{"id":128,"date":"2005-05-12T16:45:44","date_gmt":"2005-05-12T15:45:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinz.de\/blog\/?p=128"},"modified":"2005-10-20T09:57:22","modified_gmt":"2005-10-20T07:57:22","slug":"thomas-mann-felix-krull-und-die-homosexualitat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=128","title":{"rendered":"Thomas Mann: Felix Krull und die Homosexualit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Um es gleich zuzugeben: Auch wenn man Thomas Mann f\u00fcr einen der gr\u00f6\u00dften Schriftsteller deutscher Sprache h\u00e4lt, so bin ich mit ihm nie so richtig &#8218;warm&#8216; geworden. Sicherlich ist &#8222;der Zauberberg&#8220; geistreich und &#8222;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3596294290\/familiealbin-21\" target=\"_blank\">Felix Krull<\/a>&#8220; am\u00fcsant, aber die Sprache Thomas Manns ist f\u00fcr mich zu aufgeblasen, zu schwulstig-pomp\u00f6s und manieriert, als dass sie mir auf Dauer gefallen k\u00f6nnte. Die Sprache Kafkas, klar und einfach, ohne ein \u00fcberfl\u00fcssiges Wort, sagt mir da viel eher zu.<\/p>\n<p>&#8222;Felix Krull&#8220; lernte ich vor vielen Jahren in meiner Jugendzeit als <a href=\"http:\/\/www.deutscher-tonfilm.de\/bdhfk1.html\" target=\"_blank\">Film mit Horst Buchholz<\/a> in der Titelrolle kennen. Der Film wurde 1957, nur wenige Jahre nach der Ver\u00f6ffentlichung &#8218;der Memoiren erster Teil&#8216;, fertiggestellt. Und im Kopf habe ich immer noch Horst Buchholz bei der Musterung, als er durch vorgespielte epileptische Anf\u00e4lle ausgemustert wird. Wirklich k\u00f6stlich!<\/p>\n<p>Das Buch lese ich nun zum zweiten Mal. Es ist Fragment geblieben, da Thomas Mann 1955, ein Jahr nach der Ver\u00f6ffentlichung des 1. Teils, starb. Der oben beschriebene Eindruck des Manieriertheit hat sich eher verst\u00e4rkt, obwohl es ein von Thomas Mann bewusst gew\u00e4hltes Stilmittel ist.<\/p>\n<ul><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/albpics\/krull_mann_handschrift.jpg\" alt=\"Thomas Mann \u00fcbt Felix Krulls Handschrift\" \/><\/ul>\n<p>Interessant finde ich nun die immer wieder auftauchenden Hinweise auf die gleichgeschlechtiche Liebe. Wir wissen, dass Thomas Mann, obwohl verheiratet und Vater von einigen Kindern, als homosexuell galt. Felix Krull, der Titelheld, ist ein Adonis, ein Sch\u00f6nling, der den Frauen zugetan ist, den im Gegenzug die Frauen lieben, zu dem es aber auch gewisse Herren zieht.<\/p>\n<p><em>>>Darum begegnete ich, etwa an den klebrichten Marmortischchen der kleinen Nachtlokale, &#8230; neugierigen Ann\u00e4herungsversuchen und Zudringlichkeiten mit &#8230; H\u00f6flichkeit&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>So war denn sie es auch, die ich zu Hilfe nahm bei unwillkommenen Vorschl\u00e4gen, die meiner Jugend &#8230; je und je, mit mehr oder weniger Verbl\u00fcmtheit &#8230; von gewisser m\u00e4nnlicher Seite unterbreitet wurden.< <<\/em><\/p>\n<p>(S. 85 der Taschenbuchausgabe)<\/p>\n<p>Und schon kurz darauf:<\/p>\n<p><em>>>Ganz anders nun aber verh\u00e4lt es sich mit gewissen abseits wandelnden Herren, Schw\u00e4rmern, welche nicht die Frau suchen, aber auch nicht den Mann, sondern etwas Wunderbares dazwischen. Und das Wunderbare war ich. &#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Ich verschm\u00e4he es, die Moral gegen das Verlangen ins Feld zu f\u00fchren, das mir in meinem Fall nicht unverst\u00e4ndlich erschien.< <<\/em><\/p>\n<p>(S. 86 der Taschenbuchausgabe)<\/p>\n<p>Thomas Mann, Entschuldigung: Felix Krull ist nichts Menschliches fremd dabei. Und es ist eigentlich weniger die Suche nach dem Gleichgeschlechtlichen, als die Suche nach einem androgynen Doppelwesen, ein Wesen, das Mann und Frau in sich vereinigt. So f\u00fchlt sich Felix Krull einmal durch ein Geschwisterpaar, dann auch durch das Paar Mutter und Tochter angezogen.<\/p>\n<p>Man kann dieses Werk in Teilen durchaus als ein humorvolles, vielleicht auch schon ironisches Betrachten der eigenen h\u00e4retischen Geschlechtlichkeit ansehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.thomasmann.de\/\" target=\"_blank\">Thomas Mann beim Fischerverlag<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.tma.ethz.ch\/\" target=\"_blank\">Thomas-Mann-Archiv der ETH Z\u00fcrich<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um es gleich zuzugeben: Auch wenn man Thomas Mann f\u00fcr einen der gr\u00f6\u00dften Schriftsteller deutscher Sprache h\u00e4lt, so bin ich mit ihm nie so richtig &#8218;warm&#8216; geworden. 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