{"id":1254,"date":"2008-07-16T08:56:00","date_gmt":"2008-07-16T06:56:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=1254"},"modified":"2008-07-16T15:00:25","modified_gmt":"2008-07-16T13:00:25","slug":"sofies-welt-descartes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=1254","title":{"rendered":"Sofies Welt: Descartes"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich bereits <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=1240\" target=\"_blank\">Sartre<\/a> abgehandelt habe, m\u00f6chte ich doch zur\u00fcckkehren und lande so bei Jostein Gaarder: <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3423620005?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3423620005\" target=\"_blank\">Sofies Welt &#8211; Roman \u00fcber die Geschichte der Philosophie<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3423620005\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> beim franz\u00f6sischen Philosophen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ren%C3%A9_Descartes\" target=\"_blank\">Ren\u00e9 Descartes<\/a>.<\/p>\n<p>Mit Descartes beginnt die Philosophie der Neuzeit. Wichtige Punkte seiner Arbeit sind dabei<br \/>\n&#8211; eine Erkenntnistheorie, die nur das als richtig akzeptiert, was durch die eigene schrittweise Analyse und logische Reflexion als plausibel verifiziert wird,<br \/>\n&#8211; eine Ethik, gem\u00e4\u00df der das Individuum sich im Sinne bew\u00e4hrter gesellschaftlicher Konventionen pflichtbewusst und moralisch zu verhalten hat,<br \/>\n&#8211; eine Metaphysik, die zwar (durch logischen Beweis) die Existenz eines vollkommenen Sch\u00f6pfer-Gottes annimmt, aber kirchenartigen Institutionen wenig Raum l\u00e4sst,<br \/>\n&#8211; eine Physik, die die Natur als durch zwar gottgegebene, aber allgemein g\u00fcltige Gesetze geregelt betrachtet (Wunder also ausschlie\u00dft) und dem Menschen ihre rationale Erkl\u00e4rung und damit letztlich ihre Beherrschung zur Aufgabe macht.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/descartes.jpg\" alt=\"Ren\u00e9 Descartes\" \/><\/p>\n<p>Hier die wichtigsten Textpassagen aus dem Buch, die ein ziemlich klares Bild von Descartes\u2019 Philosophiesystem vermitteln:<\/p>\n<p><em>Ren\u00e9 Descartes wurde 1596 geboren und reiste zeitlebens viel in Europa hin und her. Schon als junger Mann versp\u00fcrte er den hei\u00dfen Wunsch, Einsicht in die Natur von Mensch und Universum zu erlangen. Aber nachdem er Philosophie studiert hatte, wurde ihm vor allem seine eigene Unwissenheit bewu\u00dft.<\/em><\/p>\n<p>\u2026 <em>Wie Sokrates war er \u2026 \u00fcberzeugt davon, da\u00df uns sichere Erkenntnis nur die Vernunft geben kann. \u2026 Wir k\u00f6nnen nicht \u2026 dem vertrauen, was unsere Sinne uns erz\u00e4hlen.<\/em><\/p>\n<p>\u2026 <em>Von Sokrates und Platon f\u00fchrt eine direkte Linie \u00fcber Augustinus bis zu Descartes. Allesamt waren sie ausgepr\u00e4gte Rationalisten. Sie hielten die Vernunft f\u00fcr die einzigste sichere Quelle der Erkenntnis.<\/em><\/p>\n<p>\u2026 <em>Ohne \u00dcbertreibung k\u00f6nnen wir sagen, da\u00df Descartes der Begr\u00fcnder der Philosophie der neueren Zeit war. Nach der berauschenden Neuentdeckung von Mensch und Natur in der Renaissance entstand abermals das Bed\u00fcrfnis, die zeitgen\u00f6ssischen Gedanken in einem einzigen zusammenh\u00e4ngenden philosophischen System zu vereinen. Der erste gro\u00dfe Systembauer war Descartes, und ihm folgten Spinoza und Leibniz, Locke und Berkeley, Hume und Kant.