{"id":1309,"date":"2008-09-20T00:02:46","date_gmt":"2008-09-19T22:02:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=1309"},"modified":"2008-09-19T12:18:22","modified_gmt":"2008-09-19T10:18:22","slug":"listen-to-the-song-here-in-my-heart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=1309","title":{"rendered":"&#8222;Listen to the song here in my heart&#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Kretakatze schrieb am 14.09.2008:<\/p>\n<p><em>Meine lieben Freunde,<\/em><\/p>\n<p><em>ich muss Euch ein Gest\u00e4ndnis machen: Manchmal lese ich tagelang Eure Mails nicht, einfach, weil ich gerade mit einem bestimmten Thema besch\u00e4ftigt bin und dabei nicht abgelenkt oder von au\u00dfen beeinflu\u00dft werden m\u00f6chte. So war es auch mit Wilfried&#8217;s Mails von letzter Woche &#8211; ich habe sie beide erst jetzt gerade angeschaut. Deshalb ist vielleicht nicht mehr alles so aktuell und passend, was ich weiter unten schreibe &#8211; sei&#8217;s drum.<\/em><\/p>\n<p><em>Zuerst einmal war ich v\u00f6llig \u00fcberrascht von Wilfied&#8217;s Reaktion auf meine letzten beiden Mails. Mit Zustimmung oder Lob hatte ich bestimmt als letztes gerechnet. Auf jeden Fall: Vielen Dank f\u00fcr Deine lobenden und aufmunternden Worte und Deinen ausf\u00fchrlichen Kommentar betreffend meine musikalischen Darbietungen. Dieses &#8222;If I can play ist, everybody can&#8220; meine ich \u00fcbrigens durchaus ernst. Nat\u00fcrlich muss man \u00fcben, das musste ich auch. Aber nichts, was ich auf der Gitarre spiele, ist so schwierig, dass es nicht Jeder mit f\u00fcnf Fingern nach ein bi\u00dfchen \u00dcbung auch hinbekommen k\u00f6nnte. Wirklich nicht!<\/em><\/p>\n<p><em>Dann hat mich nat\u00fcrlich auch besonders gefreut, dass die Musik des Herrn Pascalidis gefallen konnte. Nach meinen letztj\u00e4hrigen Erfahrungen mit dem Versuch Euch griechische Musik n\u00e4her zu bringen, hatte ich damit eher nicht gerechnet. Viele seiner Lieder klingen zwar nicht direkt nach griechischer Musik, aber da bleibt immernoch die Sprache. Und mit der hatte ja zumindest Lockwood so seine Probleme. Es ist ja auch irgendwo ein Handikap, wenn man den Text nicht versteht und nicht mitsingen kann.<\/em><\/p>\n<p><em>Dabei hat Herr Pascalidis wahrscheinlich so ziemlich das umfangreichste musikalische Spektrum, das ich bei einem Musiker kenne. Es reicht vom traditionellen kretischen Volkslied (z.B. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Bd2gZevSY4Q\" target=\"_blank\">Kantada<\/a> &#8211; \u00dcbersetzung nicht n\u00f6tig) bis zum amerikanischen Rock-Song &#8211; etwa Hotel California oder Losing My Religion. Und er schafft es noch Lieder dieser verschiedenen Stilrichtungen medley-artig nahtlos ineinander \u00fcbergehen zu lassen. Den Vergleich mit Hannes Wader konnte ich da nicht ganz nachvollziehen, unter anderem auch, weil ich Herrn Pascalidis f\u00fcr einen der besten S\u00e4nger \u00fcberhaupt halte. Da spielt Herr Wader wohl doch in einer anderen Klasse. Aber mehr dazu eher ein andermal.<\/em><\/p>\n<p><em>Deine Probleme mit dem 7\/8 Takt kann ich gut nachvollziehen, lieber Wilfried, auch ich habe damit eine Weile gek\u00e4mpft. Aber wenn man den Dreh mal raus hat, ist es ganz einfach, und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=q9HvLyOvh7U&amp;feature=related\" target=\"_blank\">&#8222;Paramithi&#8230;&#8220;<\/a> (hier eine live-Version, leider mit miserablem Sound) ist inzwischen eines meiner liebsten Lieder f\u00fcr &#8222;easy playing&#8220; auf der Gitarre. Vielleicht schaffe ich es ja heute noch, meine Version davon auf YouTube hochzuladen (eigentlich wollte ich garnichts mehr auf YouTube stellen&#8230;). Ich hoffe damit kann ich dann alle Deine 7\/8-Probleme zerstreuen.<\/em><\/p>\n<p><em>So, genug dazu f\u00fcr den Moment, sonst werde ich heute \u00fcberhaupt nicht mehr fertig&#8230; Und nun zu dem, was ich eigentlich schreiben wollte:<\/em><\/p>\n<p><em>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/em><\/p>\n<p><em>Unser Gedankenaustausch zum Thema Musik scheint mir inzwischen zum Erliegen gekommen zu sein. Das ist auch irgendwie verst\u00e4ndlich, es gibt wichtigere Dinge und der eine oder andere von uns hat zurzeit wohl auch einfach andere Probleme. Tatsache ist, dass mich dieses Thema immernoch umtreibt, und also habe ich einmal wieder ein paar Gedanken dazu aufgeschrieben. Und da ich nicht w\u00fc\u00dfte, wen ich sonst damit bel\u00e4stigen sollte, da schicke ich meine Aufschriebe eben an Euch. Macht damit was Ihr wollt&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Zuletzt ging es in unserer Diskussion um Qualit\u00e4t und Geschmack, besonders den &#8222;Geschmack der breiten Massen&#8220; und den &#8222;Geschmack, den man haben sollte&#8220;. Soweit ich mich erinnere wurden diese beiden &#8222;Geschm\u00e4cker&#8220; als Gegens\u00e4tze gehandelt. Tats\u00e4chlich bin ich in letzter Zeit zu der Erkenntnis gelangt, dass der &#8222;Geschmack der breiten Massen&#8220; sich in weiten Bereichen mit dem meinigen deckt &#8211; das ist sicher kein gutes Zeichen. Jedenfalls hat es mich dazu veranlasst, mich mit dem &#8222;Geschmack der breiten Massen&#8220; etwas n\u00e4her zu besch\u00e4ftigen.