{"id":1288,"date":"2008-08-28T08:03:59","date_gmt":"2008-08-28T06:03:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=1288"},"modified":"2008-08-28T08:03:59","modified_gmt":"2008-08-28T06:03:59","slug":"sofies-welt-spinoza","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=1288","title":{"rendered":"Sofies Welt: Spinoza"},"content":{"rendered":"<p>In Jostein Gaarder: <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3423620005?ie=UTF8&#038;tag=familiealbin-21&#038;linkCode=as2&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3423620005\" target=\"_blank\">Sofies Welt &#8211; Roman \u00fcber die Geschichte der Philosophie<\/a><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=familiealbin-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3423620005\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> kommen wir zum niederl\u00e4ndischen Philosophen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Baruch_Spinoza\" target=\"_blank\">Baruch Spinoza<\/a> (* 24. November 1632 in Amsterdam; \u2020 21. Februar 1677 in Den Haag). Er wird dem Rationalismus zugeordnet und gilt als einer der Begr\u00fcnder der modernen Bibelkritik.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/spinoza.jpg\" alt=\"Baruch Spinoza\" \/><\/p>\n<p>Hier wieder die wichtigsten Textpassagen aus dem Buch zu Baruch Spinoza:<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=1254\" target=\"_blank\">Descartes<\/a> hatte \u2026 sehr gro\u00dfen Einflu\u00df. Am allerwichtigsten war vielleicht seine Bedeutung f\u00fcr einen anderen gro\u00dfen Philosophen. Ich denke an den niederl\u00e4ndischen Philosophen Baruch Spinoza, der von 1632 bis 1677 lebte.<\/em><\/p>\n<p><em>Spinoza geh\u00f6rte zur j\u00fcdischen Gemeinde in Amsterdam, aber bald wurde wegen seiner angeblichen Irrlehren der Bannfluch \u00fcber ihn verh\u00e4ngt. Wenige Philosophen neuerer Zeit sind wegen ihrer Gedanken derma\u00dfen verspottet und verfolgt worden wie dieser Mann. \u2026 er meinte, nur erstarrte Dogmen und leere Rituale hielten Christentum und Judentum noch am Leben. Er selbst wandte als erster eine sogenannte \u201ahistorisch-kritische\u2019 Betrachtungsweise auf die Bibel an.<\/em><\/p>\n<p><em>Er stritt ab, da\u00df die Bibel bis in den kleinsten Buchstaben von Gott inspiriert sei. Wenn wir in der Bibel lesen, meinte er, m\u00fcssen wir die Zeit im Auge behalten, wann sie entstanden ist.<\/em> \u2026<\/p>\n<p>\u2026 <em>grundlegend f\u00fcr Spinozas Philosophie ist der Wunsch, die Dinge unter dem \u201aGesichtspunkt der Ewigkeit\u2019 zu betrachten.<\/em><\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p><em>Spinoza hat nicht nur gesagt, da\u00df alles, was existiert, Natur ist. Er setzte auch ein Gleichheitszeichen zwischen Gott und der Natur. Er sah Gott in allem, was existiert, und alles, was existiert, in Gott.<\/em><\/p>\n<p>\u2026 <em>er war Pantheist.<\/em><\/p>\n<p>\u2026 <em>F\u00fcr Spinoza ist Gott niemand, der die Welt einmal erschaffen hat und seitdem neben seiner Sch\u00f6pfung steht. Nein, Gott ist die Welt. Manchmal dr\u00fcckt er sich auch ein wenig anders aus. Er betont, da\u00df die Welt in Gott ist. \u2026 Sein wichtigstes Werk hei\u00dft: \u201aDie Ethik mit geometrischer Methode begr\u00fcndet\u2019.<\/em><\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p><em>Wenn Spinoza das Wort Ethik benutzt, dann k\u00f6nnte es ebensogut mit Lebenskunst oder Moral \u00fcbersetzt werden.<\/em><\/p>\n<p>\u2026 <em>Die geometrische Methode bezieht sich auf die Sprache oder Darstellungsform. \u2026 Spinoza steht in derselben rationalistischen Tradition [wie Descartes]. In seiner Ethik wollte er zeigen, wie das Menschenleben von den Naturgesetzen gelenkt wird. Wir m\u00fcssen uns deshalb von unseren Gef\u00fchlen und Empfindungen befreien, denn nur so k\u00f6nnen wir Ruhe finden und gl\u00fccklich werden, meinte er.<\/em><\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p><em>Spinoza nahm diese Trennung [zwischen Denken und Ausdehnung (siehe Descartes)] nicht hin. Er meinte, es gebe nur eine einzige Substanz. Alles, was ist, l\u00e4\u00dft sich auf ein und dasselbe zur\u00fcckf\u00fchren, meinte er. Und dieses Eine bezeichnete er einfach als Substanz. An anderen Stellen nennt er es \u201aGott\u2019 oder \u201aNatur\u2019. \u2026 Wir bezeichnen ihn als Monisten.