{"id":1198,"date":"2008-05-21T00:21:28","date_gmt":"2008-05-20T22:21:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=1198"},"modified":"2013-10-01T07:23:20","modified_gmt":"2013-10-01T06:23:20","slug":"sofies-welt-platon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=1198","title":{"rendered":"Sofies Welt: Platon"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem wir in Jostein Gaarder: <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3423620005?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3423620005\" target=\"_blank\">Sofies Welt &#8211; Roman \u00fcber die Geschichte der Philosophie<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3423620005\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=1192\" target=\"_blank\">Sokrates<\/a> kennen gelernt haben, kommen wir heute auf seinen Sch\u00fcler <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Platon\" target=\"_blank\">Platon<\/a> (* 427 v. Chr., \u2020 347 v. Chr.) zu sprechen.<\/p>\n<p>Hier zun\u00e4chst die wichtigsten Textpassagen aus dem Buch:<\/p>\n<p><em>Platons Akademie<\/em><br \/>\n\u2026<\/p>\n<p><em>Platon (427 \u2013 347 v. Chr.) war 29 Jahre alt, als Sokrates den Schielingsbecher leeren mu\u00dfte. Er war lange Sch\u00fcler des Sokrates gewesen und verfolgte den Proze\u00df gegen ihn genau. Da\u00df Athen den edelsten Menschen der Stadt zum Tode verurteilen konnte, macht nicht nur einen unausl\u00f6schlichen Eindruck auf ihn; es sollte auch die Richtung seiner gesamten philosophischen T\u00e4tigkeit bestimmen.<\/em><\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/platon.jpg\" alt=\"Platon\" \/><\/p>\n<p><em>F\u00fcr Platon brachte der Tod des Sokrates glasklar zum Ausdruck, welcher Widerspruch zwischen den tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnissen in einer Gesellschaft und dem Wahren oder Ideellen bestehen kann.<\/em><\/p>\n<p><em>Platons erste Handlung als Philosoph war die Ver\u00f6ffentlichung von <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/platon\/apologie\/apologie.xml\" target=\"_blank\">Sokrates\u2019 Verteidigungsrede<\/a>. Darin teilt Platon mit, was Sokrates dem gro\u00dfen Gerichtshof vortrug.<\/em><\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p><em>Was Platon betrifft, so glauben wir, da\u00df all seine Hauptwerke erhalten sind (Au\u00dfer Sokrates\u2019 Verteidigungsrede schrieb er Briefe und nicht weniger als f\u00fcnfunddrei\u00dfig philosophische Dialoge.) Da\u00df diese Schriften bewahrt sind, liegt nicht zuletzt daran, dass Platon bei Athen seine eigene philosophische Schule er\u00f6ffnete. Und zwar in einem Hain, der den Namen des griechischen Sagenhelden Akademos trug. Platons Philosophieschule erhielt deshalb den Namen Akademie.<\/em> \u2026<\/p>\n<p><em>An Platons Akademie wurden Philosophie, Mathematik und Gymnastik unterrichtet.<\/em> \u2026<\/p>\n<p><em>Das ewig Wahre, ewig Sch\u00f6ne und ewig Gute<\/em><br \/>\n\u2026 <em>Platon interessierte sich f\u00fcr die Beziehung zwischen dem, was auf der einen Seite ewig und unver\u00e4nderlich ist \u2013 und dem, was auf der anderen Seite \u201eflie\u00dft\u201c. (genau wie die Vorsokratiker also!)<\/em><\/p>\n<p>\u2026 <em>Die Sophisten meinten, gro\u00df gesagt, die Frage, was recht ist und was Unrecht, ver\u00e4ndere sich von Stadtstaat zu Stadtstaat und von Generation zu Generation. Die Frage von Recht und Unrecht sei also etwas \u201eFlie\u00dfendes\u201c. Sokrates konnte das nicht akzeptieren. Er glaubte an ewige Regeln und Normen f\u00fcr das menschliche Handeln. Wenn wir nur unsere Vernunft anwenden, meinte er, k\u00f6nnen wir alle solche unver\u00e4nderlichen Normen erkennen, denn die menschliche Vernunft ist ja gerade etwas Ewiges und Unver\u00e4nderliches.<\/em><\/p>\n<p>\u2026 <em>Und nun kommt also Platon. Er interessiert sich sowohl f\u00fcr das, was in der Natur ewig und unver\u00e4nderlich ist \u2013 als auch f\u00fcr das, was in Moral und Gesellschaft ewig und unver\u00e4nderlich ist. Ja, f\u00fcr Platon ist das ein und dasselbe. Er versucht, eine eigene \u201eWirklichkeit\u201c zu fassen zu bekommen, die ewig und unver\u00e4nderlich ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Welt der Ideen<\/em><br \/>\n<em>Empedokles und Demokrit hatten ja schon darauf hingewiesen, da\u00df alle Ph\u00e4nomene in der Natur \u201eflie\u00dfen\u201c, aber da\u00df es trotzdem \u201eetwas\u201c gibt, das sich niemals ver\u00e4ndert (die \u201evier Wurzeln\u201c oder die \u201eAtome\u201c). Platon befa\u00dft sich ebenfalls mit dieser Problematik \u2013 aber auf ganz andere Weise.