<\/em><\/p>\n<p><em>Um zu erkennen, ob eine bestimmte Musik oder ein bestimmter Musiker (vorzugsweise S\u00e4nger) den Geschmack der breiten Massen trifft, muss sie oder er den breiten Massen erst einmal bekannt werden. Diesbez\u00fcgliche Vorhersagen von &#8222;Experten&#8220; haben sich in der Vergangenheit immer wieder als Trugschluss erwiesen. Dazu einmal wieder eine Geschichte, und es ist &#8211; f\u00fcr mich nicht ganz untypisch &#8211; die Geschichte eines jungen Mannes. Ich h\u00f6re Euch schon aufschreien &#8222;Nein, nicht schon wieder!&#8220; &#8211; aber darauf kann ich jetzt keine R\u00fccksicht nehmen.<\/em><\/p>\n<p><em>Er war S\u00e4nger und Gitarrist einer Band mit Namen Axium. Diese ver\u00f6ffentlichte immerhin 2 Alben unter ihrem eigenen Label, irgendwo im amerikanischen Mittelwesten. Der Musikstil war traditioneller Rock bis Hard Rock, solide gemacht aber ohne irgendwelchen Hit- oder Ohrwurm-Charakter. Die Band blieb weitgehend unbekannt. Nach der College-Zeit brach sie auseinander &#8211; man musste Geld verdienen. Der junge Mann verdingte sich als Barkeeper und musizierte weiter, eine Solo-Scheibe wurde produziert. Der Durchbruch lie\u00df auf sich warten&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Das Erste, was ich von ihm zu sehen und zu h\u00f6ren bekam war <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CxhX0qqYNVw\" target=\"_blank\">dieses Video<\/a>. &#8222;Wow&#8220;, dachte ich, &#8222;das klingt aber gut! Das ist genau der Sound, den ich h\u00f6ren m\u00f6chte, und genau so muss das gesungen werden! Da sitzt jeder Ton.&#8220; Nat\u00fcrlich habt Ihr sofort erkannt: Das ist der alte Free-Klassiker &#8222;All Right Now&#8220;, und es handelt sich schon wieder um American Idol. Aber es ist einfach so, dass dieser Show-Wettbewerb dieser Tage die wohl wichtigste Plattform ist, auf der getestet wird, was bei den breiten Massen ankommt. Und da kann man immer noch so diese oder jene \u00dcberraschung erleben.<\/em><\/p>\n<p><em>David Cook, so sein Name, hatte eigentlich garnicht vorgehabt sich bei American Idol zu bewerben. Er war der Meinung, er schafft das auch allein. Aber sein j\u00fcngerer Bruder wollte vorsingen, also hatte er ihn zur Audition begleitet. Und da er nun schon mal dort war, war es nahelegend, dann doch auch einmal vorzusingen. Seinen Bruder wollten sie nicht haben, aber er wurde zu Simon und Co. durchgewinkt. Sein <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=KB7OiW-yqBw\" target=\"_blank\">Auftritt vor dieser Jury<\/a> dr\u00e4ngt nicht unbedingt die Vermutung auf, hier einen k\u00fcnftigen Star vor sich zu haben. Sein Pullover sieht aus als h\u00e4tte er ihn von Clay Aiken geliehen &#8211; der war zu seiner ersten (erfolglosen) Audition im selben Design erschienen &#8211; und seine Punkrock Stehhaar-Frisur wirkt nicht direkt Millionen-tauglich. Aber auch Mr. Cook sollte sich noch als anpassungs- und lernf\u00e4hig erweisen.<\/em><\/p>\n<p><em>Meiner Meinung nach gibt es eine ganze Reihe sehens- und h\u00f6renswerter Auftritte des Mr. Cook bei American Idol, aber auf die m\u00f6chte ich eher in einem anderen Zusammenhang zur\u00fcckkommen. Das soll ja hier alles nur die Einleitung sein. Jetzt nur noch einmal sein Auftritt in der Runde der letzten 20 in voller L\u00e4nge mit Vorfilm und Kommentaren der Jury: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=cGg_MYFAYdE&amp;feature=related\" target=\"_blank\">All Right Now<\/a>. Ich denke den Song kann man gut auch zweimal h\u00f6ren. Bereits in dieser fr\u00fchen Phase des Wettbewerbs wagt es Mr. Cook sich mit Mr. Cowell anzulegen: Er l\u00e4sst ihn nicht ausreden und gibt Ihm zu verstehen, dass er dessen Meinung bez\u00fcglich seines &#8222;Word-Nerd&#8220;-Filmchens und seines mangelnden Charisma f\u00fcr nachrangig h\u00e4lt. Er hat den Applaus und die Lacher auf seiner Seite. Simon Cowell reagiert mimosenhaft empfindlich, und seine seltsam \u00fcbertriebene und unpassende Gestik offenbart, dass er tats\u00e4chlich gekr\u00e4nkt und irritiert ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Au\u00dferdem mu\u00df Mr. Cowell hier wohl einmal wieder Tomaten auf den Augen und Kartoffeln in den Ohren gehabt haben. Es war im \u00dcbrigen das letzte Mal, dass er David Cook so abf\u00e4llig kritisiert hat. Jedenfalls &#8211; trotz langweiliger Kreuzwortr\u00e4tsel und charismatischer M\u00e4ngel kam Mr. Cook weiter und bewies im Verlauf des Wettbewerbs, dass er nicht nur rocken kann, er kann (wenn es sein muss) auch s\u00fclzen ohne kitschig zu wirken: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=NSV8_n03Ozo\" target=\"_blank\">First Time Ever I Saw Your Face<\/a>. Dieses Lied hat mir noch nie besonders gefallen, und es gibt grauenvolle Versionen &#8211; selbst Elvis Presley und Johnny Cash haben sich daran versucht. Zuletzt haben Celine Dion und (praktisch als Kopie) Leona Lewis Covers produziert, die so langsam und qu\u00e4lend sind, dass ich bei jedem Ton auf die Uhr geschaut und mich gefragt habe, wie lange es wohl noch dauert bis der n\u00e4chste kommt &#8211; mehr als drei T\u00f6ne habe ich nicht ertragen. Die Version von David Cook ist die einzige, die mir gef\u00e4llt.