<\/em><\/p>\n<p>\u2026 <em>Unter Substanz, Gott oder Natur versteht er alles, was existiert, auch das, was aus Geist besteht.<\/em><\/p>\n<p>\u2026 <em>Spinoza zufolge kennen wir Menschen zwei von Gottes Eigenschaften oder Erscheinungsformen. Spinoza bezeichnet diese Eigenschaften als Gottes Attribute, und diese beiden Attribute sind eben gerade Descartes\u2019 Denken und Ausdehnung. Gott \u2013 oder die Natur \u2013 erscheint also entweder als Denken oder als etwas im Raum. Nun ist es ja m\u00f6glich, da\u00df Gott noch unendlich viele andere Eigenschaften au\u00dfer Denken und Ausdehnung hat, aber die Menschen kennen nur diese beiden Attribute.<\/em><\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p><em>Die einzelnen Ph\u00e4nomene, auf die wir in unserem t\u00e4glichen Leben sto\u00dfen \u2026 sind unterschiedliche Modi der Attribute Denken und Ausdehnung. Unter einem Modus \u2026 verstehen wir also eine bestimmte Art, in der die Substanz, Gott oder die Natur sich \u00e4u\u00dfern. Eine Blume ist ein Modus des Attributes Ausdehnung, und ein Gedicht \u00fcber dieselbe Blume ein Modus des Attributes Denken. Aber im Grunde sind beide Ausdruck f\u00fcr ein und dasselbe: Substanz, Gott oder Natur.<\/em><\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p><em>Spinoza meinte \u2026, da\u00df alle physischen Dinge, die uns umgeben oder sich um uns herum abspielen, Gott oder die Natur zum Ausdruck bringen. Das gilt auch f\u00fcr alle Gedanken, die gedacht werden. Auf diese Weise sind auch alle Gedanken, die gedacht werden, die Gedanken von Gott oder der Natur. Denn alles ist eins. Es gibt nur einen Gott, eine Natur oder eine Substanz.<\/em><\/p>\n<p>\u2026 <em>Spinoza hielt Gott \u2013 oder die Naturgesetze \u2013 f\u00fcr die innere Ursache von allem, was geschieht. Er ist keine \u00e4u\u00dfere Ursache, denn Gott \u00e4u\u00dfert sich durch die Naturgesetze und nur durch sie.<\/em><\/p>\n<p>\u2026 <em>Spinoza hatte ein deterministisches Bild des Naturlebens.<\/em><\/p>\n<p>\u2026<\/p>\n<p><em>Politische Verh\u00e4ltnisse zum Beispiel k\u00f6nnen uns in unserer Entwicklung und unserem pers\u00f6nlichen Wachstum behindern. Ein \u00e4u\u00dferer Zwang kann uns hemmen. Nur wenn wir frei die in uns liegenden M\u00f6glichkeiten entwickeln k\u00f6nnen, leben wir als freie Menschen. Aber trotzdem werden wir \u2026 von inneren Anlagen und \u00e4u\u00dferen Voraussetzungen geleitet.<\/em><\/p>\n<p>\u2026 <em>Spinoza betont, da\u00df nur ein einziges Wesen voll und ganz \u201aUrsache seiner selbst\u2019 ist und in voller Freiheit handeln kann. Nur Gott oder die Natur stellen diese freie und \u201aunzuf\u00e4llige\u2019 Entfaltung dar. Ein Mensch kann nach einer Freiheit streben, um ohne \u00e4u\u00dferen Zwang leben zu k\u00f6nnen. Aber er wird niemals \u201afreien Willen\u2019 erlangen. Wir bestimmen nicht alles, was mit unserem K\u00f6rper passiert, selber \u2013 denn unser K\u00f6rper ist ein Modus des Attributes Ausdehnung.<\/em> \u2026<\/p>\n<p><em>Spinaoza meinte, da\u00df die menschlichen Leidenschaften \u2013 zum Beispiel Ehrgeiz und Begehren \u2013 uns daran hindern, wahres Gl\u00fcck und Harmonie zu erlangen. Aber wenn wir erkennen, da\u00df alles aus Notwendigkeit geschieht, dann k\u00f6nnen wir ein intuitives Erkennen der Natur als Ganzheit erlangen. \u2026 Unser Ziel ist, alles, was exisitert, in einem gesammelten \u00dcberblick zu erfassen. Spinoza bezeichnete das als: alles<\/em> sub specie aeternitatis <em>sehen. \u2026 Alles<\/em> unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit <em>zu sehen.<\/em><\/p>\n<p><strong>aus:<\/strong> Jostein Gaarder: Sofies Welt &#8211; Roman \u00fcber die Geschichte der Philosophie &#8211; S. 291-300 \u2013 Carl Hanser Verlag 1995<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Jostein Gaarder: Sofies Welt &#8211; Roman \u00fcber die Geschichte der Philosophie kommen wir zum niederl\u00e4ndischen Philosophen Baruch Spinoza (* 24. November 1632 in Amsterdam; \u2020 21. Februar 1677 in Den Haag). Er wird dem Rationalismus zugeordnet und gilt als einer der Begr\u00fcnder der modernen Bibelkritik. 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