{"id":1408,"date":"2008-12-26T00:03:33","date_gmt":"2008-12-25T22:03:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.willizblog.de\/?p=1408"},"modified":"2011-12-21T10:03:47","modified_gmt":"2011-12-21T09:03:47","slug":"weihnachten-1932-in-wasserburgbodensee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willizblog.de\/?p=1408","title":{"rendered":"Weihnachten 1932 in Wasserburg\/Bodensee"},"content":{"rendered":"<p>Die Bescherung fand, weil auf das Klavier nicht verzichtet werden konnte, im Nebenzimmer statt. Das hei\u00dft, Josef und Johann hatten erst Zutritt, als der Vater am Klavier <em>Stille Nacht, heilige Nacht<\/em> spielte. Der Einzug ins Nebenzimmer geschah durch zwei T\u00fcren: von der Wirtschaft her zogen, ihre Gl\u00e4ser in der Hand, die vier letzten G\u00e4ste hinter Elsa herein. Hanse Luis, der Schulze Max, Dulle und Herr Seehahn. Durch die T\u00fcr vom Hausgang her zogen Josef, Johann, Niklaus und der Gro\u00dfvater ein. Zuletzt Mina, die Prinzessin und die Mutter, sie kamen aus der K\u00fcche.<\/p>\n<p>Immer an Weihnachten trug Herr Seehahn am gr\u00fcnen Revers seiner gelblichen Trachtenjacke den P\u00e4pstlichen Hausorden, den er bekommen hatte, weil er als Marinerevolution\u00e4r in M\u00fcnchen zum p\u00e4pstlichen Nuntius, den er h\u00e4tte gefangen nehmen sollen, gesagt hatte: Eminenz, wenn Sie mit mir kommen, sind Sie verhaftet, wenn Sie die Hintert\u00fcr nehmen, sind Sie mir entkommen.<\/p>\n<p>Dulle war wohl von allen am weitesten von seiner Heimat entfernt. Dulle war aus einem Ort, dessen Name in Johanns Ohren immer klang, als wolle man sich \u00fcber Dulle lustig machen. Niemals h\u00e4tte Johann in Dulles Gegenwart diesen Namen auszusprechen gewagt. Buxtehude. Dulle sprach anders als jeder andere im Dorf. Er hauste in einem Verschlag bei Frau Siegel, droben in Hochstr\u00e4\u00df, direkt an der frisch geteerten Landstra\u00dfe. Dulle war Tag und Nacht unterwegs. Als Fischerknecht und als Durstiger. Oder hinter Fr\u00e4ulein Agnes\u2019 Katzen her. Adolf behauptete, Dulles Verschlag, W\u00e4nde und Decke, sei tapeziert mit Geldscheinen aus der Inflation. Hunderttausenderscheine, Scheine f\u00fcr Millionen, Milliarden, Billionen. Eine Zeitung habe, sagte Adolf, 1923 sechzehn Milliarden Mark gekostet. Immer wenn Johann von dieser Inflation etwas h\u00f6rte, dachte er, das Land hat Fieber gehabt damals, 41 oder 42 Grad Fieber m\u00fcssen das gewesen sein.<\/p>\n<p>Der Schulte Max war nirgendwo her beziehungsweise \u00fcberall her, eben vom Zirkus. Er n\u00e4chtigte im Dachboden des von zugezogenen Fischerfamilien bewohnten Gemeindehauses, und zwar auf einem Lager aus alten Netzen.