<\/em><\/p>\n<p><em>Wie auch immer, schlie\u00dflich kam es soweit, dass sich David Cook im Finale wiederfand, zusammen mit seinem hoch favorisierten Konkurrenten David Archuleta. Das Duell der beiden Davids, der &#8222;ungewaschen wirkende&#8220;, &#8222;arrogante&#8220; (O-Ton einiger seiner Kritiker) Rocker gegen den herzigen 17-j\u00e4hrigen Jungen mit der sch\u00f6nen Stimme, der lauter nette Lieder gesungen hatte. Noch w\u00e4hrend die Telefonleitungen unter dem Ansturm der Anrufer hei\u00dfliefen, prophezeite Mr. Cowell in einer Talkshow den Sieg von David Archuleta, denn &#8222;alle Teenies und alle Omis werden f\u00fcr ihn stimmen&#8220;. Das war eine Beleidigung der Teenies und erst recht der Omis (zu denen ich mich altersm\u00e4\u00dfig auch schon fast z\u00e4hle), und das wollten die wohl nicht auf sich sitzen lassen. Zusammen mit den Opis und allen Altersgruppen dazwischen griffen sie zum Telefon und w\u00e4hlten sich die Finger wund &#8211; es gab einen neuen Rekord von \u00fcber 97 Mio. Anrufen innerhalb von 4 Stunden. Der Gewinner mit 12 Mio. Stimmen Vorsprung wurde David Cook. Das bedeutet im Klartext: F\u00fcr den Rocker wurden fast 56 Mio. Stimmen abgegeben. Soweit mein erstes Kapitel zum Thema &#8222;Geschmack der breiten Massen&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><em>Wie wir ja auch bereits wissen, ist American Idol nicht die einzige Talent-Show, es gibt zahlreiche &#8222;Konkurrenzprodukte&#8220; anderer Fernsehsender, Talent-Shows sind zurzeit ein Renner auf dem Markt. Da ist z.B. noch &#8222;America&#8217;s got talent&#8220;, und in dieser Show erschien im Jahr 2006 ein 11-j\u00e4hriges pausb\u00e4ckiges M\u00e4dchen auf der B\u00fchne und verk\u00fcndete, sie singt jetzt <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=vGkliV1fmHA\" target=\"_blank\">And I am Telling You (I&#8217;m Not Going)<\/a>. Ich vermute ich habe mir schon bei den ersten paar T\u00f6nen ungl\u00e4ubig die Ohren gerieben &#8211; man kann sich einfach nicht vorstellen, dass diese Stimme aus diesem Kind kommt. Sie wirkt wie ein Medium f\u00fcr jemanden, der mindestens doppelt bis dreimal so alt ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Bianca Ryan hat diesen Wettbewerb gewonnen und war anschlie\u00dfend im Jahr 2006 in allen Fernsehshows und in aller Munde. Ihre erste Platte, Ende 2006 ver\u00f6ffentlicht, kam aber in den Charts nur bis auf Platz 57, und ich habe den Eindruck es ist ziemlich still um sie geworden. So ein \u00dcberraschungseffekt funktioniert halt nur einmal. Und auf der Platte h\u00f6rt man nur die Stimme, man sieht nicht das Kind dazu, und damit ist der gr\u00f6\u00dfte Teil vom Witz weg. Meiner Meinung nach (soweit ich das anhand von Videos beurteilen kann) konnte Bianca auch bei Live-Auftritten nicht immer \u00fcberzeugen, so gut wie bei ihrem ersten Auftritt war sie nie wieder, wenn sie auch bestimmt singen kann. Dazu kommt: Auch sie wird immer \u00e4lter und damit weniger sensationell, andere Nachwuchstalente r\u00fccken nach und haben sie schon \u00fcberholt, wie wir gleich sehen werden. Hier wurde eine Eintagsfliege produziert, die zumindest vorl\u00e4ufig keine eigenen musikalischen Akzente setzen kann und deshalb wieder in der Masse untergeht.<\/em><\/p>\n<p><em>Neben den Talentshows wird aber auch zunehmend ein anders Medium zur Plattform f\u00fcr die Verbreitung von Musik: Das Internet und hier speziell YouTube. Die (soweit ich das beurteilen kann) erste S\u00e4ngerin, die \u00fcber das Internet weltweite Bekanntheit erlangte, stammt aus dem fernen Osten, genauer gesagt von den Philippinen. Auch sie begann ihre Karriere als Kind in Talentshows. Aber wie h\u00e4tte vor World Wide Web und YouTube die Welt davon erfahren, wenn auf den Philippinen ein Kind singt? \u00dcbrigens, wenn auf den Philippinen ein Kind singt, dann klingt das so: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QK4BoLKhFds\" target=\"_blank\">To Love You More<\/a> (nur ein kurzer Ausschnitt).<\/em><\/p>\n<p><em>Ich muss zugeben, dass derartige Bilder ein ungutes Gef\u00fchl in mir hinterlassen. Ich halte nichts davon 9-J\u00e4hrige aufzuputzen wie eine Prinzessin und sie singen zu lassen &#8222;I want to love you more&#8230;&#8220;. Was f\u00e4ngt ein Kind mit diesem Text an? Aber vielleicht ist das auch nicht so wichtig. Charice scheint es zum Gl\u00fcck nichts geschadet zu haben. Diese Talentshow hat sie jedenfalls gewonnen, aber damit war sie noch lange kein Star. Auf den Philippinen ist die Konkurrenz hart und der Markt f\u00fcr Kinderstars scheint begrenzt. Weitere Talentshows folgten, die letzte im Jahr 2006, bei der sie &#8222;nur&#8220; Zweite wurde.