{"id":11638,"date":"2022-06-20T16:30:06","date_gmt":"2022-06-20T16:30:06","guid":{"rendered":"https:\/\/willizblog.de\/?p=11638"},"modified":"2022-06-20T16:32:13","modified_gmt":"2022-06-20T16:32:13","slug":"abenteuer-ulysses-von-james-joyce-04-3-kapitel-proteus-telemachie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=11638","title":{"rendered":"Abenteuer Ulysses von James Joyce (04): 3. Kapitel \u2013 Proteus [Telemachie]"},"content":{"rendered":"<p>Im 3. Kapitel des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ulysses\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Ulysses<\/a> von <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?s=joyce\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">James Joyce<\/a> wird auf <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Proteus_(Mythologie)\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Proteus<\/a>, dem &#8222;Alten vom Meer&#8220;, einem fr\u00fchen Meeresgott der griechischen Mythologie Bezug genommen. Wir begleiten Stephen Dedalus, einen der Hauptpersonen dieses Romans, auf seinem Spaziergang am Strand von Sandymount, einem K\u00fcstenvorort von Dublin.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/pics\/james_joyce_ulysses_kilkenny2022.jpg\" alt=\"Oh, oh, die Jungs von Kilkenny ... (Kapitel 3 \u2013 S. 63)\" title=\"Oh, oh, die Jungs von Kilkenny ... (Kapitel 3 \u2013 S. 63)\" \/><br \/>\nOh, oh, die Jungs von Kilkenny &#8230; (Kapitel 3 \u2013 S. 63)<br \/>\nJames Joyce: Ulysses (in dt. \u00dcbersetzung von Hans Wollschl\u00e4ger) \/ Penelope (The Last Chapter of <Ulysses>) \/ Flasche Kilkenny \u2013 Irish Red Ale \/ <a href=\"https:\/\/www.vagallery.com\/fritz-janschka.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Fritz Janschka<\/a>: Ulysses-Alphabet mit signierter Originalgraphik: Harenbergs Joyce<\/p>\n<p><strong>Inhalt des 3. Kapitels: Proteus (Strand)<\/strong><\/p>\n<p>Das Kapitel 3 ist im Stil eines elit\u00e4ren, m\u00e4nnlichen Monologs verfasst. <\/p>\n<p>Der Meeresgott Proteus ist ein Meister der Verwandlung. Als Menelaos, der K\u00f6nig von Sparta (und Gemahl der Helena, die nach Troja entf\u00fchrt wurde und damit den Trojanischen Krieg ausl\u00f6ste), sich an ihn wandte, um eine Weissagung zu erhalten, verwandelte er sich in eine Vielzahl von Tieren und Gestalten, bevor er ihm schlie\u00dflich \u2013 von dessen Geduld ermattet \u2013 eine Antwort gab. <\/p>\n<p>Im Proteus-Kapitel des Ulysses ist es ein Hund, der diese Verwandlungen durchmacht \u2013 jedoch in der Phantasie von Stephen, der den Hund bei seinem Spaziergang am Strand von Sandymount beobachtet. Das Umhertollen des Hundes, bis dieser schlie\u00dflich auf einen Hundekadaver trifft (\u201eAch, du armes Hundeaas, du! Hier liegt des armen Hundeaases Aas.\u201c \u2013 Und nicht ganz zuf\u00e4llig hatte auch Buck Mulligan Stephen als \u201eHundeaas\u201c bezeichnet), beschreibt Joyce in einer furiosen kraftvollen und metaphernreichen Prosa. <\/p>\n<p>Das Kapitel ist gepr\u00e4gt vom Gedankenstrom Stephens. Der Wechsel zwischen Realem und Gedachtem erfolgt unangek\u00fcndigt und wird dem Leser h\u00e4ufig erst im Nachhinein bewusst. Der Spaziergang hat offensichtlich kein Ziel \u2013 eine R\u00fcckkehr zum Martello Tower kommt nicht in Betracht, und ein anderes Zuhause hat Stephen nicht. Er fragt sich, ob er seiner Tante einen Besuch abstatten sollte, doch w\u00e4hrend er nachsinnt, verpasst er den Weg zu ihr (\u201eAn der Abzweigung zu Tante Sara bin ich schon vorbei. Geh\u2019 ich denn nicht hin? Anscheinend nicht.