<\/p>\n<p>Verglichen mit den Schlafst\u00e4tten von Dulle und Schulze Max, war das, was Niklaus droben im Dachboden als Schlafstatt hatte, eine tolle Bleibe. Niklaus hatte ein richtiges Bett so mit alten Schr\u00e4nken umstellt, da\u00df eine Art Zimmer entstand. Niklaus war f\u00fcr Johann interessant geworden, als Johann ihm einmal zugeschaut hatte, wie er seine Fu\u00dflappen \u00fcber und um seine F\u00fc\u00dfe schlug und dann in seine Schn\u00fcrstiefel schl\u00fcpfte. Die Socken, die Mina ein Jahr zuvor f\u00fcr Niklaus gestrickt und unter den Tannenbaum gelegt hatte, hatte er einfach liegen lassen. Als Mina sie ihm in die Hand dr\u00fcckten wollte, hatte er den Kopf gesch\u00fcttelt. Niklaus sprach selten. Mit Nicken, Kopfsch\u00fctteln und Handbewegungen konnte er, was er sagen wollte, sagen. Wenn er meldete, da\u00df Freifrau Ereolina von Molkenbuer drei Zentner Schwelkoks und Fr\u00e4ulein Hoppe-Seyler zwei Zentner Anthrazit bestellt hatten, merkte man, da\u00df er keinerlei Sprachfehler hatte. Er sprach nicht gern. Sprechen war nicht seine Sache.<\/p>\n<p>Unterm Christbaum lagen f\u00fcr Josef und Johann hellgraue Norwegerpullover, fast wei\u00df und doch nicht wei\u00df, silbergrau eigentlich. Mit graublauen, ein bi\u00dfchen erhabenen Streifen. Aber auf der Brust zwei sehr verschiedene Muster, eine Verwechslung war zum Gl\u00fcck ausgeschlossen. Josef zog seinen sofort an. Johann h\u00e4tte seinen lieber unterm Christbaum gesehen, aber weil alle sagten, er solle seinen doch auch probieren, zog er ihn an. Johann mu\u00dfte, als er sp\u00fcrte, wie ihn dieser Pullover fa\u00dfte, schnell hinaus, so tun, als m\u00fcsse er auf den Abort, aber er mu\u00dfte vor den Spiegel der Garderobe im Hausgang, er mu\u00dfte sich sehen. Und er sah sich, silbergrau, fast bl\u00e4ulich erhabene Streifen, auf der Brust in einem Kreis ein Wappen. K\u00f6nigssohn, dachte er. Als er wieder hineinging, konnte er nicht ganz verbergen, wie er sich f\u00fchlte. Mina merkte es. Der steht dir aber, sagte sie.<\/p>\n<p>Dieser Pullover waren aus dem Allg\u00e4u gekommen, von Anselm, dem Vetter genannten Gro\u00dfonkel.<\/p>\n<p>Zu jedem Geschenk geh\u00f6rte ein Suppenteller voller Pl\u00e4tzchen, Butter-S, Elisen, Lebkuchen, Springerle, Zimtsterne, Spitzbuben, Makronen.<\/p>\n<p>Die Mutter sagte zu Mina hin und meinte die Pl\u00e4tzchen: Ich k\u00f6nnt \u2019s nicht. Johann nickte heftig, bis Mina bemerkte, da\u00df er heftig nickte. Er hatte letztes Jahr von Adolfs Pl\u00e4tzchenteller probieren d\u00fcrfen. Bruggers Pl\u00e4tzchen schmeckten alle gleich, von Minas Pl\u00e4tzchen hatte jede Sorte einen ganz eigenen Geschmack, und doch schmeckten alle zusammen so, wie nur Minas Pl\u00e4tzchen schmecken konnten. In diesem Jahr lag neben Johanns und Josefs Teller etwas in Silberpapier eingewickeltes L\u00e4ngliches, und aus dem Silberpapier ragte ein F\u00e4hnchen, darauf war ein rotes Herz gemalt und hinter dem Herz stand \u2013lich. \u00dcber dem Herz stand: Die Prinzessin gr\u00fc\u00dft. Josef probierte schon, als Johann noch am Auspacken war. Nougat, sagte er. Richtig, sagte die Prinzessin. Toll, sagte Josef. Johann wickelte seine Nougatstange unangebissen wieder ein.