<\/em><\/p>\n<p><em>Oftmals gilt der Prophet eben nichts im eigenen Land. Aber ein Unbekannter wurde auf sie aufmerksam und stellte Videos von ihren Auftritten ins Internet. Dar\u00fcber stolperte man wohl in Korea, im Fr\u00fchjahr 2007 wurde sie als Gast in eine koreanische Talentshow eingeladen. Ein Video ihres atemberaubenden Auftritts dort wurde auf YouTube gestellt und sollte Karriere machen. Die inzwischen 14-J\u00e4hrige singt das Lied f\u00fcr kleine M\u00e4dchen in kurzen R\u00f6ckchen, das wir schon kennen: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=HOYrq3551bw\" target=\"_blank\">Charice &#8211; And I am Telling You (I&#8217;m Not Going)<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Dieses Video fiel auch in Amerika auf. Im Dezember 2007 erhielt Charice eine Einladung in eine der popul\u00e4rsten amerikanischen Fernsehshows, danach ging alles ganz schnell. Sie wurde in den USA von Show zu Show herumgereicht, und auch auf den Philippinen war sie pl\u00f6tzlich ein vielgefragter &#8222;Internationaler Star&#8220;. Der bekannte und einflussreiche amerikanische Produzent David Foster k\u00fcmmerte sich pers\u00f6nlich um ihr erstes Album, es wurde im Fr\u00fchjahr ver\u00f6ffentlicht. Und einer der zahlreichen H\u00f6hepunkte ihrer kometenhaften Karriere der letzten Monate war ihr herzergreifender Auftritt bei Oprah Winfrey im Mai: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=DKAZid8DHE8\" target=\"_blank\">Charice &#8211; I Have Nothing<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Jetzt ist man in den USA dabei eine neue Diva aus ihr zu machen, die n\u00e4chste Whitney Houston, Mariah Carey und Celine Dion in einem. Zur Anschauung noch eine Version von <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5au2XQO70iI\" target=\"_blank\">I Have Nothing<\/a>. Wie kann man nur dieses Kind, das beim Singen \u00fcblicherweise um sich schl\u00e4gt und tritt, statisch hinter einen Mikrophonst\u00e4nder stellen? Wer braucht denn eine neue Diva, es gibt doch schon so viele? Und es ist eben gerade der Charme von Charice, dass sie keine Diva ist. Aber das werden die Show-Produzenten hoffentlich auch noch kapieren. Und Gott sei Dank l\u00e4sst sich Charice auch durch Mikrophonst\u00e4nder, k\u00fcnstlich drapierte Frisuren und unpassende Kleidchen nicht vom Singen abhalten.<\/em><\/p>\n<p><em>Jetzt liegt es nat\u00fcrlich nahe Charice mit Bianca Ryan zu vergleichen, und das ist auch bereits ausgiebig getan worden. Wird die Erfolgskurve von Charice genauso verlaufen wie die von Bianca, deren erstes und bislang einziges Album \u00fcbrigens auch von David Foster produziert wurde? Ich sage nein, denn Charice hat ganz andere Voraussetzungen. Da ist zun\u00e4chst die Tatsache, dass sie einfach konstant deutlich besser singt und Stimmakrobatik beherrscht, bei der Bianca nicht mithalten kann. Dazu kommt ihr spektakul\u00e4rer Vortragsstil &#8211; sie explodiert f\u00f6rmlich auf der B\u00fchne, da sitzt man nur noch mit offenem Mund da und staunt (ich jedenfalls). Und die Faszination, die davon ausgeht, hat nicht in erster Linie mit ihrem Alter zu tun.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein weiterer wichtiger Vorteil ist der exotische Charme ihres asiatischen Aussehens. Es gibt bislang keinen asiatischen oder asiatisch aussehenden Weltstar &#8211; gab es \u00fcberhaupt schon einmal einen? Hier klafft eine riesige Marktl\u00fccke, und Charice kommt gerade recht sie auszuf\u00fcllen, sie k\u00f6nnte die Stimme und das Gesicht Asiens werden. Eigentlich sieht sie nicht direkt philippinisch aus (eher \u00fcberhaupt nicht), man k\u00f6nnte sie genauso gut f\u00fcr eine Chinesin, Japanerin, Koreanerin, Vietnamesin oder Thail\u00e4nderin halten, selbst unter den amerikanischen Indianern und Indios gibt es Gesichter wie ihrs &#8211; bis hin zu den Eskimos. Eigentlich k\u00f6nnte sich bald die halbe Weltbev\u00f6lkerung mit ihr identifizieren, vor allem die H\u00e4lfte der Welt, die bisher immer hinter den Amerikanern und Europ\u00e4ern zur\u00fcckstehen musste. Ob diese das wirklich tun w\u00fcrden, kann ich nat\u00fcrlich nicht beurteilen, aber zumindest k\u00f6nnte Charice f\u00fcr die Amerikaner (und vielleicht auch die Europ\u00e4er) diese H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung (musikalisch) repr\u00e4sentieren. (Wir k\u00f6nnen doch all diese Chinesen und Japaner sowieso nicht auseinander halten &#8211; oder?)