{"id":11485,"date":"2021-10-08T11:11:38","date_gmt":"2021-10-08T11:11:38","guid":{"rendered":"https:\/\/willizblog.de\/?p=11485"},"modified":"2021-10-08T11:13:01","modified_gmt":"2021-10-08T11:13:01","slug":"franz-kafka-das-schloss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=11485","title":{"rendered":"Franz Kafka: Das Schloss"},"content":{"rendered":"<ul>Es war sp\u00e4tabends, als K. ankam.<br \/>\nKafka: Das Schloss \u2013 das erste Kapitel<\/ul>\n<p>Immer wieder stolpert der werte Leser meines Blogs \u00fcber &#8230; <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?s=kafka\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Franz Kafka<\/a>. Zu einem ist es ein Artikel \u00fcber Kafka und\/oder sein Werk, zum anderen ziehe ich Vergleiche mit ihm. Kafka schrieb drei Romane, die allesamt unvollendet blieben. Viele Kafka-Kenner sagen, dass diese nicht ohne Grund unvollendet blieben: Ein Ende, ein Schluss w\u00e4re nicht m\u00f6glich. Open End wird das beim Film genannt.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/kafka_1923_24.jpg\" alt=\"Franz Kafka 1924\"  title=\"Franz Kafka 1924\"\/><br \/>\nFranz Kafka 1924<\/p>\n<p>Nach Kafkas Roman <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=5432\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Der Prozess<\/a> habe ich nun <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Schloss\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Das Schloss<\/a> erneut gelesen. Es liest sich leicht und locker, ist gespickt mit Dialogen, \u00e4hnelt einem Drehbuch. Kafka ist eigentlich unkompliziert \u2013 aber was so real beschrieben ist, gleicht doch eher einem Alptraum: Da ist K., der Landvermesser, der gekommen ist, um seine Arbeit aufzunehmen. Er versucht, Zugang zum Schloss zu bekommen, ger\u00e4t dabei in die M\u00fchlen der Schlossverwaltung &#8230;. (soviel zur Inhaltsangabe).<\/p>\n<p>Es ist viel in diesen Roman <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Schloss#Deutungsans%C3%A4tze\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">hineingedeutet<\/a> worden. <em>In der existentialistisch gepr\u00e4gten Interpretation von <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?s=camus\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Albert Camus<\/a> steht der ergebnislose Versuch K.s sich dem Schloss anzun\u00e4hern f\u00fcr die berechtigte aber erfolglose Sinnsuche des Menschen in einer sinnentleerten Welt.<\/em><\/p>\n<p>Max Brod sah in dem Roman <em>ein theologisches Modell, n\u00e4mlich den Ort g\u00f6ttlicher Gnade. Als enger Vertrauter und Nachlassverwalter Kafkas konnte er dies mit einer gewissen Berechtigung vorbringen. Adorno interpretierte das Werk als Darstellung von Hierarchie- und Machtstrukturen auch k\u00fcnftiger totalit\u00e4rer Systeme. Weitere Deutungen sehen eine schwarze Satire auf Macht, Willk\u00fcr und \u00dcberb\u00fcrokratisierung von Beh\u00f6rden und Staatsapparaten. Das \u201eSchloss\u201c k\u00f6nnte nach psychoanalytischer Deutung auch die Welt der V\u00e4ter darstellen, die zu erobern der Sohn sich vergeblich bem\u00fcht.<\/em> Peter Weiss erkl\u00e4rt in seinem Roman-Essay <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=11477\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">\u00c4sthetik des Widerstands<\/a> Kafkas Roman zu einem Proletarierroman. <\/p>\n<p>In dem japanischen Film <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=8062\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Guilty of Romance<\/a> aus dem Jahre 2011 von Sion Sono wird \u201eDas Schloss\u201c (japanisch: \u57ce) von Franz Kafka zum Sinnbild f\u00fcr eine vergebliche Suche. Wie K., der Landvermesser aus dem Roman, finden sie nicht das \u201aTor\u2019, keinen Zugang zum Schloss, also keinen Zugang zum eigenen Ich.