<\/p>\n<p>F\u00fcr Mina und Elsa gab es Seidenstr\u00fcmpfe. Beide sagten, da\u00df das doch nicht n\u00f6tig gewesen w\u00e4re. F\u00fcr Mina lag noch ein Sparbuch dabei. Mit einem kleinen Samen, sagte die Mutter. Bei der Bezirkssparkasse. Die gehe nicht kaputt. Mina sagte kopfsch\u00fcttelnd: O Frau, vergelt \u2019s Gott! F\u00fcr die Prinzessin lagen mehrere Wollstr\u00e4nge in Blau unter dem Baum. Sie nahm sie an sich, salutierte wie ein nachl\u00e4ssiger Soldat mit dem Zeigefinger von der Schl\u00e4fe weg und sagte: Richtig. Und zu Johann hin: Du wei\u00dft, was dir bevorsteht. Johann sagte auch: Richtig! Und gr\u00fc\u00dfte zur\u00fcck, wie sie gegr\u00fc\u00dft hatte. Er mu\u00dfte immer abends die H\u00e4nde in die Wollstr\u00e4nge stecken, die die Prinzessin dann, damit sie nachher stricken konnte, zum Kn\u00e4uel aufwickelte. In jeder feien Minute strickte sie f\u00fcr ihren Moritz, den sie einmal im Monat in Ravensburg besuchen durfte; aber allein sein durfte sie nicht mit dem Einj\u00e4hrigen. Die Mutter des Siebzehnj\u00e4hrigen, der der Kindsvater war, sa\u00df dabei, solange die Prinzessin da war. Nach jedem Besuch erz\u00e4hlte die Prinzessin, wie die Mutter des Kindsvaters, die selber noch keine vierzig sei, sie keine Sekunde aus den Augen lasse, wenn sie ihren kleinen Moritz an sich dr\u00fcckte. Die Prinzessin, hie\u00df es, sei einunddrei\u00dfig. Sie hatte jedem etwas neben den Teller gelegt, und jedesmal hatte sie ihr Herz-F\u00e4hnchen dazugesteckt. F\u00fcr Elsa eine wei\u00dfe Leinenserviette, in die die Prinzessin mit rotem Garn ein sich aufb\u00e4umendes Pferd gestickt hatte. F\u00fcr Mina zwei Topflappen, in einem ein gro\u00dfes rotes A, im anderen ein ebenso gro\u00dfes M. F\u00fcr Niklaus hatte sie an zwei Fu\u00dflappen sch\u00f6ne R\u00e4nder geh\u00e4kelt. F\u00fcr Herrn Seehahn gab es ein winziges Fl\u00e4schchen Eierlik\u00f6r. F\u00fcr die Mutter einen Steckkamm. F\u00fcr den Vater ein S\u00e4ckchen mit Lavendelbl\u00fcten. F\u00fcr den Gro\u00dfvater ein elfenbeinernes Schnupftabakd\u00f6schen. Johann, sagte sie, geh, bring \u2019s dem Gro\u00dfvater und sag ihm, Ludwig der Zweite, habe es dem Urgro\u00dfvater der Prinzessin geschenkt, weil der den K\u00f6nig, als er sich bei der Jagd in den Kerschenbaumschen W\u00e4ldern den Fu\u00df verstaucht hatte, selber auf dem R\u00fccken bis ins Schlo\u00df getragen hat. Alle klatschten, die Prinzessin, die heute einen wild geschminkten Mund hatte, verneigte sich nach allen Seiten. Johann h\u00e4tte am liebsten nur noch die Prinzessin angeschaut. Dieser riesige Mund pa\u00dfte so gut unter das verrutschte Glasauge. F\u00fcr Niklaus lagen wieder ein Paar Socken und ein P\u00e4ckchen Stumpen unterm Baum. Die Socken, es waren die vom vorigen Jahr, lie\u00df er auch diesmal liegen. Die Stumpen, den Teller voller Pl\u00e4tzchen und die umh\u00e4kelten Fu\u00dflappen trug er zu seinem Platz. Im Vorbeigehen sagte er zur Prinzessin hin: Du bist so eine. Sie salutierte und sagte: Richtig. Dann ging er noch einmal zur\u00fcck, zum Vater hin, zur Mutter hin und bedankte sich mit einem H\u00e4ndedruck. Aber er schaute beim H\u00e4ndedruck weder den Vater noch die Mutter an. Schon als er seine Rechte, der der Daumen fehlte, hinreichte, sah er weg. Ja, er drehte sich fast weg, reichte die Hand zur Seite hin, fast schon nach hinten. Und das nicht aus Nachl\u00e4ssigkeit, das sah man. Er wollte denen, die ihn beschenkt hatten, nicht in die Augen sehen