\u201c). Schlie\u00dflich l\u00e4sst er sich nieder und schreibt einige Gedichtzeilen. Zum Ende des Kapitels erblickt er einen Dreimaster, \u201eein schweigendes Schiff\u201c, das \u201eheimw\u00e4rts, stromauf\u201c f\u00e4hrt \u2013 ein Hinweis darauf, dass Stephen in Dublin keine Heimat mehr sieht.<br \/>\n(Quelle: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ulysses#3._Kapitel_%E2%80%93_Proteus\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">de.wikipedia.org<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Personen des 3. Kapitels<\/strong><\/p>\n<p>Es ist lediglich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stephen_Dedalus\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\"><strong>Stephen Dedalus<\/strong><\/a>, der dieses Kapitel gestaltet, das wir als Gedankenstrom Stephens, also als Monolog, wie er sich im Kopf abspielt, erleben. Mit diesem Kapitel endet auch der erste [Telemachie] der drei Hauptteile dieses Romans, der uns aus der Sicht eben dieses Stephan Dedalus geschildert wurde.<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen zu diesem 3. Kapitel<\/strong><\/p>\n<p>Ich hoffe besonders bei den \u00dcbersetzungen (Franz\u00f6sisch, Italienisch, Lateinisch) die &#8218;richtigen Worte&#8216; gefunden zu haben (der Google-\u00dcbersetzer ist nicht immer eine Hilfe bei diesen Sprachen).<\/p>\n<p>S. 53: <em>maestro di color che sanno<\/em> [Meister der Wissenden \u2013 Dante \u00fcber Aristoteles in der G\u00f6ttlichen Kom\u00f6die]<br \/>\n<em>des Diaphanen<\/em> [des Durchscheinenden]<br \/>\n<em>Los Demiurgos<\/em> [Sch\u00f6pfer, eigentlich Handwerker -> William Blake]<br \/>\nS. 54: <em>delin<\/em> [eigentlich ein Vorname]<br \/>\n<em>Adam Kadmon<\/em> [in der Kabbala der urspr\u00fcngliche Mensch]<br \/>\n<em>Velin<\/em> [Pergamentpapier]<br \/>\nS. 55: <em>lex aeterna<\/em> [&#8222;ewiges Gesetz&#8220; \u2013 Plan der g\u00f6ttlichen Weisheit und Liebe]<br \/>\n<em>konsubstantiell<\/em> [die Abendmahllehre betreffend: die sakramentale Einheit von Leib und Blut Jesu Christi mit Brot und Wein]<br \/>\n<em>Arius<\/em> [Priester aus Alexandria, 3.\/4. Jh.)]<br \/>\n<em>Kontransmagnificundjudenpengtantialit\u00e4t<\/em> [&#8218;Kunstwort&#8216; bezogen auf die Wesensgleichheit von Gott und Gott-Sohn]<br \/>\n<em>Omophorion<\/em> [Kleidungsst\u00fcck der orthodoxen Priester]<br \/>\n<em>Mananaan<\/em> [Sagengestalt der irischen Mythologie]<br \/>\n<em>Kotte<\/em> [Kate, kleines Haus]<br \/>\nS. 56: <em>Duces-tecum <\/em>&#8230; [Zwangs- &#8230;]<br \/>\n<em>Requiescat<\/em> [Ruhe]<br \/>\n<em>All&#8217;erta<\/em> [Achtung]<br \/>\n<em>aria di sortita<\/em> [Arie zum Eintritt einer handelnden Person in einer Oper]<br \/>\nS 57: <em>Joachim Abbas<\/em> [italienische Theologe, 12.\/13. Jh.]