{"id":1379,"date":"2008-11-29T18:16:42","date_gmt":"2008-11-29T16:16:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=1379"},"modified":"2021-10-15T11:28:14","modified_gmt":"2021-10-15T11:28:14","slug":"jean-marie-gustave-le-clezio-onitsha","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=1379","title":{"rendered":"Jean-Marie Gustave Le Cl\u00e9zio : Onitsha"},"content":{"rendered":"<p>Die <a href=\"https:\/\/www.willizblog.de\/?p=1333\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vergabe des Literaturpreises 2008<\/a> an den Franzosen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jean-Marie_Gustave_Le_Cl%C3%A9zio\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jean-Marie Gustave Le Cl\u00e9zio<\/a> sorgte besonders in Deutschland f\u00fcr einiges Unverst\u00e4ndnis. Ein Grund: Keiner kannte ihn bisher richtig. Als ich zwei seiner B\u00fccher vor acht Jahren zum ersten Mal las, so war bis heute nicht viel in meinem Ged\u00e4chtnis von dem Gelesenen h\u00e4ngen geblieben. Nat\u00fcrlich frage ich mich heute, was der Grund daf\u00fcr sein konnte. So las ich also eines der B\u00fccher <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Onitsha\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Onitsha<\/a> (1991 \u2013 dt. Ausgabe 1993 bei Kiepenhauer &#038; Witsch, K\u00f6ln) in diesen Tagen erneut.<\/p>\n<p><img src=\"https:\/\/www.willizblog.de\/blogpicts\/clezio.jpg\" alt=\"Jean-Marie Gustave Le Cl\u00e9zio\" \/><\/p>\n<p>Nun Le Cl\u00e9zio wurde der Nobelpreis als \u201edem Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase\u201d zuerkannt. Ich halte \u201eOnitsha\u201c f\u00fcr ein sehr poetisches Buch. Es ist Entwicklungs- und eine Art Abenteuerroman und ein Buch \u00fcber eine uns unbekannte Welt, die Welt der Schwarzafrikaner. Afrika hat mich schon immer interessiert, von der Musik bis hin zur Literatur (beginnend mit Albert Camus und das Leben in Nordafrika bis hin zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wole_Soyinka\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wole Soyinka<\/a> aus Nigeria). Was mich vielleicht vor Jahren beim ersten Lesen dieses Romans st\u00f6rte: Es fehlt mir etwas der psychologische Tiefgang. Die Personen verharren auf einer Oberfl\u00e4che, die zwar immer wieder einen Blick in die Tiefe zul\u00e4sst, der dann aber nur unzureichend ausgeleuchtet wird. Sicherlich sind knapp 300 Seiten zu wenig, um sich der vielen Themen, die hier angesprochen werden, ausf\u00fchrlicher zu widmen. So ist dieser Roman wie ein Gedicht, knapp und poetisch, aber ohne epische Breite.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"520\" height=\"320\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" marginheight=\"0\" marginwidth=\"0\" src=\"https:\/\/maps.google.de\/maps?hl=de&amp;ie=UTF8&amp;q=onitsha&amp;t=h&amp;s=AARTsJo6KGvvgiIL377TmgaNdRg-LtR52w&amp;ll=6.185611,6.671448&amp;spn=0.436894,0.714111&amp;z=10&amp;output=embed\"><\/iframe><br \/>\nOnitscha\/Nigeria<\/p>\n<p><em>Zum Inhalt:<\/em> Geoffroy Allen lebt am Nigerstrom, \u201eetwas oberhalb des Stroms, ein wenig stromaufw\u00e4rts von der Stadt Onitsha, wie im Herzen einer gro\u00dfen Kreuzung von Wasserwegen.\u201c Geoffroy arbeite f\u00fcr eine britische Handelsfirma, die diverse Waren aus England importiert.<\/p>\n<p>Als Maou, seine Frau, und der zw\u00f6lfj\u00e4hrige Sohn Fintan im Jahre 1948 in Port Harcourt ankommen, haben sie eine vierw\u00f6chige Schiffsreise hinter sich. Maou ist voller Zuversicht und freut sich schon auf ihr Leben in Afrika: weite Grasebenen, in denen man sich verliert, der breite Strom, so breit, dass man ihn f\u00fcr ein Meer halten k\u00f6nnte, Mangob\u00e4ume, rote Lehmh\u00e4user und ihr Haus auf einem H\u00fcgel, das von B\u00e4umen umgeben ist. Fintan wird erstmals seinen Vater sehen.<\/p>\n<p>Doch die Reise f\u00fchrt keineswegs ins Idyll. Maou betritt afrikanischen Boden, und es dauert nicht lange, da macht sie sich bei Kolonialbeamten unbeliebt. In Onitsha trifft sie auf \u201eeine Gesellschaft von langweiligen, pedantischen Beamten\u201c, die in ihrem Klub Bridge spielen, w\u00e4hrenddessen angekettete Sklaven f\u00fcr die englischen Herrschaften eine Grube f\u00fcr ein Swimmingpool ausheben. <\/p>\n<p>Goeffrey dagegen tr\u00e4umt davon, das Land zu finden, in das der Legende nach eine schwarze \u00e4gyptische K\u00f6nigin einst mit ihrem Volk gezogen ist, als die Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Meroe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mero\u00eb<\/a> im Jahre 350 nach Chr. vom K\u00f6nig Ezana aus Aksum gepl\u00fcndert wurde.<\/p>\n<p>F\u00fcr Fintan, dem 12-j\u00e4hrigen tut sich dagegen eine wundervolle Welt auf. Mit seinem afrikanischen Freund Bony erlebt er Abenteuer, wobei er in das afrikanische Leben und auch in die Mythologie des schwarzen Kontinents eintaucht.<\/p>\n<p>Als eine schwere Malariaerkrankung Geoffroys die Familie zwingt, Afrika zu verlassen, nimmt Fintan ein St\u00fcck von Afrika f\u00fcr immer mit sich nach Europa.<\/p>\n<p>Wie sein Held Fintan hat Le Cl\u00e9zio seine Kindheit in Afrika verbracht. Er hat mit diesem Buch den Roman einer nie vergessenen Initiation geschrieben. Ihm gelingt es, die kunstvolle Verkn\u00fcpfung von pers\u00f6nlichen Schicksalen mit den uralten Mythen des schwarzen Kontinents und den Bildern einer geheimnisvollen, archaischen Welt, die im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Biafra-Krieg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Biafrakrieg<\/a> f\u00fcr immer untergegangen ist, aufzuzeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vergabe des Literaturpreises 2008 an den Franzosen Jean-Marie Gustave Le Cl\u00e9zio sorgte besonders in Deutschland f\u00fcr einiges Unverst\u00e4ndnis. Ein Grund: Keiner kannte ihn bisher richtig. Als ich zwei seiner B\u00fccher vor acht Jahren zum ersten Mal las, so war bis heute nicht viel in meinem Ged\u00e4chtnis von dem Gelesenen h\u00e4ngen geblieben. 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