m\u00fcssen. Niklaus setzte sich wieder zu seinem Glas Bier. Nur an Weihnachten, an Ostern und am Nikolaustag trank er das Bier aus dem Glas, sonst aus der Flasche. Johann sah und h\u00f6rte gern zu, wenn Niklaus die Flasche steil auf der Unterlippe ansetzte und mit einem seufzenden Ger\u00e4usch leertrank. Wie uninteressant war dagegen das Trinken aus dem Glas. Niklaus setzte auch jede Flasche, die angeblich leer aus dem Lokal zur\u00fcckkam und hinter dem Haus im Bierst\u00e4nder auf das Brauereiauto wartete, noch einmal auf seinen Mund; er wollte nichts verkommen lassen.<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p>Der Vater ging zum Tannenbaum und holte ein blaues P\u00e4ckchen, golden verschn\u00fcrt, gab es der Mutter. Sie sch\u00fcttelte den Kopf, er sagte: Jetzt mach \u2019s doch zuerst einmal auf. Eine indische Seife kam heraus. Und Ohrringe, gro\u00dfe, schwarz gl\u00e4nzende Tropfen. Sie sch\u00fcttelte wieder den Kopf, wenn auch langsamer als vorher. F\u00fcr den Gro\u00dfvater lag ein Nachthemd unter dem Baum. Er sagte zu Johann, der es ihm bringen wollte: La\u00df es nur liegen. Als letzter packte der Vater sein Geschenk aus. Lederne Fingerhandschuhe, Glac\u00e9handschuhe, sagte der Vater. Damit k\u00f6nnte man fast Klavier spielen, sagte er zu Josef. Und zog sie an und ging ans Klavier und lie\u00df schnell eine Musikmischung aus Weihnachtsliedern aufrauschen. Hanse Luis klatschte Beifall mit gebogenen H\u00e4nden; das war, weil er seine verkr\u00fcmmten Handfl\u00e4chen nicht gegen einander schlagen konnte, ein lautloser Beifall. Er sagte: Was ischt da dagege dia Musi vu wittr her. Er konnte sich darauf verlassen, da\u00df  jeder im Nebenzimmer wu\u00dfte, Radio hie\u00df bei Hanse Luis Musik von weiter her. Dann stand er auf und sagte, bevor er hier auch noch in eine Bescherung verwickelt werde, gehe er lieber. Es schneie immer noch, er solle blo\u00df Obacht geben, da\u00df  er nicht noch falle, sagte die Mutter. Kui Sorg, Augusta, sagte er, an guate Stolperer fallt it glei. Er legte einen gebogenen Zeigefinger an sein gr\u00fcnes, randloses, nach oben eng zulaufendes J\u00e4gerh\u00fctchen, das er nie und nirgends abnahm, knickte sogar ein bi\u00dfchen t\u00e4nzerisch ein und ging. Unter der T\u00fcr drehte er sich noch einmal um, hob die Hand und sagte, er habe blo\u00df Angst, er sei, wenn es jetzt Mode werde, statt Gr\u00fc\u00dfgott zu sagen, die Hand hinauszustrecken, dumm dran, weil er so krumme Pratzen habe, da\u00df es aussehe wie die Faust von denen, die Heil Moskau schrieen. Und dann in seiner Art Hochdeutsch: Ich sehe Kalamit\u00e4ten voraus, Volksgenossen. Und wieder in seiner Sprache: Der sell hot g\u2019seet: No it hudla, wenn \u2019s a \u2019s Sterbe goht. Und mit Gutnacht miteinand war er drau\u00dfen, bevor ihm die Prinzessin, was er gesagt hatte, in Hochdeutsch zur\u00fcckgeben konnte. Elsa rannte ihm nach, um ihm die Haust\u00fcr aufzuschlie\u00dfen. Dann h\u00f6rte man sie schrill schreien: Nicht, Luis &#8230; jetzt komm, Luis, la\u00df doch, Luiiiis! Als sie zur\u00fcckkam, lachte sie. Der hat sie einreiben wollen. Johann