<br \/>\n<em>Descende, calve, ut ne nimium decalveris<\/em> [Steige herab, Kahlkopf, damit du nicht noch kahler gemacht werdest \u2013 bezogen auf eine Meditation des Johannes Abbas]<br \/>\n<em>Ziborium<\/em> [Beh\u00e4lter mit geweihter Hostie -> Altar}<br \/>\n<em>die Kusen<\/em> [im Original: Pyx = Gef\u00e4\u00df mit geweihtem Brot]<br \/>\n<em>Occam<\/em> [Wilhelm von Ockham, Theologe, Vorbild f\u00fcr &#8222;Der Name der Rose&#8220;]<br \/>\n<em>Hypostasis<\/em> [Wesensmerkmal der personifizierten g\u00f6ttlichen Gestalt]<br \/>\nS. 58: <em>O si, certo!<\/em> [O ja, nat\u00fcrlich]<br \/>\n<em>Epiphanie<\/em> [Erscheinung]<br \/>\n<em>Mahamanvantara<\/em> [sankrit: ein gro\u00dfer Tag]<br \/>\n<em>Pico della Mirandola<\/em> [italienischec Philosoph, 15. Jh.]<br \/>\nS. 59: <em>Qui vous a mis dans cette fichue position?<\/em> [Wer hat dich in diese verdammte Position gebracht]<br \/>\n<em>C\u2019est le pigeon, Joseph<\/em> [Es ist die Taube &#8230;]<br \/>\n<em>lait chaud<\/em> [hei\u00dfe Milch]<br \/>\n<em>lapin<\/em> [Hase]<br \/>\n<em>gros lots<\/em> [Jackpot]<br \/>\n<em>M. Leo Taxil<\/em> [Erfinder der Fake News \u2013 um 1900]<br \/>\n<em>C\u2019est tordant, vous savez. Moi je suis socialiste. Je ne crois pas en l\u2019existence de Dieu. Faut pas le dire \u00e0 mon p\u00e8re.<\/em> [Es ist urkomisch, wissen Sie. Ich bin Sozialist. Ich glaube nicht an die Existent Gottes. Sage es nicht meinem Vater]<br \/>\n&#8211; <em>Il croit?<\/em> [Er glaubt?]<br \/>\n&#8211; <em>Mon p\u00e8re, oui.<\/em> [Mein Vater, ja]<br \/>\n<em>P.C.N. &#8211; physiques, chimiques et naturelles<\/em> [physikalisch, chemisch und biologisch]<br \/>\nS. 60: <em>mou en civet<\/em> [weicher Eintopf]<br \/>\n<em>Boul&#8216; Mich&#8216;<\/em> [Boulevard St. Michel]<br \/>\n<em>Lui, c\u2019est moi<\/em> [Er ist ich]<br \/>\n<em>Encore deux minutes<\/em> [Noch 2 Minuten]<br \/>\n<em>Ferm\u00e9<\/em> [Geschlossen]<br \/>\n<em>Columbanus, Fiacrius und Scotus<\/em> [irische Missionare u.a.]<br \/>\n<em>Euge!<\/em> [gut erledigt]<br \/>\n<em>Pantalon Blanc et Culotte Rouge<\/em> [Unterhaltungsmagazin]<br \/>\nS. 61: <em>Belluomo<\/em> [gut aussehend, sch\u00f6ner Mann]<br \/>\n<em>chaussons<\/em> [Kuchen, eigentlich Hausschuh]<br \/>\n<em>pus des flan breton<\/em> [mehr bretonischer Flan = Art Pudding]<br \/>\n<em>Un demi setier!<\/em> [ein halbes Setier = Volumenma\u00df]<br \/>\n<em>Il est irlandais. Hollandais? Non fromage. Deux irlandais, nous, Irlande, vous savez? Ah oui!<\/em> [Ist es Irisch? Holl\u00e4ndisch? Kein K\u00e4se! Zwei Iren, wir, Irland, wissen Sie? Ah, ja &#8230;]<br \/>\nS. 62: <em>Dalcassians<\/em> [g\u00e4lisch-irischer Stamm]<br \/>\n<em>Arthur Griffith<\/em> [irischer Politiker, &#8211; 1922 Pr\u00e4sident]<br \/>\n<em>Barchent<\/em> [Mischgewebe]<br \/>\n<em>Vieille ogresse &#8230; dents jaunes<\/em> [altes Ungeheuer &#8230; gelben Z\u00e4hnen]<br \/>\n<em>bonne \u00e0 tout faire<\/em> [gut in allem]<br \/>\n<em>Moi faire &#8230; Tous les messieurs<\/em> [Ich tue &#8230; alle Herren]<br \/>\nS. 63: <em>Mon fils<\/em> [mein  Sohn]<br \/>\nS. 64: <em>Panther-Sahib und seinen Pointer<\/em> [&#8222;Herr&#8220;, Europ\u00e4er, der einen P. erlegt hat \u2013 Zeiger, Wegweiser]<br \/>\n<em>Segge<\/em> [Sauergrasgew\u00e4chs]<br \/>\n<em>Un coche ensabl\u00e9<\/em> [eine sandige Kutsche]<br \/>\nS. 65: <em>Torques<\/em> [fester Halsreif aus Metall]<br \/>\n<em>Terribilia meditans<\/em> [schreckliche Dinge]<br \/>\n<em>Pr\u00e4tendent<\/em> [Ansprucherheber]<br \/>\n<em>Perkin Warbeck<\/em> [trat im 15. jh. gegen den englische K\u00f6nig an]<br \/>\n<em>Lambert Simnel<\/em> [Hochstapler im 15.