<\/em><\/p>\n<p>&#8230; <em>im 17. Jahrhundert versuchte die Philosophie wieder, die neuen Gedanken in ein philosophisches System zu bringen. Der erste, der diesen Versuch machte, war Descartes. Er gab den Startschu\u00df zu dem, was f\u00fcr die folgenden Generationen zum wichtigsten philosophischen Projekt werden sollte. Vor allem besch\u00e4ftigte ihn das, was wir wissen k\u00f6nnen, also die Frage nach der Sicherheit unserer Erkenntnis. Die zweite gro\u00dfe Frage, die ihm am Herzen lag, war das Verh\u00e4ltnis zwischen K\u00f6rper und Seele.<\/em><\/p>\n<p>&#8230; <em>Bei der Frage, wie wir sicheres Wissen erlangen k\u00f6nnen, brachten viele ihren totalen philosophischen Skeptizismus zum Ausdruck. &#8230; zu Lebzeiten von Descartes hatte die neue Naturwissenschaft eine Methode entwickelt, die eine ganz sichere und exakte Beschreibung der Naturprozesse liefern sollte. Descartes mu\u00dfte sich fragen, ob es nicht eine ebenso sichere und exakte Methode f\u00fcr die philosophische Reflexion gab.<\/em><\/p>\n<p>&#8230; <em>Immer mehr Menschen sprachen sich f\u00fcr ein materialistisches Naturverst\u00e4ndnis aus. Aber je mechanistischer die physische Welt aufgefa\u00dft wurde, desto dringlicher wurde die Frage nach dem Verh\u00e4ltnis zwischen K\u00f6rper und Seele.<\/em><\/p>\n<p>&#8230; <em>Descartes erkl\u00e4rt, da\u00df wir nichts als wahr betrachten d\u00fcrfen, solange wir nicht klar und deutlich erkannt haben, da\u00df es wahr ist. Um das zu erreichen, m\u00fcssen wir vielleicht ein kompliziertes Problem in so viele Einzelteile wie m\u00f6glich zerlegen. &#8230; Descartes glaubte, der Philosoph k\u00f6nne vom Einfachen zum Komplizierten weitergehen. Auf diese Weise k\u00f6nne eine neue Erkenntnis aufgebaut werden. Bis ganz zum Schlu\u00df m\u00fcsse man dann durch st\u00e4ndiges Nachrechnen und Kontrollieren \u00fcberpr\u00fcfen, da\u00df man nichts ausgelassen hat. Nur so k\u00f6nne man zu philosophischen Schlu\u00dffolgerungen kommen.<\/em><\/p>\n<p>.. <em>Descartes wollte die \u201amathematische Methode\u2019 &#8230; auf die philosophische Reflexion anwenden. &#8230; Er wollte genau dasselbe Werkzeug anwenden, das wir bei der Arbeit mit Zahlen benutzen, n\u00e4mlich der Vernunft. Denn nur die Vernunft kann uns sichere Erkenntnis vermitteln.<\/em><\/p>\n<p>&#8230; <em>er stellt als erster klar, da\u00df wir im Ausgangspunkt an allem zweifeln m\u00fcssen.<\/em><\/p>\n<p>&#8230; <em>Descartes fand es wichtig, altes Gedankengut \u00fcber Bord zu werfen, ehe er mit seiner eigenen philosophischen Untersuchung begann.<\/em><\/p>\n<p>&#8230; <em>Aber Descartes\u2019 Zweifel reichen noch tiefer. Wir k\u00f6nnen nicht einmal dem vertrauen, was unsere Sinne uns erz\u00e4hlen, meinte er. Vielleicht werden wir von ihnen zum Narren gehalten.<\/em><\/p>\n<p>&#8230; <em>Er ist zu der Erkenntnis gekommen, da\u00df er alles anzweifeln, und da\u00df das einzige ist, dessen er sich ganz sicher sein kann. &#8230; Aber wenn er zweifelt, mu\u00df auch feststehen, da\u00df er denkt, und wenn er denkt, dann mu\u00df feststehen, da\u00df er ein denkendes Wesen ist. Oder, wie er selber sagt: \u201aCogito, ergo sum.\u2019 Ich denke, also bin ich.