<\/em><\/p>\n<p><em>Nach all diesen geistigen H\u00f6henfl\u00fcgen betreffend die rosigen Aussichten auf ihre gl\u00e4nzende Karriere, zur\u00fcck auf den Boden der gegenw\u00e4rtigen Tatsachen und zu meinem Lieblings-Video von Charice: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=vG63W8Oqbu0\" target=\"_blank\">Alone<\/a>. Es zeigt ein Kind, das im Familienkreise vor dem Weihnachtsbaum mal gerade eben noch bei laufender Camera ein Lied ins Mikrophon singt, w\u00e4hrend ringsherum der Tisch gedeckt wird. Man hat den Eindruck, singen ist f\u00fcr sie bereits so selbstverst\u00e4ndlich wie reden oder atmen, es ist ein inneres Bed\u00fcrfnis und eine Freude, etwas, von dem sie sich durch nichts abbringen lassen w\u00fcrde. Dieses Video hat mich dazu veranlasst dar\u00fcber nachzudenken, was eigentlich &#8222;Singen&#8220; ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Musik ganz allgemein ist Ausdruck von Emotionen, das ist nichts Neues. Singen ist wohl die pers\u00f6nlichste Art und Weise, Musik zu machen, denn der Ton kommt direkt aus dem eigenen Innersten, hier werden Gef\u00fchle praktisch unmittelbar in Kl\u00e4nge umgesetzt. Dazu hat ein Lied \u00fcblicherweise einen Text, das hei\u00dft man kann den Kl\u00e4ngen gleichzeitig durch Worte eine Bedeutung verleihen, oder auch umgekehrt, die Worte werden in ihrer Bedeutung durch den Ton unterstrichen.<\/em><\/p>\n<p><em>Meist ist Singen ein Mittel, Gef\u00fchle oder Bed\u00fcrfnisse auszudr\u00fccken, die man im &#8222;normalen&#8220; Leben nicht oder nicht in ausreichendem Ma\u00dfe ausdr\u00fccken oder ausleben kann. Welche Freude f\u00fcr ein Kind, das mit dem Fu\u00df aufstampfen und schreien (oder singen) kann &#8222;No, no, no, no, I&#8217;m not going&#8230;&#8220;, und das daf\u00fcr nicht eins hinter die Ohren, sondern Beifall bekommt. Wenn Charice singt &#8222;Don&#8217;t you dare to walk away from me&#8220; und dabei drohend die Faust sch\u00fcttelt, k\u00f6nnte man fast Angst vor ihr bekommen. Kaum ist der letzte Ton des Lieds verklungen, ist sie einfach wieder ein liebes und sanftm\u00fctiges M\u00e4dchen, nie w\u00fcrde sie sich im &#8222;richtigen&#8220; Leben so benehmen. Aber all diese Aggressivit\u00e4t steckt in ihr, und Singen ist ihre Weise, diese Seite ihrer Pers\u00f6nlichkeit auszuleben. Wir kennen das ja bereits von Meister Anderson.<\/em><\/p>\n<p><em>Unter diesem Gesichtspunkt habe ich eine kleine Auswahl Videos zusammengestellt zum Thema &#8222;Der singende Mensch&#8220;. Von welchen Emotionen sind die S\u00e4nger angetrieben? Zuerst noch einmal <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=s1DBquzX14A\" target=\"_blank\">Charice &#8211; Listen<\/a>. &#8222;Listen to the song here in my heart&#8230;&#8220;, die erste Zeile dieses Liedes k\u00f6nnte gut die \u00dcberschrift zu diesem Kapitel sein. Letztendlich m\u00f6chte doch fast jeder, der singt, auch geh\u00f6rt werden, er m\u00f6chte sich und seine Gef\u00fchle mitteilen. Und wenn man singt ist die Wahscheinlichkeit ziemlich hoch, dass tats\u00e4chlich jemand zuh\u00f6rt &#8211; h\u00f6her jedenfalls, als wenn man nur sprechen w\u00fcrde.<\/em><\/p>\n<p><em>Das n\u00e4chste Video hatten wir schon einmal, aber es darf in dieser Sammlung nicht fehlen: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=L5KRVtjgMkM\" target=\"_blank\">k.d. lang &#8211; Helpless<\/a>. Und noch eine Lady: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7CbAjj80NIM\" target=\"_blank\">Sarah McLachlan &#8211; Angel<\/a>. Mrs. McLachlan ist im Gegensatz zu den anderen Damen durch das Instrument in der Gestik stark eingeschr\u00e4nkt. Sie gleicht das durch intensive Mimik und deutliche Akzentuierung im Gesang aus. Trotzdem bekommt sie jetzt von mir noch eine zweite Chance ohne Klavier <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=0UgPeBjHIjE\" target=\"_blank\">Sarah McLachlan &#8211; Possession<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Jetzt zu den Herren: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bcYDtGHCSxE&amp;feature=related\" target=\"_blank\">Ian Anderson &#8211; Whole Lotta Brick<\/a> (ja, ich wei\u00df, den kennt Ihr schon&#8230;). Ganz anders: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GRKKVIkWCMM\" target=\"_blank\">Cat Stevens &#8211; Into White<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Oex6jtJWdxI\" target=\"_blank\">Miltos Pascalidis &#8211; Sou tilefono<\/a> (\u00dcbersetzung hier wohl \u00fcberfl\u00fcssig). Und wirklich nicht nur um Euch zu \u00e4rgern: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Uh5jSPBf53A\" target=\"_blank\">Clay Aiken &#8211; Measure Of A Man<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Was mir an diesen Aufnahmen aufgefallen ist: Abgesehen von Herrn Anderson, der nat\u00fcrlich wie immer aus dem Rahmen f\u00e4llt, haben die Herren beim Singen mindestens die halbe Zeit die Augen geschlossen, sie wirken mehr oder minder in sich selbst versunken, w\u00e4hrend die Damen gestenreich mit dem Publikum zu sprechen scheinen. Habe ich vielleicht nur einfach mal wieder die falschen M\u00e4nner ausgesucht? (Das passiert mir st\u00e4ndig&#8230;). Aber wenn man bedenkt, dass beim Singen haupts\u00e4chlich die Emotionen artikuliert werden, die