verallgemeinernden m\u00e4nnlichen Form, z.B. Man hat sein Gl\u00fcck gemacht, wenn &#8230; Das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Possessiv\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Possessivpronomen<\/a> (besitzanzeigende F\u00fcrw\u00f6rter) &#8217;sein&#8216; ist m\u00e4nnlich (so wie: Er hat sein Gl\u00fcck gemacht!).<\/p>\n<p>Nun habe ich aber zur Etymologie von &#8218;man&#8216; gelesen <a href=\"https:\/\/pinkstinks.de\/sprachreform-man-oder-frau\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">(pinkstinks.de<\/a> bzw. <a href=\"http:\/\/frauensprache.com\/man.htm\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">frauensprache.com<\/a>), dass &#8218;man&#8216; im urspr\u00fcnglichen Altnordischen &#8222;Frau&#8220; (engl. woman) bedeutet. Das Wort f\u00fcr &#8222;Mann&#8220; war nicht &#8218;man&#8216;, sondern &#8218;wer&#8216;, aus der Sanskritwurzel vir, wie in wer-wulf, dem Wolfsmann. Und die englische Isle of Man war z.B. der Mondfrau geweiht, die auch als Seejungfrau daher kam. Im Europa des Altertums sei es Mana, die Mondmutter, gewesen, die die Menschen hervorbrachte. Dem widerspricht allerdings, was ich \u00fcber den <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Isle_of_Man#Name\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Namen der Isle of Man<\/a> gelesen habe. Danach lehnt sich &#8218;Man&#8216; an das keltische Wort f\u00fcr Berg, k\u00f6nnte allerdings auch der Name eines K\u00f6nigs sein. M\u00e4nnlich oder weiblich? Mann oder Frau? Wer wei\u00df es genau? Wie auch immer &#8230;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/man_jemand_irgendeiner_irgendeine\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Der Duden<\/a> sagt, dass die Herkunft mittelhochdeutsch, althochdeutsch sei und  &#8218;man&#8216; eigentlich <em>irgendeiner, jeder beliebige (Mensch!)<\/em> meint. Oder an anderer Stelle: &#8218;man&#8216; meint <em>irgend jemand, manche oder alle Menschen, formal sind Frauen mitgemeint<\/em>, wenn MAN &#8222;man&#8220; sagt: <\/p>\n<p>Der Duden geht dann noch etwas mehr in die Tiefe und definiert &#8218;man&#8216; u.a. mit:<\/p>\n<p>&#8211; jemand (sofern er in einer bestimmten Situation stellvertretend f\u00fcr jedermann genommen werden kann), z.B. <em>\u2026 man nehme \u2026<\/em> (wie viele Kochb\u00fccher m\u00fcssten umgeschrieben werden, wenn &#8230;)<\/p>\n<p>&#8211; irgendjemand oder eine bestimmte Gruppe von Personen, z.B. <em>&#8230; man vermutet &#8230;<\/em> (es wird allgemein vermutet) <\/p>\n<p>&#8211; du, ihr, Sie; er, sie (zum Ausdruck der Distanz, wenn jemand die direkte Anrede vermeiden will), z.B. <em>\u2026 hat man sich gut erholt? \u2026<\/em><\/p>\n<p>Und im <a href=\"http:\/\/woerterbuchnetz.de\/cgi-bin\/WBNetz\/wbgui_py?sigle=DWB&#038;mode=Vernetzung&#038;hitlist=&#038;patternlist=&#038;lemid=GM00799#XGM00799\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">digitalen Grimm<\/a> (<a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?s=w%C3%B6rterbuch+grimm\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Deutsches W\u00f6rterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm<\/a>) finden MAN u.a.:<\/p>\n<p><em>man, seit der mhd. zeit im gebrauche [&#8230;], sagt ohne bezug auf ein bestimmtes subject im allgemeinen aus, was zugleich von mehreren gelten kann (gramm. 4, 220); bei dieser allgemeinheit ist eine mehrheit verstanden, man menschen, leute &#8230;<\/em><\/p>\n<p>Wie gesagt: Das W\u00f6rtchen &#8218;man&#8216; verallgemeinert. Und deshalb versuche ich, es zu umgehen. Wer laufend &#8218;man&#8216; benutzt, bleibt im Unbestimmten. Wir wollen angesprochen werden (wir oder ihr statt &#8218;man&#8216;).. Oder wir wollen, dass sich der Schreiber zu erkennen gibt (ich statt &#8218;man&#8216;).<\/p>\n<p>Auf jeden Fall finde ich die Verwendung von <em>&#8218;frau\/man&#8216;<\/em> statt &#8218;man&#8216; f\u00fcr \u2013 na ja \u2013 unpassend. Ich bin durchaus f\u00fcr eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geschlechtergerechte_Sprache\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">geschlechtergerechte Sprache<\/a>. Aber mit diesem <em>&#8218;frau\/man&#8216;<\/em> ginge der Schuss nach hinten los. <strong>Nein, so doch nicht &#8230;!<\/strong><\/p>\n<p>Zuletzt: Nun, ich komme aus norddeutschem Gefilde. Und da gibt es eine <a href=\"https:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/man_nur_ruhig\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Eigenheit mit dem W\u00f6rtchen &#8218;man&#8216;<\/a>, das nur hier zu finden ist: &#8218;man&#8216; als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adverb\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Adverb<\/a> (Umstandswort), norddeutsch umgangssprachlich f\u00fcr nur, mal, z.B.:<\/p>\n<p><em>&#8211; lass man gut sein!<br \/>\n&#8211; na, denn man los!<\/em><\/p>\n<p>Ja, richtig: <strong>Lass man gut sein, Willi!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kafkas Prozess beginnt damit (\u201eJemand mu\u00dfte Josef K. verleumdet haben, \u2026\u201c), Goethe benutzte es in seinem Faust (\u201eIch wei\u00df, wie man den Geist des Volks vers\u00f6hnt; \u2026\u201c). Es geht um Indefinitpronoma, also um unbestimmte F\u00fcrw\u00f6rter, die sich leider nicht immer vermeiden lassen, besonders das W\u00f6rtchen &#8218;man&#8216;. 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