<\/em><\/p>\n<p>&#8230; <em>er versteht zugleich, da\u00df dieses denkende Ich wirklicher ist, als die physische Welt, die wir mit den Sinnen wahrnehmen. &#8230; Er erkennt, da\u00df er auch eine klare und deutliche Vorstellung eines vollkommenen Wesens hat &#8230; Die Vorstellung eines vollkommenen Wesens kann nicht von etwas herstammen, das selbst unvollkommen ist. &#8230; Also mu\u00df die Vorstellung eines vollkommenen Wesens von diesem vollkommenen Wesen selber herstammen \u2013 mit anderen Worten: von Gott. <\/em><\/p>\n<p>.. <em>ein vollkommenes Wesen w\u00e4re nicht vollkommen, wenn es nicht existierte. Au\u00dferdem h\u00e4tten wir keine Vorstellung von einem vollkommenen Wesen, wenn es kein solches Wesen g\u00e4be. Denn wir sind unvollkommen, und deshalb kann die Idee des Vollkommenen nicht von uns stammen.<\/em><\/p>\n<p>&#8230; <em>Descartes sah wie Sokrates und Platon einen Zusammenhang zwischen Denken und Existenz. Je einleuchtender etwas f\u00fcr das Denken ist, um so sicherer ist auch seine Existenz.<\/em><\/p>\n<p>&#8230; <em>auch die \u00e4u\u00dfere Wirklichkeit hat einige Eigenschaften, die wir mit der Vernunft erkennen k\u00f6nnen. Und zwar die mathematischen Verh\u00e4ltnisse, also das, was gemessen werden kann, n\u00e4mlich L\u00e4nge, Breite und Tiefe. Diese quantitativen Eigenschaften sind f\u00fcr die Vernunft ebenso deutlich wie die Tatsache, da\u00df ich ein denkendes Wesen bin. Qualitative Eigenschaften wie Farbe, Geruch und Geschmack h\u00e4ngen dagegen mit unserem Sinnesapparat zusammen und beschreiben eigentlich keine \u00e4u\u00dfere Wirklichkeit.<\/em><\/p>\n<p>&#8230; <em>zwischen der \u00e4u\u00dferen Wirklichkeit und der Wirklichkeit der Gedanken besteht ein Wesensunterschied. Descartes kann jetzt davon ausgehen, da\u00df es zwei verschiedene Formen der Wirklichkeit gibt \u2013 oder zwei Substanzen. Die eine Substanz ist das Denken oder die Seele, die andere die Ausdehnung oder die Materie. Die Seele ist nur bewu\u00dft, sie nimmt im Raum keinen Platz ein, und deshalb l\u00e4\u00dft sie sich auch nicht mehr in kleinere Teile aufteilen. Die Materie dagegen ist nur ausgedehnt, sie nimmt Platz im Raum ein und l\u00e4\u00dft sich deshalb in immer kleinere Teile zerteilen \u2013 aber sie ist nicht bewu\u00dft.<\/em><\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p><em>Wie bezeichnen Descartes als Dualisten, und das bedeutet, da\u00df er eine scharfe Trennlinie zwischen der geistigen und der r\u00e4umlichen Wirklichkeit zieht.<\/em><\/p>\n<p>&#8230;<em>Descartes kam zu dem Schlu\u00df, da\u00df der Mensch ein Doppelwesen ist, das sowohl denkt als auch Raum einnimmt. Der Mensch hat demnach also eine Seele und einen r\u00e4umlichen K\u00f6rper.<\/em><\/p>\n<p><em>Nicht einmal Descartes konnte abstreiten, da\u00df es immer wieder zu einer Wechselwirkung zwischen Seele und K\u00f6rper kommt. Solange die Seele im K\u00f6rper sitzt, meinte er, sei sie mit dem K\u00f6rper durch ein ganz spezielles Gehirnorgan, eine Dr\u00fcse, verbunden, in der eine dauernde Wechselwirkung zwischen Geist und Materie stattfinde. Auf diese Weise kann Descartes zufolge die Seele dauernd von Gef\u00fchlen und Empfindungen verwirrt werden, die mit den Bed\u00fcrfnissen der K\u00f6rpers zu tun haben. Das Ziel ist, der Seele die Leitung zu \u00fcbertragen.<\/em><\/p>\n<p><strong>aus:<\/strong> Jostein Gaarder: Sofies Welt &#8211; Roman \u00fcber die Geschichte der Philosophie &#8211; S. 275-285 \u2013 Carl Hanser Verlag 1995<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich bereits Sartre abgehandelt habe, m\u00f6chte ich doch zur\u00fcckkehren und lande so bei Jostein Gaarder: Sofies Welt &#8211; Roman \u00fcber die Geschichte der Philosophie beim franz\u00f6sischen Philosophen Ren\u00e9 Descartes. Mit Descartes beginnt die Philosophie der Neuzeit. 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