im allt\u00e4glichen Leben zu kurz kommen, dann kommt es ja vielleicht doch nicht von ungef\u00e4hr, wenn &#8211; \u00fcberspitzt ausgedr\u00fcckt &#8211; die Frauen sich hier alle austoben w\u00e4hrend die M\u00e4nner eher &#8222;in sich gehen&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><em>Zum kr\u00f6nenden Abschluss jetzt noch zwei Beispiele die zeigen, wie ein Lied auf den S\u00e4nger zur\u00fcckwirken kann. Zuerst <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GPYm1Epy38M\" target=\"_blank\">Melanie &#8211; Tuning My Guitar<\/a>&#8230; nicht gerade ihr bekanntestes St\u00fcck und auch nicht das eing\u00e4ngigste, aber ein bemerkenswerter Text und eine bemerkenswerte Performance. Am Anfang l\u00e4chelt sie noch in der Erinnerung bei den Worten &#8222;I still haven&#8217;t forgotten I did it just for fun&#8220;, aber am Ende des Liedes kommt die ganze Wut in ihr hoch auf die Leute, von denen sie da singt &#8211; &#8222;Who do you think you are?!&#8220; &#8211; und als das Lied vorbei ist, da scheint sie immernoch w\u00fctend.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich beende meinen heutigen Vortrag so, wie ich ihn begonnen habe: Mit <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YRjI1WOid0o\" target=\"_blank\">David Cook &#8211; The World I Know<\/a>. Das Lied hatte er eigentlich von Anfang an singen wollen, es ist das Lied f\u00fcr seinen krebskranken Bruder, aber immer hat man ihm davon abgeraten &#8211; es ist zu schwach, das bringt keine Stimmen. Jetzt steht er im Finale und es ist das letzte Lied, das er zu singen hat, das Lied, das der Knaller sein muss, der alle davon \u00fcberzeugt, dass er das n\u00e4chste American Idol ist. Und jetzt singt er es, allen guten Ratschl\u00e4gen zum Trotz. Zum Einen vielleicht, weil er sowieso keine Chance hat, alle Experten haben vorhergesagt, dass David Archuleta gewinnen wird, also ist es sowieso gleich, was er singt. Vor allem aber, weil er dieses Lied einfach noch singen MUSS. Bei seinem (vermeintlich) letzten Auftritt auf der B\u00fchne von American Idol singt er dieses Lied nur f\u00fcr sich und seinen Bruder, und danach ist er von dem, was es f\u00fcr ihn bedeutet, so \u00fcberw\u00e4ltigt, dass die vorletzte Textzeile des Lieds Wirklichkeit wird &#8211; &#8222;&#8230;the tears roll down&#8230;&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><em>Mr. Cowell lag nat\u00fcrlich einmal wieder v\u00f6llig daneben, es war das exakt richtige Lied im exakt richtigen Moment. Tats\u00e4chlich ist die Reaktion von Paula Abdul meist der beste Indikator daf\u00fcr, wie die &#8222;breiten Massen&#8220; reagieren werden. Ich denke es war nicht zuletzt dieser Auftritt, der die letzten Unentschlossenen noch dazu bewegt hat zum Telefon zu greifen und f\u00fcr ihn zu stimmen.<\/em><\/p>\n<p><em>Damit w\u00e4re ich f\u00fcr heute am Ende angelangt, ich hoffe ich habe Euch nicht zu sehr erm\u00fcdet. Vielleicht habt Ihr ja jetzt auch Lust bekommen ein bi\u00dfchen zu singen&#8230;???<\/em><\/p>\n<p><em>Viel Spa\u00df und haltet die Ohren steif<br \/>\nKretakatze<\/em><\/p>\n<p><em><strong>PS.:<\/strong> Nur noch ein kurzer Epilog zu David Cook und unseren &#8222;modernen (Musik-)Zeiten&#8220;: 2 Wochen nach seinem Gewinn von American Idol war er mit 11 Titeln gleichzeitig in den Billboard Hot 100 Charts vertreten &#8211; ein Rekord, der bislang nur von den Beatles \u00fcberboten wurde (vermutlich irgendwann so vor ca. 40 Jahren). Es d\u00fcrfte das erste Mal gewesen sein, dass ein Musiker, von dem es noch nicht eine einzige Platte zu kaufen gibt, die Charts beherrscht. Aber heutzutage l\u00e4uft das eben alles ein bi\u00dfchen anders. Sofort nach seinem Titelgewinn muss man Mr. Cook ins Studio gezerrt haben, innerhalb weniger Tage wurden praktisch alle Songs, die er bei AI gespielt hatte, in voller L\u00e4nge als Studio-Version aufgenommen und auf iTunes gestellt &#8211; wir leben in rasanten Zeiten.<\/em><\/p>\n<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<\/p>\n<p>Wilfried schrieb am 18.09.2008:<\/p>\n<p><em>Hallo, meine Freunde,<\/em><\/p>\n<p><em>Kretakatze hat uns einmal wieder sehr ausf\u00fchrlich zum Thema Musik, zur Diskussion Qualit\u00e4t und Geschmack, berichtet und dabei den \u201eGeschmack der breiten Massen\u201c unter die Lupe genommen. Fast zwangsl\u00e4ufig ist sie dabei wieder bei American Idol gelandet und bei einem Herrn <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/David_Cook\" target=\"_blank\">David Cook<\/a>, dem Gewinner dieses Contestes. Nebenbei, nebenbei ist gut, offeriert sie uns zwei junge M\u00e4dels, die f\u00fcr ihr Alter zweifellos \u00fcber ungew\u00f6hnliche Stimmen verf\u00fcgen.<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist nicht so, dass ich mich dem Geschmack der breiten Masse v\u00f6llig verweigere. Aber weder die beiden jungen M\u00e4dchen noch Herr Cook k\u00f6nnen mich begeistern. Ich bezweifle nicht deren Gesangskunst, die ist wirklich beeindruckend. Aber das ist alles nicht mein DING.