<\/em><\/p>\n<p><em>Platon meinte, da\u00df alles, was wir in der Natur greifen und f\u00fchlen k\u00f6nnen, \u201eflie\u00dft\u201c. Es gibt also keine Grundstoffe, die nicht in Aufl\u00f6sung \u00fcbergehen. Absolut alles, was der \u201eSinnenwelt\u201c angeh\u00f6rt, besteht aus einem Material, an dem die Zeit zehrt. Aber gleichzeitig ist alles nach einer zeitlosen Form gebildet, die ewig und unver\u00e4nderlich ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Warum sind alle Pferde gleich \u2026 Es gibt etwas, das allen Pferden gemeinsam ist, etwas, das daf\u00fcr sorgt, da\u00df wir niemals Probleme haben werden, ein Pferd zu erkennen. Das einzelne Pferd \u201eflie\u00dft\u201c nat\u00fcrlich. \u2026 Aber die eigentliche \u201ePferdeform\u201c ist ewig und unver\u00e4nderlich.<\/em><\/p>\n<p><em>F\u00fcr Platon ist dieses Ewige und Unver\u00e4nderliche also kein physischer \u201eUrstoff\u201c. Das Ewige und Unver\u00e4nderliche sind geistige oder abstrakte Musterbilder, nach denen alle Ph\u00e4nomene gebildet sind.<\/em><\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p><em>Er hat sich dar\u00fcber gewundert, wieso alle Ph\u00e4nomene in der Natur sich so \u00e4hnlich sein k\u00f6nnen, und er ist zu dem Schlu\u00df gekommen, da\u00df \u201e\u00fcber\u201c oder \u201ehinter\u201c allem, was wir um uns herum sehen, eine begrenze Anzahl von Formen liegt. Diese Formen nannte Platon Ideen.<\/em> \u2026<\/p>\n<p><em>Platon glaubte an eine eigene Wirklichkeit hinter der \u201eSinnenwelt\u201c. Diese Wirklichkeit nannte er die Welt der Ideen. Hier finden wir die ewigen und unver\u00e4nderlichen \u201eMusterbilder\u201c, die Urbilder hinten den verschiedenen Ph\u00e4nomenen<\/em> \u2026<\/p>\n<p><em>Sicheres Wissen<\/em><br \/>\n\u2026 <em>Platon geht es darum, da\u00df wir niemals sicheres Wissen \u00fcber etwas gewinnen k\u00f6nnen, da\u00df sich ver\u00e4ndert. Von dem, was der Sinnenwelt angeh\u00f6rt \u2026 haben wir nur unsichere Meinungen. Sicheres Wissen k\u00f6nnen wir nur von dem haben, was wir mit der Vernunft erkennen.<br \/>\n\u2026 \u00fcber das, was wir mit der Vernunft erkennen, k\u00f6nnen wir sicheres Wissen erlangen. Die Winkelsumme in einem Dreieck betr\u00e4gt in alle Ewigkeit 180 \u00b0. Und so wird auch die \u201eIdee\u201c, da\u00df alle Pferde auf vier Beinen stehen, weiter gelten, selbst wenn alle Pferde in der Sinnenwelt einmal lahm werden sollten.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine unsterbliche Seele<\/em><br \/>\n<em>Wir haben gesehen, da\u00df Platon die Wirklichkeit f\u00fcr zweigeteilt hielt.<\/em><\/p>\n<p><em>Der eine Teil ist die Sinnenwelt \u2013 \u00fcber die wir nur ungef\u00e4hre oder unvollkommene Kenntnis erlangen k\u00f6nnen<\/em> \u2026<\/p>\n<p><em>Der andere Teil ist die Ideenwelt \u2013 \u00fcber die wir sicheres Wissen erlangen k\u00f6nnen, wenn wir unsere Vernunft gebrauchen.<\/em> \u2026<\/p>\n<p><em>Platon zufolge ist auch der Mensch ein zweigeteiltes Wesen. Wir haben einen K\u00f6rper, der \u201eflie\u00dft\u201c. Er ist unl\u00f6sbar mit der Sinnenwelt verbunden und erleidet dasselbe Schicksal \u2026 Aber wir haben auch eine unsterbliche Seele \u2013 und sie ist der Wohnsitz der Vernunft. Eben weil die Seele nicht materiell ist, kann sie einen Blick in die Ideenwelt werfen.<\/em><\/p>\n<p>\u2026  <em>Platon meinte weiter, da\u00df die Seele schon existiert hat, ehe sie sich in unserem K\u00f6rper niederlie\u00df: Einst war die Seele in der Ideenwelt. \u2026 Aber sowie die Seele in einem Menschenk\u00f6rper erwacht, hat sie die vollkommenen Ideen vergessen. Und dann passiert etwas, ja, jetzt setzt ein wunderbarer Proze\u00df ein: Wenn der Mensch die Formen in der Natur erlebt, taucht nach und nach in der Seele eine vage Erinnerung auf \u2026 Damit wird auch eine Sehnsucht nach der eigentlichen Wohnung der Seele erweckt. Die Seele versp\u00fcrt also eine \u201eLiebessehnsucht\u201c nach ihrem eigentlichen Ursprung. Von nun an erlebt sie den K\u00f6rper und alles Sinnliche als unvollkommen und unwesentlich \u2026 Sie m\u00f6chte aus dem Kerker der K\u00f6rpers befreit werden.