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/pics\/guilty_of_romance2011_kafkas_schloss.jpg\" alt=\"Guilty of Romance (2011) \u2013 an der Wand steht \u57ce \u2013 'Das Schloss'\" title=\"Guilty of Romance (2011) \u2013 an der Wand steht \u57ce \u2013 'Das Schloss'\" \/><br \/>\nGuilty of Romance (2011) \u2013 an der Wand steht \u57ce \u2013 &#8222;Das Schloss&#8220;<\/p>\n<p>Nun ich habe Kafkas Erz\u00e4hlungen und Romane als Gesammelte Werke &#8211; herausgegeben von Max Brod \u2013 in einer Taschenbuchausgabe in sieben B\u00e4nden &#8211; Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main &#8211; Ungek\u00fcrzte Ausgabe \u2013 April 1976. Die Bildb\u00e4nde, die Sekund\u00e4rliteratur u.v.m. zu Kafka f\u00fcllen bei mir inzwischen zwei Regalreihen aus. F\u00fcr mich ist er die faszinierendste Person der deutschsprachigen Literatur.<\/p>\n<p>Obwohl die Anzahl der wichtigsten Protagonisten des Romans <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3750290776\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3750290776&#038;linkCode=as2&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkId=861e37d4a475889addd4dff563ffffb3\" rel=\"noopener\"><strong>Das Schloss<\/strong><\/a> durchaus \u00fcbersichtlich ist, so habe ich in einer \u00dcbersicht auch die Randfiguren aufgef\u00fchrt:<\/p>\n<p><strong>Personen:<\/strong><\/p>\n<p>[das Schlo\u00df des Herrn Grafen Westwest]<\/p>\n<p><strong>K., der Landvermesse<\/strong>r [zu Hause &#8218;das bittere Kraut&#8216; genannt]<br \/>\nHans, Wirt im Wirtshaus &#8218;Zur Br\u00fccke&#8216;<br \/>\nGardena, Frau des Wirtes<br \/>\n[Kastellan Schwarzer]<br \/>\nUnterkastellan Fritz<br \/>\nGerbermeister Lasemann<br \/>\nArtur \u2013 vom Schloss, Gehilfe von K.<br \/>\nJeremias \u2013 vom Schloss, Gehilfe von K. \u2013 sp\u00e4ter Zimmerkellner im &#8218;Herrenhof&#8220;<br \/>\nFuhrmann Gerst\u00e4cker<\/p>\n<p>Herr Oswald, Telefonat mit dem Schloss<br \/>\n<strong>Barnabas, ein Bote<\/strong><br \/>\nBarnabas&#8216; Eltern<br \/>\n<strong>Olga, Schwester Barnabas&#8216;<br \/>\nAmalia Schwester Barnabas&#8216;<br \/>\nKlamm, Vorstand<\/strong> {der X. Kanzlei]<br \/>\nWirt im &#8218;Herrenhof&#8216;<\/p>\n<p><strong>Frieda, Ausschankm\u00e4dchen im &#8218;Herrenhof&#8216;, angeblich Geliebte von Klamm<\/strong><br \/>\nVorsteher im Dorf<br \/>\nMizzi, seine Frau<br \/>\nSordini, Referent in Abteilung B [des Schlosses]<br \/>\nOtto Brunswick, Schustermeister [in der Madeleinegasse] und Gemeinderat, Schwager von Lasemann, dem Gerbermeister<br \/>\nHans Brunswick, sein junger Sohn, Sch\u00fcler der 4. Klasse<br \/>\nFrieda Brunswick, Schwester von Hans<\/p>\n<p>Pepi, Nachfolgerin von Frieda als Ausschankm\u00e4dchen im &#8218;Herrenhof&#8216;<br \/>\nHenriette und Elilie, Pepis Freundinnen<br \/>\nMomus, Dorfsekret\u00e4r Klamms [und f\u00fcr Vallabene]<\/p>\n<p>Schwarzer, Sohn des Kastellans, Hilfslehrer [liebt Gisa]<br \/>\nder Lehrer<br \/>\nGisa, Lehrerin im Dorf<\/p>\n<p>Sortini, gro\u00dfer Beamter [nicht mit Sordini verwandt]<br \/>\nSeemann, Obmann der Feuerwehr<br \/>\nGalater, Vertreter von Klamm<br \/>\nErlanger, erster Sekret\u00e4r Klamms<\/p>\n<p>[Friedrich, Beamter im Schloss]<br \/>\nB\u00fcrgel, Verbindungssekret\u00e4r zwischen Friedrich und dem Dorf<\/p>\n<p><strong>Der Roman gliedert sich in folgende Kapitel:<\/strong><\/p>\n<p>1. Ankommen \u2013 Gerbermeister\/Kutscher<br \/>\n2. Telefon Errlaubnis \u2013 Barnabas, der Bote<br \/>\n3. Herrenhof \u2013 Frieda \u2013 Schlaf<br \/>\n4. Gesp\u00e4rch mit Wirtin \u2013 Dachboden<br \/>\n5. Gespr\u00e4ch Vorsteher<br \/>\n6. Gespr\u00e4ch Wirtin \u2013 Verschlag \/ K\u00fcche<br \/>\n7. Gespr\u00e4ch mit Lehrer<br \/>\n8. Herrenhof Kutsche \u2013 Warten auf Klamm<br \/>\n9. Herrenhof Verh\u00f6r \u2013 Gespr\u00e4ch mit der Wirtin<br \/>\n10. Heimweg \u2013 Treffen Barnabas \u2013 Brief Klamms<br \/>\n11. Im Schulzimmer nachts<br \/>\n12. Lehrer und Lehrerin im Schulzimmer<br \/>\n13. Entlassung der Gehilfen \u2013 Gespr\u00e4ch mit Hans Brunswick \u2013 Vorwurf Friedas<br \/>\n14. Schwarzer \u2013 Olga \u2013 Amalia<br \/>\n15. Gespr\u00e4ch Olga \u00fcber Barnabas&#8216; Botent\u00e4tigkeit \u2013 Vorwurf<br \/>\n&#8211; Amalias Geheimnis<br \/>\n&#8211; Amalias Strafe<br \/>\n&#8211; Bittg\u00e4nge<br \/>\n&#8211; Olgas Pl\u00e4ne<br \/>\n16. Gespr\u00e4ch mit dem Gehilfen Jeremias (Galater) \u2013 Barnabas -> Erlanger Vermittlung<br \/>\n17. Waren auf Erlanger<br \/>\n18. Gespr\u00e4ch mit Frieda (Abschied?)<br \/>\n19. Bei Erlanger \u2013 Auf dem Flur<br \/>\n20. Gespr\u00e4ch mit Pepi \u2013 Herrenhofs Wirtins Kleider<br \/>\nFragmente und gestrichene Stellen<\/p>\n<p>Wie ich oben erw\u00e4hnte, \u00e4hnelt Kafkas Roman in gro\u00dfen Teilen einem Drehbuch. In meinem Beitrag <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=5385\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Kafka, der Prozess und das Kino<\/a> schrieb ich vor nun fast 10 Jahren:<\/p>\n<p><em>Kafka interessierte sich sehr f\u00fcr ein neues Medium, den Cin\u00e9mato- bzw. Kinematographen \u2013 also das Kino [&#8230;]. Liest man die besagten gut 13 Seiten des Romananfangs [von &#8218;Der Prozess&#8216;], dann f\u00e4llt einem sehr bald der \u201efilmische Blick\u201c des Erz\u00e4hlers auf. Diese Seiten (und \u00fcberhaupt das gesamte Werk) weisen einen hohen Grad an Visualit\u00e4t auf. Besonders die vielen Gesten der Handelnden werden \u2013 \u00e4hnlich wie in einem Drehbuch \u2013 sehr pr\u00e4zise beschrieben und erl\u00e4utert.<\/em> Franz Kafka war ein stetiger Besucher von Kinos. So wiederholen sich in seinen Romanen Szenen (z.B. im Prozess), die einem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Running_Gag\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Running Gag<\/a> entsprechen. Und es gibt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Slapstick\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Slapstickeinlagen<\/a>, z.B. auf Seite 70: <em>&#8222;Die so lange unbeachteten Gehilfen und Mizzi hatten offenbar den gesuchten Akt nicht gefunden, hatten dann alles wieder in den Schrank sperren wollen, aber es war ihnen wegen der ungeordneten \u00dcberf\u00fclle der Akten nicht gelungen. Da waren wohl die Gehilfen auf den Gedanken gekommen, den sie jetzt ausf\u00fchrten. Sie hatten den Schrank auf den Boden gelegt, alle Akten hineingestopft, hatten sich mit Mizzi auf die Schrankt\u00fcre gesetzt und suchten jetzt so, sie langsam niederzudr\u00fccken.&#8220;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war sp\u00e4tabends, als K. ankam. Kafka: Das Schloss \u2013 das erste Kapitel Immer wieder stolpert der werte Leser meines Blogs \u00fcber &#8230; Franz Kafka. Zu einem ist es ein Artikel \u00fcber Kafka und\/oder sein Werk, zum anderen ziehe ich Vergleiche mit ihm. Kafka schrieb drei Romane, die allesamt unvollendet blieben. 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