{"id":11174,"date":"2020-11-16T11:10:51","date_gmt":"2020-11-16T11:10:51","guid":{"rendered":"https:\/\/willizblog.de\/?p=11174"},"modified":"2020-11-16T11:17:43","modified_gmt":"2020-11-16T11:17:43","slug":"der-mensch-erscheint-im-holozaen-ein-visual-poem-nach-max-frisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=11174","title":{"rendered":"Der Mensch erscheint im Holoz\u00e4n \u2013 ein Visual Poem nach Max Frisch"},"content":{"rendered":"<p>Wie der Zufall es so will, sendet <a href=\"https:\/\/www.3sat.de\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">3SAT<\/a> im Rahmen des Berliner Theatertreffens 2020 das Visual Poem nach Max Frischs Erz\u00e4hlung <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=4498\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Der Mensch erscheint im Holoz\u00e4n<\/a> in einer Auff\u00fchrung des <a href=\"https:\/\/www.schauspielhaus.ch\/de\/\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Schauspielhauses Z\u00fcrich<\/a>. Zufall deshalb, weil ich mich in den letzten Tagen mit Theaterst\u00fccken von <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?s=%22max%20frisch%22\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Max Frisch<\/a> besch\u00e4ftigt und in diesem Jahr auch weitere Werke von ihm (erneut) gelesen habe (dazu sp\u00e4ter mehr).<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/max_frisch_holozaen.jpg\" alt=\"Max Frisch: Der Mensch erscheint im Holoz\u00e4n - 1. Auflage\" title=\"Max Frisch: Der Mensch erscheint im Holoz\u00e4n - 1. Auflage\" \/><br \/>\nMax Frisch: Der Mensch erscheint im Holoz\u00e4n &#8211; 1. Auflage<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alexander_Giesche\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Alexander Giesche<\/a> legt mit <a href=\"https:\/\/www.3sat.de\/kultur\/theater-und-tanz\/starke-stuecke-der-mensch-erscheint-im-holozaen-100.html\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\"><strong>&#8222;Der Mensch erscheint im Holoz\u00e4n&#8220;<\/strong><\/a> (verf\u00fcgbar auf 3SAT bis 12.03.2021) am Schauspielhaus Z\u00fcrich die erste gro\u00dfe Inszenierung zum Thema Klimawandel vor. Er erhielt daf\u00fcr im Rahmen des Berliner Theatertreffens 2020 den 3sat-Preis.<\/em><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/pics\/frisch_mensch_im_holozaen.jpg\" alt=\"Schauspielhaus Z\u00fcrich 2020: Der Mensch erscheint im Holoz\u00e4n \u2013 nach Erz\u00e4hlung von Max Frisch\" title=\"Schauspielhaus Z\u00fcrich 2020: Der Mensch erscheint im Holoz\u00e4n \u2013 nach Erz\u00e4hlung von Max Frisch\" \/><br \/>\nSchauspielhaus Z\u00fcrich 2020: Der Mensch erscheint im Holoz\u00e4n \u2013 nach Erz\u00e4hlung von Max Frisch<\/p>\n<p><em>\u201eDer Mensch erscheint im Holoz\u00e4n\u201c von Max Frisch ist eine Erz\u00e4hlung \u00fcber das Vergessen und Vergehen. Mit dem Verlust des Ged\u00e4chtnisses verschwindet auch der Mensch, verliert sich und die Kontrolle \u00fcber das eigene Leben.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein Gef\u00fchl der Heimat bleibt, die vertraute Umgebung, die Natur, die Berge, der Schnee, wie das Licht ins Tal f\u00e4llt zu verschiedenen Jahreszeiten. In einem durch ein Unwetter von der Au\u00dfenwelt abgeschlossenen Bergdorf k\u00e4mpft Herr Geiser gegen den fortschreitenden Verlust seines Ged\u00e4chtnisses. Mit Hilfe kleiner Zettel, die er in seinem Haus verteilt, baut er sich eine Wissensdatenbank auf. Die Isolation macht Herrn Geisers zur\u00fcckgezogenes Leben noch einsamer. Hinzu kommt die Sorge, dass durch den andauernden Regen der ganze Berg ins Rutschen geraten k\u00f6nnte.<br \/>\nDie Erz\u00e4hlung des Schweizer Autors Max Frisch erscheint 1979. Ein lange verkanntes Sp\u00e4twerk. Der Regisseur Alexander Giesche nimmt den Text als Ausgangspunkt f\u00fcr seine Inszenierung am Schauspielhaus Z\u00fcrich, die ganz um die Trias Mensch, Natur, Technik kreist. Er folgt dabei nur lose der Erz\u00e4hlung, sie ist vielmehr Stichwortgeber f\u00fcr immer neue Bilder, die dem Verlust, dem Vergessen, dem Abschied eine Form geben.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine Schauspielerin und ein Schauspieler berichten fragmentarisch \u00fcber Herrn Geisers Zustand und den des Tals, mal aus seiner Perspektive, mal als Beobachter. Alexander Giesche nennt seine Werke Visual Poems. Die Inszenierung besteht aus klar voneinander abgegrenzten Bildern. Er l\u00e4sst Krankenhausbetten und elektrische Rollst\u00fchle tanzen, zaubert Hologramme auf die B\u00fchne und l\u00e4sst einen erstaunlich realistischen Dinosaurier auftreten. Die verschiedenen Elemente und theatralen Mittel stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander, sind alle Teil seines Gedichts.<\/p>\n<p>Ein Abend, der scheinbar die Sch\u00f6nheit des Untergangs besingt. Auch die Menschheit wird einmal Geschichte sein oder wie Max Frisch es formuliert hat, \u201eKatastrophen kennt allein der Mensch, sofern er sie \u00fcberlebt; die Natur kennt keine Katastrophen.\u201c Aber Alexander Giesche schafft es aus diesem Fatalismus einen Hoffnungsschimmer, ein Gef\u00fchl der W\u00e4rme herauszusch\u00e4len. Das Verh\u00e4ltnis Mensch \u2013 Natur bleibt ein angespanntes. Unser sch\u00e4dlicher Einfluss auf den Planeten zeigt sich jeden Tag deutlicher.<\/em><\/p>\n<p>Im Anschluss an diese Inszenierung ist Max Frisch mit seiner Dankesrede <a href=\"https:\/\/silo.tips\/download\/ik-f-fi-die-schweiz-ais-heimat\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Die Schweiz als Heimat<\/a> zur Verleihung des Schillerpreises am 12.01.1974 zu sehen. Hier setzt sich Frisch ebenso eloquent wie kritisch mit der eigenen Herkunft auseinander. Die Rede ist heute so aktuell wie eh und je.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie der Zufall es so will, sendet 3SAT im Rahmen des Berliner Theatertreffens 2020 das Visual Poem nach Max Frischs Erz\u00e4hlung Der Mensch erscheint im Holoz\u00e4n in einer Auff\u00fchrung des Schauspielhauses Z\u00fcrich. 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