{"id":1332,"date":"2008-10-11T00:02:15","date_gmt":"2008-10-10T22:02:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=1332"},"modified":"2011-02-24T14:40:52","modified_gmt":"2011-02-24T13:40:52","slug":"der-anfang-vom-ende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=1332","title":{"rendered":"Der Anfang vom Ende"},"content":{"rendered":"<p>Zun\u00e4chst zu meiner Person: Ich habe kein Betriebs- oder Volkswirtschaftsstudium, habe lediglich die Fachoberschule f\u00fcr Wirtschaft absolviert sowie eine Ausbildung in der Finanzverwaltung. Ich bin also durchaus mit wirtschaftlichen Abl\u00e4ufen vertraut, wenn ich auch l\u00e4ngst nicht alle Details kenne. Dazu bin ich das, was man vielleicht einen Zweckpessimisten nennt. Ich sehe vieles schwarz, freue mich aber um so mehr, wenn es dann doch nicht so schlimm kommt, wie ich es zuvor bef\u00fcrchtet habe. Au\u00dferdem halte ich mir zugute, \u00fcber einen halbwegs gesunden Menschenverstand zu verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr diesen gesunden Menschenverstand ist es der reinste Horror mitzuerleben, was uns t\u00e4glich, wenn auch nur in kleinen Happen, in Sachen Finanzkrise serviert wird.<\/p>\n<p>Zuerst zu meinem betriebs- wie volkswirtschaftlichen Verst\u00e4ndnis: Unsere Wirtschaft ist eine Geldwirtschaft, die vor langer Zeit den Tauschhandel abgel\u00f6st hat \u2013 aus verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden, denn Tauschhandel ist einfach unpraktisch. F\u00fcr meine Ware oder Arbeitsleistung bekomme ich Geld, mit dem ich wiederum Ware oder Dienstleistungen kaufen kann. Eigentlich ein genialer Gedanke, das mit dem Geld. Das Verh\u00e4ngnis begann dann aber, als das Geld selbst zum Handelsobjekt wurde und sich Banken gr\u00fcndeten. Auch das hatte noch viel Gutes: So kann ich mir ein Haus kaufen und leihe mir daf\u00fcr Geld, das ich dann in Raten und mit Zinsen (f\u00fcr die Dienstleistung des Leihens) zur\u00fcckzahle.<\/p>\n<p>Auch der ganze Kram an Optionen, Derivaten und wie diese heute endlich ins Zwielicht der \u00d6ffentlichkeit geratenen Finanzgesch\u00e4fte hei\u00dfen, hatte einmal sein mehr oder weniger Gutes: z.B. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Future\" target=\"_blank\">Futures<\/a>. Diese entwickelten sich in der Landwirtschaft. Urspr\u00fcnglich ging es dabei darum, eine festgelegte Menge einer bestimmten Ware in bestimmter Qualit\u00e4t zu einem festgesetzten Preis an einem vorher bestimmten Datum zu kaufen bzw. zu verkaufen. So konnte z.B. ein Bauer einem M\u00fchlenunternehmen (M\u00fcller) bereits im Fr\u00fchjahr eine bestimmte Menge Sommerweizen zu einem ebenso bestimmten Preis verkauft haben, wobei Liefer- und Zahlungstermin zu einem bestimmten Termin im Sommer (nach der Ernte) festgelegt wurden. Der Vorteil f\u00fcr den Bauer war die Sicherheit, bereits bei der Ernte einen sicheren Abnehmer zu einem festen Preis zu haben. Das M\u00fchlenunternehmen sicherte sich dagegen mit dem Gesch\u00e4ft gegen steigende Preise ab, wie sie etwa durch Missernten oder Hagelschl\u00e4ge entstehen. Grundlage auch hier war wieder eine Ware oder Dienstleistung.<\/p>\n<p>\u00dcbertr\u00e4gt man nun z.B. Futures auf das reine Finanzgesch\u00e4ft, so ahnt selbst der Unkundige, dass hier etwas zu stinken beginnt. Es geht hier eigentlich dann nur noch um eine Art Wettgesch\u00e4ft, ums Pokern mit gro\u00dfen Geldbetr\u00e4gen. Und da das Pokern nicht reicht, erfindet man gleich einen neuen Job, den Finanzdesigner, der sich neue Spielarten als Finanzspekulationsgrundlage ausdenkt, damit es keinem Banker und Broker langweilig wird.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/finanzmarkt.gif\" alt=\"Finanzmarkt\" \/><\/p>\n<p>Es war das Jahr 1995, da hatte es ein gewisser <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nick_Leeson\" target=\"_blank\">Nick Neeson<\/a> mit diesen undurchsichtigen Finanzgesch\u00e4ften geschafft, eine ganze Bank (Barnings Bank) in den Ruin zu treiben. Das h\u00e4tte Warnung genug sein m\u00fcssen. War es aber nicht.<\/p>\n<p>Auf einmal sitzen viele Nick Neesons in den Banken, riechen den gro\u00dfen Gewinn \u2013 z.B. im US-Immobilienhandel. Doch statt des gro\u00dfen Reibachs pl\u00f6tzlich die Ern\u00fcchterung. Alle diese Finanzgesch\u00e4fte, welcher Art auch immer, sind nichts wert. Das Geld aus dem Fenster geworfen. Und so wie das ganze Kartenhaus zusammenbricht, wenn man die unterste Karte herauszieht, so bricht jetzt auch das ganze Gebilde an Finanzakrobatik zusammen.