staunte. Da\u00df  Adolf, Paul, Ludwig, Guido, der eine Helmut und der andere und er selber die M\u00e4dchen mit Schnee einrieben, sobald Schnee gefallen war, war klar; nichts sch\u00f6ner, als Irmgard, Trudl oder Gretel in den Schnee zu legen und ihnen eine Hand voll Schnee im Gesicht zu zerreiben. Die M\u00e4dchen gaben dann T\u00f6ne von sich wie sonst nie. Aber da\u00df man so eine Riesige wie Elsa auch einreiben konnte! Hanse Luis war einen Kopf kleiner als Elsa. Kaum war Elsa da, erschien Hanse Luis noch einmal in der T\u00fcr und sagte: Dr sell hot g\u2019sell, a Wieb schla, isch kui Kunscht, abe a Wieb it schla, desch a Kunscht. Und t\u00e4nzelte auf seine Art und war fort. Die Prinzessin schrie ihm schrill, wie gequ\u00e4lt nach: Ein Weib schlagen, ist keine Kunst, aber ein Weib nicht schlagen, das ist eine Kunst. Der Dulle hob sein Glas und sagte, Ohne dir, Prinzessin, t\u00e4t ich mir hier im Ausland f\u00fchlen.<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p>Die Bescherung war vorbei, jetzt also die Lieder. Schon nach dem ersten Lied, <em>Oh du fr\u00f6hliche, oh du selige<\/em>, sagte der Schulze Max zur Mutter, die beiden Buben k\u00f6nnten auftreten. Der Vater hatte die Glac\u00e9handschuhe wieder ausgezogen und spielte immer aufwendigere Begleitungen. Nach <em>Kommet ihr Hirten, ihr M\u00e4nner und Frau\u2019n<\/em> sagte der Schulte Max zu Dulle: Auf diese Musikanten trinken wir noch ein Glas. Wenn du einverstanden bist. Dulle nickte heftig. Dann gehen wir aber, sagte der Schulze Max. Dulle nickte wieder. Wieder heftig. Der Schulze Max: Wir wollen \u00fcberhaupt nicht anwachsen hier. Dulle sch\u00fcttelte den Kopf ganz heftig. Der Schulze Max: Heute schon gar nicht, stimmt \u2019s? Dulle nickte so heftig, da\u00df  er danach seine Brille wieder an ihren Platz hinaufschieben mu\u00dfte. Der Schulze Max: Auch eine Wirtsfamilie will einmal unter sich sein, stimmt \u2019s? Dulle nickte wieder, hielt aber, damit er heftig genug nicken konnte, schon w\u00e4hrend des Nickens die Brille fest. Der Schulze Max: Und wann m\u00f6chte, ja, wann mu\u00df eine Familie ganz unter sich sein, wenn nicht am Heiligen Abend, stimmt \u2019s? Dulle nahm, da\u00df er noch heftiger als zuvor nicken konnte, seine Brille ab. Der Schulze Max: Und was haben wir heute? Dulle, mit einer unglaublich zarten, fast nur noch hauchenden Stimme: Heilichabend. Der Schulze Max, sehr ernst: Daraus ergibt sich, sehr, sehr verehrte Frau Wirtin, da\u00df das n\u00e4chste Glas wirklich das letzte ist, das letzte sein mu\u00df. <\/p>\n<p>aus: <a href=\"http:\/\/www.wasserburg-bodensee.de\/kultur-kunst\/kulturelles\/martin-walser.html\" target=\"_blank\">Martin Walser<\/a>: Ein springender Brunnen (suhrkamp taschenbuch 3100 \u2013 1. Auflage 2000 \u2013 S. 92- 96, S. 98-101)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bescherung fand, weil auf das Klavier nicht verzichtet werden konnte, im Nebenzimmer statt. Das hei\u00dft, Josef und Johann hatten erst Zutritt, als der Vater am Klavier Stille Nacht, heilige Nacht spielte. 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