<\/em><\/p>\n<p><em>Ob nun David Cooks Interpretation des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Free\" target=\"_blank\">Free<\/a>-Titels \u201eAll Right Now\u201c besser ist als das Original, m\u00f6chte ich bereits bezweifeln. David Cook mag besser singen, aber das Original ist f\u00fcr mich das, was ich an anderer Stelle bereits als authentisch bezeichnet habe, es ist also authentischer als das von Herrn Cook.<\/em><\/p>\n<p><em>David Cook ist wie jene Biancas und Charices ein Interpret, ein Nachs\u00e4nger, ein S\u00e4nger, der sich an Fremdtiteln wagt. Wenn er das tut und sich dabei m\u00f6glichst am Original h\u00e4lt, dann erzeugt er lediglich eine Kopie, die nichts wirklich Neues bewirkt. Wagt er dagegen eine Eigeninterpretation, d.h. versucht er, einen allgemein bekannten Titel auf eigene Weise nachzusingen, dann schafft er auch etwas Neues. Genau hier frage ich mich dann, ist dieses Neue wirklich so neu, so viel anders und vielleicht au\u00dfer- oder ungew\u00f6hnlicher als das Original. Bei Herrn Cook muss ich sagen: nein. Ich stelle hier nicht sein K\u00f6nnen in Frage. Ich erwarte nur etwas wirklich Neues. Und genau das bietet er mir nicht. Wenn es dann auch noch Lieder sind (die er au\u00dferhalb des Wettbewerbs gar nicht singen w\u00fcrde), die mir nicht sonderlich gefallen, dann ist der Mann f\u00fcr mich abgehakt.<\/em><\/p>\n<p><em>Das mit dem letzten Lied f\u00fcr seinen krebskranken Bruder, die vergossenen Tr\u00e4nen (ich will hier dem David Cook nichts unterstellen), das hat nat\u00fcrlich schon etwas \u201aWerbewirksames\u2019 und wird nach meiner Meinung das Zuschauervotum nicht unbeeinflusst gelassen haben. Aber hat das EIGENTLICH etwas mit der Musik zu tun?<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcberhaupt die Frage nach der \u201aWerbewirksamkeit\u2019. Die beiden genannten jungen M\u00e4dchen sind sicherlich das, was man Wunderkinder zu nennen pflegt. Man h\u00e4lt so etwas nicht f\u00fcr m\u00f6glich: solche Stimmen aus solchen kindlichen K\u00f6rpern. Und damit r\u00fcckt dieser optische Aspekt in den Vordergrund. Es geht nicht mehr allein um eine ungew\u00f6hnliche Stimme, sondern um diese wunderliche Mischung aus Stimme und Kindsein.<\/em><\/p>\n<p><em>Von dem einen M\u00e4dchen schreibt Kretakatze: \u201e<\/em> &#8230;all diese Aggressivit\u00e4t steckt in ihr, und Singen ist ihre Weise, diese Seite ihrer Pers\u00f6nlichkeit auszuleben.\u201c <em>Zun\u00e4chst muss ich sagen, dass mich dieses F\u00e4ustesch\u00fctteln und Fu\u00dfgestapfe eher abschreckt. Und ich kann mich von dem Eindruck nicht frei machen, dass hier eine Zirkusnummer l\u00e4uft. Das M\u00e4del ist schon im Alter von vier Jahren \u00f6ffentlich aufgetreten. Das wird f\u00f6rmlich gedrillt worden sein, wie ein dressierter Affe diese Show aufzuf\u00fchren. Sicherlich flie\u00dft einiges aus dem Inneren des M\u00e4dchens an Emotionen nach au\u00dfen. Aber auf mich wirkt das leider nicht authentisch, um noch einmal dieses Wort zu benutzen. Weitaus authentischer, also echter, wirkt der Auftritt von k.d. lang. Auch hier werden Emotionen nach au\u00dfen getragen, Emotionen, die auch auf mich wirken. Und bei Herrn Anderson, na ja, da ist viel Augenzwickern dabei.<\/em><\/p>\n<p><em>Weshalb mir die ganze Chose nicht gef\u00e4llt: Da ist nichts wirklich Neues dabei. Die Lieder des philippinischen M\u00e4dchens klingen f\u00fcr mich fast alle gleich. Da h\u00f6re ich mir lieber die Lieder von Tom Waits an (gestern habe ich mir eine Scheibe von ihm angetan, deshalb ihn als Beispiel). Das klingt so sch\u00f6n kaputt und \u00fcbt auf mich wirklich einen ungew\u00f6hnlichen Reiz aus. Hier werden Lieder, die eigentlich ganz gew\u00f6hnlich sind, in einer Weise interpretiert, die nicht unbedingt innovativ ist, die aber f\u00fcr mich der Inbegriff des Pers\u00f6nlichen ist, glaubhaft und echt.<\/em><\/p>\n<p>\u201eMeist ist Singen ein Mittel, Gef\u00fchle oder Bed\u00fcrfnisse auszudr\u00fccken, die man im \u201anormalen\u2019 Leben nicht oder nicht in ausreichendem Ma\u00dfe ausdr\u00fccken oder ausleben kann.\u201c, <em>schreibt Kretakatze. Dem stimme ich nat\u00fcrlich voll und ganz zu. Und es ist auch gut so. Wir alle sollten wieder mit dem Singen beginnen, wenn wir es nicht schon wie Kretakatze tun.<\/em><\/p>\n<p><em>Ohne Gef\u00fchle ist Musik steril. Man erwartet f\u00f6rmlich vom Musiker, vom S\u00e4nger, dass er einen Teil seiner Seele freilegt. Aber im heutigen Showbiz verkommt das leider immer mehr zu einer Zirkusnummer, wie gesagt. Auch unser Meister Anderson wei\u00df nat\u00fcrlich um solche publikumswirksame Effekte, sonst h\u00e4tte er kaum den Bekanntheitsgrad erreicht, den er heute noch inne hat. Genug!