<\/p>\n<p>Inzwischen beziffert man den Schaden weltweit auf \u00fcber eine Billion Euro. Aber das ist nur des Eisbergs Spitze. Denn wenn Milliarden um Milliarden den Bach hinuntergeben, bleibt kein Geld, das z.B. verliehen werden kann. Und ohne Geld kein Konsum. Es ist eine Spirale, die sich nach unten aufl\u00f6st. Am Ende ist das Nichts. Da helfen staatliche Hilfen kaum. Die m\u00fcssen ja auch finanziert werden \u2013 und k\u00f6nnen das nur dadurch, indem man dem kleinen Steuerzahler das Geld aus der Tasche zieht, der damit weniger Geld f\u00fcr den Konsum hat usw. usf. Wie man es auch dreht, die Spirale dreht sich &#8230; nach unten.<\/p>\n<p>Wie anfangs erw\u00e4hnt, so bin ich kein studierter Wirtschaftsexperte. Und mir f\u00e4llt auch nichts ein, wie man m\u00f6glichst erfolgreich gegen dieses Wirtschaftsdesaster angehen kann (das Wort Finanzkrise ist geradezu ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Euphemismus\" target=\"_blank\">Euphemismus<\/a>, das der Sache nicht mehr gerecht wird). Es hat f\u00fcr mich keinen Sinn, wenn z.B. der Staat die Kontrolle, vielleicht sogar das Eigentum an den Banken \u00fcbernimmt. Der deutsche Staat hat sich selbst durch gekonnte Misswirtschaft ausgezeichnet. So betr\u00e4gt die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Staatsverschuldung\" target=\"_blank\">Staatsverschuldung<\/a> leise gesch\u00e4tzt ca. 1493 Mrd. Euro (M\u00e4rz 2008).<\/p>\n<p>Also was ist zu tun? Den Crash, den wir zz. erleben, stellt unser Wirtschaftssystem g\u00e4nzlich in Frage. Es ist sicherlich nicht das Ende des Kapitalismus. Aber es muss ein rigoroses Umdenken stattfinden. Zun\u00e4chst sollte damit begonnen werden, alle Lehrb\u00fccher der Betriebs- und Volkswirtschaft zu verbrennen \u2013 im \u00fcbertragenen Sinne nat\u00fcrlich. Wir m\u00fcssen nicht bei Null beginnen. Aber es darf nur das hin\u00fcbergerettet werden, was auch f\u00fcr den gesunden Menschenverstand nachvollziehbar ist. Und dazu geh\u00f6rt, dass der Sumpf der Finanzwirtschaft trocken gelegt wird. Dazu geh\u00f6rt auch, dass eine funktionierende Selbstkontrolle der Banken und B\u00f6rsen eingerichtet wird. Wie diese auszusehen hat, sollten Experten herausfinden.<\/p>\n<p>Ein erster Schritt w\u00e4re, die B\u00f6rsen auf bestimmte Zeit zu schlie\u00dfen, wie es z.B. Russland gemacht hat. Bestimmte \u201eWert\u201c-Papiere sollte man (auch real) dem Feuer \u00fcbergeben. Da wir in einer globalisierten Welt leben, k\u00f6nnen nat\u00fcrlich auch nur global abgestimmte Ma\u00dfnahmen ziehen. Notfalls sind undurchsichtige Finanzm\u00e4rkte (Stichwort Liechtenstein) auszugrenzen, wo und wie immer das m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Wenn nichts wirklich Durchgreifendes geschieht (und die staatlichen Hilfen sind nichts), dann wird es allerdings derma\u00dfen krachen, dass uns allen die Fetzen (Geldfetzen) um die Ohren fliegen.<\/p>\n<p>Wer meint, ich male hier den Teufel an die Wand, dem versichere ich: Der Teufel hat l\u00e4ngst das Zepter in der Hand, er regiert die Welt! Da muss ich nicht erst malen &#8230; Aber es ist ein Teufel, dem nicht mit Weihwasser beizukommen ist. Er ist dem inneren Schweinehund verwandt, dem geld- und machtgierigen Raffke in vielen von uns.<\/p>\n<p>Wie anfangs geschrieben: Ich bin ein Zweckpessimist. Und das wohl auch deshalb, weil mir \u00f6fter die Phantasie durchgeht. Aber um das auszudenken, was da wirtschaftlich zz. abgeht, reicht auch meine Phantasie nicht aus. Hoffen wir alle nur, dass es genug ausreichend Phantasievolle in Wirtschaft und Politik gibt, die die Situation erkennen und die notwendigen Ma\u00dfnahmen ergreifen, sonst Gnade uns Gott!<\/p>\n<p>Wer \u00f6fter in dieses Blog hineinschaut, wird gemerkt haben, dass sich meine Kritik an den Praktiken der heutigen Finanzwirtschaft seit Anfang dieses Jahres wie ein roter Faden durch dieses zieht. Ich denke, dass ist keine Manie von mir. Es war schon immer die Sorge, dass es eines Tages zu einem gro\u00dfen Zusammenbruch des Finanzmarktes und damit unserer gesamten Wirtschaft kommen k\u00f6nnte. Jetzt stehen wir kurz davor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zun\u00e4chst zu meiner Person: Ich habe kein Betriebs- oder Volkswirtschaftsstudium, habe lediglich die Fachoberschule f\u00fcr Wirtschaft absolviert sowie eine Ausbildung in der Finanzverwaltung. Ich bin also durchaus mit wirtschaftlichen Abl\u00e4ufen vertraut, wenn ich auch l\u00e4ngst nicht alle Details kenne. 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