<\/em><\/p>\n<p><em>(Aber) durchaus nicht alle Menschen lassen ihrer Seele freien Lauf \u2026 Die meisten Menschen klammern sich an die \u201eSpiegelbilder\u201c der Ideen in der Sinnenwelt. Sie sehen ein Pferd \u2026 Aber sie sehen nicht das, wovon alle Pferde nur eine schlechte Nachahmung sind.<\/em> \u2026<\/p>\n<p><em>Wenn Du einen Schatten siehst \u2026, dann denkst Du doch auch, da\u00df etwas diesen Schatten werfen mu\u00df. Vielleicht ist das ein Pferd, denkst Du, aber Du kannst nicht ganz sicher sein. Also drehst Du Dich um und siehst das wirkliche Tier \u2013 das nat\u00fcrlich unendlich viel sch\u00f6ner und sch\u00e4rfer in den Konturen ist als der unstete Pferdeschatten. DESHALB HIELT PLATON ALLE PH\u00c4NOMENE IN DER NATUR F\u00dcR BLOSSE SCHATTENBILDER DER EWIGEN FORMEN ODER IDEEN. Aber die allermeisten sind mit ihrem Leben unter den Schattenbildern zufrieden. Sie denken nicht daran, da\u00df etwas die Schatten werfen mu\u00df. Sie glauben, die Schatten seien alles, was es gibt \u2013 und deshalb erleben sie die Schatten nicht als Schatten. Deshalb vergessen sie die Unsterblichkeit ihrer Seelen.<\/em><\/p>\n<p><strong>aus:<\/strong> Jostein Gaarder: Sofies Welt &#8211; Roman \u00fcber die Geschichte der Philosophie &#8211; S. 100-110 \u2013 Carl Hanser Verlag 1995<\/p>\n<p>Hier folgt das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/H%C3%B6hlengleichnis\" target=\"_blank\">H\u00f6hlengleichnis<\/a>.<\/p>\n<p>Die Zweiteilung des Menschen in verg\u00e4nglichem K\u00f6rper und unsterblicher Seele ist heute nicht nur ein Thema der Religionen, sondern besch\u00e4ftigt weiterhin viele Menschen. Wer hat sich nicht irgendwann einmal selbst gefragt, ob er so etwas wie eine Seele hat, die zudem unsterblich sein soll. Platons Gedanken sind uns also noch heute \u201avertraut\u2019. Nat\u00fcrlich beinhaltet die Frage nach der Unsterblichkeit der Seele auch Fragen nach einer M\u00f6glichkeit der Seelenwanderung bzw. Wiedergeburt. Hierzu f\u00fchrt Platon aus:<\/p>\n<p><em>Platon schreibt [der Seele] drei Teile, das Begehrende (to epithym\u00eatikon [Begierde]), das seinen Sitz im Unterleibe, das Mutartige (to thymoeides [Agressionstrieb]), das seinen Sitz in der Brust, und das Denkende (to logistikon [Vernunft]), das seinen Sitz in dem Kopfe hat, zu und vertritt die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, indem er f\u00fcr sie sowohl eine Pr\u00e4existenz, aus der gefolgert wird, da\u00df das Wissen Erinnerung (anamn\u00easis) ist, als auch eine Postexistenz mit Wanderung durch verschiedene Leiber und Versetzung in den Fixsternhimmel annimmt.<\/em><\/p>\n<p>Neben der menschlichen Seele soll der Kosmos selbst \u00fcber Vernunft in Form einer Weltseele verf\u00fcgen. \u00c4hnliche Annahmen finden wir in der indischen Philosophie in Begriffen wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Atman\" target=\"_blank\">Atman<\/a> (Einzelseele) und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Brahman_%28Philosophie%29\" target=\"_blank\">Brahman<\/a> (Weltseele).<\/p>\n<p>aus Platons Schriften:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gutenberg.org\/files\/24899\/24899-h\/24899-h.htm\" target=\"_blank\">Platons Gastmahl<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gutenberg.org\/files\/24899\/24899-h\/24899-h.htm\" target=\"_blank\">Sokrates<\/a> bei Projekt Gutenberg (spiegel.de)<br \/>\n<a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/autor\/462\" target=\"_blank\">Platon<\/a> bei Projekt Gutenberg (spiegel.de)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem wir in Jostein Gaarder: Sofies Welt &#8211; Roman \u00fcber die Geschichte der Philosophie Sokrates kennen gelernt haben, kommen wir heute auf seinen Sch\u00fcler Platon (* 427 v. 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