<\/em><\/p>\n<p><em>Vielleicht noch etwas zur grunds\u00e4tzlichen Frage, was eigentlich die breite Masse ist. Ich denke, dass das nicht eindeutig definiert werden kann. Bestimmt man diese z.B. \u00fcber Verkaufszahlen, so k\u00f6nnen Gruppen wie Jethro Tull (aufgrund der 40 Jahre Existenz) sicherlich auch als \u201aVersorger\u2019 der breiten Masse gez\u00e4hlt werden. Zig Millionen Alben sind von Anderson &amp; Co. im Laufe dieser vielen Jahre \u00fcber den Ladentisch gegangen. Da m\u00fcssen selbst S\u00e4nger wie David Cook oder Clay Aiken zun\u00e4chst einmal passen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich denke, dass es eine \u201asoziologische\u2019 Frage ist. Die \u201abreite Masse\u2019 ist eine Bev\u00f6lkerungsschicht, die sich dadurch auszeichnet, dass sie sich nicht auf Anhieb durch bestimmte Merkmale von anderen Gruppen unterscheidet. Ich habe erst k\u00fcrzlich einen Bericht \u00fcber die <a href=\"http:\/\/infokanal.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/24\/0,1872,7302616,00.html\" target=\"_blank\">Gothics-Szene<\/a> gelesen und gesehen. So gibt es viele Nischen in der Jugendkultur, die sich dadurch hervortut, dass ihre Mitglieder anders als die anderen sind und nicht dem Mainstream angeh\u00f6ren. Besonders bei den Jugendlichen ist es geradezu verp\u00f6nt, der breiten Masse anzugeh\u00f6ren, sodass es hier eigentlich keine breite Masse mehr gibt. Und ich denke, dass es auch keine EINE breite Masse gibt, sondern die unterschiedlichsten Str\u00f6mungen. Da gibt es die Volksmusikliga, dort die Schlagerheinis und anderswo eine \u201abreite Masse\u2019, die auf Pop u.\u00e4. steht. W\u00fcrde es nur EINE \u201abreite Masse\u2019 geben, dann h\u00e4tten wir hier Verh\u00e4ltnisse wie in China vor 20, 30 Jahren (alle in Blauzeug). Addiert man alle Rockfans (von Jethro Tull \u00fcber ich wei\u00df nicht wen bis Zappa), was h\u00e4tte man dann? Eine breite Masse, die breitet fast nicht sein konnte.<\/em><\/p>\n<p><em>Also ist der \u201asoziologische\u2019 Ansatz auch Asche? Ja und nein. Vielleicht versuche ich es mit dem Individuellen. Wie schon gesagt, k\u00f6nnte man die breite Masse als Gruppe ohne besondere Merkmale, ohne bestimmte individuelle Ausrichtung, betrachten. Das sind dann die Vielen, die im Tr\u00fcben d\u00fcmpeln und nur darauf warten, dass sie herausgefischt werden. American Idols (stellvertretend f\u00fcr alle diese und \u00e4hnliche Formate) hilft hierbei. Man pr\u00e4sentiert die unterschiedlichsten S\u00e4nger\/S\u00e4ngerinnen, versorgt diese mit Musik, die m\u00f6glichst vielen bekannt ist, und l\u00e4sst dann den Zuschauer entscheiden, was gerade in sein soll. Als eingefleischter Angeh\u00f6riger einer bestimmten Szene interessiere ich mich nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr solche Sendungen. Wenn ich mich aber noch nicht wirklich festgelegt habe, dann horche ich auf \u2013 und siehe da, ganz demokratisch, wie das Ganze abl\u00e4uft, finde ich meinen Liebling, stimme f\u00fcr ihn \u2013 und mir-nichts dir-nichts bin auch ich auf der richtigen Schiene. Mein Geschmack ist total IN, ich geh\u00f6re DAZU. Um das zu erreichen, m\u00fcssen die auftretenden S\u00e4nger\/S\u00e4ngerinnen schon ihr Handwerk beherrschen. Man\/frau stimmt doch nicht f\u00fcr einen musikalischen Versager. Und da es reichlich bisher unentdeckte Tatente gibt, ist dieser Markt vom Angebot her so schnell nicht zu s\u00e4ttigen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbrigens: die Begriffe \u201ebreite Masse\u201c, Mainstream, wie auch immer &#8230; die werden wir in dieser, im Grunde eigenen Szene so schnell nicht h\u00f6ren. Und es ist eine eigene Szene, die DSDS-American Idol-Superstar-Szene. Abschlie\u00dfende Frage: gibt es eigentlich \u00fcberhaupt eine \u201abreite Masse\u2019, wenn sich keiner wirklich dazugeh\u00f6rig f\u00fchlt?!<\/em><\/p>\n<p><em>Ich w\u00fcnsche Euch ein geruhsames Wochenende.<\/em><br \/>\n<em>Bis bald<\/em><br \/>\n<em>Wilfried<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kretakatze schrieb am 14.09.2008: Meine lieben Freunde, ich muss Euch ein Gest\u00e4ndnis machen: Manchmal lese ich tagelang Eure Mails nicht, einfach, weil ich gerade mit einem bestimmten Thema besch\u00e4ftigt bin und dabei nicht abgelenkt oder von au\u00dfen beeinflu\u00dft werden m\u00f6chte. So war es auch mit Wilfried&#8217;s Mails von letzter Woche &#8211; ich habe sie beide &hellip; <a href=\"https:\/\/willizblog.de\/?p=1309\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">&#8222;Listen to the song here in my heart&#8230;&#8220;<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[43],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1309"}],"collection":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1309"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1309\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1309"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1309"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/willizblog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1309"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}