\/16. Jh., gab sich als englischer K\u00f6nig aus]<br \/>\n&#8230; <em>Nat\u00fcrlich,<\/em> &#8230; [Im Original auch deutsch]<br \/>\nS. 67: <em>Tatters!<\/em> [wohl Name des Hundes]<br \/>\n<em>Parder<\/em> [Raubkatze]<br \/>\n<em>Harun al Raschid<\/em> [8.\/9. Jh. Kalif -> 1001 Nacht)]<br \/>\nS. 68: <em>Gannef<\/em> [jiddisch f\u00fcr Gauner]<br \/>\n<em>frate porcospino<\/em> [M\u00f6nch Stachelschwein]<br \/>\nS. 69: <em>Omnis caro ad te venie<\/em>t [alles Fleisch wird zu dir kommen]<br \/>\n&#8230; <em>Cassiopeiae<\/em> [eigentlich Mutter der Andromeda]<br \/>\nS. 70: <em>piuttosto<\/em> [eher]<br \/>\n<em>Et vidit Deus. Et erant valde bona<\/em>. [Und Gott sah &#8230; und es war (sehr) gut]<br \/>\nS. 71: <em>Tripudium<\/em> [ein Tanz]<br \/>\n<em>Tiens, quel petit pied!<\/em> [Hey, was f\u00fcr ein kleiner Fu\u00df!]<br \/>\n<em>diebus ac noctibus iniurias patiens ingemiscit<\/em> [Tag und Nacht beklagt er das Unrecht, das er erleidet]<br \/>\nS. 72: <em>Mich d\u00fcrstet<\/em> []&#8230; wie Jesus am Kreuz]<br \/>\n<em>Lucifer, dico, qui nescit occasum<\/em> [L., sage ich, der die Gelegenheit kennt &#8230;]<br \/>\nS. 73: <em>Gi\u00e0<\/em> [bereits]<br \/>\n<em>\u00dcbermensch<\/em> [im Original: superman]<\/p>\n<p>In deutscher Sprache gibt es zwei \u00dcbersetzungen, zun\u00e4chst die vom Verfasser, also James Joyce, autorisierte <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3v0K2eB\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\"><strong>\u00dcbersetzung von Georg Goyert (1927)<\/strong><\/a> \u2013 dann die 1975 erschienene <a href=\"https:\/\/amzn.to\/3L5Tcw2\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\"><strong>Neu\u00fcbersetzung von Hans Wollschl\u00e4ger<\/strong><\/a>, auf die ich mich hier beziehe (ich habe die einmalige Sonderausgabe aus dem Jahr 1979 \u2013 1. Auflage \u2013 Suhrkamp Verlag)<\/p>\n<p>siehe auch: <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=11598\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Abenteuer Ulysses von James Joyce (01): Vorgepl\u00e4nkel<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=11627\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Abenteuer Ulysses von James Joyce (02): 1. Kapitel \u2013 Telemachos [Telemachie]<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=11634\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Abenteuer Ulysses von James Joyce (03): 2. Kapitel \u2013 Nestor [Telemachie]<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im 3. Kapitel des Ulysses von James Joyce wird auf Proteus, dem &#8222;Alten vom Meer&#8220;, einem fr\u00fchen Meeresgott der griechischen Mythologie Bezug genommen. Wir begleiten Stephen Dedalus, einen der Hauptpersonen dieses Romans, auf seinem Spaziergang am Strand von Sandymount, einem K\u00fcstenvorort von Dublin. 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